Oper im Kino- live aus der MET: Massenets "Thaïs"

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    Re: Oper im Kino- live aus der MET: Massenets "Thaïs"

    melusine - 21.12.2008, 00:39

    Oper im Kino- live aus der MET: Massenets "Thaïs"
    Hier mein brandheisser Bericht zu Massenets "Thais", die heute abend aus der Met im Kino übertragen wurde.

    Musiklaische Leitung: Jesus Lopes-Cobos
    Inszenierung John Cox

    Thaïs: Renée Fleming
    Athanael: Thomas Hampson
    Nicias: Michael Schade

    Weitere auf Nachfrage

    Jesus Lopes-Cobos sehr dirigierte sehr ordentlich und erfreulich kitschsossenarm, was besonders in der diesbezüglch hochverdächtigen "Meditation" für Solovioline und Orchester zum Ausdruck kam.

    Sängerisch viele überzeugende Leistungen, auch bei den Nebenrollen. In den Hauptrollen hat mir Michael Schade als Nicias am wenigsten gefallen, schlecht gesungen hat er aber auch nicht!

    Hampson hat die Partie stimmlich gottseidank bis zum Ende durchgehalten, m.E. ist sie zu dramatisch und nicht gerade dankbar für einen lyrischen Bariton. Die wenigen lyrisch gefärbten Duette waren daher auch seine besten Stellen.
    Er musste insgesamt sehr arg auf die Tube drücken, hat aber nicht enttäuscht, die Stimme ist robust. Allein, er war zu schön für den asketischen Mönch.....

    Renée Fleming ist als Thaïs in der Rolle ihres Lebens.
    Da stimmte erstmal einfach Alles.
    Genau die passende Tessitura, herrliche Piani in der Höhe bis zum Ende. Genügend Kraft auch in den dramatischen Partien- Hure und Heilige, Leidenschaft und Askese konnte sie gleichermassen glaubhaft singen.
    Äusserlich war sie eine reine Augenweide(jedenfalls für mich,denn mein Mann fand sie total puppenhaft, aber er mag einfach keine amerikanische Blondinen,) woran nciht zuletzt die unglaublichen Roben von Christian Lacroix beteiligt waren.
    Mon Dieu! Das macht jedem grossen Ausstattungskino alle Ehre- 5 verschiedene Pracht-Roben, eine kunstvoller als die Andere und Renée Fleming genau auf den Leib modelliert.
    Obschon sie im selben Alter sein dürfte, sah man hier (anders als bei den vorherigen Met-übertragungen Karita Matttila(Salomé) oder Susan Graham(Marguerite)) keinerlei "zu alt für die Rolle" im Gegenteil.
    Ich fand ihre Gesamt-Erscheinung als Thaïs absolut hinreissend. Nicht nur dem Kostümbildner sondern auch dem Friseur dieser kunstvollen Lockenpracht und der Maske meine höchstes Kompliment! Die verfilzten langen Dreadlocks von Hampson und die Kostüme der übrigen Kurtisanen waren auch Klasse!

    Flemings frz. Diktion war noch besser als die von Hampson und sie selbst sagte in der Pause, in der sie von Placido Domingo interviewt wurde, dass diese Rolle für sie geschrieben sein müsse. Wohl wahr!

    Grosser Schwachpunkt der ganzen Sache war die Inszenierung von John Cox. Mein Mann hat lakonisch gemeint: man glaubt diese Geschichte keine Sekunde lang.
    Genauso sehe ich das das leider auch.
    Reines Ausstattungs- und Dekorationsszenario, der Inhalt wurde damit jeder Bedeutung enthoben.
    Und was hätte man aus dieser Geschichte mit gutem Regietheater oder wenigstens einer mehr als illustrierten Inszenierung rausholen können! Fundamentalismus, Askese, Selbstbetrug, Blindheit, verschiedene Liebesmodelle etc etc.
    Nichts von alledem- und sehr viel verschenkt!
    Dadurch rückte die Handlung total fern und konnte nicht packen und mitreissen.
    Allein der letzte Akt hat durch die Bühnenpräsenz von Fleming und Hampson dann doch Emotionen in mir geweckt, aber viel verhaltener als das unter anderen Umständen der Fall gewesen wäre. Immerhin habe ich diese Oper zum ersten Mal gesehen und gehört und war sehr offen und empfänglich!

    Musikalisch ist das m.E. nicht Massenets beste Oper und sie wird eher selten gespielt .Mir gefällt z.B. die Manon deutlich
    besser!
    Aber es gibt einige sehr schöne Stellen und Ideen. Besonders gut hat mir ein Frauen-Terzett gefallen, das hier auch ganz vorzüglich, inclusive Bauchtanz von einer bildhübschen Tänzerin, dargeboten wurde. ausserdem das Duett in der Wüste, auch weil Hampson da endlich mal lyrisch singen durfte, und der ganze Schluss, in dem die Meditation wieder aufgenommen wird und Fleming die Heilige Hure mit engelhaft leichten Höhen sang.
    Insgesamt fiel mir die orientalistische Farbenpracht im Orchester auf aber auch der Mangel an "Zug- Nummern" wie etwa in der Manon.

