Forsyte Saga

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    Re: Forsyte Saga

    Ulli - 19.04.2008, 17:29

    Forsyte Saga
    Das Buch von John Galsworthy ist viele Jahre mein Lieblungsbuch gewesen und der junge Jolyon mein Lieblingsheld. Jetzt habe ich endlich auch die Serie aus dem Jahre 2002 angefangen. Mehr als Schnuppern konnte ich bislang nicht, aber mir scheint, was Ausstattung und Kostüme betrifft, ist nicht gespart worden und die Schauspieler sind teils hervorragend besetzt. Damian Lewis ist als eiskalter Soames sehr trefflich, Rupert Graves ist als junger Jolyon zwar etwas zu jungenhaft und mit teils fataler Haarpracht ausgestattet, wirkt aber sehr sympathisch und melancholisch. Ein Missgriff scheint Ioan Gryffyd als Bossiney zu sein, viel zu jung und blaß, um die schöne und ziemlich erwachsene Irene Forsythe zu tangieren. Gina McKee ist farblich und vom Typ überhaupt nicht Irene Forsythe, wie ich sie in Erinnerung habe. Diese ist blond und reichlich schmelzend, Gina McKee ist dunkel, hager und überhaupt nicht die mißbrauchte Schönheit von Galsworthy. Aber der Clou des bisher Gesehenen ist ohnehin der meist als Unsympath besetzte Corin Redgrave als alter Jolyon. Der ist wie sein Sohn einfach nur grundsympathisch und Redgrave spielt diesen Mann, der über seinen Schatten springt und herzensgut ist, daß ich fast hinschmelzen könnte.



    Re: Forsyte Saga

    simone - 19.04.2008, 20:49


    Die Serie I habe ich auch vor kurzem zuende geschaut, jetzt muss noch die Serie II (to let) schauen. Damian Lewis ist wirklich klasse als Soames, Rupert Graves fand ich auch toll als Jolyon, Gina McKee finde ich auch fehlbesetzt, zumindest macht sie aber das Beste daraus (aber in "the lost prince" hat sie mir besser gefalllen). Irgendwann will ich auch das Buch nochmal lesen, und auch die Serie aus den 60ern sehen, die soll ja auch sehr gut sein.



    Re: Forsyte Saga

    Hazel - 28.06.2008, 10:09

    Re: Forsythe Saga
    Was mich an der Serie von Anfang an gestört hat, war Gina MCKee als Irene. Damian Lewis als rothaariger Soames hat mich auch nicht so angesprochen. Und als Fan der 1967er Serie hat es die Neuverfilmung bei mir immer noch schwer. Ich kann mich auch nicht mit Ioan Gruffudd als Bosinney anfreunden, er ist zu jung und zu laut (gibt es die Szene im Buch überhaupt, in der Bosinney in den Club stürmt und Soames sucht?) Rupert Graves als junger Jolyon ist interessant, aber auch zu jung. Auch altern die Charaktere sehr wenig in der Neuverfilmung. Dennoch hat diee die Serie vielen, die sie unvoreingenommen gesehen haben, gefallen. Sie trifft den Zeitgeist.

    Die Verfilmung von 1967 ist dagegen sehr alt. Sie wurde hauptsächlich in Studios gedreht, was man auch sieht. Wenn z.B. eine Tür zugeschlagen wird, wackeln die Bilder an den Wänden :lol:. Auch gibt es sie nur Region 1 encoded. Mittlerweile finde ich die Verfilmung etwas klischeehaft besetzt. Nyree Dawn Porter (Irene) war damals bereits ein Sexsymbol (das erste, wie es hieß). Eric Porter (nicht verwandt mit ersterer) war häufig der Bösewicht. Kenneth More (Young Jolyon) wirkt heute etwas langweilig, zur Zeit der Filmentstehung mag er noch sicherheitbietend gewirkt haben.

    Was von Kennern/Liebhabern des Romanes an der Neuverfilmung auch moniert wird, ist, dass die Familie "zu reich" ist. Die Forsytes waren "im Kommen", Soames war der erste "reiche Mann" der Familie. Diese Prunkgebäude, wie Sita Williams sie darstellte, bewohnten die Forsytes nicht.

    Bei einem Londonbesuch habe ich den Montpellier Square, und dort das Haus von Soames und Irene gesucht. Es gibt die Hausnummer 62, die die beiden bewohnten, nicht, und die Häuser sind ... es sind schmale Reihenhäuser, mit einem gewissen Flair zwar, aber reich (???)...

    John Galsworthy wohnte in London, er hat die Location also gekannt.

    Die Links sind wahrscheinlich bekannt?

    26-teilige Serie von 1967

    6-Teiler von 2002 (zeigt bei mir allerdings keine Bilder mehr an)

    Edit: eine kurze Szene bei you tube
    Nachdem Soames Irene endgültig verloren hat, und die Scheidung nun durchgezogen wird, versucht Soames noch, Irene und Jolyon zu trennen, indem er sie überreden will, sich nicht mehr zu sehen. Die Szene spielt in Robin Hill (ein Londoner Stadtteil) in dem Haus, das Soames einst für Irene gebaut und das später Old Jolyon gekauft hat.



