Eleonora

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    Re: Eleonora

    methu - 06.07.2008, 11:21

    Eleonora
    Eleonora

    Egon Kramer richtete seine Kleidung vor dem großen, goldgerahmten Spiegel im Foyer des Tanzcafes sorgfältig. So wie an jedem Dienstag Nachmittag. Seit beinahe zwei Jahren hatte er keinen dieser Seniorentanztees versäumt.
    Ein eher schmaler Sechzigjähriger mit schütterem Haar, gekleidet in ein Seidenjacket, lächelte ihm aus dem Spiegel entgegen. Wie beruhigend, dachte sich Kramer, seinem Gesicht war die Sorge um Eleonora nicht anzumerken.
    Tief durchatmend ging er die wenigen Schritte bis zur Eingangstür des kleinen Saales. Freundlich in die Runde grüßend, setzte er sich an einen dieser kleinen Marmortische, schaute sich um. Wie fast immer waren mehr Frauen als Herren anwesend.
    Mehrere Damen hatten seinen Eintritt wahrgenommen und sogleich tuschelnd ihre wohlfrisierten Köpfe zusammengesteckt. Immer wieder trafen ihn verstohlene Blicke, in denen er die verschiedensten Emotionen herauslesen konnte. Neugier, Interesse, auch Mitgefühl.
    Noch bevor er den ersten Schluck seines Kaffees zu sich nehmen konnte sah er Hertha, welche, ihren sehr üppigen, gut gepflegten Körper elegant an den Tanzenden vorbeimanövrierend, zielstrebig seinen Tisch ansteuerte.
    "Herr Kramer, welche Freude Sie heute hier zu sehen" ,zwitscherte sie, während sie auf dem angebotenen Stuhl Platz nahm.
    "Sind Sie ohne Begleitung?"
    Egon Kramer nickte, bevor er mit gedämpfter Stimme antwortete.
    "Leider. Frau Gerber verstarb Ende letzter Woche plötzlich; Das Herz."
    Hertha nickte, ihre Stimme klang gedämpfter.
    "Ja, wir sind alle in dem Alter, wo es uns täglich treffen kann. Immer, wenn man jemanden gefunden hat, von dem man denkt, der wäre nochmal was fürs späte Glück...." schwafelte sie vor sich hin, um abrupt zu enden, als ihr Blick sein Gesicht musterte. Mitfühlend legte sie ihre perfekt manikürte Hand leicht auf seinen Unterarm.
    "Ich schwatze hier. Es tut mir so leid für Sie. So ein netter Mann und immer so viel Pech mit den Frauen. War nicht auch ihre letzte Bekanntschaft ohne Vorwarnung verstorben?"
    Egon Kramer schien für einen Moment mit seinen Gedanken weit fort zu sein. Seine Augen hatte er niedergeschlagen. Seine Stimme war nur ein schwaches Hauchen.
    "Frau Gerber, Louise, war seit dem Tod meiner Frau die Vierte mit der ich es noch einmal wagen wollte. Sie hatte, mir zuliebe, sogar eine kleine Wohnung in meinem Haus gemietet und war eben erst eingezogen."
    Wieder drifteten Kramers Gedanken ab.
    Eleonora , schoss es durch seinen Kopf. Was tue ich hier eigentlich?
    Seine einzig wahre Freundin, seine Helferin, seine Versicherung und einzig Aufrichtige hatte er schon seit fünf Tagen nicht mehr gesehen. Er hatte sie nicht spüren, nicht mit ihr Zwiesprache halten können. Das war ein liebgewordenes Ritual geworden in den letzten beiden Jahren. Nur viermal waren sie seitdem kurz getrennt gewesen.
    Unvermittelt stand er auf.
    "Hertha, ich sollte heute wirkllich nicht hier sein. Sie entschuldigen mich."
    Formvollendet verabschiedete er sich, um schnellen Schrittes das Etablissement zu verlassen.
    Hertha war noch einen Augenblick sitzengeblieben, ihm einen wehmütigen Blick nachsendend. Zu gern hätte sie die frisch freigewordene Stelle an der Seite von Herrn Egon Kramer, seines Zeichens wohlhabender Hausbesitzer und Pensionär, eingenommen, trotz des Getuschels all der albernen Weiber ringsumher, die ihn für eine Art Todesbringer hielten.


    Egon Kramer hatte noch nicht einmal sein Jacket abgelegt, als es an der Tür schellte. Schnell hatte er geöffnet, schaute fragend in das Gesicht des ,im Todesfall Gerber, ermittelnden Kripomitarbeiters.
    Gespannt hörte er sich dessen Ausführungen an, nahm die Schlüssel entgegen und erwiderte höflich den kurzen Abschiedsgruß.
    Aufatmend und mit einem gelösten Lächeln lehnte er eine kleine Ewigkeit mit dem Rücken an der Tür. Strebte dann zur Küche um eine kleine Dose zu holen.

    Wenig später öffnete Egon Kramer die Tür der Wohnung unter seiner, betrat, seinen Blick achtsam auf den Boden vor ihm gerichtet, den Korridor. Mit forschendem Blick verharrte er einen Moment an der weit geöffneten Schlafzimmertür. Seine Augen ruhten auf dem mit Satin bezogenen Bett. Melancholie überkam ihn, als er an die gemeinsamen schönen Stunden darin dachte. Ach Louise, wärst Du doch nicht auch so materialistisch eingestellt gewesen, wie die anderen auch. Es hätte so schön mit uns sein können!
    Wie den Gedanken wegwischend war er sich mit der Hand über seine Stirn gefahren. Er hatte zu tun.

    Es wurde bereits dunkel, als Egon Kramer seine Wohnung erneut betrat.
    Er schaltete das Deckenlicht an, dann lehnte er sich entspannt in die weichen Polster seines Lieblingssessels. Sorgsam entfernte er langsam den Deckel der kleinen Dose, setzte sich deren Inhalt sanft auf seinen linken Handrücken.
    "Eleonora, mein Liebling! Willkommen daheim."
    Fasziniert betrachtete er das Spiel des goldenen Deckenlichts auf dem schmalen glänzenden Panzer des schwarzen Skorpions.

    Ende

    (c) Rita Springer 2005



    Re: Eleonora

    ElKroet - 16.07.2008, 14:31


    Du beschreibst diesen Egon Kramer ziemlich gut. Er ist eigentlich ein Weichei, mit der gehörigen Portion Heimtücke ausgestattet, aber eigentlich ein armes, feiges Würstchen. Warum sonst ist er nicht Mann genug, mit Niederlagen oder Enttäuschungen vernünftig umzugehen. Nein, er "löst" seine Probleme in einer ganz perfiden Art und Weise.
    Die Idee der Geschichte ist gut, die Umsetzung liest sich gut.
    Es ist eine typische Pointenstory, wie ich sie von dir kenne (und liebe).



    Re: Eleonora

    methu - 23.07.2008, 13:06


    Naja, nervenstarker abgeklärter Profikiller ist Kramer bestimmt nicht.
    Ein mickriger Heimtücker, dem man nicht mal Verständnis entgegenbringen soll - das wollte ich.



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