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Alle Beiträge und Antworten zu "Gedichte"
Re: Gedichte
Shana - 08.04.2006, 20:24Gedichte
Hier könnt ihr eure Gedichte posten. Ob Schiller oder ein Muttertagsgedicht. Ganz egal...
Re: Gedichte
Shana - 12.04.2006, 11:47
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«
So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«
So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.
Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«
So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Theodor Fontane
Musste ich in der Schule lernen :ups:
Re: Gedichte
Rabe - 12.04.2006, 12:10
Ich auch! :mecker:
Re: Gedichte
Rabe - 12.04.2006, 15:45
So, damit der Frühling sich jetzt mal ein bißchen beeilt:
Frühlingsfreude
von Annegret Kronenberg
Freue dich,
es kann nicht mehr lange dauern!
Die ersten Frühblüher haben schon
die Scholle durchbrochen.
Tauben beginnen zu turteln,
und ich singe mit den Staren
um die Wette Frühlingslieder.
Der Winter hält sich die Ohren zu
und trollt sich grollend davon.
Re: Gedichte
Lord Helmchen - 15.04.2006, 09:58
Das Leben beginnt auf alle Fälle.
In einer Zelle.
Und endet auch in einer solchen.
Bei Strolchen! :grins:
Re: Gedichte
Rabe - 15.04.2006, 16:32
:lach:
Re: Gedichte
Posti - 15.04.2006, 19:21
Arglos und harmlos,
glücklich ich bin.
Hör ich das Böse,
denk ich nicht hin
Friederike Kempner
Re: Gedichte
Shana - 17.04.2006, 10:55
Das Osterei
Hei, juchei! Kommt herbei!
Suchen wir das Osterei!
Immerfort, hier und dort
und an jedem Ort!
Ist es noch so gut versteckt.
Endlich wird es doch entdeckt.
Hier ein Ei! Dort ein Ei!
Bald sinds zwei und drei.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Re: Gedichte
Rabe - 18.04.2006, 23:13
Für euch, ihr Lieben! :tanz:
Freunde
Kostbar sind sie, diese Perlen
helfen dir durch schwere Zeit.
Stehen hilfreich dir zur Seite,
spenden Kraft und kein Mitleid.
Manchmal sind sie kaum zu sehen,
halten leise sich zurück.
Wenn der Speer dann auf dein Herz zielt,
sind sie da im Augenblick.
Sie sind immer in der Nähe,
tief in deinem Herzen drin.
Sind ganz eng mit dir verbunden
gucken nicht auf den Gewinn.
Brauchen manchmal selber Kraft
und sie wissen mit Gewissheit.
Das sie auf dich zählen können,
ist der Weg auch noch so weit.
Re: Gedichte
Cassa Dar - 22.04.2006, 18:32
Conrad Ferdinand Meyer
König Etzels Schwert
Der Kaiser spricht zu Ritter Hug:
"Du hast für mich dein Schwert verspellt,
Des Eisens ist bei mir genug,
Geh, wähl dir eins, das dir gefällt!"
Hug schreitet durch den Waffensaal,
Wo stets der graue Schaffner sitzt.
"Der Kaiser gibt mir freie Wahl
Aus allem, was da hangt und blitzt!"
Er prüft und wägt. Von ihrem Ort
Langt er die Schwerter mannigfalt -
"Sprich, wessen ist das große dort,
Gewaltig, heidnisch, ungestalt?"
"Des Würgers Etzel!" flüstert scheu
Der Graue, der es hält in Hut.
"Des Hunnenkönigs! Meiner Treu,
So lechzt und dürstet es nach Blut!"
"Laß ruhn. Es hat genug gewürgt!
Die tote Wut erwecke nicht!"
"Gib her! Dem ist der Sieg verbürgt,
Der mit dem Schwert des Hunnen ficht!"
Und wieder sprengt er in den Kampf.
"Du hast dich lange nicht geletzt,
Schwert Etzels, an des Blutes Dampf!
