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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Red Mary Forum: Kokoro No Senshi Forenbeschreibung: DAS Hilfsforum für Squiby, Huntik & Rescreatu aus dem Unterforum: Fanstories Antworten: 7 Forum gestartet am: Sonntag 10.12.2006 Sprache: Link zum Originaltopic: Elfenblau Letzte Antwort: vor 14 Jahren, 2 Monaten, 4 Tagen, 1 Stunde, 36 Minuten
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Re: Elfenblau
Red Mary - 03.12.2008, 16:28Elfenblau
Ich stell euch auch mal meine Story vor.
Es ist eine Art Fantasymärchen. Ist allerdings noch nicht fertig und es entstehen immer mal wieder Schreibpausen, aber vieleicht hat der eine oder andere mal Lust es zu lesen. Ich würde gern eure Meinungen dazu hören. Egal ob Kritik oder Lob, ich nehme alles ^^
Prolog
Habt ihr Träume und Wünsche die unerfüllbar sind, weil es keine Magie gibt?
Nun. Magie ist überall. Und sie ist immer das, was man daraus macht.
Seien es Blumen, die durch kleine Elfen zum Blühen gebracht werden. Oder Geister, die um uns herumschwirren und wir sie nur als Hauch spüren. Drachen, Meerjungfrauen, Einhörner, Riesen und Zwerge. Wesen, die nicht existieren?
Es gibt so viele Dinge die wir als selbstverständlich sehen, ohne zu merken, das die Magie tagtäglich bei uns ist.
Ihr müsst nur genau hinsehen, dann werdet ihr sie sehen.
Anarah dachte auch einmal, die Magie sei von dieser Welt verschwunden. Bis sie eines Tages, eines besseren belehrt wurde.
Anarah, meist Anna genannt, die ihre schwarzen Haare von ihrem Vater geerbt hatte, stammte aus eher ärmlichen Verhältnissen. Doch auch wenn ihre Familie nie viel Geld besessen hatte, wuchs sie doch glücklich auf.
Sie war damals gerade acht Jahre alt. Ihre Mutter war Tänzerin, trat auf vielen Festen und auch adligen Feiern auf und verdiente so ihr Geld. Sie tanzte sogar im herzoglichen Palast und wurde deswegen bestaunt und beneidet. Doch der Neid war kein Schlechter. Nein, sie wünschten sich nur alle, genauso zu sein. Denn Annas Mutter war nicht nur eine wunderbare Tänzerin, sie war auch klug und wunderschön. Sie hatte langes blondes Haar und helle blaue Augen die, wie Anna fand, Stücke von Sternen sein mussten. Das Mädchen sah oft zu, wenn ihre Mutter tanzte und bekam jedes Mal strahlend helle Augen. Sie wünschte sich genauso tanzen zu können und übte dafür jeden Tag heimlich, so viel sie konnte.
Annas Vater war ein herzensguter Mensch. Er half wo er konnte und war im Dorf ein nicht wegzudenkender Ratgeber. Er liebte seine Frau über alles, das konnte Anna sehen und auch die Dorfbewohner erkoren Annas Eltern, als das Traumpaar des Landes. Anithia, wie Annas Mutter hieß, strahlte eine Wärme aus, die es einem unmöglich machte, weiterhin schlechte Laune zu behalten. Am Brunnen auf dem Marktplatz, pflanzte sie immer die schönsten Blumen, so das sich jeder daran erfreuen konnte.
Doch eines Tages wurde sie krank und starb wenige Tage darauf. Das ganze Dorf trauerte. Es dauerte lang, bis endlich wieder ein Lächeln einzog. Viele Monde später, ward die Trauer vergessen und die Fröhlichkeit kehrte in die Gesichter der Menschen zurück. Doch Blumen gab es, von da an, am Brunnen nie wieder.
Annas Vater jedoch, wurde hart und rau. Er hatte den Tod seiner geliebten Frau nie überwunden und stürzte sich von da an, nur noch in die Arbeit. Er arbeitete so hart, das seine Tochter ihn kaum noch zu Gesicht bekam. Er wollte nicht, das sie sieht, wie sehr er leidet. Doch auch wenn Anna erst acht Jahre war, so wusste sie genau, wie sehr sein Herz schmerzte.
Das kleine Mädchen hatte bis dahin nie wirklich Schmerz kennen gelernt und auch nie verstanden, warum man sein eigenes Leben aufgeben will, wenn ein anders endet. Deshalb konnte sie es ihrem Vater auch lang nicht verzeihen, das er sie bald allein ließ.
Von nun an lebte Anna bei ihrer Tante Sarah. Sie war die Schwester ihrer Mutter und hatte selbst zwei Kinder. Einen zwölf jährigen Jungen namens Tom und ein Mädchen von sieben Jahren mit Namen Elizabeth. Beide mit roten Haaren. Sarah war sehr nett und sie versuchte auch, es dem schwarzhaarigen Mädchen, mit den großen traurigen Augen, so leicht wie möglich zu machen und sie nicht zu sehr an ihre Mutter denken zu lassen. Sarah selbst, hatte ihren Mann vor wenigen Jahren verloren, doch sie blieb stark, nicht nur, um für ihre Kinder da zu sein. Sie sah immer vorwärts. ‚Das Leben geht weiter’, war einer der Sätze, den sie am liebsten sagte. Mehr zu sich selbst, als zu jemand anderem. Doch nicht in allem konnte sie die positiven Dinge sehen. Von Annas Vater redete sie nicht viel Gutes. Sie hielt ihn für einen Taugenichts. Anna wiedersprach ihr und wollte ihn verteidigen. Doch es war nicht sehr leicht, wenn man selbst nicht verzeihen konnte.
Sarah arbeitete im herzoglichen Palast als Bäckerin und lebte auch da. Anna musste mit Tom und Eliza ein kleines Zimmer teilen. Es war dunkel und roch immer etwas modrig. Deswegen schlief sie meist in der Küche am Ofen. Admiral leistete ihr sehr oft Gesellschaft. Admiral war der Hund des Sohnes des Herzogs. Der Junge hieß Erik und Anna hielt ihn für ziemlich verwöhnt. Zumindest prahlte er immer mit dem was er konnte. Sogar mit dem was es nicht konnte. Warum er seinen Hund Admiral nannte, verstand Anna nie. Sie hatte Erik einmal bei einer Überfahrt, über den See beobachtet, und selbst das kleine Stück trieb ihm die grüne Farbe ins Gesicht. Also für Seefahrerei schien er sich nicht zu interessieren. Dafür jagte er jeder Herausforderung hinterher, die er bekommen konnte. Er war im fechten nicht schlecht, das musste sie zugeben. Doch seine Angebereien, machten aus ihm einfach nur ein verwöhntes Balg. Zumindest dachte sie so, die ersten Jahre.
Anna wuchs nun im herzoglichen Palast auf und half immer da, wo sie gerade am nötigsten gebrauchst wurde. Sie lernte das kochen, hütete die Gänse, fütterte die Schweine, besserte die Kleidung aus und machte Feuer in den Kaminen des Schlosses.
Das Schloss war von zwei Wäldern umgeben. Der auf der Nordseite liegende Wald wurde nur der stille Wald genannt. Er war dunkel und auch wenn es ein lichter Wald war, die Bäume waren aus schwarzem Holz und trugen nur rote und dunkelgrüne Blätter. Der Boden war selten von Moos bedeckt, versteckte Klippen und ein dunkler Himmel, gaben diesem Wald die Sage, das er von Geistern, Dämonen und ähnlichem heimgesucht wurde. Doch düstere Geschichten und unheimliche Geräusche reichten, um dem Wald lieber fern zu bleiben.
Auf der Südseite lag der Wald Elfenblau, nach der Beere benannt, die dort überall am Waldrand wuchs. Auch über diesen Wald gab es Geschichten. Es war der Gute Wald, voller Naturgeister und Feen, doch auch die hatte scheinbar noch nie ein Mensch zu Gesicht bekommen und so blieben diese Wesen ein Bestandteil der Märchenbücher. Doch dort war der Boden grün, die Bäume waren schön und es gab Bäche und Blumenwiesen. Die beiden Wälder waren wie Tag und Nacht.
Anna war nun elf Jahre alt und konnte nicht behaupten schlecht zu leben. Sie hatte es immer warm, ein Essen auf dem Tisch und bekam nie Schläge. Eliza wurde ihr eine gute Freundin, mit der sie alles teilen konnte. Und Tom, nun ja. Er behandelte Anna immer wie eine kleine Schwester und wollte sie vor allem Bösen schützen. Allerdings machte er sich meist viel zu viele Sorgen. Vor allem wenn Anna immer allein in den Wald ging. Doch diese Zeit nutze sie immer für sich allein.
Im Schloss war sie immer von so vielen Menschen umgeben. Und viele von denen kannten nur ein hektisches Leben. Der Herzog war kein schlechter Mensch. Er war gerecht, verantwortungsvoll, aber auch ein ehrfürchtiger Mann. Das ganze Gegenteil seines Sohnes. Und doch tat jeder so, als gäbe es Strafe für ein Essen, das eine Minute zu spät auf den Tellern erschien. Anna versuchte sich, ihre Ruhe zu behalten. Auch wenn Sarah sie oft ermahnte, sie solle sich doch beeilen.
Re: Elfenblau
Red Mary - 03.12.2008, 16:32
Elfenblau ist im übrigen der Name einer Waldhimbeere. Hat im allgemeinen also nichts mit Elfen zu tun ^^°. Heißt allerdings nicht,das es dort keine gibt ^^.
Kapitel I
Es war Winter. Und die Vorbereitungen für die vierzehnte Geburtstagsfeier des Prinzen liefen in vollem Gange.
Es war noch früh am Morgen und Anna nahm den Korb mit Holz, um im Schloss die Kamine zu heizen. Es war eine der Aufgaben, die sie sehr gern machte. Die friedliche Stille und ein erwachendes Feuer. Die wohltuende Wärme und der Geruch des rauchenden Holzes.
