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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Jaden - Clayton - Sergej Voltaire - Helena Voltaire Forum: Voltaire aus dem Unterforum: Geschichte Antworten: 73 Forum gestartet am: Freitag 23.01.2009 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Kapitel 1 Letzte Antwort: vor 13 Jahren, 6 Monaten, 1 Tag, 19 Stunden, 57 Minuten
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Re: Kapitel 1
Jaden - 23.01.2009, 13:13Kapitel 1
Das gleichmäßige Aufblitzen der Lampen blendete unangenehm Hell, während die schwarze Tunnelwand an ihnen vorbeiflog. Im Abteil des Zuges herrschte allgemeine Aufbruchstimmung, die Leute nahmen ihre Jacken aus den Hanschubfächern und zogen ihre Koffer unter ihren Sitzen hervor.
Moskau, Endstation.
Der Zug bremste bereits unmerklich, was nur durch die Lichter zu erkennen war, die immer langsamer an den Fenstern vorbeiflogen, dann verschwand die schwarze Wand und der Blick auf den menschenleeren, unterirdischen Bahnsteig wurde frei.
Auch Jaden zog sich seine schwarze Jacke über warf noch einen prüfenden Blick in die spiegelnde Fensterscheibe um sich zu vergewissern, dass der Kragen seines schwarzen Hemdes das Tatoo an seinem Hals verdeckte, dann zog er sich die dunkelgraue Mütze über die schwarzen, mit weißen Strähnen durchsetzten Haare und fuhr in seine Handschuhe.
Es sollte kalt in Moskau sein, hatte sein Vater ihm geschrieben. Er solle dicke Klamotten mitnehmen, wenn er ihn besuchte.
Trotzdem kam er sich albern vor.
Der Zug kam mit einem knirschenden Kreischen der Bremsen zum Stehen, das ihm unangenehm in den Ohren gellte und bei dem er beinahe zusammenfuhr, dann öffneten sich die altmodischen Türen unter lautem Zischen, und er schob sich mit all den anderen Passagieren ins Freie.
Der Bahnsteig füllte sich, und die Menschen verteilten sich in alle Richtungen, stiegen die Treppe hinauf oder suchten ihren Anschlusszug, während Jaden sich erst einmal umsah und nochmal einen Blick auf den zerknitterten Zettel warf, den er in der Hand hielt:
Sehr geehrter Mr. Johan Bennet,
mit größtem Bedauern muss ich sie von dem Ableben ihres Vaters Dr. Theodor Bennet berichten.
Aufgrund des geringen Umfangs des Erbes habe ich mir erlaubt, dieses dem Schreiben beizulegen.
Bei Fragen und sonstigen Unklarheiten wenden sie sich bitte an mich.
In tiefer Anteilnahme,
Dr. F. C. Carthy, Anwalt
Ein Wohnungsschlüssel und ein altes Familienfoto war alles, was dem Brief beigelegen hatte, und auch wenn Jaden nicht die geringste Ahnung hatte, wo sich die Wohnung seines verstorbenen Vaters befand, würde er doch dankend darauf verzichten, sich bei diesem F. C. Carthy zu melden.
Abgesehen davon, dass er das überhaupt nicht konnte, weil der Anwalt seines Vaters es offenbar nicht für notwendig gehalten hatte, eine Telefonnummer zu hinterlassen.
Und seit wann verschickte man bitte Erbschaften in einem Briefumschlag?
Jadens Laune sank auf den Gefrierpunkt, als er den Zettel zu Boden segeln ließ ohne sich die Mühe machte, ihn zu zerknüllen.
Aber worüber beschwere ich mich eigentlich, dachte er mit einem trockenen Lächeln auf den Lippen, während er die vielen Stufen des Bahnsteigs hinaufstieg. Ist es nicht das, was ich immer gewollt habe? Mein Vater war mein letzter lebender Verwandter, und jetzt bin ich frei, losgelöst von allen familiären Banden. Niemand wird sich an Johan Bennet erinnern, und ich kann für den Rest meines Lebens Jaden sein.
Wirklich tolle Aussichten.
Jetzt brauchte er erstmal einen Drink.
Re: Kapitel 1
Clayton - 23.01.2009, 16:00
Wutentbrannt stieß Clayton die Tür zu der kleinen Kneipe auf, die sich unscheinbar zwischen den Gewaltigen Gebäuden rechts und links befand. Gezielt steuerte er auf die Bar zu und ließ sich frustriert auf einem der hohen Barhocker nieder.
„Hey Sergej, ich brauch ’n Wodka.“, grüßte er den dicklichen Wirt mit dem schwarzen Stoppelbart, der grüßend die Hand hob und sich an seinen Vorräten zu schaffen machte.
„Manmanman...“ murmelte er kopfschüttelnd in sich hinein und starrte pikiert auf das dunkle, abgenutzte Holz der Bar, auf der sich nach all den Jahren schon schwarze Flecken von Glasrändern abgezeichnet hatten, die selbst mit dem besten Putzmittel keine mehr zu entfernen vermochte. Dies, und nur dies, war die Bar seines Vertrauens, mit seiner verrauchten Luft und dem Geruch nach altem Holz und Alkohol. Das dunkle Licht hatte etwas beruhigendes und Sergej war eindeutig der beste Schankwirt in ganz Moskau. Er stellte keine Fragen, er hörte sich an, was man sagen wollte und man konnte wunderbar mit ihm reden. Manchmal bedauerte Clay es beinahe, dass Sergej nur ein Mensch war. In ein paar Jahren würde er sterben, und was würde dann mit seiner geliebten Bar geschehen?
Schlimmstenfalls würde sie in eine Parfümerie umfunktioniert werde, dachte Clay trocken. Glücklicherweise hinterfragte Sergej auch nicht, warum er nicht alterte. Seit der Dicke diese bar eröffnet hatte, war sie seine Hauptanlaufstelle, und das war schon vor vielen Jahren.
„Damnée merde ces putes riches de la Moscou…" brummelte Clay vor sich hin, der noch keine Anstalten machte, ein Gespräch mit Sergej zu beginnen, der ihm seinen Wodka brachte.
Er starrte das Glas an, in dem Wissen, dass es eigentlich gar nicht so gut schmeckte, doch es war hier in Moskau seine Pflicht und Gewohnheit geworden, dieses Getränk zu mögen.
Er nahm das Glas in seine Hand, drehte es ein paar mal und nahm dann einen Schluck des brennenden, klaren Flüssigkeit, die wohltuend seinen Rachen herunterbrannte.
Re: Kapitel 1
Jaden - 23.01.2009, 22:31
Irgendwo fand er schließlich eine kleine dustere Bar, die zwischen zwei Hochhäusern in einer kleinen Seitengasse lag. Nur ein alter Mann und ein paar Jugendliche gingen durch die enge Straße, die von nicht mehr als dem spärlichen blassweißen Licht einer Straßenlaterne beleuchtet wurde. Die Pfützen, die der Regen in Schlaglöchern und Unebenheiten hinterlassen hatte, spiegelten das blasse Licht wieder, während noch immer leichter Nieselregen fiel. Mit einem leisen Klacken schwang die verglaste, beschlagene Tür auf und die Türglocke klingelte, doch ihr Klang wurde sogleich von allgemeinem Gemurmel und dem Klappern von Gläsern übertönt.
Zu dumm dass er nicht wusste, wo sein Vater gewohnt hatte. Nur den Straßennamen hatte er einmal gelesen, allerdings in russisch, sodass er keine Ahnung hatte, wie man die kyrillischen Buchstaben aussprach. Darum würde er sich zuerst kümmern, und dann würde er das Grab besuchen, auch wenn ihm innerlich davor graute, vollständig von seinem alten, normalen Leben Abschied zu nehmen...
Niemand schenkte ihm mehr als einen verstohlenen Seitenblick und der Wirt streifte ihn bloß einmal mit ausdruckslosen Augen, bevor er sich wieder dem Glas zuwandte, das er gerade mit irgendetwas Hochprozentigem füllte.
Jaden stapfte zwischen den Tischen hindurch, an denen breitschultrige Kerle und alte Herren in dunklen Jacken saßen, meist in Gedanken versunken oder in halblaute Gespräche vertieft, und ließ sich auf einem klapprigen Barhocker vor dem Tresen nieder.
Hoffentlich fiel ihm der Name des Stadtteils wieder ein, ansonsten würde seine Suche recht mühselig werden.
Der penetrante Geruch von Rauch und Alkohol war ihm unangenehm.
„Damnée merde ces putes riches de la Moscou…", fluchte plötzlich der Kerl neben ihm und nahm einen tiefen Zug aus seinem Glas.
Jaden, der gerade dabei gewesen war, seine Handschuhe und die Mütze auszuziehen, hielt unwillkürlich in der Bewegung inne.
Französisch...
„Was darf’s denn sein?“, fragte der Wirt und unterbrach Jaden in seinen Gedanken.
„Russische Schokolade.“
Der Wirt erwiderte nichts mehr, warf ihm nur einen finsteren Blick zu, auch wenn Jaden sich nicht sicher war, ob es vielleicht sein normaler Gesichtsausdruck war, und wandte ihm den Rücken zu, wo er geschäftig mit einer Rumflasche und ein paar Tassen hantierte.
Schon nach kurzer Zeit drehte er sich wieder mit einer schweren Tasse um und rammte sie mit einem „Hier“ auf den Tresen.
„Merci“, sagte Jaden.
„Sto?“, entgegnete der Wirt mit gerunzelter Stirn auf Russisch, während seine Augen finster auf ihm ruhten.
Jaden machte keine Anstalten ihm zu antworten und nahm einen tiefen Schluck seiner Rumschokolade, bis der Wirt sich mit einem verärgerten Brummen wegdrehte.
Re: Kapitel 1
Clayton - 24.01.2009, 11:54
Ein Fremder kam in die Kneipe hereingeschneit. Aber nicht nur irgendein Fremder, der einfach mal so diese Kneipe besuchte, und den er nicht kannte, sondern ein Fremder, den er noch nie in Moskau, geschweige denn bei Sergej gesehen hatte. Selten verirrten sich Fremde in diese Kneipe, sie war so versteckt und unscheinbar, dass sie auch ihm die erste Zeit in Moskau nicht aufgefallen war.
Nun gut, vielleicht ein neuer Stammgast. Er setzte sich an die Bar, allerdings offensichtlich auch vorerst nicht gewillt, ein tiefgehendes Gespräch zu beginnen.
Französisch. Merci.
Ein Fremder sprach die Adelssprache? Clay musterte den Fremden mit befremdlichem Blick. Vielleicht auch einfach nur ein Franzose. Doch er sah nicht aus, wie ein normaler Franzose. Sein Auftreten, seine Kleidung, es erinnerte mehr an einen gleichgesinnten. Und er trank russische Schokolade. Weichei. Vermutlich hatten Clays Jahre in Moskau ihn schon nach ihren eigenen Regeln erzogen, aber russische Schokolade?
"Vous n'êtes pas de cette ville, n'est-ce pas?" wandte sich Clay an den Fremden, seine Stimme noch immer etwas finster, den letzten Ereignissen nachtragend.
Sergej brummelte etwas unverständliches, vermutlich irgendwelche Flüche über Ausländer in seiner Kneipe, die kein russisch beherrschten. Er hasse es, nichts verstehen zu können. Und noch mehr hasste er, wie beinahe jeder Russe, Fremdsprachen. Russisch war für ihn das einzig Wahre.
'Schade, Dicker, das ist etwas zu hoch für dich. Ist vielleicht auch besser so.', dachte sich Clay und zündete sich eine Zigarette an, die er aus einer seiner Jackentaschen fischte. Er bediente sich an der Streichholzschachtel, die zur allegmeinen Verfügung auf dem Tresen lag und nahm einen tiefen zug. Rauch in der Kneipe war eine Sache, selber dazu bei zu tragen, eine andere.
Re: Kapitel 1
Jaden - 24.01.2009, 12:21
Jaden konnte sich gerade noch davon abhalten, angewidert die Nase zu rümpfen. Rauch in der Kneipe, gut, das war auszuhalten. Aber direkt vor seiner Nase?
Er fragte sich, ob der Kerl ihn provozieren wollte, doch das kam ihm eher unwahrscheinlich vor.
"Non", sagte er, ohne seinen japanischen Akzent zu unterdrücken. "Je ne suis pas d'ici."
Er rührte in seiner Rumschokolade. Mit einem Klirren legte er den Löffel auf den Untersetzer und nahm einen weiteren langen Schluck, auch um den Zigarettenrauch loszuwerden.
Ihm kamen Zweifel, ob der Kerl wirklich ein Vampir war.
Außerdem war Französisch die Sprache der adeligen Oberschicht. Wenn er also dazugehörte, konnte das nur schlecht für Jaden sein, denn er hatte bis jetzt nichts Gutes von den Voltaires gehört. Vielleicht war es besser, wenn er ihn nicht erkannte...
Verdammt, was dachte er da? Sonst war er doch auch nicht so vorsichtig.
Sowieso zu spät, dachte er und riss sich aus seiner Abwesenheit.
"Kannst du die Kippe ausmachen?", fragte er in dem Wissen, sich in dieser verdammten Raucherkneipe zu outen.
"Ich habe einen empfindlichen Geruchssinn."
Re: Kapitel 1
Clayton - 24.01.2009, 12:38
Einen empfindlichen Geruchssin, soso. Er hielt sich wohl für was Besseres?!
Arrogant nahm Clay einen weiteren tiefen Zug, hielt kurz inne und blies ihm die Rauchwolke direkt ins Gesicht.
"Ich auch – ist ja grade das Gute daran." Diese Menschen mit ihren stumpfsinnigen Empfindungen – Zigaretten waren doch für sie vollkommene Verschwendung, sie kamen sowieso nich an den vollen Genuss.
Sergej grinste den Fremden fies an. Auf seinem Gesicht stand zu deutlich "Geschieht ihm recht…" geschrieben. Erst Fremdsprachen und dann noch ein Nichtraucher… Es war nicht schwer, die Gedanken des Wirths zu erraten. Typisch russisch eben.
"Was tust du dann hier?"
Ein fremder Vampir in Moskau. Moskau war doch gerade eine der Städte, wo die Voltaire die größte eigene Macht hatten. Taktisch äuserst sinnlos, gerade hier Urlaub zu machen.
Re: Kapitel 1
Jaden - 24.01.2009, 13:05
Er leerte seine russische Schokolade in einem Zug.
"Tut mir Leid, Kleiner", erwiderte Jaden genervt und ließ ein paar Münzen auf den Tresen fallen, während er sich von seinem Barhocker erhob. "Das geht dich nichts an."
Verdammt noch mal, sein Vater war gestorben, und er hatte nichts besseres zu tun, als sich in irgendeiner heruntergekommenen Bar zu betrinken.
Und konnte man als Vampir an Lungenkrebs sterben?
Jaden streifte sich seine Handschuhe und die Jacke über und zog die Mütze in die Stirn.
"Il m'était un plaisir de faire votre conaissance", fügte er mit einem schiefen Lächeln hinzu, bevor er in Richtung des Ausgangs verschwand.
Re: Kapitel 1
Clayton - 24.01.2009, 13:20
"Le plaisir, c'est tout à moi." raunte Clay dem Fremden hinterher, die Erniedrigung vollkommen missachtend. Idioten soll man ignorieren.
Eingebildeter Kerl, hielt sich sogar tatsächlich für was Besseres. Was glaubte er eigentlich, was er hier zu sagen hatte, so als Fremder?! Unglaublich.
"Eingebildetes Pack." schimpfte Clay, der Tag war ihm bis zur Vollendung vermiest worden.
"Diese Fremden. Was sucht der hier, wenn er keinen Rauch verträgt?" gesellte sich Sergej schließlich zu ihm.
"Woher soll ich das wissen. 'Es geht mich nichts an'. Idiot."
Er trank den Rest Wodka in einem Zug aus, und genoss die wohltuende Betäubung des Alkohols.
Re: Kapitel 1
Jaden - 24.01.2009, 14:43
Die klapprige Tür fiel hinter ihm ins Schloss, und er befand sich wieder auf der – mittlerweile nur noch vom spärlichen Licht der Straßenlaternen erhellten – Straße. Es war bereits stockduster, und die Temperatur musste wohl weit unter Null gesunken sein.
Jaden zog seine Jacke zu und hauchte sich in die Hände, bevor er sie in den Hosentaschen vergrub.
