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Re: Trab und Pass im Training
walkingdreams - 05.11.2008, 20:26Trab und Pass im Training
Ich muss jetzt doch mal meine Gedanken niederschreiben. Eventuell kriegen wirs ja - im Zuge der momentanen Bitten um besseres Miteinander - hin, uns über Erfahrungen, Gedanken, Ansichten vernünftig auszutauschen.
Hier habe ich mit Interesse Rainers Bericht über ein "Ausbildungs-Experiment" mit einer jungen Stute gelesen.
Die Stute ist zur Grundausbildung bei einem Western-Trainer und wird dort - wie jedes andere Pferd auch - in Schritt, Trab, Galopp westernmäßig ausgebildet.
Rainers Erfahrungen zur 3-Gängigen Ausbildung und dem Walk sind Hier und hier nachzulesen.
Die Berichte sind sehr interessant - und sie regten mich schwer zum Nachdenken an. Daher möchte ich an einigen Stellen mal genauer einhaken und meine Gedanken dazu zur Diskussion stellen.
quote: What i want to say with this is: don´t be afraid about the trot. EVERY horse has it, and it is NATURAL to it. Especially for young horses, the trot is for balancing, stretching and building up muscels.
Grobe Übersetzung für alle die, die sich mit dem Englischen schwer tun:
"Rainer möchte allen sagen, keine Angst vor dem Trab zu haben, denn der Trab steckt in jedem Pferd und ist natürlich. Speziell bei jungen Pferden hilft der Trab, sich auszubalancieren und Muskeln zu dehnen und aufzubauen."
Mein erster Gedanke dazu: Er hat vollkommen Recht!
Vor allem für Pferde, die dazu neigen, sich anzuspannen oder zu verspannen, ist der Trab eine tolle Gangart, um Spannung aus dem Pferd zu kriegen und locker vowärts-abwärts zu arbeiten (immer vorausgesetzt natürlich, das Pferd bietet den Trab von sich aus an und muss nicht "hineingezwungen" werden).
Der zweite Gedanke war dann: Für einen Walker ist allerdings der Pass genauso natürlich wie der Trab.
Wie wir alle wissen, liegt der Walk genau in der Mitte zwischen Trab und Pass und ein TWH hat garantiert beides in natürlicher Form im Gangpotenzial, sonst wäre er nicht in der Lage, Walk zu gehen.
Warum also den Trab fördern und den Pass verteufeln?
Muss nicht in gleichem Maße an beiden Gängen gearbeitet werden, um eine gute, gesunde Mitte herauszuarbeiten?
Eins ist richtig, ein verspannter Walker wird immer eher passig sein und das ist auf Dauer ungesund. Das ist eine Gangart, die absolut zu meiden ist (allerdings wäre ein verspannter Trab genauso zu vermeiden).
Ich allerdings rede von "Arbeit" am und im Pass. Das sind für mich zwei völlig unterschiedliche Paar Stiefel.
Sowohl der geförderte Trab als auch der geförderte Pass haben ihren Sinn und Zweck und auch ihren Outcome.
Hierzu möchte ich andere Passagen aus Rainers Beitrag zitieren:
quote: The trot works out a long stride with the forehand, which Justy uses for the flatwalk now.
Übersetzung: "Der Trab arbeitet einen langen Stride mit der Vorhand heraus, den Justy jetzt für den Flatwalk nutzt"
Der Trab - vor allem wenn er locker, schwungvoll und frei vorwärts-abwärts trainiert wird - lockert ein Pferd über die komplette Hals-Rückenlinie und macht Schulter und Hals locker und frei, so dass die Vorhand frei und weit treten kann.
Ein weiterer Passus, der mir dazu ins Auge sprang war dieser hier:
quote: First the long fibred muscels have to be developed for the flatwalk and running walk. They have to push the hind and pull with the front legs. Muscel fibres for jumping (trot and canter) are short and very quick. Very difficult things. That´s why we pray to train a horse versatile to develope all kinds of muscels. Justy was very exhausted after some laps of flatwalk.
