The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

Kokoro No Senshi
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    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 31.01.2008, 20:03

    The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin
    The Magical World of Anime

    Teil 3 - Die dunkle Göttin







    Chapter 1





    Schockiert krabbelte Wendy zu Conan, hob den kleinen reglosen Körper hoch und strich ihm über sein verschmutztes schwarzes Haar. Flüsternd bat sie ihn, wieder wach zu werden, während sich Ryoga schweigend neben sie setzte und nach Conans Puls fühlte. Als er in Richtung der Freunde blickte, schüttelte er betrübt den Kopf. Ranma, noch in seiner Katzennatur, schien zu spüren, dass etwas nicht stimmte, sprang zu Wendy und rieb seinen Kopf an ihrer Schulter, was das Mädchen gar nicht zu bemerken schien.
    „Das hat er nicht verdient“, murmelte Seto. „Er hat tapfer gekämpft.“
    In grenzenloser Wut schüttelte Kaiba den Kopf, ging dann auf Wendy zu und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Komm, Wendy. Wir gehen heim“, flüsterte er dabei, doch sie hörte ihn nicht. Nach wie vor hielt sie Conan im Arm und weinte leise vor sich hin.

    Ratlosigkeit machte sich bei den Freunden breit. Zum einen waren alle geschockt über den Tod ihres jüngsten Mitgliedes, andererseits stellten sie sich auch die Frage, wie sie nun wieder nach Hause zurückkehren sollten. Minuten später schauten alle überrascht auf, als ein silbernes Licht aus dem Nichts erschien, alle Anwesenden einhüllte und mit sich nahm. Sekunden darauf fand sich die Gruppe auf der Wiese vor ihrem Haus wieder und ein jeder blickte den anderen verwirrt an. Joey verzog das Gesicht und tastete vorsichtig nach seiner leicht blutenden Wunde am Hinterkopf, während Tristan gequält grinste und aufzustehen versuchte. Mokuba brachte sich mit einem leisen Schmerzschrei in eine sitzende Position und presste eine Hand gegen seine Rippen, Bakura hustete vernehmlich und legte sich die Hände gegen den Bauch. Nur Conan regte sich nach wie vor nicht.


    „Sie sind zurück!“
    Akanes Stimme klang zutiefst erleichtert, als sie ihre Freunde sah. Erst, als sie bemerkte, dass sich der kleine Edogawa nicht bewegte, fiel die Freude von ihr ab. Ranma, wieder Herr seiner Sinne, zog sie von den anderen fort und blickte sie nur stumm an.
    „Ist er …?“
    Schweigendes Nicken antwortete ihr, während Ranma zögernd die Hand hob und seiner Verlobten eine Strähne aus der Stirn strich. Verwirrt runzelte sie die Stirn, ließ ihn aber gewähren. Momentan wirkte er so völlig anders als sonst. Von dem frechen Jungen mit dem vorlauten Mundwerk war nichts übrig. Er wirkte ernst, verschlossen, frustriert, haltlos.
    „Ich habe dich vermisst“, flüsterte er plötzlich zu Akanes Überraschung und nahm sie danach einfach in den Arm. Das Mädchen spürte, wie er am ganzen Körper zitterte, dass er am Ende seiner Kraft war. Er brauchte etwas Aufbauendes, irgend etwas, das ihm bewies, dass die Strapazen nicht umsonst gewesen waren. Und so schlang auch sie ihre Arme um ihn und fühlte, wie sich seine Finger hilfesuchend an ihr festkrallten.

    „Ich sagte doch, du sollst liegen bleiben“, drang Teas Stimme unvermittelt aus dem Haus, doch Sam schien ihr Einwand egal zu sein. Blass und mit unsicheren Schritten erschien er an der Tür und ließ seinen Blick über die Gruppe schweifen.
    „Ihr habt es geschafft“, erklärte er dabei freudig. „Sie ist tot.“
    „Leider nicht nur sie“, bemerkte Yami leise und deutete mit einem Kopfnicken in Wendys Richtung. „Conan.“
    Sam wurde noch blasser. „Derartiges sollte nie geschehen. Ich verstehe nicht …“
    „Als ob sich Zenera an irgendwelche Regeln halten würde“, fiel ihm Seto knurrend ins Wort. „Die haben doch keinerlei Bedeutung für sie. Und deine werte Schwester ist übrigens keinen Deut besser als sie. Wir hätten einige Male bei dem Ganzen draufgehen können. War das der Plan? Uns als Kanonenfutter zu benutzen?“
    Sam ignorierte ihn jedoch, ging mit langsamen Schritten auf Wendy zu und setzte sich neben sie. Als er behutsam nach dem reglosen Jungen greifen wollte, umschlang sie den Toten noch fester. Fragend blickte er daraufhin auf, Kaiba noch immer ignorierend.
    „Wie ist das passiert?“
    „Zeneras Vorliebe für schwarze Sonnen hat ihm das angetan“, erklärte Ryoga, der traurig auf das weinende Mädchen blickte. „Er hatte nicht die geringste Chance, es passierte viel zu schnell. Wendy, bitte. Du kannst ihn doch nicht ewig festhalten“, schloss er hilflos.
    „Können wir denn gar nichts tun, Sam?“ erkundigte sich Ranma mit leiser Stimme. Wie selbstverständlich hielt er Akanes Hand. Im Moment war sie sein Fels in der Brandung, sein Halt. Zum ersten Mal war er wirklich bereit zuzugeben, dass er Akane brauchte. Und sie stieß ihn nicht von sich, wie es sonst ihre Art war, sondern hielt zu ihm. Sekundenlang ließ Sam diesen ungewohnten Anblick auf sich einwirken, ehe er nickte.
    „Doch, wir können etwas tun. Wir gehen in den Tempel und klären das. Niemand von euch sollte verletzt werden oder gar sterben. Die Master hatten versprochen, auf euch aufzupassen und euch zu beschützen. Das haben sie nicht getan und ich will wissen, warum.“ Wut schwang in seiner Stimme mit – und Verbitterung. Seine Schutzbefohlenen so zu sehen, schmerzte. „Ihr seht ganz schön ramponiert aus“, fügte er schließlich ruhiger hinzu.
    „Kunststück, war ja auch kein Zuckerschlecken“, bemerkte Bakura und stöhnte leise. „Autsch, meine Rippen. Was zum Henker hat Baku gemacht?“
    Sams Kopf ruckte hoch. „Du hast ihm doch wohl nicht die Kontrolle übergeben?“
    „Doch, habe ich. Er scheint sich zu ändern und musste sich beweisen. Wenn ich es nicht getan hätte, wäre ich vermutlich auch tot“, erklärte der Junge mit ungewohnt ernster Stimme.


    Auf dem Weg in die Stadt, die die Gruppe kurze Zeit später antrat, stützte jeder den anderen. Wie in Trance humpelte Wendy neben den anderen her, Conan noch immer beschützend umschlungen. Alle Versuche, ihr den Jungen abzunehmen, waren schon im Ansatz gescheitert. Fast eine halbe Stunde später standen sie vor dem Tempel, streiften die Schuhe ab und traten ein. Heller Marmor empfing sie. Am Ende des Raumes stand eine Art Altar, umsäumt von großen silbernen Kerzen, deren Flammen bläulich züngelten. Die Freunde hielten sich im Hintergrund, während Sam vortrat.
    „Ich weiß, dass ihr da seid und uns hören könnt“, begann das ehemalige Orakel ohne Umschweife. „Also redet mit uns.“
    „Dein Verhalten uns gegenüber war schon mal respektvoller“, erklang wider Erwarten eine dunkle körperlose Stimme, worauf Sam nur die Achseln gleichmütig zuckte und dann auf die Teenager deutete.
    „Sie haben getan, was von ihnen verlangt wurde. Also warum habt ihr zugelassen, dass Conan starb? War das etwa von Anfang an eure Absicht?“
    „Nein, natürlich nicht“, widersprach eine ruhige sanfte Frauenstimme. Anata betrat den Raum und erneut starrte die Gruppe zu Boden. Zunächst ging sie auf Joey zu und berührte flüchtig seine Wunde, die verschwand, als sei sie nie da gewesen. Tristans tiefe Beinwunde heilte ebenso wie Mokubas Blessuren und seine gebrochenen Rippen. Doch vor Bakura blieb sie länger stehen und musterte ihn eingehend.
    „Es war sehr mutig von dir, ihm die Kontrolle freiwillig zu übergeben. Ich bin von euch gleichermaßen beeindruckt.“ Sanft lächelte sie dem verlegenen Jungen zu und berührte seine Wunde, die ebenfalls allmählich heilte. „Nun, Baku“, fuhr sie dann fort und sprach dabei den Geist des Ringes direkt an, wohlwissend, dass er sie hören konnte. „Wie fühlt man sich, wenn man etwas Gutes getan hat?“ Intensiv blickte sie dabei in die braunen Augen Ryous, bis sie den Wechsel der beiden wahrnahm.
    „Seltsam“, gab Bakura mit der rauen Stimme des Geistes zu. „Es war nicht leicht, ihn davon zu überzeugen, dass ich wirklich helfen wollte. Die einzige Option, die ich gehabt hätte, wäre gewesen, ihn gegen seinen Willen zu übernehmen. Und das wollte ich nicht. Nicht in dieser Situation. Das Warum ist mir allerdings noch nicht klar“, endete er schließlich, selbst verwirrt über seine Worte. Das typische kalte Glitzern verschwand aus Bakuras Augen und machte dem warmen Ausdruck des Jungen Platz, der Anata scheu anlächelte. „Er hat Wort gehalten. Eine ganz neue Erfahrung – für uns beide.“
    Anata nickte lächelnd. „Wohl wahr.“

    Anschließend wandte sie sich Wendy zu und legte ihre Hand auf den Unterarm des Mädchens.
    „Du warst sehr tapfer, Wendy. Du hast Kräfte entwickelt, von denen keiner wusste, dass sie vorhanden waren.“
    „Und was hat es genützt?“ reagierte diese das erste Mal mit tränenerstickter Stimme. „Ich konnte es nicht verhindern. Ich habe Schuld an seinem Tod.“
    „Aber nein“, widersprach Anata mit sanfter Stimme. „Es war eine unbekannte Variabel, die …“
    „Rede über Conan nicht wie über eine mathematische Formel“, fuhr Sam wütend dazwischen, seine Schwester blickte daraufhin irritiert auf. „Das lag nie in meiner Absicht, Okarou“, erklärte sie ruhig und bedeutete Wendy, ihr zu folgen und Conan auf den Altar zu legen. Widerstrebend folgte das Mädchen der Aufforderung, starrte noch immer entsetzt auf den jungen Körper und umklammerte eine Hand des Jungen.
    „Nun, Master“, sprach Anata kurz darauf einfach in die Luft. „Ihr seid am Zug. Wenn es euer Wille war, dass der kleine Conan Edogawa starb, so solltet ihr seinen Freunden zumindest das Warum erklären. Ansonsten solltet ihr den Fehler korrigieren. Diese Macht habt nur ihr, die ihn erschaffen haben“, erklärte sie und trat einen Schritt zurück. Wendy hingegen rührte sich nicht vom Fleck. In Sekundenschnelle lief viel gemeinsam Erlebtes vor ihrem inneren Auge ab. Sie glaubte, sein Lachen zu hören, das zuweilen direkt verlegen klang. Sie erinnerte sich an seine Hartnäckigkeit, seine Cleverness. Ein Erwachsener im Körper eines Kindes. Gut, manchmal wirkte er ziemlich altklug, aber er war ihr ans Herz gewachsen. Lautlos bewegten sich ihre Lippen; sie wusste nicht einmal selbst, welche Worte sie von sich gab. Als sich eine quälend lang anmutende Minute später der Altar zu erwärmen begann, zuckte das Mädchen automatisch zusammen und wandte den Kopf zur Seite, um nicht geblendet zu werden, aber sie wich nicht von der Seite des Jungen. Das warme Licht ließ seine Wunden verschwinden und als kurz darauf ein leises Wimmern erklang, starrten alle ungläubig in Conans Richtung. Seine Finger schlossen sich um Wendys Hand, während er verwirrt gegen die Decke blinzelte.
    „Wo bin ich? Was ist denn passiert?“ murmelte er fragend und richtete sich benommen auf. Sein Blick richtete sich auf das Mädchen an seiner Seite, ein schwaches Lächeln huschte dabei über sein Gesicht. „Hallo, Wendy. Haben wir es geschafft?“
    „Conan!“
    All ihre Erleichterung war in diesem Ausruf zu hören. Sie schlang ihre Arme um ihn, lachte und weinte zugleich, was den völlig überrumpelten Jungen die Verlegenheitsröte ins Gesicht trieb. Er wusste diese Reaktion nicht zu deuten und war noch verwirrter, als nun auch der Rest der Gruppe auf ihn zueilte, ihn umarmte, auf die Schultern klopfte und alles wild durcheinander sprach.
    „Ich war tot?“ vergewisserte er sich schließlich ungläubig. Das alles war doch mehr als verwirrend. Und allein schon die Tatsache, dass die gesamte Gruppe um ihn versammelt war, beschämte ihn. Ihm war bislang nicht wirklich bewusst gewesen, dass diese durchgedrehte Truppe ihn tatsächlich als einen Freund ansah.

    Anata lächelte ihrem Bruder zu, der erleichtert ausatmete und ihr dankend zunickte. Sie ließ die Gruppe noch minutenlang durcheinander sprechen, ehe sie ihre Stimme anhob, um sich Gehör zu verschaffen.
    „Ich hätte da eine Frage an dich, Wendy.“
    Von einem Moment zum anderen waren alle still und schenkten Anata ihre Aufmerksamkeit.
    „Hast du in der Zwischenzeit herausgefunden, wessen Stimme du von deinem Amulett vernimmst?“
    Als Wendy verneinend den Kopf schüttelte, lächelte Anata erneut, blickte auffordernd zu einem unscheinbaren Torbogen und winkte. Jemand löste sich aus dem Schatten und trat langsam auf die Gruppe zu. Im hellen Licht erkannten die Freunde eine junge schlanke Japanerin, die auf Wendy zuging und ihr liebevoll über die Haare strich. Völlig verdattert schaute das Mädchen die Frau an.
    „Tan … Tante Keiko!“ entfuhr es ihr dann verblüfft.



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 03.02.2008, 17:32


    Chapter 2


    „Deine Tante?“ wiederholte Ryoga ungläubig, während sich Keiko und Wendy umarmten. „Ehrlich gesagt sieht sie nicht so aus, als sei sie mit dir verwandt.“
    Die beiden Frauen grinsten kurz und erklärten dann abwechselnd, wie ihr Verwandtschaftsverhältnis zu sehen war. Wendys Onkel hatte vor einigen Jahren ein Geschäft in Japan abgewickelt und seine Verhandlungspartnerin war Keiko gewesen. Sie war es auch, die Wendys Interesse für Anime geweckt hatte, was niemanden verwunderte.
    „Du hast wirklich Großes geleistet, Wendy. Ich wusste von Anfang an, dass du dazu bestimmt warst, hier zu sein und bin sehr stolz auf dich“, erklärte Keiko schließlich strahlend.
    „Was mich doch zu einer Frage verleitet“, fügte Sam tadelnd hinzu und schaute in die Runde. Beschämt warfen sich die Freunde Blicke zu, jeder starrte automatisch eher zu Boden, scharrte verlegen mit dem Fuß oder murmelte etwas vor sich hin, geduldig auf die Strafpredigt wartend.
    „Warum ist Wendy auch körperlich hier? Jeder von euch kennt die damit verbundenen Risiken. Also?“
    Stotternd versuchte sich der ein oder andere in fadenscheinigen Erklärungen, dabei immer hilfesuchend auf den Rest der Gruppe schauend.
    „Ich hatte versprochen, dir zu helfen“, kam Wendy selbst ihren Freunden schließlich zu Hilfe. „Du warst zusammengebrochen, viele Optionen hatten wir nicht. Also brachten wir dich zu dir nach Hause und Seto nahm mich mit. Was hätten wir denn sonst tun sollen? Es wäre doch niemand da gewesen, der auf meinen Körper hätte acht geben können.“
    „Du warst dem Totenreich näher als den Lebenden“, fügte Seto bekräftigend hinzu. „Jede Sekunde zählte. Und du hast ja von alledem nichts mitbekommen, während wir uns einer Gefahr nach der nächsten aussetzen mussten, damit die Ehrlichkeit unseres Handelns getestet werden konnte.“ Bei diesen sarkastisch ausgesprochenen Worten warf der Hüne Anata einen vorwurfsvollen Blick zu, während Sam den Kopf schüttelte.
    „Aus deinem Mund klingt das wie ein Albtraum.“
    „Das war es ja auch“, meldete sich nun auch Bakura zu Wort. „Mal überlegen, was hatten wir denn alles? Ach ja, würgegierige Ranken, die es auf Mokuba abgesehen hatten. Steine, die uns zu Silhouetten machen wollten …“
    „Ekelhafte Spinnen mit rotglühenden Augen“, fügte Mokuba eifrig hinzu.
    „Vergesst nicht das nette Steinbeben, als wir den Berg hinunterkletterten“, erklärte Tristan.
    „Genau!“ Ranma nickte. „Danach die Sandschlange, die uns töten wollte und die Skarabäen.“
    „Erinnere mich bloß nicht daran“, krächzte Joey und schüttelte sich, nahm den Faden der Aufzählung aber sofort danach auf. „Die Schneise, die uns voneinander trennte und in den Tod stürzen wollte, wäre auch noch erwähnenswert.“
    „Das Ganze mit Feuer und Steinen bespickt“, fügte Conan hinzu.
    „Das merkwürdige schwarze Wasser“, fiel Wendy ein.
    „Ach ja. Da waren auch noch die netten Vogelskelette mit ihren scharfen Schnäbeln“, erinnerte sich Yami.
    „Gekrönt mit dem Kampf gegen Zenera, die uns freudestrahlend zeigte, wen sie schon alles besiegt hatte und zu ihrer schwarzen Armee formen wollte“, setzte Seto ungerührt hinzu. „Haben wir was vergessen?“

    Bei der Erwähnung der schwarzen Armee zuckten Anata und Sam gleichermaßen zusammen und wollten wissen, wer davon betroffen gewesen war. Nachdenklich und am Hinterkopf kratzend blickten sich die Freunde an und begannen dann zögerlich, diejenigen aufzuzählen, die sie erkannt hatten. Einschränkend erklärten sie, dass es noch wesentlich mehr gewesen waren, sie jedoch nicht alle gesehen oder erkannt hatten und das sie alle in grünlichen Säulen gestanden hatten. Auch fügten sie Zeneras scheinheiliges Versprechen hinzu, alle Gefangenen frei zu lassen, wenn es der Gruppe tatsächlich gelänge, sie zu besiegen. Schaudernd erkundigte sich Anata daraufhin bei den Mastern, ob sie davon gewusst hatten – doch die körperlose Stimme schwieg.
    „Das heißt dann wohl ja“, bemerkte Keiko schockiert. „Wir müssen das überprüfen. Selbst, wenn Zenera nun vernichtet sein sollte, haben wir keine Garantie dafür, dass die Verwandelten noch immer in den Säulen verharren. Sie könnten ebenso gut unterwegs sein und Unheil anrichten, gemäß ihrer Programmierung.“
    Die Geschwister nickten und Sam schlug kurz in die Hände. „In Ordnung. Ihr alle nehmt jetzt erst mal eine große Mütze Schlaf, während wir drei über unsere nächsten Schritte nachdenken. So, wie es aussieht, ist es wohl doch noch nicht vorbei. Selbst, wenn wir nur die Transformierten einfangen müssen, steht uns noch ein hartes Stück Arbeit bevor. Und ihr solltet ausgeruht sein.“
    „Ich achte auf die Kids hier“, bot sich Anata an. „Und ihr kümmert euch um Wendy.“
    „Einverstanden. Komm, Wendy. Zeit, dich auszuschlafen“, erklärte Keiko und legte bereits einen Arm um sie. Ein wenig verwirrt blickte sie jedoch auf Anata, die vor dem Mädchen noch in die Hocke ging und deren Knöchel berührte. Das schmerzhafte Pochen verging augenblicklich.
    „Erst mal duschen“, schwärmte Bakura.
    „Saubere Sachen.“ Conan blinzelte sehnsüchtig.
    „Und futtern, was das Zeug hält.“ Joey begann fast zu sabbern.
    „Genau diese Reihenfolge“, lachte Wendy und umarmte ihre Freunde. „Bis nachher dann.“



    Zusammen mit Sam und Keiko war Wendy kurze Zeit später wieder in ihrer Welt, genauer gesagt, in Sams Wohnung, der das Mädchen zunächst Richtung Badezimmer schob. Unter der Dusche ließ diese das Erlebte Revue passieren. Es war dermaßen viel auf sie eingestürmt, dass sie noch keine Gelegenheit gehabt hatte, alles zu sortieren und zu verarbeiten. Außerdem stellte sie fest, dass es sich für sie beunruhigend anfühlte, wieder ein Mensch zu sein. Es wirkte so merkwürdig falsch und verdreht, alles zog das Mädchen zurück in die Anime-Welt, zurück zu ihren Freunden. Obwohl sie sich erst vor wenigen Minuten voneinander getrennt hatten, kam es Wendy so vor, als würde ein wichtiger Teil in ihr fehlen. In Gedanken versunken, streifte sie schließlich ihren Schlafanzug über und ging ins Wohnzimmer. Keiko hatte in der Zwischenzeit gekocht und Wendy hätte eigentlich einen Bärenhunger haben müssen, aber irgendwie war dem nicht so. Es gingen ihr einfach zu viele Dinge durch den Kopf. Als sich Keiko besorgt erkundigte, ob alles in Ordnung sei, lächelte das Mädchen und nickte. Sie könne nur nicht abschalten, ein Teil von ihr sei noch immer bei ihnen, erklärte sie verlegen, worauf Sam wütend brummte, dass sich die Truppe doch zuvor über die Konsequenzen im Klaren hätte sein müssen.
    „Du hast sie doch selbst gehört, Sam. Was hätten sie denn sonst tun sollen?“ fragte Keiko und Sam seufzte. Eine passende Antwort hatte er nicht darauf, wie er zugeben musste.
    „Was ist denn daran eigentlich so schlimm?“ wollte Wendy wissen. Sie verstand nicht, warum Sam so wütend darüber war.
    „Nun, es besteht durchaus die Gefahr, dass du dich dort völlig verlierst und integriert wirst. Dann gäbe es irgendwann kein Zurück mehr für dich“, erklärte Keiko ihr ernst.
    „Als würde mich hier jemand vermissen. Mum und Paps merken nicht mal, ob ich da bin oder nicht. Und Freunde hab ich keine. Ich bin doch bloß der Anime-Freak, um den alle einen großen Bogen machen“, erklärte Wendy leichthin.
    Fast entsetzt blickte Sam sie daraufhin an. „Du weißt nicht, was du da sagst.“
    „Ganz im Gegenteil, Sam“, widersprach das Mädchen. „Wirklich gebraucht wurde ich drüben. Zum ersten Mal hatte ich Freunde und wir waren füreinander da. Es war ein wunderbares Gefühl, Teil eines Ganzen zu sein. Aber wenn wir schon dabei sind – ich hätte da mal zwei Fragen an euch. Wir hatten diese Armreifen von Anata bekommen, auf denen Inschriften waren, die wir sogar entziffern konnten. Was bedeutet eigentlich: geboren, um zu einen und den Platz zu finden?“
    „Das wirst du zu gegebener Zeit noch erfahren“, antwortete Sam eher ausweichend.
    „Das Orakel hat gesprochen“, meinte Wendy prompt und äffte damit unbewusst Bakus sarkastische Art nach, während Sam säuerlich das Gesicht verzog.
    „Und die zweite Frage, Wendy?“ versuchte der junge Mann abzulenken.
    Über den Rand ihrer Kaffeetasse hinweg blickte sie erneut auf Sam.
    „Zenera machte eine Andeutung darüber, dass meine Augen deinen sehr ähnlich seien. Gut, ich habe recht dunkle Augen, aber …“
    „So ein Unsinn“, fuhr Sam knurrend dazwischen und unterbrach Wendys Ausführungen damit. „Sie wollte nur Zweifel in dir säen.“
    Das Mädchen nickte bestätigend. „Ist ihr gelungen.“
    „Nun, ich denke, du solltest jetzt schlafen gehen“, stellte Keiko fest, um so das Gespräch in andere Bahnen zu lenken. „Ich zeige dir das Gästezimmer.“
    Demonstrativ gähnend folgte Wendy ihrer Tante und legte sich kurz darauf in ein sauberes weiches Bett. In Anbetracht der Tatsache, dass sie tage- oder vielmehr nächtelang in einem Schlafsack auf harten Boden liegend verbracht hatte, kam ihr dieses Bett wie reiner Luxus vor. Sie hatte die Bettdecke noch gar nicht richtig hochgezogen, da war sie bereits eingeschlafen.

    Es sollte ein Albtraum werden, aus dem sie nicht so schnell erwachen sollte …



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 10.02.2008, 00:26


    Chapter 3



    Unruhig wälzte er sich und her. Sein Albtraum quälte ihn, zerrte förmlich an seinen noch vorhandenen Kräften. Im Unterbewusstsein spürte er, wie die dunkle Göttin Zenera versuchte, Bakura die Saat des Bösen einzupflanzen. Ohne, dass es ihm bewusst war, rief er nach Baku, der sich wider Erwarten schützend vor Ryous Geist stellte und Zenera zurückdrängte. Mit einem erstickten Aufschrei schrak der Junge aus diesem merkwürdigen Traum, der ihm ziemlich real vorgekommen war und starrte schreckensbleich auf seine zitternden Hände.
    Wir haben sie nicht völlig vernichtet. Ein Teil von Zenera ist noch immer da und will sich an uns rächen, machte Baku auf sich aufmerksam.
    Bakura nickte abwesend, während er den tiefen Atemzügen seiner Freunde lauschte und sich zu beruhigen begann.
    Sie will noch immer ihre Armee vergrößern und unsere Welt vernichten.
    Das habe ich auch schon mitbekommen, reagierte Ryou nun auf die gedankliche Stimme des Geistes. Es war ungewohnt, dass Baku auf diese Weise das Gespräch zu ihm suchte.
    Dann müssen wir die anderen warnen, drängte der Geist des Ringes. Vor allem …
    … Wendy! entfuhr es dem Jungen. Sie ist in großer Gefahr. Zeneras Wut richtet sich hauptsächlich gegen Wendy. Mein Gott. Ich muss zu ihr und sie warnen. Sie darf nicht schlafen ….
    Noch immer zitternd stand Bakura auf und schwankte zur Tür. Seine Verletzung war noch nicht vollständig verheilt und machte ihm nun zu schaffen. Zudem war ihm schwindelig und er fühlte sich fiebrig. Dennoch agierte er wie unter Zwang. So leise wie möglich verließ er das Haus und machte sich durch die Nebel hindurch auf den Weg zu Sam.