Er sollte sich besser ein Hotel suchen, wenn er die Nacht nicht in den unsicheren Straßen von Moskau verbringen wollte. Viel einfacher wäre es natürlich, wenn er die Wohnung seines Vaters finden würde...
Seine Finger stießen gegen den gewärmten Display seines Handys, und er zog es aus der Hosentasche hervor. Blind suchte er die Nummer aus dem Telefonbuch heraus, er kannte die Kontakte ohnehin auswendig.
Auskunft.
Das Wartezeichen erklang, dann knackte es in der Leitung.
"Hier ist die Auskunftszentrale Moskau, Frau Jirowa am Apparat?", meldete sich eine leiernde Frauenstimme.
"Ich suche nach einer Adresse hier in Moskau", sagte Jaden. "Die von Theodor Bennet."
"Wissen sie die Telefonnummer, den Stadtteil oder sonstige Angaben?"
"Nein."
"Einen Moment bitte..."
Sie tippte am anderen Ende der Leitung etwas in den Computer. Jaden hatte das Gefühl, dass sie ihn hinhielt, denn sie meldete sich eine Ewigkeit nicht zurück.
"Marco Bennet?", fragte sie nach eine Weile nach. "War das der Name?"
"Theodor."
"Einen Moment..."
"Nein, ein Theodor Bennet ist nicht verzeichnet", sagte sie. "Tut mir Leid."
Na wunderbar.
"Vielleicht habe ich mich im Vornamen geirrt. Wie lautet bitte die Adresse dieses Marco?"
"Einen Moment", erklang wieder die dieses Mal eindeutig skeptischere Stimme.
"Marco Bennet, Tomilinskaya ulitsa 142, Dzerzhinskiy Moskau", antwortete sie kurz darauf.
"Wie bitte?"
"Tomilinskaya ulitsa 142, Dzerzhinskiy"
Das würde er sich niemals merken können.
"Könnten sie das bitte buchstabieren?"
"Natürlich", erwiderte die Frau genervt. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis er die Adresse aufgeschrieben hatte und noch einmal so lange, bis sie ihm den Weg beschrieben hatte, doch letztendlich wusste er alles, was er wissen musste.
Mit einem flüchtigen "Widersehen" legte er auf, dann wählte er die Nummer dieses Marco Bennets, die er sich hatte geben lassen.
"Bennet?", meldete sich eine Frauenstimme am anderen Ende der Leitung.
Der Name seiner Familie brannte für einen Moment wie Feuer, doch er schob die Gedankenflut schnell in den Hintergrund.
"Mein Name ist Johan Bennet", sagte er. "Kannten sie Theodor Bennet?"
Sie kannte ihn. Anja war Marcos Frau, und Marco war der Cousin eines Cousins von Theodor; Kurz gesagt, sie waren verwand, wenn auch über viele Ecken, und nach etwa zehn Minuten wusste Jaden die Adresse seines Vaters, Ort und Zeit der Beerdigung und hatte dankend eine Einladung abgelehnt mit der Begründung, nicht zur Last fallen zu wollen und erst einmal in das Elternhaus zurückzukehren, was Anja gut verstehen konnte.
"Wir sehen uns morgen?", sagte sie zum Abschied, was Jaden mit einem "Ja, bis dann" beantwortete.
Dann legte er auf und mietete sich für eine Nacht ein Hotelzimmer.
Aufatmend trat Jaden durch die hohe Eingangspforte ins Freie und ließ das wuchtige Kirchenschiff hinter sich. Nur allmählich lösten sich Übelkeit und Kopfschmerzen, die er die letzte Stunde im Inneren des Heiligen Hause Gottes ertragen hatte, und die ihn – wie alle Vampire – jedes Mal befiel, wenn er sich auch nur in die Nähe eines geweihten Ortes begab.
Dieses Mal nahm er die Übelkeit trotzdem auf sich, mehr aus schlechtem Gewissen als um seinem Vater die letzte Ehre zu erweisen, weil er sich die letzten Jahre nicht bei ihm hatte blicken lassen.
In einem langen schwarzen Trauerzug gingen die Besucher über den Platz vor der Kirche zum Friedhof, wo sie sich um ein leergeschaufeltes Grab versammelten. Dann hielt der Priester noch einmal eine russische Ansprache, die Jaden nur teilweise verstand, bevor der Sarg ins Grab gesenkt wurde.
Die Angehörigen verweilten noch einen Augenblick, während Jaden die ganze Zeit über Gedanklich abwesend war, vielleicht auch noch als Nachwirkung auf die dauernde Anwesenheit der Heiligkeit, dann löste sich die Gesellschaft langsam auf.
Marco, mit dem er ein paar Worte gewechselt hatte, nickte ihm zum Abschied zu und machte eine unverbindliche Einladung, während Anja sich die Tränen aus den Augen wischte, und Jaden fühlte sich immer mehr fehl am Platz unter all den Menschen, die ernsthaft um Theodor Bennet trauerten, während er sich nicht einmal mehr richtig an sein Gesicht erinnern konnte.
Das Familienfoto steckte noch in seiner Jackentasche.
Genau wie der Wohnungsschlüssel.
Sehr komisch, den herzlichen Anwalt seines Vaters hatte er noch überhaupt nicht gesehen. Diesen Dr. F.C.Carthy...
Er wandte sich ab und wollte sich gerade in Richtung des Bahnhofs aufmachen, um ein Taxi zu Theodors Wohnung zu nehmen, als sein Blick plötzlich an einem der Angehörigen hängen blieb.
Umglaublich. Er hätte um alles in der Welt jeden hier vermutet, aber gerade ihn?
Re: Kapitel 1
Clayton - 24.01.2009, 14:51
Am nächsten Morgen erwachte Clayton in seiner kleinen Ein-Zimmer-Wohnung, ohne sich recht daran zu erinnern, wie und wann er hierher zurückgekehrt war. Er bevorzugte es, alleine zu wohnen, und da er sich generell kaum zu Hause aufhielt, erachtete er es als ausreichend, ein Bad, eine Küche und ein Zimmer zu besitzen, in dem ein Sofa, ein Tisch, ein Stuhl und ein großer Schrank standen. Mehr brauchte er nicht.
Er duschte in aller Ruhe, streifte sich seine Kleidung über und rückte vor den Spiegel – ein wichte Bestandteil seiner Wohnung – seine Krone zurecht. Sehr schön. Zufrieden warf er sich einen letzten Blick im Spiegel zu, nahm seinen Wohnungsschlüssel vom Tisch und verließ das die Wohnung. Ungeduldig hämmerte er auf den Fahrstuhl-Knopf ein, der nach etwa einer Minute endlich mit einem peinlich leisen "Kling" seine Ankunft im fünften Stock ankündigte.
Mit ein wenig Gewalt öffnete er die klemmende Sicherheitstür, die nicht am türlosen Fahrstuhl, sondern auf dieser Etage angebracht worden war.
Nach eineer weiteren Minute Gequitsche und Geruckel kam der Fahrstuhl endlich unten an, wo erst gar keine Tür eingebaut war.
Er verließ das Gebäude und schlenderte durch die Straßen Moskaus.
Als er an einem Aushang vorbeikam, blieb er stehen und stutze.
Theodor Bennet gestorben prangte dort in großen Lettern. Theo? Tot? Warum wusste er davon nichts? Vermutlich weil er ihn seit seinem Tod nicht mehr gesehen hatte.
…Beerdigung findet am 16.1. statt. Heute.
Clay blieb unschlüssig vor der Tafel stehen. Sollte er hingehen? Nun gut, warum nicht. Er war es ihm schuldig.
Etwa eine Viertelstunde später war Clay an dem Friedhof angelangt, stand irgendwo im Schatten der Bäume und wartete darauf, dass die Kirchturmglocken der St. Barbara Kirch ertönten und der Trauerzug aus der Kirche kam. Schon hier in der Nähe der Kirche bekam er leichte Kopfschmerzen, doch diese kleine Unannehmlichkeit würde er für Theo aufnehmen.
Der Trauerzug kam, und mit ihnen die Trauergäste, die allesamt niedergeschlagen und schwarzen Anzügen hinter dem Sarg herliefen. Clay mochte Beerdigungen nicht besonders. Sie zeigten ihm immer wieder, dass Menschen starben wie die Fliegen, wärend er auf Ewig hier in Moskau weiterleben würde. Irgendwann würde auch Sergej hier liegen. Für ihn würde er sogar an dem Gottesdienst teilnehmen, nahm Clay sich vor.
Als die sybolische Erde auf den Sarg geworfen wurde, traute er seinen Augen nicht. Da war doch tatsächlich dieser Japaner von gestern. Er sah nach dem Gottesdienst etwas mitgenommen aus, vermutlich aber aus einem anderen Grund als die übrigen Menschen vermuteten.
Nach und nach löste sich die Trauergesellschaft auf, ein anschließendes Essen war wohl nicht geplant gewesen. Nun bemerkte der Fremde ihn auch.
"Hi. So sieht man sich wieder. Gehen mich wohl doch was an, deine Angelegenheiten." grinste er zu ihm herüber.
Re: Kapitel 1
Jaden - 24.01.2009, 17:40
"Nur weil du zufälligerweise an einem winzigen Bruchteil meiner Angelegenheiten teilhast, bedeutet das nicht, dass dich das Ganze auch etwas angeht", entgegnete Jaden und schlug verärgert den Kragen seiner Jacke nach oben. Im nächsten Moment bereute er es zwar, die Beerdigung seines Vaters zu einer Kleinigkeit herabgewürdigt zu haben, doch er war sowieso noch ein wenig angeschlagen von der Messe.
Woher kannte der Kerl seinen Vater überhaupt?
Jadens grausilberne Augen ruhten für einen Augenblick prüfend auf ihm und verharrten ein wenig zu lange auf der seltsamen Krone, bevor er sich wieder dem Grab seines Vaters zuwandte.
Es konnte ihm ja auch egal sein.
Verfluchter Mist. Sein Vater war die letzte menschliche Verbindung zu Johan Bennet gewesen, und nun war er vergessen, bloß irgendein treibendes Stück Holz in einem reißenden Fluss. Er existierte praktisch nicht mehr, weder in den Gedanken irgendwelcher Verwandten noch auf dem Papier, denn sein Pass war vor mehr als zwanzig Jahren abgelaufen. Einen neuen konnte er auch nicht beantragen, weil er dann hätte erkläre müssen, weshalb er mit beinahe vierzig Jahren noch immer aussah wie zwanzig, und so konnte er weder eine Wohnung mieten, ein Haus kaufen oder irgend etwas anderes tun, wobei man seine Personalien angeben musste.
Marco und Anja Bennet kamen auch nicht in Frage. Ein 'Ich bin Theodor Bennets nicht alternder Sohn, der sich die letzten Jahre vor dem Tod seines Vaters nicht hat blicken lassen' wollte er sich selbst und den anderen lieber ersparen.
Es wurde Zeit, dass er sich eine Beschäftigung suchte, eine Freundin oder irgendein Hobby.
"Was verschafft meinem Vater also die Ehre deiner Anwesenheit?", fragte er schließlich, und hätte sich einen Moment später am liebsten auf die Lippen gebissen.
Vater, wunderbar.
Das war eigentlich mehr, als er von sich hatte preisgeben wollen, aber zu spät.
Re: Kapitel 1
Clayton - 25.01.2009, 13:12
"Ach, dein Vater also? Du bist also der 'undankbare Sohn' Johan, der irgendwann einfach so mir nichts, dir nichts abgehauen ist und sich nie wieder blicken lassen hat?
Naja, ich empfand es mehr oder weniger als meine Pflicht an dem Begräbnis eines sehr guten, alten Freundes – zumindest teilweise – teil zu nehmen."
Das änderte so einiges. Der Sohn von Theodor. Clay musterte Johan von oben bis unten, in jedem Detail versuchte er, Theodor wieder zu erkennen. Vergeblich. Kaum eine Ähnlichkeit ließ sich erkennen, zumal Theodor auch kein Japaner gewesen war.
Clay blickte auf das Grab herunter und versuchte sich vorzustellen, wie Theodor dort unten in einer Holzkiste lag, bleich und leblos. Das war einfach unvorstellbar.
Clay schüttelte den Kopf und nahm sich vor, selbst für eine angemessene Bestattung zu sorgen. Dafür musste es nur Nacht werden, denn nachts geschahen hier in Moskau so viele zwielichtigen Dinge, dass keiner alles einzelne hinterfragen würde. Auch wenn es die Öffentlich – natürlich – nicht zugeben wollte, hatte die Polizei Moskaus nachts nur ein symbolisches Zeichen, es gab einfach zu viele Verbrechen und zu wenige Polizisten.
"Und nun, wo dein Vater tot ist, bist du also zurückgekehrt, um dein Erbe anzutreten. Sehr mutig von dir." fügte Clay hinzu, den letzten Satz durchaus ernst meinend.
Ein eisiger Wind erfasste seinen dunkelgrauen Mantel, ließ seine zahlreichen Ketten klimpern und zerzause sein weißblondes Haar. Wiederstrebend zog Clay den Mantel fester um sich. Auch, wenn er schon etliche Jahre hier lebte, bedeutete das noch lange nicht, dass er sich an die eisigen Winter gewöhnt hatte.
Re: Kapitel 1
Jaden - 25.01.2009, 13:40
Ein kalter Schauer fuhr Jaden unwillkürlich über den Rücken.
Welcher Teil von einem Wohnungsschlüssel und einem Familienfoto hatte bitte etwas mit Mut zu tun? Wollte er ihn veralbern? Und woher kannte er überhaupt seinen Namen?
Und warum zur Hölle –
Ihm wurde bewusst, dass die Situation dabei war, ihm zu entgleiten, und das passte ihm überhaupt nicht. Offensichtlich kannte dieser Typ seinen besser Vater als er selbst, und das beunruhigte ihn in höchstem Maße.
Abgesehen davon, dass er noch immer noch nicht wusste, ob er nicht vielleicht zu den Voltaires gehörte oder nicht.
Jaden löste sich aus seiner Starre und schüttelte den Kopf, um die Fragen loszuwerden, die ihm auf der Zunge lagen.
"Erstmal bin ich nicht sein 'undankbarer Sohn', denn ich denke wenn er gewusst hätte, mit mir los ist, wäre er mir recht dankbar gewesen, dass ich ihm aus dem Weg gegangen bin", stellte er klar, bevor der Kerl sich noch etwas einbildete.
"Aber bevor wir das hier fortsetzen, würde ich gerne wissen, was du mit ihm zu tun hattest. Verstehe mich nicht falsch, ich will nicht unhöflich sein. Nur vorsichtig."
Re: Kapitel 1
Clayton - 25.01.2009, 14:12
Überrascht stellte Clay fest, dass Johan tatsächlich keine Ahnung hatte. Na schön. Es wäre wohl im Sinne seines Freundes gewesen, den guten Johan aufzuklären.
"Bevor wir das hier forsetzen, wäre ich dafür, dass wir entweder zu deinem neu erworbenen Haus gehen, und unser Gespräch dort fortsetzen. Ist etwas weniger öffentlich, und wie du schon sagtest, Vorsicht ist angebracht."
Dass er selbst auch stolzer Besitzer einer Wohnung war, behielt Clayton lieber für sich. Er war selten in Theodors Haus gewesen, das letzte Mal vielleicht vor einem guten Jahr und es interessierte ihn brennend, wie es sich wohl mit der Zeit verändert haben mochte. Thoedor hatte die merkwürdige Eigenschaft gehabt, sein gesamtes Haus etwa alle drei Monate komplett umzuräumen.
'Gut, Vorsicht ist wichtig. Hoffentlich wählt er sich dafür die richtigen Personen aus.', dachte Clay bei sich und blickte Johan erwartungsvoll an, in dem Wissen, den Bogen eventuell etwas überspannt zu haben.
Re: Kapitel 1
Jaden - 25.01.2009, 14:40
Haha, zu Theodors Haus. Natürlich. Abgesehen davon, dass er keine Ahnung hatte, wo genau sich das Haus befand, wollte er erst einmal selbst einen Blick hineinwerfen, bevor er irgendeinen Fremden einließ. Von dem er im Übrigen immer noch so gut wie überhaupt nichts wusste.
"Keine gute Idee", sagte Jaden wenig begeistert. "Ich finde ein Friedhof ist abgelegen genug."
Die Gäste waren schon gegangen, und es kam ihm so vor, als ob sie bereits seit Ewigkeiten in dieser Kälte standen. Der graue Himmel kündigte Regen an, doch noch war es verhältnismäßig feuchtkalt.