Übersetzung: "Für den Flatwalk und den Running Walk müssen zuerst die langfaserigen Muskeln entwickelt werden. Sie werden benötigt, um mit der Hinterhand zu schieben und mit der Vorhand zu ziehen. Die Muskelfasern zum springen (Trab und Galopp) sind kurz und sehr schnell. Deshalb predigen wir ständig, ein Pferd vielseitig zu trainieren, um alle Arten von Muskeln zu trainieren.
Justy war nach einigen Runden Flatwalk sehr erschöpft."
Hier stellt sich mir die Frage:
Hat man durch reines Schritt-Trab-Galopp Training zu wenig vielseitig trainiert und wichtige Muskelgruppen vernachlässigt?
Was hätte man tun können oder müssen, um die für den Walk benötigten Muskeln schon vorher zu trainieren?
Wenn doch der Trab die Vorhand "stretcht", tut dann der Pass das selbe mit der Hinterhand?
Wäre eventuell das die Lösung, um die Muskeln eines Pferdes schon vor dem Walk reiten auf die geforderte Belastung vorzubereiten?
In Amerika werden Walker über einen "extended pace" - also einen lockeren, weit ausgreifenden Pass in den Walk trainiert. Das Argument ist: es strecht die Muskeln, es bringt die Hinterhand dazu, weit zu treten, es gibt den Pferden die Kraft um mit der Hinterhand unterzutreten und zu schieben.
Damit wären dann genau die langfasrigen Muskeln trainiert, die man mit reinem Schritt-Trab-Galopp Training "vernachlässigt". Oder nicht?
Wäre es denn nicht sinnvoller, weder den Trab noch den Pass zu verteufeln, sondern beide kontrolliert in die Ausbildung mit einzubeziehen, um hinterher eine gesunde und reele Mitte zu haben?
Woher rührt diese Panik vor den beiden Gangarten - vor allem vor dem Pass? (von der ich mich garantiert auch nicht freisprechen will ;))
Oder anders ausgedrückt - Warum ist Pass per se zu verteufeln und Trab nicht?
Ich fände es schön, wenn dieser Beitrag nicht nur gelesen wird, sondern wenn wir eine vernünftige, vorurteilsfreie Diskussion daraus entstehen ließen.
Re: Trab und Pass im Training
cathleen - 05.11.2008, 23:34
Hallo Nicole , gute Anregung , bietet viel Platz für Gespräche : Hier nur einige vorläufige Gedanken. Ich habe mein früheres Pferd niemals auch nur einmal einen Schritt Trab laufen gesehen , auch im Freilauf , auf der Koppel nicht - niemals .Er konnte immer Flat-Walk gehen-klar mal besser oder auch schlechter. War er aber verspannt ging im Running - Walk gar nichts - da ging er dann den gefürchteten Schweinepass - oder Scheisspass , so habe ich das dann formuliert. Hätte er Trab angeboten hätte ich ihn auch gelassen. Gallop war auch kein grösseres Problem. Warum hätte ich also bei diesem Pferd im Schritt - Trab -Galopp arbeiten sollen ? Der Trab war ihm fremd. Er hätte ihn ja gar nicht gekonnt. Bei einem Pfer das den Trab allerdings zum lockerwerden anbietet ? Warum denn nicht ? Bei Pferden die den Trab nicht anbieten können oder sollen gibt es doch genügend andere Möglichkeiten um sie locker zu machen. Jedes Pferd das was es kann, oder braucht. Ich möchte weder den Trab noch den Pass verteufeln. Einer der nicht Pass gehen kann wird ja auch nicht gezwungen diese Gangart schlecht zu lernen, also gilt das für den Nichtkönner im Trab auch. Sollte es meiner Meinung jedenfalls. Also das sollte nur ein kleiner Beitrag fürs Erste sein Cathleen
Re: Trab und Pass im Training
walkingdreams - 06.11.2008, 09:01
Hallo Cathleen, genau das meinte ich, als ich sagte, dass das Pferd den Trab von sich aus anbieten muss und nicht hineingezwungen werden darf.
Ich hab sämtliche Extreme im Stall stehen.
Jimmy ist durch nichts in der Welt dazu zu bewegen, Trab zu gehen. Er bricht sich lieber die Beine oder holt sich blaue Flecken an den Hufen, wenn man ihn über Trabstangen schickt. Er hat noch niemals in seinem Leben auch nur einen Trabschritt unter dem Sattel gezeigt und im Freilauf sieht er totunglücklich aus, wenn er mal zufällig den Trab findet.
