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Jamida - 13.07.2007, 13:38
Kapitel 4
Spike kniete am Boden und hielt sich den Bauch fest. Der Doktor stand mit einer Pistole über ihm. Da er mit dem Rücken zu ihr stand, bemerkte er sie nicht.
„Endstation, mein Junge. Eine weitere Kugel und du zerfällst zu Staub. Das weißt du genau. Also, sag mir endlich, was du weißt und ich lasse dich gehen. Die Kleine in meinem Büro hat genug Blut in ihren Adern um diese Wunde wieder zu heilen.“
Während Doktor Vingt auf die Antwort des geschwächten Vampirs wartete, lief Moira zurück in das Büro und nahm sich den Briefbeschwerer, der auf dem Schreibtisch stand. Das Mädchen schlich sich hinter ihn und schlug mit dem Briefbeschwerer zu. Der Mann ging bewusstlos zu boden.
Sie kümmerte sich nicht um ihn, sondern ging zu Spike:
„Alles in Ordnung?“
„Es geht schon. Lass uns hier abhauen.“
Moira führte sie hinaus. Sie nahm den Weg, den sie gekommen war.
„Endlich frei!“, dachte das Mädchen.
Sie stürmten den Flur entlang und schlossen die Tür auf.
Sie traten aus dem Gebäude hinaus und standen nun auf dem Parkplatz. Das Gelände war von einem hohen Zaun umgeben, der ihr das letzte Mal gar nicht aufgefallen war. Der Zaun war zu hoch um rüber zu klettern. Zumindest für sie. Sie war sich nicht sicher, ob Spike das nicht vielleicht schaffen könnte. Es würde sie nicht wundern, wenn er das könnte, bei dem, was sie schon über Vampire gelesen hatte.
Hinter ihnen vernahm sie ein Geräusch, beide drehten sich um. Mehrere Wachen standen mit Elektroschockern hinter ihnen. Die beiden sahen sich an.
„Flieh! Ich schaff das schon.“
Das ließ sie sich nicht zweimal sagen. Sie rannte davon.
So schnell sie konnte, lief sie über den Parkplatz. Auf der anderen Seite war ein Tor. Durch dies könnte sie fliehen, doch es fing an sich zu schließen.
Moira versuchte schneller zu laufen, doch es ging nicht. Das Tor schloss sich immer mehr. Als sie dort ankam, war es komplett geschlossen.
Was sollte sie jetzt machen?
Moira schaute sich um. Es gab keinen anderen Ausweg. Sie drehte sich noch einmal herum um zu schauen was Spike tat. Der Vampir tat sich Genugtuung an dem Hals der wahrscheinlich letzten noch lebenden Wache. Es dauerte nicht lange als er schon in ihre Richtung lief.
„Sie haben das Tor geschlossen,“ platzte es aus dem verzweifelten Mädchen heraus.
„Macht nichts. Wenn nicht dran vorbei, dann oben drüber.“
„Aber ich kann nicht drüber klettern. Es ist zu hoch.“
„Macht nichts,“ er drehte ihr den Rücken zu.
„Halt dich fest.“
Sie trat einen Schritt näher an ihn ran und legte ihm ihre Arme um den Hals.
„Gut festhalten!“
Er ging ein wenig in die hocke und stieß sich ab. Mit einer unglaublichen Leichtigkeit landete er auf der anderen Seite des Zauns. Moira hatte kaum etwas von dem Sprung über den vier Meter hohen Zaun bemerkt, Eher spürte sie nur seine Muskeln, die sich für einen Moment anspannten.
Nach der Landung hielt sie sich noch eine Sekunde an Spike fest bevor sie los lies. Der Vampir drehte sich um und sah ihr mit seinen in der Dunkelheit glühenden Augen an:
„Komm, lass uns abhauen.“
„Ja. Du hast recht.“
Sie verschwanden in der Dunkelheit, unerreicht von den Scheinwerfern. Sie liefen immer weiter, bis sie nicht mehr konnte. Weit hinter ihnen verstummten die Sirenen.
„Ich kann nicht weiter. Ich bin müde,“ klagte Moira.
„Wir müssen uns aber noch ein Versteck für den Tag suchen. Es wird bald hell.“ Mit diesen Worten hob er sie, einen Arm unter ihren Kniekehlen und den anderen hinter ihren Rücken, hoch und ging eilig weiter.
