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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Sir von Klapp am Rad Forum: Forum der Final Revenge aus dem Unterforum: Off-Topic Antworten: 2 Forum gestartet am: Sonntag 17.02.2008 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Schreibwerkstatt Letzte Antwort: vor 15 Jahren, 16 Tagen, 16 Stunden, 8 Minuten
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Re: Schreibwerkstatt
Sir von Klapp am Rad - 09.03.2008, 14:46Schreibwerkstatt
So, da ich selbst ein begeisterter Schreiberling von Kurzgeschichten und Satire bin, mach' ich hier mal 'nen Thread auf, wo wir ein wenig Werke sammeln können. Reaktionen erwünscht! ;)
Dann fange ich mal mit einem Werk an, das ich vor ein paar Wochen verfasst hab'. Dieser Text ist rein fiktiv, weder die Ereignisse noch die Rahmenbedingungen treffen auf mich zu ;)
Eine Reise in der Sardinensauna
Ein schöner, heißer Sommermorgen – nein, schön wäre gewesen, wenn wir nicht in den Urlaub losgefahren wären. Statt entspannt auf der Freibadwiese zu liegen, saßen wir gequetscht wie die Sardinen in der Büchse zu fünft und mit unserem ohne Unterlass sabbernden Dobermann Tinkerbell im familieneigenen, halb durchgerosteten Fiat Punto, startklar in Richtung Ostfriesland.
Als ob unsere wohlbeleibte Familie für die Achsen, die die gefühlte Stärke von Zahnstochern hatten, nicht schon genug gewesen wäre, hatten wir unseren halben Hausrat in den Kofferraum gequetscht; das Gepäck, das alles von drei Ersatzzahnbürsten pro Familienmitglied über die Quietscheentchensammlung meiner kleinen Schwester bis zum Brotbackautomaten beinhaltete, wirkte im Laderaum unseres espressotassengroßen Italieners etwa wie ein Elefant in der Milchtüte.
Schon vor Abfahrt glich die Luft im Wagen der in einer finnischen Männersauna, kombiniert mit dem süßlich-frischen Duft einer Güllegrube. In diesem Regenwaldklima half auch das literweise aufgetragene Discount-Deo nichts mehr und der Schweiß floss aus sämtlichen Körperdrüsen wie die Niagarafälle im Strömungszentrum.
Die Geräuschkulisse im Wageninneren war beeindruckend. Das scheinbar frischhaltefoliendicke Vorkriegsblech, aus dem unser Vehikel gefertigt war, ließ die Insassen das Starten des Motors so miterleben als stünden sie direkt im Hubraum.
Zu meiner Rechten saß meine wasserstoffblonde, vierzehnjährige Schwester Jacqueline-Julie, die ihren Schädel, der etwa so massiv wie ein Luftballon war, lautstark mit Hip-Hop-Beats beschallte, die durch den auch bei ihr „Kopf“ genannten Hohlraum auf Konzertlautstärke intensiviert wurden. Zu meiner Linken hatte ich meine kleine, vierjährige Schwester Chloe-Cheyenne, deren „Sind wir schon da?!“-, „Ich muss auf’s Klo!“- und „Ich will meine Benjamin-Blümchen-Kassetten hören!“-Gequengel jeden frei erhältlichen Subwoofer übertraf. Das Gegrummel meines Vaters hinter dem Lenkrad verschmolz schon mit dem presslufthammerähnlichen Motorengeräusch und war deswegen glücklicherweise keine weitere Belastung für das ohnehin schon gequälte durchschnittliche Ohr.
Als grande Finale schien sich Mutter schon mental auf unseren Bauernhofaufenthalt vorzubereiten: Ihr Gegacker zu den Otto-Waalkes-Gags aus unserem museumsreifen Autoradio war dem in einem Hühnerstall so verblüffend ähnlich, dass man in den nächsten Sekunden mit dem ersten Ei auf der moosbesetzten Fußmatte rechnete.
Als wir um die erste Kurve bogen, schickte ich noch schnell ein Stoßgebet gen Himmel, mich doch möglichst schnell einschlafen zu lassen, damit ich diese schier endlose Fahrt nicht im Sanatorium für Geisteskranke beenden müsste...
Re: Schreibwerkstatt
Sir von Klapp am Rad - 09.03.2008, 17:07
Und nun mein neustes Werk, musste gerade einmal meinen Stadtbesuch vorgestern verarbeiten ;) Diesmal basiert wirklich alles auf wahren Begebenheiten, eben nur zum Teil ein wenig überspitzt.