"Ich denke nicht, dass jemand hinter einem Grabstein lauert, wir können also frei sprechen…"
So viele Geheimnisse würde es schon nicht auszuplaudern geben.
Re: Kapitel 1
Clayton - 25.01.2009, 16:07
Na gut, das hatte er sich eigentlich auch denken können. Der Kerl machte wohl Scherze.
„Nein.“, antwortete er knapp. Er hatte auch so schon genug Probleme, da fehlte es ihm gerade noch, dass man ihn mit Johan Bennet sah, und dann auch noch über seinen Vater sprechend.
Nein. Dann doch lieber seine Wohnung.
„Dann komm eben mit, aber nicht hier.“ Fügte er hinzu, während er sich umwandte und mit entschiedenen Schritten auf das Messingtor des Friedhofs zusteuerte.
Der Wind blies ihm nun kalt und klamm ins Gesicht, woraufhin er eine unwillige Grimasse zog.
‚Warum tue ich mir das eigentlich an, kann mir doch egal sein, was mit dem Kerl passiert. Ich kannte seinen Vater und wenn sein Sohn sich nicht dafür interessiert, soll er doch sehen, wie er durchkommt.’, besinnte sich Clay der Situation und zog den Kragen noch ein Stück enger um sich.
Vereinzelte Regentropfen setzten ein und ließen die eisige Luft nur noch ungemütlicher werden. Scheißwetter.
Mit einem lauten Quietschen öffnete er das Tor und drehte sich noch einmal um.
„Was ist, kommst du?“ Oder willst du weiter hier stehen und schmollen, vollendete Clay den Satz in Gedanken.
Re: Kapitel 1
Jaden - 25.01.2009, 16:25
Jaden warf ihm einen finsteren Blick zu und sparte sich einen Kommentar darüber, dass er nicht damit einverstanden war, dumm angeblafft zu werden, bevor er mit den Händen in die Hosentaschen fuhr und hinter ihm herstapfte.
Mitkommen. Wunderbar.
Das Gespräch nahm eine ungeahnte Wendung, und Jaden war sich nicht sicher, ob sie ihm gefiel. Er hatte schließlich noch immer keine Ahnung, wen er eigentlich vor sich hatte. Doch das Risiko würde er wohl auf sich nehmen müssen, selbst wenn es ihm nicht passte.
Und auch die Voltaires konnten ihn nicht einfach umlegen, wenn es ihnen in den Kram passte. Höchstens in große Schwierigkeiten bringen, aber das würde schon werden.
Re: Kapitel 1
Clayton - 25.01.2009, 19:09
Na immerhin. Clay war es schon so gut wie egal gewesen, was Johan nun tun würde – der Regen hatte ihm eindeutig die Geduld geraubt – trotzdem erfüllte ihn seine Reaktion mit Zufriedenheit.
Etwa eine Viertelstunde liefen die beiden schweigend durch den Regen, der sich nun dauerhaft eingestellt hatte und kamen schließlich zu dem grauen, siebenstöckigen Haus.
Clay fischte seinen Schlüssel aus der Hosentasche, schloss die Tür auf, die keinen Einbrecher ernsthaft aufhalten konnte und nahm diesmal die Treppe – der Fahrstuhl war nicht da und er hatte wirklich keine Lust hier noch weiter herum zu stehen.
Im fünften Stock bleib er vor seiner weißen, etwas sicheren Wohnungstür stehen, öffnete auch diese und trat ein.
Wieder einmal stellte er fest, dass Besucher in seiner Wohnung eine ganz besonders unpraktische Sache waren, da sie nur ein wirkliches Zimmer besaß, in dem man sich wirklich aufhalten konnte.
Achtlos warf Clay sein Schlüsselbund auf den Couchtisch und entledigte sich seines regennassen Mantels, den er ebenso achtlos an einen einsamen Kleiderhaken en der Wand hing.
“Komm rein.“ Richtete er sich über seine Schulter an Johan, in der vagen Vermutung, dass er mitgekommen war, ließ sich auf sein dunkelblaues Sofa fallen und legte die Beine gewohnheitsgemäß auf den niedrigen Tisch.
Re: Kapitel 1
Jaden - 25.01.2009, 20:07
"Nette Wohnung", bemerkte Jaden ohne seine den Umständen entsprechend geringe Begeisterung zu verbergen und betrat das winzige Wohnzimmer. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass du einen Hund hast oder irgendwas anderes, das viel Auslauf braucht…"
Er schloss die Tür hinter sich, ließ sich jedoch nicht auf dem freien Sessel nieder sondern lehnte sich gegen den Türrahmen und streifte sich bloß die Mütze vom Kopf.
Seine grausilbernen Augen flogen über die eher praktische als schöne Einrichtung, ohne wirklich etwas wahrzunehmen, nur auf der Tür verweilten sie für einen Augenblick, die in einen Nebenraum führten.
Die ganze Zeit über wurde er das dumme Gefühl nicht los, sich an einem Ort zu befinden, an dem er nichts zu suchen hatte.
Wieder einmal. Er hätte nicht mitgehen sollen.
"Also nochmal", sagte er. "Wer bist du, und woher kanntest du Theodor?"
Re: Kapitel 1
Clayton - 25.01.2009, 20:23
Clayton zog eine Grimasse. Dies war die beste Wohnung, die er hatte bekommen können, mehr wollte er ja gar nicht. Verwöhnt war der Gute also auch noch. Naja, passte ja zu den Bennets.
Dass in dieser Wohnung eine Maus wohnte musste Johan ja nicht wissen, es ging ihn auch nichts an.
„Setz dich hin oder willst du da stehen bleiben?“ begann Clay und deutete mit einem kurzen Blick auf den Sessel.
„Ich bin Clayton, und ich kannte Theodor gut, wie gesagt, er war ein sehr guter Freund von mir. Er ist leider schon sehr früh gestorben, findest du nicht?“
Zuerst wollte er herausfinden, was Johan bereits wusste, denn ihm kam der ungute Gedanke, dass er so gut wie überhaupt nichts wusste.
Er war schon seit langer Zeit fort und wie viel Kontakt die beiden in der Zwischenzeit gehabt haben, wusste Clay nicht. Das einzige, was er sicher wusste, war, dass Johan seinen Vater nie besucht hatte. Doch hatten sie vielleicht Kontakt gehabt? Vielleicht wusste Johan ja wiederum Dinge, die er nicht wusste, spekulierte Clay weiter.
Re: Kapitel 1
Jaden - 25.01.2009, 20:37
"Ob ich finde, dass er früh gestorben ist?", fragte Jaden und hob ein wenig ungläubig eine Augenbraue, während er gewohnheitsmäßig seinen Schal zurechtzog, der sein Tatoo verdeckte. Dann verschränkte er die Arme locker vor der Brust.
"Hört sich ja nicht gerade danach an, als ob du damit gerechnet hast."
Was sollte das werden, wenn es fertig war? Ein Frage-gegen-Gegenfrage-Spiel?
"Als guter Freund müsstest du das doch eigentlich am besten beurteilen können", fügte er nicht ohne Anspielung darauf hinzu, dass Clayton die gleiche Frage, was er bitte mit seinem Vater zu tun hatte, dreimal mit der gleichen Antwort beantwortet hatte, ohne dabei wirklich etwas zu sagen.
Und ja, er wollte in der Tür stehenbleiben. Er konnte dem Ausgang garnicht nahe genug sein.
Re: Kapitel 1
Clayton - 25.01.2009, 20:53
Als Johan keine Anstalten machte, sich zu ihm zu gesellen zuckte Clay nur kurz mit den Achseln. Na schön, sollte er halt stehen bleiben.
‚Was habe ich eigentlich von dem ganzen hier?’, kam Clay plötzlich in den Sinn. Nichts.
„Okay hör zu, ich werde dir etwas sagen, dafür statte ich Theodors Haus einen Besuch ab.
Auch von innen.“, fügte er hinzu, um den guten Johan nicht auf falsche Gedanken zu bringen.
„Dein Vater neigte leicht zu Depressionen und hat – offiziell – Selbstmord begangen, was auch einleuchtend wäre. Ich denke nicht, dass das jemanden gewundert hat. Allerdings kannte ich deinen Vater gut genug, um zu wissen, dass er nicht so dumm sein würde, so etwas zu tun. Ich denke er wurde umgebracht.“ So, nun war es raus.
Clay wurde bewusst, dass er selbst wenig Druckmittel besaß, um sich Zugang zum Haus der Bennets zu verschaffen, aber irgendwie würde er das schon schaffen. War ja nicht zu denken, dass er einfach mal so einem Wildfremden half und nichts als Gegenleistung bekam.
Außerdem würde es interessant sein, zu sehen, unter welchen Umständen Theodor gestorben war.
Re: Kapitel 1
Jaden - 25.01.2009, 21:18
Umgebracht? Oh mein Gott.
Jaden erstarrte im Türrahmen, während das Zimmer um ihn herum in Bedeutungslosigkeit versank.
Eigentlich hätte ihn das nach so langer Zeit als Vampir nicht mehr treffen dürfen, wo er doch praktisch selbst eine Art halbtoter Ermordeter war, aber dass so etwas gerade seinen Vater passieren musste war die pure Ironie...
Moment. Kein Selbstmord, in Ordnung. Als fragwürdiger Freund hatte Clayton Theodor vielleicht so gut gekannt, dass er ihn zu Recht nicht als Selbstmordgefährdeten einschätzte, aber…
Jaden riss sich aus seinen Gedanken.
"Wurde er bedroht?", fragte er. "Von Vampiren?"
Hoffentlich nicht wegen ihm.
Wenn 20 Jahre Versteckspiel nicht ausgereicht hatten, um seinen Vater zu schützen, dann war alles umsonst gewesen…
Er musste unbedingt in die Wohnung seines Vaters, und zwar so schnell wie möglich.
Re: Kapitel 1
Clayton - 25.01.2009, 21:30
Gut, es interessierte ihn wohl. Das war schon mal ein gutes Zeichen dafür, dass er sich weiterhin mit diesem Thema beschäftigen würde. Dafür, dass Clay Zugang zu dem Haus der Bennets bekam.
Er lachte trocken. Bedroht von Vampiren. Der Kleine wusste tatsächlich überhaupt nichts.
„Ich werde weiterreden. Aber zuerst gehen wir zu Theodor... zu dir nach Hause.“, beschloss Clayton, hob die Füße wieder von dem kleinen Tisch und stand auf.
Langsam begann diese Sache ihn selbst ebenfalls sehr zu interessieren. Entschieden nahm er seinen Mantel vom Haken und zog ihn sich wieder über.
Es war ihm egal, dass es recht nutzlos gewesen war, erst hier hoch zu laufen, und nun wieder herunter, aber so war es nun mal.
Nicht zu ändern.
Hätte Johan sich ja auch früher überlegen können.
Re: Kapitel 1
Jaden - 25.01.2009, 21:53
Jaden lächelte vor sich hin, während Clayton sich vom Sofa erhob und seinen Mantel anzog.
Wir gehen hierhin. Wir gehen dorthin.
Aber nicht mit ihm, wirklich nicht.
Er löste sich von dem Türrahmen und legte die Hand auf die Klinke der Wohnungstür, ohne den Blick dabei von Clayton abzuwenden.
"Wir gehen nirgendwohin. Und es ist mir herzlich egal, was du noch alles zu sagen hast! Der größte Teil davon hilft mir sowieso nicht weiter, also kann ich auch genauso gut darauf verzichten!"
Egal, wie die Konsequenzen aussahen, und selbst wenn er tagelang irgendwelche Akten wälzen musste, nur um eine Antwort zu finden. Aber das musste er sich wirklich nicht bieten lassen.
Re: Kapitel 1
Clayton - 25.01.2009, 22:37
Aha. So sah das also aus. Es half ihm sowieso nicht weiter, also konnte er auch genauso gut darauf verzichten
Bitteschön, war ja nicht sein Problem. Sollte er doch sehen wie er durchkam.
"Was suchst du dann noch hier?! Regenscheu oder was?!" blaffte Clay Johan wütend an. Der Kerl würde sich noch wundern, irgendwie würde er ins Haus kommen.
Clay hatte gerade des Gefühl zurückerlangt, es diesem Johan so richtig gegeben zu haben, als plötzlich alles auf einmal geschah.
Ein lautes „Clayton!!!“ polterte jemand von draußen, und trat dann mit einem einzigen Tritt die – wohl doch nicht so sichere – Tür ein. Johan, der sich direkt davor platziert hatte, erwischten sowohl die Einzelteile – große wie kleine – als auch der Fuß der Person, dessen erbostes Gesicht bei Johans Anblick kurz ein perplexes „Wa-?“ entfuhr.
Vincent.
Intuitiv griff Clay nach einem Bruchstück der Tür, das im Begriff war, seinen Schädel einzuschlagen.
„Bennet?!“, stieß Vincent perplex aus.
Vincent – ich – Johan hier. Clays Gedanken rasten und wurden zu einem einzigen Chaos.
Aus purem Schock und ohne nachzudenken holte er mit dem Holzbrett aus und zog es Vincent mit einem entsetzten „Nein!“ über den Kopf, wo es in noch kleinere Bruchstücke zerbarst.
Vincent brach unter einem leisen Keuchen zusammen und sank am Türrahmen zu Boden.
Heftig atmend starrte Clay schockiert auf den Vampir, der nun bewusstlos zu seinen Füßen lag.
„Scheiße.“ Stieß er schließlich aus und konnte seinen Blick nicht von Vincent abwenden.
Re: Kapitel 1
Jaden - 25.01.2009, 23:19
Vielleicht hätte er die Situation zum lachen gefunden, doch noch während er sich aus den Holzsplittern aufrappelte, verlor das Ganze furchtbar schnell an Komik.
Außerdem hatte er ihn beim Namen genannt, und zwar bei seinem Richtigen. Bennet. Und das wiederum bedeutete, dass sein Vater etwas damit zu tun hatte…
Ein wenig benommen strich sich die Splitter aus den Haaren, während sein Blick auf Clayton lag, der noch immer wie versteinert vor Entsetzen dastand und diesen Kerl anstarrte, der ohnmächtig zusammengesunken war.
Dann konnte Jaden doch nicht anders und brach in zuerst leises, dann immer lauter werdendes Lachen aus.
"Du kanntest ihn wohl, was?", fragte er. "Er sah sowieso nicht so aus, als ob er besonders gut auf dich zu sprechen wäre, aber für das nächste Mal hast du ihm vermutlich gründlich die Vorfreude genommen…"
Re: Kapitel 1
Clayton - 25.01.2009, 23:39
Lustig. Sehr lustig, wirklich. Dieser Johan war wirklich ein hoffnungsloser Fall. Clayton verspürte das plötzliche, aber dringende Bedürfnis, auch diesem Kerl ein Holzbrett um die Ohren zu schlagen.
Alarmiert rannte Clay zum Fenster, presste sich seitlich gegen die Wand und schielte nach unten. Dort waren noch zwei von ihnen. Sie blickten direkt zum Fenster herauf. Erschrocken zuckte er zurück.
„Wir müssen weg von hier. Durch den Keller.“
Clay zog Johan am Ärmel hinter sich in den Flur und blieb dort unschlüssig stehen.
“Wir müssen ihn hier wegschaffen.“ Aber was sollte das bringen? Ob er nun hier lag oder woanders, die Folgen würden die Gleichen sein. Es sei denn, er verlor sein Gedächtnis...
Wenn man allerdings bedachte, dass es vermutlich noch genug andere Vampire gab, die ihn an sein Vorhaben erinnern konnten, und er dann nur noch eins und eins zusammenzählen musste, schwand auch diese Option.
Er musste sterben. Nein, das würde nur noch mehr Probleme geben, verbannte er diesen Gedanken schnell wieder aus seinem Kopf.
„Egal. Scheiße.“ Das war’s wohl mit seiner schönen Wohnung. Abgesehen davon, dass er es bei seiner Rückkehr wohl mit dem Vermieter zu tun haben würde, wäre es wohl auch rein logisch nicht angebracht, sich hier wieder blicken zu lassen. Zumindest vorerst nicht.
Beinahe schon panisch rannte Clay die Treppen herunter, Johan immer noch hinter sich herziehend, als er von unten bekannte Stimmen hörte. Sie kamen hier herauf.