Die Zimmer von Erik zu finden, war nicht schwer. Vor allem jetzt wo viele Geschenke darin lagen, die mit Sicherheit teuer und wie Anna fand, ziemlich unnütz waren. Viele der Geschenke lagen auf einem großen und schweren Eichentisch und waren bunt verpackt. ‚Allein von dem Schleifenband könnte ich mir eine Woche lang zu essen kaufen’, dachte sie sich und ging zu den Päckchen hinüber. Nicht alle Geschenke waren eingepackt. Vermutlich da es mit einigen Sachen einfach zu schwer war, sie so zu verpacken, das es noch schön aussah. Unter den Sachen waren, ein neuer Bogen und Pfeile, kleine Truhen mit unbekanntem Inhalt und was ihr am besten gefiel, kleine selbstgebastelte Dinge. Diese Sachen waren von den Bediensteten des Schlosses. Von Tom und Eliza lagen selbstgemalte Glückwunschkarten da. Sarah hatte vermutlich noch mitten in der Nacht Kekse gebacken. Nach Schokolade duftend standen sie da und die Versuchung war groß, eines davon zu nehmen. Doch Anna hielt sich zurück. Neben den Karten lag ein zusammengefaltetes Taschentuch, mit aufwendigen Stickereien und einer Bastschnur umwickelt. Anna konnte nur ahnen das es von der Köchin Betty war. Sie war schon über fünfzig Jahre. Doch sie benahm sich als wäre sie gerade mal fünfundzwanzig. Sie konnte noch sehr gut sehen und machte es zu ihrer Freizeitbeschäftigung zu sticken und zu malen. Auch war sie gern überall dabei, wenn es um die Dekorationen für sämtliche Feste des Schlosses ging. Sie scheuchte das Personal umher und beäugte jedes Dekorationsstück genau.
Anna selbst hatte kein Geschenk. Auf der einen Seite dachte sie sich, warum?! Schließlich wusste er nicht einmal, das sie existiere. Und zum anderen, hatte er wirklich genug Geschenke. Da würde so etwas kleines von ihr nur in der Ecke laden. Das schwarzhaarige Mädchen hielt Erik einfach für einen Taugenichts. Auch wenn Betty sagte, er sei ein guter Junge. Doch von seiner angeblich ‚guten Seite’ hatte sie noch nichts gesehen.
Allein der Unterschied ihrer Kleidung. Erik war immer elegant gekleidet. Zwar nicht so beschmückt wie sein Vater, doch immer sauber und heil. Annas Kleidung war fast immer schmutzig. Ihre Haare waren selten gekämmt und von der Arbeit hatte sie Schwielen an den Händen. Was ihr aber nicht wirklich etwas ausmachte.
„Heh, das sind alles meine!“, holte sie plötzlich eine Stimme aus ihren Gedanken und sie drehte sich erschrocken um. In der Tür stand Erik. Er sah Anna an und lächelt.
Wie musste sie dastehen? Voll mit Asche. Wahrscheinlich machte er sich gerade über ihr Aussehen lustig. Anna sagte gar nichts und fuhr sich durch die Haare. Was nicht viel brachte, denn sie waren immer noch völlig zerzaust. Ohne etwas zu sagen ging sie zum Kamin, doch nicht, ohne ihm einen bösen Blick zuzuwerfen. Allerdings hoffte sie auch, das er wieder gehen würde. Doch das tat er leider nicht. Während Anna anfing das Feuer zu machen setzte sich Erik in einen Sessel, nahe dem Kamin und sah ihr zu.
Schon kam er ihr noch ein Stück arroganter vor. Wie er dasaß, mit seinem Morgenmantel aus teurem Stoff. Doch auch sein Kopf hatte noch keinen Kamm gesehen. Seine blonden schulterlangen Haare hingen zerzaust herunter. Allerdings waren sie, wie Anna gestehen musste, viel schöner als ihre.
„Schläft ein Prinz nicht noch um diese Zeit?“, fragte sie ihn schließlich. Denn seine Beobachterei, ging ihr wirklich auf die Nerven. „Ich bin immer früh wach. Auch wenn ich sonnst warte bis das Feuer an ist“, antwortete er freundlich.
Erik stand auf und nahm sich vom Tisch zwei Schokoladenkekse. Dann ging er zu Anna und reichte ihr einen davon. „Magst du auch einen haben?“
Völlig überrascht sah Anna zu ihm hinauf. Sie zögerte kurz, doch nahm den Keks dann an. „Danke“, sagte sie leise und lies ihren Blick nicht von ihm. „Was ist?“, fragte er und setzte sich wieder in den Sessel. Anna drehte sich zu ihm und setzte sich auf den Boden. „Verzeiht, wenn ich das sage Hoheit, doch ich dachte nicht, das sich ein Prinz wie ihr, mit jemandem wie mir abgibt.“ Nun brachte wohl Anna den jungen Prinzen zum Erstaunen. „Warum denn nicht? Du bist Anna. Zumindest wirst du so genannt. Und ich sehe oft zu, wie du auf der Wiese tanzt oder singst.“ Annas Augen wurden groß. Gut, das man die rote Farbe, die nun in ihr Gesicht stieg, durch die Asche nicht besonders zu sehen war. „Ihr seht mir dabei zu?“, brachte sie nur mit zitternder Stimme heraus. Schnell sprang sie auf und lief hinaus. Erik wusste nicht was plötzlich los war und rief nur unverständliche Worte hinterher.
Anna lief, ohne hinterher zu sehen, nach unten und blieb erst wieder an der Küche stehen. Es war ein seltsames Gefühl. Sie war verwirrt.
Noch völlig außer Atem stand sie da. Betty kam zu ihr. „Kind, was ist denn los?“ Zuerst sah Anna die Köchin mitleidig an. Doch als sie sich wieder gefasst hatte, wendete sie sich ab und ging zum Ofen. „Nichts. Ich bin nur vor etwas erschrocken.“ Betty glaubte ihr nicht so wirklich, doch lies sie in Ruhe. „Wo ist Eliza?“, fragte Anna und bekam von einem der Jungen, die dort arbeiten eine kurze Antwort. „Sie ist im Stall“, sagte er und drehte sich wieder um. ‚Was machte sie denn da?’, fragte sich Anna und lief gleich los.
Fortsetzung folgt
Re: Elfenblau
Red Mary - 08.12.2008, 23:13
Eliza striegelte die Pferde und hatte scheinbar ihren Spaß dabei. Sie lächelte und ihre Augen strahlten zusammen mit ihren Haaren um die Wette. „Anna, du solltest dich mal sehen. Kein Wunder das der Sohn vom Schmied sich lustig über dich macht.“ Anna wurde aus ihren Gedanken gerissen, sah an sich hinunter und dann auf ihre Hände. Dann sah sie wieder zu Eliza und fragte sich was sie meinte. Doch Eliza schüttelte nur lächelnd den Kopf.
Anna merkte immer wieder, wie hübsch sie war. Mit ihren leuchtend roten Haaren und den hellen grünen Augen war sie der ganze Stolz ihrer Mutter. All ihre Kleider waren selbstgenäht und hoben sich somit von denen der anderen Bediensteten im Schloss ab. Am liebsten war ihr ein blaues Kleid, mit weiten Ärmeln und einem breiten braunen Gürtel, der mit Schnörkeln und kleinen silbernen Ringen verziert war und den sie sich von ihrem zusammengesparten Geld auf den Markt gekauft hatte. Zum Reiten zog sie immer Hosen an, auch wenn es einigen der Bediensteten nicht passte. Eliza störte das nicht. Und wenn sie dazu ihre ledernen Handschuhe trug und ein Tuch um den Hals, sah sie für Anna aus, als würde sie zur Familie des Herzogs gehören. Fast schwärmte sie davon und sah sie in ihren Gedanken mit offenen roten Haaren auf dem prachtvollsten Hengst reiten.
Eliza holte sie wieder aus ihren Träumen. „Hörst du mir zu? Was wolltest du denn?“ Annas Augen wurden groß „Oh, richtig.“ Ihr Blick wurde plötzlich bettelnd. „Bitte mach du das Feuer in Eriks Räumen. Ich kann da nicht mehr hochgehen.“ Eliza sah sie fragend an. Nach einer Weile überlegen, legte sie die Bürsten zur Seite. „Na gut.“ „Oh danke“, antwortete Anna mit leuchtenden Augen. Eliza ging aus dem Stall und rief ihr hinterher „Dafür erzählst du mir dann, was passiert ist.“ Annas Freude trübte sich plötzlich wieder. „Oh weh“, sagte sie nur für sich und sah Eliza hinterher. Was sollte sie denn sagen? Eliza würde sie für kindisch halten. Das auf alle Fälle und wie würde sie dazu kucken? Plötzlich wurde sie von dem Pferd neben sich geschubst. Anna fiel ins Heu und fing an zu lachen.
„Oh, ich dachte Eliza ist hier“, sagte plötzlich ein Mann, der herein kam. Anna rappelte sich auf und versuchte sich etwas von dem Heu zu befreien. „Guten Morgen Janes“, sagte sie nur und lächelte. Janes war ein großer starker Mann mit blonden Haaren und einem breitem Gesicht. Er sah zwar immer etwas finster drein und redete nicht viel, doch war einer der nettesten Menschen die Anna kannte. „Eliza ist gerade weg.“ „Das macht nichts. Sag ihr bitte, sie soll Phönix noch striegeln.“ Anna sah zu dem hellbraunen Hengst mit der feuerroten Mähne. „Das sieht aus wie Eliza, nicht war?“ Anna lachte, doch Janes lächelte nur leicht. „Ja, ein wenig.“ Er sattelte eins der Pferde und stieg auf. „Wo reitest du hin?“, fragte Anna neugierig und sah zu ihm hoch. „In den nördlichen Wald. Wölfe reisen das ganze Wild. Ich muss mich darum kümmern.“ „Viel Glück“, rief Anna ihm nach und schon war er verschwunden.
Ganz allein dort hin zu gehen hielt Anna für gefährlich. Doch Janes war ein großer starker Mann und Wölfe waren für ihn keine große Gefahr. Außerdem glaubte er nicht an Magie oder Monster. Janes blieb manchmal tagelang fort und kam mit reichlicher Beute wieder. Er hatte im Wald eine Hütte für die Nacht und einen Bach der daran vorbei lief. Das einzigste was er immer mitnahm war Sarahs Brot. Er sagte immer, das niemand sonst es so gut machen konnte wie sie. Das machte Sarah natürlich wieder stolz und ihr Ergeiz gutes Brot zu backen, wurde damit nur noch größer.
Eliza ging derweil zu den Gemächern des Prinzen, um endlich das Feuer in den Kaminen anzuzünden. Als sie hinein ging, war Erik schon dabei, zu versuchen, das Holz zum brennen zu bringen. Doch scheinbar ohne Erfolg. „Hoheit, was tut ihr denn da?“, rief Eliza nur und lief zum Kamin. „Mir ist kalt. Und Anna ist ja weggelaufen.“, antwortete der junge Prinz nur und hielt ein langes Zündholz unter ein dickes Stück Holz. Eliza sah ihn von oben bis unten an und legte dann den Kopf schief. „Vielleicht wäre euch wärmer, wenn ihr mehr anziehen würdet.“ Erik war immer noch in seinem Morgenmantel. Er trat einen Schritt zurück und hielt die Hand hinter den Kopf. „Ja, sollte ich vielleicht tun“, sagte er nur, grinste und schon war er verschwunden. Eliza schüttelte nur den Kopf und machte weiter. Sie sah die vielen Zündhölzer im Kamin liegen und musste unwillkürlich grinsen. Erik musste noch nie Feuer machen, deswegen konnte man es ihm auch nicht verdenken. Und so machte sich Eliza daran dem Prinzen ein warmes Gemach zu bereiten.