Von Gratiskuscheleinheiten und königlichem Service
Eine neue CD in den Regalen, eine neue Fastfoodkreation im Sortiment einer Burgerbraterei, Grund genug sich wieder einmal in das Großstadtgetümmel zu stürzen. Die Ticketpreise für die Straßenbahn sind inzwischen zwar ins Unermessliche gestiegen, aber das nennt man wohl „schleichende Inflation“. Nachdem man also für fünfzehn Minuten Bahnfahrt den Tageslohn eines Gastarbeiters bezahlt hat, steht man also im Zentrum der Shoppinghöhle; wenigstens den lungenverpestenden Feinstaub gibt es hier gratis.
Erste Station ist die Fußgängerzone; davor noch schnell den Marktplatz überquert, auf dem die Übertragungswagen sämtlicher großer TV-Sender stehen. Vor ein paar Stunden im Supermarkt am Eck eine Geiselnahme. Tatwaffe war eine Spielzeugpistole, Motiv nicht vorhanden, keine Forderungen und das Polizeirevier gerade auf der anderen Seite des Marktplatzes. Der Geiselnehmer ruft natürlich die Polizei noch selbst auf den Plan, zumindest hat er so für eine tolle Show gesorgt und er musste das lediglich mit einem läppischen Hüft- und Schulterschuss bezahlen, wie leicht man als Siebzehnjähriger doch Spaß haben kann.
Nunja, nichtsdestotrotz weiter in Richtung Fußgängerzone. Nach ein paar Gratiskuscheleinheiten, 20 Euro, die in Pappbecher verschwunden sind und beladen mit einer Millionen neuer Flyer steht man also auf der nächsten Taubensammelfläche, diesmal sogar mit einem Brunnen in der Mitte, der aber schon Jahrzehnte lang trocken liegt und nur noch als Sammelbecken für Vogel- und Hundeexkremente dient, aber Hauptsache die Statue Bismarcks thront noch über dem Platz.
Also nichts wie hinein in den Fastfoodtempel, den man nunmehr erreicht hat. Angesichts der Luft kann man sich einen abendlichen Saunabesuch schon einmal sparen, der ist hier inklusive; der Sauerstoffgehalt tendiert gegen Null, aber solange man noch überlebt ist’s ja recht. Ein paar Stunden später und einem Puls, der inzwischen synchron mit dem ohrenbetäubenden Pfeifen aus der Küche klopft, ist man am Schalter angelangt. Die Werbung vermittelt dem Konsumenten an dieser Stelle die Illusion, nun von einer bildschönen Grazie angelächelt und begrüßt zu werden, die einen in sanftem, freundlichem Ton bei der Menuauswahl unterstützt. Stattdessen wird man zumeist von einer wahlweise aus Polen oder Südostasien stammenden Mitarbeiterin angeschnauzt, die etwa die gleichen Körpermaße besitzt wie Reiner Calmund, von deren Deutsch man ungefähr so viel versteht wie ein Sachse von Bayrisch und deren Schweißflecken sich über das gesamte Oberteil ausgebreitet haben. Zur Abwechslung stand auf der anderen Seite ein doch recht kompetent, gepflegt und locker wirkender junger Mann, dem man nicht tausendmal vermitteln musste, dass man den Burger und den Softdrink nicht im Menu möchte. Das Getränk stand augenblicklich auf meinem Tablett nur was meinen Burger anging, teilte er mir mit, dass ich kurz warten müsse, ich mich aber schon hinsetzen könne, er würde ihn mir in den nächsten zwei bis drei Minuten an meinen Platz bringen.
Also auf den nächst besten Drehstuhl gesetzt, das Tablett auf die Überreste der letzten dreihundert Gäste gestellt und die Füße vom klebrigen Boden losgerissen und auf die Fußstange gestellt. Der Mitarbeiter, der mich bedient hatte, verschwand natürlich erst einmal im Hinterraum. Aber ist ja OK, wenn er mal kurz auf die Toilette geht und sich von der Ausbeutung des Konzerns erholt, solange er im Anschluss meine Speise nicht unhygienisch besudelt, kann man mit der einen Minute mehr auch leben. Als er dann nach einer halben Stunde wieder aus der Tür kam, hatte sich das leichte Hungergefühl zu Magenkrämpfen gewandelt, doch nun in Erwartung der Befriedigung selbiger konnte ich ja wieder lächeln. Aber denkste! Inzwischen kein Kunde mehr wartend, er trinkt in aller Gemütsruhe aus seinem Becher und guckt Löcher in die Luft. Nach einer weiteren Ewigkeit wagte ich mich einmal nachzufragen. Er sagte mir in seiner lockeren Art, dass er das wohl vergessen habe und nach einer Stunde hielt ich schließlich meine Kalorienbombe in der Hand. Ich öffnete den Karton und statt dem mir versprochenen Schmecktakel bot sich mir ein Brötchen mit einer kalten, fettgetränkten Frikadelle dar, die restlichen Zutaten hatten sich bereits in die restlichen ecken der Schachtel verflüchtigt. Doch relativ schnell hatte ich das Mahl wieder zusammengestellt und war fünf Minuten später endlich wieder gesättigt; zwar wie gesagt nicht das angepriesene Schmecktakel, aber das war mir in diesem Moment relativ egal. Nun noch eben auf die Toilette. Angesichts der einheitlich gelb-braun gesprenkelten Böden und Klobrillen überlegte ich kurz, aber was muss, das muss.