    Kurze Zeit später befand er sich in einer, ihm unbekannten Umgebung. Er hatte sich gewünscht, zu Sam zu gelangen und stand nun in einer Diele. Außerdem stellte er verwirrt fest, dass er plötzlich aus Fleisch und Blut bestand; ein Umstand, der seiner Verletzung nicht gerade dienlich war. Ryou vernahm leise Stimmen aus einem Raum und folgte dem Geräusch, bis er im Wohnzimmer angelangt war und vor Sam und Keiko stand.
    „Bakura? Was machst du denn hier? Du solltest doch schlafen.“
    Sams Stimme klang gleichermaßen besorgt wie verwirrt.
    „Wendy … ist in … Gefahr“, flüsterte der Junge, während er auf die beiden zuschwankte. „Muss sie … wecken, ehe es … zu spät ist.“
    Bakura sackte weg und wurde im letzten Moment von Sam aufgefangen, der besorgt feststellte, dass der Junge Fieber hatte. Ryou schaute ihn flehentlich an.
    „Die dunkle Göttin lebt noch. Verstehst du, Sam? Wir … wir haben sie nicht … vollständig vernichtet.“
    „Du phantasierst, mein Junge.“
    „Nein, Keiko. Sie … sie hat versucht, mir ihre böse Saat einzupflanzen“, erklärte Bakura schweratmend. „Baku hat sie … abgeblockt und nun hat sie es auf … Wendy abgesehen. Sie … sie darf nicht schlafen. Ist sonst … schutzlos.“
    Seine Kraftreserven waren endgültig aufgebraucht, Bakura brach zusammen, kämpfte jedoch verbissen darum, nicht das Bewusstsein zu verlieren. Kopfschüttelnd hob Sam den Jungen kurzerhand hoch und trug ihn ins Gästezimmer, in dem auch Wendy schlief. Es gab zwei Gästebetten und Ryou wurde in das freie gelegt. Er protestierte schwach, aber hartnäckig, aber wirklich wehren konnte er sich nicht. Sam verließ kurz das Zimmer, während sich Keiko über ihre schlafende Nichte beugte und sie beim Namen rief, allerdings ohne Erfolg. Die Versuche, das Mädchen wachzurütteln, scheiterten.
    „Bitte – ihr müsst sie aufwecken. Sonst … sonst ist sie verloren“, beschwor Bakura die beiden mit zitternder und schwacher Stimme.
    „Und du, mein lieber Ryou, musst endlich schlafen“, erklärte Sam ruhig. „In diesem Zustand kannst du ihr nicht helfen. Wir regeln das, verlass dich darauf.“
    Der Junge blinzelte träge, als er die Spritze in Sams Hand entdeckte und schüttelte leicht den Kopf, allerdings brachte ihm das nichts. Stattdessen zuckte er leicht zusammen, als er die Injektionsnadel in seiner Armbeuge spürte.
    „Nein, Sam. Nicht ruhig stellen. Bitte nicht. Ich muss doch …“ Der Rest ging in einem Murmeln unter, ehe sein Kopf kraftlos zur Seite sank. Mit steinernem Gesichtsausdruck blickte Sam auf den Jungen, strich ihm über die weiße Haarmähne und deckte ihn zu.
    „Was meinst du – hat er Recht mit seiner Behauptung?“ erkundigte sich Keiko schaudernd.
    „Nun, Bakura gehört nicht zu der Sorte, die sich haarsträubende Geschichten ausdenkt, um im Mittelpunkt zu stehen. Er hat sich trotz Fieber und völliger Übermüdung hierher geschleppt. Ich fürchte also, dass er die Wahrheit gesagt hat. Dabei war ich sicher, dass sie vernichtet ist. War wohl ein Irrtum meinerseits. Verdammt, ich mag derartige Spiele nicht.“ Sams Wangenmuskeln mahlten. Schließlich wandte er sich ab, bat Keiko darum, sich weiterhin darum zu bemühen, Wendy wach zu bekommen, während er zurück ginge, um die Kids zu wecken.

    Baku verspürte Panik in sich aufwallen, als Ryou das Schlafmittel bekam und schrie entsetzt auf. Nein! Du darfst dir das nicht geben lassen. Bakura! Wach auf! Neeeeeiiiinnnnn!
    Der Geist des Millennium-Ringes wurde in dem Moment von seinem Wirtskörper getrennt, als das Schlafmittel zu wirken begann. Und Baku, wie ihn mittlerweile alle nannten, wurde von einem schwarzen Sog erfasst und weggespült. Seine gellenden Angstschreie verhallten ungehört …


    Mit gemischten Gefühlen betrat Sam das stille Haus, schaute sich um und zuckte leicht zusammen, als seine Schwester ihn ansprach. Sie zeigte sich verwundert darüber, dass er da war und wollte wissen, wo Bakura sei, den sie vorhin noch hatte weggehen sehen. Sam erklärte ihr, dass der Junge hohes Fieber habe und er ihm ein Schlafmittel gegeben hatte. Danach setzte er sich seiner Schwester gegenüber und betrachtete sie ernst. Er verschönerte nichts, als er Anata erzählte, warum Bakura zu ihm gekommen war und dass er Zenera als dunkle Göttin bezeichnet habe, die versucht hatte, ihm die Saat des Bösen einzupflanzen.
    „Sie lebt also doch noch? Aber wie ist das möglich? Die Kinder haben sie doch vernichtet.“
    „Offenbar hatte sie noch einen Trumpf im Ärmel. Wie sie das gemacht hat, weiß auch ich nicht zu sagen“, gab Sam zu und seufzte. „Allem Anschein nach ist sie dermaßen über Wendy verärgert, dass sie es auf sie abgesehen hat. Wir können sie nicht wecken, sie liegt da wie tot. Das ist kein gutes Zeichen. Ich kenne ihre Spielchen. So lange Wendy dermaßen tief schläft, ist sie tatsächlich in Gefahr.“ Das ehemalige Orakel seufzte und blickte nach oben. „Sie hätten den Schlaf bitter nötig gehabt, aber mir bleibt keine Wahl. Bitte organisiere Proviant und was sie sonst noch brauchen werden. Vielleicht geben dir auch die Master noch hilfreiche Informationen. Ich gehe in der Zwischenzeit die Kids wecken.“

    Einer nach dem anderen wurde wachgerüttelt, was natürlich nicht ohne unwilliges Gemurmel und verschlafenes Grummeln von sich ging. Doch als Sam mit eindringlicher Stimme erklärte, was vorgefallen war, war auch der letzte von ihnen plötzlich hellwach.
    „Sie will sich Wendy in ihre Armee einverleiben?“ vergewisserte sich Ryoga. „Niemals. Nicht, so lange ich da noch ein Wörtchen mitzureden habe.“
    „Beruhig’ dich, Alter“, fuhr ihm Joey in die Parade. „Keiner von uns will das. Also – wo müssen wir hin?“
    „Eine gute Frage, Joey“, gab Sam zu. „Anata organisiert gerade alles und versucht, weitere Informationen zu erhalten.“
    „Na, dann ziehen wir uns am besten erst mal an. Wir können ja schlecht im Schlafanzug losgehen“, erklärte Conan und schwang sich aus dem Bett.
    „Nicht so schnell, Conan Edogawa“, wurde er von Sam gebremst. „Du und Mokuba bleiben hier.“
    „Und warum?“ Mokubas Stimme klang beleidigt.
    „Weil ihr kleiner seid und schneller ermüdet.“
    „Das fällt dir aber früh ein“, konterte Conan. „Wir haben bereits bewiesen, dass wir gut kämpfen können. Es geht schließlich um Wendy. Ich gehe mit.“
    „Und ich auch.“
    Die beiden Jungen schalteten auf stur.
    „Und wer passt auf Wendy und Bakura auf?“
    „Die Mädchen!“ kam es einstimmig zurück.
    „Ach, wir sollen schon wieder hier bleiben und Däumchen drehen? Das hättest du wohl gerne, Brillenschlange.“
    Akanes Faust traf zielsicher Conans Kopf, der mit lautem Wehgeschrei auf die Knie sank und sich den Kopf rieb. „Das hat wehgetan, du blöde Kuh.“
    „Wen nennst du hier eine blöde Kuh?“ knurrte Akane und ballte erneut die Hände zu Fäusten, was dazu führte, dass sich Ranma und Ryoga instinktiv duckten, reiner Reflex. Aber ehe ihre Faust abermals Conans Schädel treffen konnte, griff Sam nach ihrem Arm. Ein paar wenige zischende Worte genügten, um den Streit im Keim zu ersticken. Anschließend blickte er erneut auf die beiden Jungen.
    „Ihr beiden und die Mädchen bleiben hier, um auf Wendy und Bakura aufzupassen. Das ist mein letztes Wort. Keine Widerrede, von keinem von euch. Ist das klar?“
    Direkt bettelnd schaute der jüngere Kaiba auf seinen großen Bruder. Doch zu aller Verwunderung bestätigte dieser Sams Anordnung. Als Mokuba und Conan erneut widersprechen wollten, traf sie ein eisiger Blick des Hünen. Beide Jungen verkniffen sich daraufhin automatisch jedes weitere Wort, schoben aber trotzig das Kinn vor.
    „Seht es doch mal von der positiven Seite“, versuchte Yu-gi die Wogen zu glätten. „Wenn Wendy aufwacht, seid ihr die ersten, die sie zu sehen bekommt – und ihr dürft dazu sogar in die Menschenwelt.“
    „Schwacher Trost, wenn man bedenkt, dass wir alle fünf Stunden zurückmüssen“, überlegte Conan und rümpfte seine Nase.
    „Was dann auch heißt, dass wir uns entsprechend abwechseln müssen“, sinnierte Akane. „Aber was passiert mit Bakura nach fünf Stunden? Sollen wir ihn dann einfach mitnehmen?“
    „Ich bin sicher, dass wir auch dafür eine Regelung finden werden. Wichtig ist momentan nur, dass ihr auf die beiden aufpasst und uns jede Änderung ihrer Zustände wissen lasst.“
    Man konnte wahrlich nicht behaupten, dass es den Mädchen und den zwei Jüngsten gefiel, zurückbleiben zu müssen. Aber Sam duldete keine weiteren Einwände.

    Es verging noch einige Zeit, bis auch Anata mit nagelneuen und voll gepackten Rucksäcken zurückkehrte. Aber, wie erhofft, brachte sie auch zusätzliche Informationen mit und deutete nun auf einer Karte auf einen dunklen Umriss.
    „Der Schwarze Wald“, bemerkte Ranma nachdenklich. „Man hört recht merkwürdige Geschichten über diesen Ort. Unter anderem heißt es, Dämonen würden dort hausen.“
    „Das stimmt nicht so ganz“, widersprach Anata. „Die Geschöpfe der Nacht leben dort, das ist richtig. Aber damit sind nicht zwangsläufig Dämonen gemeint.“
    „Mir reichen schon Vampir-Fledermäuse“, bemerkte Joey, sich dabei leicht schüttelnd.
    „Die könntest du dort wesentlich eher antreffen“, bestätigte Sams Schwester, ohne weiter auf Wheelers schreckensbleiche Gesicht zu achten. „Und genau dort müsst ihr hin. Der ein oder andere Transformierte wurde in der Nähe der alten Burgruine gesichtet, vermutlich hat sich Zenera dort versteckt, um ihre Armee weiter aufzubauen. Ein dunkler Hort – der perfekte Platz für sie.“
    „Wir werden einige Tage unterwegs sein“, schaltete sich nun auch Keiko ein. „Ich habe uns zu diesem Zweck Jeeps organisiert, die uns zumindest nah genug heran bringen werden. Den Rest des Weges werden wir dann zu Fuß zurücklegen müssen. Also zieht euch bequemes Schuhwerk an.“ Für einen Moment hielt sie inne, ehe sie fortfuhr. „Momentan ist Großvater Muto bei den beiden. Er besitzt den untrüglichen Instinkt dafür zu wissen, wann er gebraucht wird. Ryou und Wendy sind also in guten Händen. Noch irgendwelche Fragen?“
    „Ja, eine“, machte Yu-gi auf sich aufmerksam. „Ist Baku da, um die zwei notfalls auch zu schützen? Normalerweise nutzt er jede Gelegenheit, um Ryou zu übernehmen. Das hat er aber nicht getan.“ Seine violetten Augen richteten sich dabei fragend auf Sam, der tief durchatmete, ehe er antwortete.
    „Ich fürchte, Baku ist selbst irgendwo gefangen. Soweit ich weiß, werden die Millenniums-Geister von ihren Wirtskörpern getrennt, wenn sie in einen künstlichen Schlaf fallen. Ich gab Bakura ein Schlafmittel. Ich weiß also nicht, wo sich Baku zur Zeit aufhält.“
    Verwirrt blickten sich die Freunde an, ehe Ryoga schweigend eine Hand ausstreckte. „Für Wendy und Bakura.“ Er machte eine kurze Pause, ehe er hinzufügte: „Und für Baku, wo immer er auch sein möge.“

    Stirnrunzelnd blickte Sam die Gruppe an, die gerade dabei war, einen Turm, bestehend aus ihren Händen zu bauen. Warum die Teenager plötzlich den Geist des Ringes in ihr Ritual mit einbezogen, war ihm nicht klar. Aber er war auch bei dem letztendlichen Kampf nicht dabei gewesen und wusste daher nicht, in wiefern der Geist der Gruppe geholfen hatte. Anata jedoch lächelte still in sich hinein. Sie hatte gespürt, wie sich Baku zu verändern begonnen hatte, egal, durch welchen Einfluss. Nachdem die Freunde ihren Schwur neu besiegelt hatten, verließen sie das Haus, kletterten in die Jeeps und fuhren los.

    Was ihnen widerfahren würde, war ihnen egal. Wichtig war nur, dass ihre Rettungsmission begonnen hatte …



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 16.02.2008, 12:17


    Chapter 4



    Kaltes Wasser benetzte sein Gesicht, das er sich unwillig aus den Haaren schüttelte und blinzelte verwirrt. Dunkelheit umgab ihn, eine Dunkelheit, die sich schwer auf ihn legte und ihn eher gepresst atmen ließ.
    „Wer ist da?“ fragte er argwöhnisch, während er versuchte, denjenigen ausfindig zu machen, der ihm mit dem kühlen Nass überschüttet hatte.
    Jemand stieß ihn an. Mit einem Knurren griff Baku nach seinem unsichtbaren Gegner, wollte ihn zu Boden reißen und bemerkte dadurch, dass seine Hände angekettet waren.
    „Na, na. Wer wird denn gleich so garstig werden?“
    Die Stimme erkannte Baku sofort, seine Augen zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen. „Zenera, da schau an. Noch immer nicht im Totenreich?“ spöttelte er.
    „Stell’ dir vor, mein Lieber. Die wollten mich gar nicht.“ Süffisant wie eh und je klang ihre Stimme dabei, während sie sich dem Gefesselten näherte.
    „War wohl überfüllt.“ Auch der Geist blieb bei seiner gewohnt zynischen Art.
    Als sich der andere Anwesende ihm knurrend näherte, hob Zenera gebieterisch ihre Hand und verwies ihren Sklaven in eine Ecke. Danach trat sie noch näher an Baku heran und betrachtete ihn eingehend.
    „Wie soll ich dich nun nennen?“ fragte sie unschuldig und ließ dabei einen Finger über seine Wange streichen. „Bakura bist du nicht, Dieb klingt so abwertend und Geist des Millennium-Ringes ist zu lang. Also?“
    „Als ob dir Namen wichtig seien“, schnaubte der Junge angewidert.
    Zu seiner Überraschung lachte sie leise auf. „Du bist ganz schön widerspenstig, mein Freund. Warum wehrst du dich eigentlich so sehr gegen mich? Schließlich sind wir doch beide negativ.“
    Ihre Hand näherte sich dabei seinem Haar und Baku zog instinktiv den Kopf zur Seite.
    „Um eines ein für allemal klarzustellen, Zenera“, zischte er. „Ich bin weder dein Freund, noch sonst so wie du.“
    Abermals lachte sie, diesmal offenbar amüsiert über sein Verhalten. „Ich liebe es, wenn meine Opfer so widerspenstig sind“, ließ sie ihn wissen. „Dich umzuformen wird mir ein besonderes Vergnügen sein. Bald, sehr bald sogar, wirst du mir ebenso aus der Hand fressen wie die anderen“, prophezeite sie ihm und diesmal war es Baku, der sich ein spöttisches Grinsen gestattete.
    „Eher friert die Hölle ein“, schnaubte er. „Hast du mich deswegen hierher bringen lassen? Um mir diesen Blödsinn anzuhören?“
    Zenera trat einen Schritt zurück und blickte ihn beleidigt an. „Du enttäuschst mich, mein Lieber. Ich wollte mich nur ein wenig mit dir unterhalten.“
    „Verzichte.“

    Schmollend schwieg Zenera, ehe sie eine andere Strategie versuchte.
    „Wie lange versuchst du schon, die Millenniums-Gegenstände an dich zu bringen? Ich könnte dir eine viel größere Macht verleihen, gegen die die des Pharao geradezu lachhaft ist.“ Ihr Blick saugte sich an Bakus Augen fest, um seine Reaktion genau studieren zu können. Sie wusste genau, dass dies sein Schwachpunkt war, da es Baku nach Macht dürstete. Entgegen ihrer Erwartung ballte er jedoch die Hände zu Fäusten, wobei er erneut die Ketten spürte. „Ich bleibe lieber bei dem, was ich habe“, knurrte er schließlich.
    „Du bist ein schlechter Lügner“, zischte Zenera ungehalten. „Aber das werde ich dir auch noch austreiben.“ Gebieterisch nickte sie ihrem Sklaven zu, der nach wie vor in einer Ecke stand und sich nicht gerührt hatte. „Zieh’ ihn hoch!“ befahl sie ihm schneidend.
    Jemand zog an den Ketten, so dass Baku mit ausgestreckten Armen Sekunden später in der Luft hing. Geschmeidig trat Zenera wieder an ihn heran und riss sein Hemd auf.
    „Ich könnte dir nun eine besonders schmerzhafte Lektion erteilen, in dem ich dir das Gesicht verätze. Aber so ein hübsches Konterfei sollte man nicht zerstören. Dafür bekommst du gleich eine meiner selbstgebrauten Säuren zu spüren. Vielleicht bekehrt dich das ja.“ Abermals nickte sie der im Dunkeln stehenden Person zu und Baku konnte hören, wie dieser jemand eine Flüssigkeit schöpfte. Für einen Moment glaubte er, eine schwarz-weiß befellte Tatze zu sehen, ehe die Flüssigkeit ihn auf der Brust traf. Heißer sengender Schmerz durchflutete den Jungen, der sich auf die Lippen biss, um keine Schwäche zu zeigen, aber Tränen des Schmerzes sammelten sich doch in seinen Augen.
    „Hm, zu stolz, um zu schreien, mein Guter? Ich habe noch mehr davon. Mach’ weiter, bis er schreit und um Gnade winselt.“

    Da es nicht so verlief, wie sie sich das vorgestellt hatte, wurde Zenera wütend. Der Geist des Ringes zeigte sich widerspenstiger, als sie erwartet hatte. Kelle um Kelle wurde über seine Brust ausgeschüttet und irgendwann kam dann doch der Punkt, an dem er es nicht mehr ertragen konnte. Mit einem einzigen gellenden Schrei machte er seinem Schmerz Luft.
    „Und? Hast du genug? Bitte mich um Gnade und es hört auf.“
    Direkt lockend klang ihre Stimme, doch Baku schüttelte den Kopf. „Niemals.“
    „Nun, wir werden sehen. – Weiter!“
    Abermals schrie Baku gepeinigt auf, bis er vor lauter Schmerz das Bewusstsein verlor und Zenera fast angewidert auf ihr Opfer blickte.
    „Ich dachte wirklich, er vertrüge mehr. Schade, dabei fing es gerade an, mir Spaß zu machen.“ Sie beugte sich zu ihm, vergrub ihre Hand in seiner weißen Haarmähne und zog seinen Kopf hoch. „Warum machst du das? Wieso stellst du dich gegen mich? Alle Annehmlichkeiten könntest du haben – aber nein, du willst deine Lektion auf die harte Tour lernen. Das wirst du noch bereuen, du Narr.“
    Erneut nickte sie ihrem Sklaven zu und befahl ihm, den Bewusstlosen zu dem Menschenmädchen zu bringen und wandte sich ab. Ein bestätigendes Brummen war noch zu hören, ehe ein großer Panda sich den Bewusstlosen über die Schulter wuchtete und den Raum verließ.



    Wendy duckte sich instinktiv, als die Tür zu ihrem Verlies quietschend aufgestoßen und ein Bündel achtlos in den Raum geworfen wurde. Danach fiel die Tür überlaut wieder ins Schloss zurück. Unsicher blickte das Mädchen auf das, was nur einen Meter von ihr entfernt lag, schob sich dann doch vorsichtig in dessen Richtung und berührte es. In einer Mischung aus Erleichterung und Entsetzen stellte sie dann fest, dass es nicht etwas, sondern jemand war, drehte den Körper auf den Rücken und gab einen erstickten Laut von sich. Mit zitternden Fingern zog sie sein Hemd beiseite und erschrak. Frische Verätzungen übersäten den Brustkorb des Jungen. Aber er atmete, wenn auch nur ganz flach. Langsam stand Wendy auf; darum bemüht, ihr verletztes Bein nicht allzu sehr zu belasten. Zeneras Sklave hatte ihr das Bein gebrochen, um eine Flucht ihrerseits zu verhindern. Schlurfend und die Zähne aufeinander beißend schleppte sie sich zu dem Wasserbottich, der direkt unter einem winzigen Fenster stand, tauchte ein Stück Stoff hinein und füllte auch den einzigen Blechbecher mit Wasser. Danach schleppte sie sich zurück, hockte sich wieder neben Bakura und betupfte sein Gesicht mit dem feuchten Tuch. Ein leises Wimmern entrang sich seinen Lippen, ehe er zögernd die Augen öffnete und das Mädchen verwirrt anblickte. Er brauchte einige Sekunden, um die Benommenheit los zu werden, ehe ein Blitz des Erkennens über sein Gesicht huschte. Mit einem Ruck wollte er sich aufsetzen, sank aber mit einem schmerzhaften Stöhnen zurück.
    „Schön langsam, Bakura. Nicht zu schnell bewegen“, flüsterte Wendy, hob seinen Kopf an und führte den Becher an seine Lippen. Nachdem er etwas getrunken hatte, versuchte er erneut, sich aufzusetzen, was ihm dann auch gelang, wenngleich sein Gesicht vor Schmerz verzerrt war. Schweratmend lehnte er sich gegen die Wand und atmete einige Male tief durch.
    „Dieses Miststück. Ich dachte, wir hätten sie besiegt. Der Teufel soll sie holen.“
    Beim Klang der Stimme stutzte das Mädchen. „Du bist nicht Bakura“, stellte sie irritiert fest und der Junge blickte daraufhin in ihre Richtung.
    „Tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen, Wendy.“
    „Du enttäuschst mich nicht, Baku, ich bin nur verwirrt. Dich hätte ich am wenigsten erwartet.“
    Er lachte leise, verzog aber sofort wieder das Gesicht. „Bedank’ dich dafür bei Sam.“
    „Was hat der denn damit zu tun?“
    „Nun, Zenera wollte Bakura die Saat des Bösen einpflanzen, während er schlief, aber ich konnte sie abblocken“, fing er zu erklären an. „Mit Fieber und Schmerzen schleppte er sich zu Sam, um ihn zu warnen und dich zu wecken – aber es war schon zu spät. Und was tat der gute Sam? Er verpasste dem Jungen ein Schlafmittel und trennte uns damit voneinander. Ich hasse Ärzte“, schloss er seine Ausführungen.
    „Wie meinst du das? Er trennte euch? Und wieso Ärzte?“ Wendy war völlig verunsichert.
    „Wenn der Wirtskörper in künstlichen Schlaf versetzt wird, werden wir voneinander getrennt“, gab Baku bereitwillig Auskunft. „Warum das so ist, weiß ich nicht. Es ist halt so. Und Sam ist praktizierender Arzt. Wusstest du das etwa nicht?“ Mit schräggelegtem Kopf und blinzelnd schaute er Wendy dabei an. Er hatte gedacht, das Mädchen wüsste so ziemlich alles – aber scheinbar hatte er sich dahingehend geirrt.

    Statt einer Antwort schüttelte Wendy den Kopf, während ihre Hand unwillkürlich auf den oberen Brustkorb tastete. Fast so, als wollte sie etwas verdecken. Stirnrunzelnd beäugte Baku sein Gegenüber und zog schließlich Wendys Hand weg. Dadurch entdeckte er einen kleinen schwarzen Stern oberhalb ihrer Brust und blickte nun fragend auf das Mädchen.
    „Sie … sie hat nur ganz kurz meine Brust berührt, dann war es auch geschehen“, erzählte sie stockend und mit Tränen in den Augen, die ungehört zu Boden tropften. „Und er hielt mich fest, damit ich mich nicht wehren konnte. Anschließend ließ sie mir das Bein brechen, damit ich nicht flüchten kann.“
    „Es … es wird ihr nicht gelingen, dich umzuformen, Wendy“, versuchte Baku, das Mädchen aufzumuntern. „Du trägst zuviel Güte in dir, um böse zu werden. Und du bist ein Mensch. Du musst nur dagegen ankämpfen.“
    Überrascht über seine Worte, nickte Wendy wortlos. Diese Nuance war völlig neu an dem Geist des Ringes. Ihre Hand tastete kurz nach ihrem Amulett. „Keiko meldet sich auch nicht. Ihre gedankliche Stimme hätte mir Trost gespendet. Aber sie schweigt.“ Danach blickte sie ihr Gegenüber nachdenklich an. „Warum hast du einen stofflichen Körper? Du sagtest doch, von Ryou getrennt worden zu sein.“
    „Pfft, das habe ich wohl Zenera zu verdanken. Einem Geist kann man keine Schmerzen zufügen, einem richtigen Körper schon. Mit bester Empfehlung der Dunklen Göttin“, schnaubte er verächtlich. „Und was Keiko angeht … Ich denke mal, dass auch dies Zeneras Werk ist. Sie will dich isolieren, um dich zu schwächen. Eine Strategie, die meistens aufgeht. Aber wen meinst du eigentlich mit er?“ wollte er dann wissen, um das Gespräch in andere Bahnen zu lenken.
    „Tendo“, antwortete Wendy traurig. „Akanes Vater.“ Sekundenlang verfiel das Mädchen in grübelndes Schweigen, ehe sie auf Bakus Wunde deutete. „Die Verletzungen werden bald verschwinden, aber die Angst vor dem Schmerz wird bleiben“, erklärte sie verbittert. Als der Geist sie daraufhin fragend ansah, fuhr sie fort. „Die Saat des Bösen flüstert laufend über Schmerzen, um mich an den Rand des Wahnsinns zu bringen. Dermaßen intensiv, dass es mit Worten kaum zu beschreiben ist. Ich empfinde selbst welche, ohne dass wirklich was vorhanden ist. Die Worte sind sehr überzeugend und manipulierend.“
    „Verstehe.“ Bakus Augen verzogen sich wütend zu schmalen Schlitzen, ansonsten sagte er nichts.
    „Und wer hat dich gepeinigt, außer Zenera?“
    „Das wirst du mir eh nicht glauben, Wendy. Ich zweifle ja selbst an meinem Verstand.“
    „Nur zu, ich lache auch nicht.“
    Baku seufzte, blickte etwas unsicher auf das Mädchen. „Ich glaubte, einen Panda zu erkennen.“
    „Oooh, nicht gut, gar nicht gut. Das war Genma Saotome, Ranmas Vater.“
    „Ein Panda?“ Baku schüttelte den Kopf. „Wie sollte denn …?“ Plötzlich stutzte er, als ihm etwas einfiel. „Moment. Hatte Ranma nicht mal was von verwunschenen Quellen erzählt? Er wird zum Mädchen und Ryoga zu einem Ferkel, richtig?“
    Verwundert nickte Wendy. „Das hast du mitbekommen?“
    „Naja. Auch, wenn ich Bakura nicht übernehme, bekomme ich alles mit, was er sieht oder hört. Daher kann ich mich daran erinnern. Ranmas alter Herr wird also zu einem Panda? Großartig. Noch mehr Überraschungen dieser Art?“
    „Das weiß ich leider nicht“, gab Wendy zu. „Außer Tendo bekam ich noch keinen ihrer unfreiwilligen Sklaven zu Gesicht. Ich kann dir also nicht sagen, wer hier noch herumläuft.“ Anschließend deutete sie zum Fenster. „Ich habe schon versucht, da durch zu klettern, aber außer P-Chan käme da niemand durch und die Tür ist verschlossen.“
    „Wir finden schon einen Weg. Ich werde mir nachher mal alles genau ansehen, irgendwie gibt es immer einen Fluchtweg. Und den finde ich“, gab er im Brustton der Überzeugung kund.

