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Anna - 13.07.2007, 11:53
some byron, shelley and keats
jane campion (das piano, portrait of a lady) dreht einen neunen film... das sagt zumindest eine zeitung am hamburger bahnhofskiosk. und imdb bestätigt...

darin zu finden: ben wishaw (grenouille, demnächst sebastian flyte und auch bob dylan) als john keats und abbie cornish (demnächst elizabeth throckmorton in "elizabeth - the golden age") als seine junge geliebte/kurzzeitig angelobte fanny brawne.

das machwerk (von campion selbst geschrieben) hört bisher auf den titel "bright star" und befaßt sich mit eben der romanze zwischen dem poeten keats und fanny brawne, die für alle seine liebesgedichte verantwortlich sein dürfte. die verlobung war schon in tüten, als sie wegen keats schlechtem gesundheitszustand (was wars? TBC?) wieder gelöst wurde und selbiger kurz darauf/5 jahre später in italien mit mitte 20 verstarb. na, denn bin ich mal gespannt, wie daraus n ganzer langer film wird...



hier ist der link zum wikipedia eintrag. von euch hat nicht zufällig jemand mal einen blick in die furchtbar skandalöse korrespondenz zwischen keats und brawne geworfen, oder? würde mich ja schon interessieren, was sich damals so den titel skandalös verdiente...
Bruki - 04.10.2007, 16:53

Anna ist mal wieder ein wenig Wischiwaschi, was den Titel des Threads angeht :wink:, so nutze ich die Gelegenheit, ein wenig Coleridge, Wordsworth und Southey hinzuzufügen :lol:

"Pandaemonium"

Hier ist der IMDB-Eintrag...

Die drei Altmeister der Romantik und Zeitgenossen Jane Austens treffen in diesem Film aufeinander (wie im wahren Leben auch)... Es ist 1813 und Wordsworth erwartet seine Ernennung zum "Hofpoeten" - was er im Kreise seiner Freunde und Bewunderer zu feiern gedenkt... und so kommen sie zusammen - die alte Garde der Revolution - inzwischen schon zum Establishment gehörend, gescheiterte Existenzen - und ihre jungen Nachfolger und Bewunderer wie der Frauenschwarm Lord Byron (damals waren Dichter sowas wie heute die Rockstars: Sex and Drugs and Rock'n'Roll)...

In die Feierlichkeiten platzt der alte Kumpel Coleridge - bekifft wie immer - rein und zertöppert erstmal eine Menge Geschirr... und eine Rückblende: 20 Jahre früher, da war man begeisterter Anhänger der Ökologiebewegung, Friedensfreund und Revolutionär... ganz romantisch, man hielt flammende Ansprachen, dichtete und verfasste illegale Flugschriften auf illegalen Druckmaschinen... alles nicht sehr beliebt bei den Autoritäten, aber die jungen Mädels flogen auf solche Kerle... und so auch Samantha Morton, die sich mit Coleridge, dem brillanten Dichter und eloquenten Redner zusammentat und eine Art Landkommune gründete... und ein Baby bekam (woher das schöne Gedicht Coleridges vom Frost, dem Mond und dem Baby herrührt)...



Ach ja: und das Schwein im BBC-Drama natürlich nicht zu vergessen:



Da die Regierung ihnen auf den Fersen ist, ziehen sie es vor abzutauchen und ins Lake Gebiet zu verschwinden, und da die Landwirtschaft nicht so viel abwirft, um davon leben zu können, beschließen sie ein großes, ein neues, ein nie dagewesenes Poem zu schreiben: Coleridge, seine Frau, Wordsworth und seine Schwester Dorothy... und um die Inspiration auf Trab zu bringen experimentiert man eifrig mit diversen Drogen (phallischen Pilzen, Opium bis Helium - mit durchaus seltsamen Effekten :wink:)



... doch der einzige, der etwas auf Papier zu bringen in der Lage ist, ist Coleridge, der dafür jedoch einen hohen Preis zu zahlen gezwungen ist...



... und so kommt mit dem Erfolg auch der persönliche Abstieg in die Drogenhölle... Neid, Missgunst, Verzweiflung und Verrat...