Nach erledigter Erleichterung raus aus dem „Restaurant“, wieder den Platz überquert und hinein in das riesige Multimediageschäft. Hoch in die zweite Etage (um zur Rolltreppe zum nächst höheren Stockwerk zu gelangen, musste ich natürlich erstmal die halbe Verkaufsfläche überqueren, aber so konnte ich auf praktische Art und Weise wieder die zuvor aufgenommenen Kalorien abtrainieren) und hinein in das Labyrinth der CD-Regale. Was ich wollte, wusste ich genau, wo es vor einer Woche noch stand auch. Also ab zum entsprechenden Regal, zum richtigen Anfangsbuchstaben. Unter S... nichts! Dann eben der Nachname... T... nichts!
Nachdem ich nun alle CDs der Metalsparte, die unter „S“ und „T“ einsortiert waren, ein paar Dutzend Mal durchsucht hatte, bewegte ich mich doch einmal in Richtung Information. 5 Mitarbeiter, einer beschäftigt. Nach fünf Minuten wurde ich dann wahrgenommen und gefragt, was denn mein Problem sei. Also erklärt, der Mitarbeiter hackt zehn Minuten lang auf seiner Tastatur herum um mir dann zu sagen, dass noch 4 Exemplare vorhanden seien, ich solle doch auch einmal in den anderen Regalen schauen, je nach einsortierendem Kollegen könne der Standort wohl einmal wechseln. Allgemein gilt ja das Motto „Der Kunde ist König“, doch statt mir bei meiner Suche zu helfen und darauf zu vertrauen, dass auch vier unbeschäftigte Mitarbeiter reichen, um den restlichen Kunden zu helfen, erklärte er mir langwierig, wo ich denn noch suchen könne. Aber was sollte ich als König denn erwarten, ganz bestimmt muss der Sultan von Brunei auch regelmäßig selbst im Supermarkt nach Eiern und Mehl suchen und Mao hat wahrscheinlich auch schon den ein oder anderen umgestürzten Reissack wieder aufgestellt.
Nachdem ich meine CD nun unter „Pop T“ hinter zwei Dutzend CDs eines anderen Künstlers gefunden hatte, machte ich mich nun wieder zur Wanderung in Richtung Kasse auf. Nach 3 Kunden war nun der letzte vor mir an der Reihe, der seinen Viererpack Batterien natürlich mit der EC-Karte bezahlen musste. Weitere fünf Minuten später wurde mir schließlich das Geld aus der Tasche gezogen. Angesichts des Preises wusste ich nun auch, warum der alte Slogan „Geiz ist geil“ abgeschafft und durch „Wir hassen teuer“ ersetzt wurde. Dass man etwas hasst, heißt ja noch lange nicht, dass man es nicht toleriert.
Nun also auch aus der HiFi-Hölle hinaus und wieder durch 3 Kuschelzonen. Als ich nun wieder an der Haltestelle stand und sah, dass mir die letzte Bahn gerade vor der Nase weggefahren war, fiel mir die von mir oft besuchte Filiale einer amerikanischen Kaffeehauskette ins Auge. Also zurück zum Beginn der Fußgängerzone und rein in das Geschäft, hatte sowieso wieder Lust auf mein Stammgetränk. Zum Glück musste ich diesmal nicht lange warten, und durfte dann meine drei Euro und fünfzig Cent für knapp dreihundert Milliliter Zuckerbrühe mit einem Schuss Kaffee bezahlen. Aber was will man auch für diesen lachhaften Preis erwarten, die armen Herren Milliardäre und Multimillionäre müssen sich ja auch irgendwie ihre Brötchen verdienen und ein paar Cent müssen ja auch an die lateinamerikanischen Kaffeebauern abgezweigt werden, damit nur von Ausbeutung und nicht von Sklaverei gesprochen werden und der Konzern das als Sozialengagement anpreisen kann.
Nun wieder raus, an die Haltestelle, noch einmal verschwindet der Tageslohn eines Gastarbeiters im Fahrkartenautomaten und schließlich sitze ich in der Bahn nach Hause. Wenigstens war ich nun satt, meine Kaffeesucht war befriedigt und ich hatte gute neue Musik. Und da beschwert sich doch tatsächlich mancher über die kleinen Querelen auf dem Weg zum Ziel...
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