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Re: Stiller Anfang (2008)
Anonymous - 08.07.2008, 14:33Stiller Anfang (2008)
das ist ein gedicht zum thema neuanfang, die seele fungiert als overall-Metapher in Form einer Keramik, einer kunstvollen schöpfung und ebschreibt, was der allmensch mit ihr tat und gibt einen eher resignativen ausblick.
Stiller Anfang (2008)
wenn man lichttropfen sacht
in rissige seelenkeramik kerbt,
hat man Beginn in fernloser Nacht
mit fragend stiller Obhut vermengt,
ihre Ornamente sind Fremdhaft Gezwungen,
Allmensch hat's Schrill glänzend Verziert,
um die stille hat schon der ton gerungen
dieser arbeitsstoff bleibt Scherbenhaft gewirrt,
wenn man lichttropfen sacht
verarbeitet in ruhe,
Leerrisse bleiben wohl Unverortet,
Verewigt im stoff, egal was ich tue.
Re: Stiller Anfang (2008)
Little Lover's So Polite - 08.07.2008, 16:42
Leider fehlt mir gerade die Zeit, das aufmerksam genug durchzugehen, aber ich würd' gern später noch was dazu sagen :)
Re: Stiller Anfang (2008)
Little Lover's So Polite - 09.07.2008, 12:42Re: Stiller Anfang (2008)
OK, ich tu mir noch etwas schwer, vor allem mit dem Einstieg.
Einige Fragen/Unsicherheiten bleiben mir noch :)
Licht als der Neuanfang, Beginn, Tagesanbruch (Nacht) - aber warum die Tropfenform? Bildlich der Inhalt zum Auffanggefäß Seele als Keramik(becher/schüssel), oder hat das noch weitere/andere Gründe?
Fernlose Nacht - fernlos, weil tief vertraut und nahe (langer 'Begleiter')?
Und dann macht mir noch Probleme, wieso die Obhut fragend ist. Da fehlt mir bisher die Antwort; oder entsteht das Fragende aus den Rissen?
Re: Stiller Anfang (2008)
Anonymous - 09.07.2008, 12:56
Zitat: Fernlose Nacht - fernlos, weil tief vertraut und nahe (langer 'Begleiter')?
Und dann macht mir noch Probleme, wieso die Obhut fragend ist. Da fehlt mir bisher die Antwort; oder entsteht das Fragende aus den Rissen?
1. genau, das ist rcihtig.
zum 2.:
die obhut, also man hat verantwortung für diesen neuanfang, dieser anfang wird aber überschattet von der fragenden Einstellung, außer man weiß nicht wie es weitergeht und so bleibt sie still, da man den nächstens chritt noch nicht weiß udn alles sich in unsicherheit wiegt. :)
Die lichttropfen deshalb, weile s so kleine mengen sind, also dinge, die eigtnlich drohen, unterzugehen. Auch ist es schwierig, die Risse, die die Vergangenheit vursacht hat mit flüssigkeit zu füllen, diese erhebliche schwierigkeit wird mit den unterschiedlichen aggregatszuständen ausgedrückt. :) Keramik <=> Wasser
Re: Stiller Anfang (2008)
Little Lover's So Polite - 09.07.2008, 13:15
OK, danke für die Interpretationshilfe!
Ein paar Schwierigkeiten hab' ich persönlich mit Versmaß und Rhythmus - aus der Perspektive erscheint mir vieles noch etwas holprig.
Trotzdem möchte ich sagen: mir gefällts gut, vor allem find ich das Bild sehr ausdrucksstark und eigenständig.
Re: Stiller Anfang (2008)
Anonymous - 09.07.2008, 13:36
Zitat: Ein paar Schwierigkeiten hab' ich persönlich mit Versmaß und Rhythmus - aus der Perspektive erscheint mir vieles noch etwas holprig.
das ignoriere ich. Denn das zu bemängeln bedeuett etwa das gleiche, wie als wenn man sagt: "der roman ist holprig, weil am ende die guten nicht gewinnen."
das gedicht hat keinen rhytmus, den es nicht haben soll.