Warum also sollte ich ihn in den Trab quälen?
Er neigt aber auch nicht wirklich zum Pass. Auch eine Förderung des Passes wäre bei ihm der falsche Weg.
Seine Arbeitsgangart ist der Schritt und der Galopp. Das ist so, damit muss man arbeiten.
Champus hingegen bietet Trab und Pass gleichermaßen an. Es ist ein Leichtes, ihn im Pass zu arbeiten.
Und mit Hilfe einer vorgelegten Stange trabt er.
Er ist der Kandidat, bei dem man beide Gangarten ins Training einfliessen lassen könnte.
Ich selbst (so ich denn mal wieder draufsitzen oder gar arbeiten kann :roll: ) arbeite eher im Trab.
Das hat mehrere Gründe:
- zuerst ist mir Trab-Arbeit als "normaler Deutscher Reiter" einfach am geläufigsten
- das Pferd entspannt im Trab, lässt den Hals fallen und geht gut vorwärts-abwärts
- der von ihm automatisch angebotene Pass ist für ihn eine Anspannungs-Gangart, daher versuche ich das eher auszumerzen als zu fördern
- er tut sich Galopp-technisch sehr schwer und aus dem Trab springt er zu 100% ruhig und richtig an (aus allen anderen Gangarten kommt er in Hektik und verwechselt die Beine) daher gehört der Trab bei diesem Pferd für mich zur Galopp-Arbeit.
Und dann haben wir da noch Playboy... Seines Zeichens Anfangs notorischer Gangwechsler. Kurz nach dem Kauf konnte das Pferd nichts mehr anderes als Pass, wechselte alle paar Meter Takt und Tempo, so dass er sich durch sämtliche bekannten Gangarten "watschelte". Krass gesagt: Ein Pferd - 10 Meter - 15 Gangarten ;).
Er war allerdings schon immer ein Pferd, dass über Trabstangen in den Trab umschaltete.
Durch jahrelanges Gangtraining hat sich seine persönliche Gangpräferenz völlig umgekehrt - wenn man ihn ließe würde er viel und gerne traben. Bei ihm müsste man nur ein Kommando für den Trab "installieren" und hätte ein Schritt - Trab - Walk - Galopp Pferd.... (naja... der Galopp ist bei ihm nicht ganz so doll ausgeprägt - er tut sich auch nach jahrelangem Training einfach verdammt schwer, keinen Knoten in die Beine zu machen :roll: )
Bei ihm hätte ich wohl eher Angst, dass er bei zu viel Trab anfängt, den Trab als seine bevorzugte schnellere Gangart zu installieren.
Pass wird man bei ihm aber (mittlerweile) vergeblich suchen. Ist auch nicht notwendig, denn sein Gangpotenzial (Walk-technisch) ist gewaltig.
Das sind drei verschiedene Pferde mit völlig unterschiedlichen Veranlagungen bei denen man völlig unterschiedlich an das Gangtraining rangehen kann und auch sollte.
Ich bin der Meinung GERADE beim Gangpferd ist Schema F das falscheste, das man tun kann. Hier muss man mit dem arbeiten, was das Pferd einem bietet.
Champus wäre das perfekte "Testpferd" um ein Training mittels beider "außen liegender Gangarten" zu versuchen.
Um daraus aber wirklich einen Test zu machen, hab ich wahrscheinlich schon zu viel an dem Pferd selbst verbockt... :oops:
Allerdings WURDE das Pferd schon über den Pass trainiert (nicht von mir, ich hab dazu nicht genügend Ahnung dazu - und auch nicht übermäßig viel, denn er hatte schon nen netten Flatwalk "installiert") und zeigte nach diesem Training einen akzentuierten dynamischen Walk, der fast schon ein Running Walk war (ein bisschen Kraft hatte noch gefehlt).
Wer weiß - eventuell nehme ich die "Testreihe" im Frühjahr tatsächlich auf...