Als auch im nächsten Kamin das Feuer brannte, stand sie auf und wollte gehen. Doch Erik versperrte ihr den Weg. „Warte mal“, sagte er hastig und zog noch dabei sein Hemd in die Hose. „Was ist? Ich hab noch viel zu tun“, antwortete Eliza ihm nur und stellte den Korb mit den verbleibenden Holzscheiten vor ihren Füßen ab. Der Prinz druckste herum und trat von einem Bein auf das andere, doch fragte letztendlich, ob sie ihm einen Gefallen tun würde.
FF
Re: Elfenblau
Red Mary - 09.12.2008, 18:28
Anna war inzwischen wieder in der Küche. Sie hatte sich etwas gesäubert und ihre Haare waren zwar wild durcheinander, doch zusammengebunden, so das sie bei der Arbeit nicht störten. Sie reparierte ein paar Töpfe und Pfannen und saß auf einer kleinen Decke direkt am Kamin. Admiral lag schlafend daneben. Betty gab ihr dann einen Teller und ein Glas Milch in die Hand. Auf dem Teller waren zwei Brote mit Wurst und Käse. Außerdem ein kleines Stück Kuchen. Anna sah zu Betty nach oben und strahlte. „Danke“, sagte sie nur und Betty lächelte nickend.
Die Köchin seufzte. Anna war unter all ihrem Schmutz, trotzdem ein liebenswertes Kind und hatte in ihrem Wesen viel von ihrer Mutter geerbt. Betty hatte Anithia gekannt und mochte sie sehr. Sie war eine der vielen, die sie bewunderte und hatte nun auch Mitleid mit Anna. Vielleicht verwöhnte sie Anna auch nur gern, da sie selbst keine Kinder hatte. Und jedes Mal wenn Anna sie mit ihren leuchtenden hellblauen Augen ansah, so wurde ihr jedes Mal warm ums Herz.
Eliza kam zurück und stellte den Korb mit den Zündhölzern und den Holzscheiten in die Ecke. Als sie Anna eine Weile ansah, fragte diese was denn sei. Doch Eliza schüttelte den Kopf, nahm sich ihr Frühstück und setzte sich an den Tisch, der nah am Ofen stand. „Sag mal. Wieso bist du weggelaufen?“ Anna hörte auf zu essen und sah zu Eliza hinauf. „Hat er etwas gesagt?“ Eliza schüttelte mit dem Kopf. „Er weis nicht was er getan hat. Möchte sich aber entschuldigen.“ Anna bekam große Augen. „Das hat er gesagt?“ Eliza nickte und drehte sich zu ihrem Teller.
Tom kam herein. Fröhlich und ein Lied pfeifend. „Morgen. Man hab ich einen Hunger.“ Seine Augen wurden groß als er das Essen vor Eliza sah und stibitze etwas vom ihrem Teller. Das rothaarige Mädchen beschwerte sich natürlich lauthals darüber, doch konnte ihrem Bruder die gestohlene Wurst nicht mehr entreisen. „Setz dich hin, dann bekommst du auch etwas zu essen“, sagte Betty rau und Tom setzte sich Eliza gegenüber. „Wo warst du schon wieder?“, fragte Eliza und sah ihren Bruder böse an. „Im Wald“, antwortete er nur und grinste. „Habt ihr schon wieder irgendwas angestellt?“, fragte Betty ihn, als sie ihm das Essen vor die Nase stellte.“ „Bekomme ich keine Milch?“, rief er entbrüstet hinter Betty her. Doch diese kam gleich darauf zurück und stellte ihm ein Glas hin. „Nimm dir ein Beispiel an deiner Schwester und Anarah. Sie sind fleißig.“ Tom murrte nur und begann zu essen. „Du solltest nicht mehr allein in den Wald gehen“, rief Anna von ihrem Platz aus. „Janes sagt, da sind Wölfe.“ Tom lachte. „Ach, mir passiert nichts. Außerdem waren ja Julian und Elias dabei.“ „Noch zwei Möchtegernhelden“, sagte Eliza nur und biss in eins der Brote. Anna kicherte nur und sah Tom an, der ein verärgertes Gesicht macht. „Du wirst schon sehen. Wenn ich irgendwann mit einem Drachenkopf nach Hause komme, den ich erschlagen habe, dann lachst du nicht mehr.“ „Ein erschlagener Drachenkopf? Ist der Drache nicht schon tot, wenn nur der Kopf noch da ist?“ Eliza grinste nur und Anna fing an zu lachen. Tom knurrte, stopfte sich das Essen in den Mund, trank die Milch in einem Zug aus und rannte hinaus.
Eliza und Anna lachten noch eine ganze Weile.
Nach dem Frühstück ging Eliza wieder in den Stall um das Pferd des Prinzen zu striegeln. Sie fragte sich immer noch, was zwischen dem Prinzen und Anna wohl vorgefallen war. Letztendlich hatte sie vergessen zu fragen.
Erik saß oben an seinem Fenster, betrübt und gelangweilt und sah nach unten auf die Wiese. Normalerweise war um diese Zeit Anna dort und sang oder tanzte den Tieren etwas vor. Doch heute nicht. ‚Hätte ich doch nur nichts gesagt’, dachte sich der blonde Junge und ärgerte sich über sich selbst. Doch dann kam sie mit einem Eimer an und verteilte Futter bei den Gänsen. Als sie fertig war, sah sie nach oben. Sie sah den Prinzen, wie er winkte, doch sie reagierte nicht darauf und ging wieder. Erik wusste nicht was er machen sollte und überlegte sich einen Plan.
Anna war wieder in ihren Gedanken versunken. Sie hatte nicht einmal auf das Winken des Prinzen reagiert. Das wollte sie eigentlich nicht, doch sie wusste auch nicht was sie machen sollte, also tat sie gar nichts.
Und wieso war er noch oben in seinem Zimmer? Wollte er nicht ausreiten? Aus unerfindlichen Gründen suchte Anna wieder nach Gründen, warum sie Erik nicht mögen wollte. Und da gab es so viele Gründe die sie sich ausdenken konnte.
Es war ziemlich kalt und der südliche Wald wirkte fast trostlos in der Ferne. So als wolle der Schnee sich von diesem dunklen Ort fernhalten.
Seltsam, dachte sich Anna. Wirkte der Wald im Sommer doch so freundlich und voller Leben.
Doch sie dachte nicht weiter darüber nach und ging wieder ins Innere, wo es warm und freundlich war.
„Wo ist Eliza?“, fragte sie Betty und sah sich um. „Sie macht ein paar Besorgungen in Labeiya“, antwortete sie nur kurz und verschwand wieder.
„In Labeiya? Aber das sind zu Pferd schon zwei Stunden. Es sei denn sie nimmt den Weg durch den stillen Wald. So wäre sie in einer halben Stunde dort. Doch das macht sie doch nicht, oder?“, fragte Anna und lief Betty nach. „Das weiß ich nicht, mein Kind“, gab Betty nur schulterzuckend zurück. Anna blieb reglos stehen. Sie dachte an die Wölfe, von denen Janes erzählte und sah mit angstvollem Blick nach draußen.
Warum musste sie im Winter in diese große Stadt reiten? Gab es diese Dinge nicht auch hier in Alandria? Sicher, diese Stadt war klein, doch auch weitaus weniger gefährlich.
Anna wusste, das Eliza sehr oft nach Labeiya ritt und deswegen war es für jeden schon selbstverständlich. Doch diesmal war es anders. Das schwarzhaarige Mädchen spürte das etwas passieren würde.
Sie lief hinaus und sah gerade noch Erik, wie er auf sein Pferd stieg um loszureiten. Ohne groß nachzudenken, lief sie zu ihm, um ihn aufzuhalten. „Erik, irgendwas stimmt nicht mit Eliza. Ich weiß es. Bitte hilf ihr.“ Erik sah sie mit überraschtem Blick an und wollte schon einen Scherz machen, da sie ihn zum ersten Mal beim Namen nannte. Doch wenn sie sogar alle Förmlichkeiten außer Acht ließ, so musste wirklich etwas nicht stimmen. Und ihr flehender Blick tat sein übriges. „Also gut“, sagte er nur und nickte. Annas Augen strahlten vor Dank. „Sie wollte nach Labeiya, aber sie hat sicher die Abkürzung durch den Wald genommen.“ Erik pfiff kurz und winkte ein paar Männer zu sich. „Ihr da. Holt eure Pferde, und nehmt Bögen mit. Und das ein bisschen plötzlich“, rief er ihnen im scharfen Ton zu. Die drei Männer verbeugten sich kurz und liefen eilig davon. „Mach dir keine Sorgen“, sagte Erik mit ruhiger Stimme und sah Anna wieder an. „Wir finden sie“.
Anna beruhigte das nicht viel. Doch zumindest hatte sie jetzt mehr Hoffnung, Eliza heil wieder zu sehen und nickte dankend.
FF
Re: Elfenblau
Red Mary - 21.12.2008, 17:37
Eliza hatte den Auftrag bekommen, noch einige Dinge in Labeiya, für die abendliche Geburtstagfeier des Prinzen abzuholen. Fast freute es sie, denn so hatte sie noch die Möglichkeit, sich ein wenig in den dortigen Geschäften umzusehen. Im Winter kam sie nicht oft in die nächste Stadt, da meist die Wege zu sehr mit Schnee bedeckt waren, um überhaupt voran zu kommen. Doch auch der Weg durch den Wald war noch recht schneeleer und so konnte sie auch die Abkürzung nehmen. Sie hatte die Warnung von Anna nicht überhört, doch so schnell wie sie zu Pferd war, hatte sie keine Bedenken, überhaupt auf Wölfe zu treffen.
Doch, sie hatte noch nicht einmal die Hälfte des Weges hinter sich gebracht, als plötzlich etwas vor ihr blitzschnell vorbei lief und das Pferd aufschreckte. Sie versuchte es noch zu beruhigen, doch schließlich warf es sie ab und lief genau zur entgegen gesetzten Richtung davon.
‚Was war das nur?’, dachte sich Eliza und rappelte sich langsam auf. Es sah aus wie ein Tier, doch genau wusste sie es nicht. Ihr tat alles weh, doch sie konnte aufstehen und hatte keine äußerlichen Verletzungen. Allerdings war ihr Pferd nun weg. Zu Fuß brauchte das Mädchen eine halbe Ewigkeit zurück und seufzend klopfte sie sich den Schnee von der Kleidung.