    Wer mehr wissen möchte bitte nachfragen.
    Melusine



    Re: Oper im Kino- live aus der MET: Massenets "Thaïs"

    melusine - 07.11.2009, 16:35

    Oper im Kino Turandot
    Heute abend gibt es im MET opernkino die Turandot.
    inszenierung Franco Zefirelli
    Turandot: Maria Guleghina
    Calaf Marcello Giordani


    Wird ein schöner bombastischer TränendrüsenKitsch werden, aber meine Lehrerin hat mich mehr oder weniger "genötigt" also geh ich hin. Schaut das sonst noch jemand an?

    M



    Re: Oper im Kino- live aus der MET: Massenets "Thaïs"

    gioachino - 09.11.2009, 18:07


    Ich hatte mir schon längst vorgenommen, so einer Live - Übertragung aus der Met im Kino beizuwohnen, was ja wohl ein lohnendes Unterfangen ist, wenn ich Deine Schilderungen, liebe Melusine, hier lese.
    Massenets Thais ist mir natürlich insofern gegenwärtig, als ich die tolle Arie " Dis moi, que je suis belle ", gesungen von unserer ehemaligen Workshop - Mitstreiterin Sarah, noch immer im Ohr habe, von der berühmt - berüchtigten " Méditation " einmal abgesehen, die wohl jede(r) schon gehört hat.

    Ciao. Gioachino



    Re: Oper im Kino- live aus der MET: Massenets "Thaïs"

    melusine - 10.11.2009, 08:47


    Berciht kommt noch , es war serh durchwachsen, hat sich aber trotzdem gelohnt. Am 19. 12. gibt es Hoffmanns erzählungen mit Anna Netrebko und Joseph Calleja...... sollte man sich wohl auch nicht engehen lassen!

    M.



    Re: Oper im Kino- live aus der MET: Massenets "Thaïs"

    melusine - 11.11.2009, 06:53


    Hier nun der subjektive Berciht zur Met-Übertragung von Puccinis Turandot.
    Dirigat: Andris Nelsons
    Regie: Franco Zefirelli
    Turandot: Maria Guleghina
    Calaf: Marcello Giordani
    Liù: Marina Poplavskaja
    Timur: Samuel Ramey

    Da ich Puccini nciht sonderlich schâtze und mit dieser Oper inhaltlich sehr wenig anfangen kann, hatte ich keine grossen Erwartungen und konnte von daher auch nicht enttäuscht werden.
    Der sehr junge Lette Andris Nelsons dirigierte das Met Orchester und outete sich in der Pause als leidenschaftlciher Puccini, Strauss und Wagner-Fan.
    Da konnte mit der Turandot und angesichts der hochprofessionellen Musiker wohl wenig falsch machen.
    Mir fiel lediglich auf, dass im Duett Calaf/Turandot eine solche orchestrale Wucht aufgefahren wurde, dass selbst so grosse Stimmen wie die von Giordani(bekannt als "the iron tenor") Probleme hatten, nciht ins Schreien zu geraten.

    Die Inszenierung war genauso so wie man es von Zeffirelli kennt und erwartet: ein riesiger Aufwand an librettogerechtem Dekor, eine grosse Detailtreue und üppigste Ausstattung an allen Ecken und Enden.
    Man wusste nciht, wo man hinschauen sollte.
    Im zweiten und dritten Akt wäre weniger VIEL mehr gewesen, im ersten Akt dagegen fand ich das Ganze serh eindringlich.
    Zeffirelli ist es hier gelungen, eine bedrohliche, düstere und für das Volk ungeheuer bedrückende Atmosphäre wiederzugeben und mich -überraschend für mich selbst- in die Handlung und Geschichte hineinzuziehen.
    Es wurde eine sehr dunkle und armselig wirkende Stadt gezeigt, das Volk war in eintönige maoistisch anmutende Kôstüme gehüllt und ganz besonders beeindruckend fand ich die überall auf langen Stäben aufgespiessten Köpfe der bereits exekutierten Bewerber.
    Lebensecht in diversen Zuständen der Verwesung..... Die Grausamkeit der noch nciht aufgetretenen Herrscherin und ihr Fluch waren allezeit gegenwärtig. Als eigentliche Herrscher erschienen die Henkersknechte.

    Was Zeffirelli leider nciht gelang, aber das ist auch bei diesem Libretto kein Wunder:, die Entwicklung der "Liebe" von Calaf zu Turandot und umgekehrt nachempfindbar zu machen und zu motivieren.
    Hier kamen die Oper als solches, die Regie aber auch die beiden Protagonisten an ihre Grenzen.Warum sich Calaf von der eiskalten und grausamen Königin so angezogen fühlt, dass er nciht nur mehrfach sein eigenes Leben riskiert, sogar seinen alten Vater im Exil im Stich lässt, ist schon schwieirig genug zu verstehen. Noch unmotivierter finde ich aber die diversen Wendungen am Ende der Oper, die gerade in dieser Inszenierung von den Darstellern überhaupt nciht glaubwüridg rübergebracht werden konnten.