"Scherbenhaft gewirrt"
wie würdest du das beurteilen?
http://www.engeler.de/demdichter.html
oder mein lieblingsgedicht?
http://www.onlinekunst.de/november/Celan_Schliere.htm
oder die Morgue-gedichte von Gottfried Benn, der einer der ebdeutendsten vertreter des expressionismus war:
http://www.joergalbrecht.de/es/deutschedichter.de/werk.asp?ID=418[/quote]
Re: Stiller Anfang (2008)
Little Lover's So Polite - 09.07.2008, 14:22
larviertes Seelenschlecht hat folgendes geschrieben: Zitat: Ein paar Schwierigkeiten hab' ich persönlich mit Versmaß und Rhythmus - aus der Perspektive erscheint mir vieles noch etwas holprig.
das ignoriere ich. Denn das zu bemängeln bedeuett etwa das gleiche, wie als wenn man sagt: "der roman ist holprig, weil am ende die guten nicht gewinnen."
das gedicht hat keinen rhytmus, den es nicht haben soll.
"Scherbenhaft gewirrt"
Akzeptiere ich, aber mit dem Roman-Vergleich tust du mir unrecht.
Darf ich sagen: für eine formale Spiegelung des Scherben/Risse-Motivs, ist mir die Struktur und die gedankliche Abfolge dann wiederrum zu solide? ;)
Oder - angesichts des Links unten - geht's hier einfach um Verweigerung?
larviertes Seelenschlecht hat folgendes geschrieben:
wie würdest dud as beurteilen?
http://www.engeler.de/demdichter.html
Amüsanter Text!
Den Vorwurf kann ich so schwer nachvollziehen, muss aber offen zugeben, kaum moderne Lyrik zu kennen. Keine Ahnung, ob sich das echt in weitem Ausmaß schon so festgefahren hat. Wie denkst du, könnte ab hier eine Entwicklung aussehen? Die Decke ist ja - rein prinzipiell betrachtet - eh schon verdammt weit aufgerissen (Jandl, Arno Schmidt (kein Lyriker, ich weiß, aber trotzdem) etc.), nur halt nicht in breitem Format. Oder: Rückbau aller formalen Strukturen auf ein quasi-Prosa-Level, wie es der verlinkte Text selbst exerziert? Erst recht fad, wenn du mich fragst :)
Vor allem aber nicht nur fad, sondern schade - ganze Gestaltungs- und Kommunikationsdimensionen trotzig liegen zu lassen.
Falls es dir um meine Meinung zur Form des verlinkten Textes geht: fragwürdige Interpunktion und vollkommen willkürliche Formatierung, die ihm beide nichts schenken, sondern in meinen Augen nicht mehr sind, als aufdringliche, aber wirkungslose Irritationen - hilflose Selbstdarstellung des Autors, oder einfach schlampige Fehler. So, da war jetzt mein spontaner Rundumschlag :D
[Edit] Sorry, seh gerade, dass da inzwischen noch weitere Links hinzugekommen sind. Die seh' ich mir noch an.
[Edit 2]
Paul Celan brauchen wir nicht diskutieren - der ist sowieso unglaublich großartig (und: der ist rhythmisch doch auch verdammt gut drauf).
Gottfried Benn kannte ich bis vor wenigen Minuten noch nicht, gibt mir aber jetzt im ersten Eindruck - nach den paar Gedichten, die ich mir schnell angesehen habe - auch ziemlich Gas. Ich fand die sehr super.
Ich glaube, ich missverstehe vollkommen, was du mir bisher sagen möchtest, aber: bei Benn und Celan holpert nichts.
Re: Stiller Anfang (2008)
Anonymous - 09.07.2008, 14:48
Nun, ich finde auch nicht, dass bei mir etwas holpert. Da wird zwar kein jambus durchgehend eingehalten, aber insgesamt ist das zwar rien formal rehct holprig, aber wenn ich es dir vorlesen würde, wären absolut keien sprünge drin. :?
was unterschiedet denn formal celan, von meinem? Nichts, denn wir haben beide keine gerordnete metrik. Danns ag mal, wo es bei mir holpert. Das gedicht muss z.B. sehr langsam gesprochen werden. ES gibt an bestimmten stellen "Geschwindigkeitsaufnahmen", die animieren zum schneller sprechen, aber dann wieder verebben.