    Re: Forsyte Saga

    Adminette - 28.06.2008, 12:06


    da fällt mir ein, was ich immer noch nicht gesehen habe... :confused:

    ich fand den auftakt der (neuen) serie so unspannend, dass es seit dem bei mir im regal rumlungert. obwohl... wenn selbst catherine de medici sich vor den alten forsythes geängstigt hätte... werd ich dem ganzen wohl noch mal eine chance geben. :wink:



    Re: Forsyte Saga

    simone - 28.06.2008, 14:01

    Re: Forsythe Saga
    Hazel hat folgendes geschrieben:
    Edit: eine kurze Szene bei you tube


    Hui, das sieht ja wirklich alt aus, ich weiß nicht ob mir die Version gefallen wurde, vielleicht nur wenn man die neue nicht vorher gesehen hat.
    Am schönsten fand ich bei der Neuverfilmung die Musik, hier kann man in die CD reinhören, Irene's Song ( Track Nr. 1 und 7) finde ich total schön :lshow: .



    Re: Forsyte Saga

    Hazel - 28.06.2008, 16:43

    Re: Forsythe Saga
    simone hat folgendes geschrieben: Hazel hat folgendes geschrieben:
    Edit: eine kurze Szene bei you tube


    Hui, das sieht ja wirklich alt aus, ich weiß nicht ob mir die Version gefallen wurde, vielleicht nur wenn man die neue nicht vorher gesehen hat.
    Am schönsten fand ich bei der Neuverfilmung die Musik, hier kann man in die CD reinhören, Irene's Song ( Track Nr. 1 und 7) finde ich total schön :lshow: .

    Aber Charme hat sie dennoch, die alte Version :wink:. In den Soundtrack habe ich reingehört. "Irene" ist ziemlich melancholisch. Mir gefallen außerdem "Introducing Darcy" und "Locked out" sehr gut.



    Re: Forsyte Saga

    simone - 28.06.2008, 18:48

    Re: Forsythe Saga
    Hazel hat folgendes geschrieben: Mir gefallen außerdem "Introducing Darcy" und "Locked out" sehr gut.

    Zuviel P&P geguckt oder? :D

    locked out finde ich auch sehr schön!



    Re: Forsyte Saga

    Hazel - 29.06.2008, 20:43


    Indeed I have! :lol:

    It should be "Dartie" of course.



    Re: Forsyte Saga

    Hazel - 05.07.2008, 00:30


    Als ich vor einigen Jahren in London war, habe ich einige im Buch erwähnte Plätze besucht:

    Ein Reihenhaus am Montpellier Square, wo Soames und Irene Forsyte nach ihrer Heirat 1886 wohnten. Sehr geräumig sieht es für heutige Verhältnisse nicht aus. Und wenn man bedenkt, dass auch noch Personal darin untergebracht war...




    Re: Forsyte Saga

    Hazel - 05.07.2008, 00:41


    (Die ungefähre Hausnummer in der) Bayswater Road, wo Onkel Timothy und die Tanten Ann, Juley und Hester lebten.

    Das Haus ist riesig. Vermutlich ist es auch ein Reihenhaus.



    Re: Forsyte Saga

    Hazel - 05.07.2008, 00:52


    An der Themse steht Cleopatras Nadel. Dieser Obelisk wird einmal kurz in Schwanengesang erwähnt (das ist das dritte Buch in der "Modernen Komödie") und hat etwas mehr Gewicht in der Geschichte "Pfauenschreie" in dem Kurzgeschichtenbuch "Auf der Forsyte Börse".



    Re: Forsyte Saga

    Adminette - 06.07.2008, 18:40


    ich habe mir jetzt mal die ITV forsythe saga (naja, die erste reihe) am stück angeschaut und fürs erste viereckige augen und elegante kopfschmerzen :wink: ist irene auch im buch/der ersten serie so furchtbar gravitätisch?

    hazel, sind die drehorte, die du genannt hast aus der neuen reihe (wurde die alte überhaupt ausserhalb des studios gedreht?)? zumindest das haus der tanten kommt mir unbekannt vor. aber onkel timothy auch, muss also nix heissen. bei einigen anderen schauplätzen hatte ich eher den eindruck, man hätte im ehrenhof eines größeren anwesens gedreht, und das als ganzen straßenzug deklariert. dafür kam mir der pier in bournemouth aus tim burtons "sweeney todd" recht bekannt vor.



    Re: Forsyte Saga

    Hazel - 06.07.2008, 19:07


    Das sind die Straßennamen bzw. Adressen aus dem Buch. Timothy zB wohnte in der Bayswater Road, und das Bild zeigt das entsprechende Haus in London ;). Nur um die Größenverhältnisse festzuhalten. In der 2002er Verfilmung sind die Gebäude viel zu groß. Aber das ist vermutlich ein Zugeständnis an den Zeitgeschmack.

    Irene (im Buch) ist sehr passiv und spricht wenig. Man erlebt sie mehr durch die Stimme des Erzählers und weiß deshalb wenig von "ihr selbst". Sita Williams wollte in der Verfilmung Irene's "Hauteur" hervorheben (was immer das bedeuten soll), und wählte deshalb eine entsprechende Schauspielerin, die das darstellen konnte. Ich halte Gina McKee für eine Fehlbesetzung.

    Anna hat folgendes geschrieben:
    bei einigen anderen schauplätzen hatte ich eher den eindruck, man hätte im ehrenhof eines größeren anwesens gedreht, und das als ganzen straßenzug deklariert. .

    Das ist der Innenhof von Pemberley 95 :D und sieht in der Forsyte Saga furchtbar aus! Old Jolyon wohnt da, wenn ich nicht irre.