Eigentlich hatte Eliza überhaupt keine Lust zu laufen. Sie hatte sich schon so auf Labeiya gefreut. Auf die Geschäfte und auf die vielen Menschen die sie dort kannte. Und außerdem gingen bald die winterlichen Festzüge los und die Einwohner sammelten viel Holz für die großen Lagerfeuer. Es sah einfach wunderschön aus, wenn Nachts überall das Feuer brannte, die Musik spielte und jeder fröhlich umhertanzte. Es gab Gaukler und Zauberer und jede menge Leckereien.
Die letzten Jahre hatte sie es immer geschafft, zu dieser Zeit hinzugehen und konnte bei Verwandten übernachten. Auch Anna machte das großen Spaß und sie konnte die wenigen Tage bis dahin kaum noch abwarten.
Doch jetzt hatte Eliza erst einmal ein anderes Problem.
Da war es wieder, ein Geräusch. Es klang wie Schritte im Schnee. Ganz dumpf, doch schnell hintereinander. Eliza sah sich um, doch konnte nichts entdecken. Und plötzlich ein Horn. Was hatte das zu bedeuten? Waren das Jäger? Doch wer würde denn jetzt, hier in dieser Gegend, jagen? Die Männer des Herzogs gingen immer auf die anderen Seite des Schlosses, nach Elfenblau. Nicht nur, weil es dort reicher an Wild war. Nein, auch weil es dort weniger gefährlich war. Hier in diesem Wald gab es viele Schluchten und meist auch zu dichtes Gestrüpp, so das man zu Pferd und auch zu Fuß kaum durch kam. Es könnte Janes sein, der die Wölfe jagt, dachte sich das rothaarige Mädchen. Sie wusste ja nicht wohin er geritten war.
Das letzte was Eliza jetzt wollte, war auf Wölfe zu treffen. Also machte sie sich auf den Weg zurück zum Schloss. Ihre Schritte wurden immer schneller, denn das Unbehagen stieg und, sie wusste nicht ob sie sich das einbildete oder wirklich war, doch es verfolgte sie etwas und ein lautes Gehechel kam immer näher.
Bald schon hörte sie die Wölfe hinter sich. Eliza drehte sich erschrocken um und sah zwei von diesen großen, hungrigen Bestien oben auf einem Hügel stehen. Ihre Augen wurden immer größer und ihr Herz blieb fast stehen. Sie hätte nicht gedacht, so bald auf die schwarzen zähnefletschenden Ungeheuer zu stoßen. Und außerdem dachte sie immer Wölfe waren so groß wie Hunde. Doch diese zwei Monster waren riesig und hatten rotglühende Augen. Es war gespenstig.
Eliza rannte so schnell sie konnte, doch die Wölfe waren ihr auf den Fersen. Es konnte nur noch Sekunden dauern, bis sie das Mädchen eingeholt hatten.
Und kaum gedacht, sprang eines der großen Tiere über sie und blieb vor ihr stehen. Völlig außer Atem blieb Eliza stehen und sah erschrocken auf das schwarze Untier. Langsam lief sie ein paar Schritte rückwärts, doch auch dort stand eines der schwarzen Monster und sah sie geduckt und zum Sprung bereit, mit großen, gefletschten Zähnen an.
Was sollte sie jetzt machen? Nicht einmal ein Messer konnte sie zur Verteidigung nutzen. Und auch wenn sie eins gehabt hätte, wäre es wohl sinnlos gewesen.
Es war nur ein kurzer Moment, das sich ihre Augen mit denen des Tieres trafen, denn plötzlich zischte ein Pfeil an Eliza vorbei und blieb im Boden stecken. Eliza, wie auch die Tiere verharrten kurz vor Schreck und sahen in die Richtung, aus der, der Pfeil kam.
Ein zweiter Pfeil traf und heulend ging eines der Tiere zu Boden.
Eliza konnte Janes von weiten sehen und ihr viel ein Stein vom Herzen. Sichtlich erleichtert, wollte sie zu ihm laufen, als sich das verletzte Tier erhob und erneut angreifen wollte. Doch da traf erneut ein Pfeil. Und diesmal kam es aus einer ganz anderen Richtung.
Mit großen Augen stand Eliza da und sah zu den drei Reitern die etwas entfernt, mit Bögen auf die Wölfe zielten. Der verletzte und jammernde Wolf ging zu Boden, während der andere die Flucht antrat. Hinter ihm regnete es Pfeile, doch er konnte entkommen.
Ohne etwas zu sagen, stand Eliza da und starte auf den sterbenden Wolf. Die Augen glühten nicht mehr. Im Gegenteil. Sie sahen richtig schwarz und leidvoll aus. So als wäre das Tier wieder Es selbst.
„Ist mit dir alles in Ordnung?“, fragte Erik, der plötzlich neben dem verdutzten Mädchen stand. Eliza brauchte einen Moment, bis sie endlich Worte fand. „Was macht Ihr denn hier?“, fragte sie und sah einen nach dem anderen an. Janes winkte kurz und verschwand, auf Eriks Nicken, wieder im Wald.
„Na ja. Anna sagte, du wärst in Gefahr. Sie hatte wohl recht.“ Erik grinste und holte erst einmal sein Pferd. Eliza konnte sich immer noch nicht von der Stelle bewegen und sah abwechselnd zu Erik und dem toten Tier. „Das war vorhin größer“, sagte sie nur und blickte kurz danach in fragende Gesichter. Erik durchbrach das Schweigen. „Was ist den eigentlich passiert?“, fragte er und stieg auf sein Pferd. Dann hielt er seine Hand nach unten um auch Eliza auf sein Pferd zu helfen. Diese musste kurz überlegen wie sie am besten beginnen sollte und dachte schließlich, das es wohl erst einmal besser wäre, nicht zu erwähnen wie die Wölfe auf sie wirkten. Eliza wusste das es keine Einbildung war, doch wer würde ihr das glauben, denn scheinbar hatte nur sie es gesehen. „Was meintet Ihr vorhin mit, Anna wusste, das ich in Gefahr sei?“, fragte Eliza auf dem Weg zurück ins Schloss.
Re: Elfenblau
Red Mary - 20.01.2009, 18:51
Anna lief, seit Elizas Pferd ohne Reiterin zurückkam, schon nervös auf und ab. Selbst ihre Mutter machte sich nun Sorgen und konnte Tom gerade noch so davon abhalten, in den Wald zu laufen um Eliza zu suchen. „Das fehlte noch“, sagte sie. „Zwei Kinder, wegen denen ich kein Auge mehr zu tun kann.“
Tom brachte das Pferd in den Stall. Doch auch er gab auf seine Art zu verstehen, das er sich Sorgen machte.
Es war nicht einmal eine Stunde, die Anna wartete, doch für sie war es eine halbe Ewigkeit. Sie stand vor der Zugbrücke, auf der großen Wiese und sah in weiter Entfernung drei Reiter.
Etwas näher gekommen, konnte sie hinter Prinz Erik, Eliza ausmachen, die ihr lächelnd zuwinkte. Anna lief ihnen ein Stück entgegen, sichtlich erleichtert, das es Eliza gut ging.
Als Eliza abstieg, fielen sich die beiden Mädchen in die Arme. „Mir geht’s gut. Nicht mal ein Kratzer, siehst du?“ Eliza drehte sich kurz und lachte dabei. Doch Anna war nicht zum Lachen zu Mute. Ebenso wenig Elizas Mutter, Sarah. Sie machte dem Mädchen zwar keine Vorwürfe, doch ihr Ärger war deutlich zu sehen und zu hören. Eliza konnte nichts anderes, als es über sich ergehen zu lassen und lies sich von ihrer Mutter ins Innere zerren.
„Sag mal“ begann Erik, der vom Pferd abgestiegen war und jetzt neben Anna stand. „Würde mich aber auch mal interessieren woher du das wusstest!“ Als Anna den fragenden und ernsten Blick von Erik sah, wurde ihr kurz flau im Magen und sie überlegte, was sie ihm nun darauf antworten sollte. Wusste sie doch selbst nicht warum sie Eliza in Gefahr ahnte. Doch dann grinste Anna ihn an. „Vielleicht bin ich ja eine Hexe!“, antwortete sie nur und sauste davon.
Erik stand da, mit offenem Mund und wusste nicht was er denken sollte. „Nicht mal ein Danke, was?!“, sagte plötzlich jemand, nicht weit von ihm. Ewan, der Sohn des Schmieds, saß auf einer Bank und bearbeitete ein Stück Leder. Er hatte braune, längere Haare, im Nacken zu einem Zopf zusammengebunden und einen spitzbübischen Blick. Anna mochte ihn nicht. Nicht nur, weil er sie immer ärgerte, sondern auch, weil er immer alles besser wusste. Das schlimme daran war, er war wirklich schlau und Anna konnte nichts gegen ihn sagen. So versuchte sie ihm einfach nur aus dem Weg zu gehen.
Ewan war so alt wie Erik, bastelte gern viele Dinge aus Leder und half seinem Vater ab und zu bei der Arbeit. Er war nicht faul, behielt immer einen kühlen Kopf und hatte sogar große Pläne für seine Zukunft.
Erik gab das Pferd einem Diener und ging zu Ewan hinüber. „Weißt du mehr?“, fragte der Prinz und setzte sich neben ihn. „Nein“, gab Ewan nur zurück und für ihn war dieses Thema damit beendet.
Ewan war zwar kein Plappermaul, doch still war er eigentlich auch nicht. Allerdings hatte er auch gern die Kontrolle über alles was er tat und mit dieser Art schaffte er es, die Mädchen in Alandria um sich zu scharen. Er war auch der einzige, mit dem Erik sich gut verstand.
„Kommst du zu meiner Party?“, fragte Erik nach kurzer Zeit des Schweigens. „Danke, aber nein danke.“ „Warum nicht? Gibt ne menge zu Essen?“, versuchte der Prinz ihn zu locken. „Du kannst mich nicht jedes Mal mit Essen locken. Ich kann solche Veranstaltungen nicht ausstehen, das weißt du genau.“ Ewan sah dabei weiter auf seine Arbeit. Erik lehnte sich nach hinten an die Mauer und atmete tief durch. „Hast du eine Ahnung“, sagte er betrübt. „Ich kann nicht wegbleiben. Das Vorbild zu spielen macht auch nicht gerade Spaß.“ Ewan blickte kurz auf und grinste.