Re: Stiller Anfang (2008)
Little Lover's So Polite - 09.07.2008, 14:59
larviertes Seelenschlecht hat folgendes geschrieben:
was unterschiedet denn formal celan, von meinem? Nichts, denn wir haben beide keine gerordnete metrik. Danns ag mal, wo es bei mir holpert.
Vielleicht hab' ich heut echt ein bissl die Scheinsohren an und tu dir da gehörig unrecht - ich würd' mir das gerne nochmal anschauen. Zwar bring' ichs heute während der Arbeit leider nicht mehr unter (die Woche is überhaupt eher eng), aber ich schieb's in einigen Tagen dann nach.
Re: Stiller Anfang (2008)
gaby - 09.07.2008, 15:22
ehrlich gesagt..ich bin zu doof für dies gedicht,denne ich verstehs einfach nich..
bei manchen gedichten anderer dichter muss ich sagen,gefällt mir nich..is nich mein stil..aber bei l.s. gedichten muss ichs ganz ehrlich bekennen,ich b in zu doof,ich verstehe kein wort...
sorry,hätt gern was anderes geschrieben,aber dann hätt ich ja gelogen und des tu ich prinzipiell nich.
ich mag dich,l.s.,aber ich kann dir verbal einfach nich des wasser reichen,lächel..
Re: Stiller Anfang (2008)
Anonymous - 09.07.2008, 15:33
schade gaby,
aber ich habe ja extra oben drüber 'n paar tipps geschreibselt. :)
Re: Stiller Anfang (2008)
gaby - 09.07.2008, 15:46
danke!du l.s.mal ne frage..also..ich hab schon immer leidenschaftlich gern gelesen..hab eigentlich nen guten wortschatz..aber..du kennst viele worte,von denen ich noch nie hörte..nich nur in den gedichten..mal ganz offen gefragt..woher?ich meine,klingt jetzt blöd..aber..sprechen deine eltern auch so ausgewählt..oder hast du dir des alles angelesen?
Re: Stiller Anfang (2008)
Rübezahl - 09.07.2008, 15:52
Mach dir nicht so viel Gedanken Gaby, das muss man nicht verstehen. Ich persönlich finde das Gedicht einfach nur schlecht.
Ich mag Lyric allerdings normalerweise überhaupt nicht, und wenn es dann sowas ist wo jedes dritte Wort selbstgebastelt ist oder unsachgemäß benutzt wird ist kann ich es gar nicht ausstehen.
Ist halt Geschmacksache.
Re: Stiller Anfang (2008)
Little Lover's So Polite - 09.07.2008, 16:06
Rübezahl hat folgendes geschrieben:
Ist halt Geschmacksache.
Heftigster Widerstand von meiner Seite (und ich denke, Larviertem Seelenschlecht geht's hier genauso).
Wer Lyrik, Dramatik, bildnerische Kunst, Filme etc. für Geschmackssache hält, hat ganz prinzipiell was nicht verstanden.
Von unsachgemäß benutzt kann ich hier sowieso beim besten Willen nichts entdecken, und selbstgebastelt ist im besten Fall - nämlich hier - ein absolutes Qualitätsmerkmal. Schönen Tag noch.
Re: Stiller Anfang (2008)
Anonymous - 09.07.2008, 16:46
@Rübezahl:
Was genau findest du daran schlecht? Was ist d.E. unsachgemäß benutzt?
Wenn du es als "schlecht" bezeichnest, behauptest du damit eine objektiv nachvollziehbare Wertung abgegeben zu haben.
Einfach Dinge in den Raum stellen, ohne sie zu erklären, kann jeder.
Was findest du daran schlecht?
Zitat: das muss man nicht verstehen Wie kann man bloß derart abschätzig über etwas reden? Im HB-Forum gefiel es. Und eine Germanistin, mit der ich Kontakt habe, hat mit mir nur kontakt aufgenommen, weil meine Gedichte sie wieder zum Lesen gebracht haben, weil sie voller Gefühl sind.
und rübi:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hermetische_Lyrik
wer definiert, was unsachgemäß ist? Woher willst du wissen, ob ein Wort unsachgemäß definiert ist?
Re: Stiller Anfang (2008)
Nord - 09.07.2008, 16:51
also ich verstehs auch nicht. das hat bei mir aber nichts zu sagen, ich versteh gedichte nie. die sind mir zu abstrakt.
von daher werd ich mich hüten ne wertung abzugeben.
