Sharjin - Schattenmambo

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    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:31

    Sharjin - Schattenmambo
    Name: Sharjin
    Geschlecht: weiblich
    Alter: geschätzt zwischen 24-26 Sommer, ihr wahres Alter sagt sie nicht
    Volk: Inseltroll
    Heimatstamm: Dunkelspeer
    Bestimmung: Mambo
    Berufung: Schneiderin und Mojo-Macherin
    Titel: Mamboikonä
    Loa matete: Die Dunkle Mutter

    Beschreibung: Sharjin ist eine junge Trollin von vielleicht 24 oder 26 Sommern. Sie ist knapp zwei Meter groß und wirkt ein wenig schlacksig. Ihr Haar ist rot wie das Feuer und ihre Augenfarbe ist orange. Wenn das Licht günstig in ihr Gesicht scheint, mag es so aussehen, als ob ihre Augen wie von einem inneren Feuer erfüllt scheinen.
    Ihre Hauer sind etwa mittellang und gut gepflegt.
    Ihre Haut hat einen eher bläulichen Ton und deutet auf ihre Herkunft als Darkspear hin.
    Sie ist meist in schwarze oder lilane Roben gekleidet, die ihren Körper vollständig verbergen. An ihrem Gürtel sind mehrere kleine Säckchen befestigt, in denen sich - an der Verschmutzung am Rand zu erkennen - wohl allerlei vielfarbiger Staub befinden mag. An ihrer Seite trägt sie, gut befestigt, mehrere Zauberstäbe, wohl für jeden Zweck einen.
    Oft führt sie noch einen größeren Stab mit sich, den sie eher als Zierde benutzt, denn als Gehhilfe oder Waffe.
    Oftmals umschwirren kleine, schattenhafte Kugeln ihren Körper und auch der von ihr erzeugte Schatten scheint oft zu wabern und seine Form zu verändern, als sei er ein eigenständiges Lebewesen.


    --------------------

    ~Erinnerungen~

    Sharjin war gerade 7 Jahre alt geworden. Sie war wie alle Welpen in ihrem Alter, groß, schlaksig, etwas ungeschickt. Sie spielte mit einigen Menschenknochen, die ihr ihre Eltern geschenkt hatten. Wenn man die Knochen richtig stapelte, konnte man sie wie Bauklötze zu kleinen Häuschen formen, wo die kleinen Holzfigürchen wohnten. Sie waren Trollen nachgeahmt, und ein paar Raptorenähnliche hatte sie auch. Ihr Vater hatte auch ein paar menschliche und elfische gemacht. Die Bösen. Es musste ja immer irgendwelche Bösewichte geben. Außerdem hieß es, dass die Menschen und die Spitzohren sie damals aus dem Dschungel vertrieben hätten und dass die bösen Zwerge die armen Trollwelpen fressen würden. Es war nur fair und gerecht, wenn man sich revangierte.

    Sharjin spielte gerade wieder eine Partie "Trolle und Elfen", etwas abseits ihres Hauses in Senjin am Strand, als sie ein leises Zischen hörte. Zuerst dachte sie, dass es einer der Skorpiden war, die sich zu dicht an die Siedlung herangetraut hatte, doch als sie über ihre Schulter blickte, war da nichts, außer... viel Schatten am Boden, wo keiner hätte sein sollen.
    Sie runzelte die Stirn und stand auf. Von kindlicher Neugier geprägt ging sie zu dem Schatten am Boden und blickte dann in die Luft, ob sie irgendwo das Objekt sah, dass den Schatten warf.
    Die Sonne stand schon tief am Himmel und würde bald untergehen. Dennoch sah sie nirgends etwas, zu dem der Schatten passte.

    Abermals zischte es.
    "Sharjin...", whisperte eine Stimme. Der Trollwelpe zuckte zusammen. "Ja eh?", murmelte Sharjin wie zur Antwort, wusste jedoch nicht, woher die Stimme gekommen war.
    Dann bewegte sich der Schatten zu ihr, begann mit ihrem Schatten zu verschmelzen und von einem Augenblick zum anderen kippten ihr die Beine unter dem Körper weg und sie sank zu Boden.
    Sie sah Bilder vor Augen. Alles war grau, wirbelnd. Am Himmel sah sie einen schwarzen Strudel, von dem sie befürchtete, er würde sie einfach verschlingen.
    Schattenhafte Gestalten waberten um sie herum, als ob sie tanzen würden. "Sharjin", flüsterten sie wie im Chor.
    Sharjin bekam es mit der Angst zu tun, doch dann spürte sie eine beruhigende Präsenz. Eine hochgewachsene Gestalt näherte sich ihr. Man sah nur schattenhafte Umrisse, doch diese wirkten weiblich-trollisch. Als sie ihre Stimme erhob, war sie direkt in Sharjins Kopf.
    "Gehe den Weg der Schatten...", wies sie sie an. "Kämpfe gegen das Licht, wo auch immer du es finden magst. Diene der Nacht, und ich werde dich belohnen..."
    Sie wusste nicht, was es damit auf sich hatte, aber die Stimme klang verlockend. Ein weiteres Bild drängte sich in ihren kindlichen Verstand. Das Bild von leckeren, gebraten-knusprigen Elfenohren, die mit Zucker bestreut waren. Sie liebte diese Süßigkeit...
    "Das, und noch viel mehr verspreche ich dir..."

    Womit auch sonst konnte man Kinder gut ködern? Sharjin wusste damals nicht wirklich, was sie tat, aber für leckere Elfenohren würde sie recht viel tun... und so willigte sie schließlich ein, ohne zu erahnen, welche Folgen das für sie haben würde...

    Als sie aufwachte, spürte sie eine bittere Flüssigkeit in ihrer Kehle. Sie spuckte aus und etwas, das wie schwarzes Öl aussah, landete auf dem sandigen Boden.
    Sie fühlte sich merkwürdig, wusste nicht, warum sie auf dem Boden gelegen hatte, stand dann auf, sammelte ihre Figürchen und die Knochen zusammen und ging zurück in die Hütte ihrer Eltern.

    ~Jahre später~
    Sie hatte begonnen, sich mit Voodoo zu beschäftigen, doch je mehr sie darüber erfuhr, umso unzureichender erschien es ihr.
    Sie lernte, wie das Universum aufgebaut war, lernte Dinge über die Ahnen - die sie relativ schnell wieder vergaß - und lernte, mit ihren Sinnen mehr zu sehen, als ihre Augen es konnten.
    Die Welt war verwoben mit mehreren Ebenen. Eine war die Ebene der Schatten, die sich wie eine zweite Haut - unsichtbar - um alles und jeden schmiegte. Genauso wie die Ebene des Lichtes, die Sharjin als abstoßend empfand.
    Und diese Haut, die Schatten... man konnte sie anzapfen, und wie bei einem Webstuhl konnte man die Fäden zu sich ziehen und sie zu einem neuen Muster weben, sie lenken und leiten. Man musste nur daran glauben.
    Sharjin wurde immer fanatischer, was die Schatten anging. Noch kurz bevor sie erwachsen war, verließ sie ihre Eltern, um mehr herauszufinden und lernte dann einen älteren Troll kennen, der sie als seine Schülerin annahm. Er lehrte sie die Wege des Schattens und ließ sie in seinen Schriften stöbern. So fand sie auch das Buch der Schatten, dass sie begierig abschrieb und immer bei sich führte. Es wurde zu einer Art Bibel für sie und die Leitfäden dort drin zu ihrem Dogma.

    Angangs hatte es sie abgeschreckt, doch je mehr sie die Welt erkundete, und je mehr sie versuchte, hinter die Fassade zu blicken, umso mehr Wahrheit entdeckte sie in diesem Buch.
    Stärke durch die Erfahrung von Leid.
    Die Gaben der Nacht... der Schutz, die sanfte Seite...
    Aber auch die hungrigen Schatten, die gefüttert werden mussten.
    Die Dunkle Mutter... und ihre kehlige Sprache.
    Es hatte Jahre gebraucht, bis sie die Dunkle Sprache beherrschte, doch nur so war sie in der Lage, einige alte Dokumente zu lesen, die ihr Mentor ihr gab.

    Vor knapp einem Jahr hatte er sie dann ausgeschickt, den Willen der Dunklen Mutter in Wort und Tat zu verbreiten und Sharjin war losgezogen, fort von ihrer Heimat, hinaus in die Welt.



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:32


    Zufrieden lächelte Sharjin. Die Dunkle Mutter hatte sie erhöhrt und ihr die Macht gegeben, die Schatten wie ein Schild um sie zu beschwören. Wie kleine Energiebälle schwirrten sie um die Troll-Priesterin umher, wehrten Schaden von ihr ab und jeder, der ihr zu Nahe kam, wurde mit der negativen Energie der Schatten "verwarnt". Wenn auch wohl auf schmerzhafte Art und Weise.
    Auch war ihr das Geschenk der Wiederbelebung zuteil geworden. Als Tschandra im Kampf gegen die Eber fiel, hatte Sharjin in der Dunklen Sprache begonnen, zur Mutter zu beten. Worte, die unheilig klangen, verließen ihren Mund. Kurz schien sich die Umgebung zu verdunkeln, als würde das Licht weggesogen werden oder verblassen und die Schatten sich erheben. Wahrlich, das taten sie auch... sie drangen in Tschandras Leib ein und heilten, was verletzt war. Sie fügten ihr den Hauch des Lebens erneut ein, jedoch sah Sharjin, dass Tschandra den schwarzen Strudel gesehen hatte, der während des Schwebezustands zwischen Leben und Tod über ihr erschienen war. Der Strudel, der den Weg wies, direkt in das Reich der Nacht. Es gab nirgendwo ein helles, gleißendes Licht, gab nirgends eine friedliche Welt, die auf einen lauerte. Es gab nur Dunkelheit und das Vergessen - das Verblassen der Seele, bis sie bis zur Unkenntlichkeit aufgefasert war, ein Teil des Nebels, der die Welt umschloss.
    Die meisten würden diese Wahrheit erst nach dem Tod akzeptieren, selbst wenn Sharjin dies schon jetzt predigte. Wer nicht hören wollte, musste wohl fühlen. Sie lachte kurz. Ja, fühlen würden sie alle.

    Sie rieb sich über die Arme, wo Dornen an ihren Armen kratzten. Ein Segen der Erdenmutter. Sie spuckte auf den Boden. Immer wieder geschah es, dass sie gesegnet und magisch gestärkt wurde. Dass dies hochgradig gegen ihren Glauben verstieß, schien niemanden zu interessieren. Sie musste mühsam den Segen der Schatten wieder beschwören, um sich von diesem "Fluch", wie sie es bezeichnete, zu reinigen. Die anderen mochten sich wundern, warum sie sich nicht bedankte. Und mehr als einmal hatte sie denjenigen, sofern er nicht hüpfend oder sich rasch davon laufend aus dem Staub machte, noch erwischte, ein paar Takte erzählt. Sie ging immerhin auch nicht herum und verteilte wahllos den Segen der Dunklen Mutter.

    Der Glaube an die Macht der Schatten verlieh ihr auch die Kraft, nur mit Tschandra und ihrem Begleiter, Sharkhan, hinab in den Ragefire-Abgrund zu steigen. Lang und hart waren die Kämpfe, aber letztlich siegte die Nacht über die Dämonen und Sharjin erlebte die letzten und intimsten Augenblicke dieser Wesen, wie sie vom Leben in den Tode glitten und sich von dieser Welt auflösten und verschwanden.

    Dämonen... das Bild eines Untoten mit seinem blauen Dämon kam Sharjin in die Erinnerung. Wie beide sich geküsst hatten. Ekelerregend!
    Dann drängte sich das Bild einer Orkin in den Vordergund, einer Orkin, die zugleich Wölfin war, oder umgekehrt?
    Langsam begann sich Sharjin verfolgt zu fühlen, denn wohin sie auch ging, entweder kam die Wolfsorkin kurz nach ihr an, oder war schon vor ihr da. Sie hatte an Sharjin geschnüffelt, sie angeknurrt und gebellt... Roch sie den Tod, der an ihrer Kleidung haftete? Spürte sie die finstere Ausstrahlung der Schatten, die Sharjin umgaben? Vielleicht würde diese Person noch Ärger machen. Man würde sehen...

    Die Schneiderei-Geschäfte kamen langsam ins Rollen, immer mehr Leute kamen, um Maß nehmen zu lassen und Sharjin freute sich darüber. Schneidern war eine geistlose Tätigkeit, wo sie weder philosophieren musste, noch andere Gedankengänge verfolgen musste. Doch sie vernachlässigte ihre religiösen Pflichten dabei nicht...
    Sie vollzog sie im Geheimen, auch wenn sie sich keine Mühe gab, ihren Glauben zu verstecken. Sie würde die Dunkle Mutter nicht verleugnen. Sie stand offen zu ihr, auch wenn einige Aspekte des Glaubens nicht wirklich Öffentlichkeitstauglich waren. Doch dort, wo sogar Dämonen der Legion geduldet wurden, würde es kaum etwas ausmachen, wenn sich eine Priesterin der Schatten zu erkennen gab. Immerhin hatte ihr Mentor, der sich ebenfalls offen zu den Schatten bekannte, ein eigenes Häuschen, wo er Schüler ausbildete.
    Und die Schatten waren auch immerhin nicht die Feinde der Horde.Wenn nun auch jemand mal auf Seiten der Horde verschwand und in Sharjins Kochtopf landete, nun ja, war es nicht das Recht des Stärkeren, schlicht und ergreifend? Zudem machte Sharjin sich immerhin die Mühe, die betreffenden vorher zu töten. Anders als die Verlassenen, die sich über die teilweise noch Lebenden hermachten und an ihnen knabberten.
    Nein, Sharjin hatte sich nichts vorzuwerfen. Außer dass sie noch immer nicht die passende Robe für die Ausübung ihrer Pflichten trug... Aber auch das würde sich ändern...



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:32


    Komplett in schwarz gekleidet schlich Sharjin durch die nächtlichen Straßen von Orgrimmar. Sie suchte einen Ort, der sich besser zum Beten eignete als das überfüllte Gasthaus bei der Bank. Sie hatten nicht mal Betten und in all dem Gedränge fand sie nicht die ersehnte Ruhe. Selbst das Zelt, dass der freundliche Taure ihr in Thunder Bluff angeboten hatte, war ruhiger gewesen.
    Während sie durch die Straßen streifte, ließ sie sich die vergangenen Ereignisse durch den Kopf gehen.
    Die Dunkle Mutter war ihr wohlgeneigt und stetig spürte Sharjin, wie sie besseren Zugang zu den Kräften der Finsternis fand.
    In den Höhlen des Wehklagens hatte es sich deutlich gezeigt. Zu fünft waren sie aufgebrochen, nachdem ein orkischer Schamane, eine taurische Druidin, Tschandra, sie selber und zu guter Letzt noch eine weitere Trollpriesterin sich gemeldet hatten. Sie alle hatten ihren Segen empfangen, hatten die Kräfte des Schattens am eigenen Leib gespürt und hatten gesehen, welch Schaden die Nacht anrichten konnte, und welche Stärke sie denen bot, die ihr folgten. Niemand war ernsthaft verletzt worden und auch in der anderen Trollpriesterin spürte Sharjin die Kräfte der Nacht, auch wenn sie nicht viel miteinander redeten.
    Die Dunkle Mutter war ihr auch beim Spiel um die Dinge, die sie unterwegs fanden, hold. Und die Glitzersteine, die sie den Anführern der irregeleiteten Druiden entreißen konnte, hatte sie gut gegen einen Stab eintauschen können, dem große Magie inne wohnte. Auch wenn der Kopf der Sichel des Mondes glich, dem Zeichen Elunes. Sharjin hatte nichts eiligeres vor, als eben dieses Zeichen zu entweihen. Eine scharfe Sichel konnte auch gut dazu benutzt werden, gewisse innere Organe des Körpers nach außen zu befördern.
    Einige Angehörige der Schweinsgesichter - wie Sharjin die Borstennacken, Grimmhauer und ihre Verwandten nannte - erlebten dies am eigenen Leibe. Wie zwei Furien kamen Tschandra und Sharjin unter sie, und "fütterten die Schatten" mit dem Blut der Gefallenen.
    Jedes Leben, dass sie auslöschten und "opferten", fuhr in die Finsternis. Im Gegenzug gewährte die Dunkle Mutter ihnen Kraft, die beide wiederum investierten, um der Nacht besser zu dienen.
    Tschandra entwickelte sich immer mehr und mehr zu einer perfekten Dienerin der Nacht, sie hing förmlich an Sharjins Lippen, wenn diese predigte und fast übertraf die Jägerin die Priesterin mit inbrünstigem Gebet. Sharjin war hocherfreut...
    Langsam würde es Zeit, weitere Anhänger zu gewinnen, und die kleine Gemeinde zu vergrößern.
    Sie machte aus ihrem Glauben keinen Hehl, auch wenn sie niemandem auf die Nase band, dass sie durchaus eine sadistische Ader hatte. Im Allgemeinen achtete sie jedoch darauf, dass sie vor Zeugen niemanden ohne Sinn quälte und ihn Schmerzen erleiden ließ. Vor Zeugen ließ sie auch niemanden nach dieser Prozedur unbehandelt, sondern heilte die Wunden, sodass sich aus dieser Erfahrung der Lernprozess entwickeln konnte.

    Sharjin kicherte leise in sich hinein. Ach, es war immer wieder herrlich, wie naiv manche Leute waren. Die meisten hielten Sharjin für eine nette Trollin. Zumeist war sie das auch, wenn sie ihre Waren verkaufte. Dass sie den Schatten diente, interessierte so gut wie niemanden. Nun, es ersparte ihr leidige Diskussionen, und es ermöglichte ihr, die Leute zu manipulieren für ihre Zwecke. Sie leckte sich über ihre Hauer.
    Nur wenn jemand blasphemische Dinge von sich gab, konnte sie aus der Haut fahren. Doch jene erfuhren ihre gerechten Strafen recht schnell, und meist dann, wenn sie es nicht erwarteten. Sharjin lächelte.

    Dann schritt sie zur Arena und schlich sich hinein. Der Sand war noch vom Blut der Kämpfer getränkt. Sie blickte die Sitze hoch. Ja, eine Gemeinde hätte hier Platz, eine große Gemeinde sogar... Es war der ideale Ort für eine Messe, sollten sich genügend Teilnehmer finden lassen. Sie würde auch Tschandra den Platz zeigen... Sollten die Krieger doch weiter hier kämpfen, sie würden nicht merken, wenn der Platz der Mutter der Nacht geweiht werden würde. Und das beim Trainieren vergossene Blut würde die Macht des Ortes nur noch stärker machen. Sie kicherte. Ja, das war ein guter Plan... schon morgen würde sie mit den Vorbereitungen anfangen, immerhin war das keine Sache, die schnell vonstatten ging.



