Das Fohlen kommt zu früh...

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    Re: Das Fohlen kommt zu früh...

    Anna - 22.03.2006, 21:52

    Das Fohlen kommt zu früh...
    Heute war auch alles wieder wie immer. Ich stand auf und ging mit meinen vier Hunden joggen. Danach gab es Frühstück für die vier und mich. Anschließend ging ich duschen und zog meine reitsachen an. Dann ging ich zur Haustür raus, lies meine Hunde in meinen VW-Bus springen und setzte mich hinters Steuer. Als ich dann zum Hof fuhr, war es gerade 7.45 Uhr. Beim Hof angekommen, sprang ich aus meinem alten Bus und schloss das Tor auf. Dann fuhr ich mein Auto auf den Hof und parkte auf dem Parkplatz. Meine Hunde sprangen begeistert aus der geöffneten Tür und streunten ein paar Meter über den Hof. Ich machte nun meine Morgenrunde und schloss alles auf. Dann ging ich ins Büro. Meine Hunde folgten mir und machten es sich dann in ihrer Ecke meines Büros bequem. Ich hatte die Ecke extra ihnen überlassen und mit Decken ausgelegt, damit sie es da wenigstens etwas kuschelig hatten wenn ich mit ihnen hier im Büro war. Um kurz vor 9.00 Uhr kamen Alfons und die anderen fleißigen Helferlein. Alfons sah mir besorgt entgegen. „Wie geht’s ihr?“, fragte er mich. Ich wusste sofort wen er meinte. „Sie ist sehr unruhig und sieht aus als hätte sie Schmerzen. Ich war heute morgen lange bei ihr und habe sie beruhigt.“, sagte ich leise. „Mach dir keine Vorwürfe. Vor der Schwangerschaft hat man es nicht feststellen können das es so enden würde. Sie ist jung und stark. Sie wird es schon überleben.“, sagte er tröstend. Ich hoffte inständig das er recht haben würde. Zu kurz wäre die Zeit für Polarstern und mich gewesen. Ich hatte die Stute schon jetzt unheimlich in mein herz geschlossen. Wie könnte ich sie gehen lassen?
    Alfons machte sich nun auf den Weg zu seiner Morgenrunde. Ich ging zu Molly.. Meine wirren gedanken mussten zur Ruhe kommen. Als ich mit Putzkasten, Hufschuhen, Streifkappen und Hackamore bei ihr ankam, begrüßte sie mich laut wiehernd. Ich fiel ihr um den Hals als ich alles abgelegt hatte und kuschelte mich in ihr Winterfell, das mir leider in kleinen Büscheln entgegen kam. ^^ Ich verbrachte eine halbe Stunde lang damit ihr fell mit dem Gummistriegel zu bearbeiten. Eine weitere viertel Stunde verwandte ich für den Rest des Putzens. Molly stand ruhig da. Ohne Halfter... ohne Strick um den Hals... Ich zog ihr die Hufschuhe an und setzte ihr das Hackamore auf. Dann führte ich sie aus dem Offenstall und führte sie ein Stückchen. Ich sprang dann auf ihren Rücken und ritt mit ihr und meinen vier Hunden vom Hof runter. In wenigen Tagen war es soweit. Polarstern würde ihr Fohlen bekommen... Ich dachte wärend des Ausrittes mit Molly viel darüber nach. Immernoch hoffte ich, dass alles gut gehen würde.. kompliziert, aber sie und ihr Fohlen würden überleben. Meine trüben gedanken waren allerdings schon bald weg. Molly heiterte mich wie immer auf. Wir kannten uns nun schon einige Jahre lang. Ich konnte mir nicht vorstellen ohne sie zu leben.
    Als ich mit Molly wieder auf den Hof kam, erwartete mich Alfons. Er war total aufgeregt. Komischerweise wusste ich sofort was los war. „Sie fohlt?“, fragte ich dennoch etwas ungläubig. Alfons nickte. „Aber es ist doch noch zu früh.“, sagte ich etwas verzweifelt. „Ich habe Armin schon angerufen. Er kommt sofort. Gib mir Molly, ich versorge sie und du kümmerst dich um Polarstern. Ich hab die Trennwand zwischen ihrer Box und der Nachbarbox rausgenommen. Jetzt hat sie mehr Platz. „ Ich dankte ihm und rutschte von ihrem Rücken. Mit zittrigen Schritten rannte ich zum Stall von Polarstern. Eine der Stallhelferinnen war schon im Stall und stand vor der vergrößerten Box. Die Trennwände hatte ich extra so eingerichtet in allen Ställen. Das Mädchen sperrte meine Hunde raus, damit Polarstern ruhe hatte. Ich sah ihr zu wie sie sich das Stroh zusammen scharrte. Auch pferde bauten sich Nester. Das wussten nur die wenigstens, aber genau das tat meine Stute gerade. Als sie sich hinlegte und unruhig atmete, kam Armin, der befreundete Tierarzt der sich auf Geburten spezialisiert hatte, in den Stall. Er nickte mir zu zur begrüßung und kniete sich neben die Stute. Ich war an ihrem Kopf und beruhigte sie. Leise redete ich auf sie ein. Armin gab ihr eine Spritze die sie entspannen sollte. Polarstern schwitzte ungemein. Ihr Bauch hob und senkte sich. Ab und zu erbebte sie vor Schmerzen wenn eine erneute Wehe einsetzte.