Abrupt blieb er stehen. Ein leises summen kündigte den Fahrstuhl an, der seine eintönige Pflicht erfüllte und irgendeiner müden Seele in einem der oberen Geschosse zu Hilfe eilte.
Hastig riss Clay die Tür zum Fahrstuhl auf, die Kabine war bereits nur noch zur hälfte sichtbar.
„Rein da!“, zischte Clay Johan zu und presste sich durch den schwindenden Spalt in die Kabine.
Re: Kapitel 1
Jaden - 26.01.2009, 20:55
"Verdammt!"
Jaden machte einen Satz nach vorne und zog Clayton gerade noch rechtzeitig aus dem Aufzug heraus, bevor der schmale Spalt sich schloss.
"Denk doch ein einziges Mal nach, bevor du etwas tust! Wenn wir einfach nur mit dem Aufzug fahren laufen wir ihnen direkt in die Arme!"
Schließlich war er mit der Treppe die einzige Möglichkeit, diesen Betonklotz zu verlassen, und das machte die ganze Sache viel zu offensichtlich.
"Versteck dich mit diesem Bewusstlosen in irgendeiner Wohnung", fuhr er mit einer Handbewegung in Richtung der klapprigen Wohnungstüren fort, die ebenfalls auf dem Flur der Etage lagen, bevor Clayton etwas erwidern konnte. "Ich warte hier und erzähle ihnen irgendeine Geschichte. Mich kennen diese Typen schließlich nicht, oder zumindest erwarten sie nicht, dass ich hier bin. Wenn sie dann verschwinden, um dich zu suchen, findet sich schon irgendeine Gelegenheit, unbemerkt von hier wegzukommen!"
Noch während er sprach, lehnte er sich gegen die Wand neben der Schutztür des Aufzugs, schlug den Kragen hoch und zog die Mütze in die Stirn, während sein Blick unbeweglich auf Clayton lag, und die Schritte im Treppenhaus beunruhigen schnell näher kamen.
Hoffentlich ließ sich er nicht zu lange Zeit, ihm zu widersprechen, sonst war sein ohnehin recht riskanter Fluchtplan im Eimer.
Re: Kapitel 1
Clayton - 26.01.2009, 21:44
Clay ohnehin schon panische Augen weitete sich noch zusätzlich, als er plötzlich wieder rückwärts aus dem Aufzug herausgerissen wurde.
‚Ich sterbe!!’ er konnte sich gerade noch soweit zusammenreißen, diese beiden Worte nicht laut zu schreien.
Kurz nach der Erkenntnis, am leben zu sein, plapperte dieser irrsinnige Johan schon auf ihn ein.
Verstecken mit Vincent in einer andere Wohnung. Johan würde sie aufhalten.
Johan würde sie aufhalten?!?!
Nein!! Das durfte er nicht! Wenn sie ihn erkannten...!
Aber...!
Die Schritte näherten sich langsam, was Clay nur dazu brachte, in noch größere Panik zu verfallen.
Ein leises „Gut.“ Brachte er schließlich über seine Lippen, nicht in der Lage zu wiedersprechen und stolperte in aller Eile die Treppe wieder herauf.
Dann sollten sie lieber Johan in die Finger bekommen als ihn selbst. Bennet hatte recht. Er würde sie aufhalten, auf welche Weise auch immer.
Vincent lag noch immer im Türrahmen zusammengesunken, seine Haare waren mit Blut verklebt, einige Tropfen waren bereits in den Teppichboden der Wohnung eingezogen.
Mit zitternden Händen krallte Clay sich Vincents Arm und zerrte daran, der geringe Erfolg ließen ihn nur noch rasender werden.
Der sichtlich gelassenere Johan packte schließlich ebenfalls zu und gemeinsam hievten sie den Voltaire-Lord zur gegenüberliegenden Wohnungstür.
Hektisch pochte Clay gegen die Tür, irgendwie mussten sie da rein.
Eine ältere Frau mit zerzausten Haaren öffnete mit verschlafenem Blick die Tür, doch bei dem Anblick, der sich ihr bot, schwand alle Schläfrigkeit aus ihren Augen.
Alle Moral über ältere Frauen missachtend schlug Clay der verwirrten Frau ins Gesicht. Sie brachte keinen Schrei mehr zustande, bevor ihr Hinterkopf gegen die Wand schlug und sie benommen zu Boden sackte.
Panisch zerrte Clay Vincent weiter in die Wohnung, die Schritte waren nun beinahe schon im fünften Stock angelangt.
Mit bebenden Händen schob Clay Johan aus der Wohnung heraus.
„Nicht dein Name!“ waren die einzigen sinnvollen Worte, die er in seinem totalen Schockzustand hervorbrachte.
Hastig schlug er die Tür zu, sackte an an ihr zusammen und presse sich mit dem Rücken dagegen, während er mit einem Auge durch das Schlüsselloch schielte.
Re: Kapitel 1
Jaden - 26.01.2009, 23:16
Mein Gott, er hatte der armen alten Frau wirklich ins Gesicht geschlagen.
Dabei waren alte Menschen doch hilfsbereit.
'Guten Tag, können sie uns bitte helfen? Wir haben diesen Mann verletzt aufgefunden…'
Jaden schüttelte verständnislos den Kopf und schlug die Tür hinter Clayton zu, während er zurück zum Aufzug lief und sich wieder betont lässig gegen die Wand lehnte, als ob er schon eine halbe Ewigkeit an dieser Stelle warten würde, darum bemüht, seinen fliegenden Atem zu beruhigen.
Er war keine Sekunde zu früh, denn schon im nächsten Augenblick wurde die Tür, hinter der das Treppenhaus lag, von einem hageren Vampir mit unmenschlich dunklen Ringen unter den Augen aufgerissen, gefolgt von einem schrankartigen, muskelbepacktem Typen, der ihm mit vor Schweiß glänzender Stirn folgte.
"Scheiße, was ist denn hier passiert?"
Der Hagere war mit zwei Sätzen bei der eingetretenen Haustür und warf einen hastigen Blick in die Wohnung.
"Wo ist Voltaire?"
Also tatsächlich Voltaire.
Der Hagere verschwand in der Wohnung, während der Hüne ihm mit beängstigender Behändigkeit folgte und im Türrahmen stehen blieb, um Wache zu halten.
"Ist doch scheißegal. Wir sollen Clayton holen, schon vergessen?"
"Halt dein dummes Maul, Sabaka!", fuhr der Hagere ihn an. "Wir suchen Clayton! Der aristokratische Hund taucht schon wieder auf. Hey, du!"
Der Hagere schob sich an dem Bodybuilder vorbei und schlenderte, die Hände in der Taschen seiner zerrissenen, nietenbesetzten Jeans vergraben, auf Jaden zu, der unverändert an der Wand lehnte.
Jetzt kam sein Part.
Jaden schwieg und folgte ihm lediglich mit seinem Blick, als der Vampir sich langsam an ihn heranschlich wie eine Raubkatze an ihre Beute.
Als durchschnittlicher Anwohner ging Jaden mit seinen weißen Haarsträhnen und den grausilbernen Augen, die alle Unwissenden zweifellos für Kontaktlinsen halten mussten, sowieso nicht durch, also brauchte er ihnen nichts vorzuspielen.
"Was hast du eigentlich hier verloren? So auffällig unauffällig in einer Ecke…"
Der Hagere brach über seinen eigenen Scherz in hohes Gelächter aus, verstummte jedoch von einem auf den anderen Augenblick wieder, während hinter seiner Schulter der Hüne erschien.
So ein verdammter Idiot.
"Wonach sieht's denn aus?", fragte Jaden, auch wenn er wusste, was darauf folgen musste.
Wieder gellte das Lachen unangenehm laut durch die Luft.
"Falsche Antwort", zischte der Hagere und stützte sich mit einer Hand neben Jadens Kopf ab, sodass seine gefärbten, gegeelten Haare ihm gefährlich nahe kamen.
Seine gelben Zähne blitzten, als seine Lippen sich zu einem Grinsen verzogen.
"Freak", bemerkte Jaden eine Spur zu trocken und wollte sich wegdrehen, doch noch bevor er sich von der Wand lösen konnte hatte der Hagere ihm den Weg mit dem anderen Arm versperrt.
"Freak?" Er kam so nahe, dass sein Gesicht nur ein paar Handbreit von Jadens entfernt war und diesem der Geruch seines stinkenden Atems entgegenschlug. "Wie ist eigentlich dein Name?"
Schweigen herrschte, während Jaden angewidert den Atem anhielt.
Der Hüne meldete sich plötzlich mit irgendeinem russischen Fluch zu Wort und machte eine nickende Kopfbewegung in Richtung des Treppenhauses.
Hastige Schritte.
"Scheiße, das ist er!", stieß der Hagere aus und warf Jaden noch einen letzten hasserfüllten Blick zu, bevor er auf dem Absatz kehrt machte.
"Schnell!"
Mit einem umgesunden Splittern fiel die Tür zum Treppenhaus hinter ihnen zu, dann waren ihre schweren Schritte zu hören, als sie die Treppe nach oben stürmten, während Jaden sich langsam von der Wand löste und seine eiskalten Hände in den Hosentaschen vergrub.
Wunderbar, er hatte sie aufgehalten. Aber der Preis war absolut nicht vertretbar, und es war wirklich das allerletzte Mal, dass er sich für so einen Mist opferte.
Re: Kapitel 1
Clayton - 29.01.2009, 19:46
Clay beobachtete die Szene mit einem erschreckend zunehmenden Schwindelgefühl. Mit eiskalten, feuchten Händen krallte er sich an der Türklinke fest und starrte wie gebannt nach draußen. Sie sollten verschwinden. Sollten sie diesen unverschämten Johan doch mitnehmen, sollten sie ihn umbringen, ganz egal, sie sollten nur fort von hier.
“Ich bin doch noch viel zu jung zum sterben...“ Die Worte kamen nicht über seine Lippen.
Als Vincents zwei Hunde verschwunden waren, konnte Clay kaum noch etwas erkennen, sein Blickfeld war von tausend kleinen stechenden Sternen übersäht.
Erleichtert atmete er aus. Erst, als er erschrocken nach Luft schnappte, kam ihm die Erkenntnis, dass er die ganze Zeit die Luft angehalten hatte. Doch er hatte e s überlebt.
Erlöst ließ er sich an der gegenüberliegenden Flurwand niedersinken. Es war vorbei.
Er blieb noch einen Moment regungslos sitzen und bemühte sich, wieder Herr der Lage zu werden.
Mit einem energischen Ruck hievte er sich hoch, trug die alte Frau zu einem Sofa, wo er sie bequem drauf platzierte, ließ den am Boden liegenden Voltaire liegen und verließ die Wohnung.
Vor der Tür blieb er stehen.
Es musste doch einen Grund geben, warum sich die beiden so plötzlich aus dem Staub machte, gerade, wo sie Bennet erkannt hatten. Schritte. Aber diesmal oben, sie rannten sogar nach oben. Clay fragte nicht, wieso.
Er warf Bennet – nun lediglich noch etwas nervös – einen kurzen Blick zu und rannte so leise, aber vor allem so schnell er konnte die Treppe herunter.
Wenn sie schnell genug waren, würden die beiden Hunde noch nicht einmal bemerkt haben, dass sie beide schon wieder fort waren.
Auch wenn Clay nicht wusste, wo genau der alte Bennet gewohnt hatte, schlug er einfach die ungefähre Richtung ein, nicht, ohne einen erwartungsvollen Blick zu Johan zu werfen.
Re: Kapitel 1
Jaden - 30.01.2009, 09:03
Laufen?
Jaden beantwortete Claytons Blick mit einem Kopfschütteln.
"Fahren wir mit dem Auto."
Es war offensichtlich, welches der geparkten Autos den Vampire gehören musste:
Schwarz, wuchtig und trotzdem elegant; Natürlich fuhren die Voltaires nicht in irgendwelchen Rostlauben durch die Straßen Moskaus, sondern legten Wert auf Niveau.
"Wir müssen uns beeilen, sie suchen bestimmt bald nach uns". Noch während er sprach, griff er nach der Klinke der Autotür.
Nicht abgeschlossen. Sie hatten es wohl eilig gehabt.
Egal was Clayton tun würde, er hatte keine Lust, die Wohnung seines Vaters zu Fuß zu suchen, und selbst wenn die Voltaires irgendwo in der Karosserie einen Peilsender integriert hatten, musste dieser Voltaire erst mal an einen Computer kommen, um das Auto zu orten...
Oder einfach ein Telefonat führen.
Egal. Es war ohnehin offensichtlich, wohin sie fuhren, die Wohnung seines Vaters war der einzige Ort, der in Frage kam.
Jaden riss die Fahrertür auf und ließ sich auf den Sitz fallen. Der Geruch von Leder schlug ihm entgegen, und er hielt unwillkürlich die Luft an. Kaum auszuhalten, ein Wunder, dass die Vampire sich so ein Auto ausgesucht hatten…
Mit einem Knacken drehte er ein wenig unsanft den Schlüssel im Schloss, den die beiden Hunde wohl in aller Eile vergessen hatten, und ließ den Motor an, der mit einem unangenehm lauten Aufheulen startete, während er mit der anderen Hand den zerknitterten Zettel mit der Adresse seines Vaters aus seiner Jackentasche zog und ihn auf den Beifahrersitz fallen ließ.
In der Hoffnung natürlich, dass Clayton nachkam. Er konnte den verdammten Straßennamen nicht einmal aussprechen.
Re: Kapitel 1
Clayton - 30.01.2009, 19:25
Zu Clays Verwunderung folgte Johan ihm nicht, er stieg voller Dreistigkeit in das Auto Voltaires. Clay traute seinen Augen nicht. War er jetzt völlig übergeschnappt? Wollte er das Ganze etwa noch schlimmer machen? Nicht genug, dass sie - beziehungsweise er - Voltaire zusammengeschlagen hatte und Johan diesen Hund provoziert hatte, nun wollte er auch noch ihr Auto stehlen. Clay wusste zwar nicht, wo Bennet herkam, aber es musste wirklich ein dreistes Virtel gewesen sein.
Allerdings mussten sie sich beeilen, von hier fort zu kommen.
Es war Bennets Schuld, er hatte Voltaire zusammengeschlagen, er hatte ihn gekidnappt und er hatte das Auto gestohlen, beschloss Clay, ehe er sich auf den Beifahrersitz fallen ließ.
Er selbst war unschuldig. Bennet hatte sowieso nichts zu verlieren, sollte er den Voltaires nun in die Hände geraten.
Er zerrte den Zettel auseinander.
Tomilinskaya ulitsa 142, Dzerzhinskiy.
Nun verstand Clay, warum Bennet ein Auto nehmen wollte.
"Los, man!" keifte Clay Johan an, als dieser keine Anstalten machte, mit heulendem Motor loszupreschen.
Re: Kapitel 1
Jaden - 31.01.2009, 13:37
Claytons Kommentar ignorierend ließ Jaden den Wagen auf die Straße rollen und beschleunigte ein wenig unsanft, wobei er einen Kleinwagenfahrer aus dem Weg hupte.
"Dann hoffen wir mal dass du dich hier wirklich so gut auskennst", sagte er ein wenig übellaunig. "Ich bin schließlich nicht aus Moskau."
Und somit hatte er auch keine Ahnung, wohin er fahren musste, denn die Wegbeschreibung der netten Dame von der Auskunft lag schon zu lange zurück.
Ein Blick in den Rückspiegel verriet ihm, dass die Hunde von diesem Voltaire sich noch immer im Haus befanden und noch nichts von dem Verschwinden ihres Autos bemerkt hatten, was nur gut für sie sein konnte.
"Und hättest du mir nicht irgendwie im Voraus verraten können, dass du Ärger mit den Voltaires hast?"
Re: Kapitel 1
Clayton - 02.02.2009, 15:04
Clay wurde unsanf gegen die Rückenlehne das zugegeben sehr bequemen Autositzes gepresst. Also doch ein fähiger Vampir. Das war doch schon Mal was. Kurz und knapp dirigierte Clay Johan durch die Straßen.
Am liebsten hätte er ein abfälliges "Tut mir leid kleiner... aber das geht dich nichts an." losgelassen, bemerkte dann aber, dass es den guten Bennet nun sehr wohl etwas anging, immerhin steckte er so ziemlich mit drinnen. Spätestens jetzt.