Re: Trab und Pass im Training
Rouge - 06.11.2008, 11:44
Hi,
interessante Gedanken, vor allem weil ich nächstes Jahr meine Junge von meinem Fahrtrainer ganz normal im Schritt und Trab einfahren lassen will.
Der Trab ist eine Gangart mit der ich ein Pferd richtig locker kriegen kann und mit der ich vor allem Bauch- und Rückenmuskulatur aufbauen kann. Selbstverständlich bekomme ich ein Pferd auch im Trab im Hinterbein lang. Allerdings wird dies ein auch noch so guter Westernausbilder kaum schaffen, da er es einfach nie gelernt hat - es sei denn, er kam mal aus der Dressurreiterei. Dazu muss ich dann schon zu einem Dressurausbilder gehen. Dabei habe ich dann allerdings das Problem, dass er mir das Pferd nicht nur lang sondern auch elektrisch im Hinterbein macht. Letzteres will ich beim Walker natürlich wieder nicht! Nachdem meine Fahrponys (die nicht geritten werden) mit fortschreitender Ausbildung im Hinterbein länger werden ohne allzu elektrisch zu sein, sind vielleicht Longieren und Fahren im Trab ein Mittel zur Gymnastizierung - vorausgesetzt das Pferd bietet den Gang an.
Welche Vorteile, außer dem langen Hinterbein, der Pass bringt, weiß ich nicht.
Ich persönlich habe eine sehr passige Stute, die auf der Weide keinen Trab zeigt und an der Longe nur mit Hilfe von Stangen zum Traben zu bringen ist. Also fürchte ich den Pass wie der Teufel das Weihwasser. Die Junge trabt und zeigt keinerlei Passtendenz.
Bei Trab und Pass vermute ich, dass manche/viele? Walker statt im Walk schneller zu werden, vielleicht in den weniger anstrengenden Gang springen werden, sofern sie keine 100%-Naturwalker sind. Auch unter dem Sattel, wenn ich die Gänge unter dem Sattel erlaube/erlaubt habe.
Den Schwede-Weg halte ich persönlich für eine sehr gute Alternative wenn kein Ausbilder zur Verfügung steht, der Grundausbildung und Gang ausbilden kann. Die Pferde werden von einem Profi angeritten und auch weiter ausgebildet und korrigiert. Damit erhalten sie eine fundierte Grundausbildung unter dem Sattel. Das ist für einen Reiter, der mit seinem Pferd auch etwas außerhalb der reinen Gangprüfungen reiten möchte unbezahlbar. Die reinen Gangspezialisten unter den Pferden dürfte es bisher in Deutschland nur sehr vereinzelt geben, da deren Einsatzmöglichkeit bei der momentanen Turnierszene eingeschränkt ist.
Gruß
SP
Re: Trab und Pass im Training
walkingdreams - 06.11.2008, 12:43
Hallo Rouge,
schön, dass Du hergefunden hast :wink:
Ich freue mich, dass sich doch ein bisschen Beteiligung an dem Thema findet.
Eine Frage:
quote: Ich persönlich habe eine sehr passige Stute, die auf der Weide keinen Trab zeigt und an der Longe nur mit Hilfe von Stangen zum Traben zu bringen ist. Also fürchte ich den Pass wie der Teufel das Weihwasser.
Kannst Du diese Angst näher erläutern? Woher? Wieso? Weshalb?
Ich habe auch eine gewisse Angst vor dem Pass. Vor allem eben vor dem verspannten, "gewatschelten" Schweinepass. Ich denke, wir sind uns alle einig, dass eben dieser Gang schädlich für jedes Pferd ist.
Allerdings muss ich sagen, ich habe noch viel mehr Angst vor einem zu stark verankerten Trab.
Den Pass in einem Pferd brechen - dazu gibt es 100 Möglichkeiten.
Ich kenne aber keine einzige, den Trab in einem Pferd zu brechen.
quote: Selbstverständlich bekomme ich ein Pferd auch im Trab im Hinterbein lang. Allerdings wird dies ein auch noch so guter Westernausbilder kaum schaffen, da er es einfach nie gelernt hat - es sei denn, er kam mal aus der Dressurreiterei. Dazu muss ich dann schon zu einem Dressurausbilder gehen. Dabei habe ich dann allerdings das Problem, dass er mir das Pferd nicht nur lang sondern auch elektrisch im Hinterbein macht.