Drum freue dich und trinke jetzt!"
Er schwingt es weit, er mäht und mäht
Und Etzels Schwert, es schwelgt und trinkt,
Bis müd die Sonne niedergeht
Und hinter rote Wolken sinkt.
Als längst er schon im Mondlicht braust,
Wird ihm der Arm vom Schlagen matt.
Er frägt das Schwert in seiner Faust:
"Schwert Etzels, bist noch nicht du satt?
Laß ab! Heut ist genug getan!"
Doch weh, es weiß von keiner Rast,
Es hebt ein neues Morden an
Und trifft und frißt, was es erfaßt.
"Laß ab!" Es zuckt in grauser Lust,
Der Ritter stürzt mit seinem Pferd
Und jubelnd sticht ihn durch die Brust
Des Hunnen unersättlich Schwert.
Re: Gedichte
Anke - 23.04.2006, 15:38
Grau und trüb und immer trüber
Kommt das Wetter angezogen,
Blitz und Donner sind vorüber,
Euch erquickt ein Regenbogen.
Frohe Zeichen zu gewahren
Wird der Erdkreis nimmer müde;
Schon seit vielen tausend Jahren
Spricht der Himmelsbogen: Friede!
Aus des Regens düstrer Trübe
Glänzt das Bild, das immer neue;
In den Tränen zarter Liebe
Spiegelt sich der Engel – Treue
Wilde Stürme, Kriegeswogen
Rasten über Hain und Dach;
Ewig doch und allgemach
Stellt sich her der bunte Bogen.
Johann Wolfgang von Goethe
Re: Gedichte
Posti - 27.04.2006, 23:08
Kaum auf diese Welt du kamst,
zur Schule gingst, den gatten nahmst,
dir Kinder, Geld und Gut erwarbst,
schon liegst du drunten, weil du starbst.
Drum leb solang sichs leben läßt,
bevor das Leben dich verläßt.
Denn hinderlich wie überall,
ist meist der eigne Todesfall.
geschrieben von mir. erdacht von - habs vergessen
Re: Gedichte
Rabe - 03.05.2006, 15:19
Das gedicht hat mich so an meinen Lieblingsbaum bei uns im Wald erinnert! :wirr: Er steht ganz alleine zwischen vielen kleineren und ist soo schön und hat so viel Platz für mich in seiner Krone! Hach, gut, dass der Sommer kommt! Da kann ich ihn wieder besuchen! zwinker:
Der letzte Baum
So wie die Sonne untergeht,
Gibt's einen letzten Baum,
Der, wie in Morgenflammen, steht
Am fernsten Himmelssaum.
Es ist ein Baum und weiter nichts
Doch denkt man in der Nacht
Des letzten wunderbaren Lichts,
So wird auch sein gedacht.
Auf gleiche Weise denk ich dein,
Nun mich die Jugend läßt,
Du hältst mir ihren letzten Schein
Für alle Zeiten fest.
Christian Friedrich Hebbel
Und noch eins für und über ihn:
Wie deine grüngoldnen Augen funkeln,
Wald, du moosiger Träumer!
Wie deine Gedanken dunkeln,
Einsiedel, schwer von Leben,
Saftseufzender Tagesversäumer!
Über der Wipfel Hin- und Wiederschweben
Wies Atem holt und voller wogt und braust
Und weiter zieht
und stille wird
und saust.
Über der Wipfel Hin- und Wiederschweben
Hoch droben steht ein ernster Ton,
Dem lauschten tausend Jahre schon
Und werden tausend Jahre lauschen
Und immer dieses starke, donnerdunkle Rauschen
Peter Hille
Re: Gedichte
Posti - 06.07.2006, 23:10
Schillers Glocke. Die kürzeste, bekannte Form.
Loch gebuddelt
Bronze rin.
Hochgeduddelt
Bim Bim Bim
Re: Gedichte
Cassa Dar - 07.07.2006, 19:58
Gebt Raum, ihr Völker, unsrem Schritt,
Wir sind die letzten Goten.