    Re: Forsyte Saga

    simone - 07.07.2008, 10:57


    Anna hat folgendes geschrieben: ich habe mir jetzt mal die ITV forsythe saga (naja, die erste reihe) am stück angeschaut und fürs erste viereckige augen und elegante kopfschmerzen

    Respekt! Ich konnte mir das nur häppchenweise geben :wink: . Die II. Serie hat mir nicht mehr so gut gefallen wie die I. Ich fand das ganze Hin- und Her zwischen Jon und Fleur so nervig.... :tot: ich hätte mich ja gleich für Michael Mont entscheiden :D .



    Re: Forsyte Saga

    Adminette - 08.07.2008, 12:12


    ich hab mir jetzt auch den zweiten teil der serie "to let" (schöne betitelung) angeschaut und nun verstanden, warum die romane ulli und hazel so am herzen liegen. ich nehme mal an, das serienpersonal und dementsprechend die geschichte wurde etwas heruntergekürzt, oder was ist mit val darties schwester und soames forsytes mutter geschehen? dementsprechend weiß ich nicht, ob fleurs und jons geschichte auch im buch so derartig im vordergrund stand. es wäre zumindest nicht ganz unsinnig, scheint es mir doch eines der schwerfallendsten beispiel von "sein lassen" zu sein :wink:

    jedenfalls habe ich wieder einen grund, mich zu ärgern, dass ich vor 2 jahren im 1€uro-antiquariat nicht rechtzeitig zu geschlagen habe, als alle fünf bände in ordentlichem, alten einband vor mir standen, und mich anblinzelten :zeter:

    simone hat folgendes geschrieben: ich hätte mich ja gleich für Michael Mont entscheiden

    ah. ein alter angel clare fänn, richtig? obwohl ich immer noch nicht recht weiß, was thomas hardy bewogen haben mag, ihm diesen namen zu geben. und ich habe auch eine richtige weile gebraucht, bis mir endlich klar wurde, woher ich oliver milburn denn nun kenne. dito fleur. in "tod auf dem nil" sah sie ja doch etwas anders aus... hum wie num, ich werde mal auf jagd nach den büchern gehen und hoffen, dass ich mit einer blonden irene zurechtkomme :wink:

    Hazel hat folgendes geschrieben: Nur um die Größenverhältnisse festzuhalten. In der 2002er Verfilmung sind die Gebäude viel zu groß. Aber das ist vermutlich ein Zugeständnis an den Zeitgeschmack.

    ich weiß garnicht recht. so sehr groß sahen viele räume doch gar nicht aus, wenn man von den großen beletage-räumen absieht? auf jeden fall werde ich mich gleich mal auf die suche nach robin house machen. bosinney war ja ein wahrer c. r. macintosh oder doch frank lloyd wright? :shock:

    PS: kennt jemand diese galsworthy verfilmung?

    PPS: okay, jetzt bin ich aber platt. ITV hat sich ja direkt in unkosten gestürzt und robin hill war komplett kulisse :eek: das im bau befindliche gebäude und auch die fernsichten auf das haus in serie 1 sahen ja noch sehr nach kulissenbau und CGI aus. aber die gartenanlage und innenräume in serie 2 hatten mich schon überzeugt. nicht schlecht nicht schlecht. und man orientierte sich tatsächlich an frank lloyd wright und charles rennie macintosh



    Re: Forsyte Saga

    simone - 08.07.2008, 18:24


    Anna hat folgendes geschrieben:
    PS: kennt jemand diese galsworthy verfilmung?


    Kenne ich leider auch nicht, klingt aber mal interessant. Hier gibts einen Trailer, gibts aber wohl kaum irgendwo zu kaufen.



    Re: Forsyte Saga

    Ulli - 09.07.2008, 10:52


    Neugierig geworden habe ich jetzt mal wieder im Buch geblättert:

    Eigentlich könnte man jeden zweiten Satz des ersten Kapitels hier zitieren, weil so viele einfach köstliche Perlen sind, wie z. B. "Wenn ein Forsythe sich verlobte, heiratete oder geboren wurde, waren die Forsythes dabei. Wenn ein Forsythe starb - aber bis jetzt war noch kein Forsythe gestorben; sie starben nicht, der Tod widersprach ihren Grundsätzen, sie trafen Vorsichtsmaßregeln dagegen, ganz instinktiv, wie Menschen von hoher Lebenskraft, die keine Eingriffe in ihr Eigentum dulden." Zwischen all der Konversation wird kurz das Porzellan befühlt "Das ist kein echtes Worcester" oder der Kronleuchter "Das ist echte alte Vergoldung, so was gibt es heute nicht mehr. Der brächte einen guten Preis bei Jobson".

    Verfilmung und Buch haben sehr unterschiedliche Startpunkte: Das Buch fängt mit der Verlobung von June an und erwähnt nebenbei, daß Irene und Soames wohl in getrennten Schlafzimmern schlafen. Auch der junge Jolyon ist bereits wieder verheiratet und hat zwei weitere Kinder. Die wichtigsten Figuren werden eingeführt, aber vor allem Denken und Fühlen der Forsythes, die nur eine Generation zuvor noch halbbäuerlich war und deren Vater Steinmetz und schließlich Baumeister war: "Der einzige aristrokratische Zug, die sie in seinem Wesen entdecken konnten, war seine Gewohnheit, Madeira zu trinken." Es wird gezeigt, daß nur eine Generation später man mittendrin - und dies scheinbar schon seit Ewigkeiten - im gehobenen Mittelstand ist und alles Denken und Fühlen (so vorhanden) sich nach den gesellschaftlichen Werten und Normen richtet und dem Streben der damaligen Zeit. So kann ein Bosinney, der beim Antrittsbesuch bei den drei Tanten einen grauen Hut trägt, das Gefüge gewaltig durcheinanderbringen, weil man einen grauen Hut bei einer solchen Gelegenheit einfach nicht trägt und Junes Erklärung, er interessiere sich nicht für das, was er trägt, nur noch größeres Entsetzen auslöst.

