Der Lipizzaner

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    Re: Der Lipizzaner

    Saphir85 - 29.03.2006, 13:33

    Der Lipizzaner


    Ein Überblick

    Stockmaß: 1,52-1,62m
    Farben: allgemein Schimmel, aber auch Füchse, Falben, Rappen
    Herkunft: Lipizza (heute Lipica in Slowenien, bei Gestütsgründung Herzogtum Krain der österreichischen Habsburger)
    Verbreitung: meist Österreich, ehem. Jugoslawien, Italien, Ungarn, Rumänien, aber natürlich auch ein wenig Deutschland
    Eignung: Reit-, Kutsch-, Zug- und Arbeitspferd
    Eigenschaften: genügsam (widerstandsfähig), ausdauernd, klug, anständiger Charakter
    Temperament: zahm (gefügig), aber lebhaft und energisch, intelligent (gelehrig), willig


    Die Gestalt des Lipizzaners


    Kopf: länglich, gerades bis konvexes Profil (Ramskopfnase = Schafskopfnase => "ram" engl. = Widder), breite Nüstern, ausgeprägte Ganaschen, kleine Ohren, ausdrucksvolle, lebhafte, große Augen
    Exterieur:


    * kompakte bis längliche Erscheinung
    * Hals robust, gebogen, gut aufgesetzt, seidiger Mähnenkamm
    * Widerrist kaum angedeutet (wenig betont), aber breit und muskulös (kräftig)
    * Rücken lang, manchmal vertieft à leichter Senkrücken
    * Starke Nierenpartie
    * Kruppe muskulös (kräftig), kurz, breit, rundlich
    * Schweif seidig, gut angesetzt, elegant getragen
    * Brust geräumig, breit und tief
    * Schulter gut geneigt und kräftig
    * Gliedmaßen kräftig mit breiten, trockenen Gelenken, widerstandsfähig, gut bemuskelt
    * Sehnen gut abgesetzt
    * Kleiner, harter Huf
    * Stützlinien korrekt/korrekte Beinstellung
    * Angeborener hoher Kniebug * (Knieaktion*) => prädestiniert für Lektionen der Hohen Schule "auf und über der Erde"
    * Spätreif
    * Langlebig
    * Fruchtbar


    Mechanik:


    * verhältnismäßig kurzer Schritt
    * elastischer Trab mit hoher Knieaktion *, der zum Spanischen Tritt befähigt
    * Galopp wenig raumgreifend und relativ schwerfällig


    * Anmerkung zu den Begriffen" Knieaktion" und "Kniebug"
    Die Begriffe Kniebug und Knieaktion sind Irreführend, da sich das Knie nicht an der Vorderhand, sondern an der Hinterhand des Pferdes befindet. Trotzdem werden diese beiden Begriffe auch in der Fachliteratur oft verwendet. Das, was hier nun als "Knie" bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit das Vorderfußwurzelgelenk (Karpalgelenk). Das eigentliche Knie des Pferdes liegt über dem Sprunggelenk (analog zum Vorderfußwurzelgelenk) des Pferdes an der Hinterhand.



    Re: Der Lipizzaner

    Cindy-Charlie16 - 02.05.2006, 22:32


    Lipizzaner - die Balletttänzer unter den Pferden

    Wie das hässliche Entlein steht das kleine graubraune Fohlen neben seiner silbrig glänzenden Mutter. Ihr schneeweißes Fell schimmert in der Sonne, ihr edler Kopf ist stolz erhoben - unvorstellbar, dass das dunkle Fohlen einmal die Schönheit seiner Mutter erreichen soll: und doch wahr.

    von Marisa Reinelt

    Auf viel zu langen Beine staksen die dunklen Fohlen über die Karsthänge Lipicas. Das kleine slowenische Örtchen an der italienischen Grenze ist Herkunftsort und Namensgeber der berühmten weißen Pferde. Die steilen Weiden mit den großen Felsen fordern so einiges von den noch ungeschickten Kleinen. Sie müssen Acht geben, wohin sie ihre unsicheren Hufe setzen - sonst geraten sie schnell in Gefahr zu stolpern. Dass diese unscheinbaren, staksigen Lipizzanerfohlen einmal zu den schönsten und elegantesten Pferden der Welt gehören werden, sieht man ihnen noch nicht an.


    Einhörner ohne Horn

    Ein Blick auf die Nachbarweide lässt das Herz der Pferdeliebhaber schon höher schlagen: Eine Gruppe hellgrauer Junghengste tobt da übermütig herum. Mit eleganten Sprüngen versuchen sie sich gegenseitig zu beeindrucken und zu übertrumpfen. Immer wieder balgen sich ein paar Halbstarke im Spiel, steigt einer auf, um zu zeigen, dass er der Größte ist. Wieder ein paar Kilometer weiter steht endlich der ganze Stolz Lipicas: die schneeweißen Lipizzanerhengste. Ein besonders schöner Hengst fesselt das Auge des Betrachters. Was für ein Pferd! Wie ein Fabelwesen steht er an der Tränke und löscht seinen Durst, ein Einhorn ohne Horn. Auch wenn man es kaum glauben kann: Die blendend weißen Schimmel mit dem Silberglanz wurden ebenfalls als dunkelgraue oder braune Fohlen geboren. Wie bei den Schwänen entwickelt sich die weiße Fellfarbe erst im Laufe des Erwachsenwerdens. Bis die Pferde richtig weiß sind, dauert es vier bis zehn Jahre.