Wir tragen keine Schätze mit,
Wir tragen einen Toten.
Mit Schild an Schild und Speer an Speer,
Ziehn wir nach Nordlands Gründen,
Bis wir im fernen grauen Meer,
Die Insel Thule finden.
Das soll der Treue Insel sein,
Dort gilt noch Eid und Ehre,
Dort senken wir den König ein,
Im Sarg der Eschenspeere.
Wir kommen her, gebt Raum dem Schritt
Aus Roms falschen Toren.
Wir tragen nur den König mit,
Die Krone ging verloren.
Felix Dahn
Re: Gedichte
Posti - 13.07.2006, 16:14
Ein Naßhorn und ein Trockenhorn
spazierten durch die Wüste,
da stolperte das Trockenhorn,
unds Naßhorn sagte: "Siehste"
Heinz Erhardt
Re: Gedichte
Posti - 23.07.2006, 13:38
Wenngleich die Nas, ob spitz, ob platt,
zwei Flügel - Nasenflügel - hat,
so hält sie doch nicht viel vom Fliegen;
das Laufen scheint ihr mehr zu liegen.
Heinz Erhardt
Re: Gedichte
Rabe - 23.07.2006, 13:40
:grins:
Re: Gedichte
Posti - 23.07.2006, 14:13
Wenn die Opern dich umbrausen
mit Getön,
dann genieße auch die Pausen:
sie sind schön.
H.Erhardt
Re: Gedichte
Posti - 24.07.2006, 20:32
Und noch'n Gedicht.
Ich kann's bis heute nicht verwinden,
deshalb erzähl ich's auch nicht gern:
den Stein der Weisen wollt ich finden
und fand nicht mal des Pudels Kern.
Re: Gedichte
Rabe - 30.07.2006, 11:14Joseph von Eichendorff- Mondnacht
Es war als hätt' der Himmel
die Erde still geküsst
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst.
Der Wind ging durch die Felder
die Ähren wogten sacht
es rauschten leis' die Wälder
so sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus
flog durch die stillen Lande
als flöge sie nach Haus'.
Re: Gedichte
Catty - 02.08.2006, 01:11
Dieses uralte Gedicht fasziniert mich sehr, vllt. gefällts euch ja auch.
Am Totenmaar
Bernd Schlimpen, Schalkenmehren
Stille, Ehrfurcht — ein bescheidener Ort,
immer und heute ein Zufluchtshort,
von Geheimnissen und Sagen umwoben,
das Kirchlein in windiger Höhe dort oben.
Hörst Du die Glocken? Den edlen, wertvollen Klang?
Siehst Du und spürst Du den rundum schützenden Hang?
Die Glocken, sie zeugen von einst und künden von morgen,
der Hang umspannt Deine einsamen Sorgen.
Fühlst Du in Deinem tiefsten Innern,
wie Dein ganzer menschlicher Stolz langsam zerrinnt,
läßt Dich erschaudern ein kaltherber Wind?
Schaust Du voll Ehrfurcht die Unergründlichkeit
dieses Geheimnisses aus uralter Zeit.
Und spricht dieser Wind seine Sprache dort oben,
gibt seine Zeichen in dunklen Maareswogen,
erzählt seine Geschichte auf seine bewegte Weise,
denk an des Menschen Vergänglichkeit,
sei ehrfurchtsvoll leise!
Oftmals dunkel und grau, oft freundlich und hell,
wie die Launen des Schicksals, oft schmerzlich und schnell,
so offenbart sich »Weinfeld« als Zufluchtsort,
darum suche Dein eigenes Ich nochmals dort.
Re: Gedichte
Rabe - 02.08.2006, 16:47
Oh ja, das gefällt mir gut!
Re: Gedichte
Posti - 03.08.2006, 15:33
Fussball
Vierundvierzig Beine rasen
durch die Gegend ohne Ziel,
und weil sie so rasen müssen,
nennt man das ein Rasenspiel.