    Bosinney wird übrigens auf Grund seiner ausgeprägten Physognomie als "Jahrmarktstiger" und mit langen Locken beschrieben, also keine Ähnlichkeit mit Gryffud. Soames Forsythe hat man in der neuen Verfilmung deutlich gehübscht ("glattrasiert, mit flachen Schultern, flachen Wangen und flachen Hüften, dabei rundlich wirkend"), aber das Kalte, Besitzstandswahrende bringt Damien Lewis sehr gut rüber. June Forsythe wird als winzig und energisch beschrieben, mit Gillian Kearny perfekt besetzt und zudem ist sie die einzige Besetzung, die in Buch und Film genau übereinstimmt.

    Schön ist auch -ähnlich wie bei E. M. Forster - wie von kleinen Nebensächlichkeiten der Bezug zu größeren Dimensionen hergestellt wird, wie bei Tante Anne:"Graue Locken rahmten ihre Stirn ein, Locken, die seit Jahrzehnten unverändert, allen Sinn für Zeit in der Familie ausgelöscht hatten."

    Zu Annas Frage, wie Irene im Buch beschrieben wird: "Eine große Dame von schöner Gestalt - ein Familienmitglied hatte sie einmal mit einer heidnischen Göttin verglichen - beobachtete die beiden mit einem schattenhaften Lächeln...Es war Wärme in ihren Wangen, aber wenig Farbe, ihre großen dunklen Augen blickten sanft. Aber die Männer schauten auf ihre Lippen, wenn sie mit jenem schattenhaften Lächeln eine Frage stellte oder eine Antwort gab. Es waren sensitive Lippen, süß und sinnlich, und wie von einer Blume schien Wärme und Duft von ihnen auszugehen." Später wird sie als "stille Göttin mit forschendem Blick" beschrieben, ebenso ihr "bernsteinfarbenes Haar" und die dunkelbraunen Augen. "Sie war stets schweigsam, passiv, sanft abweisend".

    Gina McKee ist also eine Fehlbesetzung sondergleichen, weshalb in der Szene, als sie bei den Forsythes eingeführt hat und alle sie als hübsches Ding und Schönheit bezeichnen, da aber ein schwarz und etwas merkwürdig gekleideter hochaufgeschossener Hungerhaken steht, Ton und Bild fast unfreiwillig komisch sich widersprechen. Ich habe mir aber den ersten Teil des ersten Teils gestern erstmals angesehen und finde, daß trotz offensichtlicher Fehlbesetzung McKee sich sehr gut schlägt. Ihr Profil gibt ja was her und dieses Passive und dennoch etwas eigensinnige spielt sie gut.



    Re: Forsyte Saga

    Adminette - 09.07.2008, 11:05


    ich hatte mit mckee ob ihrer verstockten art im ersten serienteil so meine probleme, aber ich fand sie im zweiten doch ausnehmend gelungen, wo sie von der unglücklichen ehe mit soames schonwieder einigermaßen genesen ist. auf jeden fall kann man ihr keine "hauteur"-losigkeit vorwerfen. ich glaube allerdings auch, dass es recht schwierig gewesen wäre, jemanden mit so weichen zügen und farben, wie es im buche steht, ausfindig zu machen, der dann noch ein so bisweiles kalt erscheinendes, mysteriöses wesen rüberbringen könnte.

    wie gesagt, ich bin mal gespannt, wie ich so mit der buchirene zurecht komme.

    PS: an den filmen hat mich überhaupt etwas verwundert, wie unglaublich gut sich alle mann gehalten haben. da wurde zwar nicht mit aufgemalten altersflecken und und faltenziehenden tinkturen gespart. aber beispielsweise soamesies haare waren zum ende hin immernoch so feurig wie zu anfang. gut das die anzahl der verstrichenen jahre da häufiger mal eingeblendet wurde...

    dass sich die hintergrundgeschichten einiger leute im gegensatz zur serie erst mit der zeit zu entspinnen scheinen finde ich ganz gut. die bücher gibt es zwar zu spottpreisen bei amazon, aber die ganze saga in einem taschenbuch?!? :suspekt: wie klein soll das denn gedruckt sein?

    PS: sehe ich das richtig, dass "a modern comedy" die geschichte der forsytes fortsetzt? ich konnte auf die schnelle bei den üblichen verdächtigen adressen leider keine zusammenfassung der bücher entdecken.



    Re: Forsyte Saga

    Ulli - 09.07.2008, 11:46


    Ich meine, daß die "Moderne Komödie" die Fortsetzung in der nächsten Generation ist. Da ich die Bücher aber auch seit etwa 15 Jahren nicht mehr gelesen habe, bin ich mir nicht absolut sicher. Zudem gibt es auch noch die "Cherrell-Chronik", die sich auf eine andere Familie bezieht, in der aber auch irgendwelche Forsythes (Fleur?) vorkommen.

    Zum Umfang der Forsythe-Saga: Ich habe ein Ausgabe von 1925 in zwei Bänden (wohl alle drei Generationen), der erste Band hat 590 Seiten.