"Tut mir leid Kleiner, aber warum hast du mir nicht gesagt, dass du Johan bist?" gab Clay schließlich verärgert zurück. Dann wäre das Problem erst gar nicht aufgetreten, er hätte Johan von hier weggeschickt und nie hääte es irgendwelche derartigen Komplikationen geben. Aber nein, Johan war zu stur. Typisch Bennet eben. Sein Vater wäre ohne Zweifel stolz auf ihn gewesen.
Re: Kapitel 1
Jaden - 02.02.2009, 15:38
"Jaden, wenn ich bitten darf", korrigierte er mit einem sarkastischen Lächeln, das irgendwann einmal etwas mit Höflichkeit zu tun gehabt hatte. "Und warum hätte ich dir etwas erzählen sollen, das du nach unserem Wiedersehen auf dem Friedhof sowieso schon wusstest?"
Als ob es da noch irgendwelche Zweifel an seinem Namen oder seiner Identität gegeben hätte. "Und mich dauernd 'Kleiner' zu nennen, macht dich auch nicht größer", fügte er hinzu, bevor er heftig auf die Bremse trat und das Auto vor einer roten Ampel zum Stehen brachte.
Lieber ein paar Sekunden warten als vom Lkw überrollt werden.
Wie alt Clayton wohl war, wenn sie schon dauernd darüber redeten? Vom Aussehen her jünger als er, fand Jaden, aber bei Vampiren konnte man das nie so genau sagen.
Völlig unwichtig.
"Also, wer war dieser Voltaire?"
Er hatte ziemlich adelig und ziemlich reich ausgesehen, und auch ohne genaueres über ihn zu wissen konnte Jaden davon ausgehen, dass es besser war, weder ihm noch irgendeinem anderen Voltaire in die Quere zu kommen.
Wunderbar.
Da war er seit vierundzwanzig Stunden in Moskau…
Er wollte nicht genauer darüber nachdenken.
Re: Kapitel 1
Clayton - 02.02.2009, 15:55
"Du hättest es mir ganz am Anfang sagen können, dann wäre es erst gar nicht so weit gekommen." erwiderte Clay heftig, den unnützlich Kommentar missachtend.
"Jaden..." fügte Clay hinzu, wie um sich den Namen einzuprägen. Wieso Jaden? Den Namen hatte er sich sicherlich selbst gegeben. Wie erbärmlich.
Naja. War ja nicht seine Angelegenheit.
"Die Voltaire sind ein Adelshaus in Moskau. Das mächtigste unter ihnen, um genau zu sein. Ich an deiner Stelle würde ihnen eher aus dem Weg gehen."
Clay schluckte einmal, als eine klapperige alte Dame haarscharf an seinem Seitenfenster vorbeisauste. Vielleicht sollte er doch etwas vorsichtiger sein?! Nun ja, vielleicht.
Re: Kapitel 1
Jaden - 03.02.2009, 18:02
Den Voltaires aus dem Weg gehen. Was für ein überaus nützlicher Hinweis, da wäre er beinahe von alleine drauf gekommen. Aber wer verdammt nochmal war dieser Kerl aus der Wohnung?
Mit einem entnervten Ausatmen fuhr er scharf um eine Straßenecke, wobei er den Bordstein schnitt, und bog - in etwas geäßigterem Tempo - in eine breite Allee ein, die von ausladenden Bäumen flankiert wurde. Sie befanden sich in einem der besseren Viertel von Moskau, und an Stelle der hässlichen Betonbauten und Parkplätze waren hohe Mauern und Tore getreten, die die einzelnen Grundstücke einrahmten und vor den Blicken der Welt abschotteten.
Vor einem vergitterten Einfahrtstor brachte Jaden seinen Wagen zum stehen und stellte den Motor ab. Ohne auf Clayton zu warten stieg er aus dem Auto und ging auf das Tor zu, hinter dem eine kurze, mit schwarzgrauem Stein gepflasterte Einfahrt zu einer Garage führte und ein kleiner Weg zu dem Haus, das sich in den Schatten zweier hoher Bäume duckte.
Alle Fenster waren verdunkelt, bei manchen sogar die Läden verschlossen. Der Hof war vereinsamt, trockenes Laub wehte über den Weg und die Büsche wucherten ein wenig über ihre angedachte Größe hinaus, sodass das Anwesen beinahe ein wenig verwildert wirkte, zumindest im Gegensatz zu den Hochhäusern in der Stadt.
Und hier hatte sein Vater gewohnt. Mein Gott, er hatte ja keine Ahnung gehabt, dass er so verdammt reich gewesen war. Und noch unglaublicher war es, dass er ihm das Ganze vererbt hatte.
"Dann wollen wir mal sehen, ob der Schlüssel passt...", murmelte er und fuhr mit seiner Hand in die Tasche.
Er passte. Das Schloss gab mit einem Knirschen nach, und die Tore schwangen auf.
Re: Kapitel 1
Clayton - 04.02.2009, 01:14
Schweigend brachten sie die Fahrt hinter sich, Clayton konnte es dabei gar nicht schnell genug gehen. Vincent würde nicht klein bei geben. Dabei war es nicht einmal seine gezielte Absicht gewesen, gleich einen Voltaire zusammen zu schlagen. Es war reiner Reflex. Nun ja, im Grunde war es ja auch Vincents Schuld, er war zuerst in die Wohnung geplatzt, was sollte man schon von einem Fremden Einbrecher halten?!
Hastig sprang er aus dem Wagen, noch ehe dieser richtig zum Stehen gekommen war und war im nächstbesten Moment durch das Tor hindurchgeschlüpft.
Mit wenigen Sätzen war er an der Haustür. Warum brauchte dieser verwöhnte Johan – Verzeihung – Jaden denn so schrecklich lange?!
Das Haus – oder besser noch die Villa – war so leer und ausladend, dass Clay sich beim zweiten Blick beinahe erschreckt hätte. Bennet war zwar ein verschlossener Mensch gewesen, doch so sehr hatte er sich nicht eingebunkert, wie es dieser Anblick hier darstellen wollte. Ganz und gar nicht.
„Na mach schon auf, oder willst du Wurzeln schlagen?“ Zappelte Clay vor der Haustür herum. Es war mittlerweile noch nicht einmal mehr nur die Sicherheit die er in diesem Haus suchte. Wie mochte das Haus wohl aussehen? Gab es irgendwelche Hinweise? Was sollte das ganze?
Re: Kapitel 1
Jaden - 04.02.2009, 15:02
Mit einem lauten, demonstrativen Klacken schloss sich das Tor hinter ihm, und er schritt zu Clayton hinüber. Wie sein Vater wohl gelebt hatte? Der erste Eindruck war jedenfalls ziemlich... anders, als er es erwartet hatte. Er musste zugeben, dass er überhaupt keine Ahnung hatte, wer sein Vater eigentlich gewesen war, was der Tod seiner Frau und das Verschwinden seines Sohnes aus ihm gemacht hatten. Doch noch etwas anderes war komisch, dieses ganze scheinbar vereinsamte Haus hatte etwas heimisches an sich.
Nicht wirklich behaglich, sondern eher... einladend? Nein, das war absurd, vielleicht das falsche Wort... Oder nicht?
Jaden konnte sich nicht vorstellen, was sein Vater, der an einer Universität unterrichtet hatte und eigentlich ein recht praktischer Mensch war, so einem düsteren Haus abgewinnen konnte, doch gerade das machte die ganze Sache so beunruhigend.
Immerhin hatte Theodor sein gesamtes Geld in dieses Haus gesteckt.
Und er, Jaden, konnte dem anmutigen, dusteren Altbau sehr wohl etwas abgewinnen. Aber seinen seltsamen Hang zu verlassenen Gemäuern hatte er erst entwickelt, nachdem er ein Vampir geworden war.
"Wenn du etwas mit meinem Vater zu tun gehabt hattest..." Er sprach nicht sofort weiter. Vielleicht war es keine Gute Idee, gerade mit Clayton darüber zu reden. Er war nicht gerade der beste Ansprechpartner. Aber er war auch der einzige, den er fragen konnte.
"War er ein Vampir? Du kanntest ihn doch."
Die Haustür schwang mit einem Knarren auf, und der Duft von altem Holz und Büchern schlug ihnen entgegen.
Ohne Clayton einen Blick zuzuwerfen betrat er die Eingangshalle, die im wahrsten Sinne des Wortes eine Halle war. Eine doppelte Tür führte in ein großes Wohnzimmer mit Sesseln und einer Kaminecke, ein schwerer, hölzerner Tisch und ein paar Bücherregale. An den Wänden hingen ein paar dustere Bilder, und auf dem Kaminsims standen Fotos. Eine weitere Tür führte in einen Nebenraum, sie war nur angelehnt.
Auf dem Tisch lagen ein paar Zeitungen und ein aufgeschlagenes Buch, auf dem Kamintisch standen mehrere Tassen. Ein dunkler Mantel hing noch über der Lehne eines Sessels, gerade so als hätte Theodor ihn nach einem anstrengenden Arbeitstag nachlässig abgeworfen.
Man hätte meinen können, das Haus wäre noch bewohnt gewesen, wenn nicht eine Staubschicht sich hauchdünn über das Wohnzimmer gelegt hatte.
Re: Kapitel 1
Clayton - 05.02.2009, 21:13
Ungehobelt stürzte Clay in die Villa hinein – und blieb wie angewurzelt stehen. Es sah komplett anders aus. Theodor hatte wohl mal wieder eine seiner Umräum-Aktionen verwirklicht. Neugierig setzte er sich wieder in Bewegung. Er streifte an den Wänden vorbei und betrachtete die Fotos für einen Moment – sie hatte schon immer auf diesem Kamin gestanden. nachdenklich strich er über die dünner Staubschicht und betrachtete das feine graue Pulver, das an seinen blassen Fingern haften blieb. Es war das einzige gewesen, was Theodor niemals geändert hatte.
„Ja.“ Antwortete er knapp, viel zu vertieft in die Einrichtung und die kleinen Details, von denen er kein einziges verpassen wollte.
Er hob die Jacke von der Stuhllehne und untersuchte hemmungslos die Jackentaschen. Ein Portmonee, ein Handy. Mehr war nicht drinnen.
Beinahe selbstverständlich steckte er beides ein. Er würde sich später genauere Gedanken darüber machen. Achtlos warf Clay die Jacke wieder über die Lehne zurück.
„Er wurde zum Vampir, etwa ein Monat nachdem du ihn verlassen hast.“ Fuhr er dann fort und blickte Jaden nun direkt an.
Wieder erstarrte er. Doch nun war sein Blick auf den Boden gerichtet.
Hauchfeine Fußspuren zeichneten sich auf dem Fußboden ab. Es waren die Abdrück schwerer Militärstiefel, wie sie hauptsächlich aus modischen Gründen hier in Moskau getragen wurden. Clay hatte nie verstehen können, wie man sich gerne als niederen Soldaten präsentieren konnte.
Er bückte sich kurz herunter, bemerkte, dass jeglicher Geruch bereits verschwunden war und richtete sich wieder auf.
Re: Kapitel 1
Jaden - 10.03.2009, 16:27
Ja. Oh Gott, sein Vater war tatsächlich ein Vampir gewesen, und das sogar schon so lange... Einen Monat, nachdem er ihn verlassen hatte? Da gab es doch hoffentlich keinen Zusammenhang.
Er konnte nicht leugnen, dass die Nachricht ihn schockierte, und das Bild eines blutsaugenden Vaters verursachte ihm für einen Moment Übelkeit. Gerade so lange, dass er nur mit halbem Auge mitbekam, wie Clayton doch tatsächlich irgendetwas aus der Jackentasche seines Vaters einsteckte, bevor er die Jacke achtlos zurück auf den Sessel warf.
"Kannst du vielleicht aufhören, alles anzufassen und zu verändern, bevor ich mir ein richtiges Bild gemacht habe?", fluchte Jaden.
Und dann diese Fußspuren… Warum war es hier bloß so staubig? Es musste schon eine Ewigkeit her sein, dass jemand dieses Haus betreten hatte. Abgesehen von den Leuten mit den Militärstiefeln natürlich, die hoffentlich nicht mehr hier waren. Wieder musste er an die beiden schmierigen Typen aus dem Treppenhaus und den Voltaire denken, den Clayton k.o. geschlagen hatte, doch das war jetzt erst einmal Nebensache.
"Na los, gib mir die Sachen zurück. Sie haben meinem Vater gehört. Wenn du einen toten Vater hast, nehme ich dir auch nichts weg."
Ein bisschen Sarkasmus musste einfach sein.
Re: Kapitel 1
Clayton - 17.08.2009, 19:21
Clay hielt verwirrt inne. Wieso nahm er ihm etwas weg? Es gehörte ihm doch gar nichts hier. Dass er den Schlüssel zu diesem Haus hatte machte das hier nicht automatisch zu seinem Eigentum.
Er starrte Jaden einen Moment zu lange feindselig an, bevor er beschloss dass es der Kram nicht wert war um ein Theater daraus zu machen.
Wiederwillig warf er ihm das Handy und das Portmonee zu.
„Was willst du hier für ein Bild bekommen, außer die Überzeugung, dass dein Vater ein sehr ordentlicher Mensch war?“
Er widmete sich wieder dem Schuhsohlenabdruck. Es war ein große Fuß gewesen. Und er war sogar schwer genug gewesen um sich durch die ganze fünf-Millimeter-Staubschicht zu drücken. Na pima. Er musste sich eingestehen, dass das keinen allzu großen Sinn hatte.
Er musterte Johan. Es würde wohl noch etwas dauern, bis sich dieser Sohn sein Bild gemacht hatte. Lange genug für einen Kaffee.
„Ich mach mir ’nen Kaffee. Magst du auch einen?“ Er klopfte sich gedanklich stolz auf die Schulter. Er war sogar so freundlich und bot Johan einen Kaffee an.
Na gut.
Den Kaffee seines Vaters.
Oder besser gesagt, mittlerweile seinen eigenen Kaffee. Aber das machte ja im Grunde keinen Unterschied.
Re: Kapitel 1
Jaden - 17.08.2009, 19:42
"Kaffee", wiederholte Jaden abwesend, während er das Telefonbuch des Handys öffnete und in den Einträgen herumzublättern begann. "Mmhm gern."
Die Namen irgendwelcher Leute flogen über den kleinen Display, während er sich auf dem staubigen Sofa niederließ. Er konnte die Schrift nicht lesen und mit dem wenigen, das er entzifferte, nichts anfangen...
Hatte er gerade in seiner gedanklichen Abwesenheit wirklich 'gern' zu Clayton gesagt? Er ärgerte sich darüber, aber die Gewohnheit hatte sich zu tief eingeprägt.
Er ging zu dem Posteingang des Handys über und blätterte durch die Einträge, alles veraltet und unlesbar, und dann fuhr ihm ein Schauer über den Rücken.
Est-ce que vous avez lu la lettre de Serge Voltaire? Je le suggère à vous(etw. nahelegen)...
Und ein paar Tage später:
Je vois que vous ne voulez pas prendre contact avec nous. Vous le [falloir(sollten)] considerér...
Jaden sah von dem Handy seines Vaters auf.
"Hast du die Post gesehen?", rief er aus dem Wohnzimmer in die Küche.
Re: Kapitel 1
Clayton - 17.08.2009, 19:54
Der gute alte Bennet hatte eine der Kaffeemaschinen, die die unglaubliche Gabe besaßen, für eine Tasse Filterkaffe, der nachher wie Zement im Magen liegen würde, glatte fünf Minuten zu brauchen.
Aus Ermangelung einer Tüte Milch, noch nicht halb lebendig geworden war, nahm er nur eine kleine Schale mit Würfelzucker mit ins Wohnzimmer.
Vincents Frage erinnerten Clay mal wieder daran, dass er dumme Fragen nicht ausstehen konnte.
„Ich wüsste nicht, wann ich das hätte tun sollen.“
Johan hatte wohl offensichtlich kein Problem damit, in einer Staubwolke zu sitzen, die durch das Hinsetzen aufgewirbelt worden war. Der Anblick hatte irgendwie etwas mystisches.
„Wieso, was steht denn da?“
Re: Kapitel 1
Jaden - 17.08.2009, 20:10
"Tja, also hier sind alte SMS von... "
Er beendete den Satz nicht. "Entweder hat irgendeiner der Voltaires ihm ein Angebot gemacht, oder aber ihn bedroht. Meinen Vater." Er musste die letzten Worte aussprechen, nur um zu sehen, ob sie ihm noch über die Lippen kamen. Sein Vater, wer das auch immer gewesen sein mochte. Oder was. Hatte er mit den Voltaires paktiert? War sein Vater am Ende mit ihnen befreundet gewesen, und er selbst, Jaden, befand sich gerade mit Clayton (der ja offensichtlich kein Freund der Voltaires war) auf dem besten Weg, sich die Chance mit der russischen Aristokratie zu verderben?