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:32


    Je mehr Sharjin erforschte, umso besser begann sie die Dinge hinter dem Sichtbaren zu verstehen. Sie kleidete sich mittlerweile auch in den Farben ihrer Loa (Göttin), Lila und Schwarz. Sie hatte einige weitere alte - ja fast schon uralte Schriften entdeckt, was die Dunkle Mutter anging. In einer mit trollischen Symbolen verzierten halb zerbrochenen Vase, die bei Mannorocs Koven stand, hatte sie das Schriftstück gefunden. Vermutlich war es aus der Welt des wirbelnden Nethers durch eines der Tore gefallen, dass die Dämonen in die Welt gespien hatte.
    Es war in der Dunklen Sprache verfasst, doch in einem Dialekt, der auch Sharjin unbekannt war. Dennoch konnte sie einige Dinge entziffern. Darin hieß darin, dass die Dunkle Mutter einst die Wächterin und die Herrin der Friedhöfe und Grabsteine war, jedoch nur der Grabsteine, die mit einem bestimmten Symbol gekennzeichnet waren. Eine verblasste, kaum noch zu erkennene Zeichnung zierte die Schriften. Darauf war eine bleichhäutige, weibliche Gestalt mit roten Haaren und einem schwarzen Kleid dargestellt. Sie trägt einen Schal über den Schultern, ein Kopftuch, eine Halskette, Ohrringe und eine dunkle Brille, deren rechtes Glas fehlt.
    Weiter in den Schriften hieß es, dass sie einen Gemahl hatte, was Sharjins Weltbild doch ein wenig erschütterte. War die Dunkle Mutter nicht eher so etwas wie die dunkle Zwillingsschwester Elunes? Der Name des Gemahls war kaum zu entziffern. Etwas mit S. Sam... Same.. Sameti?
    Zusammen mit der Dunklen Mutter hätten sie den Loa Ghede erschaffen, indem sie die Seelen der Toten aus den Wassern des Stroms des Vergessens gezogen hätten, sie zusammen fügten und diesem Wesen einen Namen gaben.

    Wie passte das mit dem vorherigen Zusammen?
    Ein Lied fiel ihr ein.

    "...Die Nacht muss eine Frau sein, denn sie hat uns geboren.
    Weil ihre Macht uns so vertraut scheint, fühlen wir uns auserkoren.
    Von ihr...
    Der Nacht!

    Die Nacht ähnelt dem Tod - vielleicht ist sie uns deshalb so nah.
    Betreten kurz sein schwarzes Boot - ein paar Tropfen auf seinem Altar.
    Und Hakkar führt uns in sein Reich, serviert uns roten Wein.
    Er lässt uns in der Ewigkeit niemals allein..."

    Es stand zwar im Widerspruch zum Loa Kalfu, jedoch musste man bedenken, dass viele Bruchstücke an Wissen jahrehunderte alt waren, überliefert, verfälscht... Was war das Original, was Interpretation?

    Wenn man bedachte, dass es in einigen Quellen hieß, dass man der Dunklen Mutter schwarze Hühner opfern sollte, so konnte man dies durchaus als Schatten interpretieren. Wenn die Nacht mit dem Tod irgendwann gleich gesetzt wurde, würde es auch erklären, warum die Dunkle Mutter von der der Herrin der Friedhöfe dann zur Herrin der Nacht wurde, vielleicht tat ihre schwarze Kleidung auch ihr übriges.
    Kurz musste sie nur schmunzeln, als sie an die roten Haare dachte und ihr eigenes Ebenbild im Wasser sah.

    Das Leid, was in den Texten des Buches der Schatten erwähnt wurde, vielleicht war es eine der Intentionen, die damals primär auf Friedhöfen herrschte?
    Und der Fluss des Vergessens... dort lag der Ursprung für die Gabe der Dunklen Mutter, zuviel Leid einfach vergessen zu können.

    Es war alles so verfälscht und Sharjin brachte viel Zeit damit zu, diesen beinahe unlösbaren Knoten halbwegs für sich zu entwirren. In den Schriften hatte sie auch das erste Mal den Namen der Dunklen Mutter gelesen. In ihren Ohren klang der Name der Loa nicht trollisch, aber was maßte sie sich auch an? Vielleicht war sie keine Trollin, immerhin wurde sie wohl auch von Untoten und einigen Allianzlern verehrt, die auf den Pfaden des Schattens wandelten.

    Sharjin seufzte. Wie würde Tschandra reagieren, wenn sie ihr von diesen neuen Erkenntnissen berichtete?
    Die Troll-Mambo strich sich ihre roten Haare aus dem Gesicht, leckte sich über die Hauer und schon sich ein weiteres Elfenohr in den Mund, dann blickte sie über die Reihen der Arena. Thrall hatte den unteren Teil, die Kampffläche, sperren lassen, weil angeblich Dinge im Sand gefunden worden waren, die den Kämpfern in ihren Duellen Verletzungen zufügen könnten, wenn diese darüber oder darauf stolperten.
    Es ärgerte Sharjin, aber sie wagte nicht, sich bei ihm oder seinen Vasallen darüber zu beschweren, dass der mühsam geweihte Platz nun wieder aus ihrer Reichweite gerückt wurde.
    Dennoch zog sie Kraft aus der Tatsache, dem den Schatten geweihten Boden nahe zu sein.

    Leise schmatzend aß sie das Ohr ganz auf und leckte sich dann die Finger ab. Sie verstaute ihr Buch und strich sich über die schwarze Robe. Sharjin hatte mittlerweile herausgefunden, dass es am einfachsten war, das Leid zu verbreiten und die Schatten zu füttern, wenn sie in die Schlacht zog. Dass nebenbei leckere Elfenohren anfielen, war ihr nur mehr als Recht.
    Das einzige, was ihr nicht behagte, waren diese Totstücks, die auch ab und an in das Schlachtenglück eingriffen. Sie sprachen zumeist komisch, sie stanken und ... sie waren einfach untot. Das reichte schon, um Sharjins Abneigung zu gewinnen. Noch schlimmer war es, dass sie zu ihr kamen, um den Segen der Dunklen Mutter zu erbitten. Sie weigerte sich die ersten Male, sah dann jedoch ein, dass jemand, der den Segen erhalten hatte, länger in der Schlacht bestand. Und sie damit auch schützen konnte. Damit war Sharjins schlechtes Gewissen wieder ein wenig beruhigt. Wer sie schützte, der half indirekt der Dunklen Mutter - denn soviele Mambos oder Houngans dieser Loa hatte Sharjin noch nicht getroffen - und verdiente sich somit auch den Segen. Wer nicht half, nun, der sollte einfach verrecken. Es kümmerte Sharjin nicht, meist war sie sogar froh, wenn die Pfeile und magischen Geschosse sich in das faulige Fleisch der lebenden Untoten bohrte und sie in das Ewige Nichts schickten. Oftmals verrichteten die Allianzler ihr Werk jedoch nicht richtig und die Untoten erhoben sich abermals, noch grausiger zugerichtet und wütend auf alles Leben in der Nähe.

    Durch ihre Taten stieg sie innerhalb des Militärs auf und sah sich plötzlich einer weiteren Verpflichtung gegenüber, dem militärischen Dienst an der Horde im Namen von Thrall. Sie fügte sich dem, weigerte sich jedoch, einigen Befehlen nachzukommen. Zu sehr hatte sie ihren eigenen Kopf. In erster Linie galt es selber zu überleben, danach kam ihre Glaubensschwester, dann ihr Stamm, und dann irgendwann später, der Rest. Nur wenn der Ausgang der Schlucht davon abhing, dass einer der Läufer wichtige Information in die Basis brachte, angezeigt von einer Fahne, die er bei sich trug, eilte sie auch dorthin, um den Läufer zu schützen, damit die Botschaft nicht in fremde Hände fiel.
    Auch wenn sie noch immer nicht verstand, warum diese Personen Flaggen tragen mussten, damit sie jeder sah.
    Es war gewiss irgendeine offizielle Sache.
    Sie zog ihren Rotz hoch und spuckte ihn neben sich auf den Boden.
    Ja, die Schlacht... ein- oder zweimal hatte sie selber die Botschaften entgegen genommen und hatte sich, begleitet von den anderen, durch die feindlichen Reihen gekämpft. Es war schwieriges Geländer gewesen, überall lagen gefällte Baumstämme, die teilweise wiederum mit Gestrüpp bewachsen waren, vergebliche Bemühungen der Druiden, die gerodeten Flächen wieder zu bepflanzen.
    Es gab einige kleine Hütten, wo die Holzfäller genächtigt hatten und ab und an fand man dort einige nützliche Dinge, die sie zurück gelassen hatten. Sharjin bemühte sich so oft es die Zeit und das Kampfgeschehen zuließ, die Habseligkeiten zurück zu bringen.
    Das einzige, was sie verfluchte, war, dass sie nicht so schnell wie all die Jäger und Schamanen laufen konnte. Sogar die Krieger in ihren schweren Rüstungen liefen schneller über das Feld als sie. Ob sie Ausdauer-Training machen sollte, um die Kondition zu steigern? Was nutzte schon eine Heilkundige, die keuchend neben einem Verletzten stand, diesem aber nicht helfen konnte, weil sie außer Atem war?
    Sie schickte zwar lieber ihre Flüche und Verwünschungen in die Reihen der Gegner, jedoch war es ebenso wichtig, die Dunkle Mutter um Heilung für bestimmte Leute zu bitten, eben damit auch Sharjin ihr Werk fortsetzen konnte. Sie hatte mehr als einmal gemerkt, was es bedeutete, hier zu wählerisch zu sein: Viele Kopfschmerzen. Zum Glück hatte Tschandra eingegriffen, bevor es ernsthafte Konsequenzen für die Trollin hatte.
    Dennoch, sie ging spärlich damit um, und wer sich dem Segen nicht verdient machte - und ihr nicht nutzte - den bedachte sie in Gedanken ebenfalls mit Flüchen.
    Sharjin schmunzelte.
    Die Dunkle Mutter stand ihr bei. Bis auf einmal hatte sie noch jede Schlacht gewonnen, hatte die Horde verlorenes Terrain wieder eingenommen und war fähig, weitere Gebiete der verfluchten Elfen zu roden.
    Was die überhaupt an Bäumen fanden... pah. Sie waren Scheusale, diese Elfen, die nichts weiter als mutierte Trolle. Sie hatten allesamt den Tod verdient. Und die Horde brauchte das Holz. Dass die Elfen nicht verstanden, dass die Horde alleine aus Eigennutz danach den Wald wieder aufgeforstet hätte, um erneut Holz ernten zu können, wunderte Sharjin nicht. Ihre hochheiligen Bäume durfte ja niemand anfassen, der kein Nachtelf war. Pah.
    Und wenn die Horde die Bäume nicht bekam - immerhin wollte auch Sharjin abends an einem Lagerfeuer sitzen, was Mangels Holz und ohne die Bemühungen in Warsong nicht möglich wäre - dann sollte sie niemand bekamen. Sie wusste, dass Pläne existierten, die Bäume notfalls zu verfeuern. Dann würden die Elfen schon noch sehen, was sie davon hatten.
    Doch bis dahin galt es, das holzhaltige Tal zu halten und zu sichern, damit die Peons weiter arbeiten konnten.

    Sie blickte ein weiteres Mal über die Reihen, wandte sich dann um und verschwand im Dunkel des Ganges, der aus der Arena hinausführte.



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:33


    Einige Wochen später...

    Sharjin starrte von ihrem erhöhten Sitz zum Kloster hinunter. Ihre Augen brannten, wie von einem inneren Feuer erfüllt. Schatten umschmiegten ihren Körper, waberten um sie herum, durchdrangen sie und erfüllten jede Faser ihres Daseins. Es fühlte sich an wie die zärtliche Berührung eines Liebhabers - den Sharjin bislang nie kennengelernt hatte - und doch war es unheimlich kalt. Fast kam es ihr vor, wenn sie mit den Schatten verschmolz, und eins wurde mit der Dunklen Mutter, wie sie es selber nannte, dass die Schatten sich von ihren Gefühlen ernährten und nichts anderes zurück ließen als Kälte, Hass und Gleichgültigkeit. Und den Wunsch, andere Leiden zu lassen.

    Sie blickte zu den patroullierenden Menschen und lächelte kalt. Ihren Raptor hatte sie beim See gelassen, wo er einige Fledermäuse jagte. Es war ihr nur recht, so brauchte sie nicht für sein Futter zu sorgen.
    Sie erhob sich langsam und lachte leise. Unwirklich wie ein Schatten näherte sie sich zwei Frauen, die im hinteren Teil des Klostergartens meditierten und beteten. Sie bemerkten sie nicht, knieten nur auf dem kalten Boden, den Blick auf die Fackel vor ihnen gerichtet, die ein wenig Licht spendete.
    Sharjin hörte die leisen Worte ihres Gebetes. Die Worte schmerzten in ihren Ohren und auch wenn sie sie nicht verstand, so wusste sie doch, dass sie ihre heiligen Litaneien aufsagten, die an das Gute im Universum gerichtet war. Eine Bitte an das Licht, und doch an niemanden bestimmtes zugleich gerichtet.
    Die Schatten sammelten sich um sie herum, verdichteten sich zu kleinen Bällen und umflogen sie, begierig darauf, nach allem zu schnappen, was sich Sharjin näherte. Der Biss der Schatten.

    Sharjin unterdrückte ein Kichern. Ja, die Schatten waren hungrig und sie wollten gefüttert werden. Noch außerhalb des Lichtscheines der Fackel blieb sie stehen, blickte zur Rechten Menschenfrau und begann sich zu konzentrieren. Sie schickte ihre Gedanken aus, die sich Tentakeln gleich auf die Reise machten, tasteten, fühlten und sich dem Geist der Frau näherten. Diese Frau schien ebenfalls von einem inneren Feuer erfüllt zu sein, die Macht des Glaubens. Doch sie war abgelenkt und anstatt mit vollem Herzen bei ihren Litaneien zu sein, verfolgte sie einige unsittliche Gedanken. Sharjin sah einen der Mönche in ihrem Geist aufblitzen. Ein Bett... Laken... zerwühlt.

    Sharjin nutzte die Lücke und griff zu. Sie erstickte die innere Flamme mit den Schatten und übernahm die Kontrolle über den Körper der Frau.
    Sie hieß Anja, soviel erfuhr Sharjin. Und ihre Begleitung trug den Namen Sofie. Was für grässliche Namen! Sie forschte weiter in dem Geist der von ihr übernommenen Person, drang forsch weiter und sah, wie Sofie besorgt zu Anja hinübersah, der ein leiser Schmerzenslaut über die Lippen gekommen war.
    "Alles in Ordnung, Schwester?", fragte sie.
    Anja nickte nach einigen Momenten. Sharjin verstand nun die Worte der Menschen, doch es war so schwer, sie richtig einzuordnen. "Ich...", Sharjin kramte im Wortschatz der Frau. "Ich ... habe nur..."
    Sharjin grinste plötzlich. "... nur Bauchweh. Ich bin... guter Hoffnung."
    Es war eine glatte Lüge, aber angesichts der unsittlichen Bilder, mochte es eines Tages zur Wahrheit werden. Und soviel hatte sie von den Klosterfrauen bereits gelernt. Die Paarung galt als äußerst sündhaft. Im Klosterleben durfte es soetwas nicht geben. Es war sogar ein Grund, hinaus geworfen zu werden.

    "Du... aber wie?", erkundigte sich Sofie. Sharjin rollte eine kleine Schweißperle die Stirn hinab. Sie durfte nicht so lange spielen.
    "Das geht dich nichts an, du..." Anja gab einige Schimpfwörter von sich, deren Bedeutungen sich Sharjin verschlossen. Aber angesichts der Gesichtsfarbe der anderen Frau wusste sie, dass sie getroffen hatte.
    Anja griff zum kleinen Streitkolben, der an ihrem Gürtel hing, holte mit aller Wucht aus und schlug auf Sofie ein.
    Diese war derart von dem plötzlichen Angriff überrascht, dass sie nicht an Gegenwehr dachte. Sharjin kicherte nun wirklich leise, doch die beiden bemerkten sie noch immer nicht.
    Erst jetzt erhob sich Sofie, griff zu ihrer eigenen Waffe und blockte den nächsten Angriff von Anja. Sharjin hatte mittlerweile Mühe, Anja zu kontrollieren und sie gegen ihren eigenen Willen agieren zu lassen. Doch noch hielt sie den Körper in ihrem mentalen Griff, zwang ihn mit aller Kraft anzugreifen.
    Sie hielt die Kontrolle noch einige weitere Hiebe aufrecht, dann lockerte sie den Griff und umschloss ihren Stab fester. Mit lauter Stimme rief sie in der Dunklen Sprache "Agrekuta", es war das Machtwort für Schmerz.

    Sharjin sah, wie eine der Frauen zusammen zuckte, sich an den Kopf fasste, als stünde ihr Gehirn in Flammen, was es auch indirekt tat. Die Nerven spielten verrückt, sandten Schmerzimpulse aus und wahre Wellen an Pein. Die Frau ließ die Waffe fallen, während Anja sich nun wütend auf Sharjin stürzte.
    "Möge de Dunkle Mutta dich mit ihrn Schattn verbrennen!", rief Sharjin und noch ehe Anja sie erreicht hatte, fuhr eine dunkle Schattensäule aus dem Boden, die die Frau umhüllte. Wie Flammen loderten die Schatten an ihrem Gewandt, und begannen ihr Festmahl. Erstaunlicherweise hielt sich die Frau weiterhin auf Beinen.
    Sie begann sich erneut zu konzentrieren, sandte ihre Gedanken aus, die sie zu einem großen Schwert formte, mit dem sie mental zuschlug. Die Frau erreichte sie, doch sogleich stürzten sich die Schatten, die Sharjins Körper umspielten, auf den Mensch und diesmal reichte es. Anja ging zu Boden und blieb dort liegen.
    Sharjin lachte kühl. Die Schatten taten sich nun gütlich.
    Dann trat sie zu der anderen Frau, die sich langsam von der Schmerzattacke erholte. Sie breitete ihre Arme aus, berührte die Frau nur flüchtig und murmelte: "Dein Blut sei mein Leben!"
    Sofort begannen sich die Augen der Frau zu verdrehen und Sharjin spürte, wie Sofias Kraft auf sie überging, während Sofia selber geschwächt wurde.

    Noch bevor auch sie zu Boden ging, holte Sharjin mit ihrem Messer aus und durchschnitt ihr die Kehle.
    Ein fieses Lachen entrang sich ihrer Kehle, dann wandte sie sich ab.
    Die Schatten hatten genug gefressen... Es war Zeit für andere Dinge.

    Kurz bückte sie sich, um eine kleine Münze, die aus Anjas Tasche gerollt war, aufzusammeln. Sie spuckte drauf, putzte sie an der Robe ab, grinste und verstaute die Münze dann in ihrer Geldkatze.

    Dann schlenderte sie fast gemächlich zum See, pfiff einmal auf ihrer kleinen Flöte und wartete, bis der Raptor ihrem Ruf folgte und erschien.
    Sie brauchte noch einen Namen für ihn... aber der würde ihr auch noch einfallen.

    Sie ritt zurück in die Richtung von Undercity. Unterwegs ließen die Schatten ab von ihr und Sharjin begann leicht zu zittern. Als ob ein Schutzschild von ihr genommen worden wäre, überspülten sie wieder all die Emotionen, vor denen die Schatten sie schützten.

    Die geplatzte Verabredung mit Jinjlo, der Streit mit Obscurus und das unbestimmbare Gefühl des Verlustes. Der Wunsch nach Zweisamkeit, vielleicht nach ein wenig Aufmerksamkeit eines starken, stattlichen Trolls...
    Sie biss sich auf die Zunge, um die Gefühlsduseleien zu vertreiben. Einige Gefühle waren Schwäche und je mehr sie mit den Schatten verschmolz, umso mehr verabscheute sie diese Emotionen. Und doch waren sie ein Teil von ihr, selbst wenn sie sie gerne verbarg hinter ihren Litaneien.
    Die Dunkle Mutter hatte sie zu sich gerufen und dann, als sie ihrem Ruf gefolgt war, und die Katastrophe passierte, war sie die einzige gewesen, die für Sharjin dagewesen war. Zumindest hatte es Sharjin immer so empfunden. Die Schatten, die sie sanft in den Schlaf wiegten, ihr Dinge zuflüsterten... Mit ihrer Hilfe hatte sie vieles erreicht, was sie sonst nie hätte erreichen können.