    Re: Forsyte Saga

    Hazel - 09.07.2008, 23:47


    simone hat folgendes geschrieben:
    Respekt! Ich konnte mir das nur häppchenweise geben :wink: . Die II. Serie hat mir nicht mehr so gut gefallen wie die I. Ich fand das ganze Hin- und Her zwischen Jon und Fleur so nervig.... :tot: ich hätte mich ja gleich für Michael Mont entscheiden :D .
    Mich hat vor allem Fleur genervt, weil sie so verzogen rumgeschrien hat.



    Re: Forsyte Saga

    Hazel - 10.07.2008, 00:23


    Ulli hat folgendes geschrieben: Ich meine, daß die "Moderne Komödie" die Fortsetzung in der nächsten Generation ist. Da ich die Bücher aber auch seit etwa 15 Jahren nicht mehr gelesen habe, bin ich mir nicht absolut sicher. Zudem gibt es auch noch die "Cherrell-Chronik", die sich auf eine andere Familie bezieht, in der aber auch irgendwelche Forsythes (Fleur?) vorkommen.

    Zum Umfang der Forsythe-Saga: Ich habe ein Ausgabe von 1925 in zwei Bänden (wohl alle drei Generationen), der erste Band hat 590 Seiten.

    @Anna: Es ist so, wie Ulli es geschrieben hat.
    Der erste Band ist "Die Forsyte Saga", das gezeigte Taschenbuch-Exemplar ist die neue Übersetzung.

    @Ulli: Da du die Familie so gut kennst :lol:, erinnerst du dich, ob Emily und Holly sich jemals getroffen haben? Ich lese und lese seit Tagen, und finde keine entsprechende Stelle, wo das steht.

    Die gezeigte Galsworthy-Verfilmung kenne ich auch nicht. Danke für den you-tube-link, simone.

    Kate Winslet hätte eine prima Irene abgegeben, finde ich. :wink:



    Re: Forsyte Saga

    Ulli - 10.07.2008, 10:40


    Kate Winslet...heidnische Göttin - jo, wär ne Überlegung wert.

    Meine Bekanntschaft mit der Familie Forsythe hat - von der Hälfte des ersten Kapitels mal abgesehen - die letzten 15 Jahre geruht und die Cherrel-Chronik habe ich vor ca. 20 Jahren gelesen! Setze daher bitte zunächst keine Hoffnung in mich, zumal ich - nach Beendigung des Krimis, den ich gerade lese - noch nicht weiß, ob ich die Forsythe-Saga ernsthaft in Angriff nehme, da ich ja nu gerade erst die Pallisers durch bin. Holly ist glaube ich die Tochter des jungen Jolyon, aber wer ist Emily?



    Re: Forsyte Saga

    Hazel - 10.07.2008, 16:10


    Ulli hat folgendes geschrieben:
    Holly ist glaube ich die Tochter des jungen Jolyon, aber wer ist Emily?
    :lol: Emily ist die Frau von James. Da sie wesentlich jünger ist als er, überlebt sie ihn um viele Jahre.

    Ich meine mich zu erinnern, dass Winifred (Tochter von James und Emily) Holly kennengelernt hat (da diese ja Winifreds Sohn Val geheiratet hat) aber da die Familien verfeindet waren, gab es wohl nicht viele Treffen.
    Gut, ich werde also weiterlesen :oelig: .



    Re: Forsyte Saga

    Ulli - 17.07.2008, 11:08


    Ich fand die Film-Fleur so unsympatisch, daß ich vom ersten Buch gleich zum zweiten übergegangen bin, denn so schrecklich hatte ich Fleur gar nicht in Erinnerung.

    Tatsächlich wieder eine Fehlbesetzung, die aber im Gegensatz zu Gina McKee nichts ausbügeln konnte. Wo im Film Fleur total leer, rumzappelnd und intrigant wirkt, ist sie im Buch lebendig, prägnant und in sich ruhend. So lädt sie sich im Buch nicht selbst ein, sondern wird von Holly and Val eingeladen, ohne großes Getöse wie im Film wird ihr Leiden und ihre Versuche, Erklärungen für alles zu finden, geschildert. Dabei redet sie eher weniger und rumzappeln tut sie schon gar nicht. Allerdings sagt Holly zu Jon im Buch, daß "Haben" bei Fleur eine großen Rolle spielt und Fleur hält tatsächlich Informationen zurück, um Jon zur Heirat zu bewegen. Bei Galsworthy ist man nicht immer mit Fleur einverstanden, aber man mag sie in ihrer Art und in ihrer Bedrängnis.

    Mal abgesehen davon, daß beide Hauptdarstellerinnen nicht gerade perfekt sind, haben aber die Kostümbildner mit den Figuren der beiden auch erhebliche Schwierigkeiten. Mal weiß man mit der hageren Statur von Gina McKee nichts anzufangen und dann mit der 1920 gänzlich unmodernen Figur der Fleur-Darstellerin. Bei beiden hängen die Kleider am Körper, ohne eigentlich zu ihm zu passen, wobei es bei Gina McKee´s Kostümen noch einigermaßen geht. Aber bei Fleur sitzt kein Kleid vernünftig (allerdings ist auch kein Kleid hübsch). Als hätte man es für eine andere Schauspielerin gemacht und nun nicht die Zeit, irgendwo noch Abnäher etc. anzubringen.