    Die nächsten Minuten erlebte ich wie durch einen Schleier.
    Die Falte auf Armins Stirn wurde immer tiefer. Komisch wie sehr der Blick ins Detail geht bei solchen Situationen. Komischerweise spührte ich nichts. Erst als Polarsterns Atmung immer flacher wurde und das Fohlen noch nicht da war, drangen die Emotionen wieder zu mir durch. Und eine war am größten... Verzweiflung. Ich war kurz davor Polarstern und das noch ungeborene Fohlen zu verlieren. Armins Mimik sagte mir nichts besseres. Wenige Augenblicke später schaute Polarstern mich aus ihren hübschen dunklen Augen an, die einen leichten blaustich hatten. Es schien so, als würde sie alles in diesen einen Blick legen. Es fiel mir schwer zu glauben das Tiere nicht denken konnten. Polarsterns Blick sagte mir danke... danke für eine schöne Zeit. Aber er sagte auch noch etwas anderes.... bitte verzeih mir....
    Mit einem letzten leisen Röcheln schloss sie die Augen. Ihr Bauch hob und senkte sich jetzt nicht mehr. Ihre Atmung hatte ausgesetzt. Genau in dem Moment zog Armin das Fohlen ganz heraus. Es lebte. Einzelne Tränen tropften auf Polarsterns hübschen Kopf, der noch immer in meinem Schoß lag. Ich strich ihr durch die hübsche braune Mähne und konnte es nicht fassen sie so da liegen zu sehen. Armin befreite das Neugeborene gerade von Blut und Schmiere. Es war viel zu klein und zerbrechlich, da es etwas zu früh geboren wurde. Sein dunkles Fell war nass und verklebt. Ich hielt noch immer Polarsterns Kopf in meinen Händen. Ich streichelte sie und lies weiter meine Tränen auf sie tropfen. Schließlich gab Armin dem Mädchen vor der Box eine Anweisung. Sie kam mit Handtüchern und eine Eimer lauwarmen Wassers wieder. Alfons war auch da. Ich hörte nicht was sie sagten und auch die handlungen sah ich nur durch meinen Tränenschleier. Alfons und Armin kümmerten sich um das Fohlen. Sie wuschen es mit dem lauwarmen Wasser sauber und rubbelten es mit den Handtüchern trocken. Dann holte Armin angereicherte Milch, die als Ersatz für die Kolostralmilch dienen sollte. Das Fohlen war noch etwas schwach aber es trank gierig. Alfons übernahm nun das Fohlen. Armin telefonierte. Ich bekam nicht mit, mit wem er telefonierte, aber nach einer viertel Stunde hörte ich einen LKW. Kurz darauf kamen zwei Männer in die Box. Sie gaben mir Zeit mich zu verabschieden. Ich strich noch einmal über die feinen Zügen meiner Stute, strich durch ihre braune Mähne und vergoss noch eine letzte Träne auf ihr graues Fell. Es war das letzte Mal das ich sie sah. Die Mähne schafften sie raus und luden sie dann wohl auf ihren LKW. Die Abdecker waren verschwunden. Armin zog mich aus dem Stroh und drückte mich beruhigend. Leise redete er auf mich ein und ich konnte nun nicht mehr. Meine stillen Tränen gingen über in heftige Schluchzer. Langsam wurde Armins Schulter nass von meinen Tränen. Meine Augen brannten, aber ich konnte nicht aufhören.
    Ich riss mich von Armin los und ging zu Alfons und dem Fohlen in die Box rein. Er überlies mir nun die Milchflasche. Ich lies das Fohlen daran säugen und strich ihm zärtlich über den feinen Kopf. Als es die Augen öffnete, traf mich ein kleiner Schlag. Polarsterns Augen blickten mich an. Dunkle Augen mit leichtem Blauschimmer. Das Kleine blinzelte und versuchte aufzustehen. Als es stand und wieder nach der Milch suchte, hielt ich ihm die Flasche hin. Sofort begann es wieder zu säugen. Ich blieb eine Stunde lang bei dem Fohlen in der viel zu großen Box. Dann ging ich zu Armin raus. Voll Mitgefühl sah er mich an. „Soll ich noch bleiben?“, fragte er leise. Ich schüttelte stumm den Kopf. „Es ist übrigens ein Hengst und er ist gesund. Etwas schwach, aber gesund. Sollte trotzdem noch was sein mit dem Kleinen, dann ruf mich an und ich komme sofort wieder.“ Er umarmte mich zum Abschied und verschwand. Ich ging noch einmal zu der Box des Hengstes. Sein Fell war nun getrocknet und leicht gekringelt. Es war grau-braun und an der Stirn war ein heller Stern. Er lag im Stroh und schlief friedlich. Jemand hatte das von der Geburt blutige und nasse Stroh entfernt und neu eingestreut. Leise ging ich zu ihm rein. „Hallo mein Kleiner.“, sagte ich zärtlich zu ich. Er öffnete seine Augen.... ihre Augen. „Hallo Eyecatcher.“, sagte ich ebenso leise und zärtlich. Er blinzelte und schlief wieder ein...



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