    Wirklich aufmunternd klangen seine Worte nicht. Aber es war Wendy schon ein Trost, nicht mehr allein zu sein. Baku war zwar nicht gerade ihr Favorit, aber seltsamerweise fühlte sie keine Angst in seiner Nähe. Offensichtlich hegte er keinen Groll mehr gegen sie, er wirkte auf eine merkwürdige Weise normal auf sie. Keine böse Aura, keine verletzenden Worte, auch keine Boshaftigkeit. Als schien er sich tatsächlich zu verändern. Während sie darüber nachdachte, gähnte sie verhalten.
    „Versuch, zu schlafen. Du siehst miserabel aus, wenn ich das mal sagen darf, und du solltest bei Kräften bleiben.“
    Irritiert blinzelte sie den Jungen an, nickte aber gehorsam, lehnte sich gegen die Wand und schloss die Augen. Sie war praktisch im nächsten Moment eingeschlafen, ihr Kopf sank langsam gegen seine Schulter, was Baku mehr als nur verwirrte. Etwas unschlüssig schaute er auf die Schlafende, ehe er ein wenig zur Seite rutschte und es so erlaubte, dass auch der restliche Körper gegen ihn sank. Zum Schluss ruhte Wendys Kopf auf seinen Beinen. Derartiges war ihm noch nie passiert und er wusste nicht so recht, wie er sich nun verhalten sollte. Schließlich legte er ihr zögerlich eine Hand auf die Schulter.
    „Ruh’ dich aus, Menschenmädchen. Du wirst deine Kräfte noch brauchen. Ich passe auf dich auf.“

    Er war selbst überrascht über seine Worte, sie klangen so gar nicht nach ihm. Was geschah nur? Seit er der Gruppe im ersten Kampf gegen Zenera geholfen hatte, fühlte er sich auf eine merkwürdige, nicht näher zu erklärende Weise mit ihnen allen verbunden. Lag es daran, dass er Ryou und somit die Clique unterstützt hatte? Er wusste es nicht zu beantworten. Aber irgendwie erschien es ihm auf einmal wichtig, Wendy zu beschützen, wenngleich er das Warum nicht verstand. Aber im Grunde wollte er es auch gar nicht verstehen …



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 25.02.2008, 20:30


    Chapter 5



    „Aufwachen!“
    Gebieterisch klang die Stimme, die ihn weckte, gleichermaßen ungehalten. Baku schrak auf; er war eingedöst, ohne es zu merken. Die Schwertspitze an seiner Kehle zwang ihn förmlich dazu, nicht zu atmen, während Wendy schlaftrunken den Kopf hob und erschrak. Von einem Moment zum anderen war sie hellwach und drückte sich unbewusst gegen Baku, dessen Hand um ihrer Taille lag. Der Junge vor ihnen ging drei Schritte zurück, zielte mit seinem Schwert aber weiterhin auf Bakus Hals.
    „Sie will euch sehen, also auf mit euch“, erklärte er befehlend.
    Langsam, ohne den Blick von dem Schwert zu nehmen, standen die beiden auf und der Junge mit den weißen langen Haaren und den unübersehbaren Hundeohren trat zur Seite, um sie vorbeizulassen, ehe er hinter ihnen herging.
    „Weißt du, wer das ist?“ raunte Baku dem Mädchen fragend zu und bekam einen Ellenbogen in den Rücken gerammt.
    „Es hat dir niemand das Reden erlaubt“, blaffte ihr Aufpasser und trieb sie voran.
    „Das ist Inu Yasha, ein Halbdämon. Er war in einer der Säulen“, flüsterte Wendy kaum hörbar und Baku nickte kaum merklich. Er erinnerte sich daran, ihn gesehen zu haben. Allerdings war ihm sein Name oder seine Herkunft völlig unbekannt.

    Schweigend gingen sie durch einen endlos erscheinenden Gang, vorbei an vielen verschlossenen Türen, hinter denen die unterschiedlichsten Geräusche zu ihnen drangen. Schließlich gabelte sich der Gang und Inu Yasha wedelte mit dem Schwert nach rechts. Gehorsam gingen sie weiter, bis sie am Ende des Flures vor einer Tür stehen blieben und sich fragend nach dem Halbdämonen umschauten. Dieser deutete nur ungehalten auf die Tür und Baku öffnete sie, ohne ein Wort zu verlieren. Die beiden Gefangenen wurden von Inu Yasha in den Raum hineingestoßen, stolperten ein wenig und blickten sich dann um. Die Inneneinrichtung erinnerte auf unangenehme Weise an eine Folterkammer. Zenera erwartete sie bereits mit einem falschen Lächeln auf den Lippen, während Wendy im Hintergrund einen Panda erkannte, der apathisch zu ihnen herüber schaute.

    „Aaah, da seid ihr ja. Wie schön, dass ihr Zeit hattet.“
    „Wir hatten gerade nichts Besseres zu tun“, schnaubte Baku verächtlich auf die scheinheilige Begrüßung und stellte sich schützend vor Wendy.
    „Ts, ts, deine Laune scheint sich ja nicht verbessert zu haben.
    „Wenn du uns frei lässt, wird sich meine Laune augenblicklich ändern“, erwiderte der Junge hinterhältig grinsend.
    „Also wirklich, mein Lieber. Hältst du mich für so dumm?“ wurde er von Zenera getadelt. Mit eleganten Schritten ging sie auf ihn zu und hob sein Kinn an. Voller Abneigung erwiderte er ihren Blick, konnte es aber nicht verhindern, dass sie ihren Finger langsam über seinen Hals bis zur Brust gleiten ließ und sich diese interessiert betrachtete. Mit Genugtuung in der Stimme stellte sie fest, dass sie wohl ohne weiteres mit ihrem Experiment weitermachen konnte und winkte dem Panda, der nach Baku griff, um ihn abermals anzuketten. Angewidert stieß Baku die Felltatze von sich und knurrte angriffslustig. Allerdings konnte er damit Saotome Senior nicht beeindrucken. Auch Genma gab so etwas wie ein Knurren von sich und zerrte Baku dann gewaltsam zu den langen Ketten.
    „Dieses Mal, mein Lieber, spielen wir eine andere Variante“, erklärte Zenera mit süffisanter Stimme. „Du wirst mir nicht einfach wieder bewusstlos werden, dafür sorge ich schon.“
    Gebieterisch schnippte sie mit den Fingern, woraufhin Inu Yasha zu Baku ging und ihm auffordernd einen Becher hinhielt.
    „Trink!“ befahl Zenera einsilbig.
    Der Gefesselte blickte zunächst misstrauisch auf den Becher, dann auf sie, ehe er vor ihr ausspuckte. Wütend über diese Reaktion, verzogen sich Zeneras Augen zu schmalen Schlitzen, während der Hundedämon fragend auf seine neue Herrin blickte. Als diese ihm zunickte, rammte der Junge erst seinen Ellenbogen in Bakus Magen und riss ihn anschließend an den Haaren den Kopf in den Nacken. Hass glühte in den goldenen Augen.
    „Du hast sie gehört“, zischte er drohend.
    „Ich habe aber keinen Durst“, knurrte Baku zurück.
    Mit schiefgelegtem Kopf betrachtete sich der Halbdämon sekundenlang sein Gegenüber, ehe er Baku kurzerhand die Nase zuhielt, was natürlich dazu führte, dass der Gefesselte kurze Zeit später nach Luft schnappte. Im selben Moment drückte Inu Yasha ihm den Becher an den Mund und schlug ihm gegen den Hals, damit Baku das Gebräu zwangsläufig schlucken musste. Während der Geist keuchte und spuckte, um den widerlichen Geschmack aus dem Mund zu bekommen, sprühten seine Augen förmlich vor Hass.
    „So ist es besser“, bemerkte Zenera mit einem falschen Lächeln. „Wollen doch mal sehen, wie viel Schmerz du tatsächlich verträgst. Da du deine Lektionen ja lieber auf die harte Tour lernst, wird dir das gefallen. Der Trank verhindert nämlich, dass du bewusstlos werden wirst. Auf diese Weise macht ein Experiment doch gleich viel mehr Spaß, findest du nicht?“
    Baku begnügte sich damit, Zenera wütend anzuknurren und ihr vernichtende Blicke zuzuwerfen.

    Nachdem sie dieses geklärt hatte, wandte sie sich Wendy zu und betrachtete sich fast enttäuscht den kleinen schwarzen Stern auf ihrer Brust. Ihrer Meinung nach wuchs er zu langsam, was sie mehr als störte. Erneut winkte sie ihrem Sklaven, der sich drohend vor Wendy aufbaute und sein Schwert leicht hob. Automatisch wich das Mädchen zurück, bis sie gegen eine Wand prallte und keine Fluchtmöglichkeit mehr offen stand. Ohne besonders große Eile wurde auch das Mädchen angekettet und anschließend nahm der Hundedämon einen weiteren Becher, drückte diesen grob an die Lippen der Gefesselten und zwang sie damit gewaltsam zum Trinken. Zenera wollte, dass beide – sowohl Wendy wie auch Baku, nicht einfach das Bewusstsein verlieren sollten, was sie damit nun auch erreichte. Schließlich trat sie erneut auf Wendy zu, betrachtete sich erneut fast fasziniert ihre dunklen Augen und grinste hämisch.
    „Nun, ich bin schon gespannt darauf zu erleben, wie viel Schmerz ihr zwei erdulden könnt. Du wirst mit ansehen, was ich mit deinem Freund mache und das wird dich wahnsinnig vor Angst werden lassen.“ Sie tippte kurz auf den Stern. „Dadurch wird er dann auch wachsen. Sein Flüstern reicht wohl nicht. Also werde ich dir Schmerz demonstrieren, damit er gedeihen kann. Ist doch nett von mir, oder?“
    „Warum tust du ihr das eigentlich an?“ machte Baku auf sich aufmerksam. „Dein Hass richtet sich doch gegen die Anime, Wendy jedoch ist ein Mensch. Sie hat mit alledem doch gar nichts zu tun, also lass sie frei.“
    „Falsch, mein Junge“, zischte Zenera ungehalten. „Sie hat sogar sehr viel damit zu tun. Alles wäre bestens gelaufen, denn Sam ist viel zu stolz, um Hilfe anzunehmen und wollte mich allein besiegen. Und ich hatte ihn auch schon fast so weit. Und was macht sie?“ Mit einer Drehung wandte sie sich erneut Wendy zu, ihr Blick zornentbrannt und wie ein Peitschenschlag. „Sie mischt sich ungefragt ein, überredete Sam, sich helfen zu lassen und brachte euch dazu, ihr dabei zur Seite zu stehen. Einzeln hätte ich jeden von euch zermalmen und umformen können. Ihr tratet mit der größten Frechheit als Team auf und habt euch gegenseitig unterstützt. Und du sagst, sie hat nichts damit zu tun?“ Eine erneute Drehung folgte, um ihre Aufmerksamkeit wieder Baku zuwenden zu können. „Ihr habt alles zerstört, was ich in den letzten Jahren aufgebaut habe. Und dafür werdet ihr büßen. Jeder einzelne von euch wird es bereuen.“
    Zenera redete sich förmlich in Fahrt, was ihre unfreiwilligen Sklaven nicht weiter zu interessieren schien. Wie lebensgroße Puppen standen sie mit leerem Blick da und warteten auf weitere Befehle. Als ihr das bewusst wurde, straffte sich ihre Gestalt. Gebieterisch klatschte sie in die Hände und erweckte somit ihre Sklaven aus ihrer Lethargie. Wie Stunden zuvor schon wurde Baku hochgezogen, so dass sein gesamtes Gewicht auf seinen Armen und Schultern lastete.
    „Ach ja – eines noch. Es steht euch natürlich frei, jederzeit um Gnade für den anderen zu bitten“, fügte sie mit einem Schlangengrinsen hinzu, als der Panda bereits nach der Kelle griff.
    „Natürlich. Und im Gegenzug erkennen wir dich als unsere neue Herrin an und geloben lebenslange Treue?“ Bakus Stimme troff vor Sarkasmus, als er diese Frage stellte.
    „Ein geringer Preis für meine Gnade. Findest du nicht, mein Lieber?“
    „Eher sterbe ich.“
    „Oooh, mein lieber Geist des Ringes. Auch das lässt sich bestimmt einrichten. Bakura wäre darüber sicherlich mehr als nur erfreut, dich loszuwerden. – Fangt mit ihm an. Treibt ihm seinen Zynismus und seine Widerspenstigkeit aus!“
    Und Genma gehorchte …

    Baku spürte die Angst in sich aufsteigen wie ein schleichendes Gift. Noch nie zuvor hatte er eine derartige Furcht verspürt, als sich seine Finger in die Kettenglieder krallten. Er biss die Zähne zusammen, als die erste Kelle ihn traf, um den Schmerz nicht laut herauszubrüllen. Immer wieder traf die Flüssigkeit zischend seinen Brustkorb, die Schmerzen wurden fast unerträglich, aber es war dem Jungen nicht vergönnt, bewusstlos zu werden. Irgendwann fing er doch zu schreien an, weil er es nicht mehr aushielt, zu intensiv waren die Schmerzen. Hilflos musste sich Wendy diese Folter aus schreckgeweiteten Augen ansehen. Zitternd vor Angst flüsterte sie seinen Namen, sie wollte, dass es aufhörte. Nur mühsam gelang es Baku, den Kopf anzuheben und in ihre Richtung zu blicken. Schmerzverzerrt war sein Gesicht, dennoch schüttelte er den Kopf.
    „Nein, Wendy. Du wirst das nicht tun, hast du verstanden? Ich verbiete es dir.“
    Seine Anweisung war mehr als klar und Wendy nickte angsterfüllt, während Zeneras ekelerregendes Lachen durch den Raum hallte und sie sich über den Jungen lustig machte und ihn spöttisch einen Helden nannte. Und wieder traf die Säure seinen Brustkorb und abermals schrie er seine Pein hinaus, aber Kapitulation kam für ihn nicht in Frage. Sie würde ihn nicht kleinkriegen. Es war noch nie jemanden gelungen, ihn zu brechen, und ihr würde er diese Genugtuung schon gar nicht geben. Es entsprach auch nicht seiner Natur, aufzugeben. Viel lieber ertrug er diese entsetzliche Folter, sein Überlebenswille war einfach stärker, ebenso sein Trotz. Und genau diese Einstellungen erwartete er, ohne es zu sagen, auch von Wendy. Sie wusste es, der Blick seiner Augen hatte ihr dies überdeutlich mitgeteilt. Dennoch tat es ihr unendlich weh, ihn dermaßen leiden zu sehen, alles in ihr drängte danach, um sein Leben zu flehen. Aber Baku hatte es ihr ausdrücklich verboten.
    „Nur ein Wort von dir, Wendy. Ein einziges – und er wird davon erlöst“, flüsterte Zenera unverhofft neben ihr, was Baku durchaus mitbekam. Erneut schüttelte er den Kopf und wiederholte seine Aufforderung. Seine Stimme war vom Schreien schon ganz heiser, er krächzte nur noch. Dennoch war sein Wille ungebrochen, was Wendy seltsamerweise auch Stärke verlieh. Verwundert blickte sich Zenera nach ihm um und musterte ihn eingehend.
    „Noch immer widerspenstig? Ich muss zugeben, dass es mir irgendwie gefällt. Ich mag es, wenn du dich dermaßen wehrst, das zeigt mir deine Stärke. Aber vielleicht sollten wir uns nunmehr deiner Menschenfreundin zuwenden? Sie hat nicht um dein Leben gefleht – aber wie sieht es mit dir aus? Kannst du es auf Dauer ertragen, sie leiden zu sehen? Ich finde diese Frage sehr interessant und auf die Antwort bin ich mehr als gespannt“, ließ sie ihn wissen. Schockiert blickten sich Baku und Wendy an. Der Junge wusste selbst nicht zu sagen, ob er es würde ertragen können, das Mädchen Schmerz leiden zu sehen. Er wusste es einfach nicht. Aber allein der Gedanke daran erschreckte ihn. Zenera nahm ihrer beider Blicke durchaus wahr und grinste hämisch, ehe sie Inu Yasha zunickte, der schweigend sein Schwert hob und auf Wendy zutrat. Natürlich hatte sie dieses Schwert längst erkannt – Tessaiga. Als er nur noch wenige Zentimeter von ihr entfernt war, drückte er ihr die Spitze des Schwertes in den Brustkorb, bis Blut hervorquoll und zog es langsam weiter nach unten. Heißer Schmerz durchzuckte das Mädchen; sie biss die Zähne zusammen und versuchte krampfhaft, nicht an Schmerzen zu denken, was aber fast unmöglich war. Wie aus weiter Ferne vernahm sie Bakus entsetzte Rufe und auch sie schüttelte verbissen den Kopf. Abermals spürte sie den unangenehmen Druck der Klinge, als Zeneras unfreiwilliger Sklave neu ansetzte. Unwillkürlich musste sie an Kagome denken, Inu Yashas Freundin. Sie war sich sicher, dass der Halbdämon dergleichen mit ihr niemals tun würde. Der Gedanke wurde so intensiv, dass Wendy das Mädchen direkt vor sich sah. Das Gesicht war so klar, als stünde Kagome tatsächlich vor ihr, mit ihren langen schwarzen Haaren und den dunklen Augen, die manchmal direkt melancholisch wirkten. Als sie Baku erleichtert auflachen hörte, glaubte sie zunächst, sich das einzubilden. Mit heiseren Worten feuerte er Wendy an, die überhaupt nicht wusste, was los war. Erst, als Inu Yasha sie zögerlich ansprach, geriet sie ins Grübeln und hob den Kopf. Seine Stimme klang, als würde er langsam aus einem Albtraum erwachen.
    „Ka … Kagome? Was … was habe ich getan? Was ist denn überhaupt los?“
    Verwirrt, dann entsetzt blickte er auf die von ihm verursachten Wunden auf Wendys Brust, ehe er verstört auf sein Schwert blickte. Wendy stutzte. Erst Bakus Lachen, dann Inu Yashas Reaktion. Irgendetwas stimmte doch nicht. Ehe sie jedoch etwas sagen konnte, keifte Zenera bereits los.
    „Du Idiot. Das ist nicht Kagome. Hast du verstanden?“
    „Nicht Kagome?“ wiederholte der Junge mit schiefgelegtem Kopf und Wendy bemühte sich, ihr Gesicht auf dem glänzenden Schwert erkennen zu können. Bei der Bewegung fielen ihr die Haare nach vorne. Schwarz und schulterlang waren sie, was das Mädchen noch mehr verwirrte, da sie selbst brünett war. Zögernd und verunsichert blickte sie in Bakus Richtung, der ihr auffordernd zunickte. ‚Du kannst es’, schien sein Blick zu sagen und Wendy atmete tief durch, ehe sie zum Sprechen ansetzte.
    „Inu Yasha? Hör’ nicht auf sie. Wer sollte ich denn sonst sein? Sieh mich an, Inu Yasha.“
    Abermals stutzte das Mädchen. Diese Stimme war eindeutig nicht ihre, sondern die von … Kagome!

    Alles, was du willst, kann auch passieren. Wenn auch nur im kleinen Rahmen. Aber es geschieht. Setos Worte hallten plötzlich in Wendy nach. War es tatsächlich möglich, dass sie aus purer Angst Kagomes Aussehen angenommen hatte in dem Wissen, dass ihr der Hundedämon dann nichts tun würde?
    „Das ist Wendy, nicht Kagome!“ keifte Zeneras Stimme erneut durch den Raum. „Töte sie!“ Die dunkle Göttin spürte, dass ihr die Kontrolle entglitt, dass Inu Yasha viel zu sehr zweifelte. Noch immer blickte er Wendy nachdenklich an. Seine Augen sagten ihm, dass seine Freundin gefesselt und von ihm verletzt vor ihm stand, sein Herz jedoch verneinte es. Er war hin- und hergerissen und wusste nicht, was er tun sollte.
    „Du sollst sie töten, du Narr!“
    Noch immer gehorchte er ihr nicht und Wendy sah ihre Chance.
    „Hilf mir, Inu Yasha. Bitte“, flüsterte sie.
    Wie in Zeitlupe hob er schließlich sein Schwert. Wendy sah sich verloren und schloss in Todeserwartung die Augen, doch der erwartete Schlag zielte woanders hin. Das Geräusch von zerspringenden Ketten mischte sich mit seinem wütenden Kampfschrei, während Zeneras Stimme immer mehr ins Kreischende kippte.
    „Du bist wahnsinnig – das ist nicht deine Freundin, du verdammter Narr!“
    Ein seltsames Funkeln lag in seinen Augen, als er sich Zenera zuwandte.
    „Nein, das ist sie nicht“, gab er mit leiser Stimme zu. „Aber sie hat dafür gesorgt, dass mein Albtraum endet. Ich bin nicht mehr dein Sklave und ich morde nicht für dich. Tessaiga!“
    Das Geräusch war ohrenbetäubend und klang, als würden Blitz und Donner zeitgleich aufeinander treffen, als die Mächte des Schwertes erwachten. Mit einem unnatürlich klingenden Schrei zielte der Hundedämon auf die dunkle Göttin – zerteilte aber nur ihren Umhang. Sie selbst hatte sich aufgelöst, nur ihr höhnisches Gelächter war noch zu hören. Allerdings kam nun Bewegung in den Panda, der auf Inu Yasha zuwankte. Wütend knurrend versetzte dieser dem Tier einen gezielten Schlag mit dem Schwertknauf auf den Schädel und der mächtige Panda sank mit einem merkwürdigen Laut zu Boden. Für einen Moment starrte der Hundejunge auf den Bewusstlosen, ehe er auf Baku zueilte und ihn von den Ketten befreite. Anschließend lief er auf Wendy zu und half ihr auf die Füße.
    „Wir sollten besser verschwinden, ehe die anderen auftauchen“, tat er kund. „Los, kommt. Beeilen wir uns.“

    Mit diesen Worten huschte er zur Tür, blickte aufmerksam in alle Richtungen und winkte den beiden dann, ihm zu folgen. Baku und Wendy wechselten einen kurzen skeptischen Blick. Aber was hatten sie schon zu verlieren? Jetzt oder nie!



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 16.03.2008, 19:16


    Chapter 6


    Schon nach wenigen Metern strauchelte Wendy und legte sich lang. Heißer Schmerz durchzuckte ihr gebrochenes Bein und Baku, der den Aufprall vernommen hatte, stoppte mitten im Lauf. Mit einem lauten Pfiff machte er den Jungen vor sich auf die Situation aufmerksam, der sich irritiert umwandte, zu ihnen zurückkehrte und den Kopf schüttelte.
    „Ts, warum müssen Mädchen eigentlich stets kämpfen, wenn sie es doch nicht können?“ fragte er in Bakus Richtung, während er Wendy bereits auf seine Schultern zog. Die bissigen Kommentare, die dem Mädchen auf der Zunge lagen, überhörte er dabei geflissentlich.
    „Kennst du denn den Weg?“ japste Baku, der sich anstrengen musste, mit dem Halbdämonen Schritt zu halten.
    „Ich weiß, wo der Ausgang ist und wo wir uns im Wald verstecken können – reicht das?“
    Keuchend nickte der Geist und versuchte angestrengt, das aufkommende Seitenstechen einfach nicht zu beachten.

    Allen dreien war klar, dass sie den Ausgang nicht kampflos erreichen würden und reagierten daher automatisch kampflustig, als sich einige von Zeneras Sklaven ihnen in den Weg stellten. Wie zuvor Inu Yasha waren auch sie nicht Herr über ihre Sinne und der Halbdämon verzichtete aus diesem Grund darauf, Tessaigas Macht zu beschwören, sondern schlug ihnen mit dem schlichten Schwert den Weg frei; schließlich handelte es sich ja auch nicht um Dämonen. Als sie keuchend endlich den Ausgang erreichten, wunderte es sie nicht sonderlich, dass die Tür verschlossen war. Knurrend und vor Wut heulend zerrte Inu Yasha an der Tür, während sich ihre Verfolger näherten. Baku betrachtete sich die Versuche kopfschüttelnd, schob den Jungen schließlich beiseite und versuchte selbst sein Glück. Schließlich gab das Schloss mit einem leisen Klacken nach, ein letzter gehetzter Blick nach hinten, dann huschten sie durch den Spalt und sprinteten weiter.

    Etwa eine Stunde und hunderten von dornigen Gestrüppen später verlangsamte Inu Yasha allmählich sein Tempo. Leichtfüßig ging er weiter, während Baku neben ihn japste und keuchte. Seine goldenen Augen suchten die Umgebung nach einer großen Baumhöhle ab, fanden sie und wenig später saßen alle drei im Inneren der Höhle. Während es sich Inu Yasha im Schneidersitz bequem machte, pumpte Baku noch immer Luft in seine Lungen.
    „So, nun möchte ich aber schon gerne endlich wissen, wer ihr eigentlich seid und was das vorhin für ein Trick war. Du bist kein Dämon – also, wie ist es dir gelungen, wie Kagome auszusehen?“ Argwohn und Misstrauen waren ihm deutlich ins Gesicht geschrieben und auch seine Haltung wies überdeutlich darauf hin. Wendy stellte Baku und sich vor, kam aber nicht zu weiteren Erklärungen, da der weißhaarige Junge ihr ins Wort fiel.
    „Wendy ist ein Mensch“, erklärte er. „Ein Mensch mit sehr viel Phantasie und dadurch gelingt es ihr, hier bei uns Dinge zu verändern. Offenbar gehört auch dazu, dass sie das Aussehen eines anderen annehmen kann, das hat sie noch nie zuvor getan. Aber sie ist wirklich ein Mensch, auch, wenn sie gerade nicht danach aussieht“, schloss er, lehnte sich zurück und beruhigte weiterhin seine Atmung.
    „Hmm, ich hörte wohl davon, dass manchmal Menschen zu uns dürfen“, erinnerte sich Inu Yasha und beugte sich neugierig vor. „Es soll aber nur noch selten vorkommen, wegen der Geschehnisse mit der dunklen Göttin Zenera. Aber ein Mensch?“ Diesmal begann er, Wendy zu beschnuppern und wurde dabei von Baku recht pikiert beobachtet. „Aber warum bist du dann hier?“ wollte er wissen und hörte auf, an dem Mädchen zu schnuppern.
    „Ihre starke Phantasie weckte unsere Neugierde, daher haben wir sie zu uns geholt“, fuhr Baku in seiner Erklärung fort und ließ Wendy dabei nicht zu Wort kommen. „Es ist erst kurze Zeit her, dass wir schon mal gegen Zenera gekämpft haben. Leider haben wir sie nicht vollständig besiegen können und nun richtet sich ihr Hass nicht nur mehr gegen uns, sondern auch gegen Wendy. Du und viele andere haben da aber schon in einer dieser grünen Säulen gesteckt.“
    Geknickt nickte Inu Yasha. „Wir waren viele, dennoch hat es nicht gereicht. Ich habe zuvor noch nie so viele von uns gemeinsam kämpfen sehen. Aber es wirkte alles so … unkoordiniert. Wie habt ihr es geschafft?“
    „Wir hatten Hilfe von der Sphinx-Göttin Anata“, kam Wendy diesmal Baku zuvor. „Weitere Waffen, wenn man sie so nennen will, waren unser Teamgeist und unsere Freundschaft zueinander.“
    Teamgeist. Der Hundedämon erinnerte sich daran, dass auch Kagome oft über Teamgeist sprach. Er vermisste sie, das merkte man ihm an. Auf eine diesbezügliche Frage antwortete er nur, dass sie getrennt worden seien und er nicht wüsste, wo sie sich zur Zeit aufhielt.
    „Du wusstest aber, dass sie nicht Kagome war. Woher eigentlich?“ gab Baku nach geraumer Zeit seiner Neugier nach.
    Inu Yasha grinste flüchtig und tippte sich gegen die Nase. „Kagome riecht anders.“
    „Riecht anders?“ wiederholte Baku irritiert, während Wendy leise zu lachen anfing und auf die Ohren des Jungen deutete. „Er ist ein Hundedämon, Baku. Daher auch die feine Nase und die empfindlichen Ohren.“ Aus großen Augen blickte der Junge auf Wendy, nickte langsam, wenngleich auch mit skeptischem Gesichtsausdruck. So ganz geheuer war ihm dies wohl nicht, wie man ihm ansehen konnte.

    Minutenlang schwiegen die drei, in denen Wendy von Inu Yasha mit schiefgelegtem Kopf betrachtet wurde. Schließlich siegte doch seine Neugier und so beugte er sich vor und ließ einen Finger über den schwarzen Stern gleiten, der Wendys Brust zierte. Er zeigte sich überrascht darüber, dass er noch immer so klein war. Aber vermutlich hing es wohl damit zusammen, dass Wendy ja ein Mensch war. Als das Mädchen dann auffordernd auf den Hundejungen schaute, schluckte dieser vernehmlich, zog widerstrebend seine Kleidung auseinander und drehte dabei den Kopf zur Seite, um die beiden anderen nicht anblicken zu müssen. Sein schwarzer Stern war bereits auf gute acht Zentimeter angewachsen. Während er das Mal wieder verdeckte, schaute er dabei nachdenklich auf Baku und wollte wissen, warum dieser denn keinen schwarzen Stern trüge.
    „Ich vermute mal, dass sie nur positive Charaktere umformen kann. Meiner wurde negativ kreiert“, antwortete dieser ausweichend. Es sah sogar fast so aus, als sei es ihm peinlich. Inus Gesicht kam Bakus ganz nahe, bernsteinfarbene Augen musterten den Geist eingehend, ehe er den Kopf schüttelte.
    „In dir steckt viel Gutes“, ließ der Halbdämon den anderen dann wissen. „Zwar verborgen und schwach, aber durchaus vorhanden. Als wären deine guten Seiten erst kürzlich erwacht. Also kannst du nicht nur böse sein. Gespalten? Vom Bösen vereinnahmt oder zwei Seelen, die sich einen Körper teilen?“
    Überrascht nickte Baku über diese Erklärung. Woher wusste der Halbdämon das? Waren seine Veränderungen, und seien sie noch so winzig, doch so deutlich zu erkennen? Bevor er jedoch eine diesbezügliche Frage stellten konnte, ruckte Inu Yashas Kopf herum, seine Ohren bewegten sich unruhig. „Wir müssen weiter, sie suchen noch immer nach uns.“
    Schicksalsergeben standen sie also auf, Wendy wurde erneut auf den Rücken des Hundejungen gezogen und weiter ging die Flucht.