Re: Stiller Anfang (2008)
Rübezahl - 09.07.2008, 16:53
Hab nicht viel Zeit im Moment, schreib nachher nen bisschen mehr, nur ganz kurz: 'Schlecht' natürlich nur rein subjektiv, es ist einfach nichts für mich. Ich hab gar nicht das Wissen um zu beurteilen ob es objektiv gesehen gut ist oder nicht.
Re: Stiller Anfang (2008)
Anonymous - 09.07.2008, 17:10
Zitat: Hab nicht viel Zeit im Moment, schreib nachher nen bisschen mehr, nur ganz kurz: 'Schlecht' natürlich nur rein subjektiv, es ist einfach nichts für mich. Ich hab gar nicht das Wissen um zu beurteilen ob es objektiv gesehen gut ist oder nicht.
Gut, dann isses OK von dir. das kannst du ja meinen. Nur wenn man sagt,e s sei "schlecht" dann muss ja ein für alle anchvollziehbarer grund vorliegen, aber so ist es dann OK.
Re: Stiller Anfang (2008)
Rübezahl - 09.07.2008, 18:05
larviertes Seelenschlecht hat folgendes geschrieben: @Rübezahl:
Was genau findest du daran schlecht? Was ist d.E. unsachgemäß benutzt?
Wenn du es als "schlecht" bezeichnest, behauptest du damit eine objektiv nachvollziehbare Wertung abgegeben zu haben.
Einfach Dinge in den Raum stellen, ohne sie zu erklären, kann jeder.
Was findest du daran schlecht?
Hab jetzt was mehr Zeit. Das ist erstmal nur ne subjektive Wertung - das Gedicht gefällt mir nicht, es spricht mich nicht an, löst keine Gefühle bei mir aus. Ich versteh es nicht wirklich, und es motiviert mich nicht es verstehen zu wollen.
Es funktioniert anscheinend auch für Gaby nicht. Vielleicht sind wir einfach nicht die richtige Zielgruppe, vielleicht sind wir nicht gebildet genug was Lyrik angeht, aber für mich ist es deswegen einfach nicht gut.
Zitat:
Zitat: das muss man nicht verstehen Wie kann man bloß derart abschätzig über etwas reden? Im HB-Forum gefiel es. Und eine Germanistin, mit der ich Kontakt habe, hat mit mir nur kontakt aufgenommen, weil meine Gedichte sie wieder zum Lesen gebracht haben, weil sie voller Gefühl sind.
Es gibt, grade bei moderner Kunst und anscheinend auch bei Lyrik, Sachen die man anscheinend erst richtig zu schätzen weiß wenn man sich damit gut auskennt, sich intensiv damit beschäftigt. Mag dann ja auch sehr gut sein, vielleicht besser als alles andere - aber für viele Menschen ist es einfach nicht sofort verständlich. Das meine ich mit 'Das muss man nicht verstehen'. Ich bevorzuge Kunst die unmittelbar verständlich ist, ohne das man erst studiert haben muss.
Zitat: und rübi:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hermetische_Lyrik
wer definiert, was unsachgemäß ist? Woher willst du wissen, ob ein Wort unsachgemäß definiert ist?
Das ist mein größtes Problem damit. Für mich sind die Worte an sich nur ein Medium um Gefühle und Gedanken zu transportieren. Auch wenn ich nicht so ein großer Lyrik Fan bin, so sind Gedichte doch manchmal das richtige Medium für bestimme Botschaften.
Ich habe etwas das Gefühl das bei dir das Medium selbst wichtiger ist als die Botschaft, und das mag ich halt nicht. Beim lesen verbringe ich dann mehr Zeit damit die Nachricht zu entschlüsseln als sie zu verstehen und zu fühlen.
Zur Bedeutung von Worten: Sprache an sich funktioniert nur weil Sender und Empfänger beide dieselbe Sprache sprechen. Dies absichtlich zu verkomplizieren und schwieriger zu machen indem man Worte neu erfindet und ungewohnt benutzt mag zwar ganz amüsant sein, so ähnlich wie ein obfuscated code contest ganz lustig ist, aber es macht nicht wirklich Sinn für mich.