Seine Augen flogen zu Clayton hinüber, und er konnte nicht anders als ihn prüfend zu mustern.
Klein und grau stand Clayton in der Tür.
Gut, Jaden war voreingenommen. Aber war es wirklich eine gute Entscheidung gewesen, sich mit ihm abzugeben? Wo er ihn doch noch nicht einmal leiden konnte... Vielleicht hatte er es im Gefühl gehabt und mochte ihn deshalb nicht. Früher hätte er diese Art von ich-habe-da-so-ein-Gefühl als Unsinn abgetan, doch seit er ein Vampir war, wusste er nicht mehr hundertprozentig, welchem seiner Sinne er noch trauen konnte. Noch nie hatte er einer Gesellschaft von Vampiren angehört, und die Voltaires wären vielleicht seine erste Möglichkeit gewesen, auch seine Fähigkeiten und die Tücken des Vampirseins besser kennen zu lernen... Er gehörte einfach nicht zu Clayton, sein Platz war in der Aristokratie wie der seines Vaters. Er war gehobene Gesellschaften gewohnt, nicht verrauchte Bars und Kneipen und gammelige Wohnungen im fünfzehnten Stock...
Er riss sich selbst aus den Gedanken.
"In der Post müsste sich ein Brief von einem gewissen Serge Voltaire befinden", sagte er ein wenig zu trocken und erhob sich von dem Sofa, wobei eine neue Staubwolke aufwirbelte. "Ich sehe nach, was im Briefkasten liegt."
Re: Kapitel 1
Clayton - 17.08.2009, 20:20
Auch wenn Clay nicht wirklich das Glaubte, dass die besagte Post noch im Briefkasten lag, sagte er nichts.
Der Kaffee musste eigentlich fertig sein.
Serge Voltaire. Wer war noch gleich Serge? Clay musste kaffeeschlürfend zugeben, dass er keine Ahnung hatte, wer Serge war. Aber er hatte vermutlich etwas mit dem Tod von Jadens Vater zu tun. Und das war genau der Punkt, an dem Clay sich fragte, ob er es wirklich bedauerte, ihn nicht zu kennen.
Er setzte für Jaden einen zweiten Kaffee auf.
Wie lange würden die Voltaire wohl brauchen, um auf die glorreiche Idee zu kommen, Jaden in dem Haus seines Vaters zu suchen? Eigentlich brauchte man nicht weit überlegen.
Es konnte noch höchstens eine halbe Stunde dauern, bis sie hier alle hereinstürmen würden.
Und der Vorfall mit Vincent war auch noch so eine Sache...
Naja, vielleicht gar nicht so schlecht, die Sache wird schnell geklärt.
Jaden war an allem Schuld. Egal was, Jaden war an allem Schuld. Wenn Bennet schon tot war, konnte es mit Jaden nicht mehr lange dauern.
„Und? Ist da was?“ Oder wer...
Re: Kapitel 1
Jaden - 23.08.2009, 13:16
Seine Schritte hallten leer durch die Eingangshalle, als er zur Eingangstür ging. Sie war groß und wuchtig und hatte etwas von einem Portal, genau wie die Treppe dunkler und breiter in die Höhe führte als es nötig gewesen wäre, beinahe ehrwürdig wie der Aufgang zu privaten Gemächern eines Herrenhauses. Der staubige Kronleuchter an der Decke vernichtete endgültig die Chance, einen falschen Eindruck von dem noblen Wohnsitz zu gewinnen.
Theodore Bennet musste gut verdient haben, auch wenn Jaden sich sicher war dass er seinem Job an der Uni nach seiner... Veränderung nicht weiter nachgegangen war. Womit hatte er also sein Geld verdient?
Die Voltaires wollten ihm nicht aus dem Kopf gehen.
In Gedanken versunken hatte er die Tür erreicht, sogar schon die Hand auf die kalte Messingklinke gelegt, als ihn das Geräusch knarrender Holzdielen innehalten ließ.
Jaden fuhr herum. Und dann hatte die Situation plötzlich etwas von einem Horrorfilm.
Auf dem obersten Treppenabsatz war eine Gestalt zu sehen, groß, breit und schwarz, die sich offenbar schwankend an das Geländer des obersten Treppenabsatzes klammerte. Der Halbschatten verdeckte sie beinahe vollständig sodass nur ein kleiner Streifen bleichen Lichts auf sie fiel, doch es genügte um die pelzige Beschaffenheit des gebückt stehenden Wesens zu enthüllen. Jaden stieß undwillkürlich die Luft aus und duckte sich in den Schatten der Tür, als die Kreatur ihren Blick hob und aus gelben, glühenden Augen zu ihm hinüberstarrte, dann verharrte sie reglos. Wie gelähmt tat er es ihr gleich, doch die Kreatur hatten ihn offenbar nicht gesehen, schleckte sich über die Lippen und entblößte dabei eine Reihe messerscharfer Reißzähne, bevor sie sich umdrehte und vom Treppenabsatz verschwand.
Ein paar Schrecksekunden vergingen, bevor Jaden sich aus dem Schatten löste und so leise wie möglich zurück ins Wohnzimmer schlich.
Claytons lautstarkes "Und, ist da was?" ließ ihn einen raschen Blick über die Schulter werfen, bevor er die Tür schloss und erst einmal tief durchatmete.
"Ja", sagte er. Natürlich dachte er nicht mehr an den Briefkasten. "Ich..." Sein Blick ruhte auf Clayton. Er konnte es nicht beschreiben. Groß, schwarz und mit Fell? Clayton würde ihn für einen Psychopathen halten. Er fuhr sich durch die Haare und versuchte sich zusammenzureißen, doch die gelben Augen starrten ihn noch immer an, eiskalt und leer. "Im ersten Stock ist irgendwer, oder irgendwas... ich konnte es nicht richtig erkennen. Aber es sah nicht gut aus..."
Re: Kapitel 1
Clayton - 23.08.2009, 15:39
Ja. Irgendetwas an Jadens Tonlage verriet Clay, dass es sich nicht um einen Brief handeln konnte.
Irgendwer. Und es sah nicht gut aus.Na so eine Überrascung. "Jemand" sah nie gut aus. Egal wer.
Es war mal wieder einer der Augenblicke, an dem Clay sich fragte, wie zum Teufel er es geschafft hatte, sich so gut wie ganz Moskau zum Feind zu machen.
Ohne darauf zu antworten verschwand Clay zunächst einmal in der Küche und drückte Jaden dann eine volle Tasse Kaffee in die Hand.
Jadens natürliche Blässe war einem ungesunden weiß gewichen.
"Naja, solange er noch im ersten Stock ist..." versuchte Clay ihn zu beruhigen und gab sich die größte Mühe, nicht selbst in eine panische Hysterie zu verfallen. Nicht, dass er das innerlich noch nicht getan hatte, aber er musste ja nicht auch noch Jaden in Panik versetzen. Wahrscheinlich war es dafür zwar auch schon zu spät... aber egal.
Ein kurze Pause entstand, in der Jaden wohl nicht in der Stimmung war, zu reden und Clay nicht wusste, was er sagen sollte. Am liebsten hätte er ihn angeschrieen, was zum Teufel sie dann hier noch taten, warum sie nicht schon längst wieder ins Auto geflüchtet waren und warum sie nicht schon auf dem Weg nach irgendwo waren, nur weg von hier? Im ersten Stock war jemand!! Und er war zweifellos im ersten Stock, um ihnen auf zu lauern. Was sollte er auch sonst da suchen?
Er wollte mit Sicherheit in einem günstigen Moment zuschlagen und sie beide zu Hackfleisch verarbeiten.
Nein.
Stop.
Ganz ruhig.
"Sollen wir hoch gehen oder besser abhauen?" fragte Clay möglichst sachlich, seine Stimme lag schon eine Tonlage höher als sonst. Verdammt. Und dabei hatte er sich so viel Mühe gegeben, gelassen zu wirken.
Er nahm, so lässig wie das mit einer leicht zitternden Hand eben ging, einen Schluck Kaffee. Immer schön normal wirken.
Re: Kapitel 1
Jaden - 23.08.2009, 16:13
Jaden antwortete nicht sofort, bis er bemerkte, dass er Clayton mit leerem Blick beim Kaffeetrinken zusah.
Abhauen hörte sich nach einer verlockenden Möglichkeit an, verdammt verlockend. Aber das konnte er nicht mit seinem Gewissen rechtfertigen, außerdem hatten sie dann ein Problem.
"Wenn wir abhauen, haben wir nurnoch den Wagen", sagte er. "Ich habe keine Lust, meine Zeit in einem Auto zu verbringen anstatt in dem Herrenhaus meines Vaters, nur weil irgendeine…" Er hielt kurz inne, allerdings nicht weil er ein passendes Wort suchte, sonder weil sich die gelben Augen wieder in sein Gedächtnis brannten. "…Kreatur im ersten Stock herumspukt."
Kein schlagendes Argument, wenn man bedachte, dass die Voltaires vermutlich sowieso auf dem Weg zu dem Haus Theodor Bennets waren, nach dem was in Claytons Wohnung passiert war… Jadens Blick flog kurz zu den Küchenmessern, die auf der Ablage neben dem Waschbecken standen. Wenn er eines der Messer nahm musste er sich eingestehen, dass das Problem größer war als er wahr haben wollte, doch gänzlich unbewaffnet zu gehen war ihm noch weniger lieb.
Er stellte den Kaffee ab und nahm ein mittelgroßes Messer, ohne Clayton dabei in die Augen zu sehen, das er sich in den Ärmel seines schwarzen Pullovers steckte, bevor er zur Tür ging.
"Ich gehe nachsehen", sagte er mit plötzlicher unnatürlicher Ruhe. Er zögerte nur einen kurzen Moment, bevor er die Hand auf die Türklinke legte.
Re: Kapitel 1
Clayton - 23.08.2009, 16:29
"Ähm..." entfuhr es Clay verunsichert, als Jaden plötzlich nach einem Messer griff. Also doch ein Feind. Also doch eine Gefahr. Also doch Hackfleisch. Sie würden sterben. Dieser Jaden. Dieser Mistkerl. Wieso musste er gerade ihm über den Weg gelafuen sein? Sied er da war hatte Clay nur Ärger am Hals. Nicht, dass das auch snst der Fall gewesen wäre...
"Brauchen wir das?" Blöde Frage. Natürlich. Aber... DAS war ein PROBLEM!
Ich bin noch viel zu jung zum sterben...
Clay erstarrte in der Bewegung. Wieso WIR?
Wie zur Hölle kam er plötzlich auf den bescheuerten Gedanken, sie würden GEMEINSAM da hoch gehen?
ABer andererseits... wie sähe das denn aus, wenn er sich alleine hier unten in Sicherheit versteckte?
Jaden brabbelte grade irgendwelche haltlosen Gründe vor sich hin, warum sie hoch gehen sollte und auch, wenn es klar war, dass das alles nicht wirkliche Gründe waren, wusste er, dass nichts und niemand Jaden davon abhalten konnten, in den sicheren Tod zu laufen.
Nein.
In den Sieg. In den Sieg. In den Sieg. Es würde schon nicht so schlimm werden. Sie würden hoch gehen.
Und sterben!!!!!
Nein.
Oder?
Clay räusperte sich einmal unnatürlich laut, um seine Gedanken zum schweigen zu bringen.
Dann griff er nach dem erstbesten Gegenstand, den er als Waffe verwenden konnte und nickte Jaden zu.
Auf in den Kampf. Oder was dort oben auch immer auf sie zukommen würde.
Clay quetschte sich aus der Tür und schielte unsicher die Treppe hinauf. Er konnte nichts erkennen. Und das beunruhigte ihn. Was, wenn er schon beobachtet wurde?
Schwachsinn.
Er wartete so selbstsicher, wie das eben möglich war am Treppenabsatz und umklammerte seine Waffe - sie war irgendwie klein.
Er warf einen kurzen Blick darauf.
Es war eine Kuchengabel.
Als er seinen Blick wieder hob, blickte er in zwei kalte, gelbe Augen, die ihn durch das Geländer des ersten Stocks anfunkelten.
Clays Herz sank ihm in die Hose.
Re: Kapitel 1
Jaden - 23.08.2009, 17:48
Jaden warf der Kuchengabel einen kurzen Blick zu. Sollte er Clayton verraten, was auf ihn zukam? Jaden entschied sich dagegen. Bis er ihn überzeugt hatte, die Kuchengabel gegen einen sinnvolleren Gegenstand auszutauschen, was er niemals tun würde; bis Clayton dann tatsächlich zurückging um etwas anderes zu holen, und bis er wieder zurückgekommen war, hatte das Wesen sie bestimmt schon zwanzigmal gewittert und getötet… Clayton starrte plötzlich mit alarmierend entsetztem Blick irgendetwas hinter ihm an, und Jaden fuhr herum.
Zwei gelbe Augen oben auf dem Treppenabsatz bohrten sich in Jaden und verdammten ihn zur Bewegungsunfähigkeit.
Doch nicht aus Schreck oder Entsetzen… Sie konnten doch nicht wirklich so leer sein? Er konnte den Blick nicht lösen. Das Wesen starrte ihn direkt an, doch es kam Jaden eher so vor als ob nicht die Augen ihn anstarrten, sondern alles die Augen anstarrte, wie etwas furchtbares oder schrecklich schönes, von dem man den Blick nicht abwenden konnte. Wie bei einer schönen Skulptur, die alle ansehen mussten, dauernd, oder besser noch einem blutigen Unfall, bei dem alles stehen blieb um das Opfer anzustarren, ohne etwas zu tun, ohne Hilfe zu holen, weil der Anblick so bannend war…
Bannend. Irgendwo am Rande seines Bewusstseins kam Jaden das Wort beunruhigend vor.
Re: Kapitel 1
Clayton - 23.08.2009, 18:15
Ein tiefes Grollen lies die Luft um sie herum erzittern. Doch es war kein Knurren, das eine Warnung ausdrückte. Es war eine Ankündigung. Eine Feststellung. Schon beinahe eine Tatsache.
Das Wesen war da oben. Sie waren hier unten. Das Tier würde herunter kommen und sie beide töten.
Einfach so.
Plötzlich war es Clay furchtbar egal, ob er nun einen Dolch oder eine Kuchengabel in der Hand hielt. Es machte keinen Unterschied.
Die Zeit schien für einen Moment still zu stehen, als die Kreatur sich kurz duckte und dann in einer fließenden, machtvollen Bewegung einfach über das Geländer sprang. Sie sprang nicht, sie glitt viel eher durch die Luft.
Auch, als sie auf dem Boden direkt vor Jaden landete, war es kein Aufprall. Es war ein lautloses, präzises, wunderschönes Innehalten.
Bei der Kreatur handelte es sich ohne Zweifel um etwas Wiedernatürliches. Es hatte die Gestalt eines Wolfes, eines übergroßen Wolfes. Er war muskulös. Und wunderschön. Es war, als wäre ein Wesen der vollkommenen Perfektion vor ihnen aufgetaucht.
Clay konnte ihn einfach nur anstarren. Es machte ihm plötzlich nichts mehr aus, dass er gleich sterben würde. Dieser Anblick.
Dann begegnete er wieder seinen Augen. Und eine eisige Kälte durchfuhr seinen Körper.
In diesen gelben Augen. In der schwarzen Pupille. War. Nichts.
Gar nichts.
Das Klirren der Kuchengabel, die Clay aus der Hand glitt klang in seinen Ohren wie ein verzerrtes Kreischen weit in der Ferne.
Vor ihm stand kein Wesen.
Es war eine kalte, leblose Seele.
Ein schönes Wesen.
Fesselnd schön.
Schrecklich schön.
Re: Kapitel 1
Sergej Voltaire - 24.08.2009, 23:36
Sergej Voltaire drehte unsanft den Zündschlüssel des schwarzen, dunkel verglasten Chevrolets, worauf der Motor erstarb und das Radio verstummte. "Ziel erreicht", sagte die Frauenstimme des Navigationsgerätes noch in höflichem, bestimmten Tonfall, dann wurde auch der kleine Display schwarz.
Stille herrschte.