    Den zweiten Teil der Forsythe-Saga rettet eigentlich nur das restliche Ensemble. Die Geschichte selbst ist nerviger und aufgeblähter als im Buch. Und so ein harmonisches Ende zwischen Soames und Irene gibt es auch nicht. Es stimmt einen zwar milde, aber da Buchende ist irgendwie schöner.

    Werde mich mal auf die Suche nach der Cherell-Chronik machen, wenn mich nicht alles täuscht, ist die Geschichte zwischen Fleur und Jon zunächst noch nicht zu Ende.



    Re: Forsyte Saga

    Ulli - 21.07.2008, 09:05


    Anna hat folgendes geschrieben:
    PS: sehe ich das richtig, dass "a modern comedy" die geschichte der forsytes fortsetzt? ich konnte auf die schnelle bei den üblichen verdächtigen adressen leider keine zusammenfassung der bücher entdecken.

    Mein Bücherregal in Berlin überrascht mich immer wieder. Ich war der festen Überzeugung, die Cherell-Chronik zu haben, was nicht der Fall ist, dafür habe ich die dreibändige Ausgabe der Modernen Komödie, deren Besitz ich wiederum nicht vermutet hätte. Also: Die Forsythe Saga fängt an mit Junes Verlobung an und endet mit Fleurs Hochzeit (bei mir zwei Bücher mit je über 500 Seiten). Die moderne Komödie spielt zwischen 1922 und 1926.



    Re: Forsyte Saga

    Hazel - 24.07.2008, 15:17


    Anna hat folgendes geschrieben:
    PS: sehe ich das richtig, dass "a modern comedy" die geschichte der forsytes fortsetzt? ich konnte auf die schnelle bei den üblichen verdächtigen adressen leider keine zusammenfassung der bücher entdecken.
    Das ist immer etwas verwirrend. Es gibt drei dicke Bände (à ca. 800-850 Seiten). Den dritten Band, die Cherrell-Chronik/Das Ende vom Lied kann man gleich vergessen, da kommen keine Forsytes mehr vor. Was in den Verfilmungen gezeigt wird, sind Inhalte von Band 1 (Die Forsyte Saga) und 2 (Moderne Komödie).



    Re: Forsyte Saga

    Hazel - 24.07.2008, 15:24


    Ulli hat folgendes geschrieben: Ich fand die Film-Fleur so unsympatisch, daß ich vom ersten Buch gleich zum zweiten übergegangen bin, denn so schrecklich hatte ich Fleur gar nicht in Erinnerung. Ich fand Fleur in der neuen Verfilmung auch schrecklich, ein verzogener, herumschreiender Fratz. In der älteren Verfilmung ist sie sehr sympathisch, flink und charmant, trotz ihrer Fehler.

    Zitat: Allerdings sagt Holly zu Jon im Buch, daß "Haben" bei Fleur eine großen Rolle spielt und Fleur hält tatsächlich Informationen zurück, um Jon zur Heirat zu bewegen. Bei Galsworthy ist man nicht immer mit Fleur einverstanden, aber man mag sie in ihrer Art und in ihrer Bedrängnis. Das Besitzergreifende hat sie von ihrem Vater Soames, heißt es.

    Zitat: Die Geschichte selbst ist nerviger und aufgeblähter als im Buch. Ja, so empfinde ich das auch. Zitat: Und so ein harmonisches Ende zwischen Soames und Irene gibt es auch nicht. Es stimmt einen zwar milde, aber da Buchende ist irgendwie schöner. Das harmonische Treffen ist erfunden.



    Re: Forsyte Saga

    Ulli - 24.07.2008, 16:27


    Hazel hat folgendes geschrieben: Anna hat folgendes geschrieben:
    PS: sehe ich das richtig, dass "a modern comedy" die geschichte der forsytes fortsetzt? ich konnte auf die schnelle bei den üblichen verdächtigen adressen leider keine zusammenfassung der bücher entdecken.
    Das ist immer etwas verwirrend. Es gibt drei dicke Bände (à ca. 800-850 Seiten). Den dritten Band, die Cherrell-Chronik/Das Ende vom Lied kann man gleich vergessen, da kommen keine Forsytes mehr vor. Was in den Verfilmungen gezeigt wird, sind Inhalte von Band 1 (Die Forsyte Saga) und 2 (Moderne Komödie).

    In der neuen Verfilmung mit Gina McKee bleibt die "Moderne Komödie" ausgespart.



    Re: Forsyte Saga

    rafael - 08.12.2009, 20:24


    Endlich habe ich Film und Buch der Forsyte-Saga bekommen und begonnen. Ich habe bis jetzt zwei Teile des Filmes geschaut und bin im Buch ungefähr da, wo klar wird, was zwischen Soames und Irene läuft.

    Aber was ich überhaupt nicht verstehe, warum hier soviele Soames für einen eiskalten Tyrannen halten und (unterschwellig) es ihm gönnen, das Irene ihm davonläuft (das vermute ich mal, das Ende habe ich noch nicht gesehen).

    Weder im Buch noch im Film habe ich diesen Eindruck. Im Gegenteil: Für mich stellt sich Irene als ziemlich kaltes und berechnendes Miststück dar. Sie heiratet Soames, obwohl sie ihn von Anfang an verabscheut. Wer heiratet jemanden, den er verabscheut - wie pervers ist denn das? Sie macht das nur fürs Geld - und wie solche Frauen heutzutage genannt werden, ist ja wohl klar (auch wenn sie heute nicht mehr heiraten).