Ich weiß das ich mit meiner Meinung wahrscheinlich überhaupt nicht auf dem neuesten Stand der Kunstwissenschaften usw bin, aber das interessiert mich nicht wirklich.
Zum Schluss ein Gedicht das ich mag:
Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken,
der wird im Mondschein
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.
Der wird zur Pflanze, wenn er will,
zum Tier, zum Narr, zum Weisen,
und kann in einer Stunde
durchs ganze Weltall reisen.
Er weiß, dass er nichts weiß,
wie alle andern auch nichts wissen,
nur weiß er was die anderen
und er noch lernen müssen.
Wer in sich fremde Ufer spürt,
und Mut hat sich zu recken,
der wird allmählich ungestört,
von Furcht sich selbst entdecken.
Abwärts zu den Gipfeln
seiner selbst blickt er hinauf,
den Kampf mit seiner Unterwelt,
nimmt er gelassen auf.
Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß wie Wolken schmecken,
der wird im Mondschein,
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.
Der mit sich selbst in Frieden lebt,
der wird genauso sterben,
und ist selbst dann lebendiger,
als alle seine Erben.
Re: Stiller Anfang (2008)
Anonymous - 09.07.2008, 18:25
OK, unsere geschmäcker unterscheiden sich fundamental rübi :D
ich fidne das gedicht nicht schlecht, von der Bildhaftigkeit iste s sogar recht schön, aber meien lieblingsgedichte sind eher sehr kurz und dafür sehr verdichtet. UNd man benötigt vorkenntnisse.
LG
Re: Stiller Anfang (2008)
vancy - 09.07.2008, 19:09
Ich muss jetzt weg, aber ich werde mir das Gedicht bei Gelegenheit mal in Ruhe durchlesen. Wir haben im Deutsch-LK schließlich auch die seltsamsten Sachen interpretiert und es hat meistens irgendwie geklappt.
Aber - ich weiß grad nicht mehr wer das geschrieben hat - das Gedichte, Kunst etc. keine Geschmaksfrage seien, ist doch totaler Quatsch. NATÜRLICH ist es das. Wenn man Ahnung davon z.B. vom Malen kann man sagen: Der kann gut Malen, hat eine gute Technik, aber das Bild gefällt mir trotzdem nicht.
Bei mir das beim Tanzen so, weil ich da ein bißchen Ahung von habe.
Das ist ein Unterschied, ob jemand technisch gut tanzen kann oder nicht oder einem die Choreo gefällt oder nicht.
Re: Stiller Anfang (2008)
Anonymous - 09.07.2008, 19:19
ich bin halt eher dafür,d ass man sich mit etwas länger ebschäftigen muss, um es zu verstehen, mit dem gedicht eine völlg neuartige semiotik aufzubauen, sprich einen neuen zeichenraum, der sich vond er herkömmlichen sprache unterscheidet. Meien gedichte haben alle untereinander bezüge, motive werden mehrfach codiert und durch Motiviteration entsteht eine Art Fußabdruck - die Bedeutung, die dem zeichen einen bestimmten ort zwischen anderen zuweist.
Ich finde bei diesem gedicht kann man sich das sehr gut bildhaft vorstellen, man benötigt hierfür kaum vorkenntnisse,d as ist alles gedichtimmanent einsehbar. Die Germanistin, vond er ich schrieb beschäftigt sich manchmal mehrere stunden verteilt über mehrere tage mit meinen gedichten. Genauso will ich es. Nicht lesen, um zu vergessen, sondern intensiv mit inhalten auseinandersetzen, so wie man es bei meinem lieblingsgedicht schliere tun muss. :D
http://www.onlinekunst.de/november/Celan_Schliere.htm
Zitat: Es ist kein Geheimnis, dass die Gedichte Celans ohne Sekundärliteratur kaum und nur unzureichend zu verstehen sind, die investierte Zeit und Mühe aber lohnen
Re: Stiller Anfang (2008)
Little Lover's So Polite - 09.07.2008, 20:06
vancy hat folgendes geschrieben:
Aber - ich weiß grad nicht mehr wer das geschrieben hat - das Gedichte, Kunst etc. keine Geschmaksfrage seien, ist doch totaler Quatsch. NATÜRLICH ist es das.
