Der Fall

Gefährten des Nordwindes
Verfügbare Informationen zu "Der Fall"

  • Qualität des Beitrags: 0 Sterne
  • Beteiligte Poster: Khâraa - Padraigin - Maliz
  • Forum: Gefährten des Nordwindes
  • Forenbeschreibung: Allianzforum und Theramore Koordination
  • aus dem Unterforum: Bardenlichtung
  • Antworten: 5
  • Forum gestartet am: Dienstag 15.05.2007
  • Sprache: deutsch
  • Link zum Originaltopic: Der Fall
  • Letzte Antwort: vor 14 Jahren, 8 Monaten, 1 Tag, 18 Stunden, 5 Minuten
  • Alle Beiträge und Antworten zu "Der Fall"

    Re: Der Fall

    Khâraa - 23.07.2008, 09:09

    Der Fall
    Mal wieder was von mir ;)

    Sie waren Überall. Niemand wusste woher sie kamen.
    Auf einmal waren sie dagewesen.
    Troggs.
    Wie eine Flutwelle brachen sie aus den verborgenen Tunneln hervor, überraschten die Bevölkerung der Stadt vollkommen. Tausende starben in den ersten Stunden des Angriffes, Blut tränkte die Straßen Gnomeregans.
    Es war ein Kampf den sie nicht gewinnen konnten. Gnicker wusste das - sie waren zu wenige, zu unvorbereitet auf ein derartiges Desaster. Wie hätten sie sich auch vorbereiten sollen? Sie ahnten nichts - wie konnten sie auch! Niemand hätte DAS erwartet.
    Es war belanglos.
    All das zählte nicht mehr. Es zählte nur noch eines - sovielen Angehörigen seines Volkes wie möglich den Weg nach Ironforge zu erkaufen.
    Lampen hüllten den Gang ein unwirkliches, rötliches Licht, flackerten ab und an und liesen die Schatten des kleinen Trupps Gnome tanzen. Irgendwo in der Ferne heulten Alarmsirenen, hallten Schüsse durch die Eingeweide der mechanischen Stadt. Dichter Qualm drang aus beschädigten mechanischen Geräten, dickflüssiges Blut bildete eine Pfütze auf dem Boden. Wenige Meter weiter hinten im Gang hatten sie die ineinander verkeilten Körper eines Troggs und einer Gnomin gefunden. Die Bestie hatte ihr die Krallen in den Körper gerammt und sich tief in ihrer Schulter verbissen, sie rammte ihr ein Messer in die Kehle und tötete sie - doch auch im Tode hielten die Kiefer des Troggs. Als sie kamen war es bereits zu spät, sie konnten ihr lediglich die Schmerzen ersparen. Gnicker hatte höchstpersönlich die Klinge geführt, die ihr das Leben nahm.
    Er füllte sich beschmutzt, verachtete sich selbst dafür. Er wusste, ihre schmerzerfüllten Augen würden ihn sein Leben lang verfolgen. Und er hasste. Hasste die Troggs dafür, was sie ihr angetan hatten, dafür dass sie ihn zwangen derartige Dinge zu tun.
    Sie würden bezahlen.
    Langsam drangen sie weiter vor, fünf Gnome, gehüllt in gepanzerte Schutzanzüge, die Gewehre im Anschlag. Die an ihren Helmen befestigten Scheinwerfer zuckten durch das Halbdunkel des Ganges, enthüllten grausige Details der Invasion. Ein Blutiger Handabdruck an der Wand, auf dem Boden darunter eine ebenso blutige Schleifspur. Troggfußabdrücke inmitten der Spur, ein zuckender Haufen Fleisch in der Ecke. Ein leises Wimmern war zu hören, ein Schuss hallte und lies es ersterben.
    Sie mussten es tun. Sie konnten nicht jeden mitnehmen.
    Schritte erklangen, verstärkt durch den metallischen Boden. Fünf Gewehre richteten sich auf den Gang, Scheinwerfer tauchten ihn in gleißendes Licht. In einiger Entfernung rannte ein Gnom, ein Bündel auf dem Arm, das Gesicht verzerrt vor Angst und Anstrengung. Erleichterung blitzte in seinen Augen auf als er den Trupp erblickte, er rief etwas unverständliches und verdoppelte seine Anstrengungen. Immer näher kam er, strauchelnd und erschöpft. Grüßend hob Gnicker den Arm, winkte. Ein Überlebender. Ein verdammter Überlebender...
    Ein Lächeln machte sich auf seinen Zügen breit, erstarb urplötzlich als aus der Wand vor ihnen ein Schatten wuchs. Er brüllte eine Warnung - zu spät.
    Mit wahnwitziger Geschwindigkeit prallten Achtzig Kilo Troggmasse gegen den rennenden Gnom, eine Axt zuckte herab. Weiteres Blut verschmierte die Metallwand, wärend der nunmehr leblose langsam daran herunterrutschte. Das Bündel rutschte aus den Händen des Toten, färbte sich langsam rot. Ein winziger Arm ragte aus dem Stoff, merkwürdig verdreht.
    Fünf Schüsse durchzuckten den Gang, wie Donnerschläge klang das Geräusch in seinen Ohren.
    Er weinte.