    Zur gleichen Zeit erstarben gluckernd Jeep-Motoren am Beginn des Waldes. Unbehaglich und naserümpfend blickten sich alle um. Der Wald erschien dunkler als die Nacht, etwas Böses strahlte daraus der Gruppe entgegen, sie konnten es alle spüren. Yami fühlte sich dabei an das Schattenreich erinnert, was Joey gar nicht witzig fand, einen entsprechenden Kommentar von sich gab und sogleich von Seto als Angsthase tituliert wurde. Bevor daraus jedoch ein Streit entstehen konnte, ging Sam mit energischer Stimme dazwischen und funkelte die beiden zornig an, während Keiko bereits Taschenlampen und die Rucksäcke verteilte.
    „Achtet darauf, dass ihr zusammenbleibt“, prägte Sam der Gruppe ein, als sich die Gemüter wieder beruhigt hatten. „Ich habe nämlich keine Lust darauf, euch einzeln suchen zu müssen. Ist das klar?“
    Einstimmiges Nicken antwortete ihm und so machte sich die Gruppe Minuten später auf den Weg zur Festung. Unheimlich erschienen die Geräusche ringsherum, alle beobachteten aufmerksam ihre Umgebung und zuckten wie ein Mann zusammen, als sie ein dumpfes Geräusch vernahmen. Fahle Lichtstreifen zitterten durch die Dunkelheit und fokussierten sich auf Joey, der sich gerade grummelnd von einem Baum löste, gegen den er kurz zuvor gerannt war. Alle atmeten erleichtert auf, nur Seto schüttelte fassungslos den Kopf.
    „Wir hätten das Trampeltier zu Hause lassen sollen.“
    „Mir ist nur die Taschenlampe runtergefallen“, verteidigte sich Wheeler und zuckte zusammen, als ihm Ryoga knurrend den Gegenstand gegen die Brust drückte, den er zuvor vom Boden aufgeklaubt hatte. „Dann pass gefälligst besser auf.“
    Auch Sam und Keiko blickten einander kopfschüttelnd an. Es war wirklich kaum zu glauben, dass diese Gruppe sich als Team sah und ebenso kämpfen konnte. Nicht, wenn man Situationen wie dieser zusah. Überdeutlich war aber auch zu fühlen, dass sie alle nervös waren. Das Fehlen der Freunde, nach denen sie suchten, beunruhigte sie. Jeder aus der Gruppe machte sich Sorgen, auch, wenn es keiner zugab. Allen voran machte sich vor allem Keiko Vorwürfe. Sie war überzeugt gewesen, ihrer Nichte eine Freude zu machen, als sie ihr Interesse für Anime geweckt hatte und auch die Tatsache, dass sich das Portal für das Mädchen geöffnet hatte, hatte die Japanerin mit Freude und Stolz erfüllt. Aber dass Wendy derartigen Gefahren ausgesetzt sein würde – nein, damit hatte sie niemals gerechnet. Sams Versuche, die Freundin aufzumuntern und zu beruhigen, scheiterten. Im Grunde wollte er sich selbst zu positivem Denken zwingen, aber auch in ihm nagten Zweifel und Vorwürfe. Dumpf vor sich hinbrütend gingen sie zwischen den Teenagern weiter, dabei das Schlimmste befürchtend…



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 05.04.2008, 00:09


    Chapter 7


    Inu Yasha hetzte mit den zwei anderen durch den Wald, sprang leichtfüßig über liegende Bäume oder sogar einen Baum herauf, um sich einen Überblick zu verschaffen und gab dabei Wendy, die noch immer von ihm auf dem Rücken getragen wurde, stets das Gefühl, für den Jungen keinerlei Gewicht darzustellen. Baku hingegen stolperte keuchend hinter dem Halbdämonen her. Fast zwei Stunden waren sie durch das rabenschwarze Dickicht gejagt, um ihre Verfolger abzuschütteln. Zum wiederholten Male hockte der Hundejunge in einer Baumkrone, schnupperte und lauschte.
    „Ich glaube, wir haben sie endlich abgehängt“, erklärte er schließlich, sprang vom Baum herunter und landete elegant auf seinen nackten Füßen.
    „Gott … sei … Dank.“
    Wie eine alte Dampflok keuchte Baku und ließ sich stöhnend zu Boden sinken.
    „Du bist wohl mehr ein … wie nennt Kagome das noch? Ah ja, ein Sprinter. Keine langen Strecken gewöhnt, oder?“
    „Zumindest nicht … in diesem Tempo … rennend.“
    Inu Yasha grinste flüchtig, ehe er noch mal in den Wald schaute und sich dann zu den beiden anderen setzte. Er zeigte sich irritiert darüber, dass die Verwandelten sie noch immer suchten. Normalerweise seien sie nicht so lange draußen, da es sich überwiegend um gutmütige Charaktere handele und sie sich daher vor dem Wald fürchteten, weil er negative Schwingungen ausstrahle, die auf Dauer wütend und aggressiv machten, erklärte er nachdenklich. Durch den schwarzen Stern, der sowohl bei Wendy als auch bei Inu Yasha weitergewachsen war, fühlte er sich noch immer mit den anderen verbunden. Bei Wendy war dies nicht der Fall. Vielleicht hing es damit zusammen, dass sie nicht in einer der grünen Säulen gewesen war – so zumindest spekulierten die drei.

    Aber es gab noch etwas, was zumindest Wendy schon geraume Zeit beschäftigte. Ihr war aufgefallen, dass Baku bislang nicht ein einziges Mal versucht hatte, die Fähigkeiten seines Millenniums-Ringes zu benutzen, seit sie festsaßen. Auch trug er ihn gar nicht offen um den Hals, was er gewöhnlicherweise tat. Auf ihre diesbezügliche Frage grinste Baku verlegen, gleichermaßen gequält.
    „Ich habe den Ring bei Bakura gelassen, nachdem ich einen Teil meiner Energie in diesen transferiert hatte“, gab er zu. „Es sollte zu seinem Schutz sein, da er aufgrund seiner Verletzung zu schwach ist, um sich gegen Zenera zu wehren. Gut, er ist in der Menschenwelt, aber das heißt noch lange nicht, dass er da sicherer ist, das haben wir ja bei dir gesehen“, fuhr er nach einer kurzen Pause fort und schwieg nun grübelnd.
    „Kannst du deine Fähigkeiten denn auch ohne den Ring aktivieren?“ erkundigte sich Wendy daraufhin überrascht. Bislang hatte sie geglaubt, dass Baku diesen bräuchte. Diesmal lachte der Geist kurz auf.
    „Der Ring verstärkt nur die Impulse, Wendy“, erklärte er dann ernst. „Er ist mehr wie ein Katalysator. Der Verlust des Wirtskörpers, also Ryou, schwächt mich wohl, wie ich zugeben muss. Dem Pharao ergeht es übrigens ebenso, wenn er von Yu-gi getrennt wird. Die Kehrseite der Medaille, wenn du so willst. Er und ich sind abhängig von unseren Wirten. Dennoch … Zenera muss etwas mit mir gemacht haben, als ich noch bewusstlos war. Ich habe einige Male versucht, meine Magie einzusetzen, aber es funktionierte nicht.“
    „Mentalblocker.“
    „Bitte?!“
    „All ihre Gefangenen bekamen von ihr Mentalblocker, damit Zenera sie besser kontrollieren kann“, konkretisierte Inu Yasha verbittert. „Es hält jeden davon ab, seine natürlichen Fähigkeiten wie Magie einzusetzen, es sei denn, sie gestattet es. Tessaiga zum Beispiel ist nicht magisch in diesem Sinne, sondern wurde im Auftrag meines Vaters speziell für mich angefertigt. Daher kann ich es auch zur Zeit benutzen, wenn es vonnöten sein sollte. Wir waren auch alle noch zu benommen, um uns wirklich gegen das widerliche Zeug wehren zu können. Sie hatte also ziemlich leichtes Spiel mit uns, was mich im Nachhinein mehr als wütend macht.“
    „Das erklärt natürlich einiges“, grollte Baku und blickte weiterhin verärgert auf seine Hände.
    Minutenlang schwiegen die drei, ehe Inu Yasha erneut aufstand und dabei bemerkte, dass sie besser weitergingen.
    „Aber diesmal bitte im gemäßigtem Tempo, falls es nichts ausmacht“, bat Baku schicksalsergeben, während Wendy bereits wieder von dem Hundedämonen auf dessen Rücken gezogen wurde. „Sonst brech ich noch zusammen.“


    Der Wald schien auf unheimliche Weise immer dunkler zu werden, sodass man kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Inu Yasha aber schien genau zu wissen, wohin er seine Schritte lenkte. Nach einiger Zeit entdeckten die drei eine unbestimmte Anzahl an fahlen Lichtern, die durch die Dunkelheit zitterten, was sie natürlich in Alarmbereitschaft versetzte. Direkt beschwörend legte der Halbdämon einen Finger auf den Mund und zog kampfbereit leise sein Schwert. Als nur einen knappen Meter entfernt ein Ast knackte, stieß er die Klinge vor und traf auf Widerstand. Ein leises Gurgeln entstand, als das Schwert eine Person berührte.
    „Wer bist du?“ zischte Inu leise.
    „J … J … Joey“, antwortete jemand stotternd.
    „Joey?“ wiederholte Wendy überrascht. „Es ist in Ordnung, Inu Yasha. Joey ist ein Freund.“
    Misstrauisch zog dieser sein Schwert zurück und ließ das Mädchen von seinem Rücken gleiten, ohne dabei jedoch einen Blick von Wheeler zu nehmen, der Wendy und Baku schief angrinste.
    „Schön, euch wohlbehalten wieder zu sehen. Wir haben uns verdammt große Sorgen um euch gemacht. Wo zum Geier habt ihr gesteckt?“
    Erleichtert nahm er Wendy in die Arme und klopfte anschließend Baku auf die Schulter, der sein Gegenüber nur verwirrt anstarrte. So ein kumpelhaftes Verhalten von Wheelers Seite her kannte er gar nicht. Dieser deutete bereits auf die anderen Lichtkegel. „Wir suchen gerade einen Rastplatz. Kommt mit.“
    Schon von weitem machte Joey durch Rufe und Pfiffe auf sich aufmerksam und gestikulierte wild. „Überraschung! Schaut mal, wen ich gefunden habe!“ lachte er dabei.
    Sämtliche Lichtkegel zuckten in seine Richtung, fokussierten dabei die anderen.
    „Wendy! Baku!“
    Binnen weniger Sekunden hatten alle die vier umringt, redeten durcheinander, lachten erleichtert, umarmten Wendy und begrüßten auch die beiden Jungen freudig, was Baku mit immer größerem Befremden zur Kenntnis nahm. Bereitwillig machte die Gruppe jedoch Platz für Ryoga, als sich dieser durch die Ansammlung drängte, das Mädchen kurz anstarrte wie ein Weltwunder und sie dann vor aller Augen fest an sich zog. Auch Wendy schlang ihre Arme um ihn und krallte sich förmlich an Hibiki fest. Erst in diesem Moment wurde ihr schlagartig bewusst, dass ihr Ryoga am meisten gefehlt hatte. Nach endlosen Minuten drückte der Junge Wendy auf Armeslänge von sich, um sie prüfend zu betrachten. Dabei fiel ihm dann auch das gebrochene Bein auf. Verärgert blickte er prompt auf Baku, der sofort abwehrend die Hände hob und stumm den Kopf schüttelte, anschließend auf Inu Yasha, der ebenso reagierte wie der Geist des Ringes. Schweigend hob Ryoga seine Freundin einfach hoch und trug sie zu ihrem Rastplatz, wo noch zwei weitere Freunde auf die Neuankömmlinge warteten. Weinend vor Freude nahm das Mädchen Sam und Keiko in die Arme. Ein wahres Glücksgefühl durchströmte ihren malträtierten Körper, während sie sich vorsichtig setzte.

    Während sich noch alle einen Platz eng bei den dreien suchten, kramte Sam bereits in seinem Rucksack herum und förderte schließlich eine Flasche mit dem Silberwasser zu Tage. Als die Flüssigkeit Wendys Bein berührte, prickelte es auf ihrer Haut und ihre Knochen knackten seltsam, als sich selbige wieder zusammenfügten.
    „Anata hat nie erwähnt, dass wir mit dem Silberwasser auch Verletzungen heilen können“, sinnierte Atemu stirnrunzelnd. Erneut hatte er Yu-gi übernommen, um den Jüngeren zu schützen und nun schaute er verwirrt auf Sam, der sich darüber überrascht zeigte.
    „Was genau sagte sie euch denn darüber?“ wollte er wissen und verschloss die Flasche bereits wieder.
    „Dass es uns helfen würde, durchzuhalten“, antwortete Baku grollend und mit zornfunkelnden Augen. „Sie ist wohl ebenso eine Giftmischerin wie du einer bist.“
    Sam horchte auf und wandte seine Aufmerksamkeit dem verbitterten Geist zu. „Gerüchten zufolge sollst du dich verändert haben, Baku. Allerdings merke ich davon nicht allzu viel.“
    Baku schnaubte. „Soll ich etwa dankbar dafür sein, dass du mich von Bakura getrennt hast? Du wusstest doch genau, dass dies passieren würde. Also warum hast du das getan?“
    „Ryou hatte Fieber, wie du vielleicht noch weißt. Von seiner Verletzung rede ich lieber nicht. Er brauchte Schlaf.“
    „Meine Magie hätte ihn heilen können. Ich brauchte nur etwas Zeit, um mich selbst zu regenerieren und danach hätte ich die Kraft gehabt, ihm zu helfen. Auch das weißt du“, hielt Baku dem zornig entgegen. „Du bist wissentlich das Risiko eingegangen, dass Zenera ihn doch noch zu sich holen kann, du verdammter Narr.“
    „In der Menschenwelt ist er sicherer, weil …“
    „Warum ist Wendy dann hier, wenn sie in der Menschenwelt doch sicherer aufgehoben ist? Kannst du mir das mal erklären? Deine Behauptung entbehrt jeder Logik, Orakel!“
    Baku zitterte förmlich vor Wut und auch, dass Wendy nach seinen Händen griff, änderte nichts daran.
    „Bitte beruhige dich, Baku.“
    „Ich will mich aber nicht beruhigen“, grollte dieser. „Er hat Ryou einem nicht kalkulierbarem Risiko ausgesetzt und die Konsequenzen einfach ignoriert. Und uns predigt er, wir sollen doch bitte die Konsequenzen unseres Handelns bedenken. Hah, dass ich nicht lache. Vielleicht sollte er mal mit gutem Beispiel voran gehen. Er wusste nämlich genau, was mit Ryou und mir passieren würde, wenn er dem Kleinen ein Schlafmittel verpasst.“
    „Ja, das wusste ich“, gab Sam mit ruhiger Stimme und zu Bakus Überraschung zu. „Ich hoffte darauf, dass du dann Wendy suchen würdest, aus welchen Gründen auch immer. Und genau das hast du ja auch getan, nicht wahr?“
    Sanfter Spott schwang dabei in seiner Stimme, die Baku nur noch wütender machte.
    „Du bist ein solcher Idiot, Orakel“, zischte er. „Ich prallte auf steinigen Boden und war bewusstlos. Als ich wieder wach wurde, war ich bereits in Zeneras Folterkammer. Und das, mein Lieber, war keine Garantie dafür, dass ich Wendy finden würde. Dass sie mich ausgerechnet in ihre Zelle werfen ließ, war wohl eher Glück. Daran schon mal einen Gedanken verschwendet, ja?“
    Baku redete sich förmlich in Fahrt, wurde immer lauter und grollender dabei. Und all das machte ihn blind für logische Argumente. Ihn zu beruhigen, war gar nicht so einfach, zumal ihn alle anderen verwirrt und stirnrunzelnd anblickten.
    „Letzen Endes hat es doch funktioniert, oder?“ Sam blieb gelassen, schaute dem Jungen dabei ruhig in die Augen, der noch immer grollend und in angespannter Haltung vor Sam stand, während Wendys Hände seine Finger nach wie vor umklammerten. Fast beschwörend zog sie den Aufgebrachten neben sich, der sich dadurch ein wenig entspannte.
    „Sei dem Schicksal dankbar dafür, dass Wendy hier ist, Orakel. Sonst wären wir noch lange nicht miteinander fertig.“

    Alle Anwesenden tauschten überraschte Blicke. Bakus Veränderungen wurden allmählich deutlich spürbar und sorgten für Verwirrung, während Inu Yasha die Flasche in Sams Hand voller Neugier beäugte.
    „Sag mal …“, machte er dann auf sich aufmerksam und lenkte das Gespräch damit auch in eine andere Richtung. „Hilft dein merkwürdiges Zauberwasser auch gegen das hier?“
    Zögerlich offenbarte er dabei das schwarze Mal auf seiner Brust, was zu Entsetzen bei den anderen führte.
    „Was ist das denn?“ fragte Ryoga schockiert und schluckte.
    „Die Saat des Bösen“, flüsterte Wendy, öffnete zögernd ihr Hemd und registrierte dabei die alarmierten Blicke ihrer Freunde. Fragend schauten sie und Inu Yasha auf Sam, der ebenso entsetzt war wie die anderen und hilflos die Achseln zuckte.
    „Das weiß ich leider nicht“, ging er zögernd auf die Frage des Halbdämonen ein, der es sich daraufhin im Schneidersitz bequem machte, seine Kleidung weiter auseinanderzog und Sam dann auffordernd zunickte.
    „Versuch’ es.“
    Unschlüssig schaute Sam den Jungen an, nickte aber zögerlich und träufelte etwas von dem Silberwasser auf das schwarze Mal. Inus Reaktion erfolgte praktisch sofort. Erst weiteten sich seine Augen entsetzt, als er das Brennen auf der Haut spürte. In einem Reflex presste sich der Junge die Hände vor den Mund, um seine Schmerzschreie zu dämpfen, ehe er sich auf den Bauch warf und mit den Fäusten auf den Boden einschlug. Erst, als er sich ein wenig beruhigte, drehte Sam den Halbdämonen vorsichtig auf den Rücken, in dessen Augen Panik und Schmerz irrlichterten. Das Wasser hatte Wirkung gezeigt – der schwarze Stern war bereits kleiner geworden, wie Sam überrascht mitteilte. Schweratmend blickte Inu Yasha das Orakel an und bestand darauf, damit weiter zu machen.
    „Na schön, wie du meinst“, bestätigte Sam und nickte den anwesenden Jungs zu. Seto und Yami hielten daraufhin die Beine von Inu Yasha fest, während Ranma und Ryoga die Arme des Jungen auf den Boden nagelten. Sie alle warfen ihm einen fragenden Blick zu, der langsam nickte und die Augen schloss, während sich seine Finger in den Boden krallten. Abermals zischte es, als das Silberwasser auf die Saat des Bösen traf. Der Hundedämon bäumte sich vor Schmerzen regelrecht auf und versuchte, zu schreien, was jedoch durch Ranma und Ryoga erfolgreich verhindert wurde. Als Sam entschied, dass es für den Moment genug sei, schüttelte Inu Yasha den Kopf.
    „Sei kein Narr, Inu Yasha. Du brauchst eine Pause.“
    „Du solltest weitermachen, bis er wirklich weg ist“, widersprach Baku und erntete einen vielsagenden Blick von Joey nebst einem seiner typischen Kommentare.
    „Du machst Witze, Baku. Der Junge ist fertig mit der Welt, das sieht man doch.“
    „Der Gedanke an Schmerzen lässt den Stern wieder wachsen, Wheeler“, entgegnete der Angesprochene ernst, während er sich hinter den Dämonen setzte und dessen Kopf auf seinen Schoß bettete. „Der Gedanke daran, nicht der Schmerz als solcher. Und dieses Ding hat die Angewohnheit, seinem Träger fortlaufend etwas über Schmerzen zu erzählen. Was glaubst du also, wie lange es dauert, bis der Stern wieder genau groß ist wie vorher, hm?“
    Zur allgemeinen Überraschung nickte nun auch Wendy bestätigend, die sich neben Inu Yasha setzte und ihm beruhigend durch seine weiße Haarmähne strich. „Das Wasser löst zwar auf der einen Seite Schmerzen aus, aber es heilt. Bitte, Sam – du musst weitermachen, sonst war alles umsonst.“
    Unschlüssig blickte Sam die drei an, nickte aber schließlich und träufelte erneut etwas von dem Silberwasser auf das Mal. Der Halbdämon war außer sich vor Pein, aber alle konnten auch beobachten, wie der schwarze Stern immer kleiner wurde und schließlich verschwand.
    Diejenigen, die ihn festhielten, warteten noch einige Minuten, ehe sie ihn los ließen. Schweratmend und ausgestreckt blieb Inu Yasha am Boden liegen, starrte apathisch in den dunklen Himmel und atmete in hastigen Zügen. Erst, als Wendy ihn leise ansprach und ihm mitteilte, dass das Mal verschwunden sei, bewegte er sich und blickte zu ihr auf.
    „Wirklich weg?“ fragte er leise und das Mädchen nickte ihm mit einem bestätigenden Lächeln zu. Vorsichtig brachte er sich daraufhin in eine sitzende Stellung und tastete die Stelle ab, ehe er erleichtert ausatmete. Kurz darauf fokussierte sich sein Blick auf Wendy, die verstehend nickte und den Platz mit ihm tauschte. Sie warf Sam einen bittenden Blick zu, der sie nur unglücklich anschaute und erneut schicksalsergeben nickte. Ehe Ranma und Ryoga jedoch ihre Arme auf den Boden drücken konnten, hob Baku ihren Kopf an, setzte sich hinter sie und zwinkerte ihr aufmunternd zu, während Inu Yasha die beiden Jungen mit einem kehligen Knurren wegscheuchte. Ehe die zwei reagieren konnten, hatte sich der Halbdämon bereits auf Wendys Beine gehockt und presste ihre Hände gegen den Boden. Auch Seto und Yami wurden mit einem Knurren weggescheucht. Er machte keinen Hehl daraus, dass er das Mädchen allein festhalten wollte und dass die vier störten. Anschließend suchte er den Blickkontakt zu Wendy, die kurz das Gefühl hatte, in diesen goldenen Augen zu versinken. Sie spürte die Pein, als das Silberwasser ihr Mal traf, bäumte sich auf und hätte fast geschrieen, wenn Baku ihr nicht im letzen Moment den Mund zugehalten hätte. Tränen liefen ihr über die Wangen, sie strampelte mit den Beinen und versuchte, ihre Hände frei zu bekommen – aber Inu Yasha hielt sie gnadenlos fest, blickte ihr weiterhin in die Augen und gab ein amüsiertes Grummeln von sich. „Das wird dir nicht gelingen – ich bin stärker als du“, teilte er ihr dabei mit. „Wolltest du mir nicht beweisen, dass du kämpfen kannst? Nun, du hast jetzt die Gelegenheit dazu. Zeig mir deinen Kampfgeist, kämpfe gegen die Saat des Bösen an. Wir helfen dir dabei.“
    Wut und Schmerz flackerten in ihren Augen, immer wieder bäumte sich ihr Körper auf, ihre Atmung war abgehackt und unregelmäßig. Sie hatte das Gefühl, ihr Leib stünde in Flammen, das Blut rauschte in ihren Ohren, sie stand kurz vor einer Ohnmacht. Irgendwann glaubte sie dann, Bakus beruhigende Worte zu vernehmen und dass Inu Yasha seinen Griff lockerte.
    „Du hast es geschafft, Wendy“, flüsterte der Geist des Ringes ihr zu und massierte ihre Schläfen. „Er ist weg. Hörst du mich? Er ist weg. Atme ruhig und langsam.“
    Unbewusst nickte sie. Das Mädchen hatte zwar die Worte vernommen, aber nicht wirklich die Bedeutung. Sie blieb einfach liegen, schloss die Augen und versuchte, sich zu beruhigen, während Inu Yasha an ihre Seite huschte und ihre Handgelenke massierte.

    Auch sie war dieses Unheil bringende Mal losgeworden!



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 25.04.2008, 18:02


    Chapter 8



    Noch immer vor Schmerz zitternd, setzte sich Wendy einige Minuten später auf und lehnte sich gegen Baku, während Inu Yasha an ihre rechte Seite huschte. Sein Arm schien ihre Schulter dabei wie zufällig zu berühren. Ryoga betrachtete sich diese fremde Situation misstrauisch aus zusammengekniffenen Augen und auch mit wachsender Eifersucht. Diese plötzliche Vertrautheit zwischen Wendy und dem Geist des Ringes gefiel ihm so überhaupt nicht und auch diesen seltsamen Hundedämonen konnte er nicht leiden. Müde blinzelte seine Freundin in seine Richtung. Nur allmählich dämmerte es ihr, dass sie die Saat des Bösen losgeworden war. Wie ein Damoklesschwert hatte dieses Monstrum über ihr gehangen; davon befreit zu sein, erleichterte sie.

    Als Keiko nach einer Weile dann darum bat, dass die drei alles Erlebte schildern sollten, rückten alle neugierig zusammen und warfen dem Trio erwartungsvolle Blicke zu. Schicksalsergeben berichteten sie im Wechsel, was alles passiert war und die Gesichter ihrer Freunde wurden immer fahler, je mehr sie erzählten.
    „Dir so etwas anzutun“, knurrte Ryoga und ballte die Fäuste. „Das wird Zenera bitter bereuen, das schwöre ich dir.“
    „Zeneras Hass scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Früher konnte sie noch Recht von Unrecht unterscheiden, bis sich alles ins Gegenteil verdrehte. Und dass sie sich jetzt auch noch auf dich konzentriert, gefällt mir ehrlich gesagt gar nicht“, brummte auch Sam.
    Wendy beäugte ihren Guardian mit schräggelegtem Kopf. „Ihr konntet mich nicht wecken, sonst wäre ich ja nicht mehr hier. Aber was ist mit Bakura? Wie geht es ihm?“
    Als sie diese Frage stellte, spürte sie sogleich Bakus Finger schmerzhaft in ihren Rippen. Er machte sich offenbar Sorgen um den Jungen.
    „Wie ich vorhin bereits kurz erwähnte – er hat hohes Fieber und auch seine Verletzung ist noch nicht verheilt. Daher gingen wir davon aus, dass ihr beide in der Menschenwelt sicherer seid. Vermutlich ist er zwischenzeitlich wach geworden“, mutmaßte Sam, doch Baku schüttelte den Kopf.
    „Er schläft noch immer“, widersprach er Sams Ausführungen. „Ich würde es merken, wenn er wach wäre.“
    „Dann weißt du auch, wie es um seine Gesundheit steht“, erwiderte sein Gegenüber gelassen und Wut begann in Bakus braunen Augen zu funkeln. „Ich sagte dir vorhin schon mal meine Meinung dazu, Orakel. Also fang nicht wieder damit an.“
    Verwirrt ließ Inu Yasha seine Blicke von einem zum anderen schweifen, während er dem Dialog lauschte und schüttelte schließlich den Kopf. „Das also sind deine Freunde, Wendy? Diese seltsame Mischung?“
    Knurrend beugte sich Tristan daraufhin vor und bedachte den Halbdämonen mit wütenden Blicken. „Wen nennst du hier seltsam?“
    Als Yami versuchte, den Freund zu beschwichtigen, wurde auch dieser gleich von dem Jungen angeknurrt, worauf sich Yamis Augen zu schmalen Schlitzen zusammenzogen.
    „Es ist der Wald“, flüsterte Inu Yasha, der scheinbar ahnte, was Yami fragen wollte. „Er enthält negative Schwingungen, macht wütend und aggressiv. Je schneller wir hier raus sind, umso besser für uns alle.“
    „Wir können aber noch nicht hier raus“, zischte Ranma ungehalten. „Wir müssen Zenera vernichten – und diesmal richtig, damit sie kein weiteres Unheil anrichten kann.“
    „Wie bitte? Bist du übergeschnappt, Ranma?“ Baku starrte den anderen entgeistert an. „Hast du vorhin nicht richtig zugehört? Wir sind ihren Häschern nur knapp entkommen. Wir wären lebensmüde, wenn wir zurückgingen.“
    „Ach, hast du etwa Angst, Baku?“
    Ranma beugte sich bei seinen Worten so weit vor, dass sich ihrer beider Nasenspitzen fast berührten.
    „Die Angst solltest du haben, Ranma, wenn wir Tendo und vor allem deinem alten Herrn in die Arme laufen. Die machen nämlich beide zur Zeit kurzen Prozess mit den Feinden ihrer Herrin.“
    Energisch ging Wendy zwischen die beiden, als sich Ranma knurrend wie ein Tier vorbeugte und der Geist unwillkürlich darauf einging.
    „Ich will trotzdem wissen, was das bedeuten soll“, beharrte Saotome nach wie vor grollend.
    „Genau das, was er gesagt hat, Ranma“, erklärte Wendy seufzend. „Es war Tendo, der mir das Bein brach und Genma …“ Sie blickte kurz in Bakus Richtung, der kaum merklich nickte, ehe sie fortfuhr. „Er hat auf Zeneras Geheiß hin Baku mit de Säure begossen“, schloss sie mit leiser werdender Stimme.
    „So ein Blödsinn“, widersprach Ranma. „Mein Vater ist vielleicht etwas beschränkt, aber so was macht er nicht. Niemals!“
    „Andererseits …“, überlegte Ryoga laut. „… haben wir die beiden in den grünen Säulen gesehen. Es wäre doch möglich, dass …“
    „Nein!“ fuhr Saotome aufgebracht dazwischen. „Und jetzt will ich kein Wort mehr darüber hören. Ist das klar, Ryoga?“
    Bei jedem Wort drückte er dabei seinem Freund den Zeigefinger gegen die Brust. Hibiki schlug die Hand kurz darauf beiseite, in seinen Augen blitzte Zorn.
    „Wach endlich auf, Ranma. So dumm kannst selbst du nicht sein“, blaffte er und tippte seinem Gegenüber auch bei jedem Wort gegen die Brust, während sich Inu Yasha die Szene mit wachsender Verwirrung betrachtete und Wendy vielsagende Blicke zuwarf, die schließlich schicksalsergeben seufzte und zwischen die beiden ging.