    Unbeschwerte Kinderjahre

    Ein halbes Jahr lang bleiben die dunklen Fohlen bei ihren Müttern, dann werden sie getrennt. Die Kleinen verbringen ihre Tage nun mit Gleichaltrigen: Unbeschwertes Toben, sich in der Sonne aalen und über die Koppeln jagen - ein traumhafter Start ins Pferdeleben!

    Drei Sommer lang genießen die jungen Pferde ihre Narrenfreiheit auf den verträumten Weiden Lipicas. Lipizzaner sind Spätzünder; erst mit dreieinhalb Jahren beginnt ihre Ausbildung: zunächst die Erziehung an der Longe, dann unter dem Reiter. Sie werden relativ spät ausgebildet, bleiben dafür aber sehr lange fit. Nicht selten werden die Pferde 28 bis 32 Jahre alt. Und was ein Lipizzaner einmal gelernt hat, vergisst er nie.

    Naturtalente

    Kaum eine andere Pferderasse hat so viel angeborenes Talent für die Dressur und ihre schwierigste Form, "die Hohe Schule". Während die meisten Warmblüter über einen raumgreifenden Schritt verfügen, ist den Lipizzanern eine hohe Beinaktion eigen. Ihre Beinbewegungen greifen also nicht nach vorne, sondern richten sich nach oben. Das merkt auch der Reiter: Auf einem Lipizzaner hat er immer das Gefühl, er reite bergauf. Diese Eigenheit begründet das Dressurtalent der weißen Pferde. Wie nur wenige andere Rassen erlernen sie die "Hohe Schule" und deren Dressurfiguren in der Luft, die "Schule über der Erde".

    Nur Fliegen ist schöner

    Zu den anspruchsvollsten Übungen der "Schule über der Erde" zählen die Kurbette und die Kapriole: Bei der Kurbette steht das Pferd auf der Hinterhand und hat die Vorderbeine ganz eng an den Körper gezogen. In dieser Haltung macht es nun vier bis fünf Sprünge, ohne die Vorderbeine dabei wieder auf den Boden aufzusetzen. Bei der Kapriole springt das Pferd hoch in die Luft und zieht dabei die Beine an seinen Körper. Auf dem Höhepunkt des Sprungs schlägt es dann mit den Hinterbeinen nach hinten aus und landet danach auf allen Vieren. Die Kapriole ist die spektakulärste Übung, die ein Pferd zeigen kann.


    Oben: Die Kapriole.
    Links: Die Kurbette.



    Hohe Schule ist Männersache

    Lipizzaner sind fast immer weiß. In der Spanischen Hofreitschule in Wien reitet jedoch aus Tradition auch immer ein brauner Lipizzaner mit.


    Sowohl in Lipica wie auch an der weltberühmten Spanischen Hofreitschule in Wien werden ausschließlich Hengste trainiert. Ihr männliches Imponiergehabe ist für die beeindruckenden Dressurvorführungen nötig. Die Stuten werden zu Reitpferden ausgebildet und die schönsten unter ihnen werden zur Zucht verwendet.

    Früher stammten die Hengste der Spanischen Hofreitschule alle aus Lipica. Seit dem Ersten Weltkrieg gibt es in Österreich jedoch ein eigenes Lipizzanergestüt, aus dem die Pferde der Hofreitschule stammen: das Bundesgestüt Piber. Im Alter von vier Jahren kommen die talentiertesten Hengste von Piber an die Hofreitschule. Nun beginnt ihre Ausbildung zum Dressurpferd. Durchschnittlich acht Jahre dauert es, bis ein Lipizzaner so weit ist, dass er in der Hofreitschule auftreten kann. Doch dann gehört er zu den am besten ausgebildeten Pferden der Welt. Gemeinsam mit seinen schneeweißen Kollegen beeindruckt er nun im "Ballett der weißen Pferde" jedes Jahr viele tausend Menschen.

    Steckbrief Lipizzaner
    Größe:
    150 bis 158 Zentimeter Stockmaß

    Farbe:
    Fast immer Schimmel, Braune sind eine Seltenheit. Die Fohlen werden alle dunkel (grau bis dunkelbraun) geboren.

    Körperbau:
    Lipizzaner haben einen edel gebauten Körper mit schönen Proportionen. Der Widerrist ist verhältnismäßig niedrig, der Rücken lang und kräftig. Der Hals wird von einer fülligen Mähne bedeckt. Der Lipizzaner ist ein sehr kompaktes Pferd und gilt als das barocke Reitpferd schlechthin.

    Kopf:
    Der Kopf der Lipizzaner ist schön geformt mit großen Augen und engen Nüstern und hat oft noch eine leichte Ramsnase (leicht nach außen gewölbten Nasenrücken), das Erbe ihrer afrikanischen Ahnen.

    Charakter:
    Lipizzaner sind gutmütige, lebhafte und menschenbezogene Pferde. Sie zeichnen sich durch ihren Lerneifer und ihre Ausdauer aus und sind mutig.



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