Rechts und links stehn zwei Gestelle,
je ein Spieler steht davor.
Hält den Ball er, ist ein Held er,
hält er nicht, schreit man: "Du Toooor!"
Fußball spielt man meistens immer
mit der unteren Figur.
Mit dem Kopf, obwohl's erlaubt ist,
spielt man ihn ganz selten nur
wieder eins von Heinz
Re: Gedichte
Posti - 08.08.2006, 22:24
Rabes Forum find ich Klasse,
es glänzt durch Qualität, nicht Masse.
Re: Gedichte
Rabe - 09.08.2006, 12:22
:freu: :blume:
Dankeschön! :herz: :tanz:
Re: Gedichte
Posti - 10.08.2006, 20:25
Die alten Zähne wurden schlecht
und man begann sie auszureißen.
Die Neuen kamen gerade recht,
um mit ihnen ins Gras zu beißen.
H.E.
Re: Gedichte
svenja150284 - 10.08.2006, 20:59
Das Reh springt hoch, das Reh springt weit.
Warum auch nicht — es hat ja Zeit!
Auch von Heinz Erhardt :lach:
Re: Gedichte
Posti - 10.08.2006, 21:08
Musik als störend wird empfunden,
da sie meist mit Geräusch verbunden.
Wilhelm Busch
Re: Gedichte
Posti - 12.08.2006, 21:25
Der Abgerissen Strick
Der abgerissene Strick
kann wieder geknotet werden
er hält wieder, aber
er ist zerrissen.
Vielleicht begegnen
wir uns wieder,
aber da,
wo du mich verlassen hast
triffst du mich
nicht wieder.
Bertolt Brecht
Re: Gedichte
Süße_Erdbeere - 07.09.2006, 12:41Der Wind...
… ist der Geist der Welt.
Er weiß über eure Tränen bescheid,
weiß jede Sorge,
weiß euer Leid.
Er kennt euren Namen,
kennt jeden eurer Freunde und Feinde,
kennt jedes Wort, das sie sagen.
Er weiß all eure Geheimnisse,
weiß über eure Liebe bescheit,
weiß auch, wen ihr beneidet.
Er kennt jeden Traum,
kennt, wonach ihr euch sehnt,
kennt, was euch Angst macht.
Er weiß über eure Taten bescheit,
weiß jede böse Tat,
weiß, was ihr anderen getan habt.
Der Wind…..
…..der Geist der Welt,
weiß alles, kennt alles,
hat alles gehört und gesehen
und trotzdem ist er noch bei uns.
Re: Gedichte
Rabe - 02.06.2007, 21:42Ein Gedicht, das ich sehr mag:
Mondnacht
Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis' die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
Joseph von Eichendorff
Re: Gedichte
Cassa Dar - 04.06.2007, 00:02
Immer wieder bewegend.
Re: Gedichte
Cassa Dar - 07.01.2009, 23:16
Arno Holz - Buch der Zeit
Een Boot is noch buten!
»Ahoi! Klas Nielsen und Peter Jehann!
Kiekt nach, ob wi noch nich to Mus sind!
Ji hewt doch gesehn den Klabautermann?
Gottlob, dat wi wedder to Hus sind!«
Die Fischer riefen's und stießen ans Land
und zogen die Kiele bis hoch auf den Strand,
dumpf an rollten die Fluten;
Han Jochen aber rechnete nach
und schüttelte finster sein Haupt und sprach:
»Een Boot is noch buten!«
Und ernster keuchte die braune Schar
dem Dorf zu über die Dünen;
schon grüßten von fern mit zerwehtem Haar
die Frau'n an den Gräbern der Hünen.
Und »Korl!« hieß es und »Leiw Marie!«
»'t is doch man schön, dat ji wedder hie!«
Dumpf an rollten die Fluten -
»Un Hinrich, min Hinrich? Wo is denn dee?!«
Und Jochen wies in die brüllende See:
»Een Boot is noch buten!«
Am Ufer dräute der Möwenstein,
drauf stand ein verrufnes Gemäuer,
dort schleppten sie Werg und Strandholz hinein
und gossen Öl in das Feuer.