20 Jahre später trifft man wieder aufeinander und Lebenslügen zerbrechen (man beachte die kleidsame Frisur Emma Fieldings :rofl:)



... und wem das jetzt zu modern klingt: So soll es auch sein... der Autor/Regisseur haben es geschafft, eine wunderbar moderne Geschichte in einer wunderbar altmodischen Hülle zu verpacken... und obwohl mir die 1813ger Gesellschaft modisch etwas zu viktorianisch geworden ist und das Kinderspielzeug am Ende der Filmes verdächtig gegenwärtig erscheint, well done, Julien Temple... ach, und nicht zu vergessen den Drehbuchautor (der auch "A Cock and Bull Story" und "The Claim" schrieb)...



... und Emily Woof hat zum Schluss noch einen großen Auftritt als sie Colridges "Kubla Khan" zitiert



Bruki :bruki:

PS: Schöne Landschaft und Häuser:



PPS: Ein paar magische Momente: ... eine feurige Kutsche, ein schöner Ballon und eisiger Mondschein:

Anna - 04.10.2007, 17:31

Bruki hat folgendes geschrieben: Anna ist mal wieder ein wenig Wischiwaschi, was den Titel des Threads angeht :wink:, so nutze ich die Gelegenheit, ein wenig Coleridge, Wordsworth und Southey hinzuzufügen :lol:

pffft. wischi waschi. :beleidigt: das ist ein astreines zitat der gegenwärtigen blonden, britischen popkultur. und wenn dir dass nicht passt, dann mach doch n eigenen thread auf :bäh: :rofl:

die geschichte hört sich recht interessant an. und vor allem so, als könne man ohne großes bücherwälzen einen einblick in geschichte nehmen und danach an der kaffeetafel wieder hervorragend mit seinem halbwissen glänzen. funktioniert meist astrein. ;D

aber was bitte sind denn phallische pilze??? und inwiefern beeinflußt das phallische ihre bewußtseinserweiternde wirkung :suspekt:
Bruki - 04.10.2007, 17:57

Anna hat folgendes geschrieben: ... aber was bitte sind denn phallische pilze??? und inwiefern beeinflußt das phallische ihre bewußtseinserweiternde wirkung :suspekt:
Klar, dass Dich DAS vor allem interessiert :blll:

Hier ist der phallische Pilz und seine Wirkung (man beachte den erneuten Beweis für die Existenz von Unterhosen im Regency :ja:)



Bruki :bruki:
Anna - 04.10.2007, 18:03

nuja, die darsteller hätten sich wohl kaum zu diesen beweisszenen überreden lassen, wenn die unterwäsche nicht vom kostümdesigner verordnet worden wäre... oder, wenns den darstellern nix ausmacht, dann doch den hasenfüßigen verleihern...

hey, und das die jeden unausgewachsenen schopftintling oder übergroßen spargel (beides nicht giftig. und schon garnicht bewußtseinserweiternd) gleich mit dem scheinbar klangvollen adjektiv phallisch versehen, dafür kann ich nix. und angesichts der tatsache, dass pilze im prinzip ja auch nur fruchtkörper sind irgendwie fast doppelt gemoppelt. aber bitte, wenns sich so besser verkauft...

und ich dachte, gammlige äppel wären der gipfel literarischer berauschung gewesen...
Bruki - 04.10.2007, 18:15

Anna hat folgendes geschrieben: ... und ich dachte, gammlige äppel wären der gipfel literarischer berauschung gewesen...
Ja könnten auch Stechäpfel(?) gewesen sein, da es aber auf der DVD keine UT gab, war ich etwas ratlos, welche Drogen die da so eingeworfen haben (außer Helium und Opium)... aber bitte, das ist nicht mein Fachgebiet, da musst Du schon selber sehen, was das gewesen sein könnte, das deren Welt auf den Kopf stellte...

Bruki :bruki:
Anna - 04.10.2007, 18:25

wie sind die eigentlich an helium gekommen? damals gabs doch noch gar kein disney-land mit extra mickey-maus-ballon stand?
Bruki - 04.10.2007, 19:02

Anna hat folgendes geschrieben: wie sind die eigentlich an helium gekommen? damals gabs doch noch gar kein disney-land mit extra mickey-maus-ballon stand?
Meine Güte, bist Du aber neugierig... denn will ich mal lieber gar nichts von dem Kondensstreifen am Himmel beim Drogen-Picknick und dem Atomkraftwerk im Hintergrund erwähnen, wenn Coleridge sich laudanumselig im Schlamm wälzt :wink:

Also, soweit ich das verstanden habe, hat Davy (oder David(?)) den Ballon mit dem Heliumgas an die Wordsworth-Geschwister gesendet als Begrüßungsgeschenk zum Einzug in das nahe der Farm der Coleridges gelegene von den Wordsworth' gemietete Herrenhaus... Ansonsten bin ich überfragt :nixweiss: ... Aber da Du ja Chemie studiert hast (Ammoniak und son Zeugs), kannst Du Dir das vielleicht selbst beantworten...