    Sicher ist mir klar, das Frauen zu damaliger Zeit nicht so viele Möglichkeiten hatten, aber ich finde es einen Verrat an Soames, ihn zu heiraten. Er hat sich eine richtige Ehe gewünscht und (nach Buch) auch einiges dafür getan. Sie hat ihn die ganze Zeit nur verabscheut und gehaßt... Von ihrer Seite ist nie auch nur ein erkennbares Zeichen gekommen, das sie es wenigstens versucht hätte.

    Auch wenn Soames nicht der Charmbolzen ist, mehr hat er meiner Meinung nach schon verdient.

    Aufgefallen ist mir im Film das rote Kleid von Irene auf dem Ball, wo sie und Bosinney sich finden. Das hat nur Spaghettiträger, konnte man denn um diese Zeit schon so ein Kleid tragen?



    Re: Forsyte Saga

    Adminette - 08.12.2009, 23:00


    ich habe die bücher mal in ganz hübschen einbänden beim gebrauchtbücherladen entdeckt. bevor ich aber geld geholt hatte und zuschlagen konnte, waren sie weg. alle weg...

    deswegen habe ich nur mal die neuste verfilmung gesehen - das müßte die sein, die auch du gerade siehst, wenn du von irenes rotem kleid sprichst. allerdings war die nicht so tiefgreifend aufwülend, dass ich mich übers sehen hinaus noch damit beschäftigt hätte. ich hatte aber auch den eindruck, dass irene nicht die sympathieträgerin schlechthin war. obwohl ich gina mckees irene eher noch der gefühlskälte und unaufrichtigkeit als der reinen geldgeilheit in verdacht hatte. was nicht bedeutet, dass soames nicht auch eine gehörige portion antipathie mit sich brachte.

    rafael hat folgendes geschrieben: Sie macht das nur fürs Geld - und wie solche Frauen heutzutage genannt werden, ist ja wohl klar (auch wenn sie heute nicht mehr heiraten).

    naja, ich schätze, dass das berufsfeld für huren auch heute noch etaws anders aussieht und: sie heucheln keine liebe :wink: allerdings gibt es auch heute genügend damen, die sich allein wegen des geldes binden und sogar heiraten bzw. genügend sogenannte hausfrauen oder besser -weibchen (nicht, dass ich die richtige hausfrauenarbeit mißachten wollen würde) die in das von dir beschriebene profil passen.

    rafael hat folgendes geschrieben: Aufgefallen ist mir im Film das rote Kleid von Irene auf dem Ball, wo sie und Bosinney sich finden. Das hat nur Spaghettiträger, konnte man denn um diese Zeit schon so ein Kleid tragen?

    meinst du das unten stehende kleid? mal abgesehen davon, dass das leichte, rote kleid wohl irenes leidenschaftliches brodeln (was immer spätviktorianische damen so machen) und sich preisgeben in genau diesem moment ausdrücken sollte, fand ich es nur etwas zu luftig sitzend (keine unterwäsche, sprich: kein korsett, sie war also eher unten drunter zu nackicht :wink:). vom schnitt und der allgemeinen unbedecktheit her paßt es durchaus in die mode der zeit. vielleicht etwas extravagant, aber nicht ausgeschlossen. man predigte den damen ja auch eher nur in aller öffentlichkeit die angewandte sittsamkeit...

    falls du dich für historische kleider interessierst: hier gibt es eine prima galerie mit originalkostümen zu durchstöbern. in dem absatz von 1880 findet sich auch dieses kleid mit so gut wie nicht vorhandenen ärmeln:



    Re: Forsyte Saga

    rafael - 09.12.2009, 14:17


    Anna hat folgendes geschrieben:
    deswegen habe ich nur mal die neuste verfilmung gesehen - das müßte die sein, die auch du gerade siehst, wenn du von irenes rotem kleid sprichst. allerdings war die nicht so tiefgreifend aufwülend, dass ich mich übers sehen hinaus noch damit beschäftigt hätte.
    Ja, es stimmt, ich sehe die neue Verfilmung. Wobei es schon stimmt, recht aufwühlend ist die Verfilmung nicht, sie läuft so bissel plätschernd dahin (zumindest in den meisten Teilen).

    Anna hat folgendes geschrieben: naja, ich schätze, dass das berufsfeld für huren auch heute noch etaws anders aussieht und: sie heucheln keine liebe :wink:
    Ich habe bis jetzt an keiner Stelle des Buches und auch des Filmes je das Gefühl gehabt, das Irene ihrem Mann was vorspielt - das kann ich ihr nicht vorwerfen.
    Aber gerade deshalb finde ich es schlimm, sie heiratet einen Mann, den sie verabscheut, tut nie irgendwas, um evt. eine "normale" Ehe zu führen.
    Es gab ja damals (und in geringem Umfang sicher auch heute) viele arangierte Ehen, wo sich aber die Partner doch mehr oder weniger "gefunden" haben, wo zumindest Respekt voreinander da war. Und selbst das vermisse ich bei Irene.
    Wenn es nicht das Geld war, welches sie zur Heirat verführt hat, was dann?

    Übrigends bin ich gerade an der Stelle im Buch angekommen, wo Soames seiner Frau Gewalt antut - da wird er mir dann doch unsympathisch, auch wenn es ihm hinterher leid tut... So was finde ich genauso unentschuldbar.

    rafael hat folgendes geschrieben: Aufgefallen ist mir im Film das rote Kleid von Irene auf dem Ball, wo sie und Bosinney sich finden. Das hat nur Spaghettiträger, konnte man denn um diese Zeit schon so ein Kleid tragen?