„Na schön“, begann der Prinz erneut und stand auf. „Keine Ahnung wie du so lange hier in der Kälte sitzen kannst, aber ich geh wieder rein.“ „Heh, Erik!“, hielt Ewan ihn auf. Erik drehte sich um und Ewan grinste wieder. „Alles Gute zum Geburtstag!“ Erik konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, hob die Hand und drehte sich um, zum gehen.
Als Anna in die Küche kam, wurde sie gleich von Eliza wieder nach draußen gezerrt. „Komm mal mit“, sagte Eliza nur und das schwarzhaarige Mädchen folgte ihr.
Kaum im Hof, bei den Stallungen angekommen, drehte sich Eliza um und begann zu erzählen was sie gesehen hatte. Anna hörte ihr interessiert zu, doch sah schließlich genauso fragend aus, wie die Männer zuvor im Wald. „Große Wölfe, die wieder klein geworden sind?“, fragte sie noch einmal. Eliza nickte eifrig, doch schüttelte gleich wieder den Kopf. „Nein, nur Einer. Der andere ist wieder im Wald verschwunden.“ Anna musste erneut überlegen und Elizas Eifer wurde von Annas Blick gebremst. „Du glaubst mir nicht.“, sagte sie nur enttäuscht. „Doch, ich glaube dir“, antwortete das schwarzhaarige Mädchen darauf, ohne eine Miene zu verziehen. „Da ist irgendwas im Wald. Etwas böses, magisches.“ Jetzt sah Eliza fragend zu Anna. „Magisch?“, fragte sie nur und konnte gerade nicht glauben, was das Mädchen vor ihr, von sich gegeben hatte. Das war zu viel. Sie glaubte ja an viele Sachen. So zum Beispiel an Geister. War ihr doch schon einmal einer begegnet. Doch Geister hatten schon viele gesehen und waren für sie nichts mehr, das man als ungewöhnlich betrachten konnte. Doch Geister hatten nichts mit Magie zu tun. „Ja natürlich.“, antwortete Anna und erzählte weiter. „ Elfen sind auch magisch. Nur das, das was im Wald ist, böse ist.“ Eliza verzog ihr Gesicht. „Elfen gibt’s nicht. Und vielleicht war das mit dem Wolf ja doch nur Einbildung.“ Ohne auf eine Antwort zu warten ging sie zurück in die Küche und ließ Anna stehen.
In der Küche angekommen setzte sie sich an den Tisch und verschränkte die Arme. Einfach so weg zu gehen, war nicht ihre Art. Doch die Szene im Wald ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Eliza stöhnte auf und beugte sich nach vorn. Sie wollte Anna fragen wie sie die Gefahr erkennen konnte, doch schon wieder hatte sie es bei der ganzen Aufregung vergessen. „Mist“, sagte sie laut und stieß mit der Stirn auf die Tischplatte.
„Eliza, soll ich was mitbringen?“, fragte Tom auf einmal, der zur Tür hereinkam. „Wovon mitbringen?“, fragte Eliza verblüfft. „Wir müssen nach Labeiya, die ganzen Sachen abholen.“ „Wir?“, fragte das Mädchen erneut. „Ich reite mit Julian und Elias hin. Und keine Sorge, ich nehme den Umweg. Deswegen müssen wir aber auch gleich los. Sonst sind wir zu spät wieder hier.“ Eliza sah immer noch fragend zu Tom. Doch dieser grinste nur. Für einen kurzen Moment wollte sie schon sagen, das sie mitkommt. Doch für heute hatte sie genug. „Ich brauch nichts“, sagte sie schließlich und stützte den Kopf auf eine Hand. Tom zuckte nur mit den Schultern und verschwand.
„Heh, können wir los?“, rief Julian von weitem. Elias saß schon auf einem der fertig gesattelten Pferde und winkte Tom herüber. „Ja, ich komme“, sagte Tom nur und wollte gerade loslaufen, doch Anna hielt ihn auf. „Kannst du mir was mitbringen?“, fragte sie mit leuchtenden Augen und sah zu dem Jungen rauf. Tom konnte diesem Blick nie widerstehen, auch wenn er es nie zugeben würde. Deshalb verzog er immer sein Gesicht, so das er genervt aussah und fragte schließlich. „Was denn?“ Anna strahlte noch mehr. „Schokolade“. Tom sah das Mädchen skeptisch an. „Das ist alles?“ Anna nickte eifrig und grinste weiter. „Na gut“, bekam sie als Antwort und Tom ging zu seinem Pferd.
Anna sah noch zu, wie sie wegritten. Sie hatte diesmal kein ungutes Gefühl und hoffte deshalb, das sie Wort hielten und den Umweg nahmen.
Der Tag verging langsam und Anna verbrachte ihn damit, dort zu helfen wo sie gerade gebraucht wurde. Am meisten gefiel ihr das Schmücken des Ballsaals. Überall hingen Girlanden und auf den Tischen waren schon die feinsten Sachen verteilt. Die Sommerfeste gefielen ihr besser, da man viele Blumen auf die Tische stellen konnte, doch Betty konnte zu jeder Jahreszeit etwas außergewöhnliches herrichten. Anna musste am Abend sogar gründlich baden, da sie den Küchenjungen ersetzen musste, der krank im Bett lag. Der Gedanke, an die vielen adligen und hochnäsigen Menschen, die bald eintreffen würden, gefiel ihr gar nicht. Sie fragte Eliza, ob sie das übernehmen würde. „Du bist soviel besser darin. Was wenn ich etwas kaputt mache und alle starren mich an?“, fragte Anna das rothaarige Mädchen und legte einen verzweifelten Blick auf. „Das wirkt vielleicht bei Tom, aber nicht bei mir“, gab Eliza als Antwort zurück. „Ich meine es aber ernst.“ Anna war wirklich verzweifelt. Sie war lieber für sich allein, mit ihren Freunden oder wenigstens in vertrauter Umgebung. Und das war nicht ein großer Ballsaal, voller Menschen. Eliza stöhnte. „Anna, ich würde dir ja helfen, aber ich muss noch zu meiner Großmutter nach Alandria runter und du weist das sie dich nicht mag. Wir können also nicht tauschen.“ „Kann nicht Tom gehen?“ „Nein, kann er nicht. Hab dich nicht so. Du schaffst das schon“, sagte Eliza entschlossen und schob Anna vor sich her. „Wenn sie mich bei Zeiten weglässt, helfe ich dir.“ „Versprochen?“, fragte Anna mit hoffnungsvollem Blick. Eliza nickte. „Versprochen!“
Das war zumindest besser als allein, zwischen diesen vielen großen Menschen zu sein. Der einzige der in diesem Saal auf Augenhöhe wäre, war nur Erik. Und ein Prinz konnte zu seiner eigenen Feier nicht mit den Bediensteten reden.
So begann der Abend und Anna zog ihr bestes Kleid an. Eliza hatte ihr die Haare zu zwei Zöpfen gemacht und so konnte sie sich in der Öffentlichkeit auch sehen lassen.
Alles war, wie es sich Anna vorgestellt hatte. Der Saal war voll von Menschen in teuren Gewändern und jeder strahlte mit seinem Schmuck heller, um die anderen zu übertrumpfen.
Auf einem der Tische stand ein großer Kuchen die wie das Schloss aussah. Sarah hatte sich alle Mühe gegeben. Puderzucker und süße Sahne waren der Schnee. Und kleine bunte Zuckerbonbons waren die Menschen. Einer davon hatte sogar eine Krone auf. Das musste wohl den Herzog darstellen. Anna lachte bei dem Gedanken das der Herzog ein Himbeerbonbon war und Prinz Erik aus Schokolade.
Es waren auch Kinder da, die allerdings nicht daran dachten, auch nur ein Wort mit Anna zu reden. „Möchtest du mal von dem Kuchen probieren? Der ist wirklich toll“, fragte sie ein junges Mädchen, von höchstens acht Jahren und zeigte auf einen Kuchen mit Schokoladenfüllung. Doch das blonde Mädchen drehte ihren Kopf beiseite und ging stolzierend davon. Danach versuchte sie nicht mehr mit einem der Gäste zu reden. Es sei denn, sie wurde angesprochen. Sie lief lieber so oft in die Küche wie möglich um fehlende Sachen zu holen. Zumindest hatte sie genug Bewegungsfreiheit, da die Tische jeweils an den Seiten des großen Saals standen und sie dahinter gut lang laufen konnte. Den kurzen Weg von der Saaltür zur Küche nutzte sie, um zu tanzen. Sie konnte einfach nicht anders, denn die Musiker spielten immer wieder wundervolle, schnelle Tanzlieder und forderten dazu auf, nicht mehr still zu stehen. Auch wenn Anna sich nicht unbedingt wohl fühlte, in all dem Glanz und Adel, so war es interessant zuzusehen, wie die vielen Menschen tanzten, sich unterhielten und sich bewegten. Anna fand, das sich manche wie Tiere verhielten und sogar so aussahen. Frauen mit einem langen dünnen Hals und vielen Ketten und Ringen waren die Pfaue und ein dicker Mann den Anna nur mit großen Augen ansehen konnte, hatte etwas von einem Schwein. Zumindest aß er so und sein teures Hemd war schon bekleckert. Da half auch das seidene Taschentuch nicht, das er vor sich hielt.
Die Besucher brachten dem Prinzen viele Geschenke mit, die an einer Seite des Saals aufgestapelt waren. In einem kleinen Käfig war sogar ein Hund. Noch ein Welpe, der ganz ängstlich da hockte. Das schwarzhaarige Mädchen verschwand unter dem Tisch und holte den kleinen Hund aus dem Käfig. „Na du Kleiner! Ist dir die Musik zu laut?“, sagte sie beruhigend und der kleine Hund hörte auf der Stelle auf zu zittern. Er schmiegte sich sogar richtig an das Mädchen an, machte die Augen zu und schlief. „Heh, hier bist du also“, kam plötzlich eine Stimme hinter ihr. „Eliza“, sagte Anna freudestrahlend. „Du solltest doch helfen und nicht hier herum sitzen“, sagte Eliza ermahnend. „Ja, aber guck doch mal“, antwortete Anna nur und zeigte den kleinen Hund. Eliza seufzte. „Du und deine Tiere“. Plötzlich wurde es still im Saal und ein neuer Gast wurde angekündigt. „Fürstin Celia von Darkadria und seine Hoheit Prinz Vakur.“
Eliza sah über den Rand des Tisches, konnte aber noch niemanden entdecken. Auch Anna kroch unter dem Tisch hervor und stellte sich auf die Zehenspitzen. Sie hatte immer noch den kleinen Hund im Arm und dachte auch nicht daran ihn loszulassen, geschweige denn, ihn wieder in den engen Käfig zu stecken. „Kannst du jemanden erkennen?“, fragte sie Eliza, die immerhin ein kleines Stück größer war, doch Diese schüttelte nur den Kopf. „Hast du den Namen schon mal gehört?“, fragte Anna erneut. „Nein, aber ich habe nichts Gutes über Darkadria gehört.“ Eliza sah nun Anna an und flüsterte „Das Land soll seinen Namen zu Recht haben. Denn die Herrscher dieses Landes sollen sehr streng und unbarmherzig sein.“
Eine Lücke tat sich auf und Anna konnte die Fürstin sehen. Ihre Augen wurden groß, denn diese Frau war wunderschön. Sie war schlank, hoch gewachsen, mit blasser Haut und schwarzen langen Haaren zu einer aufwendigen Frisur gesteckt. Sie hatte ein eng geschnittenes, schwarzes Kleid an und trug nur wenig, wenn auch auffälligen und aufwendig verzierten, silbernen Schmuck. Ihr Ausdruck war wie ihr Auftreten. Nicht der Anflug eines Lächelns trat ihr ins Gesicht und sie wirkte fast unheimlich, doch trotz alledem faszinierend.