Sergej schloss kurz die Augen und lehnte sich in dem schwarzen Ledersitz zurück, um seinen rasenden Puls zu beruhigen und den fliegenden Atem wieder unter Kontrolle zu bringen.
Verdammte Schlange, Viktoria. Verdammte, verdammte… Hyäne passte eigentlich besser, oder Aasfresserin. Sie hatte nicht viel von ihm übrig gelassen. Dabei war er noch gut davongekommen…
Wenn man das so sagen konnte.
Ein flüchtiger Blick in den Rückspiegel zeigte ihm das flammende Rot seiner Wange, wo Victoria-
Nein, er würde sich nicht aufregen. Mit einem gezwungenen Ausatmen lehnte er sich wieder zurück. Hoffentlich hatte sie sich die Handfläche blau geschlagen.
Nein, das durfte er nicht einmal denken. Heilige Victoria Voltaire, er war ihr verpflichtet, ganz gleich was sie mit ihm anstellte. Ganz ruhig.
Er stieß die Autotür auf und stieg aus dem Auto, schob den Schlüssel in die Hosentasche und schlug den Kragen seines dünnen Hemdes bis ans Kinn nach oben. Eisiger Wind wehte und Schnee fegte über den Hof der Villa Bennets, sodass ihm ein Schauer über den Rücken lief.
Er hatte seinen Mantel nicht dabei.
Sergejs Atem hinterließ dichten Nebeln in der kalten Nachtluft.
Mit einem resignierten Ausatmen schob er das Tor zur Einfahrt auf und stapfte über den leeren Hof, zog im Gehen seine Baretta (9mm, 8 Schuss^^), die in dem Holster unter seinem Hemd steckte, und entsicherte sie mit einem metallischen Klicken.
Wieder musste er das Beben seiner Hände unterdrücken und bemerken, dass er wie festgefroren vor der Eingangstür stand, die klammen Finger um den Messinggriff geschlossen.
Und Victoria wusste, was sie ihm antat.
Er hätte niemals jemanden töten können, sie hätte ihn nicht dazu zwingen dürfen.
Die Waffe lag eisig in seinen Händen.
Dabei war es überflüssig, sich zu sagen, dass er keine Wahl hatte. Überflüssig, auf Victorias Verständnis zu hoffen. Und überflüssig, weiter darüber nachzudenken.
Er hatte die Tür so fest aufgestoßen, dass sie gegen die Wand schlug, und starrte in die Dunkelheit der Eingangshalle. Seine Augen gewöhnten sich übernatürlich schnell daran, und genauso schnell nahm er die zwei, nein drei Gestalten wahr, die am unteren Absatz der Treppe standen.
Es gab nichts zu überlegen.
Drei Schüsse fielen, drei Kugeln trafen ihr Ziel, und dann noch einmal drei.
Er hatte nur verwundet, die letzten zwei Kugeln blieben für die tödlichen Kopfschüsse. Zwei Kugeln für drei Leute. Die Rechnung ging nicht auf.
Er schluckte. Etwas großes und schwarzes bewegte sich plötzlich.
Sergej schoss noch einmal, und noch ein zweites Mal, dann herrschte Totenstille.
Sehr langsam ließ er die Waffe sinken, und sehr langsam sank er gegen den Türrahmen des Eingangsportals.
Re: Kapitel 1
Clayton - 25.08.2009, 20:53
Ein plötzlicher Knall riss Clay aus seiner Erstarrung. Rettung. Jemand würde sie retten.
Doch es knallte nicht nur einmal.
Ein stechender Schmerz in seiner rechten Schulter ließ Clay zur Seite Taumeln. Ein weiterer Schuss traf seinen linken Oberschenkel.
Spinnst du?!?! DA IST DAS DING!!!
Seiner Kehle entwich nur ein gepresstes Keuchen.
Nein. Das durfte doch nicht wahr sein. Er würde nicht von seiner Rettung umgebracht werden. So funktionierte das nicht.
Zwei weitere Schüsse fielen und ein schreckliches Kreischen zerriss die Luft. Clay fuhr herum und sah grade noch, wie das Wesen auf dem Treppenabsatz im ersten Stock verschwand.
Die Gestalt war weg. Und jetzt würde er nicht sterben. Nein. Nicht, nachdem er das überstanden hatte.
Im Augenwinkel registrierte Clay, dass auch Jaden getroffen worden war.
Eine plötzliche, teils rasende, teils panische Wut übermannte ihn und betäubte den Schmerz.
Wutentbrannt griff Clay nach seiner Kuchengabel - es war der einzige, halbwegs nützliche Gegenstand - und stürzte sich auf den Fremden.
Mit einem lauten "AAAAAAAAAAAARGHHHH!!!!" rammte er dem Fremden Vampir die Gabel in die rechte Schulter. Doch sein Triumphgefühl wurde so schnell wieder ernüchtert, wie es auch gekommen war.
Moment.
Den fremden Vampir.
Den fremden... VAMPIR.
Verdammt. Warum musste immer ihn das passieren? So gewann man natürlich am besten Freunde...
Aber er hatte zu erst geschossen!!
Ohne Vorwarnung übermannte ihn das grässliche Stechen wieder und zauberte schrecklich schmerzhafte Sterne hinter seine Augen.
Er sog scharf die Luft ein, als sein linkes Bein unter ihm nachgab und er versuchte, sich mit seiner linken Hand an seinem Gegenüber festzuhalten.
Das Hemd des Fremden zerriss und er landete nur mit einem weißen Stofffetzen in der Hand auf dem Boden.
Re: Kapitel 1
Sergej Voltaire - 27.08.2009, 14:29
Sergej wich ein paar Schritte zurück. Natürlich war er erschrocken, doch die Wunde, die der spitze Gegenstand in seiner Schulter hinterlassen hatte, nahm er bloß als unterschwelliges dumpfes Pochen wahr. Mit gespenstischer Seelenruhe sah er auf den zu Boden gegangen Angreifer hinab.
Seine Gedanken kreisten in einer bodenlosen Leere.
Er war ein schlechter Auftragskiller, Victoria hätte sich besser einen anderen gesucht.
Nicht einmal hassen konnte er sie dafür, seine Gedanken waren purer Sarkasmus.
Er hätte lachen können oder heulen, töten oder schlafen. Victoria ihr Lächeln stehlen. Nichts hätte ihn mehr berührt.
Lautlos lehnte er sich gegen die Wand und ließ sich auf den Boden sinken, legte die Waffe neben sich ab und musterte das Chaos.
Teilnahmslos.
Wenn er es sich recht überlegte, war er ein wenig überrascht. Entsetzen, Furcht oder Abscheu hätte er verstanden, Hass vielleicht.
Nicht dagegen diese hohle, schwarze Leere.
Re: Kapitel 1
Jaden - 27.08.2009, 14:49
Der Bann der gelben Wehrwolfaugen wurde jäh gelöst und Jaden brachte nicht mehr als ein überraschtes Keuchen über die Lippen, als er die Schüsse hörte und augenblicklich einen stechenden Schmerz in der Magengrube spürte. Der Boden kam ihm entgegen, und noch während er in die Knie ging traf ihn ein zweiter Schuss am Arm, dann schlug sein Kopf hart auf den Steinfliesen auf. Ihm blieb keine Zeit, sich viele Gedanken zu machen, sein Kopf pochte und er spürte den kühlen Steinboden an seiner Wange. Er versuchte entgegen aller Vernunft, aufzustehen, doch sein Körper war bleischwer und seine Bewegung unkontrolliert. Kraftlos sank er auf den Boden und hörte ein paar reglose Sekunden lang seinen eigenen schweren Atem, dann umhüllte ihn allmählich samtige Schwärze.
Re: Kapitel 1
Clayton - 31.08.2009, 22:36
Es war einer der Augenblicke, in denen Clayton sich seiner selbst nicht mehr mächtig war und der einfache, bloße Überlabenswillen die Überhand nahm. Wie eine automatische Notbremse des Verstandes.
Sein Kopf leerte sich, seine Gefühle setzten aus, es war, als ob die Überdosis Schmerz und Schock ihn betäubten.
Schon beinahe gespenstisch erhob sich Clay, humpelte drei Schritte zur nächsten Kommode und griff nach allen Schnaps- und Wodkaflaschen, die er zu fassen bekam.
er ließ sich wieder auf den Boden sinken, öffnete die erste, nahm erst ein paar Schluck und goss sich dann den kostbaren Inhalt über die Wunden. Alkohol desinfiziert.
Im Nachhinein hätte Clay nicht mehr sagen können, ob es gebrannt hatte, oder nicht. Er hätte nicht einmal unterscheiden können, ob er eben Apfelsaft oder Wodka getrunken hatte.
Er nahm, wie in Trance, die Gabel zur Hand. Ein praktisches, kleines Werkzeug.
Ohne Rücksicht auf Verluste bohrte er sich die Gabel ins Bein und pulte die hässliche, kleine Metallkugel heraus.
Dann die Schulter. Auch hier rammte er sich die Gabel unsanft in die blutende Wunde und bohrte so lange darin herum, bis das kleine, glänzende Ding mit einem leisen Klimpern auf den Boden fiel.
Wieder Wodka. Erst trinken, dann auf die Wunde. So funktionierte das immer. Hatte es schon immer funktioniert.
Der Selbsthilfe-Kurs war das erste, was er sich hatte aneignen müssen, um gegen die ganze komische Vampir-Familie anzukommen. Dank sei dem alten Bennet.
„Auf Bennet.“ Lallte Clay und reichte dem Fremden Vampir eine weitere Flasche Wodka.
Jetzt war es nur noch der Alkohol, der ihn betäubte. Besser als jedes Aspirin.
Re: Kapitel 1
Sergej Voltaire - 03.09.2009, 20:07
Er ignorierte den Alkohol.
Bennet?
Es fiel Sergej leicht, einen logischen Schluss daraus zu ziehen. "Da habe ich wohl die Richtigen erwischt…" Oder hätte ich, fügte er in Gedanken hinzu.
Wenn ich meinen Auftrag zu Ende gebracht hätte…
Ein schiefes Lächeln flog über seine Lippen.
Hatte er aber nicht.
Er hatte ja garnicht getötet.
Er hatte nicht getötet! Eigentlich war das eine positive Nachricht. Das, was er nicht hatte tun wollen, hatte er auch nicht getan… Es war wie ein ironischer Witz.
Sergej fuhr sich mit einem lautlosen Ausatmen durch die Haare und schüttelte die lähmende Reglosigkeit von sich ab. Ein wenig unsicher erhob er sich, an die Wand gestützt, als ob er sich selbst angeschossen hatte - seine Beine hatten den Schock noch nicht überwunden - und ließ die Waffe in dem Holster unter seinem Hemd verschwinden. Nach kurzem Überlegen fuhr er mit der Hand in die Hosentasche und brachte drei Pillen ans Licht, von denen er dem Verwundeten eine zuwarf, dem Bewusstlosen eine weitere. Dann nahm er dem Verwundeten die Wodkaflasche aus der Hand und spülte die letzte Pille damit selbst hinunter.
"Es ist konzentriertes Blut", sagte er. "Die Pillen haben eine leicht heilende Wirkung. Sie sind für mich präpariert, aber das sollte bei einem Mal keinen Unterschied machen. Tu peux avoir confiance en moi, ich habe nichts mehr zu verlieren."
Re: Kapitel 1
Clayton - 03.09.2009, 20:18
„Hähä, jaja, erwischt aber nicht umgewischt...“ grinste Clay etwas schwachsinnig, bevor er sich die viel zu blutig schmeckende Pille herunterkippte. Das war ja ekelerregend.
Beinahe Augenblicklich begann sich ein leichtes Kribbeln in seinem Körper auszubreiten und Clayton beschloss, sich keine Gedanken darüber zu machen, ob das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war.
„Merci.“, nickte er, plötzlich beinahe ernüchtert zu dem Fremden herüber.
„Pourqoui les « corrects»?!“ Hätte Clay nicht seine lästigen Wunden gehabt, wäre er schockiert aufgesprungen, aber vielleicht war es gar nicht so schlecht, etwas weniger erschrocken zu wirken.
Aus irgendeinem Grund, den er sich selbst nicht erklären konnte, brachte Clay sich dann doch dazu, sich hoch zu hieven, mit der Wodkaflasche zu Jaden rüber zu humpeln und ihm die Pille mit einem großzügigen Schuss Wodka rein zu würgen.
Auch bei ihm goss er nach kurzem Überlegen den Alkohol über die Wunden und entfernte mehr oder weniger sanft die beiden hässlichen Metallkugeln. Jaden war ja sowieso Bewusstlos.
Oder? Clay schluckte.
Re: Kapitel 1
Sergej Voltaire - 03.09.2009, 20:40
"Johan Bennet und Clayton, nehme ich an?", sagte Sergej mit einem noch etwas mechanischen Lächeln. "Wenn ich nicht…" Er konnte nicht weitersprechen. "Ich hätte euch töten sollen und hatte die Befürchtung… haha, oder sollte ich sagen den Gedanken… mir wären am Ende noch zwei Unbeteiligte zum Opfer gefallen." Er hustete, bevor er weitersprach. Der Alkohol hatte einen beißenden Nachgeschmack hinterlassen. "Wie auch immer…"
Es war zwecklos, er konnte sich nicht konzentrieren. "Wer war eigentlich der dritte?"
Wie lange es wohl dauern würde, bis Victoria ihre Leute ausschickte, um nachzusehen, ob alles glatt gelaufen war? Er rechnete beinahe jeden Moment mit dem Geräusch knirschender Reifen auf dem Hof.
Re: Kapitel 1
Clayton - 03.09.2009, 20:56
Moment. Da hatte wohl jemand etwas falsch verstanden. Er hatte sie... TÖTEN... sollen?!
Clay konnte nicht anders als sein Gegenüber mit entgeistertem Blick anzustarren. Haha den Gedanken. Sehr witzig. Beinahe wäre ihm zum Lachen zumute gewesen.
Clay räusperte sich.
„Aber du hast nicht... also ich meine uns nicht... also es hat nicht funktioniert.“ Stellte Clay fest. Er konnte die schlichte Tatsache nicht aussprechen, dass die Voltaire schon so weit waren, einen Auftragskiller auf ihn zu hetzen. So schlimm konnten Vincents Verletzungen doch gar nicht gewesen sein?
Nun gut. Clay musterte den Fremden. Vielleicht waren sie wirklich nicht so schlimm, anders konnte er sich nicht erklären, dass SO jemand den Auftrag bekommen hatte.
„Der dritte... ähm...wer?“ Clay konnte nicht mehr klar denken.
Zu viel Information. Entweder ging es nur um Vincent oder um Jaden. Oder um beide. Aber warum ihn töten wenn es um Jaden ging? Das machte alles keinen Sinn. Vielleicht war er auch einfach nur lästig geworden.
Okay. Ganz ruhig. Erst mal ganz von vorne. Nichts überstürzen.
„Quel est ton nom?“
Am besten fing er erst mal mit dem Wesentlichen an. Wer genau hatte ihn da umbringen sollen?
Re: Kapitel 1
Sergej Voltaire - 03.09.2009, 22:56
Er lächelte abwesend. "Ja, habe ich nicht", sagte er, ohne die Entmutigung ganz aus seiner Stimme verbannen zu können. "Ich…"
Wieder brachte er die Worte nicht über die Lippen.
Versagt, er hatte-
"Je suis Sergej", sagte er gefasster. "Ancien «de Voltaire», je dois dire… Und ich spreche von dem dritten, der mit drei Kugeln in der Brust und einer im Knie noch immer die Treppe nach oben laufen und im ersten Stock verschwinden konnte."
Re: Kapitel 1
Clayton - 06.09.2009, 19:22
Ancien « de Voltaire ». Irgendwie hatte Clay das Gefühl, eine wage Vermutung zu haben, warum er „ancien « de Voltaire »“ war. Und aus irgendeinem Grund konnte er ihn nicht einmal bemitleiden.
Die Kreatur.
Clays Gedanken verliefen ins Leere und schienen irgendwo im Nirgendwo zu verschwinden. Das Wesen. Das schreckliche, schöne Wesen. Wie hatte er es vergessen können?
„Es... ähm... ist ein Verbündeter von uns. Wir wissen nicht viel über ihn, nur dass er kein Mensch und kein Vampir ist, irgendetwas wiedernatürliches. Und er ist mächtig. Wir haben ihm das Leben gerettet und nun steht er in unserer Schuld.“
Clay konnte auf anhieb Lügen ohne rot zu werden. Das war in vielen Fällen nützlich. Sehr vielen.