Ich hab zwar noch nicht so ganz begriffen, was Du mit "elektrisch" im Hinterbein meinst aber das tut auch nichts zur Sache.
Denkst Du denn, dass der "durchschnittliche" Walker-Reiter in der Lage ist, durch Trab die Hinterhand zu strecken?
Ich zum Beispiel wüßte ohne Hilfe eines guten Trainers nicht wie.
quote: Welche Vorteile, außer dem langen Hinterbein, der Pass bringt, weiß ich nicht.
Ich denke, der Pass bringt Stride ins Hinterbein sowie die nötige Kraft zu schieben.
Zudem kann ich aus Erfahrung sagen - auch im Pass kann ein Pferd den Hals fallen lassen.... :roll: Meiner zumindest bringt das hin :wink: Bei ihm sieht man zuweilen kaum nen Unterschied zwischen Trab und Pass, wenn man nicht ganz genau auf die Beine schaut.... :roll:
Re: Trab und Pass im Training
Rainer - 06.11.2008, 18:48
Hallo zusammen,
nachdem meine Posts (bzw. Teile davon) den Sprung in ein anderes Forum geschafft haben (worüber ich mich natürlich freue), möchte ich mich natürlich auch weiter daran beteiligen, damit die Idee dahinter und die Methode nicht in der Diskussion verloren gehen. Vorneweg: weil Nicole das „aufeinander zu bewegen“ erwähnt hat, möchte ich hier noch mal feststellen, dass ich die doch sehr unterschiedlichen Ansichten nie persönlich gesehen habe. Daher habe ich auch kein Problem, mich hier anzumelden und in der Sache weiter zu diskutieren. Ich denke mal, gerade dieses Thema könnte ein gemeinsamer Nenner werden.
Ich habe dieses Thema deswegen angestoßen, weil wir das Glück haben, nur 20 Kilometer von Bernd Hackls Trainingsstall entfernt zu sein. Bernd Hackl ist in der Branche (Westerntrainer) anerkannt unter den Top 10 und bekannt für seine große Erfahrung im Anreiten und Ausbilden von jungen Pferden (er dürfte inzwischen über 1000 Pferde ausgebildet haben). Zudem wird er für sein Horsemanship sehr geschätzt.
Seine Ausbildungsmethoden orientieren sich an der klassischen Reitlehre, die nach einer mehrstufigen Ausbildungsskala die „Durchlässigkeit“ des Pferdes zum Ziel hat. Nach Bernd Hackl unterscheiden sich die englische Reitweise und die Westernreitweise überwiegend nur durch die Art des Reitens: Die englische ist eine dominierende Reitweise, bei der das Pferd ständig an den Hilfen steht (auch treibend), während die Western Reitweise eine korrigierende Reitweise ist, bei der der Reiter nur mit Hilfen eingreift, wenn das Pferd etwas nicht richtig macht oder wenn es eine andere Aufgabe gestellt bekommt (langsamer, schneller, rechts, links etc.). Die Skala der Ausbildung eines Pferdes ist dabei völlig gleich. Insofern kann ich Frau Paffrath in diesem Punkt nicht recht geben, dass Westernreiter keine Trab-Kompetenzen haben. Das mag vor einigen Jahren der Fall gewesen sein (kann man auch nicht verallgemeinern), heute orientieren sich Western-Spitzentrainer ebenfalls an der klassischen Ausbildungsskala. Die überwiegende Gangart im Training ist der Trab. Nur im Trab ist ein junges Pferd in der Lage, zum Beispiel kleine Volten sicher und sauber zu gehen. Im Walk und Galopp schwieriger, im Pass unmöglich.
Nehmen wir diese Ausbildungsskala doch einmal als Grundlage für die Ausbildung und das Training von Pferden. Dabei wird traditionell nicht nach Rassen unterschieden. Pferd ist Pferd. Auch Pasos und Isländer werden nach dieser Skala trainiert (natürlich auch nicht alle...)
Die Skala der Ausbildung umfasst.
1. Takt
2. Anlehnung
3. Losgelassenheit
4. Schwung
5. Geraderichten
6. Versammlung
Ziel ist die Durchlässigkeit des Pferdes.