Das leuchtete weit in die Nacht hinaus
und sollte rufen: O komm nach Haus!
Dumpf an rollten die Fluten -
Hier steht dein Weib in Nacht und Wind
und jammert laut auf und küsst dein Kind:
»Een Boot is noch buten!«
Doch die Nacht verrann, und die See ward still,
und die Sonne schien in die Flammen,
da schluchzte die Ärmste: »As Gott will!«
und bewusstlos brach sie zusammen!
Sie trugen sie heim auf schmalem Brett,
dort liegt sie nun fiebernd im Krankenbett,
und draußen plätschern die Fluten;
dort spielt ihr Kind, ihr »lütting Jehann«,
und lallt wie träumend dann und wann:
»Een Boot is noch buten!« -
Das habe in der Grundschule auswendig lernen müssen - auf platt.... :kotz:
Re: Gedichte
Luna - 22.08.2009, 15:49Kleinkariert
Kleinkariert
Nun also ist die Welt liniert!
So lange haben sie studiert,
qualifiziert, klassifiziert,
seziert und katalogisiert,
determiniert und sublimiert,
zentriert und kategorisiert,
spezifiziert und impliziert,
darüber theoretisiert,
jetzt liegt sie vor uns: kleinkariert.
Anstatt mit Fantasie verziert,
scheint sie kastriert und infiziert.
Die Wunder, die sie für uns hatte,
sind eingezwängt in Plantquadrate.
Da ist kein Platz für bunte Restchen
in unseren selbstgemachten Kästchen.
aus Luna Laune von Welf Ortbauer
Re: Gedichte
Luna - 24.08.2009, 19:13
Was für ein Freund ist ein Buch
Was für ein Freund ist ein Buch!
Schlägst du es auf, dann wird es dich umarmen
und einen Raum dir öffnen, einen warmen
aus Dankbarkeit für den Besuch.
Was für ein Freund ist ein Buch!
Es gibt sich hin dir Wort für Wort
und auf den Flügeln seiner Seiten
trägt's dich in ungeahnte Weiten
und über deine Grenzen fort.
Es nimmt dich einfach bei der Hand
und geht mit dir auf eine Reise,
zeigt dir auf seine Art und Weise
der Fantasien Wunderland.
Mit jdem Absatz, den du liest,
triffst du auf Situationen,
auf Schauplätze und auf Personen,
wie du sie sonbst vielleicht nie siehst.
Trotzdem sind sie dir oft bekannt,
du kennst das Lachen und das Leiden,
das Suchen, Finden und das Scheiden
und fühlst dich alledem verwandt.
Ein Buch gibt Kraft, ein Buch gibt Mut,
ein Buch ist Nahrung für die Seele,
und schnürt ein Kummer dir die Kehle:
ein Satz aus einem Buch tut gut.
aus Luna Laune von Welf Ortbauer
Re: Gedichte
Rabe - 25.08.2009, 18:23
Seehr schön! :cyclop:
Re: Gedichte
Vuelta - 30.08.2009, 11:28
:klatsch:
Re: Gedichte
Luna - 30.08.2009, 14:46
Reiserast
Dir möcht ich das Zuhause sein
und auch das weite Feld;
ein warmes, kleines Kämmerlein
und eine große Welt.
Wie's dir gefällt: Bleibe und geh,
find' Ruhe und verreise!
Du bist der Stein, ich bin der See,
versink' und zieh mir Kreise!
aus Luna Laune von Welf Ortbauer
Re: Gedichte
Rabe - 30.08.2009, 17:37
:klatsch:
Re: Gedichte
Luna - 31.08.2009, 21:17
Sternenkind
Vielleicht wird heut' ein Mensch geboren,
und vielleicht leuchtet ihm ein Stern,
der ihn zum Günstling hat erkoren;
der ihm die Straße baut von fern.
