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Re: Gedanken zum Buch "Prediger"
Nachtperle - 06.01.2008, 16:32Gedanken zum Buch "Prediger"
Andacht vom 09.03.2005:
Was ist alt?
Denk an deinen Schöpfer ... ehe die bösen Tage kommen und die Jahre sich nahen, da du wirst sagen: "Sie gefallen mir nicht." Prediger 12,1
In den folgenden Versen schildert der Schreiber dieses Bibelabschnittes in poetischer Weise das Altwerden. Wenn man jung ist, fühlt man sich noch weit davon entfernt. Aber wann ist man jung, wann ist man alt? In manchen Berufen müssen heute junge Menschen schon mit 30 Jahren hören, dass sie zu alt seien.
Was ist alt? Ist es das Abnehmen der Kraft? Sind es die Falten im Gesicht, die grauen Haare? Jeder hat so seine Vorstellung von "alt", und damit verknüpfen sich Ängste: Angst vor dem Schwinden von Schönheit und Jugendlichkeit; Angst, nicht mehr gebraucht zu werden; Angst vor gesundheitlichen Mängeln; Angst, nicht mehr aktiv am Leben teilnehmen zu können und damit Lebensqualität zu verlieren. Älter werden setzt Grenzen - Grenzen für körperliche und geistige Kraft. Dies bedeutet für jeden, den es betrifft, eine schmerzliche Erfahrung. Das sind die Jahre, von denen wir sagen: Sie gefallen uns nicht. Und doch können solche Zeiten der Begrenzung und Veränderung zu einer positiven Neuorientierung des Lebens führen. Man kann sich ganz neu entdecken, wird vielleicht auf eine besondere Weise kreativ, sucht nach Möglichkeiten, sein Leben trotzdem mit Sinn und Freude, mit Lebensqualität, zu füllen. Für Christen wird dann eine Verheißung Gottes zu einem lebenswichtigen Zuspruch: "Bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet... Ich will heben und tragen und erretten." (Jes 46,4)
Vielleicht kann dich dieser Zuspruch von ängstlichen Befürchtungen im Blick auf künftige Tage befreien. Gott ist unser Schöpfer und unser himmlischer Vater und begleitet uns auf allen Abschnitten unseres Lebens.
Marli Weigt
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.
Andacht vom 06.12.2006:
Nicht mit der Lupe!
Sei nicht allzu gerecht. Prediger 7,16
Ist das wirklich ein Bibelwort? Kann man gerechter als gerecht sein? Oder gibt es eine Steigerung von "gerecht"? In einer Auslegung des Buches Prediger wird dieser Ausspruch Salomos sogar als oberflächlich und unbiblisch bezeichnet.
Wie kam Salomo zu dieser Aussage und welchen Rat will er uns damit erteilen? Auf keinen Fall will er zum oberflächlichen und ungerechten Handeln Gott und den Menschen gegenüber ermutigen. Aus dem Zusammenhang geht hervor, dass der weise Prediger seine Beobachtungen über das Verhalten der Menschen niederschrieb. Neunundzwanzigmal finden wir in seinem Buch die Wendung: "Es geschieht nichts Neues unter der Sonne." Es ging ihm also nicht um das "gerechtsein" des Menschen vor Gott, sondern darum, wie gerecht bzw. richtig wir Menschen miteinander umgehen.
Natürlich gibt es Normen und Regeln, wie man sich in der Gesellschaft verhält. Aber wie erfülle ich diese Anstandsregeln im Sinne der Nächstenliebe? Bestimmt nicht immer vollkommen - aber von meinen Mitmenschen erwarte ich, dass sie mir gegenüber stets "gerecht" und richtig handeln. Das ist die Problematik der Selbstwahrnehmung, dass wir eigenes Verhalten anders beurteilen als das des anderen: Unser eigenes Verhalten empfinden wir als "gerecht", das Fehlverhalten des anderen aber als "ungerecht".
Vielleicht könnte man den Rat des Salomo daher so formulieren: Sei im Beurteilen des Nächsten und seines Tuns nicht allzu streng. Sitze nicht wegen geringer Fehler und Schwächen in Gedanken oder gar mit Worten über ihn zu Gericht. Lege nicht jedes Wort auf die Goldwaage, brich nicht wegen Kleinigkeiten einen Streit vom Zaun. Kämpfe nicht so lange, bis du sagen kannst: Ich habe Recht behalten. Sei barmherzig mit dem anderen, dann kannst du auch bei eigenem Fehlverhalten mit Barmherzigkeit rechnen. Wer seinen Mitmenschen nur streng und gerecht begegnet, muss damit rechnen, in gleicher Weise behandelt zu werden. Mit welchem Maß ich messe, so werde ich auch gemessen (Mt 7,2) - und das kann für mich sehr ungünstig ausgehen. Darum gilt Salomos Rat: "Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest."