Im nächsten Dorf, ungefähr drei Kilometer entfernt, fanden sie eine Scheune, wo sie den Tag verbringen konnten. Spike hatte sie unermüdlich den ganzen Weg getragen.
Niemandem schien die Scheune zu gehören, da sie leer und heruntergekommen war. Spike fand nur einen kleinen Haufen Stroh, worauf sie es sich bequem machen konnten.
Kurze Zeit nachdem sie sich gesetzt hatten, öffnete sich das Tor und eine Frau kam rein.
„Das ist mein Schlafplatz. Sucht euch einen anderen,“ mit diesen Worten ging sie agressiv auf Spike zu.
Der schaute sie grimmig an: „Wir werden ja sehen, wer hier bleibt und wer nicht.“
Daraufhin ging sie ohne Vorwarnung auf ihn los.
Es war ein Machtkampf wie Moira ihn noch nie gesehen hatte. Sie schlugen und traten mit einer Knochenbrechenden kraft auf einander ein. Erst flog der eine durch die Scheune und dann der andere. Es schien ewig zu dauern und es wurde immer heftiger.
Moira nahm sich, ohne zu wissen was sie tat, ein abgebrochenes Brett und ging langsam zu der Frau hin. Diese hatte Spike, der langsam erschöpft war, an die Wand gedrückt und sagte:
„Du hast dich der Falschen entgegen gesetzt. Jetzt muss du dafür büßen.“
Sie machte sich bereit Spike zu beißen, doch das Brett durchbohrte den Rücken der Frau, die total auf ihren Gegner fixiert war, mit einem Ruck. Sie zerfiel zu Staub und verteilte sich über den Boden. Moira hielt immer noch das Stück Holz in der Hand als Spike sagte:
„Danke, du hast mir das Leben gerettet.“
Sie ließ das Holz fallen und warf sich in die starken Arme des Vampirs.
Sie standen einfach nur da, er hielt das Mädchen in den Armen und sie ließ sich festhalten. Sie war froh, das er sie nicht gleich wieder losgelassen hatte, sondern sie weiter hielt. In diesem Moment war sie, seit dem Tod ihrer Mutter, das erstemal wieder glücklich.
Dennoch war es seltsam. Anfangs hatte sie Angst vor ihm gehabt. Diese legte sich wieder und er versuchte sie zu beißen. Kurz darauf rettete er ihr das Leben vor einem anderen Vampir. Daraufhin flohen sie zusammen, wobei er sie ein gutes Stück des Weges getragen hatte. Dann rettete sie ihm das Leben. Und jetzt standen sie dort und umarmten sich herzlich. Dieses Wechselbad der Gefühle machte Moira ein wenig wirr im Kopf. Mochte sie ihn? Oder sollte sie Angst haben? Offensichtlich versuchte er sie nicht mehr zu töten. Aber warum hatte er es in der Zelle versucht?
Langsam löste sie sich wieder von ihm und setzte sich in den Strohhaufen. Sie wollte sich erst einmal wieder kurz sammeln. Als Spike sich neben ihr niederließ fiel ihr auf, dass der Vampir einen sehr lehren Blick und eine noch blassere Haut hatte als vorhin.
„Was ist los mit dir? Fühlst du dich nicht gut?“ fragte sie ihn besorgt.
„Das kämpfen, sowie das heilen der Wunden, hat mich einiges an Kraft gekostet. Aber es geht schon. Ich muss nur in der nächsten Zeit trinken.“
„Was meinst du mit `in nächster Zeit´?“
„Spätestens Morgen. Lass uns ein wenig schlafen. Wir müssen morgen noch ein Stück laufen.“
Er ließ sich zurücksinken und schloss die Augen.
Einige Zeit saß sie einfach nur da, sah ihn an und dachte nach. Wieso vertraute sie ihm? Er war ein Vampir. Er war böse. Er hatte allein heute bestimmt Zwanzig Menschen getötet. Wie viele mussten es wohl in seinem ganzen Leben sein? Wie alt war er wohl? Aussehen tat er wie Vierundzwanzig oder Fünfundzwanzig. Aber Vampire altern nicht. Er könnte bereits zehnmal so alt sein. Es würde niemandem auffallen.
Langsam wurde sie richtig müde. Draußen müsste es bestimmt schon dämmern und sie hatte die Ganze Nacht noch nicht geschlafen. Also legte sie sich auch nieder und schlief sofort ein.