    Sie hätte der Tradition ihrer Familie folgen müssen, Anglerin werden sollen, doch das wollte sie nie. Die Schatten hatten ihr eine Flucht geboten... und Trost.
    Sharjin war ganz aufgegangen in ihrem Glauben, auch wenn er teilweise fanatische Züge annahm und ihr einen leichten Hang zur Grausamkeit verlieh. Dennoch, irgendwo in ihrem Inneren steckte noch die Sharjin von damals, das fröhliche, vergnügte Mädchen, das unbeschwert mit den anderen gespielt hatte. Nur seit dem Ereignis nicht mehr. Sie hatte sich abgekapselt, bis sie schließlich auf eigene Faust Sen'jin verlassen hatte, um ihre Ausbildung zu beginnen. Ihre Eltern hatten dies nie gutgehießen, doch sie würden Sharjin nie wieder vorhalten machen.

    Kurz kamen ihr die Bilder der Katastrophe wieder vor Augen, die Schreie hallten in ihrer Erinnerung wider, so wie damals...
    Erneut biss sie sich in die Zunge, versuchte die Erinnerungen und den mentalen Schmerz mit physischem Schmerz zu bekämpfen. Dann rief sie erneut die Schatten, suchte ihre eisige Kälte... und ließ die Erinnerungen ein weiteres Mal zurück.



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:33


    Einige Tage danach...

    War Sharjin in den letzten Tagen ein wenig aufgeblüht, so kam für sie ein herber Rückschlag nach dem nächsten.

    Sie saß in ihrer Hütte, die Beine eng an sich gezogen, und zitterte am ganzen Leib.
    Nicht nur, dass Krieg mit den alten Feinden drohte, nein, auch die Geißel griff an. Überall schwebten Nekropolen über der Erde, die untoten Diener der Seuche breiteten sich aus.
    Sharjin dachte an den gestrigen Tag zurück. Ungläubig hatten Zulujin, Sirí und sie zu der Nekropole über Thunder Bluff gestarrt. Schon alleine der Anblick hatte gereicht, um den Mut zu verlieren angesichts dieser Herausforderung. Doch in der Verzweiflung blieb nur der Mut... Sie beschlossen, die Sache näher zu untersuchen und machten sich auf den Weg hinunter. Eine Dienerin der Argentumsdämmerung stand auf dem Hügel unten an der Stadt. Sie sprach perfekt Orkisch, obwohl sie eine Menschenfrau war und beauftragte sie, die Diener der Geißel zu bekämpfen und die magischen Beschwörungskreise zu untersuchen, was sie dann auch taten.

    Doch als Sharjin den Kreis betrat, begannen sich Energien zu sammeln, Symbole erschienen aus dem Nichts, reihten sich zu Wörtern aneinander und umschwirrten Sharjin. Die Welt um sie herum begann zu verblassen.
    Aus der Ferne hörte sie gellende Schreie. Schreie, die so voller Schmerz gefüllt waren, dass sich Sharjins Nackenhaare aufrichteten. Es war nicht nur eine Stimme die schrie, es waren dutzende, hunderte. Dazwischen das Weinen von Kindern, Schluchzen, Stöhnen. Und dazwischen eine einzige Stimme, die lachte.
    "Ihr werdet alle Sterben. Ihr braucht euch gar nicht erst wehren, denn ihr zögert nur das Unvermeidliche hinaus. Die Zeit arbeitet für mich und bald... gehört ihr alle mir..."
    Das Lachen schien von überall und nirgends zu kommen, und es klang so, als würden Stimmbänder, die seit Jahrzehnten nicht mehr gesprochen hatten, nun wieder beansprucht. Die Stimme klang heiser, krächzend und doch so durchdringend, dass sich in Sharjin alles sträubte.
    Das Schlimmste war jedoch, dass sie diese Stimme schon einmal gehört hatte... vor ettlichen Jahren. Sie war dünn gewesen, wie aus weiter, weiter Ferne... Und doch hatte sich jede Nuance von damals unweigerlich in Sharjins Gehörgang gebrannt.

    Die Umgebung verblasste vor ihren Augen und sie fühlte sich, als ob sie schweben würde, sah die Welt von oben, sah Azeroth, Kalimdor und die östlichen Königreiche. Überall schwebten die Nekropolen und warfen so ein tödliches Netz über die unschuldige Welt. Eine grüne Flüssigkeit floss von den Nekropolen herab, und wie Geifer oder Sabber rann er über die Erde, vermengte sich mit den Flüssen und verdarb sie.
    Die Bilder veränderten sich.
    Sie sah Schatten. Zuerst freute sie sich, Diener der Dunklen Mutter... Verbündete! Doch dann blickte sie ihnen in die Augen und sah dort nur Hass lodern. Hass auf alles Lebende.
    Neben ihnen tauchten Untote Kolosse auf, viermal so breit wie ein Troll und doppelt so hoch. Ihre Bäuche waren aufgeschlitzt, an den Hälsern klafften breite Wunden. Das Fleisch war blass-grau und Sharjin nahm den Geruch der Verwesung wahr.
    Neben den Kolossen wurden weitere Wesenheiten sichtbar, Ghule, Skelette, geisterhafte Schemen. Erst waren es nur eine handvoll, dann waren es mehr als ein halbes Dutzend... Immer mehr und mehr wurden sichtbar, zehn, zwanzig, hundert, tausende...
    Und zwischen den Reihen erblickte sie ein Augenpaar, dass ihr ebenfalls unheimlich bekannt vorkam. Aber es konnte nicht sein, sie hatte damals selber gesehen wie...

    In diesem Augenblick wurde alles schwarz um sie herum. Ihre Beine gaben nach und gnädige Ohnmacht ergriff sie.
    Doch selbst als sie in die Schwärze eintauchte, schien etwas nach ihr zu greifen, etwas in ihr zu berühren...

    Sharjin zitterte noch immer. Die anderen hatten sie wieder aufgepeppelt und nur stockend hatte sie berichtet, was sie gesehen hatte, soweit ihr Mund die schreckliche Wahrheit entließ.
    Über diese Augen hingegen hatte sie kein Wort verloren. Niemand wusste etwas von der schrecklichsten Zeit ihres Lebens. Niemand... außer Kuljin. Ihm hatte sie sich anvertraut und es war ihr danach besser gegangen. Er schien sie zu verstehen und fast war es ihr als ob da etwas ...

    Sharjin vertrieb die Gedanken, auch wenn die Erinnerung, diese eine Berührung, ihr Kraft gab. Was sie gesehen hatte, war schrecklich und als sie nach Tanaris geritten waren und auch die anderen es mit eigenen Augen erblickt hatten, was Sharjin ungleich schlimmer gesehen hatte... da wusste sie, dass ihre Vision... oder die Bilder, die sie gesehen hatte, wahr waren.
    Kuljin hatte ihnen zudem noch in Tanaris eines der Nester der Silithiden gezeigt. Und Sharjins Verstand weigerte sich, auch das noch aufzunehmen.
    Riesige Tentakel oder beinähnliche Auswuchse ragten dort aus dem Boden und wie die Beine eines umgedrehten Käfers zuckten sie rythmisch...

    Sie waren in die Kuhstadt zurück gekehrt, hatten einen Kriesenrat abgehalten, und Sharjin sah immer wieder diese Bilder, hörte immer wieder das Lachen und dieselbe Stimme sprach mittlerweile sogar laut zu den Tauren, untergrub ihre Moral und eliminierte ihre Hoffnungen...

    Verzweifelt versuchte Sharjin, ihren Schutzwall wieder zu errichten, versuchte die Unnahbarkeit heraufzubeschwören, sich in die Schatten zu flüchten und die Dunkle Mutter um Vergessen zu bitten, doch es gelang ihr nicht. Es war wie damals... sie hatte keinen Schutz, keine Hilfe... alles schien vergebens und wenn die Bilder wahr wurden... dann ... würde es bald kein Leben mehr geben, nur noch das unirdische Leben der Verlassenen und der Geißel.
    Sie hörte die spöttischen Stimmen auf der Versammlung, sah Zweifel in ihren Augen, doch als Jannja mit Hohn, so wie es in Sharjins Ohren klang, anfing, ihr über die Glaubenssätze der Dunklen Mutter etwas zu erzählen, rastete eine Sicherung in Sharjin aus.
    Sie erhob sich, hielt die Hand kurz zum Abschied hoch und ging.

    Natürlich... Emotionen waren ein Zeichen von Schwäche... Hass und Kälte waren eine gute Maske ... aber sie waren nur eine Maske, unter der es brodelte und Sharjin war nicht in der Lage, diese Maske aufrechtzuerhalten, nicht nach diesen Bildern. Nicht nach dem vorwurfsvollen Blick in den Augen der untoten Trollin...

    Kurze Zeit später war Tschandra zu ihr gekommen, doch Sharjin hatte sie nach kurzem Wortwechsel weggeschickt. Sie wollte alleine sein, ertrug die Nähe nicht und litt.
    Sollten einige es doch als spaßige Herausforderung betrachten, sie wussten nichts... sie wussten nichts über Verluste, wussten nichts über Dinge, die ihr aufgezwungen worden waren.
    Und ... sie wussten nichts von den Gefühlen einer Mutter...



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:34


    Wochen später...

    Sharjin hockte neben dem langsam erkühlenden Leichnam von Kuljin. Ihre Hände waren in sein Blut getaucht, während sie leicht zitternd betete.
    "Dunkles Mutta, helfens mir zu rettn diesn Körpa und fügn wieda zusammn, was gebrochn is..." - "Xhaz nargash irka ghol, vatrasz petron klat rakha nrhomka."
    Sie wechselte zwischen der Dunklen Sprache und Trollisch hin und her, genauso wie sie zwischen ihren Gefühlen gefangen war. Sie verfluchte sich, die Welt, den Houngan, den sie getroffen hatte und sogar Kuljin selber.
    Während sie dennoch weiter betete und auch Ghede um Gnade anflehte, liefen vor ihrem geistigen Auge die Bilder erneut ab, wie in einem Schnelldurchlauf.

    Sie erwachte, ein normaler Tag. Sie aktualisierte endlich den Zettel am Trollsbrett mit ihren Angeboten, schrieb den Bericht nieder für die Trolle über den Besuch in Uldaman, und eigentlich hatte sie dann Schildkröten jagen wollen. Hatte anfangen wollen, doch für die Modenschau Dinge zu nähen und hatte über die Schrifttafeln berichten mögen. Doch der Häuptling hatte angefragt, ob nicht vielleicht wer mit in die Höhlen der Oger kommen wolle. Sharjin meldete sich. Die anderen Dinge konnten notfalls warten. Wenn jemand aus dem Stamm Hilfe brauchte, hatte das Priorität. Auch Jannja wollte mitkommen und während sich Sharjin mit dem Trollmagier in Grom'Gol traf und beide auf die Ankunft von Kuljin warteten, trafen sie auf Zamjin und Karajiri, die zusammen zum Arathi-Hochland wollten, um dort gegen den Windgeist zu kämpfen. Zamjin schien nervös ob der Aufgabe zu sein, und die Oger konnten warten. Kuljin, Sharjin wie auch Jannja sagten ihre Hilfe zu und gemeinsam wollten sie sich der Herausforderung stellen. Sie reisten von Grom'Gol zu Tarrens Mühle, teilweise über Zeppelin, teilweise per Windreiter und trafen sich dort vor Ort. Doch kaum waren sie am Ort des Geschehens angelangt, schien der Häuptling andere Dinge im Sinn zu hegen, als er den gewaltigen, roten Drachen sah, der am Fluss entlang flog. Sofort stürzte er dem gewaltigen Wese hinterher, rief, dass alle ihm folgen sollten und Sharjin tat, was er verlangte. Sie folgte ihm, wenn auch als einzige und hatte ihre Mühen, ihn nicht in den Flammen des Drachen verbrennen zu sehen. Zugleich kämpften Zamjin, Karajiri und Jannja tapfer gegen den Windgeist, doch auch sie schafften ihr Vorhaben.
    Es ging zurück nach Grom'Gol, wo wieder die Expedition mit den Ogern gestartet werden sollte... doch dieses mal trafen sie auf Bloodjin, der in den Stamm aufgenommen werden wollte und sie stellten einander vor, redeten und redeten und die Zeit verging.
    Dann, - die Bilder flogen noch immer im Zeitraffer vor Sharjins Augen - jagten sie in den Ruinen im Norden des Dschungels die beiden verrätischen Trolle, deren Köpfe in einem Ritual wieder zum Sprechen gebracht werden sollte, um Erkundigungen über den Verbleib von Yanniku einzuholen. Doch bevor die Köpfe Informationen preisgeben wollten, sollte ein Zeichen von Mut dargebracht werden. Es sollten drei Trophäen gesammelt werden und eine zerschlissene Rüstung als Opfer gebracht werden, die einem der stärksten Trolle gehörte. Danach galt es in der Felsadermine für das Ritual singende Splitter zu besorgen, wo sich auch Zulraja der Truppe anschloss. Wieder nach Grom'Gol zurück, eine kurze Pause in Orgrimmar, um Geschäfte zu erledigen, zurück nach Grom'Gol, und dann... dann endlich der Aufbruch zu den Ogern. Fast der halbe Tag war vergangen, aber es zählte nicht. Sie hatten gemeinsam Dinge erledigt, gemeinsam gekämpft und Blut vergossen...
    Der Kampf bei den Ogern war hart, wenn auch kurz. Die Rückkehr nach Grom'Gol, weitere Gespräche... Orgrimmar, das Treffen mit der verrückten Trollin, Meditation... und dann, endlich, das Gespräch mit Kuljin. Mit über 6 Stunden Verspätung...

    Die Zeit wurde langsamer...

    Kuljin erkundigte sich, ob Sharjin etwas über den Verbleib von Pauly wüsste. Der Häuptling machte sich Sorgen... Sharjin berichtete über das, was sie dazu wusste, was nicht viel war. Sie redeten kurz über den Stamm, das Treffen mit den Blutwölfen... doch etwas bedrückte den Häuptling, quälte und nagte an ihm. Sharjin spürte es und zugleich wieder den Sog. Mitgefühl... Fürsorge... eigentlich hätte es ihr egal sein müssen. Gefühle waren Schwäche, außer Hass und Zorn. Kuljin hätte lernen müssen, seine Sorgen zu verdrängen, nein, zu vergessen und sich ganz dem Verlust hinzugeben, der Leere und der Rache. Es hätte Sharjin egal sein müssen, aber es war ihr nicht egal. Sie war keine perfekte Anhängerin der Mutter, auch wenn es ihr oft gelang, die kühle, herablassende Schulter zu zeigen. Aber sie war auch nur ein Troll und selbst wenn sie sich bemühte, sie konnte ihre Gefühle nicht ganz abschalten, nur reduzieren... köcheln lassen.
    Er erzählte ihr etwas von einem unguten Gefühl. Und er sollte Recht behalten.
    Kuljin schob es auf die Umgebung, schob es auf die Erfahrungen, die er mit der Umgebung an sich verband, und Sharjin verstand sein Vorgehen. Sie gingen in die Hügel, blickten in den Himmel, doch noch immer war die Umgebung die gleiche, wie die quälende Umgebung der Vergangenheit.

    Sie beschlossen, nach Orgrimmar zu gehen. Sharjin schlug den Strand vor, als abgelegenen Platz, doch Kuljin bestand auf die Hütte der Loas. Sharjin willigte ein und sie wollten sich dort treffen. Ihr kam in den Sinn, ihre Kleidung zu wechseln. Sie wollte die Magiestoffsachen anziehen, die zwar knapp waren, aber in der sie die Hitze des Abends gut ertrug. Vielleicht konnte sie ihn damit ein wenig ablenken. Und für sie war es der Versuch, in die Normalität zurück zu kehren... Warum sollte sie ihren Körper verstecken? Zudem wusste Kuljin, was ihr widerfahren war. Er war umsichtig und einfühlsam. Er verstand sie... und Sharjin fühlte sich ihm dadurch irgendwie verbunden. Er hatte ihre Gefühle geweckt, was sie in heftigen Zwiespalt gebracht hatte, bei dem sie sich entscheiden musste... Sie hatte sich für die Dunkle Mutter entschieden, doch wenn sie Kuljin ansah, seine Trauer in seinen Augen las, dann war die Dunkle Mutter fern und sie war nur eine einfache Trollfrau.
    Und wenn sie es nicht übertrieb oder sich hineinsteigerte, was war daran verkehrt, sich ihrer Natur als Trollin hinzugeben?