Ihr, denen nun ein Kind gegeben,
denkt, jedes wär ein Sternenkind.
Zwingt's nicht, in and'rer Bahn zu leben,
als in der, welche ihm bestimmt.
aus Wolkenworte von Welf Ortbauer
Re: Gedichte
Arthea - 09.09.2009, 15:23
toll :klatsch:
Re: Gedichte
Luna - 12.09.2009, 19:00
Das Kleid Vernunft
Deine Vernunft ist wie ein Kleid,
leg' sie doch manchmal ab!
Genieße, wie du nun befreit
erlebst, was es vordem nicht gab!
Laß deine Sinne Sinne sein!
Sie sind nur eine Haut;
zeigen dem trügerischen Schein,
der ihnen azusehr vertraut.
Mitrau' dem Aug', mißtrau' dem Ohr,
bezähme deine Hand!
Nun "sieh'" und "hör'" wie nie zuvor
und "fühl'" i n d i r das Wunderland.
aus Wolkenworte von Welf Ortbauer
Re: Gedichte
Luna - 04.10.2009, 15:00
Herbsthaus
Der Wind malt Figuren in das Laub,
und kritzelt Kringel in den Staub,
um sie sofort zu verwischen;
fegt über Straße, Feld und Gemüt,
was sommerstolz immerfärbig geblüht,
häuft sich verwelkt in Nischen.
Ein Bruch dürren Ichs,
ein Stück sprödes Du,
abgestorbene Fühler;
der Wind ..., nun schlägt er Türen zu,
in den Häusern wird es kühler.
aus Wolkenworte von Welf Ortbauer
Re: Gedichte
Luna - 22.10.2009, 19:05
Sonnensprache
In tausend Tönen spricht das Licht:
es spricht
durch Universumsritzen
in unsere dunkle Welt;
und alles Strahlen, Funkeln, Blitzen
sagt etwas und erzählt
in Sonnensprache fort und fort.
Und jede Farbe ist ein Wort.
Verstehen wir es nicht?
aus Wolkenworte von Welf Ortbauer
Re: Gedichte
Luna - 24.10.2009, 16:57
Nenne es Engel, oder wie auch immer du willst,
jene Kraft der unendlichen Freude,
die man manchen Tagen im Herzen du fühlst.
Genieße die Wärme im Herzen!
Vergeude keinen Gedanken, warum es so ist!
Genieße, es einfach wenn ein Engel dich küsst!
Re: Gedichte
Luna - 27.10.2009, 16:25
Welkes Blatt
Jede Blüte will zur Frucht
Jeder Morgen Abend werden.
Ewiges ist nicht auf Erden
als der Wandel als die Flucht.
Auch der schönste Sommer will
einmal Herbst und Welke spüren.
Halte Blatt, geduldig stiil,
wenn der Wind dich will entführen.
Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
lass es still geschehen,
lass vom Winde, der dich bricht,
dich nach Hause wehen.
Hermann Hesse
Re: Gedichte
Luna - 27.10.2009, 16:30
Herbstgefühl
Müder Glanz der Sonne!
Blasses Himmelblau!
Von verklungner Wonne
Träumet still die Au.
An der letzten Rose
Löset lebenssatt.
Sich das letzte lose
Bleiche Rosenblatt!
Goldenes Entfärben
Schleicht sich durch den Hain!
Auch vergehn und Sterben
Deucht mir süß zu sein.
Friedrich Karl von Gerok
Re: Gedichte
Luna - 28.10.2009, 19:03
Welke Blätter
Plötzlich hallt mein Schritt nicht mehr,
sondern rauscht leise,
leisewie die tränenvolle Weise,
die ich sing', vor Sehnsucht schwer.
Unter meinen müden Beinen,
die ich hebe wie im Traum,
liegen tot und voll von Weinen
Blätter von dem grossen Baum.
(Selma Meerbaum-Eisinger mit 15 Jahren...