Die Aussage kam von mir, und ich finde die Unterscheidung fundamental wichtig.
Kunst ist das perfekte Beispiel:
Ob ein Kunstwerk gut ist oder nicht, ergibt sich aus Kriterien wie Relevanz, kunstgeschichtlicher Rechtfertigung etc., und lässt sich recht objektiv beurteilen, argumentieren un verteidigen.
Geschmacksfrage dann gerne als rein subjektive Beurteilung, obs mir dann auch gefällt oder nicht - das gilt aber dann sowieso schon mal ausnahmslos für alles auf der Welt.
Ich kenne Unmengen Kunstwerke vor denen ich größten Respekt habe, und deren Wert ich absolut anerkenne, die ich aber halt aus ästhetischen oder sonstigen Gründen absolut nicht mag. Das ist dann meine persönliche Vorstellung alleine, aber die muss ich von einer objektiven Beurteilung unterschieden. Darum ist Kunst definitiv keine Geschmacksfrage. Schlimmer wär' nur noch zu behaupten, es käme von 'Können' :D
[Edit] Eigentlich ist das ja eh genau das, was du auch gesagt hast :)
Absurderweise ist mein Schluss daraus aber genau der umgekehrte von deinem.
Re: Stiller Anfang (2008)
vancy - 10.07.2008, 16:14Re: Stiller Anfang (2008)
larviertes Seelenschlecht hat folgendes geschrieben:
Stiller Anfang (2008)
wenn man lichttropfen sacht
in rissige seelenkeramik kerbt,
hat man Beginn in fernloser Nacht
mit fragend stiller Obhut vermengt,
ihre Ornamente sind Fremdhaft Gezwungen,
Allmensch hat's Schrill glänzend Verziert,
um die stille hat schon der ton gerungen
dieser arbeitsstoff bleibt Scherbenhaft gewirrt,
wenn man lichttropfen sacht
verarbeitet in ruhe,
Leerrisse bleiben wohl Unverortet,
Verewigt im stoff, egal was ich tue.
Ok, also ich hab mir das jetzt ein paar Mal durchgelesen, aber ich versteh immer noch nix :(
Aus den ersten und letzten zwei Sätzen lese irgendwie raus, dass du machen kannst, was du willst - die Risse in der Seele werden eh bleiben und sich auch nicht schließen, wenn man was Schönes (Licht) kommt.
Keine Ahnung, ob du das meinst. Ist glaube ich ein bißchen zu hoch für uns alle.
Re: Stiller Anfang (2008)
Anonymous - 10.07.2008, 16:19
@vancy:
interpretiere celans schliere bitte mal immanent.
man muss sich nur länger damit beschäftigen und sich vorm geistigen auge vorstellen..
Re: Stiller Anfang (2008)
vancy - 10.07.2008, 16:21
wat soll ich?
Re: Stiller Anfang (2008)
gaby - 10.07.2008, 16:22
lach..dacht ich mir auch grad,vancy..is wirklich zu hoch für uns..
Re: Stiller Anfang (2008)
Anonymous - 10.07.2008, 16:44
@vancy:
die schliere! blätter zurück, ich habe das gedicht zweimal gepostet hier! blättere auf seite 1, dann siehst du den link zum gedicht und zwar ohne bezüge zur Historie, sondern nur gedichtimmanent.
Re: Stiller Anfang (2008)
Little Lover's So Polite - 03.08.2008, 15:22
larviertes Seelenschlecht hat folgendes geschrieben:
was unterschiedet denn formal celan, von meinem? Nichts, denn wir haben beide keine gerordnete metrik. Danns ag mal, wo es bei mir holpert.
Gut, ich versuch' das nun konkret festzumachen.
Hab' sowas allerdings schon viele Jahre nicht mehr gemacht, demnach bitte um Entschuldigung für die Fehler, die mir dabei sicher unterlaufen sind. Ich hoffe, es sind trotzdem wenige und keine tragischen.
OK, ich fang' mal an mit deinem Gedicht: "Stiller Anfang". Vor dem Trennstrich jeweils die Anzahl der betonten Silben dieser Zeile.