    Sie ging zum Tal der Geister, wartete und wunderte sich ein wenig über den Troll, der dort angelte. Es stellte sich heraus, dass er auch ein Houngan war. Und dass er mitlauschte, was Kuljin und sie beredeten. Der Häuptling war dabei, Sharjin zu beichten, was ihm auf dem Herzen lag. Sie wollte ihm Trost spenden, ihn ablenken, ihm wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubern, doch als der fremde Troll herantrat, waren diese Wünsche verflogen.
    Kuljin bot dem fremden Troll, der vergeblich angelte, Köder an, doch dieser lehnte ab, fragte, was er und Sharjin hier tun würden und Kuljin klärte ihn auf, dass Sharjin eine Mambo wäre. Sie erhob sich und spürte seine gierigen Blicke auf ihrem Körper. Instinktiv trat sie in die Schatten, zog sich zurück und verhüllte ihren Leib mit Dunkelheit. Doch der fremde Troll machte nur seine Witze. Was für ein Luxuskörper... und sie solle ihn doch nicht verbergen... Mit diesem anzüglichen Unterton in der Stimme... genauso wie die Diener der Geißel, bevor sie ihr den "Zuchttroll" schickten, um sie zur Welpengebärmaschine zu machen und sie gegen ihren Willen zu schwängern.
    Sie erhob die Hand, wie um ihn zu schlagen, drohte ihm, er solle soetwas nicht noch einmal sagen, doch sich sprach in der Dunklen Sprache.
    Nach ihrer Prüfung hatte sie sich geschworen, immer, wenn die Schatten sie umarmten, würde sie in der Dunklen Sprache sprechen. Sie wusste, dass niemand sie dann verstand, doch es gab einen Weg, an diejenigen, die sich der Mutter als würdig erwiesen und die keine Feinde waren, eine Verbindung herzustellen, dass ihre Worte verstanden werden konnten.
    Doch als Houngan einer anderen Loa durfte Sharjin dies nicht. Also ging sie die Verbindung mit Kuljin ein, bat ihn, zu übersetzen, was dieser eher missmutig in Kauf nahm. Der andere Troll schien sich aufzuregen, dass er sie nicht verstand, doch sie wollte nicht aus den Schatten gehen, sich nicht erneut... entblößen und nicht seine Blicke auf ihrem Körper spüren. Er reizte sie weiter und Sharjin drohte ihm ein weiteres Mal. Auch Kuljins Tonfall wurde gereizter, doch er schien eher noch Sharjin schützen zu wollen. Doch dann explodierte auch Kuljin, meinte, er würde nicht den Vermittler im Streit zwischen den Loas spielen und ging die Treppe hinauf. Sharjin meinte, ein süffisantes Grinsen des fremden Trolls zu sehen und als sie seinen Kommentar hörte, dass sie ja nicht mal vernünftig sprechen könnte, blickte sie zu Kuljin. Er wusste doch, dass sie nur so sprechen konnte. Warum sagte er nichts? Warum erwiderte er nichts? Warum sah er sie nur an und seufzte?
    Sie fühlte sich mit einem Mal unerwünscht und ihr Fluchtinstinkt meldete sich. War sie ihm egal? Sie hatte doch nur helfen wollen, bis der fremde Troll diese so lange herausgeschobene Sache unterbrochen hatte. Sie fühlte sich bloß gestellt. Und sie tat nur ihre Pflicht an der Dunklen Mutter.
    Zorn brodelte in ihr auf, Zorn auf sich selber, dem Häuptling, nein - einem Troll generell - Vertrauen geschenkt zu haben. Sie hatte sich ihm offenbart, zeigte ihm ihre verletzte Seite und nun, wo er doch genau wissen musste, dass der verbale Dolch des Fremden Trolls ihr Herz getroffen hatte, zog er sich zurück...
    Sie schnaubte und flüchtete tiefer in die Schatten, in die Gefühlskälte, wollte es nicht wahrhaben, wollte nicht akzeptieren, was sie wahrzunehmen glaubte. Sie ging an dem Troll vorbei, zischte ihm noch ein "Du bist eh unwürdig, diese Sprache zu verstehen" zu, was er natürlich nicht verstand, und sprang hinunter über die Dächer Richtung Bank. Sie schnappte sich ihre Angel und ging, fluchend und schimpfend, Richtung Ausgang. Sie kämpfte innerlich mit den Tränen. Es fühlte sich an wie Verrat, als ob der Häuptling es billigen würde, wenn sie angegriffen wurde. Und dieser Angriff war tiefer gegangen als jede Fleischwunde. Die Erinnerung an die schrecklichen Stunden im Verlies kamen wieder hoch. Wie man ihr die Kleider vom Leib gerissen hatte, wie der Troll über sie hergefallen war, sabbernd, geifernd und gewalttätig. Wie sie 9 Monate an eine schmale, metallne Pritsche gefesselt war, während Leben in ihrem Leib heranwuchs, und wie man ihr dieses Leben aus dem Leib gerissen hatte, man es vor ihren Augen für Experimente benutzte...
    Sie hatte sich damals vorgenommen, alle Männer zu hassen, doch die Zeit heilte viele Wunden und mit Kuljin war sie bereit gewesen, sich wieder einzulassen. Langsam, ganz langsam geschah die Annäherung, vorsichtig auf beiden Seiten. Aber vermutlich, so schalt sie sich nun auf dem Weg zum Strand, hatte sie in einfache Gesten, Blickte und Worte zuviel hinein gedeutet, hatte sehen wollen, was nicht da war. Ein Häuptling musste stark sein für seinen Stamm. Er durfte sich keine Gefühle erlauben, so wie auch sie sich als Mambo der Dunklen Mutter keine Gefühle erlauben durfte.
    Und doch... sie alle waren nicht perfekt. Niemand war das. Vielleicht würden noch viele weitere Jahre vergehen, bis sie alles störende abstellen konnte. Doch sie war 26 Jahre jung, war nicht einmal ein Troll mittleren Alters sondern relativ jung noch. Sie hatte viel erlebt in den wenigen Jahren ihres Lebens... und sie fühlte sich überfordert.

    Sharjin stapfte zum Meer, warf ihre Angel aus und versuchte ihre Gedanken zu ordnen, sich zu beruhigen, doch es brodelte in ihr. Sie hoffte, dass Kuljin ihr vielleicht nachkäme. Sich entschuldigte... vielleicht, dass sie sich ihm in die Arme werfen könnte... vielleicht... aber nein... sie wartete vergebens. Sie wusste nicht, was geschah, hörte nur irgendwann Schritte und hörte Tschandras Stimme. Tschandra wusste nichts... erst als Zulujin sie gedrängt hatte, sich im Spiegel zu offenbaren hatte auch Tschandra von Sharjins Vergangenheit erfahren. Sie vermied es, ihre Vergangenheit anderen aufzudrängen, auch wenn andere oftmals nicht wussten, warum sie so reagierte, wie sie es tat.
    Aber alles hatte seine Gründe... seine Ursachen. Und sie war es ja auch gewohnt, verachtet und gehasst zu werden. Warum sollte es anders sein? Oder sich je ändern? Ihre Hoffnung war enttäuscht worden. Sie knurrte Tschandra nur an, wollte sie wegschicken, warf ihr vor, nichts zu verstehen und nichts von den Pflichten der Dunklen Mutter gegenüber zu wissen. Sie tat Tschandra Unrecht damit und sie wussten es beide. Doch Sharjin wollte alleine sein, ihre Gedanken ordnen... Lediglich Kuljin hätte sie nicht abgewiesen.
    Sie kappte die Verbindung mit dem Windkanal, schottete ihren Geist ab und knurrte nur, als sie schwach Yis' Stimme in ihren Gedanken hörte. Sharjin litt und wie ein waidwundes Tier fühlte sie sich in die Ecke gedrängt, wollte nur ihre Wunden lecken.
    Sie verfluchte sich, dass sie so törricht war, sich jemanden anvertraut zu haben. Sie verfluchte sich auch dafür, Gefühle für Kuljin entwickelt zu haben... sie durfte nicht, und doch, selbst wenn sie sie zu kappen versuchte, sie waren doch irgendwo noch da. Sie war nicht perfekt. Und auch dafür hasste sich Sharjin.

    Dann spürte sie einen stechenden Schmerz in der Herzregion. Sie sah sich um, und hörte dann die Schatten flüstern, dass die Dunkle Mutter sich seiner angenommen hätte. Kuljin!
    Sie stieß einen kurzen Schrei aus und vergaß ihren Zorn, ihre Abneigung. Er brauchte Hilfe. Rasch... Sie rief Knurrla, endlich war ein Name für ihren Raptor gefunden, zu sich, verdrängte alle anderen Gedanken und ritt rücksichtslos durch Orgrimmar. Sie rempelte Passanten an, als sie den Turm hochrannte und den Stimmen der Schatten folgte, die ihr den Weg wiesen.
    Sie trieb dem Reittier ihre Mithrilsporen in die Flanke, bis das Tier blutete und sie beinahe abwarf. Und doch sollte es schneller fliegen! Die Zeit drängte und nur noch Sorge umspülte ihren Geist, auch wenn sie wusste, dass sie es hätte ignorieren sollen. Wäre sie eine gute Priesterin der Dunklen Mutter gewesen, hätte es ihr egal sein müssen, hätte sie keine Gefühle zeigen dürfen außer Befriedigung, dass er, der sie im Stich gelassen hatte, nun seine Strafe erfuhr. Sie wünschte sich, komplett gefühlskalt zu sein, aber sie war es nicht. Ganz und gar nicht...
    In Ashenvale angekommen, nahm sie sich das erst beste Reittier, schwang sich darauf und noch immer knapp bekleidet nur mit einer Angel bewaffnet, stürzte sie sich den Weg entlang und folgte den Schatten, hindurch durch jede Menge Feinde, die übermächtig schienen. Ein Greif griff sie an, und fast hätte er sie erwischt, als sie sich aus ihrer Verwirrung löste und die Kräfte des Schattens beschwor. Sie schaffte es gerade so, ihn zu töten, versetzte ihm den finalen Schlag mit der zerbrechlichen Angel und war froh, dass diese nicht dabei zerbrach.
    Sie schalt sich eine Närrin, so bewaffnet gegen die Feinde anzutreten, doch sie hatte keine Zeit... Kuljin... Er brauchte sie!

    Wie von Furien gehetzt blickte sie sich um, bereit, sich jedem Feind zu stellen, der kommen würde. Sie würde alles tun, um ihn zu retten, wenn es möglich war, merkte, wie die Tränen der Verzweiflung in ihr aufstiegen und vergaß in all ihrer Panik, ihren Gefühlen, die Welt um sich herum. Vergaß den Stamm um Hilfe zu fragen... Sie war nicht perfekt.
    Dann fand sie seinen Leib, blutend, zerschunden und verfluchte sich. Sein Puls war nicht mehr fühlbar und nur die Loas konnten ihn hier wieder ins Leben zurück bringen. Sie wusste nicht, ob die Dunkle Mutter, deren Schatten ihr über das Schicksal Kuljins berichtet hatten, gnädig war, sein Leben zu retten. Er musste in einer Kurzschlussreaktion hier hergelaufen sein... Der Häuptling trug keine Waffen, keine Rüstung, nur sein rituelles Wams und die Robe. Genauso wie sie im Sumpf... während ihrer Prüfung.
    Sie strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Du Narr..." schalt sie ihn, sanft und doch verzweifelt. "Warum machens du nur sowas?"
    Sharjin spürte etwas nasses an ihrer Wange hinab laufen, hörte das leise Klatschen, als die Träne auf seine Wange fiel, sich mit dem Blut vermischte und zu Boden lief. Hastig kramte sie in ihren Taschen, versuchte, die Blutung zu stoppen und beschwor zugleich die Dunkle Mutter. Doch Zweifel nagten erneut in ihr. Hatte sie richtig gehandelt? Hätte sie anders auf den fremden Priester reagieren sollen? Hätte sie ihn einfach auslachen und bei Kuljin bleiben sollen? Hätte sie Tschandra am Strand von der Sache berichten sollen? Was hatte Yis gewollt? Und warum war es ihr jetzt nicht möglich, Verbindung zu den anderen wieder herzustellen?
    Sollte sie froh sein, dass die Dunkle Mutter so gehandelt hatte? Oder angesichts ihrer Schmerzen im Herz hatte sie sich doch falsch entschieden. Hätte sie Kuljin etwas sagen sollen über ihren Gefühlstaumel seinetwegen? Hätte sie ...
    Ihre Gedanken drehten und wirbelten. Sie wechselte zwischen der Dunklen Sprache und Trollisch. Sie wusste nicht, was richtig war und was falsch. Dennoch betete sie, blieb auf dem kalten Stein neben dem immer kühler werdenden Körper des Häuptlings, betete und hoffte... während die Nacht heranbrach und die Zeit quälend langsam verstrich. Sie konnte nichts anderes tun und so hockte sie an seiner Seite, fühlte sich schuldig und war gefangen in ihren Gefühlen. Nein, sie war wahrlich nicht perfekt, aber wer - außer den Loas selber - konnte das schon sein?
    Eine weitere Träne rann ihr die Wange hinab. "Bittens, lassens das Muisek wieda zurück kehrn inne Körpa... bitte..."



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:34


    Die Zeit verging...

    Sharjins Welt hatte sich mittlerweile verändert.
    Durch ihre Gebete und ihre beharrliche Bitte hatte sie Kuljin wieder ins Leben zurück geholt und der Wirbel ihrer Gedanken und Emotionen hatte sich langsam gelegt.
    Sie schätzte das Leben nun viel mehr als zuvor, tauchte nur noch selten in die Schatten ein und lebte eher die sanfteren Seiten der Dunklen Mutter. Sharjin wirkte ruhiger, gelassener, ja sogar freundlicher, als noch Wochen zuvor. Und das alles nur, weil sich doch eines der - sonst eher gefürchteten und gehassten Gefühle - in ihr Herz geschlichen hatte und sich dort mehr als nur beharrlich festkrallte.
    Die Liebe zu Kuljin und die damit einhergehende Verantwortung auch für den Stamm, der sie sich stellte, so gut es ging.



    Abermals später...

    Sharjin seufzte und blickte aufs Meer hinaus. Im Kopf wirbelten ihr ettliche Dinge im Kopf herum. Dinge, die Kuljin ihr gesagt hatte, die er ihr in stundenlangem Gespräch versucht hatte, klar zu machen und die nicht zu ihr durchgedrungen waren.
    Fast hätte sie ihm ihr Wams vor die Füße geworfen und wäre gegangen, geflüchtet... Doch wovor? Vor der Angst, zu Versagen und Verlassen zu werden. Vor der Angst vor weiteren Missverständnissen. Dabei waren ihre Gefühle für ihn aufrichtig und umgekehrt ebenso, auch wenn sie das nicht sehen konnte. Das Gefühl, geliebt zu werden, war ihr einfach fremd und sie stellte es fast ununterbrochen in Frage, aus Angst, es könne nur eine Illusion sein, auf die sie hereingefallen war.

    Sie fröstelte und legte die Arme um sich. Sie war ohne Ziel durch die Gegend geirrt. Kuljin fehlte ihr, doch sie wagte nicht, ihn aufzuwecken. Sie wollte ihm nah sein und hatte doch zugleich Angst, ihn zu verletzen. Und sie fühlte sich hin- und hergerissen zwischen den Verantwortungen für den Stamm, dem Pflichtbewusstsein und dem Wunsch, ein wenig Zeit für sich zu verbringen. Sie wollte nur da Beste für den Stamm, ertrug es nicht, wenn es zu kleineren Reibereien kam und fühlte sich selber irgendwie dafür verantwortlich. Doch sie musste sich zusammen reißen. Die Trolle waren alt genug, die Dinge selber zu regeln, auch wenn alles in ihr schrie, sich einzumischen, und am besten mit einem Fingerschnippen sämtliche Probleme aus der Welt zu schaffen.
    Sie war sich bewusst, dass es keine Heile Welt war, auch wenn sie sich nach all den bitteren Erlebnissen im Grunde danach sehnte. Doch sie konnte nicht aus ihrer Haut und so hatte sie sich auch selber verflucht, als sie sich in die Auseinandersetzung von Krazzekk und Tschandra eingemischt hatte.
    Tschandra... sie hatten zwar viel gemeinsam erlebt, doch hatte es sie nicht zusammen geschweißt. Sicher, Tschandra tat viel für sie und Sharjin war ihr dafür dankbar, doch sie sah Tschandra wie jeden anderen Troll im Stamm an. Sie waren nicht die besten Freunde, auch wenn es oftmals so aussah und Sharjin ging meist ihre eigenen Wege.
    Sie hatte versucht, ihr Einmischen rückgängig zu machen, doch es würde zweifelsohne zu weiteren kleineren Reibereien kommen. Sharjin hatte ein schlechtes Gewissen und irgendwie fühlte sie sich hilflos.
    Sie ballte die Fäuste, blickte aufs Meer und grübelte weiter.



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:35


    Wochen später...
    Rückblicke.
    So vieles war geschehen. Sie hatte ihre Ausbildung als Priesterin soweit abgeschlossen. Die Horde hatte mit Kriegsvorbereitungen angefangen, da es hieß, die Tore von Ahn Qiraj würden irgendwann ihre Kraft verlieren und aufbrechen. Nach tausenden von Jahren, wo die Käfer hinter dem Siegel eingeschlossen waren, würden sie nun wieder aus ihrem Bau ausbrechen und über Azeroth herfallen. Es war nicht die einzige Gefahr. Zwar hatte die Horde und die Allianz die Invasion von Kel'Thuzads Truppen zurück schlagen können, doch Naxxramas lebte noch immer in seiner fliegenden Metropole über Stratholme. Wenn nun auch noch die Silithiden als Bedrohung dazu kamen, würde es weiterhin Krieg geben.
    Und genau in dieser Zeit hatte sie sich immer mehr und mehr in Kuljin verliebt. Es gab immer wieder Reibereien, Streitigkeiten, aber auch süße Versöhnungen und Zärtlichkeiten. Die Schatten wurden von dem Licht der Liebe zurück gedrängt und Sharjin gelangte in eine Glaubenskrise. Waren die Gefühle, die sie empfand und auch die Liebe zum Stamm nicht eher Aspekte von Ayida? Die liebende Mutter aller Lebewesen, die ihre Schöpfung aber auch mit allen Mitteln schützte. Ayida, die große Stammesmutter. Doch sollte sie sich von den Schatten lösen? Und wenn ja, wie konnte sie das?

    Das Spiel mit den Schatten war nicht ungefährlich. Sie sind eifersüchtig und rachsüchtig, und sie mögen es nicht, wenn man sie betrügt. Das wusste Sharjin, doch wie gefährlich sie wirklich waren, lernte sie einige Tage nach dem Entschluss kennen, mit Kuljin den Seelenbund einzugehen.
    Bloodjin, der Bloodskalp, war in einige finstere Machenschaften verwickelt (und weiß der Geier, wie er da hineingeriet). Er wurde entführt und man fand nur noch seine Leiche. Oder etwas, das seinem Leichnam recht ähnlich kam. Der Stamm war schon dabei gewesen, eine Beerdigung für ihn vorzubereiten, bis er schließlich im Teufelswald aufgefunden wurde. Doch er war seiner Erinnerungen beraubt und irgendetwas an ihm war anders. Als er auf die anderen Trolle traf, tickte er aus, sah in ihnen Feinde und wollte sie angreifen. Sharjin versuchte, in seine Gedanken zu dringen, doch spürte dort eine schattenhafte Präsenz und etwas, was weitaus bösartiger war, als das, was sie kannte. Es brauchte die Unterstützung von Pauly, um herauszufinden, dass Bloodjin sich wohl mit einigen Dämonen aus Jaedenar angelegt hatte und eine dämonische Präsenz ihn lenkte.
    Mit Müh und Not gelang es, ihm diese Präsenz auszutreiben. Doch die Dämonen gaben nicht so schnell auf und sinnten auf Rache. Es gelang ihnen, Karajiri in ihre dämonischen Fänge zu bekommen. Diese lief Amok in der Nähe von Dalaran, versank beinahe in den Schatten und tötete alles, was ihr in die Fänge geriet. Nur mit Müh und Not konnte Sharjin hier die Präsenz vertreiben. Doch sie spürte, wie die Schatten, derer sie sich bemächtigte, sich veränderten.
    Auch sie selber wurde zweimal von der dämonischen Präsenz erfasst, gelenkt und hätte fast Kuljin getötet. Die Schatten begannen, für sie nicht mehr sicher zu sein und sie begann, angesport von den anderen, gegen sie zu kämpfen und sie zurück zu treiben. Doch das "Öl", das sie damals getrunken hatte, die Essenz der Schatten, befand sich noch immer in ihrem Körper. Nur das vollkommene Glück und der Segen Ayidas konnten sie zerstören, wenn überhaupt. Umso dringender war es eigentlich, den Seelenbund einzugehen. Doch Kuljin zögerte, wand sich heraus...