„Nun ja, nun muss er sich erst einmal von eurer Attacke erholen.“ Clay konnte sogar schon wieder grinsen. Das war einfach die genialste Geschichte, die er sich je ausgedacht hatte. Nun gut. Eigentlich war sie ja recht simpel.
„Ähm... wieso solltest du uns noch gleich... also wieso hast du den Auftrag bekommen?“
Re: Kapitel 1
Sergej Voltaire - 11.09.2009, 00:14
"Ein Verbündeter…", sagte Sergej in Gedanken versunken, bevor er sich losriss. Eine widernatürliche Kreatur, die kein Vampir war?
"Das ist unglaubwürdig…" Er lachte freudlos. "Davon hätte ich etwas mitbekommen. Wir… Die Voltaires wissen über alles bescheid, was sich in dieser Stadt abspielt. Ihnen wäre nicht entgangen, dass sich irgendetwas Fremdes hier aufhält." Er ließ die Erklärung für den Auftrag aus. "Aber das ist im Moment irrelevant, es…"
Er stockte kurz, bevor er aufsah und sein Blick auf Clayton ruhte.
"Es bleibt nicht viel Zeit.Und du hast es jahrelang geschafft, den Voltaires aus dem Weg zu gehen."
Mit anderen Worten, er war seine letzte Chance. Aber da musste Clayton schon von allein drauf kommen.
"Wir... wir sollte hier verschwinden."
Wir.
Ihm war klar, wie sich das anhörte, nachdem er ihn beinahe erschossen hatte.
Re: Kapitel 1
Clayton - 13.09.2009, 21:29
Sergej war wohl nicht wirklich bewusst, dass er plötzlich nur noch dummes Zeug redete.
Es macht keinen Unterschied, ob sie mit dem Untier verbündet waren oder nicht, die Voltaire hatten es nicht bemerkt.
„Richtig, richtig.“ kam Clay wieder die aktuelle Situation in den Sinn.
Aber.... halt.
„Aber... halt!“
Was sollte das wir denn bedeuten? Glaubte er etwa, dass er ihm mit zur Flucht verhelfen sollte, nachdem er in beinahe umgebracht hatte?
„Du glaubst, wir nehmen dich mit.“ Stellte er äußerst geistreich fest.
Ein kurzer Blick zu Jaden machte ihm wieder bewusst, dass er wohl hier der einzige war, der irgendjemand mitnehmen konnte.
„Erst bist du zu dumm deinen Auftrag auszuführen und jetzt willst du auch noch überlaufen?!“
Halt, was redete er denn da? Ein neuer Verbündeter, das war GUT.
Aber andererseits. War der neue „Verbündete“ ein offensichtlich ganz besonders loyaler Verbündeter. Auf so was konnte man auch verzichten.
„Und was springt dabei für mich raus?“ begann Clay die ganze Sache plötzlich aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen.
Re: Kapitel 1
Sergej Voltaire - 16.09.2009, 23:12
"Das hat nichts mit Dummheit zu tun", entgegnete Sergej kalt.
Natürlich hatte es das nicht, aber seine überflüssigen Kommentare konnte Clayton sich trotzdem sparen. Er funkelte ihn mit einem Anflug von Verärgerung an.
Und Überlaufen war wohl auch nicht gerade das passende Wort…
Zu seiner Beruhigung spürte er, wie die betäubende Leere langsam einer dumpfen, lodernden Wut wich.
"Und was dabei für dich rausspringt?", wiederholte er, während er sich wie beiläufig vor Clayton aufbaute und mit einem leise verächtlichen Lächeln auf ihn herabsah. "Was hältst du von: Ich lasse dich am Leben anstatt dich den Voltaires auszuliefern… Oder denkst du, ich hätte jeglichen Einfluss verloren? Auch wenn ich den Auftrag nicht zu Ende gebracht habe bedeutet das nicht, dass ich von jetzt auf gleich völlig machtlos bin."
Was erst noch zu erweisen war. Unsinn, kam es ihm in den Sinn, er hatte bereits verspielt... Und war außerdem aus purer Gewohnheit seinen alten aristokratischen Gewohnheiten verfallen, zumindest was die Rhetorik anging. Überheblichkeit war nicht gerade ein Zeichen guten Willens und in seiner Situation kein diplomatisch sehr geschickter Schachzug.
Andererseits fragte er sich, ob so viel komplizierte Diplomatie bei diesem Clayton überhaupt nötig war...
Sein Blick wäre fragend gewesen, wenn er sich nicht zusammengerissen und um ein versteinertes Gesicht bemüht hätte.
Re: Kapitel 1
Clayton - 20.09.2009, 22:18
Er ließ sie am leben. Nun gut. Das tat er nun ja wohl gezwungenermaßen – Clay konnte keine Möglichkeit erkennen, die ihn jetzt noch umbringen würde.
Und nun ja... wenn Sergej tatsächlich noch nicht machtlos war, wieso sollte er dann plötzlich mit seinem Todfeind fliehen? Das ergab doch alles keinen Sinn.
„Ich könnte dich ihnen genauso gut ausliefern!“ Gab er empört zurück und versuchte, nicht zu viel darüber nachzudenken, dass das ein äußerst schlechter Spielzug wäre, immerhin lieferte er sich damit gezwungenermaßen selbst aus.
Claytons Blick streifte wieder Jadens scheinbar leblosen Körper.
Nun gut. Vielleicht hatte Sergej doch einen Nutzen für ihn.
„Gut. Du darfst mit uns kommen. Aber du trägst ihn.“ Clay bemühte sich, nicht zu herrisch auf Jaden zu deuten, immerhin hatte er hier einen leicht schwachsinnig-eingebildeten Vampir vor sich und wenn er ihn tatsächlich als Jaden-Träger gewinnen wollte, sollte er sich wohl etwas zusammenreißen.
Re: Kapitel 1
Jaden - 23.09.2009, 16:16
Dumpfe Stimmen rissen Jaden aus seiner Ohnmacht, und er öffnete mit einem beinahe verschlafenen Blinzeln die Augen. Und wieder wie auch das letzte, was er gesehen hatte, war auch das erste der steinerne Fußboden. Sie befanden sich also noch immer am gleichen Ort.
Seine wohlige Schläfrigkeit wich langsam eisiger Kälte, die ihm in die Glieder kroch.
In der Eingangshalle. Bei der Bestie. Bei dem Killer.
Er geriet nicht in Panik, doch der Gedanke reichte aus, um ihn aus seiner Benommenheit zu reißen und seinen Puls zum Rasen zu bringen.
Clayton war wirklich ein Idiot, wenn er noch lebte…
Mit einem Ruck presste er die Hände auf den Boden und stemmte sich auf, oder zumindest wollte er das; In Wirklichkeit brachte er nicht mehr als ein leichtes Zucken zustande und ein atemloses Aufkeuchen, weil ein Tonnengewicht auf seiner Lunge zu liegen schien.
"Aah…", brachte er kläglich über die Lippen. Allerdings eher weil seine Zunge schwer wie Blei in seinem Mund klebte; Von den Wunden spürte er überhaupt nichts, alles war wie betäubt und gelähmt, und er war sich sicher, dass der Kerl, der auf sie geschossen hatte, irgendwelche präparierten Kugeln verwendet hatte.
Wunderbar.
"Bastard", murmelte er, während er einen zweiten - beinahe genauso erfolgslosen - Versuch startete, sich aufzusetzen.
Immerhin schaffte er es, den Kopf zu drehen, sodass er Clayton und den anderen Kerl zu Gesicht bekam.
Und beide musterten ihn.
Jaden musterte die beiden ebenfalls.
"Was", fragte er dann übellaunig.
Ein leises Motorgeräusch wurde plötzlich auf dem Hof laut, dann erklang das Klappen von Wagentüren und das Knirschen mehrerer Schritte.
"Deal", sagte der Unbekannte mit einem schiefen Lächeln.
Re: Kapitel 1
Clayton - 23.09.2009, 19:44
Oh nein. Da waren sie. Sie waren schon da. Oh nein. Nein. Neinneinneinnein!!
Das durfte nicht sein!
Er konnte nicht anders, als Sergej, der das alles mit einer furchtbaren Ironie sah, eine kräftige Backpfeife zu verpassen. Na toll.
Wohin jetzt? Wolang? Die Voltaires kamen über den Hof. Also durch den Garten. Okay. Den Park besser gesagt. Da Sergej nicht die geringsten Anzeichen machte, Jaden irgendwie aufzuhelfen, blieb natürlich mal wieder alles an Clayton hängen. Toll.
Hysterisch zerrte Clay an Jadens Schultern und packte ihn mit seinem rechten Arm um den Bauch, sodass er wie ein mehr oder weniger nasser Sack unter seinem Arm klemmte, aber selbst laufen musste.
Sein Gehirn stellte sich auf Durchzug und er vergaß alle Abmachungen, die er wohl irgendwann einmal getroffen haben könnte. Hektisch und rücksichtslos zerrte er Jaden einfach mit sich und eilte aus der Gartentür in den Park. Es war ein riesiger Park mit all seiner Farbenpracht, wie man sie sich nur vorstellen konnte. Bäume, Sträucher, Blumen. Ungepflegt, wie sie waren (Bennet hatte sich nie wirklich um seinen Garten gekümmert) strahlten sie eine gewisse eigenwillige Wildheit aus.
Schnell weiter, schnell weg, weg, weg, wegwegwegwegwegWEG!!!
Claytons Fluchtinstinkt kam ihm selbst beeindruckend vor.
Und dann stand er da. Ein großer, breit gebauter Vampir. Es war zu spät. Sie waren schon hier. Sie waren überall. Na gut. Sie waren zu fünft. Sie waren so überall, wie es fünf Vampiren eben möglich war. Überall genug um in ihm eine hysterische Verzweifelung hervorzurufen.
„HALLO!“ Schrie er dem Vampir vor ihm unkontrolliert entgegen, der ihn etwas kritisch musterte.
Clay ließ Jaden achtlos fallen und trat dem Vampir vor ihm kräftig zwischen die Beine. Stöhnend drehte er sich weg.
Jaden lag schon wieder auf dem Boden. Dieser nutzlose Kerl. Er hielt ihn nur auf. Er würde sowieso irgendwann sterben. Früher oder später.
Am besten, er ersparte ihm viel Leid und Stress und ließ ihn einfach hier liegen. Dann würde es schneller gehen und Jaden musste sich nicht so lange mit einer Sinnlosen Dauer-Flucht abquälen.
Aus reiner Selbstlosigkeit ließ Clay Jaden also einfach liegen und rannte los. Weg. Nur Weg.
Ein dumpfer Schlag in den Nacken ließ Clayton stolpern. Wild mit den Armen rudernd kippte er einfach um. Na toll.
"HALLO!" Brüllte Clayton erneut und wollte dem Vampir grade zwischen die Beinde treten, als er merkte, dass der jemand eine Frau war. Ihr rechter Fuß stand bereits auf Clays Bein. Sie grinste schief zu ihm herunter.
"Hi." Gab sie trocken zurück.
Re: Kapitel 1
Sergej Voltaire - 24.09.2009, 17:37
Sergej fuhr sich über die Wange, auf der sich nach Victoria und Clayton nun endgültig ein feuerroter Handabdruck abzeichnete, und ließ sich gelassen auf dem Treppenabsatz nieder, wo er sich mit dem Rücken gegen das Geländer lehnte. Natürlich war er keinesfalls gelassen, doch Illusionen machte er sich auch nicht; Sergej kannte die Möglichkeiten der Voltaires, und ein paar Vampire in einem Haus aufzuspüren stellte für sie keine besonders große Schwierigkeit dar. Aufwand ja, den hatten sie sich alle mal gemacht; Normalerweise wurde nicht einmal das Haus umstellt, doch dieses Mal hatten sie sich offensichtlich Mühe gegeben. Das zumindest entnahm er Claytons ein wenig panischem Hallo im Garten.
Wenn dort der Garten war. Sergej erinnerte sich nicht an den Hausplan, obwohl er ihn sich noch auf der Fahrt eingeprägt hatte. Bevor er damit gescheitert war, zwei unwichtigen Vampiren ein paar Kugeln in den Kopf zu jagen.
Mittlerweile kam es ihm beinahe albern vor, dass er deswegen Skrupel empfunden hatte.
So eine Ironie...
Er konnte nicht aufhören zu grinsen.
Vielleicht sollte er mit einer neuen Zeitrechnung beginnen, vor dem Tod seines Gewissens und danach.
Er nahm die Waffe hervor und legte sie neben sich auf die Treppenstufe.
Angst war das falsche Wort, er war erfüllt von erwartungsvoller Anspannung.
Irgendwie freute er sich sogar darauf.
Etwas neues stand ihm bevor, und er konnte beim besten Willen nicht sagen was geschehen würde.
Vielleicht machte Victoria sich persönlich einen Spaß daraus, ihn zu suchen, oder irgendein anderer Vampirfürst, der nicht besonders gut auf ihn zu sprechen war.
Ihm fielen auch gleich ein paar Namen ein.
Doch er musste nicht lange überlegen, wer die Ehre haben würde, denn in diesem Augenblick schwang die Tür zur Eingangshalle mit einem geräuschvollen, stilechten Knarren auf, und im Eingang stand – flankiert von zwei weiteren Vampiren - eine große Gestalt in ebenso stilechtem schwarzen Umhang.
Der Vampir war groß, stämmig, und machte im großen und Ganzen den Eindruck eines alten und gutmütigen Familienvaters. Sein Gesicht wirkte freundlich und einladend, sein Lächeln echt. Doch in seinen Augen glühte ein Funken von Macht, von dem Sergej sich sicher war, dass er sie gebrauchen würde, wenn er musste oder wollte.
Der beständige, unerschütterliche Blick des Vaters flog durch die Halle und traf schließlich Sergejs kühle graue Augen. Er ließ Sergej keine Sekunde aus den Augen, als er mit schweren Schritten über die Schwelle trat, während dieser ihn reglos von der Treppe aus musterte.
"Sergej Voltaire, so lernen wir uns also kennen..." Das Gesicht des Vampirs war bewegungslos, seine Stimmt ein beherrschter, monotoner Bass.
Sergej erwiderte nichts, und er hatte nicht den blassesten Schimmer, wen er vor sich hatte. Doch auf der schwarz glänzenden Waffe, die der Vater beiläufig und unbedrohlich aus der Manteltasche zog, zeichnete sich deutlich das Wappen der Voltaires ab.
Ein Voltaire also. Ein Voltaire, den er nicht kannte.
Hoffentlich war das ein Vorteil.
Genauso langsam, wie der Vater seine Waffe auf ihn richtete, erhob Sergej sich von den Stufen und hob die Hände.
Er wurde plötzlich den bitteren Beigeschmack nicht los, den das ganze hinterließ.
Re: Kapitel 1
Helena Voltaire - 27.09.2009, 19:35
Helena kam um ein herablassendes Grinsen nicht herum. Das Bild was sich ihr hier bot war einfach zu erbärmlich. So viele Schwachköpfe auf einem Haufen. Das tat ja schon beinahe weh.
Es war keine sonderlich große Herausforderung gewesen, den jämmerlichen blonden Vampir unter ihr zu „bezwingen“, falls man das überhaupt so nennen konnte.
Mit geübten Handgriffen packte sie mit eisernem Griff seine Handgelenke, zog ihn wieder auf die Beine und verdrehte ihm die Arme zur berühmt-berüchtigten Zwangshaltung auf den Rücken.
« Vaurien. » Zischte sie dem sich krümmenden Vampir zu, der sich von einer simplen Begrüßung hatte aus der Bahn bringen lassen. Nichtsnutz.
Ein anderer kam und nahm sich dem anderen, offensichtlich nicht so sonderlich bewegungsfähigen Vampir an.
Helena betrat mit dem psychisch völlig fertigen Gefangenen das Haus.
« Maître » sie deutete mit einem knappen Senken des Blickes ein Nicken an.
Der zweite Gefangene folgte mit Begleitung.
Der Letzte von ihnen hatte sich dem immer noch wimmernden Verletzten angenommen.
Helena betrachtete den sich ergebenden Fremden. Es war ohne Zweifel Sergej. Auch er war völlig fertig mit der Welt. Was war das nur für ein erbärmlicher Haufen.
Ein selbstzufriedenes Lächeln huschte über Helenas Gesicht, als sie sich bewusst wurde, dass sie selbst niemals so tief sinken würde.
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