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Re: Ringelnatter
stefan - 21.02.2008, 17:51Ringelnatter
Die Ringelnatter (Natrix natrix), früher auch als „Unke“ bezeichnet, ist eine in mehreren Unterarten in großen Teilen Europas und Asiens sowie Nordafrikas beheimatete Schlange, die zur Familie der Nattern (Colubridae) gehört.
Die männliche Ringelnatter kann ausnahmsweise etwa 120 Zentimeter lang werden, die weibliche bei einigen Unterarten, wie etwa der Barrenringelnatter (Natrix natrix helvetica), wohl bis zu zwei Metern. Außerdem sind die Weibchen dicker als die Männchen. Die weitaus meisten erwachsenen Tiere sind jedoch deutlich unter einem Meter lang.
Der Kopf der Tiere ist nicht vom Körper abgesetzt, die Pupillen sind, wie bei allen Nattern, rund. Auf der Kopfoberseite befinden sich sehr kleine Schuppen. Die Oberlippe wird von einer (selten hundertachtundfünfzig oder zwei) Oberlippenschuppe (Supralabialia) gebildet, wobei die dritte und vierte den Unterrand des Auges bilden. Vor dem Auge befindet sich nur eine Schuppe (Praeoculare), dahinter meistens drei oder vier Hinteraugenschuppen (Postocularia). Die Nasenlöcher sind nicht nach oben gerichtet, sondern etwas zu den Seiten versetzt (vergleiche dagegen Würfelnatter).Auffälligstes Erkennungsmerkmal sind die orangegelben, gelblichen oder manchmal auch weißen „Halbmondflecken“ auf beiden Seiten hinter dem Kopf, die nur bei der Unterart Natrix natrix astreptophora fehlen. Diese Flecken können in ein helles Nackenband übergehen. Nach hinten werden sie von sichelförmigen schwarzen Flecken begrenzt. Auch diese werden gelegentlich als „Halbmondflecken“ bezeichnet. Die Bauchseite ist weißgrau oder gelblich und mit einem schachbrettartigen Fleckenmuster versehen.
Die Grundfarbe der Tiere variiert von schiefergrau bis grün- oder olivbraun. Selten treten auch Schwärzlinge, also ganz oder teilweise schwarz gefärbte Tiere, auf (Melanismus). Auf ihrem Rücken und an den Seiten zeigt die Art dunkle, unregelmäßige Flecken. Einige Unterarten (etwa Natrix natrix persa) haben zwei helle Längsstreifen entlang des Rückens, andere (etwa die Barrenringelnatter) auffällig dunkle Querbarren an den Körperseiten.
Ringelnattern sind weitgehend tagaktiv und beginnen den Morgen mit einem ausgiebigen Sonnenbad. Sie können gut schwimmen und tauchen, leben daher vorzugsweise in der Nähe von Gewässern aller Art. Aber auch weitab von Gewässern in feuchtem Gelände kommen sie vor und sind nicht so auf Wasser angewiesen wie andere Nattern etwa die Vipernatter (Natrix maura) oder die Würfelnatter (Natrix tessellata). Im Gebirge können sie bis in eine Höhe von 2.300 Metern vorkommen.
Ringelnattern ernähren sich vorwiegend von Amphibien und Fischen, fressen dabei nur lebende Beute. Besonders in südlichen Verbreitungsgebieten jagen sie auch Eidechsen und Mäuse. Die Jungschlangen fressen Kaulquappen, Regenwürmer und kleine Fische. Sie erkennen ihre Beute ausschließlich an ihren Bewegungen. Ihre natürlichen Feinde sind Greifvögel, Igel, Katzen sowie der Mensch. Häufig werden sie auf warmen asphaltierten Straßen überfahren. Durch ständiges Züngeln ortet die Ringelnatter die Beute, um dann langsam immer näher heranzuschlängeln und schließlich blitzartig zuzustoßen. Größere Beutetiere werden umwickelt, um sie zusätzlich zu schwächen bzw. zu strangulieren. Rührt sich das Beutetier nicht mehr, wird es bezüngelt und dann im Ganzen heruntergewürgt.
Ringelnattern sind sehr scheu. Werden sie gestört oder aufgeschreckt, reagieren sie je nach Situation verschieden. Dies kann vom Ignorieren bis zum scheinbaren Angriff reichen.