    Ayidas Macht über Sharjin wurde stärker und sie mied die Schatten. Doch das Übel zog weitere Kreise und suchte den Stamm heim.
    Zulraja verschwand, doch wie es aussah nicht ohne einen Kampf. Es dauerte mehrere Wochen, bis sich die Hinweise verdichteten, dass er in Zul Gurub gefangen gehalten war. Doch es gelang nicht, einen geeigneten Kampftrupp zusammen zu stellen, um Zulraja zu suchen.
    Auch der junge Trollpriester Zantji erlitt ein grausiges Schicksal. Zantji, der den Schädel seines Großvaters immer mit sich trug und der die Angewohnheit hatte, noch nach dem Tod mit seinem Engel zu sprechen (auch wenn das niemand anderes hören konnte), fand einen weiteren sprechenden Schädel. Aufgeschreckt durch den plötzlichen Abbruch der Stammesverbindung zu Zantji schickte sie Sejin los, Zantji zu suchen. Man fand den jungen Troll alsbald und Sejin brachte ihn nach Orgrimmar (nicht ohne den zweiten Schädel Zantji wegzunehmen und zu zerstören), wo Sharjin sich um Zantji zu kümmern begann. Auch hier spürte sie wieder eine dämonisch-dunkle Präsenz, die sich Zantji zu bemächtigen schien. Unter Aufbietung all ihrer Willenskraft besiegte Sharjin den Schatten in Zantji, drängte ihn zurück... und erfuhr von der Verehrung von Zantji zu ihrer Person. Es brachte sie in einige Gewissenskonflikte. Zantjis Zuneigung ehrte sie, aber ihre Liebe gebührte Kuljin. Und sie fürchtete, dass Kuljin grundlos eifersüchtig werden würde.
    Doch dies sollte nicht der einzige Übergriff auf den jungen Troll werden. Zantji begann einige Wochen später merkwürdige Dinge von sich zu geben und schrieb dann auch eine Art "Hilferuf" in Briefform zu Sharjin. Doch Sharjin verstand die subtilen Andeutungen nicht. Erst, als Zantji sich nach Scholomance aufmachte und dort per Zufall auf Kuljin, Sharjin, Tschandra und zwei weitere Trolle traf. Zantji schien nicht mehr er selber zu sein, schwärmte für Scholomance, einem Ort des Schreckens und einer der Stützpunkte der Geißel. Sharjin wurde in einem unpassendem Moment abgelenkt, und es kam im Schloss zu einer Katastrophe. Das, was sich Zantji bemächtigte, griff Kuljin an und töteten ihn fast. Es dauerte mehr als 36 Stunden, ehe es gelang, das Übel zurücktreiben.
    Sharjin rastete fast aus, sie fühlte sich machtlos, kaum etwas, was sie getan hatte, hatte Kuljin geholfen. Sie war frustriert und sann auf Rache. Wenn Zantji ihr in die Finger kam... er war an Kuljins Los Schuld.
    Als Zantjis Präsenz in der Stammesverbindung wieder zu spüren war, begann die Jagd auf den Priester. Doch mit dämonischer Hilfe entkam er immer wieder seinen Häschern, bis er schließlich in Unterstadt aufgefunden wurde, gefangen und verängstigt vor den Schatten.
    Die Trolle mussten Zantji niederschlagen, sodass sie ihn nach Revantusk bringen konnten. Dort erwachte er und Sharjin konnte unter Aufbietung all ihrer Diplomatie herausfinden, dass es Opa Troll war, der Zantji zu seiner Marionette machen wollte. Opa Troll war ein Hexenmeister gewesen, der mit den Untoten, dem Schattenrat und sogar Lord Kazzak selber einen Pakt abgeschlossen hatte, der ihm quasi Unsterblichkeit verlieh und ihn als sprechenden Schädel weiterleben ließ. Sie wollten Zantji in einen Dämonendiener verwandeln, der helfen sollte, eine neue Seuche auf die Welt zu bringen, alles Leben zu töten... Sharjin sah keinen anderen Weg um Zantji zu helfen, als sich selber statt seiner anzubieten. Die Schatten in ihrem Inneren jubilierten, begannen wieder sich auszubreiten, sich ihrer zu bemächtigen und sie realisierte einen schrecklichen Fehler.

    Früher hatte sie sich nich drum geschert, was die Schatten wirklich im Sinn hatten. Es gab nur die Dunkle Mutter. Später, im Stamm, hatte sie geglaubt, dass die Dunkle Mutter die Loa Mama Brigji wäre. Doch in Gespräche mit Honji, einem echten Houngan der Mama Brighi, fand sie heraus, dass es gravierende Abweichungen gab. Mama Brigji hatte nie diese grausame Ader gehabt, die der Dunklen Mutter inne wohnten. Und das, was sie bei Zantji spürte, war ihr nicht unbekannt... Hatte sie selber etwa einer Macht gedient, die mit dem Schattenrat paktierte? Oder war es nur die Grausamkeit an sich, die dem Bösen - egal welcher Herkunft - entsprang, die ihr bekannt vorkam?
    Es machte ihr Angst, doch ihr Angebot an "Opa" war gegeben und er nahm es freudig an. Er kannte durch Zantji ihre Geschichte, wusste um die Gräueltaten, die Sharjin einst begangen hatte, wusste um ihre Gefangenschaft... ihre Tochter, die nun dem Lichkönig selber diente, das grausige Ergebnis der Experimente, denen Sharjin hilflos ausgeliefert gewesen war.

    Zantji und sie gingen zur Unterstadt, wo der "Austausch" statt finden sollte. Die anderen aus dem Stamm folgten ihr, doch Zantji riegelte den Raum ab und verdammte die anderen zum zusehen. Zantji wollte Sharjin den Schädel aushändigen. Dann würde sie die Dienerin werden und Zantji käme frei... er würde dabei allerdings sterben. Sharjin hoffte, ihn irgendwie retten zu können, doch als es soweit war, kam sie nicht dazu, war wie paralysiert und sah Zantjis Tod zu, unfähig, einzugreifen. Immerhin gelang es ihr, sich aus dem Bann von "Opa" soweit zu reißen, dass sie den dämonischen Schädel zerstören konnte. Die unmittelbare Gefahr für den Stamm war damit gebannt... doch Zantji war tot und seine Seele verloren...
    Die Beerdigung fand nur wenige Tage später statt. Umso erstaunter war Sharjin dann ettliche Wochen später, als Zantji erneut vor ihr stand. Tot und doch lebendig... das Fleisch verfault und nurmehr eine knochige Gestalt. Er hatte seine Seele von einer Orkin zurück holen lassen und hatte nun begonnen, sich Dämonen als Untertan zu machen, um sie zu beherrschen... oder sie zu vernichten. Er ließ offen, welche Option er befolgte und nannte sich nur noch Zan, da nicht mehr viel Trollisches von ihm übrig geblieben war.

    Das Leben nahm seinen Lauf... Immer wieder äußerte Kuljin den Wunsch, Welpen zu haben. Doch Sharjin konnte wohl keine bekommen. Zu sehr hatte man sie in ihrer Gefangenschaft nach der Geburt ihrer Tochter verwundet... und je mehr sie sich Ayida hingab, umso mehr musste sie auch die Schatten besänftigen. Und was wäre für sie schlimmer, als wenn sie nie Welpen mit Kuljin bekommen könnte? Der Verlust darüber fügte ihr Schmerzen zu... und sie spürte die gewohnte Leere langsam wieder. Vielleicht war das der Auslöser, dass sich auch Kuljin begann, wieder von ihr zurück zu ziehen. Zu allem Unglück war es dann Karajiri geglückt, schwanger zu werden und die ständige Präsenz dieser Schwangerschaft nagte wohl noch mehr an dem Glück von Kuljin und Sharjin. Die Schatten frohlockten.

    Die Zul Ackee begannen sich Aelgestron anzuschließen und Zul Gurub zu erkunden. Und tatsächlich, man fand Monate später auch Zulraja wieder, der am Ende seiner Kräfte war. Sie befreiten ihn, doch er war vom Blute Hakkars vergiftet. Es schien kein Heilmittel zu geben und Ruma, die sich intensiv um Zulraja gekümmert hatte, fand heraus, dass es zwar etwas gab, womit man die Wirkung des Blutes verlangsamen konnte, doch nur der Tod Hakkars würde Zulraja befreien.
    Man zog Sharjin nicht wirklich zu Hilfe und sie erfuhr erst sehr spät von der Vergiftung Zulrajas. Per Zufall in der Taverne... die Schatten flüsterten ihr zu, dass Kuljin schon länger davon gewusst hatte. Doch er kümmerte sich immer mehr und mehr um andere Dinge, war nur noch selten wach und Sharjin bekam ihn fast gar nicht mehr zu Gesicht. Dabei griffen die Schatten immer mehr und mehr nach ihr und sie sah ihre einzige Rettung im Seelenbund, der seinerseits in immer unerreichbarere Ferne rutschte.

    Als sie ihn dann wieder zu Gesicht bekam, ihn begleiten wollte, zog er sich abermals vor ihr zurück, sie habe doch bestimmt besseres zu tun, als ihn zu begleiten... Sie blickte ihn traurig und wütend zugleich an.
    "Hast du eine andere?", entfuhr es ihr dann... Doch er verneinte, kam wieder auf sie zu, tröstete sie, versicherte ihr seine Liebe, so wie sie es ihm zusicherte, doch Zweifel kam auf.

    Da die Aktivitäten im Stamm abnahmen und viele ihrer eigenen Wege gingen, suchte Sharjin Ablenkung im Kampfe. Immerhin war sie eine Kommandantin der Frostwölfe und die Hordestreitkräfte brauchten eine Heilerin. Sie gab sich den Kämpfen hin und ließ das Blut der Allianzler fließen. Seite an Seite kämpfte sie mit Tauren, Orks, Trollen - einigen wenigen auch aus ihrem Stamm - und auch den Untoten. Sie mochte sie noch immer nicht, die Untoten, die Totstücks und Knochenköppe. Aber seit sie Zyrxog kannte und auch mit Zans Erscheinen wurde ihr immer mehr und mehr klar, dass nicht jeder Untoter zwangsläufig mit der Geißel zu tun hatte und diese unterstützte. Es war schwer, gegen ihre eigenen, inneren Dämonen anzutreten, zu oft sah sie in den anderen Untoten auch ihre Untoten Peiniger, aber die Vergangenheit begann langsam zu verblassen. Vielleicht das Geschenk der Dunklen Mutter?



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:35


    Nahe Vergangenheit...
    Es war bereits Nacht, als etwas ihr Leben abermals umwarf. Kuljin war nach langem Schlaf endlich einmal wieder wach. Sie wartete bei der Bank auf dem Dach, hockte ungeduldig wartend auf ihren nächsten Einsatz im Tal der Frostwölfe, als sie Kuljin im Scheind es Feuers sah, das neben dem Flugturm brannte. Er rannte er an ihr vorbei, schien sie gar nicht wahrzunehmen und in seinen Augen glitzerte etwas, das sie schaudern ließ. Sie konnte es nicht definieren, doch als er wortlos an ihr vorbeistürmte, sie nicht wahrnahm, schienen die Schatten in ihrem Inneren auszubrechen. Sie hob die Hand zum Gruße, setzte an, etwas zu sagen, doch er war schon verschwunden. Sie sah ihm nach, atmete tief ein und aus, spürte die Kälte, die langsam in ihr aufzusteigen begann und sich ausgehend von ihrem Herzen ausbreitete.
    Sie ging, verwirrt, zu den Abgesandten der Frostwölfe, versicherte sich noch einmal, dass sie für den Kampf eingetragen war und blickte nachdenklich zum Sternenhimmel. Dann spürte sie einen Stich in ihrem Herzen, und blickte sich erneut um. Sie blickte fast direkt zu Kuljin. Er schien durch sie hindurchzusehen, obwohl sie sichtbar vor ihm stand, trieb dann seine Füße in die Flanken des Raptors, auf dem er saß und ritt wortlos davon.
    Sie blickte ihm nach, erneut unfähig, etwas zu sagen, hob die Hand erneut zum stillen Gruß ... oder zu einem stillen Abschied. War das wirklich der Troll, den sie liebte?
    Der Abgesandte tippte ihr auf die Schultern, meinte, dass sie nun aufgerufen würde, für die Schlacht. Sharjin winkte nur ab und ging dann orientierungslos einige Schritte durch Orgrimmar.
    Am Rande bemerkte sie, wie Karajiri Handel betrieb mit einem Untoten, doch sie kümmerte sich nicht weiter darum... zugleich hörte sie Kuljins Stimme in ihrem Ohr, als sie im Schwarzfels gewesen waren. "Seit wann treibste dich mit Untoten herum?"
    Es war auf Zyrxog gerichtet gewesen und man sah Kuljins Missfallen deutlich in seinen Augen. Er war ungewöhnlich schweigsam gewesen und Sharjin spürte, dass noch etwas in Kuljin rumort hatte. Doch sie wusste nicht was.
    Sharin drehte ab Richtung Gasse, folgte den Spuren Kuljins, doch sie fand ihn nicht. Sie fragte in der Stammesverbindung nach, versuchte witzig noch zu sein, ob er sich zum Winterhauchfest denn als Geschenk eine Brille vorstellen könne, weil er sie nicht gesehen hatte.
    Er antwortete karg zurück. Und seiner Stimme fehlte jegliche Herzlichkeit.
    Die Zweifel an ihrer Liebe zu ihm begannen stärker zu werden und sie merkte nicht, wie die Schatten sich in den dunklen Ecken der Gasse zu manifestieren zu schienen, ihr folgten, um sie tänzelten, sie sanft berührten, fast schon zu liebkosen begannen. Die Schatten... ihre Freunde.. ihre einzigen Freunde. Sie wollten ihr verzeihen, dass Sharjin die Dunkle Mutter verlassen hatte, wollten sie trösten, sie wieder willkommen heißen. Sie konnte Kuljin keine Welpen schenken... er schlief fast nur noch oder kümmerte sich um andere Sachen, hatte sie übersehen... und wenn sie tief in sich hinein horchte... war da noch das Licht der Liebe zu ihm? Sie ging tief in sich und fühlte dann... nichts mehr. Kuljin war nur noch ein Troll wie jeder andere für sie. Die traute Zweisamkeit war eine Flucht gewesen, der Wunsch nach Zweisamkeit, doch es war gekommen, wie es immer kam. Die Liebe erstarb und man stand am Ende wieder alleine da. Es war törricht gewesen, sich überhaupt mit ihm einzulassen. - Und während ihr diese Gedanken klar wurden, und die Lehren der Dunklen Mutter wieder in ihr Gedächtnis kamen, umspielten die Schatten ihren Körper, begannen, mit ihr zu verschmelzen und Sharjin wieder zu vereinnahmen.
    Sie spürte die alte Kühle, die Wut über die Ungerechtigkeiten der Welt... und spürte wieder auch das Verlangen, Blut zu vergießen. Fast schon zielstrebig marschierte sie zum Tal der Ehre, meldete sich erneut an für den Kampf und stürzte sich fast schon inbrünstig auf ihre Gegner und stieß ihnen gnadenlos den Dolch in ihre Herzen, sofern nicht dickes Metall sie schützte.

    Die Schatten hatten Sharjin wieder... und sie verfluchte ihre Gegner, drang in ihre Gedanken erbarmungslos ein, schindete ihre Gedanken und ließ sie panisch weglaufen, während Sharjin ihre Opfer nur kalt belächelte. Erst als ihre Robe vom Blut der Gefallenen getränkt war, verließ sie das Schlachtfeld, kehrte zurück zur Arena, die mittlerweile wieder für alle freigegeben war und betete an dem Ort, den sie vor so vielen Monaten der Dunklen Mutter geweiht hatte, erneut zur Königin der Schatten, bat sie um Vergebung und akzeptierte ihre Bestrafung... Sie musste den Stamm verlassen, musste die verlassen, die sie so viele Wochen und Monate geliebt und beschützt hatte, denen sie fast bis zur völligen Selbstaufgabe geholfen hatte... Sie schrieb Kuljin einen kurzen Abschiedsbrief. Doch die Tränen, die sich dabei hätten einstellen wollen, kamen nicht. Sie kehrte zum Dorf zurück, nahm ihre Habseligkeiten aus ihrer Hütte, ohne Kuljin aus seinem Schlaf zu wecken und ging. Sie spürte Kälte und nur ein kurzes Bedauern, als sie an die anderen Trolle dachte.
    Sie hätte Quashi werden können, die Frau des Häuptlings. Doch was bedeutete schon weltliche Macht... was zählte, waren die Schatten und die Dunkle Mutter.
    Sharjin machte sich auch keinen Gedanken mehr darüber, ob die Dunkle Mutter nun Mama Brigji war oder doch auch noch andere Kräfte beteiligt waren. Sie hatte schon immer der Dunklen Mutter gedient und nun war das fast verlorene Schäfchen zurück gekehrt.

    Es war Zeit, wieder ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Sie wollte ihre Tochter finden, und wenn sie ihr nicht die Erlösung schenken konnte, die diese verdient hatte, so würde sie versuchen, sie aus den Klauen der Geißel zu reißen. Von Zyrxog hatte sie erfahren, dass Aelgestron einen Weg suchten, dem Fluch des Unlebens zu entkommen und wieder Lebendig zu werden. Wenn ihre Tochter wieder lebendig werden könnte... Da sie in den letzten Wochen auch immer mehr Kontakte zu den Mitgliedern von Aelgestron, Anhängern des Lebenspaktes, geknüpft hatte, beschloss sie, sich ihnen anzuschließen und wurde eine der ihren.



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:35


    Einige Tage waren vergangen und Sharjin hatte schier Unglaubliches erlebt. Der Lebenspakt war losgezogen mit einigen Freunden und Bekannten in die Verräterstadt Zul Gurub. Sie waren stundenlang - ja tagelang - im Labyrinth der Stadt umhergeirrt, hatten die Hütten durchstöbert, die verräterischen Trolle gejagt und gelangten auch zu den Orten der Verehrung Hakkars. Einer der ersten Orte war der steigende Pfad zu einer riesigen Höhle, vor der eine einzelne Trollin betete: Hohepriesterin Jeklik. Schon auf den Weg dorthin wurde die Gruppe immer wieder von riesigen Fledermäuse angegriffen, auf denen sogar zum Teil Trolle ritten. Auch hoch über ihren Köpfen schwirrten sie, stießen schrille Schreie aus und der scharfe Gestank nach Guano nahm zu, je mehr sie sich der Höhle näherten. Der Eingang der Höhle lag unerreichbar hoch und war wohl nur fliegend zu erreichen. Sharjin fragte sich schon, wie die Trollin, die dort betete, hochgekommen war, doch ihre Frage beantwortete sich sehr schnell. Jeklik wurde sehr schnell auf die Gruppe aufmerksam und verwandelte ihre Gestalt. Als humanoide Fledermaus schwang sie sich vom Höhleneingang herunter und griff an. Die Gier nach Blut konnte man in ihren Augen ablesen und sie stürzte sich auf diejenigen, die ihr wohl am besten als Nahrung dienen würden: die kräftigen Tauren. Doch mit vereinten Kräften gelang es, ihre Macht zu brechen und am Ende lag sie leblos am Boden vor dem Pakt. Es war der erste Sieg in eine Reihe weiterer Siege. Venoxis fiel, der Hohepriester der Schlangen, Marli, die Spinnenpriesterin, Blutlord Mandokir mit seinem Kriegsraptor, Hohepriester Thekal, der Tigerlord und Arlokk, die Pantherpriesterin.
    Sie hatten gegen Schlangen gekämpft, Tiger, Panther, die unheimlichen und riesigen Berserker, hatten die Bluttrinker besiegt und standen dann vor dem Tempel Hakkars, in der Mitte der Stadt.
    Der Lebenspakt hoffte, Hakkar durch das Töten seiner Mambos und Houngans und seiner Anhänger so sehr geschwächt zu haben, um ihn selber zu besiegen. Sharjin hatte nicht vergessen, was in der Vergangenheit passiert war, Zulrajas Entführung, Hakkars Einflüsterungen (denn gewisslich stammten auch einige von der Blutloa höchstselbst). Sie erinnerte sich an die Gespräche mit Honji und Zunjina, aber auch mit Bloodjin, von den grausamen Praktiken der Bloodskalp. Es war vielleicht zum Teil nicht mal etwas anderes, was sie selber praktiziert hatte, dennoch, es waren ihre Freunde gewesen, die gelitten haben, sinnlos gelitten hatten, ohne dadurch stärker zu werden... und auch die Dunkle Mutter hieß Hakkars Praktiken nicht gut.
    Sie sammelte ihren Zorn und mit dem Lebenspakt zog Sharjin in die Schlacht. Ihre Robe hing durchnässt und mit Blut getränkt um ihren Körper, ettliche Risse durchzogen den Stoff (und Sharjin war froh, dass sie noch eine dünne Weste und eine Hose darunter trug). Sie war müde und kaputt, ihr Körper tat weh, doch sie war nicht alleine und die Entschlossenheit aller war deutlich zu spüren. Hakkar sollte fallen!
    Dann begann der Kampf. Sharjin hätte am liebsten die Macht der Schatten genutzt, doch es war wichtiger, ihre Kameraden zusammenzuflicken und wieder auf die Beine zu bringen, wenn sie stolperten und fielen. Sharjin tat ihr Bestes, wie jeder, der im Kampf beteiligt war. Sie spürte, wie Hakkar selbst sich an ihrem Blut labte, spürte seinen Ruf in ihren Gedanken und sträubte sich dagegen. Sie spürte, wie er ihre Lebensenergie trank, sie schwächer wurde. Vielleicht würde es helfen, wenn sie sich selber vergiftete. Es war riskant, doch es würde auch Hakkar selber schwächen, wenn er giftiges Blut trank. Zwar hatten einige der Schurken Gifte dabei, doch waren dies Kontaktgifte, die nicht direkt über das Blut wirkten. Es kam die Idee auf, den giftigen Atem der Söhne Hakkars, die wie rote Windschlangen aussahen, zu benutzen, den diese beim Ableben ausspuckten. Sie alle stellten sich zusammen, atmeten Luft aus der Giftwolke ein und kämpften dann weiter. Sie hörte einiges an Husten, und Sharjin spürte Übelkeit in sich aufsteigen. Sie unterdrückte den Brechreiz, versorgte weiter die Verwundeten und kämpfte fast bis zur Besinnungslosigkeit weiter. Sie nahm kaum mehr etwas von ihrer Umgebung war, hörte nur die Schreie der Verwundeten, den Kampfeslärm, das Schwingen von Hakkars Flügeln, das kratzen von Schuppen auf dem Boden und dann... Stille. Sie hustete und sackte zu Boden, kraftlos und starrte zur Mitte der Plattform, wo Hakkar auf dem Boden lag, sich wand und zuckte.
    Es dauerte ettliche Augenblicke, bis auch diese Zuckungen aufhörten und der Körper der Blutloa tot vor ihnen lag. Sie hatten Hakkars Manifestation in dieser Welt wahrlich getötet! Sharjin bekam nicht mehr wirklich mit, wie Sudomus Hakkars Leichnam nach dem Artefakt durchsuchte und was er genau tat. Sie war nur froh, überlebt zu haben.