    Zu den Sängern:

    Leider stehen die Namen des Trios Ping, Pong, Pang nicht in meinem Programm. Das war hervorragend gesungen, aufeinander abgestimmt und gespielt- Bravi!

    Samuel Ramey sang den Timur. Er überzeugte zwar als Bühnenfigur, aber sein extremer Wobble, bei dem manche Töne wirklich die Freqeunzspektren grosser Intervalle abdecken, zeigte wieder einmal, dass man ihn an solchen Häuser eigentlcih nciht mehr einsetzen dürfte. Es ist ein Jammer, einen so tollen Sänger in einem solchen stimmlichen Zustand zu erleben- mir kommt das wie eine Art von "Gnadenbrot" vor.

    Der Calaf war Marcello Giordani. Ich kenne ihn bereits als Berlioz Faust und auch hier wurde er den Anforderungen der Rolle insgesamt gerecht. Er hatte einige starke Intonationsprobleme, aber da ich sein kraftvolles und strahlendes Timbre mag, war das für mich nciht so katastrophal wie für manche Zuschauer, mit denen ich nachher gesprochen habe. Mit der Arie aller Arien "Nessun dorma" konnte er einen frenetischen Zwischenapplaus einfahren. Angeblich soll es ja Leute geben, die nur wegen dieser Arie in die Oper gehen.

    Selbiger Applaus wurde der Turandot von Maria Guleghina verwehrt, sogar nach ihrer Monster-Arie "In questa reggia" gab es keine Regung.
    In meinen Augen nciht zu Unrecht.
    Wenngleich ich voll tiefer Bewunderung für jede Sopranistin bin, die sich an diese Partie traut, muss man ehrlicherweise sagen, dass ihr die Wenigsten gewachsen sind.
    Guleghinas Höhe klang jedenfalls so, als habe man einer Katze auf den Schwanz getreten und war genauso hässlich wie der Charakter der ganzen Figur.
    Für mich eine eindeutige Fehlbesetzung, insbesondere auch als Bühnenfigur.
    Ich habe sie noch nie erlebt, aber hier waren ihre Schauspielkünste maniriert und sehr dürftig. was dann dazu führte, dass Giordani serh viel überzeugender und bewegender die sterbende Liu in den Armen hielt, als seine endlich eroberte Turandot anschmachten konnte. Das Liebespaar kam jedenfalls ausgesprochen unglaubwürdig rüber, was natürlich auch mit dem Libretto zu tun hat.

    Dass sich der Besuch für mich letztlich wirklich lohnte, lag an einer überragenden und mir bis dato unbekannten Liu, deren Namen man sich unbedingt merken sollte: Marina Poplavskaja.
    Rein stimmlich schon ein Paradebeispiel für Legato, Pianokultur und Atemfûhrung, besitzt sie zudem ein sehr schönes lyrisches Timbre und hat die Rolle mit ganzer Hingabe interpretiert.
    Ihr "Signore ascolta" war ein Wunderwerk und bekam die verdienten Bravos und grossen Zwischenapplaus. Auch am Ende wurde sie weit mehr gefeiert als die Turandot- was einmal mehr zeigt, dass die Vox populi nicht das Schlechteste ist!

    Die Oper an sich ist mir nciht sympathischer geworden, wobei ich die dramaturgische Meisterschaft Puccinis und sein solides musikalisches Können und Spielen auf der Emotionsklaviatur voll anerkenne.

    Aber die Charakterisierung der beiden Frauen und insbesondere der für mich total absurde Schluss des Ganzen bleiben als grosse Hindernisse im Raum.
    Auf "Les contes d"Hoffmann" freue ich mich schon, denn diese Übertragungen aus der MET sind wirklcih eine feine Sache, da man so als Normalsterblicher für relativ wenig Geld die Stars der Sängerszene erleben kann und verfolgen kann, was an einem der grössten opernhäuser der Welt geboten wird.



    Re: Oper im Kino- live aus der MET: Massenets "Thaïs"

    melusine - 20.12.2009, 19:13


    Gestern gab es aus der MET "Les Contes d'Hoffmann" von Jaques Offenbach
    Inszenierung: Bartlett Sher
    Dirigent: James Levine

    Hoffmann: Joseph Calleja
    vier Dämone(von Lindorf bis Dappertutto): Alain Held
    Niklausse/Muse: Kate Lindsay
    Antonia: Anna Netrebko
    Olympia: Kathleen Kim
    Giulietta: Ekaterina Gubanova


    Hat jemand die Übetragung gesehen bzw interessiert sich jemand fûr eine Kritik oder einen speziellen Punkt?

    Die Inszenierung war so klar und hat endlich der Muse einen so grossen Platz und wichtigen Platz (zweitwichtigste Hauptrolle, was am immer an der Rangfolge des Verbeugens beim Schlussappllaus siehen kann) eingeräumt, dass ich zum ersten Mal verstanden habe, worum es in dieser oper eigentlich wirklich geht......
    Die Arie "Scintille diamant" udn das Septett im Venedigbild sind aber trotzdem nicht gestirchen worden- was einige Musikwissenschaftler nun aufregt
    Man kann's nie Allen recht machen.

    M



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