    Wie erwartet hörten die beiden sie allerdings nicht. In angespannter Haltung standen sie sich gegenüber, die Hände zu Fäusten geballt und sich gegenseitig anknurrend wie hungrige Wölfe. Um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, fragte sie einfach, ob jemand kaltes Wasser dabei habe, was Joey sofort bestätigte, der schon eifrig in seinem Rucksack herumwühlte und schließlich eine Flasche zu Tage förderte. Er wedelte kurz damit herum, ehe er die Plastikflasche Wendy zuwarf, die selbige geschickt auffing, dann aufstand und sich zwischen die Jungen schob.
    „Aaaalso“, wandte sie sich erneut den Streithähnen zu. „Ich frage euch nur ein einziges Mal. Dreht ihr eure erhitzten Gemüter freiwillig herunter oder muss ich es euch abkühlen?“ Demonstrativ hielt sie den zweien dabei die Flasche unter ihre Nasen. Entgeistert starrten die Jungen erst auf die Flasche, dann auf das Mädchen und schließlich aufeinander, ehe sie sich wie eingeschnappte Kinder in entgegen gesetzte Richtungen setzten. Alle atmeten erleichtert aus, nur Inu Yasha schüttelte verständnislos den Kopf.
    „Seltsame Freunde. Sehr seltsame Freunde.“
    „In einem Punkt hat Ranma allerdings Recht“, kam Seto wieder auf das ursprüngliche Thema zurück. „Wir müssen es endlich zu Ende bringen. Sonst hört das nie auf.“
    „Und wie stellst du dir das vor?“ erkundigte sich Yami. „Wir haben die Armbänder nicht mehr, neue werden wir wohl kaum bekommen und ansonsten sieht es waffenmäßig auch eher mager aus.“
    „Eine Waffenschmiede habe ich auf unserem Weg auch nicht entdecken können“, fügte Wendy nachdenklich hinzu, warf dabei Baku und Inu Yasha fragende Blicke zu.
    „Ich habe zumindest mein Schwert“, ließ der Hundedämon verlauten, während der Geist des Ringes eher schmollte.
    „Dafür funktioniert Magie nicht. Es sei denn, Zenera gestattet es.“
    „Aha – heißt das etwa, dass dein Ring nutzlos ist?“ vergewisserte sich Yami spottend darauf.
    „Ebenso nutzlos wie dein Puzzle, Pharao. Du kannst Yu-gi nicht einmal holen, damit er dich unterstützt. Was für ein Pech für den großen alten Herrscher Ägyptens“, erwiderte Baku dafür gleichermaßen spottend.
    „Yu-gi ist besser dran, wenn er nicht kämpfen muss“, knurrte dieser. „Also halt deine Zunge im Zaum, ehe ich sie dir herausreiße.“
    Auch diese beiden wollten sich offensichtlich unbedingt an die Köpfe kriegen, was aber durch Inu Yashas Einschreiten verhindert wurde.
    „Ihr müsstet euch mal selber zuhören. Ich dachte, ihr seid Freunde?“
    „Bakura ist mein Freund, aber nicht der Geist des Millenniums-Ringes. Der muss sich meine Freundschaft erst noch verdienen.“
    Verständnislosigkeit zeichnete das Gesicht des Halbdämonen, als er diese Worte vernahm. „Ich habe Baku Wendy beschützen sehen, Yami“, erklärte er dann ernst. „Er hing an Ketten und wurde von einem Panda mit Säure begossen. Er wollte aber nicht, dass Wendy um sein Leben flehte. Stattdessen hat er Zeneras Wut immer wieder auf sich gezogen, um von ihr abzulenken. Baku erduldete unerträgliche Schmerzen, um Wendy zu schützen. Und du behauptest, er müsse sich deine Freundschaft erst verdienen? Was muss man denn deiner Meinung nach tun, um deiner Freundschaft würdig zu sein?“
    Überrascht blickten alle auf den Hundejungen, der sein Gegenüber nun forschend ansah und in seiner Erklärung fortfuhr. „Vorhin war kurz die Rede davon, dass sich Baku verändert habe. Ich kenne ihn erst wenige Stunden, aber ich weiß, dass ich ihm mein Leben anvertrauen kann. Er ist bei weitem nicht so böse, wie ihr alle denkt. Denn wenn dem so wäre, warum hat er Wendy dann beschützt? Das steht im völligen Widerspruch. Außerdem hätte Zenera ihn reich belohnt, wenn er sie verraten hätte. Zenera hat nämlich eine Schwäche für ihn, weil er so widerspenstig ist. Was sie und auch ihr aber nicht seht ist, dass er einen guten Kern in sicht trägt, er muss ihn nur erforschen. Aber statt ihm zu helfen, macht ihr ihn nieder. Das ist nicht das, was ich unter Freundschaft verstehe.“
    „Wir reden hier offensichtlich über verschiedene Personen“, wagte Tristan unsicher einen Einwand. „Wir haben oft genug erlebt, zu welchen Bösartigkeiten er fähig ist. Eigentlich ist er ein Geist, der im Millenniums-Ring lebt und unseren Freund Bakura übernimmt, wann immer er darauf Lust hat. Bakura ist dann nur stummer Beobachter und zur Hilflosigkeit verdammt. Und die Tatsache, dass er uns im ersten Kampf half und laut deiner Aussage Wendy beschützt hat, sagt noch gar nichts aus. Er steht in ihrer Lebensschuld. Ehrlich gesagt, würde ich ihm mein Leben nicht anvertrauen, dazu ist er einfach zu böse.“
    „Ja, das Böse ist in ihm, das stimmt, aber ebenso trägt er gute Seiten in sich“, widersprach Inu Yasha. „Sie sind noch schwach, undeutlich, aber existent. Vermutlich haben die guten Seiten eures Freundes auch auf ihn abgefärbt, ohne dass er dies bemerkt hat. Das käme nicht zum ersten Mal vor. Aber lass mich den Begriff böse anders erklären, Tristan. Wie du weißt, leben in jedem von uns eine gute und eine böse Seite, die jeden Tag miteinander kämpfen. Wut und Feindschaft zum Beispiel sind negative Eigenschaften, die von unserer bösen Seite genährt werden.“ Er nickte kurz auf Ranma und Ryoga, ehe er weitersprach. „Die beiden sind dafür ein gutes Beispiel. Sie geben vor, erbitterte Feinde zu sein. Sind sie deswegen böse, weil sie den anderen bekämpfen wollen? Nein – aber ihre Feindseligkeiten sind Nahrung für ihre dunkle Seite. Tatsache ist aber, dass die beiden vielmehr Freunde sind, die einander brauchen. Allerdings geben sie dies nicht zu, nicht wahr? Macht sie das alles nun zu schlechten Menschen?“
    Inu Yasha setzte sich wieder in den Schneidersitz und schwieg, während ihn alle verblüfft anstarrten. Er hatte die beiden Jungen tatsächlich durchschaut.
    „Du hast also alles mitbekommen?“ erkundigte sich Baku, nachdem er seine Überraschung verdaut hatte. Bernsteinfarbene Augen musterten ihn daraufhin mit milder Verwunderung.
    „Natürlich. Ich stand zwar unter Zeneras Kontrolle, aber ich sah und hörte dennoch alles. Und daher weiß ich, dass du nicht wirklich böse bist. Das sagte ich dir vorhin aber schon. Du erinnerst dich?“
    Baku nickte langsam, ohne etwas zu sagen, zu groß war seine Verblüffung.

    Abermals wanderten aller Augen ungläubig von Inu Yasha zu Baku, bis schließlich alle fragend und unsicher auf den Geist des Ringes blickten, der sich dann doch dazu genötigt sah, auf diese Blicke zu reagieren.
    „Ich sagte euch bereits vor ein paar Tagen, dass ich mich verändern will und dass ich dafür aber auch Hilfe benötige“, begann er zögernd. „Bakura vertraute mir, als es darauf ankam, wie ihr wisst. Und Wendy schenkte mir noch viel größeres Vertrauen – sogar nach allem, was passiert war, tat sie das. Sie war bereit, mir eine Chance zu geben. Eine Chance, die ihr mir aber verwehrt. Ich habe euch schon oft vorgeworfen, dass ihr mir Änderungen in meinem Verhalten nicht zubilligen wollt, obgleich ihr euch alle ständig verändert.“ Forschend blickte er kurz in die Runde. „Erinnert ihr euch an die Frage, die ich euch neulich stellte? Was gewinne ich, wenn ich euch helfe, wollte ich wissen.“
    „Vielleicht nichts, aber vielleicht auch alles. Möglicherweise Freunde“, wiederholte Wendy ihre Antwort. „Einen Freund hast du zumindest schon gefunden, Baku“, fügte sie dann aufmunternd zwinkernd hinzu.
    „Irrtum, zwei“, korrigierte Inu Yasha und blickte auffordernd in die Runde, schaute dabei in betretene Gesichter. Sicher, auf der einen Seite hatten sie Baku in ihre Suche mit einbezogen. Aber machte sie dies automatisch zu Freunden?
    „Wer garantiert uns denn, dass du uns nicht nur täuschen willst?“ fragte Ryoga schließlich voller Misstrauen.
    „Glaube mir, ich hatte mehr als genug Gelegenheiten, um Wendy töten zu können. Wahrscheinlich denkt ihr noch alle an die mir auferlegte Lebensschuld. Aber die interessiert mich nicht mehr. Als wir gefoltert wurden und uns sogar nur mit Blicken verständigen konnten, wurde mir klar, dass ich die ganze Zeit über falsch lag.“ Er schwieg für einen Moment, schien mit sich zu ringen. „Anata hatte Recht mit ihrer Vermutung“, gab er dann zu. „Ich war und bin beeindruckt von Wendy. Noch nie zuvor ist mir jemand mit solch einem Mut begegnet. Ich hege schon lange keinen Groll mehr gegen sie. Im Gegenteil – ich mag sie ebenso wie ihr.“

    Und damit war für ihn das Thema beendet.



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 25.04.2008, 18:05


    Chapter 9





    Noch immer herrschte betretenes Schweigen. Keiner konnte sich so recht vorstellen, dass Baku tatsächlich zu etwas Positivem fähig war. Sie alle hatten mehrere Veränderungen in ihrem Verhalten durchlaufen. Aber es stimmte schon – das, was für sie selbstverständlich war wollten oder konnten sie Baku nicht zubilligen. Aus welchen Gründen auch immer. Nach wie vor waren sie voller Misstrauen, was den Geist des Ringes betraf.

    Schließlich stand genau dieser auf und starrte angestrengt in die Richtung, aus der sie vor Stunden gekommen waren.
    „Bist du dir ganz sicher, dass sie die Nacht fürchten oder vielmehr die negativen Auswirkungen des Waldes, Inu Yasha?“
    Als dieser stumm nickte, straffte sich die Gestalt des Jungen. Ohne ein weiteres Wort streckte er seine Hand Wendy entgegen, die sie zu aller Verwirrung auch ergriff und sich von ihm auf die Füße ziehen ließ.
    „Vorhin meintest du, wir seien lebensmüde, wenn wir zurückgingen“, erinnerte Ranma, während auch er aufstand. „Nun scheinst du aber genau dies tun zu wollen. Oder irre ich mich da etwa?“
    „Du irrst dich nicht“, antwortete Baku. „Ich will es nur einfach endlich hinter mich bringen, damit wir nach Hause können. Ich bin das ständige Kämpfen leid. Sowohl den gegen Zenera als auch den gegen euch. Egal, was ich mache, es ist in euren Augen falsch und allmählich mag ich nicht mehr, Ranma. Ich will nur noch nach Hause und mich endlich um Ryou kümmern. Ich gab ihm mein Wort, dass ich ihm helfen würde. Er soll nicht länger leiden, als notwendig ist. Und ehrlich gesagt, ist es mir völlig egal, ob ihr mir glaubt oder nicht. Spielt ja scheinbar eh keine große Rolle.“
    Schulterzuckend wandte er sich von der Gruppe ab, die grummelnd auf die Füße kam. Joeys schwachen Hinweis, dass alle müde seien, ignorierte er dabei geflissentlich, während Wendy ihnen einen auffordernden Blick zuwarf.
    „Was ist? Braucht ihr eine Extra-Einladung?“ erkundigte sie sich mit honigsüßer Stimme und ging Baku bereits hinterher, ebenso Inu Yasha.
    Schmollend und seufzten klaubten nun die Übrigen ihre Rucksäcke vom Boden auf, überprüften kurz ihre Taschenlampen und trotteten schicksalsergeben den dreien hinterher.

    Der Hundedämon gab dabei das Tempo vor. Leichtfüßig, wie es seine Art war, lief er zielsicher durch den Wald, dabei alles beobachtend und bremste erst, als Wendy ihn beim Namen rief und darauf hinwies, dass die Gruppe überwiegend aus Sprintern bestand, bis auf zwei Ausnahmen. Ranma und Ryoga bildeten nach wie vor die Flanken und schienen kein bisschen außer Atem zu sein, während sich Wendy bereits vor Seitenstechen vorbeugte und keuchte. Inu Yasha wartete ungeduldig, bis der Rest der Gruppe japsend zu ihnen aufholte.
    „Mann, geht’s auch etwas gemäßigter?“ keuchte Joey, während er sich eine Hand gegen die Rippen presste und nach Atem rang. Baku, Wendy und der Halbdämon wechselten einen kurzen Blick und grinsten einander an. Die Freunde zu scheuchen bereitete ihnen irgendwie Vergnügen.
    „Wir sind nicht bei einem romantischen Nachtspaziergang“, spöttelte Baku. „Also täusch’ keine Müdigkeit vor, Wheeler.“
    „Brauch’ ich gar nicht. Ich bin müde, verdammt.“
    Schulterzuckend und ohne ein weiteres Wort von sich zu geben ging Baku weiter. Eine gewisse Gleichgültigkeit machte sich bei den dreien breit. Vielleicht lag es daran, dass sie in den vergangenen Stunden mehr erlebt hatten als der Rest des Teams und ein Teil in ihnen abgestumpft war. Während sie weitergingen, ließ sich Ryoga ein wenig zurückfallen, bis Sam zu ihm aufgeholt hatte.
    „Diese Vertrautheit zwischen ihnen stört mich gewaltig“, raunte er ihm zu.
    „Sie bilden ein Dreiergestirn, ohne es zu merken. Das basiert vermutlich auf dem gemeinsam Erlebten. Kein Grund zur Sorge, Ryoga.“
    „Sie halten sich auch gegenseitig den Rücken frei“, fügte Ranma unverhofft seine Beobachtung hinzu.“ Auch er hatte sein Tempo gedrosselt, um sich mit seinen Freunden unterhalten zu können. „Sie benehmen sich wie ein Wolfsrudel.“
    „Ja“, knirschte Hibiki. „Und dieser Inu Yasha ist der Leitwolf.“
    „Eifersüchtig, Ryoga?“
    Setos Stimme klang ein wenig sarkastisch, gleichermaßen kumpelhaft. Unbemerkt hatte er zu den dreien aufgeholt und grinste nun flüchtig.
    „Blödsinn“, widersprach der Angesprochene. „Mir passt nur einfach dieses Verhalten nicht. Ich vertraue Baku einfach nicht und dieser Hundejunge …“
    Wütend schüttelte er den Kopf und beschleunigte sein Tempo wieder, um das Dreiergestirn nicht aus den Augen zu verlieren.

    Als Baku mit der Hand wedelte, sich gegen den nächsten Baum duckte und Wendy mit herunterzog, verstanden die anderen. Offensichtlich hatte er etwas gehört. Inu Yasha schnupperte argwöhnisch und nickte schließlich.
    „Ein Tier, würde ich sagen. Schwere und gemäßigte Schritte, wie ein …“
    „Panda“, vervollständigte Wendy seufzend, während Baku das Gesicht verzog. Eben so wie das Mädchen hatte er das vermeintliche Tier entdeckt. „Genma hat wohl noch Hunger, sonst wäre er nicht mehr draußen. Er erweckt nämlich nicht den Anschein, als würde er nach uns suchen“, bemerkte er.
    „Oder er hat sich verlaufen“, fügte Ranma unglücklich dazu, der sich lautlos zu ihnen gesellt hatte und kurz auf das schwere Geschöpf blickte, das in der Nähe an ihnen vorbeiging.
    „Was auch immer zutrifft – wir werden ihn ausschalten müssen“, erklärte der Hundejunge und wurde von Ranma angeblafft.
    „Du erwartest doch wohl nicht, dass ich meinen eigenen Vater töte?“
    „Zuhören ist wohl nicht deine Stärke, oder?“ erwiderte Inu Yasha, während er Saotomes Hand von seinem Arm streifte. „Mit ausschalten meinte ich betäuben, ihn außer Gefecht setzen, damit er uns nicht mehr in die Quere kommt. Von töten habe ich nichts gesagt.“
    „Betäuben – natürlich“, flüsterte Wendy und hielt bereits nach ihrem Freund Ausschau, der gerade zu ihnen kam und dem Panda aus dem Versteck heraus einen missmutigen Blick zuwarf.
    „Funktionieren deine Betäubungstricks auch bei Tieren?“
    „Schon möglich, Wendy. Ausprobiert habe ich es allerdings bislang noch nicht.“ Er deutete dabei fragend auf Genma, der sich zwischenzeitlich hingesetzt hatte und nun genüsslich Blätter knabberte.
    „Dann hast du jetzt erstmalig die Gelegenheit dazu“, zischte Ranma und schob den Freund bereits Richtung des Panda, der mit glasigen Augen aufsah, als er ein Geräusch vernahm. Noch ehe er richtig begriff, was geschah, zuckte Hibikis Hand bereits hoch und berührte eine bestimmte Stelle an der Schulter des Tieres, das daraufhin einfach umkippte und reglos liegenblieb.

    Eher misstrauisch erhoben sich alle, machten aber beim Vorbeigehen einen sicheren Bogen um das riesige Geschöpf, das eigentlich Ranmas Vater war. Dieser blieb kurz bei dem Bewusstlosen stehen, blickte traurig auf ihn herab und leistete gedanklich Abbitte, ehe er zu seinen Freunden wieder aufschloss. Aufmerksam schlichen alle weiter, bis der Hundedämon schließlich stehenblieb und wortlos nach vorn deutete. Die Festung der dunklen Göttin erhob sich anklagend gegen den finsteren Himmel. Einst mochte sie imposant gewesen sein, aber nun war sie mehr eine Ruine, die in der Dunkelheit wie ein geducktes Tier wirkte, das jederzeit angreifen würde. Nachdenklich schaute sich Baku um und kratzte sich am Hinterkopf.
    „Der Innenhof ist mir vorhin gar nicht aufgefallen“, bemerkte er dann unsicher.
    „Vorhin war ja auch noch keiner da“, flüsterte Inu Yasha augenzwinkernd. „Da Zenera die Einzige ist, die ihre Magie völlig einsetzen kann, wird sie das Aussehen nach unserer Flucht wohl verändert haben. Zumindest das Äußere, um uns zu verwirren, das Innere wird aber wohl noch genau so aussehen wie vorhin. Vermute ich zumindest.“
    „Na schön, dann testen wir doch mal, wie gut unsere Erinnerungen an das Innere sind“, knirschte Baku und huschte bereits schattengleich zu den Toren. Aufmerksam betrachteten sie ihre Umgebung, lauschten auch auf das noch so kleinste Geräusch, das nicht hierher passen wollte. Überrascht stellten sie kurz darauf fest, dass die Tore offen waren – natürlich: eine Falle, was auch sonst. Da waren sich die Freunde sicher und ließen noch mehr Vorsicht und Aufmerksamkeit walten. Auch Sam blickte sich um, grinste kurz grimmig und betrat als erster den Raum, während die anderen in angespannter Haltung folgten.

    Die dunklen Gänge hatten etwas widerlich Vertrautes an sich. Wie der Hundedämon und Wendy war auch Baku kurz stehen geblieben, um sich zu orientieren und lief dann zielstrebig nach rechts. Verwirrt blickte das Mädchen ihm nach, drehte sich dann zu dem anderen um.
    „Warum will er zur Folterkammer?“ fragte sie leise und war noch verwirrter, als Inu Yasha kurz grinste und dem weißhaarigen Jungen bereits hinterher lief. Wendy benötigte noch einige Sekunden, ehe sich ihre Miene aufhellte und sie den beiden nacheilte. Als sie Minuten später den Raum betrat, kroch Ekel in ihr empor. Zu frisch waren die Erinnerungen der letzten Stunden. Noch immer gellten Bakus Schmerzschreie in ihr nach. Die unglaubliche Pein schien in diesem Raum eingeschlossen zu sein, allgegenwärtig, düster und bedrohlich. Während sich Wendy noch schüttelte, sammelte Baku bereits alles zusammen, was auch nur annähernd nach Gefäß aussah. Zusammen mit Inu Yasha schöpfte er dann kurz darauf mit derselben Kelle die Flüssigkeit in die Gefäße, mit welcher er selbst noch vor einigen Stunden begossen worden war. Als ihm das bewusst wurde, ließ Baku sie angewidert fallen, starrte entsetzt darauf und begann zu zittern. Der Halbdämon hob sie schweigend auf und machte weiter, warf Wendy dabei einen auffordernden Blick zu, die ihrem Freund ihre Hände auf die Schulter legte und ihn beruhigend anblickte. Er lächelte gequält – für einen Moment funkelte Angst in seinen Augen, dann siegte die Wut. Yami beobachtete ebenso wie die anderen das Tun der drei, ehe er seiner Neugierde nachgab.
    „Was macht ihr da eigentlich?“
    „Das ist die Säure, von der wir vorhin erzählt haben“, erklärte der Geist des Ringes lakonisch; seine Stimme klang dabei noch kratziger als gewöhnlich. „Wenn es bei uns wirkt, dann auch bei denen. Die perfekte Waffe.“
    „Verstehe.“
    Der Pharao nahm schweigend seinen Rucksack ab und kramte bereits darin herum, wurde fündig und trat an die drei heran. Wortlos nahm er dem Halbdämonen die Kelle aus der Hand und füllte eine leere Flasche, darauf bedacht, sich von der Flüssigkeit nichts auf die Haut zu träufeln. Auch in den Rest der Freunde kam nun Bewegung. Ein jeder suchte nach leeren Flaschen oder Dosen und hielten diese dann Yami entgegen, der sie alle füllte. Effektive Waffen waren nach wie vor Mangelware – aber diese Säure würde ihnen einen Vorteil verschaffen, dessen waren sie sich sicher.

    Währendessen wanderte Bakus Blick an den Ketten entlang, an denen er vor wenigen Stunden noch gehangen hatte. Unkontrolliert öffneten und schlossen sich seine Hände, seine Wangenmuskeln mahlten, seine Augen waren zu schmalen Schlitzen zusammengezogen. Inu Yasha beäugte den Jungen mit schräggelegtem Kopf, trat dann neben ihn, zog sein Schwert und ließ es auf die Ketten sausen, die klirrend auf dem Boden aufschlugen. Danach hob er sie auf und drückte sie Baku mit einem Nicken in die Hand. Ihre Blicke trafen sich im stummen Verstehen. Anschließend ging der Halbdämon auf die andere Seite des Raumes, ließ die Klinge erneut gegen Ketten klirren und drückte diese dann Wendy in die Hände. Für einen winzigen Moment zwinkerte er ihr verstehend zu, während sich die Finger des Mädchens um die metallenen Kettenglieder schlossen und sich ihre Züge verhärteten. Sie würde diese Kette als Waffe einsetzen, sie Zenera durch ihr Gesicht ziehen …



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 04.05.2008, 17:08


    Chapter 10



    Nachdem alle zur Verfügung stehenden Gefäße und Flaschen mit der Säure gefüllt waren, verließ die Gruppe die Folterkammer und folgten schicksalsergeben Inu Yasha, der wie üblich die Führung übernommen hatte.

    „Weiß einer von euch, was es mit den Ketten auf sich hat?“ erkundigte sich Tristan leise, während sie den Freunden nachgingen.
    „Kompensation“, erklärte Seto lakonisch, schaute kurz verwirrt in die Runde, als die anderen ihn fragend anblickten und fuhr seufzend fort.
    „Ich vermute, Baku hing genau an diesen Ketten, wenn man die Position des Säure-Bottiches in Betracht zieht. Wendy war ihm gegenüber gefesselt, da sie einander sehen sollten.“
    „Sie verbinden diese Ketten mit den erlittenen Schmerzen“, spann Yami den Faden weiter. „Der einzige Weg, sich von der erlebten Pein zu befreien, liegt darin, diese Ketten als Waffe einzusetzen.“
    „Genau so ist es“, bestätigte Sam, der sorgenvoll nach vorne blickte. „Sicher, sie haben es uns erzählt, aber keiner von uns kann auch nur im Geringsten nachvollziehen, was sie wirklich dabei gefühlt haben. Das ist auch der Grund, warum die drei stets so nah beieinander sind. Sie wollen damit verhindern, dass einer von ihnen derartiges noch mal durchleiden muss.“
    „Aber der Hundejunge war kein Opfer, sondern Peiniger“, widersprach Joey.
    „Irrtum, mein Junge“, schaltete sich Keiko nun ein, die eine lange Zeit über geschwiegen hatte. „Er war sehr wohl Opfer – Zeneras Opfer, um genau zu sein. Er konnte sich ihr nicht widersetzen, obwohl er ein Halbdämon ist. Und auch er versucht, das Erlittene zu verarbeiten.“


    Wendys verärgert klingende Stimme brach ihre Überlegungen jäh ab. Sie beeilten sich, zu den dreien aufzuholen und schauten ihre Gefährten fragend an, während Inu Yasha bereits in Richtung einer gut getarnten Tür deutete, dabei erklärend, dass sich dort Zeneras private Gemächer befanden. Inklusive eines großen Käfigs, in welchen sie ihre Opfer festgehalten hatte, um einen nach dem anderen zu brechen. Und wohl auch sehr private Gemächer obendrein. Keiner schien zunächst zu verstehen, was der Halbdämon damit meinte, bis Yami ein Licht aufging und ein leises „Oh“, über seine Lippen kam. Auch Joey schien die Bedeutung allmählich zu begreifen und verzog das Gesicht.
    „Du und …? Bäh, hättest du deine Zeit nicht besser vergeuden können?“
    Inu Yasha ruckte herum, packte Wheeler am Shirtkragen und knurrte.
    „Wenn du glaubst, dass ich dabei auch nur einen Funken Spaß hatte, bist du im Irrtum. Es machte ihr Spaß, uns auf diese Weise zu demütigen, weil sie genau wusste, dass wir es nicht freiwillig taten. Noch immer überkommt mich Ekel, wenn ich auch nur daran denke. Aber wenn du mal unter mentaler Kontrolle stehen solltest, werde ich dich gerne an jede Einzelheit deines Tuns erinnern. Also halt die Klappe, verstanden?“ fauchte er aufgebracht.
    „Niemand wollte dich damit in Verlegenheit bringen“, erklang Setos Stimme hinter ihm, erstaunlich einfühlsam und beschwichtigend. „Wheeler plappert immer erst, bevor er sein Gehirn einsetzt, musst du wissen.“
    Kaiba, der nie etwas von Teamwork gehalten hatte, verstand die anderen auf einmal auf eine nie gekannte Weise. Mit einem Mal begriff er, dass genau dieses eigenartig anmutende Teamwork ihre wirkliche Stärke war. Der feste Zusammenhalt, das Wissen, dass der andere jederzeit für einen da war und für die Freunde in die Bresche springen würde. Ausgerechnet er nahm Joey für einen Herzschlag in Schutz; etwas, was er sonst niemals tun würde. Und wenn er nun die Ereignisse der letzten Tage Revue passieren ließ, musste er eingestehen, dass sie alle einander nicht im Stich gelassen hatten. Jeder schien in diese seltsame Anhäufung einer Chaotengruppe integriert zu werden – inclusive ihm und Mokuba. Seto lächelte still in sich hinein – ja, das war der eigentliche Grund, warum Zenera sie nicht vernichten konnte. Egal, was sie tat, sie schien stets zu scheitern, denn das Band ihrer Freundschaft war mittlerweile von einer Stabilität, wie sie niemand je hätte voraussehen können. Der Hüne glaubte sogar für einen winzigen Moment es zu sehen, wie es auch Baku und Inu Yasha umschlängelte und sie so zu einem Teil des Ganzen machten. Direkt fasziniert beobachtete er dieses Band, ehe er zu Wheeler schaute.
    „Lass jetzt gut sein, Joey. Spar dir deine Energie lieber für Zenera auf.“
    Der Angesprochene nickte stumm und registrierte erst Sekunden später verwundert, dass Kaiba ihn gerade zum ersten Male, seit sie sich kannten, beim Vornamen genannt hatte.