    Überglücklich und mehr als müde verließ der Lebenspakt schließlich dann den Tempel, um in ihre jeweiligen Heimatstätten zurückzukehren und sich dort dem mehr als verdienten Schlaf zu widmen.

    Doch der Kampfesruf ereilte nur wenige Tage später erneut den Lebenspakt. Nachdem die Tore von Ahn Qiraj geöffnet waren, sollte auch dort nach einem der weiteren Artefakte gesucht werden.

    Schon vor den Mauern hörten sie das Summen der Feinde, teilweise tief wie das Brummen eines Bären, manchmal hoch wie das Surren lästiger Mücken. Dennoch traten die tapferen Kämpfer durch das mit Glyphen verzierte Portal und sahen die ersten Qiraj, Kreuzungen zwischen Humanoiden und Insekten, dicht gefolgt von Wesen, die Flügel hatten und wie Wespen herumschwirrten.
    Die Krieger stürzten sich jedoch wagemutig in die Menge und gemeinsam rangen sie sie nieder.
    Recht bald stand die 20 Personen starke Truppe vor einer riesigen Assel, Kurinaxx. Sie zischte und bewegte ihren Schwanz mit seinen Zangen hin und her, bewarf uns mit Sand, doch von allen Seiten attackierte der Lebenspakt sie und konnte sie bezwingen.
    Unweit dieser Stelle sammelte sich General Rajaxx. Ein harter Brocken, zumal er seine Untergebenen um sich gescharrt hatte mit samt einer riesigen Armee. Doch auch der Lebenspakt stand nicht ohne Verbündete da. Generallieutnant Andorov und einige weitere Allianzer halfen uns. Zum Glück starb dieser Abschaum in den Fängen der Gegner (so musste das nicht selber erledigt werden) und Rajaxx wurde besiegt.
    Weiter ging es zu einem riesigen obeliskenartigen Edelstein, der die Mitte eines Platzes zierte und die Gruppe zur Entscheidung zwang, welchen Weg es zu nehmen galt.
    Sharjin und die anderen probierten es links und gelangten zum Rand einer riesigen Grube, die mit Wasser gefüllt war. An den Seiten des Wassers lagen mehrere Eier herum, und ein riesiger Käfer, Buru, hielt eifrig Wache über seine Brut.
    Nach einigen unglücklichen Zwischenfällen mit diesen Eiern, gelang es jedoch auch, diesen Käfer umzubringen und seine Brut zu vernichten!
    Erschöpft von den Kämpfen, immerhin steckte den meisten Zul Gurub noch in den Knochen, zogen sie sich für zwei Tage zurück, um am dritten Tage wiederzukehren. Diesmal nahm der Lebenspakt den rechten Weg, trafen auf Wesen, die glitzerten wie Edelsteine...
    Doch auch diese besiegten sie, um dann jedoch an dem Anführer dieser Obsidianwesen zu merken, wo ihre Kräfte lagen. Zu erschöpft waren alle noch von den vorherigen Kämpfen, so dass sie den Anführer nicht bezwingen konnten. Doch sie gaben nicht auf, zogen sich taktisch zurück und versuchten dann, die Wachen von Anubisath zu bezwingen. Diese waren jedoch auch keine einfachen Gegner und abermals biss der Lebenspakt sich fast die Zähne aus.
    Zerschunden wie sie waren, wurde beschlossen, sich doch erst noch ein wenig auszuruhen, bevor sie sich weiter in die Schlacht begeben würden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Gegner bezwungen werden.

    Sharjin sammelte in den nachfolgenden Tagen ihre Kräfte und meditierte viel. War Hakkar wirklich besiegt? Was bedeutete das leise Flüstern, was sie hörte. Waren es die Schatten? War es etwas anderes? Sharjin ging in sich, um es herauszufinden, scheiterte jedoch und verdrängte das Problem - vorerst.



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:36


    *Intermezzo*
    Es war Dunkel und still um sie herum. Mühsam stand sie auf, etwas ungelenk, wie eine Marionette, die das erste Mal ohne die Fäden ihres Halters unterwegs ist und das Laufen erst noch lernen muss. Sie machte sich keine Gedanken darum, dass es peinlich aussah, wie sie sich das Bein ausrenkte, um die Knochen dann Mühsam in die richtige Position im Hüftgelenk zu drehen. Es scherte sie nicht viel, dass sich dabei einige Fetzen Fleisch, die an ihr hingen, lösten. Es machte ihr auch nichts aus, dass sie nach Verwesung roch. Das Fleisch, das sie verlor, würde nachwachsen, irgendwie. Sie konnte nicht wirklich verletzt werden und einen Tod gab es nicht. Wie sollte auch etwas sterben, was schon lange tot war? Oder vielmehr... untot.
    Sie blickte zu den Toren Orgrimmars. Die Nekropole hatte sie abgesetzt und nun war sie hier auf ihrem ersten Außenauftrag. Sie sollte Informationen einholen, über Orgrimmar, über die Lebenden, und über das, was wohl in den Verwüsteten Landen vor sich ging. Man munkelte, dass sich das Portal öffnen würde, doch die Macht der Geißel war schwach in dem Gebiet und viele Abgesandte des Lich-Königs waren von ihrer Mission nicht mehr zurückgekehrt.

    Sie nickte den Wachen zu, die sie passieren ließen. Sie hielten sie wohl für eine der Verlassenen, Untote, die einen freien Willen hatten und Sylvannas dienten. Abtrünnige! Sie war sich zwar bewusst, dass sie nicht wirklich Herrin ihrer Schritte war, aber auch das scherte sie nicht. Sie diente einem höheren Zweck und war, wie alle anderen auch, einfach ein Werkzeug und zufrieden mit ihrer Rolle.
    Für den Auftrag hatte man ihr erlaubt, sich vom Kollektiv in gewissem Sinne zu lösen. Wenn einer der Magier der Horde die Verbindung spüren würde (und sie zweifelte nicht daran, dass das wohl ging), würde sie auffliegen. Also war sie nun fast eigenständig unterwegs. Aber es gab keinen Grund zu Zweifeln, sie war ihr Leben lang loyal gewesen, kannte nichts anderes. Die Angehörigen der Geißel waren ihre Familie, sofern man das Wort aus der Welt der Lebenden anwenden konnte.
    Sie zuckte die Schultern in Gedanken und ging weiter. Ihre fahle Haut schien im Licht des Mondes weißlich zu sein, hatte jedoch auch einen Stich ins grünliche. Ihre Lagerstätte war nicht gerade die trockenste und der Schimmel und das Moos färbten wohl ab. Aber auch das war nichts, was sie sonderlich interessierte.

    Sie streifte ihre spärlichen Haare zurück. Sie hatten einen rötlichen Unterton, fast Kupferrot wie Blut, doch durch den Verfallsprozess und die Veränderungen der Kopfhaut eher lila-rosa. Ihre Ohren wirkten spitz, sofern man dies bei den verrotteten Hörorganen noch feststellen konnte und konnten fast mit denen eines Trolls mithalten.

    Unsichtbar folgte ihr ein weiteres Wesen, ein kleiner Wichtel, der zwischen den Phasen des Daseins wandelte und zynische Kommentare abgab. Sie ignorierte sein Gemecker und setzte sich in die kleine Taverne nahe der Bank und lauschte den Gesprächen an den Tischen. Das meiste war sinnentleertes Gelalle und auch draußen auf den Straßen Orgrimmars waren nur noch wenige Personen unterwegs.
    Sie verließ die Taverne, schlenderte weiter, beobachtete die abendlichen Spaziergänger und versuchte, erste Informationen aufzuschnappen. Sie schlenderte durch die Gasse und hielt an, als sie das Geklapper von Hufen hörte. Sie drehte sich um und sah eine schattige Person auf einem Pferd, das eher wie eine dämonische Schindmähre aussah, ein Wesen, lebendig und tot zugleich, doch komplett aus Schatten bestehend. Auch der Reiter schien komplett aus Schatten zu bestehen. An seiner Seite hing ein Dolch, der gelblichgrün leuchtete, die Schultern funkelten in dämonischem Rot und Hörner zeichneten sich am Kopf ab. Zuerst dachte sie an einen Abgesandten der Legion oder des Schattenrates, von denen sie auch einige in der Nekropole gesehen hatte. Doch ihr Begleiter raunte ihr in schnodderigem Ton zu, dass das "keiner von uns" sei.

    Sie musterte die Person genauer, während diese langsam an ihr vorbeiritt. Weiblich, wohl eine Trollin. Als sie die Gesichtszüge sah, hörte sie ein leises Flüstern wie aus dem Nichts.

    "Thygatri"...

    Da sie keinen Namen hatte, Werkzeuge brauchten keine Namen, beschloss sie, dieses Wort als Namen zu nehmen, was auch immer es heißen mochte. Der Name hallte in ihrem Kopf wieder und sie sah der Reiterin noch lange nach, bevor sie sich weiter dran machte, durch Orgrimmar zu streifen.



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:36


    *Szenenwechsel*
    Sharjin ritt gedankenverloren durch Orgrimmar. Ihre Wege führten sie abermals in die Richtung des Tales der Ehre. Seit dem sie bei Hakkar gewesen war, spürte sie das Verlangen nach Blut. Lange schon hatte sie selber das Blut ihrer Opfer nicht mehr getrunken. Bei den Ackees hatte sie auf diese Praktik sogar gänzlich verzichtet. Doch jetzt wallte ihr Verlangen danach wieder auf. Sie hatte damals ab und an welches getrunken. Das Blut ihrer Opfer hatte sie gestärkt, hatte die Schatten gestärkt. Sie bemerkte die Untote nicht, als sie durch die Gasse ritt. Sie hörte nur ein leises Flüstern, als ob die Schatten ihr mal wieder etwas zuhauchten. "Thygatri"...
    Sie blickte zur Untoten und erneut kamen die Bilder ihrer Vergangenheit hoch. Sharjins Gesicht verzerrte sich, und sie ritt weiter, nur mehr weiter angespornt, die Schatten zu füttern, die... die sich immer um sie sorgten. Sie vergaß die Untote wieder.

    Als sie dann Sudomus Stimme vernahm, durch die Brosche, die alle Mitglieder des Paktes miteinander kommunizieren ließ, ließ sie von ihrem Plan ab. Sie wollte ihn befragen, was herausgekommen war bei seinen Nachforschungen um das verschollene Artefakt, oder vielmehr eines der Artefakte, nach denen der Lebenspakt suchte. Sharjin bat ihn um ein Treffen und er willigte ein. Fast schon ironischerweise trafen sie sich in Revantusk, Sharjins alter Heimat, dem Dorf der Bruchhauer und der Zul Ackee.
    Es war schon lange Nacht, doch Sharjin war neugierig und fragte nach den Mitgliedern ihres alten Stammes. Viele - so sagten die Wachen - hätten das Dorf verlassen. Auch der Häuptling hätte sich schon lange nicht mehr bei der Anführerin der Bruchhauer gemeldet und man wisse nicht, was passiert sei. Überhaupt hätten sich die Ackee rar gemacht und die Bruchhauer wären etwas verärgert, dass sie sich nun fast wieder alleine um die Schildkrötenplage am Strand kümmern mussten und auch die Angriffe der Zwerge und Witherbark abwehren mussten.
    Sharjin hörte sich die Berichte an und nickte leicht schuldbewusst. Obwohl sie gegangen war, hieß man sie dennoch im Dorfe willkommen und sie hinterließ eine kleine Spende für die restlichen Dorfbewohner.

    Sudomus traf sie an, wie sie das Dorfbrett studierte, nur wenige Zettel hatten sich neu eingefunden, und viel, was dort noch stand, stammte von ihr selber. Sie seufzte. So viele Erinnerungen, die hier versammelt waren... Sie war froh, als Sudomus vorschlug, einen Ausritt zu machen.

    Sie ritten weit in das Hinterland hinein und machten sich dann an den Aufstieg auf einen der Hügel, von dem sie aus einen guten Rundumblick hatten. Dort unterhielten sie sich lange und sie erfuhr auch, warum Sudomus in die Schatten getreten war. Er folgte nun wie sie selber der Dunklen Mutter, benutzte die von ihr gewährten Kräfte und verstand um die Wünsche und das Begehr der Schatten, etwas, was sie vorher nur selten bei jemanden angefunden hatte.
    Sie lächelte, als er seinen Wunsch nach dem Vergießen von Blut äußerte. Trotz dass er untot war hatten die Schatten ihn sich seiner angenommen. Wenn die Schatten ihm vertrauten, würde sie dies - in begrenzten Maßen - auch tun.

    Gemeinsam gaben sie sich dann den Schatten hin, durstig und blutlüstern. Langsam wie der Tod und doch majästetisch durchschritten sie die Nacht, schlichen sich zu dem Lager der Witherbark und kamen wie Furien unter sie. Beobachter hätten die beiden vielleicht nicht wieder erkannt.
    Gewissenlos durchschnitten sie die Kehlen der Trolle, labten sich an ihrem Blut, drangen in die Gedanken ihrer Gegner ein und ließen sie im blutigen Spiel gegeneinander antreten, während sie selber daneben standen, sie auslachten und sich an ihrem Leid amüsierten. Doch all das Blut nützte nichts, die Witherbark waren allesamt meist im Schlaf überrascht oder nicht sonderlich aufmerksam gewesen. Das Blut der Allianz sollte her. Diese würden sich wehren, kämpfen ... und am Ende unterliegen, was den Triumph um so süßer machte.

    Sie durchreisten die Schattenebene und waren innerhalb von Sekunden in Unterstadt, nahmen den Zeppelin und machten sich dann vom Wegekreuz, das nur Stunden zuvor heftigste Angriffe seitens der Allianz erlitten hatte, auf in Richtung Astranaar.
    Anfangs noch zu zweit waren sie in Astranaar schon zu dritt. Zyrxog hatte sich ihnen angeschlossen und auch er ging wie im Blutrausch mordend durch die Straßen des Elfendorfes.
    Skrupellos ermordeten sie die Wachen, erschlugen alles, was ihnen in den Weg kam. Nichts und scheinbar niemand konnte die Schatten aufhalten, die in dieser Nacht grausam durch das Dorf fuhren.
    Sharjin lachte leise. Nichts war so süß wie Allianzlerblut - frisches Allianzlerblut. Ihre Robe war langsam durchtränkt und die Leichen begannen sich zu häufen, als sie beschlossen, weiter zu ziehen. Unterwegs schlossen sich immer mehr Personen an, wie Pashmo und Najag...

    Sie erreichten Auberdeen ungehindert und zogen auch dort blutdürstig durch die Menge, nun ein Ziel vor Augen... Darnassus und der Wunsch nach noch mehr Blut. Sie erreichten den Steg und hinterließen ettliche Tote, kaperten eines der Schiffe, die die Insel mit dem Festland verbanden und erreichten dann den Steg von Darnassus, wo sie nun von einigen Allianzlern doch empfangen wurden. Aus den Gesten und der flehenden Mimik - sogar einige Tränen flossen - wurde klar, dass man sie bat, zu gehen. Vielleicht beteuerten sie sogar, dass ihnen die Angriffe auf das Weggekreuz leid taten... wer wusste schon, was das Gezwitscher der Elfen wirklich bedeutete. Doch es brachte Sharjin und die anderen nicht von ihrem Vorhaben ab.
    Es kam zu kleineren Rangelleien, die dann jedoch wieder abebbten. Man starrte sich an, Worte fielen... und Sharjin wartete ab. Als sie fast schon nicht mehr damit rechneten, beschwor sie ihr Schattenross - ein Geschenk der Dunklen Mutter - und auch die anderen holten ihre Reittiere aus den Kammern des Schiffes.
    Sie überranten die Allianzler, ließen die Wachen am Eingang stehen und ritten durch das Portal, hinein in die Elfenstadt. Darnassus hatte sich kaum verändert seit damals, als sie zum ersten Mal hiergewesen war. Daher wusste sie auch, dass sie sich nun links halten mussten.
    Der Mantel der Nacht schützte sie vor dem Entdeckt werden und es dauerte ettliche Minuten, bis sie auf den Wiesen bei Darnassus von den Allianzlern wieder entdeckt wurden. Doch es waren nur wenige und noch war kein Tropfen Elfenblut auf der Insel geflossen. Das würde sich zweifelsohne ändern, wenn sie von den Angriffen bei Astranaar und Auberdeen erfuhren. Doch scheinbar war der Informationsfluss der Allianz zäh.
    Alte Erinnerungen kamen auf, dämpften ihren Blutdurst und sie beschloss, abermals den großen Weltenbaum aufzusuchen, der im Herzen Teldrassils stand. Die anderen - neugierig - folgten ihr.
    Nahe des kleinen Dörfchens noch vor dem Weltenbaum, kam es dann doch zu einigen Kämpfen, bei denen Blut floss. Doch es gelang ihnen, sich in die Schatten der Nacht zurück zu ziehen, die eigenen Wunden zu verbinden und zu warten, bis sie soweit gestärkt waren, dass die Allianz ihnen nichts mehr anhaben konnte. Derart entschlossen ritten sie weiter, bis zum Herzen, verfolgt von einigen unerbittlichen Wächtern der Allianz, die ihr Treiben sorgfältig im Auge behielten. Doch es verlief recht friedlich beim Baum. Sharjin führte die Gruppe zu den kleinen Seen und erzählte von den Dingen, die sie über die Gegend wusste. Regen setzte ein und durchnässte sie bald allesamt, so dass an ein Lagerfeuer nicht zu denken war. 2 weitere Trolle schlossen sich ihnen an, die wohl ihrer Spur der Zerstörung gefolgt waren. Sharjin wusste, dass sie dem Ruf des Raben folgten, kümmerte sich jedoch nicht wirklich weiter drum und ließ auch den einen sich mit einem menschlichen Magier prügeln. Sharjin spürte zwar den Wunsch, weitere Elfen in die ewigen Abgründe zu schicken, doch die Kämpfe zehrten an ihr und so durchnässt wie sie war, verspürte sie nur noch alsbald den Wunsch nach warmer Kleidung und einem Bett.
    Und so kehrte sie zurück von dem Schlachtzug, der gen Ende zu einer Expedition mutierte. Immerhin hatten sie das Wegekreuz ein wenig rächen können.
    Als sie sich hinlegte, hörte sie die Schatten jedoch noch immer leise flüstern. Irgendetwas von Blut und abermals das Wort... "Thygatri"...