Am nächsten Abend wachte Moira vor Spike auf. Sie ging hinaus und setzte sich auf die Wiese, die vor der Scheune lag, und dachte nach. Es dauerte nicht lange bis die Sonne unterging. Den Sonnenuntergang hat er bestimmt schon lange nicht gesehen und er würde es auch nie wieder. Irgendwie tat er ihr leid. Es gab so schöne Sachen die man als Vampir nicht mehr tun konnte.
Kurz nachdem die Sonne entgültig verschwunden war kam auch Spike hinaus und setzte sich neben Moira, ohne das sie auf ihn achtete.
„Wir müssen weiter,“ sagte er.
Sie fuhr zusammen.
„Oh entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken. Aber wir müssen wirklich weiter.“
„Ja, ist schon gut, ich komme.“
„Worüber hast du nachgedacht? Über deine Mutter?“
„Woher weißt du von meiner Mutter?“
„War nur ne Vermutung,“ er lächelte verschmitzt.
„Nein, ich habe über etwas anderes nachgedacht.“
„Und worüber?“
„Ähm...“ Sie konnte ihm doch nicht einfach auf die Nase binden das er ihr Leid tat. Das würde es wahrscheinlich noch schlimmer machen.
„Ich habe mich gefragt was ich nun tun soll,“ antwortete sie schließlich.
„Und? Was hast du vor?“
„Ich weiß nicht. Nach Hause kann ich nicht. Manfred hat doch schon mal versucht mich loszuwerden. Er würde es bestimmt noch einmal versuchen. Außer meiner Großmutter hab ich sonst keinen mehr, und die ist im Altenheim. Mein Stiefvater hat darauf bestanden als meine Mutter gestorben war.“
Sie gingen zwischenzeitlich weiter. Immer weiter die Straße entlang, die sie von der Anstalt aus schon gefolgt waren. Als Moira fragte:
„Kannst du mich nicht mitnehmen?“
„Das kann ich nicht machen. Es ist zu gefährlich bei mir. Die ganzen Vampire in L.A....“
„Das ist mir egal!“
Sie stellte sich vor ihn und sah ihm in die Augen:
„Spike... Ich... mag dich einfach.“
Sie wurde etwas rot. Als sie dies bemerkte, drehte sie sich um und ging weiter. Einen Augenblick später folgte ihr der Vampir. Sie gingen schweigend nebeneinander her. Es dauerte einige Minuten bis Spike das Wort ergriff:
„Ist in Ordnung. Ich nehme dich mit zu mir. Aber ich muss dich warnen, ich kann nicht immer auf dich aufpassen.“
„Ja. Hauptsache ich bin weg von Manfred.“
Sie war erleichtert, dass sie nicht mehr zu diesem Kerl musste. Denn sie war noch Minderjährig und konnte nicht einfach so ausziehen. Obwohl sie sich schon öfters gewünscht hatte einfach weggehen zu können und alles zurückzulassen. Dennoch war sie einerseits besorgt. Rico, ihr Hund, war noch dort. Was, wenn Rico...
„Schau mal...,“ wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. „...ein Motel. Dort können wir den Tag verbringen.“
„Ja gut.“
„Was ist los?“
„Ich mache mir sorgen um meinen Hund. Der ist noch bei Manfred.“
„Ach was, dem passiert schon nichts.“
„Du weißt gar nicht, wie Manfred mit ihm umgeht. Er hat ihn bis jetzt bestimmt noch nicht gefüttert und...“
„Hör mal,“ unterbrach er sie. „Ich besorg uns morgen ein Auto und wir holen Rico bevor wir nach Los Angeles fahren. In Ordnung?“
Sie nickte nur. Spike konnte es nicht sehen wenn eine junge Frau - die sie in seinen Augen war - traurig war. Dies trieb ihn ab und an auch zu unvernünftigen Entscheidungen, die ihm aber im nachhinein nie leid taten.
Einige Minuten später kamen sie an dem Motel an. Es bestand aus einem Hauptgebäude und fünf Bungalows. Überall lag Müll rum. Doch sie hatten keine andere Wahl, die Sonne würde schon bald aufgehen und es war weit und breit nichts anderes zu sehen, wo sie hätten „übertagen“ können. Also gingen die beiden in das Haupthaus.
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