    Anna hat folgendes geschrieben: meinst du das unten stehende kleid? mal abgesehen davon, dass das leichte, rote kleid wohl irenes leidenschaftliches brodeln (was immer spätviktorianische damen so machen) und sich preisgeben in genau diesem moment ausdrücken sollte, fand ich es nur etwas zu luftig sitzend (keine unterwäsche, sprich: kein korsett, sie war also eher unten drunter zu nackicht :wink:). vom schnitt und der allgemeinen unbedecktheit her paßt es durchaus in die mode der zeit. vielleicht etwas extravagant, aber nicht ausgeschlossen. man predigte den damen ja auch eher nur in aller öffentlichkeit die angewandte sittsamkeit...

    Das Kleid, welches ich meine, war noch etwas luftiger obenrum. Aber du hast sicher recht, dass das Kleid in dem Augenblick ein Stilmittel war. Aber ich hätte nicht gedacht, das man vor der Jahrhundertwende schon so offenherzige Kleider getragen hat, da hätte mit Sicherheit kein Korsett drunter gepasst (wobei, bei der Schauspielerin war wahrscheinlich auch kein Korsett nötig :wink: - bei ihr konnte man fast Knochen zählen)



    Re: Forsyte Saga

    Ulli - 09.12.2009, 16:46


    Irene so gestrenge zu sehen, bin ich noch gar nicht auf die Idee gekommen. Mir ist so, als wäre Irene des ewigen Werbens Soames, dem sie nicht entkommen konnte, leid gewesen und hätte schlicht nachgegeben, zumal sie wohl auch keine Alternative sah. Wieweit da irgendwelche wohlmeinenden Verwandten/Bekannten auch noch auf Irene einwirkten, habe ich jetzt nicht im Kopf.

    Irene ist ja zunächst mal jemand, der sich nicht offen wehrt, sondern still verweigert. Und obwohl ich mit antriebslosen Menschen, die alles über sich ergehen lassen, sonst nichts anfangen kann, hatte ich bei Irene immer das Gefühl, daß sie trotzallem eine Art von stiller, unkapputtbarer Unabhängigkeit bewahrt hat. Außerdem erschien mir Irene gar nicht so sehr als eigener Charakter, sondern mehr als das jeweilige Bild dessen, der sie betrachtet: Die andern reagieren auf sie, sie selbst handelt oft gar nicht. Erst später ändert sich das in gewissem Maße, daß plötzlich sie selbst Entscheidungen trifft und andere sich damit konfrontiert sehen und reagieren müssen.

    Als aufwühlend habe ich die Serie auch nicht gefunden, die Bücher hingegen schon. Wobei man seinen modernen Kopf aus der aus heutiger Sicht eher altmodischen Handlung und Verhaltensweise mancher Figuren wohl eher raushalten muß. Ich habe damals (zugegeben, es waren die empfänglichen Teenagerjahre) reichlich - besonders mit dem jungen und alten Jolyon - mitgelitten.



    Re: Forsyte Saga

    rafael - 09.12.2009, 22:22


    Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Gerade habe ich mir den zweiten Band - die Moderne Komödie - bei Ebay ersteigert. Aber erstmal ist der erste Band dran.

    Irene hätte ich gerne im Buch und auch Film immer wieder mal gerne geschüttelt: "Nun sag doch endlich mal was, Mädchen! Wie sollen die anderen wissen, wie es dir bei dem Ganzen geht?!"
    Vielleicht ist das auch der Knackpunkt, da Irene sich (bis jetzt) nie zu irgendwas groß geäußert hat, ist sie mir in ihrem Wesen total fremd geblieben. Sie kommt mir vor wie jemand, der einem die Hand ohne Druck gibt - so ein "Nasser Fisch-Hände-Druck" *schüttel*



    Re: Forsyte Saga

    Hazel - 29.12.2009, 01:12


    rafael hat folgendes geschrieben: Auch wenn Soames nicht der Charmbolzen ist, mehr hat er meiner Meinung nach schon verdient.
    ...
    Aufgefallen ist mir im Film das rote Kleid von Irene auf dem Ball, wo sie und Bosinney sich finden. Das hat nur Spaghettiträger, konnte man denn um diese Zeit schon so ein Kleid tragen?

    Ich finde dieses Spaghetti-Träger-Kleid auch übertrieben. Zwar kontern Befürworter damit, dass in den Modezeitschriften von damals solche Kleider gezeigt wurden, aber ich bin immer noch der Meinung, dass (auch heute noch) manche dieser Moden gar nicht getragen werden.

    Viele mögen Soames übrigens gerne, ich habe in meiner Forsyte-Saga-Karriere mehr Soames-Liebhaber angetroffen als Irene-Befürworter *schniff*. Dadurch, dass sie so wenig spricht, kann man sich kaum ein Bild von ihr machen.

    Ich bin übrigens mit der 1967er Verfilmung groß geworden und ein großer Fan von ihr. Obwohl sie - aus heutiger Zeit betrachtet - nicht mehr mithalten kann. Es war damals schon ein großes Projekt, dass David Giles alle drei Bände verfilmen wollte, da war das Geld sicherlich knapp. Deshalb wurde auch schwarz-weiß gedreht, weil das billiger war. Es wurde dann auch nur ein Teil von Band 2 verfilmt (als Serie). Fleur ist wirklich bezaubernd in dieser Serie. Hast du schon von Fleur gehört?



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