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:36


    Es dauerte wiederum einige Tage, bis Sharjin sich soweit unter gefangen hatte. Die Schatten hatten ihr eine neue Aufgabe gegeben, die sie beim Anbruch der Nacht zu erfüllen begann. Sie sollte das Blut der "Unschuldigen" Rassen (als ob Allianzler unschuldig wären!) sammeln und damit das Auge der Schatten beschwören, einer der höheren Diener der Dunklen Mutter, der ihr hoffentlich ermöglichen würde, Dinge zu sehen und zu erfahren, die ihr noch verborgen geblieben waren.
    Also zog sie los, nichts weiter als ein flüchtiger Schatten zwischen den Bäumen, der sich als erstes dem elfischen Dorf Astranaar nährte. Wie der Tod persönlich ritt sie in das Dorf, unbemerkt von den Wachen, die aufmerksam patroullierten.
    Sie schickte ihr Schattenross davon und schlich sich in eine der Hütten. Die Elfen wussten nicht, was ihnen widerfuhr, als sich das Zimmer verdunkelte und alle Geräusche durch die unheimliche Schwärze erstickt wurden. Sharjin brauchte kein Licht, um sich zu orientieren.
    Als sie ihre Ritualklinge zuckte, leuchtete diese bösartig rot auf, als ob die Klinge selber gierig nach dem Blut sei. Mit einer raschen Geste schlitzte sie einem der Elfen die Kehle auf, während sie sein Blut auffing. Die anderen Elfen im Zimmer irrten ziellos herum, unwissend, was direkt neben ihnen geschah. Doch Sharjin brauchte nicht viel. Als die Phiole gefüllt war, zog sie sich zurück, ebenso lautlos, wie sie gekommen war. Erst als sie den Raum verließ, lichtete sich die Dunkelheit und die anderen Elfen sahen, was geschehen war. Rufe wurden nun laut, doch da hatte sich Sharjin schon wieder auf ihr Schattenpferd geschwungen und ritt im Schutze der Nacht davon.
    Dann machte sie sich auf den langen Weg zum Sumpfland und zum Hafen von Menethil. Sie brauchte Menschenblut... und sie würde es bekommen. Ihr Schattenpferd bäumte sich auf, und Sharjin setzte an zum Galopp. Sie zog den Mantel enger um sich und die Kapuze tiefer in ihr Gesicht. Sie war kaum mehr als ein Schemen, der an den Wachen vorbeipreschte. Ein Blinzeln, eine Sinnestäuschung? Die linke Wache gähnte müde, während die Rechte sich über die Augen rieb.
    Hinter einem Menschengebäude hielt sie an, stieg ab und näherte sich der Rückseite. Das Fenster, dem sie sich näherte, war hell erleuchtet und gab ihr die Gelegenheit, hineinzublicken. Es war wohl eine Art Stall oder etwas ähnliches. AUf jedenfall sah sie jede Menge Heu und einen jungen Mann, der sich nackt über ein Menschenweib, ebenfalls nackt, beugte.
    "Menschenpaarung, wie widerwärtig...", murmelte Sharjin. Diese Reproduktion des Alianzenabschaums musste sie stoppen! Leise schlich sie um die Scheune herum, vergewisserte sich, dass niemand sie sah und betrat dann durch das Scheunentor den Stall. Das Menschenpaar bemerkte sie erst, als die Dunkelheit sich über sie senkte. Sie erstach das Männchen und widmete sich dann der erschrockenen Frau, die unter dem Männchen lag. Sharjin strich ihr sanft über die Wange und flüsterte: "Du stirbst für die Schatten, kleines Weibchen... Es wird schnell gehen"
    Die Menschenfrau verstand sie nicht, zitterte jedoch am ganzen Leib. Sie zitterte nicht lange, nachdem Sharjin auch ihr die Kehle durchgeschnitten hatte, um an das Blut zu kommen.
    Die Schattenmambo verkorkte die Phiole und verließ den Stall.
    Ihre nächste Station war das Tal der Zwerge und Gnome, wo sie das letzte, fehlende Blut bekommen würde. Sie fing eine alleinwandernde Zwergenwache ab und lockte den gnomischen Schreiterhändler von seinen Konstruktionen weg. Schon recht bald hatte sie auch das letzte Blut zusammen.
    Sharjin durchschritt die Schatten, landete wieder in Unterstadt und machte sich von dort auf den Weg zum Ödland, wo sie auf Sudomus traf.
    Er würde ihr helfen bei dem Ritual, auch wenn er von seinem Glück noch nichts wusste. Doch er war in die Schatten getreten wie sie, und alleine aus dem Grund sah sie über sein Dasein als Untoter hinweg.
    Gemeinsam ritten sie zu einer alten Gruft, in der sich noch die Knochen einiger Zwerge und ihres Anführers befanden. Sie grinsten Sudomus und Sharjin leblos entgegen, was die Schattenmambo nicht störte, sich den Platz zu verschaffen, den sie brauchte. Sie trat die im Weg liegenden Knochen achtlos weg.

    Sudomus zündete ein kleines Feuer an, an das er sich setzte und sich zu wärmen schien, während Sharjin auf dem Boden einen Beschwörungskreis mit Kreide und ihrem eigenen Blut zu zeichnen begann. Der kupfrige Geruch ihres Bluts verbreitete sich rasch im Raum und sie konnte hören, wie Sudomus leicht danach schnüffelte.
    Sie wusste, dass die Untoten warmes Fleisch und Blut der noch Lebenden mochten und es ihnen Kraft gab, wenn sie sich labten. Und auch Sharjin trank immer öfter Blut, was ihre Kräfte stärkte und sogar die ihrer Begleiter. - Mit einem Lächeln bot sie Sudomus ihr Handgelenk dar, doch er lehnte ab, auch wenn er einiges an Willenskraft aufzubringen schien.
    Sie schmunzelte und begann dann, sich für das Ritual auszuziehen und die Schattenrunen mit Blut auf ihre Haut zu malen. Sudomus half ihr dann bei der Bemalung ihres Rückens. Sie spürte seine kalten Hände auf ihrer Haut und schauderte kurz.
    Sie nickte ihm dankbar zu und begann dann das Ritual, nachdem sie in den Ritualkreis trat. Mit anfangs leiser, aber immer lauter werdenden Stimme begann sie die dunklen Gesänge, betete zur Dunklen Mutter mit ihnen. Langsam begann sie sich im Takt des Gesangs zu wiegen und zu tanzen. Es war ein alter Tanz des Voodoo und Sharjin begann schon nach wenigen Minuten in Trance zu fallen. Sie bemerkte kaum, dass Sudomus ihr half, indem er emsig mitbetete, während er sie zugleich betrachtete, wie sie nackt in den Schatten tanzte.
    Die Runen auf ihren Köper begannen langsam aufzuleuchten, als würden sie sich in Sharjins Haut brennen. Doch die Schattenmambo spürte nichts. Sie schnitt über ihre Arme, ließ frisches Blut aus den Wunden laufen, fütterte die Schatten damit und sang und tanzte weiter. Die Schatten begannen in ihren Tanz einzufallen, umschmiegten sie, berührten und liebkosten sie, während sie sich an ihrem Blut labten. Sie wirbelten um die Trollin herum und langsam begann sich das Auge der Schatten über ihr zu materialisieren.
    Eine gestaltlose Stimme sprach zu Sharjin, doch sie war nur innerhalb des Kreises zu hören. Sudomus konnte nicht sagen, was die beiden besprachen.
    Das Auge der Schatten öffnete sich, als es materialisiert war und ein bösartiges Glühen ging von ihm auf. Sharjin lächelt und blickte hinein. Und was sie sah... ließ sie erzittern.
    Es dauerte nur wenige Sekunden, wie es schien, bis das Auge noch einmal aufleuchtete und dann abrupt verschwand. Sharjin sank kraftlos zu Boden.
    Sudomus erhob sich rasch, legte ihr seinen Mantel um die Schultern und führte sie dann zum Feuer. Dort begann sie mit schwacher Stimme zu berichten, was sie gesehen hatte:
    Einen riesigen Dämonen, der durch einige Dörfer und kleinere Städte zog. Flammen loderten überall, Schreie waren zu hören und der Boden bebte, als würde die gesammte Horde über die Steppen Mulgores rennen. Sharjin sah Leichen überall und erhaschte dann einen Blick auf den Dämon... Lord Kazzakk. Er suchte etwas. Die Szene wechselte. Sie sah Orgrimmar... sie sah die Stadtwachen, wie sie vergeblich gegen Lord Kazzakk anstürmten, versuchten, ihn aufzuhalten, und doch nach wenigen Sekunden zerschmettert und tot auf dem Boden lagen. Nichts konnte den Dämonenlord aufhalten, wie es schien.
    Die Szene wechselte und sie sah wieder diese Untote, der sie schon einmal kurz begegnet war. Thygatri. Ihr Gesicht war unter einer Kapuze verborgen. Irgendwas hatte sie mit dem Eindringen von Lord Kazzakk zu tun... so schien es Sharjin. Oder irrte sie sich da? Waren es zwei verschiedene Dinge, die das AUge ihr gezeigt hatte oder hingen sie zusammen?
    Das einzige, was sie wirklich erschrak, war der Ring, den die Untote an ihren Fingern trug. Es war ein stilisierter, schwarzer Rabe. Genau so einen Ring hatte ihr Vater ihr einst geschenkt gehabt, als sie noch klein war. Selbst als ihre Finger zu groß geworden waren um den Ring zu tragen, hatte sie ihn bei sich getragen, an einer Kette um ihren Hals. Sie hatte ihn getragen, bis sie in die Gefangenschaft der Geißel geraten war. Dort hatte man ihr den Ring abgenommen.
    Die Finger der Untoten waren zierlich genug, dass ihr der Ring passte.
    Diese Untote musste der Geißel angehören, die Zeichen waren deutlich genug. Wut kam in Sharjin auf, Wut, dass dieses Miststück ihren Ring trug! Wut darüber, was die Geißel ihr und ihrer Tochter angetan hatten... Hätte sie die Augen der Verlassenen gesehen, wäre sie weitaus erschrockener gewesen...

    Die Nacht näherte sich fast ihrem Ende und Sudomus zog sich zurück. Sharjin verblieb grübelnd in der Gruft, alleine mit den alten Zwergenknochen...



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 26.04.2008, 13:37


    Die Verlassene zuckte zusammen. Sie spürte, wie die Energie des Nethers, der sie alle umgab, sich irgendwo zusammen zu ziehen schien. Es wurde immer schwieriger, die Dämonen unter Kontrolle zu halten, vorallem da diese merkten, dass etwas vor sich ging.
    Thygatri strich gedankenverloren über den kleinen, schwarzen Ring mit dem stilisierten Raben, bevor sie dem dämonischen Hund neue Befehle erteilte.
    Kaum war er bei seinem Opfer, öffnete er die Fortsätze an seiner Seite, die Blüten ähnelten. Doch waren sie voll entfaltet, würden sie die Zauberkraft der Opfer an sich reißen, während das große, zahnbewehrte Maul nach ihnen schnappte. Thygatri schleuderte einen Blitz aus Schatten auf ihr Opfer, ein in Leder gekleideter Mensch, der zusammen mit anderen bei einen Turm in den Hügeln von Hillsbrad Wache hielt. Thygatris Kommandant hatte sie abbeordert. Sie sollte nach dem Rechten sehen, wie die Fortschritte der Geißel in Hillsbrad waren. Man hatte dort einige Internierungslager in der Gewalt, doch Dalaran war nahe. Viel lieber wäre sie jedoch dem großen Dämon gefolgt, der Zerstörung und Chaos verbreitete. Auch wenn er nicht im Auftrag der Geißel handelte, so sollte sie doch auch die Aktivitäten der Dämonen überwachen. Und gerade die Aktivität des Dämonenlords war viel interessanter als ein hinterwäldlerisches Lager der Geißel.
    Der Boden begann plötzlich zu zittern und Thygatri hatte Mühe, auf den Beinen zu bleiben. Der Dämonenhund riss sich aus ihrer Befehlsgewalt, floh ... und als sie zur Kuppel von Dalaran blickte, sah sie, dass die magischen Strukturen flimmerten und sich an einigen Stellen aufzulösen begannen, als ob die Kuppel zusammenbrechen würde.
    Der Nether schien zu implodieren und eine Art magische Druckwelle raste über das Land. Woher sie kam, wusste Thagatri nicht, nur dass sie nun wirklich zu Boden ging.
    Klapprig richtete sie sich wieder auf. Etwas war passiert. Etwas von immensem Ausmaß. Sie rannte, so schnell sie konnte, zurück. Sie musste Kontakt mit dem Kommandanten aufnehmen, fragen, was passiert war, als sie auch schon die Rufe aus Dalaran hörte.
    "Das Tor... das Dunkle Tor... es ist offen. Bei all den Göttern!"
    Es ist offen?!
    Sie beschleunigte ihre Schritte.

    Ettliche Kilometer entfernt...
    Sharjin streifte gedankenverloren am Meer entlang, sah Szenen ihrer Vergangenheit und wandelte eher in den vergangen Tagen als in der Gegenwart. Die Schatten schmiegten sich dicht an sie, sodass sie weder den beißenden Wind spürte, der vom Meer herwehte, noch die Nässe auf ihrer Haut spürte, die ihr als Gischt entgegen kam. Der Wind drückte das Wasser immer wieder unerbittlich gegen die steile Felsküste. Sharjin trennten nur wenige Fußbreit von der Kante. Nur ein, zwei weitere Schritte... aber sie wollte nicht fliehen, konnte es nicht. Der Wunsch nach Rache war mächtiger.
    Abermals stob die Gischt auf und tausende kleiner Wassertröpfchen schienen für einen Augenblick in der Luft zu schweben, ehe sie herniedersanken. Sharjin ging weiter und bemerkte nicht, wie die Wassertröpfchen immer mehr der Schwerkraft trotzten, bis sie sogar ganz stehen blieben. Erst nach einigen Schritten sah die Trollin auf. Erst jetzt bemerkte sie die unnatürliche Stille, die sich über das Land gesenkt hatte. Nicht nur die Gischt hing reglos in der Luft... auch die Wellen waren plötzlich wie zu Eis erstarrt. Als Sharjin den Blick weiter nach oben hob, meinte sie einen Vogel in der Luft hängen zu sehen... reglos in der Bewegung. Sharjin rieb sich über die Augen und blinzelte, kniff sich dann sogar, doch das Phänomen schien bestehen zu bleiben. Sie machte einen Schritt vorwärts, stoppte aber sogleich wieder. Es war, als hielte die Welt den Atem an. Und das Chaos, was darauhin folgte, war umso schlimmer. Als ob die Realität selbst auf schlimmste Weise verbogen wurde, änderten sich die Farben und Geräusche. Was soeben noch Stille war, wurde nun zu einem Sammelsurium von unterschiedlichsten Geräuschen, aber alle so falsch, dass die bloße Existenz dieser Geräusche weh tat. Sharjins Gleichgewichtssinn setzte aus, sie schwankte, fiel... und es fühlte sich an, als glitte sie durch Wasser... nur dass da keines war, außer die Wassertröpfchen, die sich in kleine Rasiermesser zu verwandeln schienen. Die Trollmambo begann aus vielen, dutzend kleinen Wunden zu bluten und schlug sich das Knie auf, als sie auf dem Boden ankam. Eine Art Druckwelle schien über das Land hinweg zu rasen, drückte sie tiefer auf den Boden und presste ihr für einige Herzschläge die Luft aus den Lungen. Sie spürte instinktiv, dass die Welt nie wieder sein würde wie zuvor und dass sich etwas geändert hatte...
    Sie rang nach Luft, setzte sich auf und versuchte, das Gefühl von Panik zu ersticken, was sich in ihr aufbäumte. Nach und nach gelang es ihr, die störenden Emotionen zu beseitigen und das so eben Erlebte halbwegs rational zu analysieren. Schlau wurde sie dennoch nicht daraus und so rief sie die Schatten zu sich. Es dauerte länger als gewöhnlich, bis sie sich um die Priesterin scharrten und sie schnatterten aufgeregt. Sharjin hatte Mühe, sie zu verstehen, doch letztlich plapperten sie alle nur das eine. "Das Tor ist offen!"
    War es jetzt so weit? Nicht irgendwann, nicht morgen... sondern heute... jetzt?
    Sie rannte zurück, weg von der Steilküste, zurück zu Knurrla, die unter einigen Bäumen verharrte und unruhig mit ihren Krallen auf dem Boden scharrte.
    "Los! Wir müssn zum Sumpf... und dann zum Portal... Komm schon, altes Mädl!"

    Die Reise ging schneller, wie sie gedacht hatte und es dauerte nur wenige Stunden, bis Sharjin vor dem Portal stand. Eine Art Kriesenstab hatte sich vor dem Tor gesammelt. Es stapelte sich noch mehr Kisten vor dem unheimlichen, grünen Wabern. Als sie das Lager betrat, hörte sie auch schon Befehle, die lautstark gebellt wurden. "Sammelt euch!" - "Vorrücken!" - "Vergesst das Öl nicht... wer weiß was uns da drüben erwartet"
    Allianzler wie die Horde machte sich bereit, durch das Portal zu schreiten. Ehe sie es sich versah, stand sie einem der Kommandaten gegenüber. "Troll... worin seid ihr gut?", schnauzte er sie an. Es blieb nicht mal Zeit, sich darüber zu ärgern. Fast automatisch antwortete Sharjin: "Leute zusammnflickn"
    "Dann geht da rüber zum Zelt, lasst euch so viele Verbände geben, wie ihr tragen könnt und dann ab mit euch durch das Portal. Wir können jede helfende Hand brauchen!"
    Sharjin sah den Ork vor sich fragend und verwirrt an. "LOS JETZT!", brüllte er.
    Sie machte auf den Absätzen kehrt und gehorchte instinktiv... und verfluchte sich hinterher dafür. Sie war immerhin selber in der Armee, bei den Frostwölfen hatte sie es sogar in den Generalsstab geschafft und jetzt agierte sie wie eine Grunzerin...
    Aber die Welt stand Kopf... und wer wusste schon, wie es hinter dem Portal aussah?
    Sie holte die Verbände ab, verstaute einiges in Knurrlas Taschen und führte den Raptor an den Zügeln Richtung Portal.
    Je näher sie kam, umso stärker spürte sie die Energie, die das Tor durchfloss. Ihre Nackenhaare stellten sich auf und auch die feinen Haare an ihren Oberarmen knisterten elektrisiert.
    Das wabernde Grün befand sich jetzt nur noch wenige Zentimeter vor ihr. Sie hielt die Luft an, schloss die Augen, und trat hindurch.