Wird eine Ringelnatter, die z. B. einen Waldweg überqueren wollte, überrascht, so wird sie häufig einfach auf der Stelle verharren, wenn man sofort stehen bleibt und nichts tut. Nach einer Weile wird sie erkennen, dass von der Person keine akute Gefahr ausgeht und ihren Weg fortsetzen. Um die Situation zu entschärfen, kann man auch zusätzlich ein, zwei Schritte zurückgehen. Die Schlange fühlt sich dadurch nicht mehr verunsichert und zieht ihres Weges.
Ringelnattern fliehen bei Bedrohung oder Störung schnell und geräuschlos ins Wasser oder in ein Versteck. Dies kann ein Bau eines anderen Tieres, ein Zwischenraum zwischen Steinen oder Holz, oder auch naheliegende tiefe Büsche sein.
Wird das Tier hingegen aufgeschreckt und sieht es einen Fluchtweg, so eilt es mitunter sehr geräuschvoll dort hin. Diese Form der Flucht ist sehr unkontrolliert; mitunter hastet die Ringelnatter an für sie sicheren Verstecken vorbei.
Kommt sie nicht schnell genug weg, weil sie z. B. im Schlaf überrascht wurde, geht die Ringelnatter in Angriffs-Stellung. Dabei kann sie, je nach Lage der Bedrohung, den flachen- oder den sogenannten Kobra-Angriff wählen.
Während des flachen Angriffs befinden sie sich in zusammengerollter Stellung und nehmen die schlangentypische S-förmige Haltung ein. Anschließend zischen sie warnend und stoßen mit dem Kopf in Richtung des Angreifers, den sie jedoch jeweils um einige Zentimeter verfehlen. Da das Maul dabei geschlossen bleibt, handelt es sich hierbei um eine reine Droh-Gebärde.
Mit dem Kobra-Angriff verteidigen sich Ringelnattern immer dann, wenn ihnen zwar Platz, jedoch kein Fluchtweg zur Verfügung steht. Sie stellen ihren Vorderkörper zu 1/3 auf und zischen warnend. Mit dem am Boden verbleibenden Körper ringeln sie sich auf der Stelle herum und stoßen, wie beim flachen Angriff, ebenfalls mit geschlossenem Maul zu.
Beim Totstell-Reflex (Akinese) dreht sich das Tier halb auf den Rücken und erschlafft, dabei dreht es die Pupillen nach unten und lässt die Zunge heraushängen. Wird sie angefasst oder aufgehoben, entleert die Ringelnatter manchmal ihre Kloakendrüse, die eine übelriechende, gelblichweiße Flüssigkeit enthält.
Den Winter verbringen die Ringelnattern in einer Winterstarre in Komposthaufen, frostfreier Erde, Baumstubben oder Laubhaufen. Sie verlässt dieses Versteck im März bis April, abhängig von den Außentemperaturen. Ringelnattern werden 20 bis 25 Jahre alt.
Ringelnattern verpaaren sich nach der ersten Frühjahrshäutung im April und Mai. Dabei versammeln sie sich häufig in großen Paarungsgruppen von bis zu 60 Tieren, wobei immer mehr Männchen als Weibchen vorkommen. Eine Balz oder ein Vorspiel gibt es nicht. Kopulierende Pärchen bleiben längere Zeit verbunden, wobei die Hemipenes, die Kopulationsorgane des Männchens, in die Kloake des Weibchens verhakt sind. Bei Gefahr flieht das größere Weibchen und zieht das Männchen dabei hinter sich her.
Die Eiablage erfolgt im Juli bis August. Das Gelege umfasst 10 bis 40 Eier.
Eine Ringelnatter beißt Menschen nur sehr selten. Nattern verfügen über eine Giftdrüse, die bei Ringelnattern aber nur ein schwaches und für den Menschen ungefährliches Gift absondern kann. Das Gift der Ringelnatter befindet sich im Speichel des Tieres und vermag kleinere Beutetiere zu lähmen, wobei jedoch vermutet wird, dass es primär der Vorverdauung dient. Für den Menschen, wie auch für Haustiere wie Hunde und Katzen, ist die Ringelnatter völlig ungefährlich.
Die Ringelnatter steht auf diversen Roten Listen gefährdeter Tierarten und ist durch Naturschutzgesetze und Verordnungen geschützt. Sie darf weder verfolgt noch belästigt werden. Da sie, wie oben beschrieben, harmlos ist, sollte man sich eher freuen, wenn man ein solches Tier zu Gesicht bekommt. Wer eine Schlange jedoch fängt, sie verletzt oder tötet, handelt grob gesetzeswidrig.
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