Hermann Beier
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.
Andacht vom 08.09.2006:
Essen "darf schmecken"
Ich [Salomo] bin zu der Erkenntnis gekommen, dass wir Menschen in dem kurzen Leben, das Gott uns zugemessen hat, nichts Besseres tun können als essen und trinken und es uns wohl sein lassen bei aller Mühe, die wir haben. So hat Gott es für uns bestimmt. Prediger 5,17 (Gute Nachricht Bibel)
Essen und Trinken gehören zu den absolut notwendigen Regelmäßigkeiten unseres Lebens. Die Frage ist, welchen Wert wir diesen Notwendigkeiten beimessen. Unser Gott will, dass wir Wohlgefühle dabei haben. Schon für das Volk Israel lautete der von Gott gestiftete Traum "Genuss im Überfluss": "Ich will es aus Ägypten führen und in ein fruchtbares und großes Land bringen, ein Land, das von Milch und Honig überfließt." (2 Mo 3,8 GNB)
Gott hat überhaupt eine ausgeprägte Freude an festlichen Mahlzeiten. Als Abraham von drei Männern besucht wird, wird er ganz beflissen zu einem Gastwirt, der seine Frau zur Gourmetköchin macht: "Abraham lief sogleich ins Zelt und sagte zu Sara: ,Schnell, nimm drei Backschüsseln von deinem feinsten Mehl, mach einen Teig und backe Fladenbrot!'
Dann lief er zum Vieh, suchte ein schönes, gesundes Kalb aus und befahl dem Knecht, es zuzubereiten. Er holte süße und saure Milch, nahm das gekochte Fleisch und trug alles hinaus unter den Baum. Mit eigener Hand bediente er seine Gäste und stand dabei, während sie aßen." (1 Mo 18,6-8 GNB)
Auch Jesus lebte durchaus nicht asketisch, sondern liebte es, zu essen und zu trinken, und musste sich sogar dem Vorwurf stellen: "Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt, und sie sagen: ,Seht ihn euch an, diesen Vielfraß und Säufer, diesen Kumpan der Zolleinnehmer und Sünder.'" (Mt 11,19 GNB) Jesus hat scheinbar keine Gelegenheit ausgelassen, sich einladen zu lassen und Feste zu feiern. Kurz vor seinem Tod stiftete er das Abendmahl, das Christen bis heute feiern, um Mahlgemeinschaft mit Jesus zu haben.
Das Essen und Trinken, im Kreis der Familie und darüber hinaus, ist sehr biblisch. Deshalb ist es sicher nicht verkehrt, wenn in einem christlichen Heim nicht nur religiöse Bücher, sondern auch Kochbücher stehen. Freue dich heute auf dein Essen und Trinken. Genieße es und danke Gott für die Gabe des Schmeckens. Und wenn es möglich ist, pflege dabei Gemeinschaft mit anderen Menschen. So will es Gott.
Christian Noack
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.
Andacht vom 25.05.2006:
Schnell im Lob, langsam in Kritik
Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest. Prediger 7,16
Dieses Wort macht uns nachdenklich. Einerseits sollen wir doch nach Gerechtigkeit und Weisheit streben, andererseits werden wir gewarnt: Sei nicht allzu gerecht, wenn du andere beurteilst, und bilde dir nicht ein, weise zu sein, und vor allem: gib vor anderen nicht damit an. Also, sei nicht selbstgerecht.
Diesen Gedanken unterstreicht der Prediger im selben Kapitel noch einmal: "Denn es ist kein Mensch so gerecht auf Erden, dass er nur Gutes tue und nicht sündige." (V. 20) Mit anderen Worten heißt das doch: Werde nicht hochmütig aufgrund deiner Erkenntnis oder deines christlichen Lebenswandels. Wir werden aufgefordert, über uns nachzudenken, uns zu fragen, weshalb wir uns als Richter über andere aufspielen oder mit unserm Wissen angeben.
Als Autofahrer erleben wir immer wieder Situationen, die uns aufregen: riskante Überholmanöver, zu schnelles Fahren u. v. m. Aber, wenn wir ehrlich sind, merken wir, dass auch wir mal eine Verkehrsregel übertreten oder ein anderes Auto übersehen haben.