„Oh Wahnsinn, sieh dir diesen Prinzen an. Der sieht vielleicht gut aus.“, sagte Eliza plötzlich und Anna folgte ihrem Blick.
Nicht weit von der Fürstin stand ein ebenso hochgewachsener junger Mann von vielleicht achtzehn Jahren. Mit schulterlangen schwarzen Haaren und einer ebenso blassen Haut. Die Augen wirkten fast schwarz und er blickte, wie Anna fand, ins Lehre. Entweder langweilte er sich oder er war so ein arroganter Schnösel, wie all die anderen hier im Saal. Anna wollte die Meinung ja gern mit Eliza teilen, doch er hatte etwas das Anna nicht mochte. Sie drehte sich um und ging mit samt dem Hund nach draußen.
Eliza beobachtete die beiden fremden Adligen noch eine Weile, doch dann verschwanden diese, mit dem Herzog, in eines der Nebenräume und die Musik spielte weiter. „Unheimlich was?“, sagte Erik, der plötzlich vor Eliza stand und sich an den Tellern bediente. Eliza sah ihn kurz an und nickte nur. „Wo ist Anna? Ich dachte sie ist hier?“, fragte der Prinz und sah an Eliza vorbei. Denn außer den großen Fenstern und einem geschmückten Rahmen, war dort nichts zu sehen. „Hat deinen neuen Hund entführt, wahrscheinlich in die Küche“, sagte Eliza wie beiläufig und heimste sich fragende Blicke von Erik ein. „Was für ein neuer Hund?“ Eliza grinste breit. „Noch nicht mal dazu gekommen, die Geschenke anzusehen?“ Erik schüttelte den Kopf.
Anna setzte den Welpen auf der Decke am Ofen ab und holte eine Schüssel mit Wasser, die sie davor stellte. Admiral tauchte auf und legte sich, ohne groß den neuen Bewohner zu beachten daneben und gähnte ausgiebig. Anna hockte sich davor und beobachtete grinsend die Bewegungen des jungen Hundes. „Also, ich würde dich Fafnir nennen“, sagte sie zu ihm und rückte die Schüssel Wasser näher zu ihm. „Wie der Drache, aus dem Buch?!“, kam hinter ihr auf einmal eine bekannte Stimme. Anna blickte erstaunt auf, denn da stand Erik, in einer seiner schicksten Uniformen und grinste breit. „Klingt gut.“ Er kam langsam etwas näher und hockte sich neben Anna, um sein neues Haustier erst einmal richtig anzusehen. Anna traute sich kaum, sich zu bewegen. Ein Prinz saß neben ihr und alles was ihr einfiel war ein Lied in dem ein kleiner Prinz den Regenbogen suchte. Schließlich fand Anna ihre Worte wieder. „Ihr kennt die Geschichte?“, fragte sie neugierig und sah ihn von der Seite an. „Ja, ich hab es vor ein paar Jahren mal gelesen. Aber Drachen faszinieren mich immer wieder“, antwortete er nur und streichelte den Hund. Anna spürte in diesem Moment, das ihre Feindseeligkeit ihm gegenüber verflogen war. Sie kam sich albern vor, ihn wegen kleiner Sachen zu verurteilen. Hatte sie nicht selbst jeder menge Fehler?! Und doch verzieh man ihr jedes Mal. Ihr Blick wurde weich und jedes kleinste Gefühl von Unbehagen verflog. „Eine tolle Geschichte, nicht war?!“, sagte Anna und sah Erik freudestrahlend an. „Und ihr mögt Drachen? Ich würde gern mal einen echten Drachen sehen.“ „Ja, aber viele sagen, das sie ausgestorben sind“, antwortete Erik etwas betrübt. „Ich glaube aber nicht daran. Sie leben nur versteckt in den Bergen“, gab Anna darauf mit ernstem Gesicht zurück.“ Erik lächelte. „Ja, das glaube ich auch.“
Anna wollte noch etwas sagen, doch da wurde sie schon unterbrochen.
„Hier seid Ihr“, kam es plötzlich, etwas gehetzt von der Treppe.
Nicolas, einer der Diener stand da und sah etwas mitgenommen und genervt aus. „Ihr werdet schon vermisst. Ihr müsst sofort wieder hoch kommen.“ „Ich bin doch gerade mal fünf Minuten weg. Wer kann mich in dieser kurzen Zeit schon vermissen?“, antwortete Erik genervt und anstatt aufzustehen und loszugehen, setzte er sich demonstrativ hin und graulte Admiral hinter den Ohren. Nicolas war zwar erst dreißig Jahre, benahm sich aber wie ein alter Greis. Also das genaue Gegenteil von Betty. Und selbst seine hellbraunen Haare hatten schon Anzeichen des Grauwerdens. Der hagere Mann fing an nervös zu werden. „Prinzessin Diane sucht euch und ihr könnt doch eure zukünftige Braut nicht einfach so im Saal stehen lassen.“ Erik stützte seinen Kopf auf eine Hand. „Ich mag die nicht“, murmelte er vor sich hin, so das es nur Anna verstehen konnte und starrte weiter auf den Boden. „Mögt Ihr etwa eure Geburtstagsfeier nicht?“, fragte das Mädchen interessiert und beugte sich etwas vor um sein Gesicht zusehen. „Kein Stück. Bis auf die Geschenke vielleicht. Obwohl ich mit der Hälfte auch nichts anfangen kann. „Hoheit“, rief Nicolas ermahnend. „Wie du siehst, kann ich nicht mal an meinem Geburtstag das machen, was ich will“, sagte Erik und stand auf. Anna sah ihm stillschweigend hinterher. Sie machte sich Gedanken darum, wie sie sich wohl fühlen würde wenn sie an seiner Stelle wäre. Der Gedanke selbst ließ sie zwar fast lachen, doch etwas hatte ihr einfach es Leben. Und das war die Freiheit. Sie konnte hingehen, wohin sie wollte. Anna hatte das erste Mal mit dem Prinzen geredet. Sonst war es immer nur ein guten Tag. Immerhin lebte sie schon drei Jahre im Schloss und bisher sah sie ihn nur von weitem und da war er so anders. Das Mädchen wurde aus ihren eigenen Gedanken nicht schlau. Völlig Gedanken versunken saß sie da und streichelte die Hunde. Vielleicht könnte sie ihm ja eine Freude machen. Ein Geburtstagsgeschenk das man nicht mit Geld kaufen konnte.
Es dauerte nicht lang und auch Eliza tauchte auf, um sie wieder nach oben zu holen. Die Arbeit hörte noch lange nicht auf, also lies sie den kleinen Fafnir bei Admiral und ging mit Eliza nach oben. Den einzigen, ruhigen Platz in der Küche zu verlassen, gefiel Anna gar nicht, doch sie zeigte es nicht. Sie war ja froh, das Eliza bei ihr war. Betty, die nur im Hintergrund alles weiter organisierte, versprach den Mädchen zur Belohnung einen großen Pudding zu machen. Das spornte Anna noch mehr an und sie legte einen extra gutgelaunten Blick auf. Das war Eliza zu viel. Sie war müde und ihr Rücken tat weh. Es musste der Sturz vom Pferd gewesen sein. Und zum lachen war ihr gar nicht mehr zu mute. Anna merkte es erst nicht, doch als Eliza immer träger lief, schob sie das müde Mädchen nach draußen. „Geh ins Bett. Danke für deine Hilfe, ich schaff das jetzt. Ist sicher gleich alles zu ende.“ Eliza überlegte kurz, doch hatte keine Einwände. „Na gut“, sagte sie, rieb sich den Rücken und machte sich auf den Weg nach unten.
Anna ging kurze Zeit später nach unten, um noch einmal Holz zu holen und Admiral nach draußen zu lassen. Als sie nach unten kam, lag Admiral auf der Decke. Doch Fafnir war verschwunden. „Oh, weh“, sagte das Mädchen laut und suchte die gesammte Küche ab. Doch nirgends war der kleine Hund zu sehen. „Ach, Admiral. Konntest du nicht auf Fafnir aufpassen?!“, sagte sie ernst, doch auch betrübt. Admiral sah Anna mit verschlafenem Blick an und drehte sich kurz danach weg. Anna seufzte. „Na komm schon. Wir müssen ihn suchen.“ Anna zog den müden Hund auf die Beine und ging nach draußen. Etwas träge, doch langsam munter werdend, folgte Admiral ihr. „Was bist du eigentlich für ein Jagdhund?“, fragte sie ihn mehr beiläufig. Von weitem konnte sie Tom und die Jungs sehen, wie sie die letzten Holzscheite stapelten, von einem ehemals großen Holzstapel, den sie zerhackt hatten. Sie hatten scheinbar ihren Spaß dabei, denn sie lachten und redeten, mit großen Gesten. Anna wollte schon Tom fragen, ob er den Hund gesehen hatte, doch da kam Ewan auf Tom zu und Anna verschwand schnell um die nächste Ecke. Wenn er mitbekommen würde, das sie Eriks Hund verloren hatte, so hätte er wieder seinen Spaß gehabt und würde sie damit tagelang aufziehen. Das wollte sie unbedingt vermeiden. Also versuchte sie erst mal allein den kleinen Fafnir zu finden.
Inzwischen war sie bei den Kutschen der Gäste angelangt und sah unter Jeder nach. Es war wie verhext, denn Anna konnte nicht verstehen, warum der Kleine in die Kälte hinauslief, wenn er es drinnen, am Ofen doch so war hatte. Sie hatte schon in der Scheune, bei den Pferden nach gesehen, doch auch dort war er nicht und es war einfach viel zu dunkel um wirklich etwas zu sehen.
