Fischfarmen bedrohen das antarktische Ökosystem

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    Re: Fischfarmen bedrohen das antarktische Ökosystem

    infoshark - 07.11.2006, 10:18

    Fischfarmen bedrohen das antarktische Ökosystem
    Fast jeder zweite Speisefisch wird gezüchtet. Besonders gefragt sind Zuchtlachse. Sie werden mit riesigen Mengen von Kleinkrebsen gefüttert. Der wachsenden Nachfrage nach Krill wird das Ökosystem der Antarktis möglicherweise nicht standhalten können.

    Von Virginia González und Rodolfo Kinkelin

    Hobart - Ein Bericht der Welternährungsorganisation stellt fest, dass fast die Hälfte des weltweit verzehrten Fischs nicht wild gefangen, sondern in Fischfarmen gezüchtet wird. Der Verbrauch keiner anderen Fischart dürfte dabei so in die Höhe geschnellt sein wie der der Zuchtlachse, deren Produktion in 20 Jahren um nahezu 300 Prozent angestiegen ist.

    Lachse sind Fleischfresser. Um ihren Appetit zu befriedigen, bedient sich die Aquakulturbranche zunehmend eines kleinen Krustentiers - des antarktischen Krills.

    Dies ist eine schlechte Nachricht für Seeleoparden und Adeliepinguine, Buckel- und Blauwale und viele andere Tierarten. Die meisten Organismen im antarktischen Meer ernähren sich nämlich entweder vom Krill oder von Tieren, die ihrerseits Krill fressen.

    Der Krill ist überdies ein wichtiger Bestandteil im Fischöl und im Fischfutter. Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Ausweitung der Krillfischerei das antarktische Ökosystem gefährdet. Die Vertreter der großen Fischfangnationen haben bei ihrem Treffen in diesem Herbst in Australien die Chance, den Krillfang zu beschränken und so jenen Tieren zu helfen, die auf den Krill angewiesen sind.

    Zusammenaddiert bildet der Krill eine gigantische Biomasse

    Obwohl jeder Krill nur ein Gewicht von höchstens zwei Gramm erreicht, bildet er insgesamt eine gigantische Biomasse, die möglicherweise größer ist als die aller anderen mehrzelligen tierischen Organismen auf unserem Planeten. Das "rosafarbene Gold" bildet das Herzstück der Nahrungskette in der antarktischen See, und sogar die sich von Krill ernährenden Pinguine und Robben leiden unter seiner Verknappung.

    Forscher haben festgestellt, dass die Nachfrage nach Krill in einigen Bereichen des Südwestatlantiks inzwischen das Angebot übersteigt. Infolgedessen haben Pinguine und Albatrosse in Gegenden wie South Georgia bereits Schwierigkeiten, ihren Nachwuchs aufzuziehen. Und trotzdem wird die Krillfischerei den Prognosen zufolge weiter zunehmen.

    Ein einziges Schiff fängt pro Daison bis zu 120.000 Tonnen Krill

    Im Südlichen Ozean gibt es die größten Krillbestände der Welt. Da der Krill sich in großen Schwärmen ansammelt, ist er leicht zu fangen und daher besonders für die kommerzielle Nutzung interessant. Darüber profitiert die Krillfischerei in letzter Zeit von neuen Technologien wie etwa Vakuumpumpen, die es einem einzigen Schiff ermöglichen, gewaltige Mengen Krill zu fangen - bis zu 120.000 Tonnen pro Saison.

    Darüber hinaus ist die Nachfrage nach Krillprodukten - von Fischöl und Fischfutter bis hin zu Hautcreme und sonstigen Kosmetika - während der vergangenen 20 Jahre gestiegen. Bei zunehmendem Schrumpfen der Wildfischbestände und einem stetigen Anstiegs des weltweiten Appetits auf Fische wird der Bedarf an Fischfutter in der Aquakulturbranche steil ansteigen. Der wachsenden Nachfrage nach Krill wird das Ökosystem der Antarktis möglicherweise nicht standhalten können.

    Doch es gibt Hoffnung: 1982 wurde als Antwort auf Befürchtungen, dass die fortdauernde unregulierte Fischerei die Grundlagen der antarktischen Nahrungskette untergraben könnte, als Teil des Antarktisvertragssystems das Übereinkommen über die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) geschlossen. Das CCAMLR wird durch eine Kommission von 24 Mitgliedstaaten - darunter Argentinien, Australien, Chile, Japan, Norwegen, Russland, Südafrika, Südkorea, die Ukraine, die USA und die EU - verwaltet, deren Vertreter jährlich in Hobart zusammenkommen, um neue Fischereibestimmungen in Bezug auf die Meerestierarten im Südlichen Ozean zu diskutieren.

    Gesamtfanghöchstmengen nach wissenschaftlichen Regeln festsetzen

    Das CCAMLR hat bahnbrechende Ansätze in Bezug auf das Ökosystem und Vorsorgemaßnahmen bei der Fischereiverwaltung entwickelt; diese spielen heute eine zentrale Rolle für den Erhalt des antarktischen Krills. Nachdem die Bedürfnisse der vom Krill abhängigen Arten in der Vergangenheit für große Gebiete des Südlichen Ozeans Berücksichtigung fanden, muss das CCAMLR nun die Gesamtfanghöchstmengen nach wissenschaftlichen Regeln in kleinere Einheiten unterteilen. Dies würde dazu beitragen, die Konkurrenz zwischen Krillfischern und den vom Krill abhängigen Lebewesen zu vermeiden, da die Krillfischerei sich eng mit den lebenswichtigen Futtergebieten von Pinguinen und Robben überlappt.

    Virginia Gascón González ist Politikberaterin und Rodolfo Werner Kinkelin wissenschaftlicher Berater des Antarctic Krill Conservation Project. Project Syndicate, 2006



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