    Sie hatten die Toten an Ort und Stelle liegen gelassen, waren weiterhin dem Gang gefolgt. Ihre Züge waren hart, emotionslos. Die Augen zuckten suchend umher. Immer wieder trafen sie nun auf Troggs, meist waren es kurze aber tödliche Begegnungen. Niemand dachte mehr an Dinge wie Gnade oder Vorsicht.
    Rache, das war es was zählte. Rache und der Schutz möglicher Überlebender.
    Das Grauen welches die Trogg über sie gebracht hatten war allgegenwertig, je mehr sie sich dem Inneren der Stadt näherten desto häufiger trafen sie auf Zeugnisse ihrer Grausamkeit und Mordgier. Verstümmelte Leichen säumten den Weg, mit Blut gezeichnete Bilder die Wände. Einige wenige Male trafen sie Überlebende, apathische, von der Furcht gezeichnete Gestalten. Zitternd blickten sie zu den gepanzerten Gnomen auf, stammelten eine Danksagung und verschwanden hinter ihnen im Gang.
    Mehr konnten sie nicht tun, sie mussten weiter vordringen. Weiter, immer weiter. Hinein in einen Alptraum.
    Sie alle waren hier geboren, kannten die Stadt als ihre Heimat - als hellen, freundlichen Ort. Noch vor wenigen Tagen hatten helle Lampen Licht gespendet und unzähligen Mitgliedern ihres Volkes den Weg durch die Tunnel angenehmer gestaltet. Nun zuckten lange Lichtkegel ihrer Scheinwerfer durch die Dunkelheit, welche nur ab und an durch das rötliche Blinken aktiver Warnsignale aufgehellt wurde. Es war eine Schande.
    Schußgeräusche in der Nähe liesen sie aufhorchen, die Detonation einer Granate oder etwas vergleichbarem hallte durch den Gang, wurde von den Wänden zurückgeworfen und schluckte einen Moment lang jedes weitere Geräusch. Gepanzerte Hände schlossen sich fester um Gewehrläufe, der Trupp setzte sich in Bewegung. Überlebende? Troggs? Eine simple Fehlfunktion?
    Alles war möglich, die Stadt war eine reine Todesfalle.
    Dampf hüllte den Trupp in eine schwer zu durchschauende Dunstwolke, waberte Nebelgleich durch den Raum in welchen sie stürmten und veranlasste die Fünf Gnome dazu sich langsamer zu bewegen, auf Geräusche zu lauschen. Rötliche Flüssigkeit tropfte von der Decke zu Boden, bildete eine im Dampf kaum sichtbare Lache. Von irgendwo kam ein leises wimmern. Etwas weiter entfernt weinte ein Kind.
    Und über allem hing der Dampf, wie eine stumme Drohung. "Na los... geht weiter. Wer weis was in mir lauert... traut euch!"
    Scherben knirschten unter Gnickers Sohlen als er vortrat, das Gewehr im Anschlag, langsam vordringend. Hinein ins Ungewisse...



    Re: Der Fall

    Padraigin - 23.07.2008, 10:10


    Wow, gut geschrieben....
    Das wäre jetzt schon die 2. bemerkswert geschriebene Geschichte von Genomeregan...

    Los schreib weiter Todeslama!



    Re: Der Fall

    Khâraa - 23.07.2008, 13:22


    Danke danke, weiteres wird sicherlich folgen.
    So darf man sich den Trupp nebenbei vorstellen:
    http://s2.directupload.net/file/d/1499/plbzjgsm_jpg.htm
    ;p



    Re: Der Fall

    Maliz - 23.07.2008, 18:02


    Yeah :D Gnomeregan-Stories>all!

    Wie gewohnt toll geschrieben, ich mag die Struktur, insbesondere die Wechsel zwischen konkreten und allgemeinen Elementen, teilweise tolle Bilder und einige Stellen, an denen das Erzähltempo sehr passend angezogen wird - machst Du sowas absichtlich oder passiert Dir das einfach? ;)

    Hier vielleicht nochmal auf die Wortwiederholungen schauen (ich weiß, Du hast auch einige Wiederholungen drin, die als Stilmittel fungieren, aber diese hier kamen mir unbeabsichtigt vor):

    Zitat: Sie alle waren hier geboren, kannten die Stadt als ihre Heimat - als hellen, freundlichen Ort. Noch vor wenigen Tagen hatten helle Lampen Licht gespendet und unzähligen Mitgliedern ihres Volkes den Weg durch die Tunnel angenehmer gestaltet.

    Zitat: Dampf hüllte den Trupp in eine schwer zu durchschauende Dunstwolke, waberte Nebelgleich durch den Raum in welchen sie stürmten und veranlasste die Fünf Gnome dazu sich langsamer zu bewegen, auf Geräusche zu lauschen. Rötliche Flüssigkeit tropfte von der Decke zu Boden, bildete eine im Dampf kaum sichtbare Lache.

    1,2 Tippfehler hab ich bei Drüberlesen noch gesehen, aber die findeste sicher auch selbst ;)

    Liebe Grüße, Maliz



    Re: Der Fall

    Khâraa - 24.07.2008, 13:41


    Danke danke.
    Was das Erzähltempo etc angeht - ich schreibe intuitiv, ohne groß drüber nachzudenken *g* Wortwiederholungen waren tatsächlich unbeabsichtigt, ich schaue mal was sich machen lässt.



    Mit folgendem Code, können Sie den Beitrag ganz bequem auf ihrer Homepage verlinken



    Weitere Beiträge aus dem Forum Gefährten des Nordwindes

    Brognans & Khâraa's Spamthread - gepostet von Khâraa am Mittwoch 08.08.2007
    Tank - gepostet von Fnordbert am Montag 04.02.2008
    Örtlichkeiten - Das düstere Viertel - gepostet von Montsognir am Donnerstag 01.05.2008



    Ähnliche Beiträge wie "Der Fall"

    Bündniss oder Nap?? - gepostet von Anonymous am Montag 10.04.2006
    Holland gegen ? - gepostet von Hamburg am Sonntag 28.05.2006
    Neukundin ist zuckerkrank - gepostet von Beauty Hands am Montag 26.06.2006
    Lustiger Gnom - gepostet von Kasaya am Montag 17.07.2006