Inzwischen war sie am Vordereingang angekommen und sie konnte sehen, wie einige der Gäste auf dem Weg zu ihren Kutschen waren. Immer noch ausgelassen und munter. Doch einige schienen etwas über den Durst getrunken zu haben und schafften es teilweise nicht ohne Hilfe, in die richtige Kutsche einzusteigen. Diese ganze Szenerie war ziemlich amüsant, doch plötzlich kam die Fürstin Celia heraus und Annas Blick wurde ernster. Diese Frau hatte einfach etwas unheimliches an sich. Das war ihr schon beim ersten mal aufgefallen, doch jetzt noch mehr, denn ihr Blick, den Anna im Fackelschein sehen konnte, war nicht mehr so neutral wie im Saal. Sie sah unzufrieden aus und ging zügig die Treppen hinunter. Admiral kläffte kurz und bevor Anna ihn beruhigen konnte, rannte er weg, in Richtung der Ställe.
Das Mädchen hatte keine Lust der Fürstin über den Weg zu laufen, also versteckte sie sich lieber hinter einer der Kutschen, um abzuwarten bis sie weggefahren waren. Doch je näher sie kamen um so mehr lief Anna ein kalter Schauer über den Rücken. Sie wusste, das nicht die Kälte daran schuld hatte. „Wie willst du es anstellen?“, hörte sie eine männliche Stimme sagen. „Das weiß ich noch nicht. Doch wenn er mir den Kristall nicht freiwillig gibt, dann hole ich ihn mir auf eine andere Art“, antwortete eine Frau. Vermutlich die Fürstin, dachte sich Anna und versuchte so leise wie möglich zu atmen. Sie bewegte sich nicht das kleinste Stück, doch hörte angestrengt weiter zu. „Ohne den Kristall fehlt dir aber die Macht. Und nur Er zeigt dir die anderen Stücke“, sagte wieder die tiefere Stimme die nur von ihrem Sohn sein konnte. Die Stimme war tief, doch sehr ruhig. Passend zu dem Mann, den Anna gesehen hatte. Doch über was unterhielten sich die beiden. Es war nichts gutes, das wusste sie. Doch von welchem Kristall redeten sie und Stücke von was? Andere Kristalle? Es klang wie etwas magisches, über das sie sich unterhielten und Anna malte sich sofort einen bösen Plan aus, den die beiden da vorhatten. Leider wurden die Fürstin und ihr Sohn bei dem Gespräch unterbrochen, da einer der anderen Gäste auf sie zukam und sie in ein Gespräch verwickelte. „Sag mal, machst du so was öfter?“, kam neben ihr die Stimme von Ewan und Anna drehte sich erschrocken zu ihm um. Ohne groß zu überlegen hielt sie ihm den Mund zu und schüttelte wissend den Kopf. Ewan nahm ihre Hand weg und sah sie ernst an. „Ehrlich mal, Anna. So etwas hätte ich nicht von dir gedacht. Ach übrigens. Da sitzt ein kleiner Hund bei mir auf dem Bett. Du weißt nicht zufällig, wem der gehört?“ Anna wollte sich gerade verteidigen, als ihr verärgerter Blick freudiger wurde. „Du hast Fafnir gefunden?“ Sie merkte gar nicht wie die Kutsche mit Celia und Vakur wegfuhr. Das fiel ihr erst auf, als sie schon verschwunden war und sie nur noch den leeren Platz ausmachen konnte. „Fafnir also. Den Namen kannst auch nur du ihm gegeben haben.“ Annas Freude war so schnell sie gekommen war auch schon verflogen. Grummelnd sah sie ihn an und folgte ihm schließlich stillschweigend, um erst einmal Fafnir wieder zurück zu holen.
Nun wusste es Ewan doch. Anna seufzte leise vor sich hin. Da würden einige ärgerliche Tage auf sie zukommen und sogleich mochte sie ihn noch ein Stück weniger.
„Egal was du da gehört hast. Behalt es für dich. Verstanden?“ Ewan sah Anna mit einem sehr ernsten Blick an. Dem schwarzhaarigen Mädchen verschlug es die Sprache gänzlich. Sie wollte wiedersprechen, doch diesen Blick hatte sie noch nie an Ewan gesehen. Wusste er etwas? Doch was steckte hinter seinen Gedanken?
Anna nahm stillschweigend den kleinen Hund mit und ging in die Küche.
Diese ganzen Dinge, die heute passiert waren, würden sie die Nacht über beschäftigen. Da waren einfach zu viele Fragen und so wenig Antworten. Sie musste am nächsten Tag noch einmal zu Ewan gehen und mit ihm reden. Er konnte nicht von ihr erwarten, das alles so hinzunehmen. Er sollte ihr einen guten Grund geben, nichts zu sagen. Denn bisher hatte sie Keinen.
Re: Elfenblau
Red Mary - 25.01.2009, 13:01
Kapitel II
Es war noch dunkel als Anna aufwachte. Viel zu früh und noch viel zu müde, schleppte sie sich nach draußen. Es schneite und ein paar Fackeln brannten, die den schneebedeckten Boden glitzern ließen. Es war so still, das Anna ihren Atem hören konnte. Selbst der Wind schien zu schlafen. Anna stellte sich auf den Hof und sah zum Himmel. Er war wolkenbedeckt und grau, aber die weichen Flocken, die ihr Gesicht trafen, brachten ein Lächeln in ihr Gesicht. Die Gedanken der letzten Nacht waren erst einmal vergessen und sie genoss die Stille der Nacht, so lange sie anhielt.
Plötzlich legte sich eine Decke über ihren zitternden Körper und erstaunt sah sie sich um. „Ich dachte mir schon, das du nicht mehr reinkommst, wenn es schneit“, sagte Eliza lächelnd und Anna nahm die warme Decke dankend an. Sie merkte den verschlafenen Blick von Eliza. „Hast du auch schlecht geschlafen?“, fragte sie und Eliza nickte. „Tut dir immer noch alles weh?“, fragte sie erneut und Eliza schüttelte den Kopf. „Nein, das war nicht das Problem. Mir ging zu viel durch den Kopf.“ „Ja, mir auch“, sagte Anna nach einer Pause und beide standen wieder stumm da. „Lass uns reingehen“, sagte Eliza nach kurzer Zeit und rieb sich etwas warm. „Ich helfe dir dann bei den Kaminen, dann sind wir schneller beim Frühstück.“ „Hast du schon Hunger?“, fragte Anna beim gehen. „Und wie“, antwortete Eliza prompt. „Ich hab gestern Abend ja nichts mehr gegessen“.
Beim Hineingehen drehte Anna sich noch einmal um und sah zur anderen Seite des Hofes, dort wo Ewan wohnte. Auf sich beruhen lassen, das konnte sie nicht. Doch wie sollte sie ihn fragen? Auch wenn Ewan sie bisher nur geärgert hatte, diesmal machte er ihr Angst. Sie musste sich unbedingt etwas einfallen lassen. Trotzig dachte sie, das er ihr schließlich nichts zu sagen habe und wenn er ihr keine plausible Antwort gab, so würde sie die Geschichte dem Herzog weiterreichen. Ob sie damit Erfolg haben würde, wusste sie nicht. Wer hört schon auf ein elf Jahre altes Kind, das sich dauernd allerlei Märchen ausdenkt. Doch da sie schließlich von dem Kristall wusste, würde ihr schon jemand zuhören. Zur Not ging sie damit direkt zu Prinz Erik. Und wenn dann immer noch keiner auf sie hören sollte, so hatte sie wenigstens das Nötigste getan.
Damit war Anna erst einmal zufrieden und ging ihrer morgendlichen Arbeit nach.
Den ganzen Tag über versuchte Anna, in ihrer Freizeit, mit Ewan zu reden. Doch entweder war er nicht allein, oder einfach nicht aufzufinden. Irgendwann gab sie auf und ging am Abend in die Bibliothek, um etwas über diese Fürstin Celia herauszufinden. Es war zwar nicht verboten dort hinzugehen, doch wirklich erlaubt war es auch nicht. Deswegen versuchte sie lieber unentdeckt zu bleiben und verkroch sich, mit ein paar Büchern, in einem Erker. Dieser lag am Fenster und wurde mit einem schweren Vorhang, vom Rest des Raumes getrennt. Die Kerze war nicht sehr hell, doch reichte aus, um das wichtigste zu sehen. Allerdings zog es etwas und dieser kleine Erker war leider nicht so vornehm ausgestattet, wie einer der Großen, die auch hier in der Bibliothek waren. Diese hatten weiche Sessel und ausgelegten Boden. Doch dort würde sie entweder entdeckt werden oder einschlafen. Das konnte ihr hier, bei diesem Steinboden nicht passieren.
Es dauerte eine Weile bis sie fündig wurde und was sie fand, war sehr interessant.
Celias Ahnenreihe ging, wie bei Vielen, auf Jahrhunderte zurück und es gab in diesen vielen Jahren jede menge Mythen und Legenden, die sich die Menschen erzählten. So soll einer ihrer Urahnen, Fürst Aldur, die Macht gehabt haben, ein ganzes Land in Finsternis zu versinken. Der Himmel war nur noch schwarz und alles Leben, ging allmählich ein. Da Aldur von dieser Macht selbst zu sehr beeinflusst wurde, hatte er nicht die Möglichkeit, diesen Fluch zu beenden. Sein Versuch, das Land in Angst und Schrecken zu versetzen, um uneingeschränkte Macht zu besitzen, schlug fehl. Eines Tages tauchte ein heller Stern auf und vertrieb die Dunkelheit. Dieser Stern oder von vielen auch Engel genannt, nahm diese dunkle Macht an sich und verbarg sie dort, wo nie ein Mensch sie je wieder finden würde. Allerdings wurde auch in dem Buch erwähnt, das die meisten in Wirklichkeit an eine lange Dürreperiode glaubten. Fürst Aldur selbst, lebte danach sehr zurückgezogen und lies sich nie in der Öffentlichkeit sehen. Auch darüber wurde gemunkelt. Die einen sagten, er sei unheilbar krank, oder die Krankheit habe ihn völlig entstellt. Einige meinten sogar, er wäre verrückt geworden. Doch tatsächlich lebte er noch sehr lang. Er wurde achtundneunzig Jahre alt, auch wenn sein Sohn die Regentschaft schon annahm, als er gerade mal dreiundvierzig Jahre alt war.
Das war alles etwas verwirrend. Zu viele Gegensprüche, keine klaren Aussagen und das half Anna so gar nicht. Alle anderen Geschichten in den Büchern, über diese Familie oder das Land, waren uninteressant und halfen nicht weiter.