Die Reihenfolge ist wichtig, da die 2. Stufe ohne die erste und die 3. Stufe ohne die zweite nicht zu erreichen sind.
Über die Methoden (Doppellonge, unter dem Sattel, etc, wird Bernd Hackl in den nächsten Ausgaben des ETWHA-Journals schreiben. Daher hier nur einige theoretische Grundgedanken dazu. Sehen wir uns doch einmal an, welche Gangart (Trab oder Pass) allen Punkten dieser Skala entspricht:
1. Takt: Sowohl Trab (2-Takt, diagonal) als auch Pass (2-Takt, lateral) können taktrein sein, jedoch erweist sich der Pass in der Praxis oft als „Stepping Pace“, also taktverzögerte Gangart.
2. Anlehnung: Eine vertrauensvolle Verbindung zum Pferdemaul setzt eine weiche Hand des Reiters voraus. Junge Pferde werden erst mit dem Knotenhalfter angeritten, dann kommt eine Wassertrense (Snaffle Bit) zum Einsatz. Niemals eine Kandare. Pferde, die korrekt auf Kandare geritten werden, müssen die letzte Ausbildungsstufe, die Versammlung, beherrschen.
3. Losgelassenheit: Das Pferd entwickelt den Schwung aus der Hinterhand. Dabei muß es energisch abfußen und in der Schwebephase mit seinen Gliedmaßen gut nach vorne durchschwingen. Dabei muss das Pferd losgelassen und mit schwingendem Rücken und einer weichen, korrekten Anlehnung gehen. Der Trab erlaubt eine lockere Vorwärts-Abwärts-Reitweise, einen schwingenden Rücken und damit eine größtmögliche Dehnung und Lockerung. Beim Pass ist in den allermeisten Fällen keine Vorwärts-Abwärts-Reitweise möglich. Beim Pass ist zwar ein Schwebephase vorhanden, erfordert immer eine körperliche Verspannung, da durch die laterale Gangart das Gewicht beim Auf- und Abfußen nie unter der Körpermitte liegt. Das Pferd muß kompensieren und balancieren – zusätzlich zum Eigengewicht auch den Reiter. Das Pferd ist weder locker, noch schwingt der Rücken. Versucht doch mal einen Kasten Bier auf einem Bein hüpfend zu balancieren. Dem Pferd geht es im Pass ähnlich, da jeweils entweder die beiden linken Beine oder die rechten gleichzeitig auffußen. Dabei werden Kopf und Hals beim Balancieren zur Hilfe genommen, wodurch eine lockere Versammlung nicht möglich ist (Kein Spaß: Kamele balancieren mit ihrem langen Hals im Pass den Körper aus).
4. Schwung: Sowohl der Trab als auch der Pass können mit Schwung geritten werden. Beim Pass ist dabei jedoch kaum Biegung und Stellung möglich.
5. Geraderichten: Vorderbeine und Hinterbeine müssen sich auf dem Hufschlag befinden. Da in der Praxis fast jedes Pferd (vor allem junge Pferde) von Natur aus schief sind, erfolgt das Geraderichten auf gebogenen Linien und Zirkeln durch Biegen und Stellen. Dies ist im Pass auch nur schwer möglich.
6. Versammlung: Die Versammlung steht am Ende der Ausbildung. Bei der Versammlung übernehmen die Hinterbeine vermehrt die Lasten und treten weit unter den Schwerpunkt. Dadurch wird die Vorderhand freier. Eine korrekte Versammlung ist nur im Trab (natürlich auch im Galopp, aber wir vergleichen ja nur Trab und Pass) möglich, wenn das Pferd ausbalanciert ist. Durch die Verspannung und die Notwendigkeit, mit Kopf und Hals das Gleichgewicht auszubalancieren, ist im Pass keine echte Versammlung möglich (Selbstversammlung). Was wir daher öfter sehen ist, dass Pferde mit Hilfe von Walker-Kandaren unter Spannung geritten werden (meist gegen das Gebiss). Echte Versammlung muss das Pferd lernen und selbst anbieten.
