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Re: Chlyklass
TiE-Red - 23.04.2006, 14:06Chlyklass
Bandbio
Die Story beginnt in den neunziger Jahren in den Quartieren Berns. Man kannte sich schon lange, hatte, wenn nicht schon zusammen auf der Straße gespielt, so doch sicher gemeinsam die Schulbank gedrückt. Gemeinsam begann man auch zu rappen und fand sich in den Jahren 94 und 96 als PVP im Nordquartier und Wurzel 5 im Obstberg zusammen. Gerade die große Ähnlichkeit jener zwei Gruppierungen führte in den Anfängen zu einer Verfeindung zwischen den Crews, wie Bloody, der Manager von Wurzel 5 im Rückblick meint. Nicht dass man sich gekannt und persönliche Differenzen gehabt hätte, nein. Territorialansprüche hätten zu einer großen Konkurrenz geführt, ohne dass man eigentlich genau über das Schaffen des Feindes Bescheid wußte. Breitenrain versus Obstberg, alle rappen für sich.
Die glückliche Wende jedenfalls hinsichtlich der Bekanntschaften, die man schloss – brachte der Sampler "Rapresent". Für Disco Inferno, PVP und Wurzel 5 ging der Wunsch, einen Tonträger zu machen, in Erfüllung. Die Welt wurde mit den Songs "Disco Inferno" "Jahresrückblick", "Suufet (nid)", "Babybitch" und "JaJa" beglückt. Zwar sei der Sampler, von Pesche B. ins Leben gerufen, für die Musiker finanziell nicht lukrativ gewesen – im Gegenteil – habe aber den Vorteil von mehr Konzerten und vor allem die Annäherung zwischen den Crews mit sich gebracht. Die bis anhin eigenbrötlerischen Crews blickten auf das Schaffen der anderen und daraus sei eine gesunde Konkurrenz auf der Basis von gegenseitigem Respekt entstanden, meinen die Rapper. Man fand sich in freundschaftlichen Verhältnissen so freundschaftlich, dass im Herbst 98 auf Eigeninitiative von Wurzel 5 und PVP gar ein gemeinsames Konzert im Wasserwerk stattfand. Dass die Verbindung als solche funktionierte, bestätigte auch das Publikum: Das Konzert war restlos ausverkauft.
Nachdem Label-Pläne vom Wasserwerk für Wurzel 5 gescheitert waren, beschloß die fünfköpfige Crew, nicht mehr als solche aufzutreten, dafür aber vermehrt mit Double Dragon zusammenzuarbeiten. Nach einem Konzert in Liestal, wo alle drei Crews gemeinsam unter dem Namen "Die goldenen Fünfzehn" mit dem ersten gemeinsamen Song "Paris - Bern" oder eben "Obstberg - Breitsch" auftraten, waren zwei Dinge allen klar: 1. Dieses gemeinsame Projekt hat Zukunft. 2. Ein vernünftiger Name muss her. Chlyklass war geboren.
"Etwas auf die Beine stellen" lautete der Groove. Bald war ein Bandraum als Headquartier vorhanden, eine erste Konzerttournee in Planung. Der erste Gig in Oberrieden bei Zürich: Ein Meilenstein in verschiedenen Hinsichten. Die Chlyklass konnte einen ersten Publikumserfolg verbuchen und ein Negativimage in den Medien leider ebenfalls. Leider? Dass unter Alkoholeinfluss eine Scheibe zu Bruch ging und die zwölf Berner von entsetzten Journalisten den Stempel der "bösen Buben" aufgedrückt erhielten, war für die frisch geborene Chlyklass nicht nur negativ: Plötzlich war man in aller Munde. Jedenfalls wurde die Chlyklass gebucht. "Für Konzerte anfragen mußte man nie", betont Bloody. Große Gagen sprangen dabei nicht heraus, aber "ein wenig Geld und Bier hat es immer gegeben", wie Eron meint. Und gewinnbringend war die Zusammenarbeit in künstlerischer Hinsicht. "Zwar blieb man in den Bands Zuhause, konnte aber fremde Styles integrieren. Es war der Beginn des Inzests", erklärt Thomes. Zum Verhängnis wurde das Freibier auf dem Gurten 99. Vandalenakte im Backstage infolge des unglücklichen Konzertverlaufs (kürzerer Auftritt als geplant, man weiss wieso...) schadeten dem Namen der Chlyklass. Imagepflege seien solche Zwischenfälle keinesfalls, im Gegenteil: Unter den Folgeschäden habe die Crew gelitten. "Wir machen zwar Rock n' Roll von unserem Benehmen her", gibt Eron zu. Mit ihnen als Personen habe das aber nichts zu tun. Nichtsdestotrotz – die Chlyklass war gefragt. Im Verlaufe des Jahres spielte man Gigs in Basel, St. Gallen und Schaffhausen und auch in finanzieller Hinsicht machte sich ein Aufschwung bemerkbar. So, dass man Ende Jahr über die Investition des Gelds nachdenken musste. Eine gemeinsame Maxi oder weiter sparen für ein Studio waren die Alternativen. Man entschied sich für zweites und geriet als erstes in eine Flaute: Die Ausrüstung war vorhanden, die Kompetenz zur Bedienung des Materials fehlte. Das nächste Jahr galt dann eher wieder den hauseigenen Projekten: Nachdem PVP schon im Vorjahr die LP "Äsche zu Staub" herausgeben konnte, kam nun die Wurzel 5 (featuring Double Dragon) – Maxi "Schissträcks" auf den Markt. Als Chlyklass produzierte man noch zwei Songs für die Beetown-Compilation, die sich zwischen 2000 und 3000 Mal verkaufte.
Auch wenn die Arbeit gegenwärtig den crewinternen Projekten gilt, hat die Chlyklass mittlerweile gar ein eigenes Label: "ChlyklassRecords" – wie könnte es auch anders sein. Das ist sicher ein weiterer Schritt auf dem Weg, den man eingeschlagen hat. "Gemeinsam ist man stärker", lautet ein Motto der Fusion. Nicht nur dass sich Synergien nutzen lassen wie z.B. Bandraum und Studio, nein, man hat auch mehr Volumen, kann sich mehr Gehör verschaffen. Das scheint ein Grundsatz zu sein, der über die Chlyklass hinausgeht: Der Zusammenhalt in der Berner Hiphop-Szene sei gross, meinen alle einstimmig. Schließlich müsse man sich den Zürchern gegenüber behaupten. Lokalpatriotismus? Ein wenig sicher. "Bern ist unser Daheim, man hat gemeinsame Geschichte. In den Quartieren aufgewachsen hat man sich auf dem Spaziergang mit dem Hund kennengelernt. Hat einer Erfolg, so mag man ihm das gönnen." Man sitzt aber auch im gleichen Boot. Bern ist als Standort denkbar schlecht, hat man doch im Vergleich zu Zürich so gut wie keine Medienpräsenz und wird übergangen und vergessen. Das Netzwerk der Berner Szene ist nötig, man stützt und pusht sich gegenseitig und nährt sich an der selben Gewißheit: "Wir Berner sind langsamer, aber unser Sound steht für Qualität. Berner Rap ist ein Markenname und wird groß werden. Es ist Zeit für uns zu kommen."
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