Eliza machte sich derweil Gedanken, wo Anna steckte und fragte jeden, den sie traf, ob er sie vielleicht gesehen hatte. Doch jeder verneinte die Aussage. Ewan fragte darauf, ob Anna so etwas öfters machte und als Eliza das mit einem Kopfschütteln beantwortete, zog Ewan seine Schlussfolgerungen daraus. Er wusste, das dieses Thema, um das es letzte Nacht ging, für Anna nicht aus der Welt war und das noch einiges kommen würde. Doch er hätte nicht so schnell damit gerechnet. „Weißt du wo sie steckt?“, fragte Eliza schließlich, als sie Ewan nachdenklich sah. „Nein, keine Ahnung“, antwortete er nur und ging weg.
Eliza sah ihm hinterher und verschränkte die Arme. „Wer s glaubt“, sagte sie leise für sich und zog ein verärgertes Gesicht.
Es konnte ja sein, das Anna sich wieder über Ewan so ärgerte, das sie sich irgendwo verkroch um erst einmal wieder zu sich zu kommen. In warmen Zeiten konnte Eliza sich sicher sein, ihre Freundin im Wald zu finden.
Die beiden hatten so allerlei geheime Verstecke und ihre Lieblingsplätze verrieten sie niemandem. Es gab einen Platz, unterhalb einer kleinen Klippe, an einen Bach, der umgeben war von moosbedeckten Bäumen und lauter winzig kleinen weisen Blumen. Die Luft war im Sommer voll von kleinen weichen Flocken, die umherflogen. Diesen Platz konnte man nur durch allerlei Gestrüpp erreichen und war für niemanden sichtbar. Somit blieb er auch geheim.
Ewan ging nach Hause und setzte sich nachdenklich an den Tisch. Sein Vater saß in einem Sessel am Kamin und las ein Buch. Er hatte dunkle braune Haare, von grauen Schläfen durchzogen und von der vielen Arbeit, ein müdes Gesicht. Doch er ließ es sich nicht nehmen fast jeden Abend ein Buch in die Hand zu nehmen und am warmen Feuer zu sitzen. Er sagte immer, das es Momente gab an denen man die raue Welt da draußen vergessen musste. Ewans Vater hieß Silvan und war gerade mal 43 Jahre alt. Doch sein Aussehen war das eines fünfzig Jährigen. Silvan sprach nie über seine Vergangenheit und außer Ewan wusste niemand das er einmal in Darkadria gelebt hatte. „Was ist los, mein Sohn?“, fragte Silvan und nahm die Brille ab, die er zum lesen brauchte. Ewans nachdenklicher Blick fiel ihm auf, vor allem, da Ewan so selten in Gedanken versunken war. „Celia war hier“, antwortete er nur und starrte weiter ins Leere. Silvan lehnte sich wieder in seinen Sessel und setzte die Brille auf. „Ich weiß“, antwortete er und schlug das Buch auf. „Doch mit dem was sie vorhat, wird sie nichts erreichen. Mach dir nicht zu viele Gedanken darüber.“ Ewan stand auf und sah seinen Vater an. „Wie kannst du das nur so ruhig hinnehmen.“ Silvan drehte sich zu Ewan und lächelte weich. „Ich denke, ich kann das genauso gut wie du.“ Ewan fragte nicht weiter und ging in sein Zimmer. ‚Genauso wie ich?’, dachte Ewan und setzte sich auf sein Bett. ‚Hieß das, er machte sich genau solche Sorgen, doch zeigte sie nicht?!’ Ewan warf sich aufs Bett und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Er starrte zur Decke und dachte an die letzte Begegnung mit Anna. Was er zu ihr gesagt hatte, war nicht richtig. Jetzt würde sie sich noch mehr Gedanken darum machen. Ewan ärgerte sich über sich selbst. War er doch immer auf alles vorbereitet und konterte mit den besten Antworten. Zumindest kam er so die letzten Jahre gut damit aus. Doch Annas Blick konnte er nicht aus dem Gedächtnis streichen. Sie würde dem Ganzen nachgehen. Und er wusste ja nicht, was sie wirklich gehört hatte. Ewan drehte sich auf die Seite. Er hoffte das ein paar Tage reichen würden um Anna die Gedanken aus dem Kopf zu jagen, die sie beschäftigten. Irgendetwas würde ihm schon einfallen.
Anna hockte immer noch in ihrem zugigen Versteck, bis sie auf einmal ein seltsames Geräusch hörte. Zuerst hielt sie es für einen Geist, da es wie ein leises Stöhnen klang. Doch dann war deutlich das Lachen eines Kindes zu hören und sie kam vorsichtig aus ihrem Versteck, um nachzusehen. Doch da war nichts. Kein Geist oder noch Lebender, der in den dunklen und langen Gängen der Bibliothek war. Vielleicht war es ja doch nur der Wind und schulternzuckend wollte Anna schon wieder zum Fenster laufen, als sie das Lachen wieder hörte.
Das schwarzhaarige Mädchen hatte keine Angst, doch fragte sich, was das sein könnte und lief durch die Halle, an den großen, schweren Regalen vorbei und kam in eine Sackgasse, in der sie die Stimme am deutlichsten hörte. Anna stand vor einer massiven Wand und starrte sie an. Als sie schließlich ihr Ohr an die Wand drückte, hörte sie ein Mädchen sprechen. Die Worte waren nicht zu verstehen, doch es machte Anna neugierig. Es kam ihr vor wie ein kleines Abenteuer in dem sie neue Magie entdecken konnte. Vielleicht eine verzauberten Fee, die um Hilfe rief und nur Anna könnte sie befreien. Dem schwarzhaarigen Mädchen gingen so viele Geschichten durch den Kopf und bei dem Gedanken ein magisches Wesen zu treffen wurde ihr sogar ein wenig schwindlig.
Vorsichtig tastete sie alles ab um nach einem versteckten Hebel zu suchen, um eine Tür zu einem geheimen Raum zu öffnen, doch da war nichts.
Wieder starrte Anna die Wand an und sie hatte das Gefühl als würde sie dahinter erwartet werden. Das Mädchen schloss die Augen und legte eine Hand an das kalte Gestein vor ihr.
Plötzlich, wie aus den Nichts öffnete sich die Wand und machte einem Raum Platz, mit einer großen runden Kuppel und weiteren Regalen, die in der Wand eingelassen waren. Eigentlich sah es aus, wie ein weiterer Raum, der zur Bibliothek gehörte, nur das hier uralte Bücher standen, teilweise sogar hinter Glas.
Anna stand einige Augenblicke einfach nur da, ohne sich zu bewegen. Sie traute sich nur vorsichtig hinein, doch ihr Herz begann, vor Aufregung zu rasen. Geheime Räume gehörten einfach in jedes Schloss, doch Anna hätte nicht gedacht, jemals einen zu sehen. Und erst als sie in der Mitte des Raumes angelangt war, merkte sie, das ihre Kerze völlig unnötig war. Von einer Seite des Raumes, kam ein helles Licht und als sie etwas näher trat, sah sie eine Art Kristall oder Stein, der oberhalb eines Sockels schwebte. Er gab kleine helle Funken von sich, die verglühten, bevor sie auf dem Sockel ankamen.
Den Stein zu berühren traute sie sich nicht, doch es war erstaunlich zu sehen wie er, so ganz ohne Hilfsmittel schwebten konnte. Anna hörte eine leise Melodie und es klang als würde der Stein vor ihr, singen. Wie in Trance streckte sie ihre Hand nach im aus und lächelte sanft.
Erik hatte den ganzen Tag über, nichts zu tun gehabt. Sein Vater musste für zwei Tage fort und in so kurzer Zeit, gab er seinem Sohn keine großen oder auch kleinen Aufgaben, die er bewältigen sollte. So hatte er Zeit für sich, die er mit seinen Freunden verbringen konnte. Doch vor allem wollte er mal wieder den Abend nutzen, um zu lesen. Der Name seines neuen Hundes, hatte ihn auf die Idee gebracht, mal wieder in den alten Fabelbüchern zu blättern und die Geschichten davon zu lesen. Er hatte Eliza gefragt, ob Anna denn Drachen mag und bekam eine prompte Antwort. „Und wie sie die mag. Alles was es nicht gibt, liebt sie.“ Eliza musste dabei aber selber lachen und schüttelte den Kopf.
Vielleicht konnte er ja mit Anna über ein paar Bücher reden. Und vielleicht half das ja, das sie nicht mehr vor ihm Reißaus nahm.
Immerhin war es ein Anfang, das sie zu ihm kam, um Eliza zu retten. Und schon dachte er wieder an diese Geschichte. Woher konnte Anna davon wissen? Erik wusste das es Magie gab, auch wenn er das niemandem je erzählen würde, solang er es nicht beweisen konnte. Doch hatte Anna solche Kräfte?! Der blondhaarige Junge musste unwillkürlich lachen und schüttelte den Kopf. Daran glaubte er nicht, doch es konnte ja alles passieren.
Er ging in die Bibliothek und lief die Gänge langsam ab. Bei einem Regal mit Märchen, Fantasieerzählungen und Zaubereien blieb er stehen und sah sich genauer um. Was könnte Anna wohl gefallen? Erik schüttelte den Kopf. Es musste doch auch noch ein paar Geschichten geben, die weniger kompliziert und dafür spannend geschrieben waren, und vor allem nicht gleich so dick. Schließlich wollte er sie ja auch verstehen. Noch etwas das er nie jemandem gestehen würde. Ewan hätte wieder etwas zum lachen und was die anderen denken würden, wollte er gar nicht wissen. Während er noch suchend durch die Regale lief, sah er das Licht am Ende des Ganges und war mehr als erstaunt, die geheime Tür offen zu sehen. Bis auf seinen Vater und ihm selbst, kannte niemand dieses Zimmer. Und den Raum zu öffnen, war auch nicht einfach. Im Gegenteil. Man brauchte einen bestimmten Schlüssel dafür.
Sekundenlang blieb er einfach stehen und starrte zu dem Lichtschein
Erik wurde fast wütend, denn diesen Platz zu betreten, tat niemand ohne Grund.
Der Junge blickte sich um und suchte nach dem bestmöglichsten Gegenstand, der als Waffe dienen konnte. Doch was sollte es in einem Raum voller Bücher noch geben?! Er nahm ein Schüreisen vom naheliegenden Kamin und ging leise hinein. Doch kaum hatte er das Eisen gehoben, sank seine Hand wieder nach unten. „Anna?“, fragte er nur laut und Anna drehte sich leicht erschrocken um. Sie hatte ein paar Pflanzenranken in der Hand und Blütenblätter lagen auf dem Boden. „Oh, oh“, antwortete Anna nur, sah kurz zu dem Kristall, nahm die Hände weg und trat einen Schritt zurück. „Ich hab nichts angefasst. Ich schwöre es.“
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