    Zögernd wurde die besagte Tür geöffnet – ein rascher absichernde Blick, dann flitzten alle schattengleich durch den Spalt, gelangten in den dahinter liegenden Raum, in welchem sie von violetten Licht empfangen wurde. Ein Anblick, der bei Inu Yasha ein merkwürdig anmutendes kehliges Knurren auslöste, ehe er schnuppernd den Kopf hob und erklärte, dass er die Präsenz ihrer Gegnerin überdeutlich spüren könne. Als sie jedoch weitergingen, erklang eine laute Stimme, die sie innehalten ließ. Eine junge Frau mit langen schwarzen Haaren und einem übergroßen Bumerang in den Händen trat ihnen entgegen, die Augen voller Hass. Der Halbdämon blickte eher traurig auf sie, ehe er sie ansprach.
    „Hallo, Sango. Bist du etwa unser Begrüßungskomitee?“
    Ihre Antwort bestand in einem lauten Kampfschrei, mit dem sie sich auf den Jungen mit den Hundeohren stürzte. Dieser wich ihr jedoch geschickt aus und ließ seinen Ellenbogen auf ihren Rücken krachen.
    „Passt auf ihren Bumerang auf, das Ding ist gefährlich!“ rief er den anderen alarmiert zu, als Sangos Waffe durch die Luft sirrte.
    „Was du nicht sagst“, keuchte Baku, der sich im letzten Moment entsetzt duckte, ehe das Teil ihn treffen konnte, während Joey ohne zu Überlegen, das Teil aus der Luft griff und triumphierend hoch hielt. Die roten Rinnsale, die dabei an seinen Armen entlangliefen, ignorierte er geflissentlich. Stolz grinsend schaute er in die Runde, das aber augenblicklich verblasste, als er Sangos hasserfüllten Blick bemerkte, die nun um ihre wichtigste Waffe beraubt war und notgedrungen ihren Körper einsetzen musste. Blitzschnell waren ihre Attacken; immer wieder zielte sie dabei auf Inu Yasha, der ihr nach wie vor geschickt auswich und zu knurren anfing. Er wollte seine Freundin nicht verletzen, aber allmählich ging sie doch zu weit. Denn im Gegensatz zu ihm hatte sie keinerlei Hemmungen, ihn anzugreifen und sogar dabei schmerzhafte Treffer zu verbuchen. Als sie erneut auf ihn losging, griff er nach ihrem Arm, gab ihr einen Stoß und ließ sie dadurch zu Boden stolpern. Vor Wut fauchend ließ er seine flache Handkante gegen ihren Hals krachen. Sango starrte ihn für einen Moment direkt überrascht an, ehe sie zusammensackte und liegen blieb. Wortlos offerierte Baku dem Halbdämonen eine seiner Ketten, mit welcher die junge Frau gefesselt wurde.
    „Es widert mich an, gegen meine Freunde kämpfen zu müssen“, murmelte Inu Yasha in einer Mischung aus Wut und Verzweiflung. „Wie dem auch sei – weiter.“

    Die Freunde nickten einander grimmig zu. Tristan öffnete die nächste Tür und machte als erstes Bekanntschaft mit einem Fuß, der ihn genau in der Magenmitte traf. Nach Atem ringend taumelte er zurück und blickte überrascht auf die Frau, die im Türrahmen stand und ihn aus vor Wut lodernden Augen anstarrte. Ryoga identifizierte sie als Ran, Conans Freundin. Er erinnerte sich, ein Photo von ihr gesehen zu haben, grinste Ranma an und schubste ihn in die Richtung des Mädchens mit der spöttischen Bemerkung auf den Lippen, dass dies ja von der Namensgebung her perfekt passen würde. Ehe Saotome jedoch gebührend darauf reagieren konnte, traf ihn bereits Rans Faust mitten im Gesicht. Sekundenlang war Ranma viel zu verdattert über die Attacke, noch zudem von einem Mädchen, sodass er zunächst erst mal Schläge einsteckte, ehe er aus seiner Lethargie erwachte und zum Gegenangriff überging. Ryoga warf ihm Sekunden später eine Flasche zu, die sie zuvor mit der Säure gefüllt hatten. Geschickt fing Saotome sie auf, wich einer erneuten Attacke aus und schraubte dabei die Flasche auf. Direkt diabolisch grinsend schüttete er anschließend einen Teil davon auf Rans Bein, das sich ihm mit gefährlichem Schwung näherte. Die junge Frau schrie gepeinigt auf und krachte zu Boden. Aber ihr Kampfgeist war dadurch noch lange nicht erloschen. Trotz der Schmerzen sprang sie wieder auf und wollte sich erneut auf Ranma stürzen, der ihr widerstrebend erneut Säure auf ihre Haut schüttete. Vor unsäglichen Schmerz brüllend, stolperte Ran erneut zu Boden und diesmal machte der Junge dem Ganzen mit einem zielsicheren Schlag ein Ende. Während Saotome noch unglücklich auf das Mädchen blickte, bahnte sich Sam bereits seinen Weg zu ihnen und begoss den schwarzen Stern mit etwas Silberwasser, wie er es zuvor auch schon bei Sango getan hatte.
    „Das verzeiht mir Conan nie“, flüsterte der Junge traurig, während er Sam beobachtete.
    „Der Zweck heiligt die Mittel, Ranma. Er wird es verstehen.“
    „Warum greifen sie einzeln an? Die beiden Mädchen haben sich je nur auf einen von uns konzentriert. Was soll das?“ überlegte Keiko halblaut und schaute sich dabei fragend um.
    „Vielleicht will uns Zenera damit auch verhöhnen oder für dumm verkaufen“, spekulierte Seto abfällig schnaubend.

    „Euch zu verhöhnen ist wahrlich keine Kunst, Seto Kaiba“, erklang in diesem Moment eine vertraute Stimme aus dem Raum. Wie ein Mann ruckten alle herum, ihre Augen vor Schrecken geweitet. Ein Junge mit wild wachsenden weißblonden Haaren und von noch mehr Hass beseeltem Gesicht trat ins Licht. Der Millenniums-Stab in seiner Hand zielte dabei direkt auf Setos Brust …



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 04.05.2008, 17:11


    Chapter 11



    „Marik!“ erklang es vielstimmig und ein hämisches Grinsen huschte über das Gesicht des Jungen.
    „So sieht man sich wieder. Habt ihr mich etwa vermisst?“
    „Eigentlich haben wir uns eher gefragt, wann du uns denn die Ehre geben würdest“, erwiderte Yami mit ruhiger Stimme und trat vor, sein Gegenüber dabei abschätzend musternd.
    „Nun bin ich ja da“, erwiderte Mariks bösartiges Ego, deutete eine kurze verspottende Verbeugung an und richtete seinen Blick dann nach links, um Baku in Augenschein zu nehmen. Für einen Moment schien er überrascht über dessen Anwesenheit zu sein, ehe er erneut grinste.
    „Schau an, schau an, wen wir da haben. Der Geist des Ringes gibt sich persönlich die Ehre“, höhnte er. „Du bist ziemlich gesunken, wenn du dich mit denen abgibst“, bemerkte er, Bakus Kinn mit dem goldenen Stab dabei anhebend.
    „Wenn hier jemand tief gesunken ist, dann ja wohl eher du. Seit wann mimst du das dressierte Hündchen?“
    Bakus Stimme war dabei nicht von weniger Spott durchzogen als die Mariks, der sich demonstrativ vor ihm aufbaute und ihn mit schräggelegtem Kopf anblinzelte.
    „Ts, ich frage mich wirklich, was sie bloß an dir findet. Du bist doch gar nicht ihr Typ.“
    Baku setzte bereits zu einer Antwort an, als eine andere Stimme durch den Raum keifte.
    „Du sollst keine Höflichkeitsfloskeln austauschen, Marik. Bring sie her, auf der Stelle!“
    Für einen kaum wahrnehmbaren Moment zuckte das böse Ego des Grabwächters zusammen, neigte dann ergeben sein Haupt und vollführte eine einladende Handbewegung. Voller Unbehagen betraten die Freunde den Raum, aus dem sie Zeneras Stimme vernommen hatten, wohlwissend, dass Marik ihnen den Rückweg versperrte.

    Gleich einer Unheilsgöttin stand Zenera vor ihnen, die roten Augen noch hasserfüllter als bei ihrem ersten Aufeinandertreffen. Kratzer zierten ihr Gesicht – ein kleines Andenken an Ranma, als er sie in seiner Katzennatur angegriffen hatte. Mit direkt eleganten Schritten kam sie auf die Gruppe zu, ging wie eine Herrscherin an ihnen vorbei und blieb schließlich vor dem Halbdämonen stehen.
    „Du enttäuschst mich, mein Lieber“, ließ sie ihn wissen. „Du hättest alles von mir bekommen können. Ich wollte dich zu einem vollwertigen Dämonen machen – das wünschst du dir doch, nicht wahr? Aber du wechselst einfach die Seiten, du dummes Hündchen.“
    Sie hob kurz die Hand, als wollte sie über seine Haare streichen, aber Inu Yasha bog angeekelt den Kopf zurück und knurrte drohend.
    „Du widerst mich an, also fass mich ja nicht an.“
    „So, so. Ich widere dich also an“, wiederholte sie spöttisch, drehte sich halb um und grinste boshaft. „Mach Platz.“
    Wie magnetisch angezogen, krachte der Junge im nächsten Augenblick zu Boden und schlug mit den Fäusten auf selbigen ein, während Wendy ihr nur einen strafenden Blick zuwarf, vor Inu Yasha in die Hocke ging und ihm hilfreich eine Hand entgegenstreckte.
    „Ich gab dir nicht die Erlaubnis, ihm zu helfen.“
    Wendy wandte sich kurz um, gleichgültig blickend. „Ich brauche deine Erlaubnis auch nicht, ich bin nämlich keiner deiner Sklaven“, bemerkte sie mit leisem Spott, den Freund dabei auf die Füße ziehend. Der Halbdämon schwankte kurz, suchte sein Gleichgewicht, während Zenera ihn und die anderen auf ihre typische abwertende Art und Weise verspottete. Obwohl in jedem die Wut aufwallte, beherrschten sie sich, daher änderte sie ihre Taktik und wandte sich nunmehr dem ehemaligen Orakel zu.
    „Ts, ts, böser Sam. Du hast nicht einmal deine Tochter gut im Griff“, tadelte sie ihn mit erhobenem Zeigefinger, worauf sich ein mildes Lächeln auf seinen Zügen ausbreitete und sich die Freunde fragend, stirnrunzelnd einander ansahen.
    „Sie ist nicht meine Tochter, du weißt, dass dies unmöglich ist“, antwortete Sam mit geradezu sanfter Stimme.
    „Bist du dir dessen sicher?“ fragte sie harmlos mit schräggelegtem Kopf und blinzelnd. „So oft, wie du in der Menschenwelt warst …“
    Zenera beendete den Satz absichtlich nicht, ließ die Wirkung lieber offen im Raum hängen und genoss es dabei sichtlich, Zweifel in dem Mann zu säen. Aber Sam lächelte nur, ließ sich nicht provozieren, während Wendy ihn nachdenklich musterte.
    „Lass sie es doch glauben, wenn sie will“, meinte das Mädchen dann. „Wäre es möglich, könnte ich mir keinen besseren Vater vorstellen und wäre stolz darauf, deine Tochter zu sein“, fügte sie noch hinzu und bedachte Zenera ebenfalls mit einem milden Lächeln.

    Sam konnte nicht anders, er musste schmunzeln, was in der gegenwärtigen Situation absurd erschien. Für einen Moment wallte Stolz in ihm empor, ehe er wieder ernst wurde und sich erneut Zenera zuwandte.
    „Du müsstest dich mal selber hören, Sarah. Hat der Hass dich dermaßen verblendet, dass du Wahrheit und Lüge nicht mehr auseinander halten kannst? Was du hier veranstaltest, ist reiner Selbstbetrug. Du versteckst dich feige hinter Animes. Du hasst sie, du quälst sie aus reinem Sadismus.“
    „Dann hindere mich doch daran, wenn du kannst. Ooooh, ich vergaß – du bist ja nicht mehr das mächtige Orakel, nur noch ein einfacher Mensch. Vielleicht sogar weniger als das. Ein Mischling bist du, der zu keiner Seite wirklich gehört“, entgegnete sie mit honigsüßem Lächeln und triefenden Spott in der Stimme. Sam ballte die Fäuste, enthielt sich aber einer giftigen Antwort. Zenera statt dessen setzte sich wieder in Bewegung, um dann nachdenklich vor Baku stehen zu bleiben.
    „Und auch du entwickelst dich langsam zu einer Enttäuschung“, ließ sie ihn wissen. „Der widerspenstige und hasserfüllte Geist des Ringes frisst der kleinen Wendy ja mittlerweile direkt aus der Hand. Hat sie es also tatsächlich geschafft, dich von deinem Weg abzubringen? Wie dumm du doch bist, dass du auf ein Menschenmädchen hörst.“
    Aber auch bei ihm kam sie nicht weit. Ein freches Grinsen huschte über seine abgespannten Züge, als er ihr antwortete.
    „Sie hat nur die Richtung ein wenig korrigiert. Und dieser neue Weg fängt allmählich an, mir zu gefallen, also spar dir den Atem. Ich halte zu meinen Freunden.“
    Seine Worte empfand Zenera als bodenlose Frechheit, das war ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. Als ihre Hand hochruckte, um ihn zu ohrfeigen, hob er nur angriffslustig seine Kette.
    „Nur zu“, flüsterte er. „Es wird mir ein besonderes Vergnügen sein, dir das hier durch deine Fratze zu ziehen.“
    Tief in ihm brodelte es, er kochte vor Zorn. Alles in ihm drängte danach, sich auf ihre Gegnerin zu stürzen und sie fertig zu machen. Sich zu beherrschen fiel ihm unsagbar schwer, aber er schaffte es. Auch, als sie schallend zu lachen begann und amüsiert auf die Ketten deutete, an denen noch immer die Handschellen baumelten.
    „Damit? Mach’ dich nicht lächerlich – das schaffst du eh nicht“, zischte sie, ignorierte Bakus tiefes Grollen und baute sich erneut wie eine Herrscherin vor der Gruppe auf.
    „Ihr dürftet euch mittlerweile genug warmgelaufen haben“, begann sie mit einem falschen Lächeln auf den Lippen. „Wenn ihr mich besiegen wollt, müsst ihr erst einmal an meinen treuen Sklaven vorbei. Danach dürft ihr gerne versuchen, mich zu verprügeln – vorausgesetzt, ihr lebt dann noch.“
    Kichernd wie eine Verrückte klatschte sie in die Hände, worauf ihre unfreiwilligen Getreuen zum Leben erwachten. Uneilverkündend funkelten die Augen, die Bewegungen waren ein wenig puppenhaft, der Teufel selbst schien sie zu steuern, als sie sich auf die Wartenden zubewegten. Eine seltsame Ruhe machte sich in den Freunden breit, gleich der Ruhe vor dem Sturm. Für einen ewig erscheinenden Moment wechselten sie alle einen letzten Blick, nickten einander zu und machten sich ebenfalls kampfbereit, jeder auf seine persönliche Art und Weise.

    Mit einem lauten Aufschrei begann Baku damit, die Kette wie ein Lasso zu schwingen. Er drehte sich dabei um seine eigene Achse und grinste dann Marik an, der nach wie vor der Gruppe den sicheren Rückweg versperrte und sein Gegenüber nun ein wenig verdutzt ansah. Offensichtlich hatte er nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet Baku die Jagd auf ihn eröffnen würde. Als das bösartige Ego des Grabwächters die Kette heransausen sah, grinste er nur boshaft und hob gebieterisch seinen Millenniums-Stab, der ihm jedoch den Dienst verweigerte, wie er entsetzt feststellen musste. Während er sich noch fragte, warum alle Kraft aus dem Teil entwichen war, schlängelte sich bereits die Kette um den Stab. Ein fester Ruck – und der goldene Gegenstand flog mitsamt der Kette durch die Luft und fiel klirrend zu Boden.
    „Armer kleiner Marik. Nicht einmal sein Stab nutzt ihm momentan etwas. Dabei benutzt er ihn doch so gerne“, erklang Bakus Stimme höhnend in seiner Nähe. „Wie schmeckt dir das, all deiner Macht beraubt zu sein, Marik? Jetzt können wir zumindest mal austesten, wie stark du wirklich bist.“ Bakus Mimik wirkte geradezu diabolisch, er wippte leicht auf den Füßen. Er hatte lange genug eingesteckt und Spott ertragen. Es war an der Zeit, dies alles doppelt und dreifach zurück zu zahlen.
    Marik grinste nur breit. „Auch ohne diese Magie bin ich noch stärker als du“, behauptete er und fuhr sich über die Lippen, als wolle er sein Gegenüber damit provozieren.
    „Ach wirklich?“ spottete der Geist der Ringes. „Das werden wir ja sehen.“
    Blind vor Wut und Hass schlugen die beiden kurz darauf aufeinander ein, bildeten ein dichtes Knäuel. Ohne auf besondere Fähigkeiten zurückgreifen zu können, war für beide erschreckend und ungewohnt. Aber Baku hatte es schnell begriffen, sich darauf eingestellt und schlug zielsicher, während Marik sich überrumpelt vorkam und nicht wusste, wie er mit der veränderten Situation umgehen sollte. Verbissen konterte er und drosch auf Baku ein, wenn auch unkontrolliert, was dann doch irgendwann dazu führte, dass es ihm gelang, sein Gegenüber von sich zu stoßen. Baku stolperte zu Boden und rappelte sich gerade wieder auf, als Yami ihm auf die Schulter tippte.
    „Darf ich jetzt auch mal?“
    Der weißhaarige Junge stützte sich mit der rechten Hand am Boden ab, während er sich mit linken Blut aus dem Mundwinkel wischte. „Nur zu, bedien’ dich“, antwortete er mit einem schiefen Grinsen.

    Genau so wie Baku war es auch Yami eher gewöhnt, mit der Macht seiner Karten zu kämpfen. Aber diese hatten beide momentan vollkommen vergessen. Der unbändige Drang, ihre Gegner – in diesem Falle Marik – mit bloßen Händen zu verprügeln, war übermächtig. Yamis grenzenlose Wut bekam durch den Faustkampf endlich ein Ventil, ließ seine Schläge kräftig und zielsicher werden, während Marik viel zu überrascht über dieses ungewohnte Verhalten war und schon wieder Schläge einstecken musste. Schließlich stand er mit dem Rücken an der Wand, heulte vor Wut und Schmerz auf, als der Pharao ihn brutal den Arm auf den Rücken drehte.
    „Wie erbärmlich unbeholfen du doch ohne deine Macht bist“, spottete Yami mit einem zufriedenen Grinsen.
    „Genieße diesen kleinen Sieg, Pharao, er wird nicht lange währen. Ich werde mich an dir und deinen Freunden dafür rächen“, spie sein Gegner ihm entgegen.
    „Natürlich wirst du das – irgendwann einmal. Aber nicht heute, denn du bist nicht unser primäres Ziel.“ Yami machte eine kurze Pause, in welcher er den Kopf halb drehte. „Baku? Sollen wir ihm mal Zeneras Gebräu zu schmecken geben, was meinst du?“
    „Aber mit dem größten Vergnügen, mein Pharao“, witzelte der Angesprochene, der bereits in aller Ruhe eine Flasche entstöpselte und sich dann den beiden näherte, während Marik völlig entsetzt auf den Gegenstand starrte. Mit einem boshaften Grinsen auf den Lippen wedelte Baku mit der Flasche vor den Augen des anderen herum.
    „Du kennst doch sicherlich ihr hübsches Gebräu, Marik, oder?“ erkundigte er sich harmlos und trat näher an ihr gemeinsames Opfer heran. „Sag’ mal, alter Freund … Wieviel physischen Schmerz erträgst du eigentlich?“
    „Was?“ Mariks Augen weiteten sich entsetzt und er begann, sich in Yamis Umklammerung zu wenden und zu drehen, um frei zu kommen, was ihm aber nicht gelang. „Nein, Bakura. Lass das. Du bist ja wahnsinnig. Neeeeeeeiiiiiinnnnnn!“
    Gellend schrie das böse Ego Mariks auf, als die Säure ihn traf, während Baku hämisch kicherte. Er schien direkt Spaß daran zu haben, seinem Erzgegner Schmerzen zuzufügen. Alles – wirklich alles in ihm schrie nach Rache – an jedem und alles, was ihm über den Weg lief und nicht zu seinen Freunden zählte. Zu seiner Enttäuschung dauerte es aber nicht lange, bis Marik schließlich das Bewusstsein verlor und zu Boden sackte. Voller Abscheu ließ Yami den Jungen los und betrachtete ihn fast gelangweilt.
    „Kaum zu glauben, dass wir einst vor ihm Angst hatten – vor seiner Boshaftigkeit. Ist nicht viel von übrig geblieben.“
    „Tja, wie es scheint, verträgt er weit weniger als ich“, stellte Baku mit einer gewissen Genugtuung in der Stimme fest und boxte den Pharao leicht in die Seite und deutete auf das Schlachtfeld. Yami grinste breit, nickte dem anderen kurz zu und mit lautem Kampfgeschrei stürzten sich die beiden ins Getümmel.


    Keiner der anderen hatte etwas von ihrem gemeinsamen Kampf mitbekommen; jeder war zu sehr damit beschäftigt, sich einen furienhaften Charakter vom Leib zu halten. Joey, der noch immer im Besitz des Bumerangs war, nutze diesen wie ein Schild – abwehren und zuschlagen lautete seine Devise. Mittlerweile waren seine Arme voller Blut, pochten schmerzhaft und schienen Tonnen zu wiegen, aber verbissen kämpfte er weiter und schrie über das Getöse hinweg, ob denn jeder – egal ob Freund oder Feind – von den Mastern wiederbelebt werden würde, wenn sie versehentlich im Kampf einen von ihnen töteten. Sam bejahte diese Frage, wenngleich er nicht genau wusste, warum Wheeler ausgerechnet das hatte wissen wollen. Statt dessen sah er nur verwirrt dem blondhaarigen Jungen nach, der sich mit einem heiseren Aufschrei auf seinen nächsten Gegner stürzte.

    Ranma kämpfte derweil mit Tendo, traute sich jedoch nicht, mit aller Wucht zuzuschlagen, was sich als schwerwiegender Fehler erwies. Denn sein Schwiegervater ins spé machte da keinen Unterschied. In dem allgemeinen Geschubse und Gedränge sah Saotome einen Schlag zu spät kommen und erhielt einen gewaltigen Tritt gegen den Magen, der ihn gegen Ryoga stolpern ließ, der sich zähneknirschend eine Furie mit Namen Shampoo vom Hals hielt. Beide teilten verbissen aus, verbuchten Treffer und mussten selber gewaltig einstecken. Nun standen sie Rücken an Rücken, schweratmend, verletzt, voller blauer Flecke, sich gegenseitig anstachelnd und nach wie vor unbeugsam.
    „Was … was hältst du davon, wenn wir zur Abwechslung … auch mal Ernst machen?“ keuchte Ranma fragend.
    „Eine Menge“, japste Ryoga zurück. „Ich bin es leid, Punchingball zu spielen.“
    „Auf drei …“
    „DREI!“ riefen sich gleichzeitig und agierten auf einmal synchron. So unterschiedlich sie auch gewöhnlicherweise kämpfen mochten – hier und jetzt waren sie sich einig. Schlag um Schlag teilten sie aus, nahmen keine Rücksicht mehr darauf, dass sie ihre Gegner persönlich kannten und verschafften ihrer angestauten Wut endlich Luft. Aber Tendo und Shampoo waren nicht zu unterschätzen. Als die Chinesin einen gezielten Treffer verbuchen konnte, knurrte Ryoga wütend auf, sprang vor, verkrallte eine Hand in den langen blauen Haaren des Mädchens und griff mit der anderen nach ihren Beinen. Ihr Gezeter und ihre Flüche ignorierend, stemmte er Shampoo einfach hoch und warf sie gegen die nächste Wand, an der sie mit einem erstaunten Gesichtsausdruck entlang rutschte und bewusstlos liegenblieb. Fast zeitgleich besiegte auch Ranma seinen Gegner, der in einer seltsamen Verrenkung auf der anderen Seite lag und sich nicht mehr rührte.
    „So brutal kenne ich dich gar nicht“, bemerkte Saotome schweratmend.
    „Ich mich auch nicht“, gab Hibiki irritiert zurück. „Alles in mir schreit nach Kampf. Ich kann gar nicht mehr aufhören.“
    „Ergeht mir ebenso. Machen wir weiter?“
    „Worauf warten wir?“
    Und auch diese beiden stürzten sich ins Getümmel, wo sich die Reihen allmählich zu lichten begannen.

    Mittlerweile hatte Wendy das Gefühl, dass jeder Knochen in ihr gebrochen sein müsste. Nur selten war es ihr gelungen, einen Blick auf ihre Mitstreiter zu erhaschen. Sie vernahm nur heisere Aufschreie, wütendes Knurren – alles Geräusche, die ihr mitteilten, dass sie alle verbissen um jeden Millimeter Vorteil kämpften. Blut tropfte ihr in die Augen, das sie wütend fortwischte. Noch immer verspürte sie Wut und Frust in sich, dermaßen angestaut, dass sie sich sofort einen neuen Gegner suchte, sobald sie einen ins Reich der Träume geschickt hatte. Sie konnte einfach nicht damit aufhören, auf die anderen einzuschlagen, schwang ihre Kette, schleuderte sie jedem entgegen, der nicht zu ihrer Seite gehörte und scherte sich auch nicht mehr darum, ob sie andere verletzte. Mentale Kontrolle hin oder her – ihre Gegner wollten sie töten. Neben sich hörte sie Inu Yasha wütend knurren und wandte sich halb um. Der Hundedämon kämpfte gegen einer seiner besten Freunde und war gerade dabei, Mirokous Hand auf den Boden zu pressen. Sekundenlang stand sie da wie gelähmt, ehe Inu Yasha sie aus ihrer Lethargie weckte.
    „Er will sein schwarzes Loch einsetzen. Die Säure, Wendy – schnell!“
    Unbewußt nickte sie, rannte zu ihm und öffnete bereits die letzte Flasche, die sie noch hatte, während der Hundedämon aufheulte, als es dem Priester gelang, ihn an den Haaren zu reißen. Mit einem lauten, wenn auch bereits heiserem Fauchen, rammte er Mirokou den linken Ellenbogen gegen das Kinn und streckte den rechten Arm nach der Flasche aus. Unbarmherzig schüttete er die Säure auf die Hand des Freundes, der vor Schmerz aufbrüllte. Seltsam – wie weit entfernt diese Schrei klangen, obwohl er unmittelbar neben dem Mädchen war. Inu Yasha machte dem Ganzen ein Ende, indem er seine Faust mit aller Wucht auf den Schädel des Priesters krachen ließ, das Schreien dadurch erstarb und der Körper erschlaffte.

    Nach Atem ringend stand der Junge mit den langen weißen Haaren und den Hundeohren auf, taumelte ein wenig und blickte sich dann ebenso um wie Wendy. Der Raum glich einem Schlachtfeld, der Boden übersät mit Verletzten und Bewusstlosen und die Freunde mittendrin, mehr oder weniger auf ihren Füßen stehend. Schweres Keuchen, rasselndes Atmen, unterdrücktes schmerzhaftes Stöhnen und verhaltene Flüche drangen an ihrer aller Ohren. Als sich auch alle anderen umsahen, zeichnete Ekel und Schreck ihre Gesichter.