Jeder der Tennessee Walker über Jahre besitzt und reitet kennt die Problematik mit dem Gang. Pass war und ist ständig unser Begleiter. Wir müssen mit ihm leben wie mit einer Warze am Po. Die Frage, die wir uns gestellt haben ist: wo liegt die Ursache, warum wird er einmal dominant und einmal nicht, was machen wir verkehrt und wie kriegen wir ihn wieder los?
Wenn ich mal meine drei Jährlinge anschaue, wenn sie im Reitplatz oder auf der Wiese toben, fällt mir auf, dass Galopp und Trab die Lieblingsgangarten sind. Wenn sie mir zum Füttern nachrennen ist es meist der Walk, den sie laufen. Pass sehe ich ganz selten mal ein paar Schritte, wenn sie sich beim Toben fast über den Haufen rennen und beim Abbremsen ein paar Schritte Kuddelmuddel laufen. Auch Justy, unser Kanada-Import vom letzten November, lief von Anfang an – auch an der Longe – keinen Schritt Pass. Sie war noch nicht angeritten, aber schon 4 Jahre alt. Ihre Kollegin, die wir zusammen mit ihr rüberholten hatte in den USA bereits „professional training“ und machte uns immens viel Arbeit, sie bei schnellerer Gangart aus dem Pass (Motto: nix wie weg!) rauszuholen. Wenn ich im Sattel saß, war ihr Kopf höher als meiner! Ich habe auch keine Scheu, offen darüber zu reden. Das Pferd kann ja nichts dafür. Sie hat einen irrsinnigen Walk, aber wenn´s schneller geht, rennt (besser: rannte) sie einen völlig verspannten Pass. Für uns und auch für unsere Trainer sah es nach antrainiertem Verhaltensmuster aus. Ein solches antrainiertes Verhaltensmuster nutzt auch Bernd Hackl durch den verstärkten Trab. Wenn ein Pferd einmal nicht mehr so gut funktioniert (also verritten wird...), kann man ein solches Muster nutzen, um es auf einen ihm bekannten Grundzustand zurückzubringen (beim Computer: Reset-Taste!). Beim Pass ist das etwas problematischer, weil diese Gangart beim Walker ja eigentlich keiner will und sie durch so eine Prägung immer vorhanden sein wird.
Beim Trab hat sich dies als unproblematisch erwiesen, weil es das Pferd schnell gemerkt hat, dass der Walk bequemer ist (wenn wir traben, dann nur der verstärkte Trab. Das Pferd empfindet den Walk dann als sehr angenehm).
Gehen wir mal davon aus, dass der Pass genetisch mehr oder weniger stark in den Pferden verankert ist. Wenn die meisten jungen Pferde auf der Weide überwiegend traben oder galoppieren, tritt der Pass möglicherweise erst später richtig zum Vorschein. Das heißt, entweder weil das Pferd viel zu früh angeritten wird (möglicherweise noch viel Gewicht tragen muss) und sich dabei noch nicht balancieren kann, oder weil der Pass bewußt verstärkt gefördert wird, um ihn danach durch bestimmte (100?) Techniken zum Walk umzuwandeln. In beiden Fällen wird das Pferd entsprechend dazu veranlasst, diesen Gang zu entwickeln und behält ihn dann natürlich auch. Läßt es der Reiter dann zu, dass sich das Pferd für eine Gangart seiner Wahl entscheidet, kann der Pass auch permanent werden. Eine andere Möglichkeit ist natürlich noch der Reiter, der aus Unkenntnis über die Gänge ein Pferd entsprechend reitet, ohne zu wissen dass er den Pass favorisiert.
