Ich wuerde jetzt auch nicht sagen, dass man die Technik "vernachlaessigen" sollte, weder im einen noch im anderen Bereich, abr darum ging es ja auch nicht ...
Wohl kann ich sagen, dass ich die Lockerheit und den Mut zum "haesslichen" Ton (und mit letzterem meine ich jetzt durchaus, dass das nicht zufaellig ist und als Unzulanglichkeit gewertet werden soll, sondern einfach dem klassischen Ideal widerspricht) im modernen Gesang sehr befreiend und hilfreich finde.
Wer "nur" schoen, sprich technisch einwandfrei, aber inhaltsleer und seelenlos, singt, erzeugt in mir gar nix. Da kann ich es schon eher verzeihen, wenn jemand ein guter Performer ist oder mich emotional anruehrt und da mal ein Ton daneben geht. Das soll aber keine Entschuldigung sein, dass man nicht arbeiten muss, wenn man modernes Repertoire singt.
Was ich aber ganz schlimm finde: Wenn Leute mit klassischer Ausbildung modernes Repertoire mit klassischer Stimme singen und dann auch noch stocksteif dabei rumstehen. Ich kann doch z.B. nicht "Big Spender" singen, ohne dabei eine dicke Show abzuziehen, da gehoert einfach ein knappes Kleidchen und Tschakka-Tschakka zu, wenn Ihr versteht, was ich meine ;-)
Oder aber, wenn es hilft, modernes Repertoire zu singen, um lockerer und freier zu werden, sollte man sich gut ueberlegen, ob man das noch authentisch genug kann, um es auch oeffentlich auf der Buehne zu tun. Umgekehrt natuerlich genauso: Wenn Popsaenger Opernarien schmettern, tut das ja in aller Regel auch meist ziemlich weh
Dann: Improvisation! Was ich schon an klassisch ausgebildeten Saengern verzweifelt bin, die echt nicht in der Lage sind, einen modernen Song zu interpretieren. Da wird stur das gesungen, was in den Noten steht - macht man doch bei Opernarien auch so
Ein Pop- oder Musicalsong ist aber keine Opernarie, und da gehoert Freiheit in der Interpretation unbedingt dazu, sonst wird es sterbenslangweilig. Gut, nicht jeder ist ein geborener Improvisationskuenstler, aber gewisse Grundlagen kann man auch da lernen. Vielleicht ist das aber eine gewisse Unsicherheit, dass man ploetzlich harmonisch danebenliegen koennte oder so - keine Ahnung. Letzteres laesst sich einfach vermeiden, wenn man einigermassen musikalisch ist und weiss, wie der Song sich harmonisch aufbaut, von daher verstehe ich das nicht ...
Angst vor Kontrollverlust?