Zitat:
3 | wenn man lichttropfen sacht
4 | in rissige seelenkeramik kerbt,
4 | hat man Beginn in fernloser Nacht
4 | mit fragend stiller Obhut vermengt,
5 | ihre Ornamente sind Fremdhaft Gezwungen,
4 | Allmensch hat's Schrill glänzend Verziert,
5 | um die stille hat schon der ton gerungen
6 | dieser arbeitsstoff bleibt Scherbenhaft gewirrt,
3 | wenn man lichttropfen sacht
2 | verarbeitet in ruhe,
4 | Leerrisse bleiben wohl Unverortet,
4 | Verewigt im stoff, egal was ich tue.
Die erste Strophe find' ich super - funktioniert in meinen Augen wunderbar.
Das erste Problem bekomm' ich bei
Zitat:
Allmensch hats schrill glänzend verziert
'--''--'
mit den beiden betonten Silben direkt hintereinander. Da komm' ich in der Aussprache nicht elegant drüber.
Kann sein, dass du die Stelle anders betonst?
Zitat: um die Stille hat schon der Ton gerungen
Das ist eine Weltklasse-Zeile, will ich an der Stelle noch sagen :)
Zitat:
dieser arbeitsstoff bleibt Scherbenhaft gewirrt,
'-'-'-'-'-'
Schöner Jambus, aber sechs betonte Silben sind mir hier zu viel - ich behaupte: in Bezug auf die Zeilen davor holpert das. Daneben finde ich persönlich, dass das Wort "Arbeitsstoff" einfach nicht gut klingt, was aus meiner Sicht am s-sch liegt. Das ist jetzt allerdings nur meine persönliche Meinung - du siehst das wahrscheinlich anders, und da lass' ich mich - wie überhaupt auch in allen anderen Punkten - gerne vom Gegenteil überzeugen.
Letzte Strophe gefällt mir im Wesentlichen auch wieder gut. Falls ich mir auch hier bitte wieder eine persönliche Bemerkung erlauben darf: wenn man einen Satz mit "Wenn" beginnt, dann aber eine Haupsatzkette daraus macht ("Leerrisse bleiben wohl ..."), das finde ich persönlich nicht besonders elegant gelöst. Ich denke, das ginge vielleicht schöner ;)
Wie zu Beginn des Threads schon gesagt, finde ich "Stiller Anfang" aber ziemlich gut.
-------------------------------------------------------------------------------
Nun Celans "Schliere". Vor dem Trennstrich wie gewohnt wieder die Anzahl der betonten Silben.
Zitat:
2 | Schliere im Aug:
3 | von den Blicken auf halbem
3 | Weg erschautes Verloren.
3 | Wirklichgesponnenes Niemals,
2 | wiedergekehrt.
3 | Wege, halb und die längsten.
3 | Seelenbeschrittene Fäden,
1 | Glasspur,
2 | rückwärtsgerollt
1 | und nun
3 | vom Augen - Du auf dem steten
2 | Stern über dir
2 | weiß überschleiert.
2 | Schliere im Aug:
2 | daß bewahrt sei
3 | ein durchs Dunkel getragenes Zeichen,
3 | vom Sand (oder Eis?) einer fremden
3 | Zeit für ein fremderes Immer
2 | belebt und als stumm
3 | vibrierender Mitlaut gestimmt.
Schon beim lauten Lesen kam mir dann ein Verdacht, der sich beim Niederschrieben der Betonungen dann endgültig aufgedrängt hat - darum schrieb ich's dann mal um und setzte die Umbrüche dort, wo ich die Sprechpausen mache:
Zitat:
2 | Schliere im Aug:
6 | von den Blicken auf halbem Weg erschautes Verloren.
5 | Wirklichgesponnenes Niemals, wiedergekehrt.
6 | Wege, halb und die längsten. Seelenbeschrittene Fäden,
5 | Glasspur, rückwärtsgerollt und nun vom Augen -
6 | Du auf dem steten Stern über dir weiß überschleiert.
2 | Schliere im Aug:
5 | daß bewahrt sei ein durchs Dunkel getragenes Zeichen,
6 | vom Sand (oder Eis?) einer fremden Zeit für ein fremderes Immer
5 | belebt und als stumm vibrierender Mitlaut gestimmt.
Siehe da - doch alles 5- und 6-Heber, wenn auch keine Jamben. Sehr elegant von ihm gemacht, finde ich.
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