    Großer Gott – was hatten sie nur getan?



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 30.05.2008, 10:27


    Chapter 12



    Nur sehr langsam kamen alle wieder zu Atem. Keiko erkundigte sich abgehackter und heiserer Stimme danach, ob jemand die Gastgeberin gesehen hätte.
    „Die verschwindet immer, wenn’s … brenzlig wird“, antwortete Seto, der keuchend nach Atem rang.
    „Dann … sollten wir sie … suchen und dem Ganzen hier … endlich ein Ende … bereiten“ fügte Tristan mit krächzender Stimme hinzu. Die übrigen nickten nur stumm und versammelten sich bereits, als ihre Blicke auf Baku und Atemu fielen.

    Die beiden stützten sich gegenseitig, schleppten sich zu den anderen, bis Bakus Fuß gegen etwas Metallenes stieß. Unbewußt verharrte er, blickte verwirrt zu Boden und erkannte seine Kette, die nach wie vor um den Millenniums-Stab gewickelt war. Mühsam bückte er sich, hob die beiden Gegenstände auf, betrachtete sich den Stab und befreite ihn dabei von der Kette.
    „Wisst ihr …eigentlich, wie lange ich … hinter ihm … her war? Ich hätte alles … getan, um ihn … zu bekommen.“
    Seine Freunde schwiegen, blickten einander und ihn nur stumm an.
    „Wirklich alles“, flüsterte Baku erneut und wog den goldenen Gegenstand in der Hand, ehe er ihn zu aller Verwunderung achtlos auf den Boden fallen ließ und statt dessen nach Atemus Unterarm griff, der von seiner Schulter zu rutschen drohte. Ganz deutlich spürte er die Blicke der anderen auf sich ruhen, schaute auf und grinste säuerlich.
    „In ein paar Tagen werde ich darüber fluchen und mich einen Idioten nennen, aber nicht heute. Was ist? Ich sagte doch, dass ich mich verändert habe. Also Mund zu, Leute, ehe die Milchzähne sauer werden.“
    Der Pharao zu seiner rechten lachte daraufhin leise, presste sich jedoch im nächsten Moment vor Schmerz stöhnend eine Hand gegen die Rippen.
    „Du bist wahrlich über dich hinausgewachsen, Baku. Wie es aussieht, habe ich mich in dir getäuscht und sollte Abbitte leisten“, gestand er mit heiserer Stimme ein, aber der Geist winkte ab.
    „Gesundes Misstrauen hat noch niemanden geschadet, also brauchst du dich zu entschuldigen. Vermutlich hätte ich an deiner Stelle ebenso reagiert.“
    Anschließend deutete er mit einem Kopfnicken auf die Rucksäcke.
    „Haben wir eigentlich auch noch Silberwasser für uns? Denn so malträtiert brauchen wir gar nicht erst versuchen, gegen Zenera antreten zu wollen.“
    Die Freunde blickten einander daraufhin fragend an, schleppten sich zu den Rucksäcken, die sie vor den Kämpfen abgeworfen hatten, um mehr Bewegungsfreiheit zu haben und durchwühlten sie nun. Aber das meiste hatten sie zur Behandlung ihrer unfreiwilligen Gegner verbraucht, wie sie frustriert feststellten. Das wenige, das nun noch übrig war, wurde sorgfältig verteilt. Wunden schlossen sich unter der Einwirkung, Knochen fügten sich knirschend wieder zusammen. Das Silberwasser belebte, aber ein Rest von Schmerz und Frust blieb.
    „Schaut euch bloß dieses Gemetzel an. Waren das tatsächlich wir?“ erkundigte sich Tristan, angewidert den Kopf schüttelnd.
    „Ich fürchte ja, mein Freund“, murmelte der Pharao, der, wie die anderen, seinen Blick umherschweifen ließ. „Das Seltsame ist nur, dass ich mit dem Kämpfen nicht aufhören konnte. Alles in mir schrie nach bloßem Faustkampf, es war fast wie ein Blutrausch“, fügte er, über sich selbst angeekelt hinzu.
    Als niemand der anderen dazu etwas sagte, blickte er fragend auf und schaute in betretene Gesichter. So, wie es aussah, war es jedem so ergangen.
    „Was mir nicht in den Kopf will“, begann Seto langsam, ehe die Stille zu erdrückend werden konnte. „Zenera war sich doch sicher, dass ihre kleine Armee uns töten würde. Aber offenbar sind sie nicht so stark, wie sie uns Glauben machen wollte, denn sonst lägen wir da und nicht die.“
    „Oh, da irrst du dich, Seto“, bemerkte Sam. „Die Saat des Bösen war noch nicht ganz in ihnen ausgereift, deswegen hatten wir eine Chance. Ein oder zwei Tage später …“
    Er beendete den Satz nicht, was auch nicht nötig war. Jeder von ihnen konnte sich das entsprechende Bild mehr als deutlich vorstellen. Sekundenlang herrschte wieder brütendes Schweigen, bis einer nach dem anderen lauschend den Kopf hob. Der Boden unter ihren Füßen begann zu zittern, brach auf und riss die Gruppe in die Tiefe, eher einer von ihnen hätte reagieren können!

    Schreiend und fluchend über die unsanfte Landung, fanden sich alle Minuten später auf einem Boden weiter unten wieder.
    „Astreine Bruchlandung“, kommentierte Joey, während er sich an seinem ergatterten Bumerang hochzog. „Hat jemand eine Ahnung, wo wir sind?“
    Sams Stimme zitterte leicht, als er antwortete. „In einem Duplikat des Tempels des Orakels.“
    Baku bedachte ihn daraufhin mit einem überraschten Blick, ehe er von Neugierde getrieben an die Wand trat und die goldenen Inschriften darin zu entziffern versuchte. In den Ansätzen erinnerten sie ihn an altägyptische Hieroglyphen, zumindest schienen sie artverwandt zu sein. Dennoch konnte er nicht lesen, was dort stand und wandte sich mit stumm fragendem Blick Sam zu, der neben ihn trat und mit einer Hand über die Schriften strich.
    „Nur der Suchende wird die Antworten finden, wenn er reinen Herzens ist und die Wahrheit nicht fürchtet“, las er mit leiser Stimme vor. „Diese Schrift war nur für Anata und mich bestimmt.“

    „Eine Ironie, nicht wahr?“ erklang eine Stimme in ihren Rücken. Automatisch wandten sich alle um und erkannten Zenera, die an der gegenüberliegenden Wand lehnte und die Gruppe voller Abscheu anstarrte.
    „Einst kam ich in den Tempel, um ihm meine Liebe zu gestehen. Mein Herz war rein, meine Liebe ehrlich – und was hat sie mir eingebracht?“ Sie deutete an sich herab; fast so, als könne sie ihren eigenen Anblick nicht ertragen.
    „Damals wurdest du von ehrlicher Liebe getrieben, das ist wahr, Sarah“, bemerkte Sam mit ruhiger, fast sanfter Stimme. „Aber sie verwandelte sich in grenzenlosen Hass, als die Master uns beide dafür bestraften. Nur warum, zum Teufel, hast du dir nicht von mir helfen lassen? Die Master wollten uns beiden nur eine Lektion erteilen – du solltest in die Menschenwelt zurückkehren und ich in meine. Das habe ich dir mehrfach zu vermitteln versucht. Aber du hast mich abgewiesen, hast dich lieber von deinem Hass überrollen lassen. Warum, Sarah? Warum wolltest du meine Hilfe nicht? Antworte!“
    Für einen Moment schien Zenera verdutzt zu sein, ehe sie ihre Augen zu schmalen Schlitzen zusammenzog und erneut Gift und Galle versprühte.
    „Du wolltest mir helfen? Ist ja ganz was Neues. Wann soll das denn gewesen sein? Du hast dich ja nicht einmal blicken lassen. Also komm mir nicht mit so etwas.“
    „Ich habe immer wieder versucht, zu dir durchzudringen“, konterte Sam mit lauter werdender Stimme. „Aber deine Schlangen wollten mich erwürgen, dein riesiger schwarzer Skorpion vergiften und deine erschaffenen Monster mich töten. Du bautest Barrieren um dich herum auf, damit niemand zu dir konnte. Irgendwann gab ich es dann auf – nach Jahren wohlgemerkt und musste dann hilflos mit ansehen, wie du dich immer mehr deinem Hass hingabst und damit begannst, unschuldige Animes zu quälen und zu töten. Es war eine regelrechte Hetzjagd deinerseits. Es verging kein Tag, an dem keine Schwerverletzten in die Hospitäler kamen und die von dir Ermordeten mittels Rituale wieder zurückgeholt werden mussten. Die Liste deiner Opfer ist verdammt lang, Sarah“, schloss er verbittert.
    „Ja, ich lernte sie hassen. Warum auch nicht? Sie waren schließlich schuld an meiner Verwandlung. Sie alle und du“, spie sie ihm nur entgegen.
    Das ehemalige Orakel schüttelte betrübt den Kopf, ehe er eine alles umfassende Handbewegung vollführte.
    „Schau’ dir diese Kids genau an, Sarah. Sie alle wurden lange nach deiner Umwandlung geboren. Tragen sie etwa auch Schuld? Soll jede Generation also für etwas büßen, was sie nicht begangen haben? Ist es das, was du weiterhin willst? Töten aus purem Hass?“
    Zenera gab nur ein wütendes Schnauben von sich, enthielt sich jedoch einer weiteren Antwort.
    „Es ist noch nicht zu spät, Sarah“, startete das ehemalige Orakel einen erneuten Versuch. „Lass ab von deinem Hass. Ich werde ein gutes Wort für dich bei den Mastern einlegen, sodass du in die Welt der Menschen zurückkehren kannst. Ich kann …“
    „Schweig endlich!“ donnerte sie und schnitt ihm dabei das Wort ab. „Ich will dein Mitleid nicht.“
    „Was willst du dann?“
    „Deinen Tod“, zischte Zenera und hob bereits Unheil verkündend ihre Hände.
    Stöhnend blickten sich die Freunde an, als sie Zeneras schwarze Sonnen zu erkennen glaubten, bis Inu Yasha entsetzt aufschrie, heftig mit den Händen wedelte und alle aufforderte, sich in Sicherheit zu bringen. Als ihn verwirrte Blicke trafen, schaute er kurz auf Sam, der die dunkle Göttin schweigend ansah.
    „Das ist ein Schwarzer Orkan“, erklärte er in aller Schnelle. „Ihr dürft nicht in sein Auge sehen, sonst seid ihr verloren. Also weg von dem Ding, und zwar ein wenig hurtig, wenn ich bitten darf.“
    Aber diese Warnung kam ein wenig zu spät. Schon kam ein heulender Wind auf, der alle Anwesenden von den Füßen riss. Das schwarze undefinierbare Etwas vergrößerte sich zusehends, alles um sie herum knisterte voll elektrischer Spannung, aus seinem Inneren wisperte und flüsterte es. Sam brachte sich im letzten Moment in Sicherheit und befahl seiner Gruppe mit barscher Stimme, die Köpfe unten zu lassen und nicht auf das Wispern zu hören.

    Allerdings vernahm Atemu seine Worte schon nicht mehr. Verstört blickte er auf den Orkan, aus dem er die Stimme Shadis zu vernehmen glaubte, seinem Verbündeten aus alten Tagen. Wie unter Zwang stand er auf, sein Blick war starr auf das todbringende schwarze Licht gerichtet, seine Bewegungen waren puppenhaft. Aus den Augenwinkeln sah Joey, was sein Freund vorhatte, warf sich aufschreiend nach vorne und griff nach den Beinen des Pharaos, um ihn dadurch am Weitergehen zu hindern.
    „Lass mich los!“ schrie dieser über das Getöse hinweg. „Shadi ist da drin. Er braucht meine Hilfe, er ruft nach mir.“
    „Das ist eine Illusion, verdammt noch mal. Sie will doch nur, dass du von dem Orkan verschlungen wirst. Bleib hier, Pharao“, keuchte Tristan, der den Oberkörper des Jungen umschlang und ihn nach hinten zog.
    „Ich muss ihm helfen. Lasst mich zu ihm!“
    „Du gehst nirgendwo hin, Alter.“
    Wheeler verdoppelte seine Anstrengungen, den Freund festzuhalten und bekam überraschende Hilfe von Kaiba, der zu ihnen gerobbt kam und nach den Armen des Pharaos griff.
    „Du bleibst hier, und wenn ich dir dafür jeden Knochen einzeln brechen muss. Sieh mich an, verdammt. Sieh mich an.“
    „Ich will in das Licht – ich muss zu Shadi. Warum versteht ihr das denn nicht?“
    Immer verzweifelter wurde sein Schreien, fast schon weinerlich. Dabei entwickelte er zudem schier unglaubliche Kräfte, sodass es ihm doch gelang, sich aus der Umklammerung der Freunde zu befreien. Ehe er jedoch mit dem freigestrampelten Fuß nach Joey treten konnte, war Ranma ebenfalls bei ihnen, griff nach dem Gelenk, verdrehte es und presste das Bein zu Boden. Der Geist schrie und zeterte, weil er sich nun keinen Millimeter mehr bewegen konnte, bis seine Stimme so heiser war, dass er keinen Ton mehr herausbrachte.

    Blass vor Entsetzen schielte Wendy auf das seltsam anmutende Getümmel zu ihrer linken Seite, bis sie ebenfalls aufhorchte, weil sie glaubte, die Stimme ihrer Großmutter zu hören, die sie über alles geliebt hatte. Doch bevor auch sie in den todbringenden Orkan blicken konnte, versperrte ihr jemand die Sicht darauf und verhinderte damit Schlimmeres – Inu Yasha! Dafür gelangte nun er selbst in den zweifelhaften Genuss, die Stimme von jemand Vertrautem zu vernehmen. Ganz deutlich hörten die Freunde die Stimme eines Mädchens, das nach dem Hundedämonen rief und dieser reagierte genau so wie zuvor der Pharao. Er hörte nur noch die Stimme, alles andere erschien ihm mit einem Male unwichtig und blinzelte daher auch verwirrt in die Richtung, aus der er sie vernahm – das schwarze Licht des Orkans!
    „Kagome? Wo bist du? Bleib da, ich komme zu dir!“
    Entsetzte Blicke wurden ausgetauscht, ehe alle gleichzeitig reagierten und nach den Füßen des Halbdämonen griffen, um ihn zu Fall zu bringen.
    „Nein, Inu. Das ist nicht Kagome. Bleib hier, verdammt!“ Bakus ohnehin schon kehlig-kratzige Stimme klang noch heiserer als üblich. Aber der Angesprochene reagierte nicht. Verärgert brüllte er auf, als er zupackende Hände an seinen Fußgelenken spürte und trachtete danach, sie abzuschütteln.
    „Du musst dich in Kagome verwandeln, Wendy. Mach schon. SCHNELL!“
    Zitternd und leichenblass blickte das Mädchen auf Baku, ehe sie zögernd nickte und sich zu konzentrieren versuchte. Es war ihr schon einmal gelungen, sich in Inus Freundin zu verwandeln, und dieses Mal war es noch wichtiger, dass es gelang. Die Augen halb geschlossen stellte sie sich Kagome vor, Tränen rannen ihr über die Wangen; der ganze Stress und die neue Sorge um den Freund forderten allmählich ihren Tribut. Als sie Bakus begeisterte Worte vernahm, öffnete sie die Augen wieder, blinzelte leicht desorientiert und reagierte erst, als der Geist ihr aufmunternd zunickte.
    „Inu Yasha? Inu Yasha, sieh’ mich an.“
    Der Angesprochene verharrte für einen Herzschlag, ehe er sich mit einem lauten unmenschlich klingenden Brüllen dem Mädchen zuwandte. Wendy zuckte kurz zurück, als sie seine leicht rötlich funkelnden Augen registrierte, aus denen der Goldton aber noch nicht völlig entwichen war. Unruhig bewegten sich seine Ohren, seinen Kopf neigte er zur Seite – er wirkte verunsichert.
    „Kagome?“ Zweifelnd klang seine Stimme, als er seinen Kopf ein wenig vorschob, um das Mädchen zu beschnuppern.
    „Ich bin hier, Inu Yasha. Zenera will uns voneinander trennen, erkennst du das denn nicht? Bleib bei mir, bitte.“
    Langsam streckte Wendy ihre Arme nach ihm aus. Der Halbdämon schien sich nach wie vor nicht sicher zu sein, ging verstört in die Hocke und schnupperte weiter, bis …
    „Inu Yasha – mach Platz!“
    Entgeistert war sein Blick, als er auf die vermeintliche Kagome schaute, ehe ihn die Erdanziehungskraft zu Boden krachen ließ und sich einige aus der Clique mit heiseren Aufschreien auf ihn warfen, damit er auch genau dort blieb. Minutenlang grollte und knurrte er, bis sein Verstand wieder einsetzte, er sich beruhigte und auf Wendy blickte, die wieder wie sie selbst aussah. Fast verlegen blickte er kurz auf sie und die anderen, ehe er durch ein Nicken kundtat, dass er wieder Herr seiner Sinne war. Erst dann ließen ihn die anderen los.
    „Bleibt jetzt endlich alle unten!“
    Trotz des Getöses drang Sams Stimme zu ihnen durch. „Lange kann sie das nicht aushalten, weil sie zuviel Energie für die Aufrechterhaltung benötigt. Sie will uns nur mit in den Tod reißen, also lasst die Köpfe unten, verdammt!“
    Stummes Nicken antwortete ihm und auch die Tatsache, dass sie alle näher zusammenrobbten und ein jeder den Kopf des anderen zu Boden drückte, sobald erneut eine vertraut klingende Stimme zu vernehmen war und jemand aufzuschauen versuchte.

    Wieviele Minuten vergingen, vermochte niemand zu beurteilen, als nach einiger Zeit aus dem hysterischen Gelächter Zeneras ein panikerfülltes Kreischen wurde. Unbemerkt von allen hatte sich ein helles Licht manifestiert, das immer größer wurde und nun den ganzen Raum durchflutete. Damit einhergehend verebbte der Lärm, eine seltsame Ruhe legte sich über das Geschehen. Das einzig, noch vernehmbare war Zeneras entsetztes Kreischen.
    „Nein! Nicht du! Ich habe dich doch vernichtet!“
    „Du hast mich nicht vernichtet, nur aus dir vertrieben“, widersprach eine sanfte melancholische Stimme, die Zeneras sehr ähnlich klang. „Vernichten kannst du mich nicht – denn ich bin nach wie vor ein Teil von dir. Angekettet und zur Hilflosigkeit verdammt war ich all die Jahre, nur eines hast du nie bedacht: das die Todesangst eines einzelnen Menschen ausreichen würde, um mein Gefängnis zu zerstören. Und genau das ist nun geschehen.“
    Irritiert über diese Worte warfen sich die Freunde fragende Blicke zu und trauten sich nur zögernd, aufzusehen. Sie erkannten, dass sich eine andere Frau vor den Orkan stellte, der dadurch allmählich kleiner wurde, bis nur noch ein Knistern zu vernehmen war.
    „Geh weg! Verschwinde! Du kannst mich nicht abhalten, der Sieg gehört mir!“
    Zeneras Stimme kippte, wurde immer hysterischer, doch die zweite Person schüttelte den Kopf.
    „Nein, du hättest sie nie besiegen können, Zenera. Egal, was du getan hättest. Sieh’ sie dir an – schon zum zweiten Male bieten sie dir die Stirn. Jeder Kampf, den du ihnen aufgebürdet hast, hat sie stärker gemacht und sie einander näher gebracht. Das Band ihrer Freundschaft ist mittlerweile dermaßen gekräftigt, das keine Macht der Welt es wieder zerstören könnte. Sie haben gelernt, einander blind zu vertrauen, sich gegenseitig zu schützen und zu helfen, sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft geworden. Und du hattest schon verloren, als du angefangen hast, sie zu malträtieren. Niemand wird sie je besiegen können. Schau sie dir ganz genau an, ehe wir gehen. Sie sind stolz, unbeugsam, rebellisch, aber in Liebe und Freundschaft eng miteinander verwoben. Jeder von ihnen hat neue Wege eingeschlagen“, fuhr sie fort und schaute einmal lächelnd auf die Gruppe. Ihr Blick verharrte auf Baku, dem sie zuzwinkernd zunickte, ehe sie sich der von Hass beseelten Zenera erneut zuwandte. „Lass sie ihr eigenes Leben führen. Gib ihnen die Chance, über sich selbst hinauszuwachsen und zu lernen. Das ist die Lektion, die du bis heute nicht gelernt hast. Gefühle sind mächtig, Zenera – jede Art von Gefühlen. Und es reicht die Magie eines einzelnen Menschen, um das zu bewirken, was geschehen ist. Es ist Zeit, dass du nun deinen eigenen Frieden findest. Komm …“
    Diese Fremde streckte die Hand nach Zenera aus, die kreischend und fluchend immer mehr nach hinten auswich, bis sie mit dem Rücken gegen die nächste Wand prallte. Fast liebevoll berührte die Unbekannte die dunkle Göttin, die daraufhin zur Reglosigkeit erstarrte, fast so, als hätte man eine Maschine abgeschaltet. Noch immer waren ihre Züge hasserfüllt, aber das teuflische Rot ihrer Augen war erloschen.

    „Ihr müsst gehen“, erklärte die Frau, sich dabei den Freunden zuwendend. „Hier wird gleich alles in die Luft fliegen, weil nur Zeneras Hass dem Ganzen Form gab. Geht!“
    Mühsam rappelten sich alle auf, ließen aber verwirrte Blicke zwischen Zenera und der anderen hin- und herpendeln.
    „Sarah?“
    Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie Sam ihre Aufmerksamkeit schenkte.
    „Sei gegrüßt, mein Geliebter.“
    „Aber …“ Sichtlich verwirrt schaute auch er auf die beiden Frauen, die einander glichen wie Zwillinge.
    Die andere Sarah trat auf ihn zu und legte ihm einen Finger auf die Lippen.
    „Ssscht, es ist alles in Ordnung, Sam. Geh’ und beschütze diese Kinder. Sie brauchen dich, jeder von ihnen. Ihr gabt mir die Kraft, mich aus dem Kerker zu befreien, den sie für mich erschuf. Vor allem du, Wendy.“
    Sie schaute kurz auf das Mädchen, das ihren Blick nur verständnislos erwiderte.
    „Deine Phantasie ist wundervoll, eine Bereicherung für alle. Halt daran fest und du wirst viele wunderbare Dinge bewirken können. Das ist genau das, was die Master sich immer wünschten. Selbstständiges Handeln, eigene Gefühle, eigene Entscheidungen, weg von der Schablone. Ich selbst habe dies leider nicht bewirken können, aber du, Wendy …“ Sie nickte dem Mädchen zu und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Sam zu, der ihr zögernd durch die Haare strich.
    „Ich habe nie aufgehört, dich zu lieben, Sam. Dieser Teil wird immer bei dir sein“, erklärte sie leise, während sie ihre Hand auf seine linke Brust legte. „Geht nun und bringt euch in Sicherheit. Meine Liebe wird dich begleiten, Sam. Leb wohl …“

    Ihre Stimme faserte immer mehr auseinander, während sich zeitgleich beide Frauenkörper auflösten und schließlich ganz verschwanden …



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 30.05.2008, 10:29


    Chapter 13



    Wie paralysiert starrten alle auf die Stelle, wo kurz zuvor noch zwei Frauen gestanden hatten. Erst, als die Decke mit lautem Getöse einstürzte und die Wände aufbrachen, kam wieder Leben in die Gruppe. Aufschreiend und jeder den anderen hinter sich herziehend, suchten sie nach einem Ausgang, ehe die Trümmer sie unter sich begraben konnten. Wild gestikulierend deutete Sam auf einen Torbogen, der noch nicht zerstört war. Alle sprinteten los, die Hände schützend über die Köpfe haltend und eine Treppe hinaufhastend, während alles um sie herum unter gewaltigem Staub zusammenbrach. Joey gelangte als erster nach draußen, ruderte jedoch wild mit den Armen und versuchte verzweifelt, sein Gleichgewicht zu halten, denn nur wenige Schritte von ihm entfernt ging es steil in die Tiefe!

    Kaiba, der direkt hinter Wheeler war, stoppte im letzten Moment und zog den blondhaarigen Jungen zurück, ehe dieser abstürzen konnte.
    „Fliegend wäre die einzige Option, um hier wegzukommen“, murmelte Baku, der sich fest gegen die noch bestehende Wand presste und vom Rennen noch immer keuchte.
    „Siehst du hier irgendwo Flügel?“ schnauzte Tristan, um seine Angst zu überspielen.
    Kaiba blinzelte, runzelte die Stirn und tastete mit einer Hand in die Innentasche seines Mantels. Fest umgriffen seine schlanken Finger die Karten, die er immer bei sich trug, zog sie hervor und studierte sie kurz, ehe er laut pfiff und die Hand mit den Karten hochhielt. Die Freunde schauten zunächst verwirrt, bis sie erkannten, was Seto in den Fingern hielt. Der ein oder andere schlug sich prompt aufstöhnend gegen die Stirn – natürlich. Jeder hatte sein Deck stets dabei – nur war bislang niemand auf die Idee gekommen, selbiges auch zu benutzen. Während Atemu und Joey bereits hektisch ihre Karten durchsahen, schmollte Baku. Ryou hatte das Deck – und der Junge war bekanntlicherweise nicht anwesend. Auffordernd hielt Seto Sekunden später drei Karten hoch, Atemu und Joey folgten seinem Beispiel und schauten dann fragend auf Wendy, welche die Jungs erst verwirrt anblinzelte, ehe sie verstand.
    „Was ich will, kann auch passieren“, murmelte das Mädchen augenschließend und sich dabei an Ryoga festkrallend. Sie konzentrierte sich auf die Karten, auf die Monster, ihr Erscheinungsbild. Als sie Sekunden später ein leises Schnauben vernahm und warmen Atem auf ihrem Gesicht spürte, öffnete sie die Augen wieder und gab einen erstickten Aufschrei von sich. Nur wenige Meter vor ihr in der Luft schwebend hatte sich einer von Kaibas weißen Drachen materialisiert, dessen Kopf nun neugierig vorgeschoben war, um den fremden Geruch aufzunehmen. Das Mädchen zwang sich zu einem Lächeln und blickte fragend nach rechts - Seto gestikulierte wild. Auch die beiden anderen weißen Drachen waren mittlerweile aufgetaucht, ebenso der schwarze Rotaugendrache und noch einige Geschöpfe, die Wendy zwar erkannte, ohne sich jedoch an ihre Namen erinnern zu können. Zögernd kletterte sie auf einen der Drachen und zog Ryoga hinter sich, der sofort seine Arme um ihre Taille schlang. Einer nach dem anderen bestieg eines der Geschöpfe, krallte sich daran fest und zog noch jemanden hinter sich. Sand und Staub wirbelten auf, als alle gerufenen Monster höher in die Luft stiegen und die Clique aus der Gefahrenzone brachte, während auch die letzten Trümmer polternd in die Tiefe stürzten.