3 Jahre bevor sie im SS-Arbeitslager
Michailowska starb)
Re: Gedichte
Luna - 30.10.2009, 11:46
Herbstabend
Auf der Erde Nacht und Dunkel,
Oed` die Flur und kahl der Hag,
Droben sternig Lichtgefunkel
Wie ein sel`ger Himmelstag.
Klagst du, daß die Blätter fliegen?
Laß das Laub dem Sturm der Nacht!
Dunkel mag die Erde liegen,
Droben ist ja Licht entfacht!
Schau`nur zu den Sternenauen:
Immer neuer Sterne Schaar
Wird dein staunend Auge schauen,
Goldenlicht und wunderbar.
Staunend stehst du lichte Sterne
Auch in deiner Seele klar,
In der Nähe, in der Ferne
Wirst du freudig sie gewahr.
Trauerst du, daß Blätter fliegen?
Laß das Laub dem Sturm der Nacht!
Dunkel mag die Erde liegen;
Ist ja Licht genug entfacht!
Franz Alfred Muth (1839-1890)
Re: Gedichte
Luna - 01.11.2009, 19:07Sternenkind
Sternenkind
Vielleicht wird heut' ein Mensch geboren,
und vielleicht leutet ihm ein Stern,
der ihn zum Günstling hat erkoren;
der ihm die Straße baut von fern.
Ihr, denen nun ein Kind gegeben,
denkt, jedes wär ein Sternenkind.
Zwingt's nicht, in and'rer Bahn zu leben,
als in der, welche ihm bestimmt.
aus Wolkenworte, von Welf Ortbauer
Re: Gedichte
Luna - 03.11.2009, 12:09Die Entwicklung der Menschheit
Die Entwicklung der Menschheit
Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
bis zur dreißigsten Etage.
Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
in zentralgeheizten Räumen.
Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
wie seinerzeit auf den Bäumen.
Sie hören weit. Sie sehen fern.
Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
Die Erde ist ein gebildeter Stern
mit sehr viel Wasserspülung.
Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.
Sie jagen und züchten Mikroben.
Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
Sie fliegen steil in den Himmel empor
und bleiben zwei Wochen oben.
Was ihre Verdauung übrigläßt,
das verarbeiten sie zu Watte.
Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
daß Cäsar Plattfüße hatte.
So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.
Erich Kaestner (1899-1974)
Re: Gedichte
Luna - 03.11.2009, 12:10Beste Freundinnen
Beste Freundinnen
Du bist meine beste Freundin für immer,
wenn wir uns mal nicht sehn,
je länger, je schlimmer.
Ich lass dich nie mehr gehen,
denn du bist meine beste Freundin,
mein Leben lang,
seit ich mit dir zur Schule gang.
Will dich immer sehn,
mit dir durchs Leben gehen.
Ich bin für dich da,
ist doch klar...
Und alles was ich sag,
ist...das ich dich mag.
Re: Gedichte
Luna - 13.11.2009, 00:10Das Sandkörnchen
Das Sandkörnchen
Am Strande deiner Liebe,
bin ein kleines Körnchen Sand,
ja dort, wo befinden sich,
Körnchen wie mich allerhand.
Durch die Wellen der Gefühle,
wurde dort ich sanft gestrandet,
erfüllt von dem großen Glück,
dass im Traumland ich gelandet.
Doch ich falle kaum noch auf,
bin nun mal ein Körnchen Sand,
dennoch meine Liebe ist,
so groß, so groß wie der Strand.
Der Baufritze
Re: Gedichte
Luna - 13.11.2009, 00:11Nur für Dich
Nur für Dich
Oh die Königin meines Herzen,
und die Schönste aus dem Norden,
um einst mit Dir zu sein,
bin ich geboren worden.
Und um Dich zu bewundern,
und um Dich zu verehren,
um Dich zu vergöttern,
und Dich zu begehren.
Um für Dich alles zu geben,
und für Dich alles zu erwerben,
um für Dich zu leben,
und für Dich zu sterben.