Ich war vor einigen Jahren in Tennessee, der Wiege der TWHs und habe dort sowohl die großen Trainings- und Zuchtställe sowie auch kleinere Züchter besucht. Die einen (Waterfall Farms, Harlinsdale, Glen Oaks Farm) sind reine Showställe. Dort käme nie jemand auf die Idee, ein Pferd klassisch auszubilden und zu trainieren. Die kleineren Züchter (bis auf wenige Ausnahmen, die ich gesehen habe), verfügen über Equipment (Sättel, Zaumzeug, Gebisse etc.) was überwiegend den jungen Pferden nicht passt, also drückt und scheuert. Die Pferde werden dann mit zwei Jahren eingeritten (amerik. Begriff: to break a Horse). Da heißt aber meistens nur, dass sie den Sattel gewohnt sind und geradeaus gehen können. Viele Pferde werden sehr jung verkauft. Da bleibt keine Zeit für viel Training. Einen Walker gibt´s in den USA schon für unter 1.000 Dollar. Für diesen Preis erwartet niemand wirklich eine gute Ausbildung. Nur zum Vergleich: Justy´s Ausbildung hat über 2.000 Euro gekostet. Dann gibt es natürlich noch Verkaufsställe, die junge Pferde von den umliegenden Züchtern ankaufen (weit unter 1.000 Dollar) und sie nach der üblichen Methode innerhalb kürzester Zeit anreiten um sie dann in die ganze Welt weiterverkaufen. Ich habe in der letzten ETWHA-Zeitschrift mal vom „Saddlegait“ gesprochen. Das heißt: Alles, nur nicht Trab! Wir Deutschen nehmen es schon sehr genau mit dem Gang (wie mit den Autos auch...). In den USA regt sich halt über ein bisschen Pass keiner auf. Die Standardmethode kann auch in einem Artikel von Allana Jackson unter http://www.naturalwalkinghorses.eu/forum/viewtopic.php?f=45&t=402#p1742 nachgelesen werden.
Die Idee, die wir verfolgten war, dass ein junges Pferd von vorneherein auf den Pass verzichten kann, wenn es die Möglichkeit hat, sich gleich auszubalancieren, Muskulatur zu entwickeln, Takt, Schwung und Versammlung zu erlangen, bevor an den Gängen überhaupt gearbeitet wird. Bernd Hackl merkte in den 3 Monaten Training sehr wohl, dass ein Tennessee Walker durch die 1-2 Gänge mehr einfach länger braucht, um seine Beine zu koordinieren und damit auch die Gänge klar zu unterscheiden. Darum hat die Ausbildung auch einen Monat länger gedauert als z.B. bei einem Quarter Horse. Und obwohl Justy den Trab so gut sie kann vermeiden möchte und lieber im Walk über sich hinauswächst, werden wir den Trab unter dem Sattel immer von ihr verlangen. Sei es nur zum Lockern und Dehnen oder wie gesagt als Reset-Taste, wenn sich das Gangwerk mal verhaspeln sollte.
Das heißt jetzt nicht, dass dies der Stein der Weisen sein muss. Wir haben ein Experiment gemacht, und es hat besser geklappt als wir erwartet hatten. Wir werden es nächstes Jahr mit anderen Pferden wiederholen und hoffentlich bestätigen. Bernd wird auch eine Methode suchen, ein im Pass trainiertes Pferde zurückzuarbeiten. Dies wird wahrscheinlich die aufwändigere Version werden.
Re: Trab und Pass im Training
Rouge - 07.11.2008, 12:14
Hi,
danke für die ausführliche Beschreibung. Ich werde einen neuen Thread mit dem Thema
Roher Walker - was nun? eröffnen, der vielleicht zu einer regen Diskussion anregt. Mit liegt dieses Thema am Herzen, weil ich nächstes Jahr selber in der Situation bin. Viel Spaß beim Lesen und kommentieren.
Gruß
SP
Re: Trab und Pass im Training
cathleen - 07.11.2008, 23:22
Hallo Rainer , ist sehr interessant was Du schreibst . Auch wie ihr jetzt weitermachen werdet auf Euere Situation bezogen.Schön wenn wir uns da austauschen können. Du schreibst das wir alle vom Pass begleitet werden oder können. Das ist so.Bei mir war es etwas anders wie Du das so beschrieben hast,aber egal es hat mir zeitweise Probleme gemacht.Bei meinem Youngster, der wohl auch wieder keinen Trab zu gehen scheint scheint es keine Schweinepassprobleme im Moment zu geben bzw.gibt es keine. Er scheint den Walk nicht nur zu neunzig Prozent sondern zu 100 zu lieben. Hoffentlich bleibt es so, und ich werde lernen alles richtig zu machen. Deshalb kann er auch sehr gut im Walk ausgebildet werden . Viel Glück und Erfolg Cathleen
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