... und ich wette, da sind noch mehr Sonderbarlichkeiten in dem Film versteckt, als nur die Betonkuppeln im Hintergrund und die Düsenflugzeuge am Himmel... :wink:

Bruki :bruki:
Anna - 11.06.2008, 14:08
Re: some byron, shelley and keats
Anna hat folgendes geschrieben: jane campion (das piano, portrait of a lady) dreht einen neuen film... "bright star"

hier gibt es eine seite zum film. bislang noch eine ziemliche zettelwirtschaft mit wenigen fotos von den proben und einigen anekdötchen vom set.
Anna - 15.06.2008, 10:13

ein artikel aus der online ausgabe der daily mail:



also das bild und die tatsache, dass the director has used nature and seasons a lot as a kind of emotional tone lassen mich schon hoffen, obwohl ich gewöhnlich nicht der riesen-campion-fänn bin. und mich insgeheim auf ben wishaw ohne fransenfrisur gefreut habe...



baz bamigboye hat folgendes geschrieben: Campion champions Keats and his lover

Jane Champion comes bounding down a gravel path and, suddenly, her body goes into karate mode.

She's only kidding - one of the assistants on Bright Star, her film about the intense relationship between the poet John Keats and Fanny Brawne, the young woman he met in the last two years of his life, happens to be a martial arts champion and she's just having a laugh with her.

All the same, it's good to see this most passionate of directors having fun on a film that lingers on the subject of death (there's romance as well, I hasten to add).

For me, it marked a marvellous contrast: going from the craziness of the Cannes Film Festival to contemplating Keats in the quiet of the English countryside.

Bright Star (the title of a Keats poem about Fanny) ends its nine-week shooting of principal photography today, and has brought together two of the most exciting up-and-coming stars working in cinema.

Abbie Cornish, the Australian-born actress who has given such powerful performances in movies as diverse as Somersault and Stop-Loss, portrays Fanny. She said that she read Campion's script once, and it was 'burned into her imagination'.

Ben Whishaw, whose Trevor Nunndirected Hamlet at the Old Vic is indelibly seared in the memories of those who saw it - and who, by the way, re-defines Sebastian in the new film version of Brideshead Revisited - takes on the role of Keats.

Paul Schneider plays Charles Armitage Brown and Kerry Fox plays Fanny's mother. Ms Fox starred in Campion's early film An Angel At My Table 20 years ago. Thomas Brodie-Sangster and Edie Martin, both young and, clearly, stars of the future, play Fanny's younger siblings.

The main set has been in deepest Bedfordshire - a remote farming estate with a pond standing in for Hampstead Heath.

Campion has shaped her screenplay through her own researches and using information from Andrew Motion's biography of Keats.

Jan Chapman, Campion's long-time producer and a major force in cinema in her own right, told me that the director has used nature and seasons a lot as a kind of emotional tone, although during filming, the weather didn't always play along.

The movie - a joint British-Australian production - is essentially told from Fanny's point of view. Chapman said: 'There are a lot of letters from Keats, but there's hardly anything written from Fanny, so Jane's had to create her whole character, really. These are Jane's views of an 18-year-old girl full of intense feelings and extreme emotional expression.'

Over 13 weeks of rehearsals and filming, the actors seem to have put life on hold to fully embrace their characters. 'I think sometimes the balance isn't always what it should be,' Ben told me, with a rueful laugh. ' Sometimes the work I'm doing feels more real than my life. It just sort of happens; the character takes over.'

Indeed, Chapman noted that it was spine-tingling, watching the actor 'almost channelling Keats'.

Ben said he was struck at how death looms large over Keats's story, and added that Fanny's role in Keats' poetry was vital. 'He wrote all the poetry he's remembered for now in the space of a year, and that was the year she came into his life,' he said.

Ironically, the strict social conventions of the time, which kept Keats and Fanny apart, also played a part in inspiring his work, Ben added. 'Because Keats had little money, he wasn't able to marry Fanny. It was social etiquette that got in the way.

'There's something really beautiful about those restrictions placed on a relationship because you have to express your love in different ways. I think that's another reason why the poetry and letters by Keats are so extraordinary.

'You couldn't just snog and have sex - there's beauty in that innocence.'
Anna - 18.06.2008, 19:36

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