    Endlos schien der Flug auf den Monstern zu sein – oder waren es nur Minuten? Vor Angst und Müdigkeit zitternd, presste sich Wendy gegen den Hals des weißen Drachen mit eiskaltem Blick und glaubte sogar, einen Herzschlag zu vernehmen. Aber sicher war es ihr eigener, vermutete sie. Als alle Geschöpfe zur Landung ansetzten, war das Mädchen nicht imstande, aus eigener Kraft herunter zu klettern, Ryoga half ihr dabei und hielt sie fest, ehe sie zusammenbrechen konnte. Ziemlich wackelig standen alle auf den Beinen, die Erschöpfung war jedem überdeutlich ins Gesicht geschrieben. Ein letzter Blick auf alle Wesen, die ihnen das Leben gerettet hatten, ein zaghaftes Streichen über künstliche Nüstern, ehe sich jedes Tier vor ihren Augen auflöste, als hätte es nie existiert. Minutenlang herrschte Schweigen; ein Blick hinter sich zeigte ihnen, dass sie sich auf dem Parkplatz eines Krankenhauses befanden. Offenbar hatten die Monster genau gewusst, wo sie die Gruppe abzuliefern hatten.
    „Nun, hier trennen sich dann unsere Wege“, machte Inu Yasha mit einem leisen Hüsteln auf sich aufmerksam. „Ich werde erst mal nach Mirokou und Sango sehen, die sich hoffentlich wie all die anderen in Sicherheit bringen konnten. Und dann werde ich Kagome suchen gehen. Sie zieht Ärger magisch an, müsst ihr wissen. Im Grunde darf man sie nicht eine Minute alleine lassen“, schloss er grinsend, bevor er auf Baku zuging und ihm die Hand zum Abschied reichte.
    „Lass dich nicht beirren“, erklärte er mit leiser Stimme, sodass nur der Geist ihn hören konnte. „Erforsche deine guten Seiten und arbeite daran. Wendy wird dir dabei sicherlich helfen. Ach ja – lass dich vor allem nicht von Ryoga provozieren. Wie mir scheint, wird er sehr schnell eifersüchtig.“
    Baku grinste säuerlich, ehe er antwortete. „Das ist wohl wahr. Pass du auch gut auf deine Kagome auf, scheint ein besonderes Mädchen zu sein.“
    Die beiden Jungen nickten einander zu, ehe der Halbdämon auf Hibiki zuging, der ihm misstrauisch entgegensah.
    „Achte gut auf Wendy, Ryoga. Du bist ihr Gefährte, also obliegt diese Aufgabe in erster Linie dir. Sie liebt dich, das solltest du langsam begriffen haben. Wenn ich also Klagen höre, bekommst du Ärger mit mir, verstanden?“
    Er ließ Ryoga nicht einmal Zeit zu antworten, sondern trat auf Wendy zu, blickte sie sekundenlang einfach nur an, ehe er ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich, dabei durchaus wissend, dass Hibiki ihn mit eifersüchtigen Blicken durchbohrte.
    „Ich habe nicht viele echte Menschen wie dich kennen gelernt, Wendy. Aber von den Wenigen bist du die seltsamste. Irgendwie scheinst du mehr eine von uns zu sein. Pass gut auf dich auf und achte auch ein wenig auf Baku, er wird deine Hilfe mehr als benötigen. Wie ich ihn einschätze, wird er nicht darum bitten, sei einfach für ihn da, ja? Es schlummert viel Gutes in ihm, seine Entdeckungsreise dahingehend hat gerade erst begonnen. Halt ihn fest, wenn er stolpert und ermutige ihn. Versprichst du mir das?“
    Ein sanftes Lächeln huschte über ihre angespannten Züge, als sie nickte. Sie fühlte sich durch Inu Yasha in ihrer Vermutung bestätigt und würde Baku helfen, ohne Fragen zu stellen. Gerade er würde in näherer Zukunft Hilfe benötigen und sie war bereit, ihm diese auch zu geben. Ein letztes Mal blickte sich der Hundejunge um, nickte jedem noch einmal zu und lief dann leichtfüßig davon. Sie alle schauten ihm nach, bis er ihren Blicken entschwunden war. Ohne, dass es einer von ihnen laut aussprach, wussten sie auch so, dass sie ihn alle symphatisch fanden, ohne es genauer definieren zu können.

    Sam und Keiko waren es schließlich, die die Gruppe Richtung Anmeldung dirigierten. Nach dem Erlebten brach nun der Arzt wieder in dem jungen Mann durch, der seine Schützlinge nun beäugte und dabei auch gleich die ein oder andere schwerere Verletzung erkannte. Sie hatten die Eingangshalle noch gar nicht richtig betreten, als schon Schwestern und Ärzte auf sie zustürmten, sie mit Fragen überhäuften, ihnen auf die Schultern klopften und es ihnen damit unmöglich machten, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, bis Sam kopfschüttelnd laut durch die Zähne pfiff. Augenblicklich wandten sich alle ihm zu, der nun mit ruhiger, wenn auch kratziger Stimme die Aufgaben delegierte und so Ordnung in das Chaos brachte. Keiner aus der Clique kam in den nächsten Stunden auch nur auf die Idee, Gegenwehr zu leisten; sie waren zu erschöpft, müde und hungrig. Das einzige, was dem medizinischen Personal allerdings nicht gelang war, die Gruppe voneinander zu trennen. Selbst beim Röntgen waren sie mindestens zu zweit. Alles hatten sie gemeinsam durchgestanden – und die Untersuchungen würden sie auch noch zusammen hinter sich bringen, beharrten sie trotzig und letzten Endes ließ man sie auch gewähren. Auf den ersten Blick sahen die Verletzungen schlimmer aus, als sie wirklich waren. Dort eine ausgerenkte Schulter, einen verrenkten Knöchel, angeknackste Rippen und die üblichen Blessuren, um die sich Ärzte und Schwestern kümmerten.

    Während die Freunde behandelt und bandagiert wurden, hatte man einen der Aufenthaltsräume kurzerhand in einen Schlafsaal umfunktioniert. Und nun lagen sie alle das erste Mal nach ewigen Zeiten in sauberen Betten. Erleichtertes Aufseufzen war zu hören, leises Grummeln, weil das Licht noch an war und ebenso offenes Gähnen. Einer nach dem anderen fiel in minutenschnelle in einen tiefen und erholsamen Schlaf und Sam, der immer wieder nach seinen Schützlingen schaute, lächelte jedes Mal, wenn er ihren tiefen und gleichmäßigen Atemzügen lauschte …



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 30.05.2008, 10:31


    Chapter 14




    Irgendetwas kitzelte an ihrer Nase, die sie unwillig kraus zog, ehe sie sich auf die Seite drehte. Leises Lachen und Stimmen drangen an ihre Ohren, was sie aber zu ignorieren versuchte.
    „Wendy – aufwachen.“
    Das Mädchen grummelte, drehte sich auf den Rücken und fühlte erneut etwas, was über ihre Nase strich.
    „Hey, Schlafmütze. Wach werden.“
    „Noch zehn Minuten“, brummte sie, die Decke dabei hochziehend, die ihr jedoch augenblicklich weggezogen wurde.
    „Du willst doch wohl nicht den ganzen Tag verschlafen?“
    Widerwillig öffnete sie nun doch die Augen, blinzelte schläfrig und erkannte Conan, der eine Feder in der Hand hielt und nun strahlte.
    „Was’n los?“ Herzhaft gähnend und sich ausgiebig streckend versuchte sie, zu sich zu kommen, was ihr aber noch nicht so recht gelingen wollte.
    „Na endlich, wird ja auch Zeit. Zu deiner Information – es ist viertel nach vier Nachmittags und du hast über zwölf Stunden geschlafen“, erklärte Ryoga grinsend.
    „Waaaaas?“
    Mit einem Ruck brachte sich Wendy in eine sitzende Position, ihre Hände fielen erschreckt auf die Bettdecke und berührten dabei Hibikis Finger, die sich irgendwie anders anfühlten als sonst, was sie dabei verwirrt bemerkte. Aber was war anders? Als der Junge leise zu glucksen begann, schaute sie ihm das erste Mal ins Gesicht – auch dieses schien anders auszusehen als sie in Erinnerung hatte. Er wirkte mit einem Mal so … LEBENDIG! Konnte das denn sein? Nun, Ryoga war schon einmal in Fleisch und Blut vor ihr gestanden, daher war es zumindest nicht unmöglich. Über diese Gedanken grübelnd blickte sie nach links, um Conan genauer zu betrachten, bei dem sie die gleichen Veränderungen registrierte. Dennoch glichen ihre Augen eher Fragezeichen.
    „Du irrst dich nicht, wir haben tatsächlich menschliche Form“, strahlte Conan. „Die Master haben uns nämlich erlaubt, dich in dieser Gestalt zu besuchen. Ist doch toll, oder?“
    „Aber fünf Stunden sind doch so schnell vorbei.“
    Spätestens jetzt war sie hellwach, runzelte jedoch die Stirn, als die beiden Jungen zu lachen anfingen.
    „Ähem, wir sollten eventuell hinzufügen, dass wir eine Belohnung von den Mastern erhielten“, erklärte Ryoga. „Ab sofort dürfen wir täglich zehn Stunden zu dir, so lange du uns erträgst. In Zukunft können wir also viel unternehmen“, endete er mit einem breiten Bananengrinsen. Ungläubig blickte Wendy die beiden an, bis ihr langsam dämmerte, dass ihre Freunde sie keineswegs verulken wollten. Noch immer fassungslos die Hände der beiden betastend, vernahm sie nun auch das Stimmengewirr aus dem Raum nebenan. Noch ein Grund, endlich aufzustehen, was Wendy nun auch tat, sich ihren Kimono überstreifte und mit den beiden zusammen dann das Wohnzimmer betrat, in welchem es recht eng geworden war, weil sich die gesamte Truppe versammelt hatte. Sam entdeckte sie als erster und schmunzelte.
    „Schau an, wer da auch wieder wach ist. Offenbar hat der Federtrick also doch geholfen.“
    Wendy grinste nur, zu mehr war sie momentan noch nicht fähig.
    „Mann, endlich. Wird ja auch echt Zeit. Dann kriegen wir ja heute doch noch was zu futtern.“
    „Typisch Joey, denkt immer nur mit dem Magen“, lachte Tristan und kassierte dafür erst mal einen Schlag mit dem Ellenbogen. Alle lachten darüber – voller Humor und befreit. Nichts wies mehr auf die Strapazen der letzten Tage hin, von den Verbänden und Pflastern einmal abgesehen.

    Auch Wendy kicherte nun, dabei den Blick über die Freunde schweifen lassend. Als Menschen wirkten sie alle gleich völlig anders als gewöhnlich. Yugis Aussehen verwirrte sie dabei noch am meisten. Normalerweise standen seine Haare so ziemlich in alle Himmelsrichtungen. Gut, sie wirkten noch immer wie gegen den Strich gekämmt, aber doch irgendwie anders. Zum ersten Mal nahm Wendy bewusst wahr, dass der Junge überwiegend schwarze Haare hatte, die von vielen blonden und weniger violetten Strähnen durchzogen waren. Seine Augen jedoch waren nach wie vor violett, wenn auch von dunklerer Tönung, aus denen er die Freundin nun fast verlegen ansah.
    „Sieht gut aus“, bemerkte sie anerkennend. „Ungewohnt, aber gut.“
    Ihr Blick wanderte weiter, blieb bei Bakura hängen, dessen Erscheinungsbild auch von der gezeichneten Version abwich. Seine sonst sehr lange Mähne schien kürzer zu sein, die Farbe war mehr weißblond und auch nicht mehr so zersaust, seine dunkelbraunen Augen blitzten spitzbübisch auf.
    „Schön zu sehen, dass es du wieder wohlauf bist, Ryou. Ich habe mir Sorgen um dich gemacht.“
    „Naja, dank des unfreiwilligen Winterschlafes ging das Fieber recht schnell weg und Bakus Hilfe hat dann den Rest erledigt.“
    „Wie geht es Baku?“
    Ryou lauschte kurz in sich hinein, ehe er antwortete.
    „Das Ganze hat ihm wohl doch sehr viel Kraft gekostet, er ruht sich noch aus. Ich soll dir danke sagen; auch wenn ich nicht genau weiß, wofür.“
    Seine braunen Augen bettelten und Wendy musste grinsen.
    „Er wird dir bestimmt alles erzählen, wenn er es selbst verarbeitet hat. Es wäre nicht gut, wenn ich das täte, glaub mir.“
    Verstehend seufzend nickte Ryou, beobachtete dabei das Mädchen, das sich ihre Freunde weiterhin besah. Amüsiert schmunzelnd betrachtete sie sich Joeys wirren blonden Haare, dann Ranma, der wie ein unschuldiges Kind wirkte und Seto, der ihren prüfenden Blick mit einem leichten Grinsen quittierte.
    „Ihr seht so … fremd aus. Absolut ungewohnt.“
    „Na, herzlichen Dank auch“, brummte Joey, trat dabei auf die Freundin zu und schob sie Richtung Bad.
    „Wie wäre es, wenn du duschen gingest, damit wir heute noch das Restaurant entern können?“
    Als sie eine diesbezügliche Frage auf den Lippen hatte, kam ihr Wheeler zuvor. „Chinesisch, wir gehen chinesisch essen – sofern du dich endlich unter die Dusche begeben würdest“, wiederholte er knurrig und ungeduldig mit den Händen wedelnd, worauf Wendy auch wirklich ins Bad ging.

    Das heiße Wasser tat gut, vertrieb auch den letzten Rest von Müdigkeit. Ihre Gedanken rotierten – ihre Freunde durften also nun täglich für zehn Stunden zu ihr? In menschlicher Gestalt? Das war zu schön, um wahr zu sein. Das war wohl das ungewöhnlichste Geschenk, das man ihr je gemacht hatte, überlegte Wendy, während sie das Wasser abstellte und den Debatten aus dem Wohnzimmer lauschte. Offensichtlich gab es ein paar kleine Diskussionen über die Kleidung, wie sie den Worten entnehmen konnte. Schließlich hörte sie, wie sich Tristan lautstark erbot, für Ranma und Ryoga passende Kleidung zu organisieren und nach den Mädchen zu schauen, die noch durch Abwesenheit glänzten. Kopfschüttelnd lauschte Wendy weiterhin, schwang sich ein großes Badetuch gekonnt um den Körper, putzte sich die Zähne und griff beim Hinausgehen noch nach einem Handtuch, um sich die Haare zu frottieren, um anschließend ins Wohnzimmer zu schleichen. Wie nicht anders zu erwarten war, weigerten sich Hibiki und Saotome halsstarrig, die Kleidung anzuziehen, die Tristan mitgebracht hatte. Ehe aus der Debatte ein Streit werden konnte, hüstelte Wendy leicht, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, was ihr auch gelang. Für einen Moment schauten die Jungen in ihre Richtung, liefen rot an und blickten dann verlegen zu Boden.
    „Du … ähem … du solltest dir was anziehen“, stammelte Ryoga, ohne die Freundin direkt anzusehen. Sie bedachte ihn daraufhin mit einem vielsagenden Lächeln, schaute sich in aller Ruhe die Sachen an und drückte Hibiki kurz darauf ein graumeliertes Shirt nebst beigefarbene Hose in die Hand. Der verdatterte Ranma hielt wenig später eine Sommerjeans, ein weißes T-Shirt und ein leger geschnittenes rotes Hemd in Händen.
    „Anziehen“, forderte Wendy die beiden mit honigsüßem Lächeln auf und machte Sekunden später einen auf gespielt ungeduldig, als die zwei sie noch immer anstarrten. „Was ist? Ich dachte, wir wollen essen gehen? Worauf wartet ihr also?“
    „Ähem …“ Ryoga suchte sichtlich nach den richtigen Worten. „Würdest … würdest du dich bitte … umdrehen?“ bat er schließlich zaghaft. Mit hochgezogenen Augenbrauen und einem spöttischen Grinsen im Gesicht blickte das Mädchen ihn an.
    „Seit wann bist du prüde?“ erkundigte sie sich harmlos, während sie auffordernd auf die Kleidungsstücke deutete. Hibiki starrte sie noch mit hochrotem Kopf an, während Ranma schicksalsergeben seufzte, sein Oberteil abstreifte und sich missmutig das T-Shirt überzog. Ryoga, nun im Zugzwang, beeilte sich, sein Hemd auszuziehen und es dem Freund gleichzutun. Zufrieden nickte das Mädchen, deutete dabei auf die Hosen und warf beiden Jungen einen zuckersüßen Blick zu. Ausgerechnet Keiko kam den beiden zur Hilfe, in dem sie Wendy an die Hand nahm, sie zur Tür zog und darauf hinwies, dass die zwei sich nicht weiter umziehen würden, so lange sie dabei zusah. Verstehend gehorchte Wendy – aber als sie bereits durch die Tür ging, drehte sie sich noch einmal blitzschnell um. Ryoga, der seine Hose fast ausgezogen hatte, schrie entsetzt auf und warf ihr ein Kissen an den Kopf. Unter dem tosenden Gelächter der Freunde verließ Wendy daraufhin endgültig den Raum, um sich selbst anzuziehen.

    Etwa eine Viertelstunde später kehrte sie frisch umgezogen und leicht geschminkt ins Wohnzimmer zurück. Ein sommerliches lachsfarbenes Top, schwarze Radlerhose und Leinenschuhe ließen das Mädchen gleich völlig anders erscheinen, wie Seto anerkennend bemerkte. Sie dankte seinem Kompliment, in dem sie leicht nickte, ehe sie sich ihren momentanen Lieblingsopfern zuwandte. Sowohl Ranma wie auch Ryoga fühlten sich unwohl in der ungewohnten Kleidung. Als Tea und Akane komplimente machend auftauchten, wandten sich aller Blicke den beiden Mädchen zu. Fast hätte man meinen können, dass die drei sich hinsichtlich der Kleidung abgesprochen hätten – sie trugen tatsächliche ähnliche Sachen.
    „Ich kann mir nicht helfen – aber ihr seht irgendwie nicht so aus wie sonst“, murmelte Ryoga, ohne über seine Worte nachzudenken und bereute dies im nächsten Moment. Akane näherte sich ihm knurrend, die Hände zu Fäusten geballt und der arme Hibiki wich so lange rückwärtsgehend und abwehrend die Hände vorstreckend aus, bis ihm jemand kaltes Wasser über den Kopf schüttete.
    „Raaaaaanmaaaaaaaa!“
    Fluchend drehte sich der Junge zu Saotome um, der verwirrt auf das leere Glas in seiner Hand blickte.
    „War wohl nicht kalt genug“, grinste er dann unschuldig.
    „Nun, eher ein kleiner positiver Nebeneffekt des Umwandelns in einen Menschen“, widersprach Sam schmunzelnd. „Euer Fluch hat keine Wirkung, wenn ihr in der Menschenwelt seid“, fuhr er erklärend fort, was zur Folge hatte, dass die beiden sich kurz einander anschauten, ehe sie sich zeitgleich ins Bad drängten. Den kurz darauf erschallenden Jubelrufen zufolge waren sie tatsächlich zur Zeit zwei ganz normale Jungen.
    Wheeler hingegen raufte sich die blonden Haare.
    „Könntet ihr euch vielleicht endlich beruhigen, damit wir los können?“ erkundigte er sich regelrecht verzweifelt. „Ich habe nämlich Hunger. Biiiiittteeeeeee.“

    Alle Anwesenden nickten sich grinsend zu und Minuten später waren sie tatsächlich auf dem Weg zum Restaurant …



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 30.05.2008, 10:33


    Chapter 15



    Auf dem zwanzigminütigem Weg wurde viel gequatscht und gelacht; alle waren guter Stimmung, ausgelassen und freuten sich auf das chinesische Buffet. Nach wie vor kam Wendy das alles wie ein Traum vor; all ihre Freunde aus der Animewelt waren bei ihr – als Menschen. Das Mädchen kam aus dem Staunen nicht heraus. Wie anders sie alle gleich wirkten. Nicht mehr so hochgeschossen und für ihre Größe zu schlank. Wie ganz normale Teenager schauten sie aus – ein ziemlich ungewohnter Anblick.

    „Irgendwie fühlt es sich merkwürdig an“, erklang Conans Stimme neben ihr und riss sie damit aus ihren Gedanken. „So … verkehrt.“
    „Daran gewöhnst du dich“, versprach Wendy, während sie den Jungen aufmerksam musterte, der sie aus strahlend blauen Augen ansah. Wer ihn jetzt sah, schätzte ihn vermutlich auf zehn Jahre. Er erschien größer, nicht mehr so schlaksig – und seine Brille trug er auch nicht, wie Wendy verblüfft feststellte. Im Grunde brauchte er diese ja auch gar nicht, wie sich das Mädchen erinnerte; dennoch sah es fremd aus, ihn ohne die Gläser zu sehen.
    Abermals wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als sie das Restaurant betraten. Sam hatte extra Stunden zuvor einen Tisch reserviert, zu welchem man die große Gruppe nun führte und nach ihren Getränkewünschen fragte. Zaghaft-fragende Blicke wurden dem ehemaligen Orakel zugeworfen, der ihnen nur zuzwinkerte. Es war ein besonderer Tag – sie sollten trinken, was sie wollten, obwohl die meisten von ihnen noch nicht erwachsen waren. Heute würde er ausnahmsweise darüber hinwegsehen. Sie waren hier, um zu feiern. Minuten später schon stießen sie gemeinsam an. Gläser klirrten aneinander, wie übermütige Kinder kicherten sie und zogen damit einige missmutige Blicke der übrigen Gäste auf sich. Aber es war ihnen egal, sie wollten feiern, sich über ihren Sieg freuen und die Strapazen der letzten Tage hinter sich lassen. Wie nicht anders zu erwarten war, marschierte Joey als erster zum Buffet, schaute in einer Mischung aus Neugier und Skepsis auf die reichhaltige Auswahl und packte sich dann munter von allem etwas auf den Teller. So voll gepackt und breit grinsend kehrte er zurück, worauf die anderen nun auch loszogen.

    Etwas missmutig hielt Ranma kurze Zeit später die Gabel in der Hand, ehe er erneut aufstand und mit Stäbchen für alle zurückkehrte. Von allen unbemerkt, hatte Wendy bereits mit dem Essen begonnen und schüttelte den Kopf, als Saotome auch ihr Stäbchen vor die Nase hielt.
    „Ich bleib bei der Gabel. Trotzdem danke, Ranma“, erklärte sie ausweichend, worauf alle innehielten und verwundert zu ihr herüber schauten.
    „Jetzt sag bloß nicht, du kannst nicht mit Stäbchen essen“, entfuhr es Ryoga verblüfft. Ertappt senkte Wendy den Blick und starrte auf ihren Teller, während sich die beiden Jungen zunickten.
    „Das ist ganz einfach, Wendy“, erklärte Ranma eifrig und griff bereits nach ihrer Hand, um ihr die Stäbchen ordnungsgemäß in die Finger zu drücken. „Aaalso, man nimmt die Stäbchen folgendermaßen in die Hand“, begann auch Hibiki belehrend, hob seine rechte Hand und demonstrierte es der Freundin. Es sah leicht aus und das Mädchen versuchte auch, es zu imitieren, dennoch gelang es ihr nicht. Auch ihre Versuche scheiterten. Das Stück Ente plumpste zurück auf den Teller. Aber das allein war es nicht, was Wendy peinlich berührte; es war vielmehr die Tatsache, dass all ihre Freunde ihr bei ihren kläglichen Versuchen zusahen. Ryoga zu ihrer rechten seufzte.
    „Schau mal, ist doch ganz einfach.“
    Geschickt nahm der das Stück Ente von ihrem Teller und hielt ihr den Happen auffordernd vor den Mund. Mit knallrotem Gesicht schaute sie ihn kurz an – das war doch wirklich nicht wahr, dachte sie bei sich. Sie kam sich dämlich vor, dass ihr Freund sie nun mehr oder weniger fütterte.

    Nach zehn Minuten, in denen ihre Freunde weiteraßen, ihr dabei aber immer wieder verstohlene Blicke zuwarfen, legte Wendy die Stäbchen beiseite und wollte aufstehen.
    „Wo willst du hin?“ erkundigte sich Ranma misstrauisch.
    „Eine neue Gabel holen.“
    Zeitgleich ruckten Ranmas und Ryogas Hand auf ihre Schulter und drückten sie auf ihren Stuhl zurück.
    „Kommt nicht in Frage“, bemerkte Saotome energisch. „So unbeholfen kannst du nicht sein. Es fehlt dir nur an Übung.“
    „Aber …“
    „Kein Aber. Wenn Ranma und ich uns in diese Sachen quälen können, dann kannst du auch lernen, mit Stäbchen zu essen.“
    „Essen ist das Stichwort, Ryoga. Ich habe Hunger.“
    „Dann iss“, meinte er, auffordernd auf die Stäbchen deutend.
    „Ich will aber eine Gabel.“
    „Kriegst du nicht.“
    „Ryogaaaaa!“
    „Nein, nimm die Stäbchen.“
    Aller Blicke wanderten wie beim Tennis zwischen den beiden hin und her.
    „Ganz schöne Sturköpfe, die beiden“, murmelte Seto mit einem amüsierten Grinsen.
    „Wundert mich gar nicht, dass sich die beiden mögen“, fügte Bakura genüsslich kauend hinzu.
    „Fragt sich nur, wer von den beiden wen zähmen wird“, überlegte Yugi, während er sich auf den vollen Bauch klopfte.

    Während sich die Freunde nach und nach bereits ihre nächste Portion holten, versuchte Wendy immer noch davon zu überzeugen, dass die Gabel besser zu ihr passte – aber sie stieß auf taube Ohren. Sowohl Ranma, und vor allem Ryoga hatten sich in den Kopf gesetzt, ihr die traditionelle japanische Version mit den Stäbchen beizubringen; koste es, was es wollte. Conan warf ihr immer wieder mitfühlende Blicke zu, kramte in seiner Jackentasche herum, stand auch einmal kurz auf, um sich beim Personal etwas zu organisieren und kehrte, Wendy aufmunternd zugrinsend zurück. Sorgfältig begann er damit, ein Tempo zusammen zu falten, legte dies zwischen die Stäbchen, fixierte seine Konstruktion mit einem Gummiband, dass er sich zuvor beim Personal erbeten hatte und reichte das Ganze dann an die Freundin weiter.
    „Versuch’ es jetzt noch mal.“
    Skeptisch blickte sie auf diese seltsame Konstruktion, seufzte aber schicksalsergeben und gehorchte. Zu ihrer Verwunderung funktionierte es, auch, wenn es recht merkwürdig aussah. Sie nickte Conan dankbar zu und kam nun auch endlich zum Essen, da Ranma und Ryoga sie dadurch in Ruhe ließen – schließlich aß sie ja mit Stäbchen.

    So wurde es doch ein sehr fröhlicher und ausgelassener Abend. Obwohl Wendy hätte schwören können, Muskelkater in den Fingern zu haben, sofern dies möglich war …



    Re: The magical world of Anime - Teil 3: Die dunkle Göttin

    Tory - 30.05.2008, 10:38


    EPILOG


    Das war also Wendys erstes großes Abenteuer in der Welt der Anime. Ihren Eltern hat sie nie davon erzählt – geglaubt hätten sie ihr sowieso nicht. Aber wer würde dies auch?

    Nach wie vor verbringen sie alle zusammen sehr viel Zeit miteinander; sowohl in der Welt der Menschen als auch in der Anime-Welt. Mittlerweile heißt es Endspurt in der Schule. Haufenweise Klausuren – die letzten Möglichkeiten, gute Noten auf das Abschluss-Zeugnis zu bekommen. Ihr kennt das sicherlich selbst zu Genüge. Damit dies auch wirklich gelingt, bekommt Wendy Nachhilfe in Mathe von Seto, Atemu und Baku pauken mit ihr Geschichte. Jeder hilft ihr, jeder „quält“ sie und so manches Mal verflucht sie dabei auch ihre Freunde, die im Grunde nur ihr Bestes wollen. Die Lernmethode heißt schlicht: Zuckerbrot und Peitsche. Kommt sie euch bekannt vor, ja?

    Als kleines Zuckerbrot bringt Tristan der Freundin zur Zeit das Motorradfahren bei. Jedes Mal steht er Todesängste aus, wenn er sieht, wie sie fährt. Und irgendwann semmelt sie seine Maschine auch bestimmt gegen die nächste Wand. Wenn ihr Wutpegel auf ihre Quälgeister genug angestiegen ist, bekommt sie noch Stunden in Selbstverteidigung. Ryoga hat sich dies zur Aufgabe gemacht; zwar im Wechsel mit Ranma … naja. Sie ist halt zu viel mit Akane zusammen, was früher oder später abfärbt. Den Rest könnt ihr euch sicherlich denken, nicht wahr? Zumindest gelingt es Wendy immer häufiger, den beiden Schrammen und blaue Flecke zuzufügen, und das will ja auch was heißen. Aber Duell-Monster versteht sie nach wie vor nicht.

    Sam ist sehr häufig Wendys rettender Engel. Wer viel lernt, muss auch zwischendurch mal ausspannen, pflegt er dann zu sagen. Sehr häufig sind sie dann alle kurze Zeit später in der Menschenwelt, um schwimmen zu gehen. Vor allem Ranma und Ryoga genießen dies dann in vollen Zügen, verständlicherweise. Sich nicht in ein Ferkel oder ein Mädchen zu verwandeln ist für beide sehr wohltuend, zumal sie beneidenswerte gute Schwimmer sind. Und das sind dann auch die Momente, in denen Wendy der glücklichste Mensch auf Erden ist.

    Also, achtet mal ein wenig auf eure Mitmenschen. Und wenn ihr eine besonders ausgelassene große Clique seht, schaut noch mal genauer hin. Es könnte ja sein, dass euch der ein oder andere vertraut vorkommen wird. Denkt immer daran, dass sich das Portal in beide Richtungen öffnen kann. Ausschlaggebend ist lediglich eure Phantasie.

    Vielleicht erfahrt ihr ja bald noch mehr über Wendy und ihre Abenteuer in der Welt der Anime. Aber – wer weiß, vielleicht seht ihr sie sogar mal dort?

    Denn in der Welt der Anime ist nichts unmöglich …




    Ende der Trilogie



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