Der Baufritze
Re: Gedichte
Luna - 17.11.2009, 23:47Durch Zufall
Durch Zufall
Durch Zufall lernten wir uns kennen,
doch war es nur für kurze Zeit,
durch Schicksal werden wir uns trennen,
vielleicht für alle Ewigkeit.
Hab Dank für all die Stunden,
die ich mit dir verbracht,
wir waren eng verbunden
und haben viel gelacht.
Ich will geduldig scheiden,
wünsch dir ein anderes Glück,
im Stillen jedoch werd ich weinen,
oh, denk einmal an mich zurück.
Re: Gedichte
Luna - 03.12.2009, 12:39Weihnachtszeit
Weihnachtszeit
Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit,
und ein schlichtes Glück streut auf der Schwelle
schöne Blumen der Vergangenheit.
Hand schmiegt sich in Hand im engen Kreise,
und das alte Lied von Gott und Christ
bebt durch Seelen und verkündet leise,
dass die kleinste Welt die größte ist.
(Joachim Ringelnatz)
Re: Gedichte
Luna - 03.12.2009, 19:39A, a, a - der Winter der ist da
A, a, a, der Winter der ist da
A, a, a, der Winter der ist da.
Herbst und Sommer sind vergangen,
Winter, der hat angefangen.
A, a, a, der Winter der ist da.
E, e, e, nun gibt es Eis und Schnee.
Blumen blüh´n an Fensterscheiben,
Sind sonst nirgends aufzutreiben.
E, e, e, nun gibt es Eis und Schnee.
I, i, i, vergiss des Armen nie.
Hat oft nichts, sich zuzudecken,
Wenn nun Frost und Kält´ ihn schrecken.
I, i, i, vergiss des Armen nie.
O, o, o, wie sind wir alle froh.
Wenn der Niklaus wird was bringen
Und vom Tannenbaum wir singen.
O, o, o, wie sind wir Kinder froh.
U, u, u, die Teiche frieren zu.
Hei, nun geht es wie der Wind
Übers blanke Eis geschwind.
U, u, u, die Teiche frieren zu.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Re: Gedichte
Luna - 07.12.2009, 00:01Abschied
Abschied
Muschelgleich habe ich
mich weit geöffnet
und dir meine Perle
gezeigt;
Du hast sie streicheln
und liebkosen dürfen.
Nun fängst du an zu kratzen
und ich muß mich wieder
schließen.
- Klaus Gordziel -
Re: Gedichte
Luna - 07.12.2009, 00:03Frischer Wind
Frischer Wind
Deine Worte schenken Kraft,
bin entfernt von Nostalgie,
Und Dein Lächeln zauberhaft,
gibt mir Lebensenergie.
In Deinen Augen dieser Glanz,
will mir meinen Atem stehlen,
er fordert auf zum Liebestanz,
die Körper und die Seelen.
Deine Liebe macht mich blind,
den Verstand hab' ich verloren,
was heisst hier denn frischer Wind?
Fühle mich wie neugeboren.
Baufritze
Re: Gedichte
Luna - 07.12.2009, 00:12Der Schritt zurück
Der Schritt zurück
Manchmal halte ich vor schroffen,
schwarzen Felsen oder Schluchten,
nirgends sind mehr Wege offen,
nirgends schimmern Hoffnungsbuchten.
Seh', im Labyrinth vergangen,
mich in Sackgassen begraben.
Stehe. Seufze halbgefangen,
wissend, keine Wahl zu haben:
Will ich mir mein Ziel gewinnen
auf den Saumpfaden zum Glück,
muss ich weichen; neu beginnen.
Es bleibt nur: der Schritt zurück.
Welf Ortbauer aus Luna Laune
Re: Gedichte
Luna - 07.12.2009, 00:13Umklammerung
Umklammerung
Wie fest hältst du mich an der Hand,
zu Dingen ziehend, die du uns entdeckst!
Und zwischen uns die unsichtbare Wand,
sie wächst und wächst.
Welf Ortbauer aus Luna Laune
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