    Es fühlte sich an, als würde ihr Innerstes nach Außen gekehrt, abgeschabt und dann wieder umgedreht... als ob jede Nervenendung ihres Körpers offen lag und sich jemand Sadistischtes den Spaß erlaubte, sie zugleich anzukokeln. Ihr war heiß und kalt zugleich. Sie öffnete die Augen und bereute es eine Sekunde später wieder. Sie sah alles zugleich, aus allen Möglichen Perspektiven... Bilder, Formen, Farben. Es bewegte und drehte sich, wirbelte wie ein psychedelischer Regenbogen vor ihr, waberte wie Wasser und doch war etwas darin mit Leben erfüllt... unheiligem Leben.
    Zwei Herzschläge vergingen. Dann war sie durch. Länger hätte sie den Anblick des Nethers und der Welt hinter dem Nether nicht ertragen können, ohne wahnsinnig zu werden.
    Sie war beinahe froh, als sie festen Boden spürte und sog staubige, trockene Luft ein. Heißer Wind wehte ihr entgegen und sie hörte Kampfeslärm. In ettlichen Metern Entfernung wogte ein ungleicher Kampf. Dutzende Soldaten, Hordler wie Allianzler, kämpften gegen ein... gigantisches Etwas, einen dämonischen Riesen... oder was auch immer es war. Und gegen weitere Kreaturen.
    Schreie, Rufe, gebellte Kommandos... das Sirren von Pfeilen, das Klirren von Schwertern, die auf etwas Dumpfes prallten.
    Sharjin machte sich ein Bild von der Lage, holte die Verbände heraus und tat ihre Pflicht als Angehörige der Horde. Sogar einen oder zwei Allianzlern half sie... die Rasse spielte im Moment keine Rolle. Alles, war zählte war, dass die Dämonen besiegt werden mussten. Wehe, ihnen würde es gelingen, zum Tor vorzustoßen... Sharjin wagte nicht, den Gedanken weiter auszuführen.

    Die Zeit verflog... und erst als alle Verbände verbraucht waren, und auch ihre heilenden Kräfte, die ihr die Dunkle Mutter gewährte, versiegt waren, gönnte sie sich eine Ruhe.
    Man schickte sie weiter nach hinten ins Lager. Dort erfuhr sie, dass es einen Posten gab, den man mit Müh und Not in den vergangenen Wochen aufgebaut hatte. Wochen?!
    Es waren doch nur wenige Stunden vergangen, seit das Portal offen war. Als sie eine derartige Bemerkung fallen ließ, meinte eine Goblinfrau nur: "Die Zeit macht hier, was sie will. Was hier Stunden dauert, sind drüben nur wenige Sekunden. Weiß der Geier wieso... Und nicht mal das ist sicher. Einige sagen, die Theorie stimmt, andere halten sie für Schwachsinn. Ich weiß nur, dass ich so schnell nicht wieder da durch gehen werd."
    Sharjin nickte und sah noch einmal kurz zum Portal. Temporale Anomalien... aber wenn die Wirklichkeit auseinander gerissen wurde und Welten miteinander verbunden wurden, die nie hätten verbunden werden dürfen... es musste der Wille der Loas sein.
    Die Trollin zuckte nur hilflos mit den Schultern.

    Es dauerte eine knappe halbe Stunde, bis sie in Thrallmar, so hieß der Posten, ankam. Überall sah man, wie provisorisch das ganze aufgebaut war, aber es hielt und es schützte... Sharjin suchte sich ein freies Bett im Gasthaus, was gar nicht so einfach war, und ließ sich dann darauf nieder, angezogen wie sie war. Sie brauchte Ruhe... der nächste Tag würde gewiss ebenfalls anstrengend werden.



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 18.12.2008, 18:31


    Die nächsten Tage und Wochen vergingen wie im Flug. Sharjin bot überall ihre Dienste als Mambo (Priesterin) an und verdiente sich durch den einen oder anderen Laufburschen-Auftrag Goldstücke dazu, so, dass es zum Überleben reichte.
    Der Bund von Aelgestron schien mit seinen Forschungen zu stocken, man traf sich kaum noch und die Öffnung des Portals hatte auch hier scheinbar alles durcheinander gewirbelt. So brach der Bund mehr oder minder auseinander, doch Sharjin war mittlerweile Schicksalsergeben. Sie nahm, wie es kam.

    Sie fand heraus, dass die Vorfahren der Orks, die Magar, in der Scherbenwelt lebten. Sie kämpften gegen die Naga in den Zangarmarschen und begegnete in Shattrath zum ersten Mal den Draenaii, die in der Scherbenwelt beheimatet waren und deren Schiff auf Azeroth, nahe Teldrassil, abgestürzt war. Auch begegnete sie den Blutelfen, die sie mit Verachtung strafte. Blutelfen waren überheblich, sie nahmen sich heraus, die Älteste Rasse zu sein (was nicht stimmte, das waren die Trolle!) - nur ihre Ohren schmeckten gut, wenn man sie briet und mit Zucker übergoss. Leider waren sie nun in die Horde aufgenommen worden und es war schwer, an frische Blutelfenohren zu gelangen. Zum Glück fiel es niemandem im Schlachtgetümmel auf, wenn eine Person auf der "falschen" Seite tödlich verwundet wurde, und mancher Elf beklagte ein verlorenes Ohr, als er doch wieder zu sich kam.
    Trotz aller Schicksalsschläge hatte Sharjin so doch immer etwas zu naschen dabei. -Auch wenn es offiziell immer die Ohren von Nachtelfen waren.

    Im Schattenmondtal traf sie dann auf Abgesandte der Mondfinsternis, einer dunklen Vereinigung, der sie sich anschloss. Es waren auch hier wieder ettliche Blutelfen dabei, doch sie ignorierte die Unerwünschten und arbeitete sich mit Akribie in den Rängen empor, bis sie sich den Posten der Anführerin verdient hatte. Dass dabei der eine oder andere Verlust zu beklagen war... nun ja... Schwund war bei jeder Sache. Nachdem Sharjin den Posten unter ihren Nagel gerissen hatte, ging sie an die Öffentlichkeit, wenn auch eher als "Sternenguggarin", einem harmlosen Astronomie-Verein. Dies sollte der Tarnmantel für ihre dunklen Aktivitäten sein, die sie wieder aufgenommen hatte... unter anderem die Bekehrung der Blutelfen zur Dunklen Mutter, aber die Mitgliederzahlen waren mehr als dürftig und sie wurden nicht einmal richtig als Gilde in den Stadtregistern anerkannt. Mehr oder minder frustriert (und weil irgendwann doch die Blutelfen ausgingen) zog sie sich aus der Mondfinsternis zurück.

    Überhaupt hatte sie langsam alle Gebiete erkundet und das Buch der Schatten, auf dass sie durch einen Mordfall in Brill aufmerksam geworden war, schien unerreichbar. Auch die Nachforschungen in Bezug auf ihre Tochter stockten und so zog sich Sharjin immer mehr und mehr von der Gesellschaft zurück als Einsiedlerin.

    Etwas, was sie zum Teil wieder aus ihrer Lethargie riss, war, als Sie auf Khaleela stieß. Die Druidin mit dem Gebrochenen Herzen... Die Taurin hatte Liebeskummer gehabt und war in Sharjins Händen ein gefundenes Fressen. Sharjin blühte wieder ein wenig auf, kümmerte sich um die Druidin und begann, ihr Fortwährend die Lehren der Dunklen Mutter näher zu bringen, predigte quasi Tag und Nacht auf sie ein und in ihrem Kummer nahm Khaleela diesen Trost, der sich ihr bot, nur allzugerne an und entsagte schließlich sogar der Erdenmutter. Welch Blasphemie - oder vielmehr Ironie... Jemand, der sein Leben im Dienste einer Loa gestellt hatte und sich nun von ihr abwandte, um das Gegenteil zu lobpreisen. Doch Khaleela merkte es nicht, zu groß war ihr Seelenkummer und so wurde sie zur ersten Schattendruidin. Sie erledigte viele Aufträge für Sharjin, wurde fast wie ein Ziehkind, bis auch hier wieder einmal die Liebe einen Strich durch Sharjins Rechnung machte. Khaleela verliebte sich, wenngleich auch in eine andere Taurin namens Jyliana... die sie unbemerkt wieder in die Arme der Erdenmutter trieb.
    Sharjin kochte vor Wut... schlimm genug, dass diese Druidin, die es nie lange in einer Form aushielt, nun auch noch der Gleichgeschlechtlichen Liebe verfallen war... Bei einem Bullen hätte es Sharjin ja verstanden, so aber war es für die Trollin undenkbar.

    Die Welt war nur mehr Grau in Grau für Sharjin, ihre Ziele zerstört und selbst mit dem besten und unermüdlichsten Willen konnte sie alleine nicht mehr viel bewerkstelligen. Sie fühlte sich wie der Mensch in dieser Geschichte, der mit einer Lanze gegen Windmühlen kämpfte. Nur dass Sharjin dem Wind, der von den Flügeln erzeugt wurde, nicht standhielt.

    Sie schloss sich - resignierend - dem Bunde der Geryn en Duath an. Sie wusste nicht einmal, was der Name bedeutete, doch es gelang ihr, wieder ein wenig Anschluss an Hordler zu finden und sogar den einen oder anderen Ort zu betreten, der ihr zuvor verschlossen war. Sie zog in die Festung der Stürme, besiegte den Fliegenden Phönix und sah Kael'tas aus der Ferne, bevor er die Verteidigung seiner Feste mobilisierte. Sie tauchte in den Schlangenschrein, scheiterte jedoch schon mit ihren Begleitern an den ersten, größeren Gegnern. Lady Vashj wusste ihre Behausung noch besser zu verteidigen als Kael'thas. Ein oder zweimal besuchte sie das Armani-Dorf Zul'Aman, in denen die ansässigen Trolle jedoch schlichtweg durchgeknallt waren und ihre Begleiter, wie auch Sharjin selber, angriffen.


    Einmal gelang es ihr sogar, die Feste Naxxramas zu betreten. Dies war wohl der erfolgversprechendste Ansatz, Hinweise von ihrer Tochter zu finden, doch wie sie merkten, hatte die Nekropole mehrere Ebenen und mehrere Flügel, die durchsucht werden wollten. Sie waren nur eine Handvoll gewesen, mehr neugierig als wirklich ernsthaft bestrebt gewesen, die Nekropole zu durchkämmen... Aber es war mehr als alles, was Sharjin vorher hatte mobilisieren können. Alleine hatte sie keine Chance dort und auch mit ihren Gefährten kamen sie nicht weit und brachen den Erkundungstrip ab.



    Re: Sharjin - Schattenmambo

    Khaleela - 19.12.2008, 19:18


    Sharjin war alles in allem sehr frustriert. Sie kam nicht weiter, und alles, was sie begann, schien zu scheitern. Sie verließ den Bund der Geryn en Duath, da dieser zumeist schlief, um sich den Bewahrern anzuschließen. Diese schienen das Wissen der Alten zu sammeln, die Tugenden der Vorfahren zu bewahren... doch Sharjin war mittlerweile so weltfremd geworden, dass sie keinen Weg fand, sich sinnbringend zu integrieren. Die anderen waren immerzu in Abenteuern verstrickt gewesen, während sie den Unterschlupf kaum verließ...

    So bekam sie auch nicht mit, wie die Abgesandten der Allianz und der Horde Northrend entdeckten...

    *Rückblick*
    Nachdem das Portal sich geöffnet hatte, war Thygatri wieder zu ihrer Einheit zurückgekehrt. Sie gehörte zur dritten Legion der fünften Division der Geißel. Nekropole 23 war ihr zuhause. Hier war sie "aufgewachsen", zusammen mit einigen wenigen anderen. Sie hatte mitbekommen, dass die anderen Soldaten wiedererweckte Tote waren, die die Geißel in den Schlachten "rekrutierte". Aber sie, sie war anders... Auch wenn sie nichtsdestotrotz ein Werkzeug war. Die Zeit, die sie als Spionin unter der Horde verbracht hatte, hatten den Bund zum Lichkönig gelöst. Selbst die Dämonen, die sie begleiteten, wurden immer unruhiger. Ebenso hatte sie immer mehr von ihrer Mutter in Erfahrung bringen können.

    "Thygatri - berichte über die Pläne der Horde!" - Es war keine nette Aufforderung, sondern ein bellender Befehl, der ihr in einem halb rülpsenden Tonfall von einer Monstrosität entgegen geschleudert wurde. Sie berichtete, was sie herausgefunden hatte.
    "Das heißt also, die Pestländer sind ungeschützt?"
    Thygatri nickte. - "Es gibt zwar Untersuchungen, die sich mit Naxxramas, Nekropole 42 beschäftigen, aber keine weiteren ernsthaften Verteidigungen. Die Verlassenen stehen hier auf Verlornem Posten. Lediglich die Argentumdämmerung ist stark vertreten. Wir können hier jedoch die Seuche einsetzen. - Insbesondere in Tyrs Hand sind die Menschen nachlässig, yarr"
    Die Monstrosität nickte. "Gut. Sprich morgen mit Kommandant Heigan. Er wird dir deinen neuen Auftrag mitteilen"
    Thygatri salutierte und raffte dann ihre Roben, um diesem Befehl so schnell wie möglich nachzukommen. Auch wenn sie einer Sondereinheit angehört hatte, wusste sie, was passierte, wenn man den Befehlen nicht schnell genug nachkam. Ihre Knochen waren nicht grundlos durchnummeriert (und sie hatte immer eine Zusammenbau-Anleitung dabei).

    *Am nächsten Tag*
    "Meister Heigan, ich soll mich bei dir melden. Thygatri, 3. Legion, 5. Division, Nekropole 23", sie ratterte die Daten herunter.
    Heigan, der Nekromant, nickte. "Gut. Wie du vielleicht mitbekommen hast, planen wir diverse strategische Verschiebungen der Nekropolen. Naxxramas wird nach Northrend fliegen und dort über Dragonblight stationiert werden. Acherus wird hingegen bei Tyrs Hand in den Pestländern stationiert werden. Wir werden dort eine Division unserer besten Leute stationieren. Acherus wird die Ausbildungsschmiede der Todesritter. Unser Meister plant, dort die ersten Angriffe zu starten. Wir haben Stratholme fast in unserem Griff und der Norden der Pestländer ist fest in unserer Hand. Mit Hilfe der Todesritter können wir die Kapelle des Ewigen Lichtes endlich ausräuchern und dann gen Unterstadt ziehen. Es wird Zeit, dass die Verlassenen und auch Sylvanas wieder in unsere Reihen zurück kehren..."
    Thygatri fragte sich, warum Heigan ihr das erzählte. Sie war nur ein einfaches Werkzeug, geschult im Umgang mit Magie. Was gingen sie die Todesritter an?
    Der Nekromant bemerkte ihren fragenden Blick.
    "Du wirst ebenfalls in Acherus stationiert und du wirst dort die selbe Ausbildung durchlaufen. Es gab Meldungen über dich ... die nicht erfreulich waren, Thygatri"
    Die Knochenhexe zog eine Augenbraue hoch (oder das, was von ihr noch übrig war).
    "Du wirst den psychotemporale Anomaliescanowandler durchlaufen und gegebenfalls wirst du eine neue Identität erhalten"
    Er sprach von Gehirnwäsche... aber warum? Hatten sie herausgefunden, dass sie von ihrer Mutter wusste? Sie sogar schon aus der Ferne gesehen hatte?
    Dennoch blieb ihr nichts anderes übrig, als zu antworten. "Jawohl, Meister Heigan. Wann soll ich aufbrechen?"
    "In zwei Stunden. Acherus wird noch heute Abend losfliegen"
    Sie schluckte, salutierte dann jedoch und eilte abermals von dannen, um ihre spärliche Habe zu holen. Zwar gab es keinen wirkliche
    n Besitz, kein Gegenstand, mit dem sie positive Erinnerungen verband, dennoch hatte sie einiges an Kleidung angesammelt und nicht zuletzt trug sie die Uniform der Geißel.


    *Am Abend*
    Thygatri stand vor dem psychotemporalen Anomaliescanowandler. Ein untoter Goblin stand davor, grinste sie mit faulenden Zähnen an und bedeutete ihr dann, hineinzugehen. Sie tat es... auch wenn sie nicht wollte. Doch sie war nur ein Werkzeug, sie musste gehorchen.

    Der Scan lief schmerzlos ab, die anschließende Prozedur der Gehirnwäsche nicht wirklich. Es war, als würden sich tausende Würmer mit Widerhaken durch das Gehirn bohren und es langsam - Stück für Stück und Bissen für Bissen - verspeisen. Dann wurde alles neu zusammengewürfelt und aus Thygatri wurde Telrys.

    Als sie aus dem psychotemporalen Anomaliescanowandler stieg, hatte sie ihre vorherige Identität vergessen, war Telrys, angehende Todesritterin, Soldatin unter der direkten Order des Lichkönigs. Ohne sich zu erinnern und ohne Gewissen mordete sie im Gebiet um Tyrs Hand. Je mehr die unschuldige Bevölkerung um Gnade bettelte, umso härter und unerbittlicher schlug sie zu. Sie lernte, mit dem Schwert umzugehen, Plattenrüstung zu tragen und zapfte unheilige Mächte an, die ihr Kraft verliehen. Tod, Verderben und Seuche... sie war die Überbringerin allen Unheils. Zusammen mit den restlichen Soldaten der Division. Sie war eine von hunderten... tausenden... kein Individuum, nur ein Werkzeug - der verlängerte Arm der Geißel.

    Als sie dann die Kathedrale des Ewigen Lichtes stürmen wollten, ging jedoch alles schief. Ashbringer und Tyrion Fordring tauchten auf... Es war wie ein verschwommener Nebel... Der Lichkönig, hunderte Soldaten der Geißel, Soldaten der Argentumdämmerung... ein Duell... und der Lichkönig selbst... verlor! Der Bann ließ nach und der Griff, der Telrys umschlossen hatte, ebenso...

    Als sie wieder aufwachte, halfen ihr Menschen und Tauren, die zusammen in der Argentumdämmerung gegen die Geißel gekämpft hatten. Die Gehirnwäsche, die sie mitgemacht hatte, verlor ihre Wirkung. Erinnerungsfetzen tauchten auf... Thygatri... Telrys... Sie bekam Kopfschmerzen und ihre Psyche, die jahrelang unterdrückt worden war, zerriss. Aus einer Persönlichkeit, die verändert worden war, wurden nun zwei Persönlichkeiten. Die Untote wurde schlicht und ergreifend schizophren... war einerseits die mordende Todesritterin Telrys und andererseits die Knochenhexe Thygatri.
    Sie verfluchte ihre Mutter und verfluchte den Lichkönig... die Geißel hatte sie im Stich gelassen und nun blieb ihr nur noch die Horde als Unterschlupf. Jene, die sie zuvor noch ausgespäht und ausspioniert hatte, sollte sie nun reuemütig anbetteln. - Aber vielleicht, vielleicht ergab sich später doch noch eine Möglichkeit...



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