In Römer 12,3 (Hfa) heißt es: "Schätzt euch nicht höher ein, als euch zukommt. Bleibt bescheiden und maßt euch nicht etwas an, was über die Gaben hinausgeht, die Gott euch geschenkt hat." Wir werden aufgefordert, uns selbst besser zu erkennen, in gewissen Situationen zurückhaltender zu sein und anderen nicht unsere Ansichten aufzuzwingen.
Folgender Ausspruch von Albert Camus kann uns zu denken geben: "Seine Prinzipien und Grundsätze soll man für die wenigen Augenblicke, die besonderen Situationen in seinem Leben aufsparen, in denen es auf Grundsätze ankommt. Die meiste Zeit genügt ein wenig Liebe, Verständnis für andere und Barmherzigkeit."
Herr, hilf mir heute, schnell im Loben und langsam im Kritisieren zu sein, schnell im Vergeben und langsam im Urteilen, schnell im Helfen und langsam im Neinsagen. Herr, halte du mein Temperament und meine Zunge unter Kontrolle, damit ich nicht hartherzige, sondern heilende Worte spreche. Danke, dass du mein Denken und Handeln beeinflusst, damit ich meinem Nächsten in Liebe begegnen kann.
Heinz Weigmann
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.
Re: Gedanken zum Buch "Prediger"
Nachtperle - 06.01.2008, 16:34
Andacht vom 26.01.2006:
Echt "cool"
Wenn des Herrschers Zorn wider dich ergeht, so verlass deine Stätte nicht; denn Gelassenheit wendet großes Unheil ab. Prediger 10,4
Mit klugem Blick und großem Verstand hat Salomo die Menschen seiner Zeit in ihrem täglichen Verhalten beobachtet, seine Schlüsse daraus gezogen und gute Ratschläge erteilt. In ihrem charakterlichen und sittlichen Wesen sind die Menschen heute nicht anders als damals. "Es geschieht nichts Neues unter der Sonne." (Pred 1,9) In den Kapiteln neun und zehn zeichnet der Prediger das Portrait eines Weisen und eines Narren. In ähnlicher Lebenslage verhält sich der eine töricht und der andere klug.
Unserem Andachtstext liegt eine konkrete Situation zu Grunde: Ein "Herrscher", sprich Chef, Vorgesetzter, Abteilungsleiter, Lehrer oder Lehrherr ist berechtigter- oder unberechtigterweise über mich erzürnt und lässt seine Macht oder Laune an mir aus. Wie reagiere ich? Wie ein Weiser oder wie ein Törichter? Besonnen oder unbeherrscht?
Besonnenheit und ruhige Gelassenheit sind immer die besseren Verhaltensweisen, denn Unbeherrschtheit zieht meistens größeres Übel nach sich und vergiftet die Atmosphäre.
"Es ist wohl eine schwere Aufgabe für einen Weisen, sich aufblähenden und gewalttätigen Torheiten gegenüber die Seelenruhe zu bewahren. Zumal, wenn die herrschende Torheit oder die törichte Herrschaft persönlich wird, so ist die Versuchung zur Reizbarkeit drohend. Aber es wäre der Weisheit zur Gottseligkeit sehr unwürdig, dem Zorn mit Zorn, der Leidenschaft mit Leidenschaft zu begegnen." (Quandt)
Um in einer kritischen und aufgeheizten Situation gelassen bleiben zu können, ist geistliche Gesinnung und ein selbstbeherrschtes Leben erforderlich. Dazu will uns Gott durch den Heiligen Geist verhelfen.
Ich weiß nicht, wie dein und mein Tag heute verlaufen werden, ob es Augenblicke geben wird, wo wir durch aufbrausendes Verhalten größeres Unheil anrichten oder durch Gelassenheit größeren Ärger abwenden können. Ich wünsche dir und mir für den heutigen Tag und alle, die noch folgen, dass es uns gelingt, den Rat des Salomo zu beherzigen: "Bleibe gelassen, dadurch vermeidest du große Fehler." (Pred 10,4 Hfa)
Hermann Beier
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.
Andacht vom 11.01.2006:
Wissen und Weisheit
Durch Lernen und Erfahrung habe ich [Salomo] ein ungeheures Wissen erworben. Doch als ich darüber nachdachte, was Wissen eigentlich wert ist und was der Kluge dem Dummen und Beschränkten voraushat, erkannte ich: Auch die Bemühung um Wissen ist Jagd nach Wind. Prediger 1,16.17 (Die Gute Nachricht)
Immer mehr Quizshows flimmern über die bundesdeutschen Mattscheiben. Kinder und Jugendliche, die Jahre lang "keinen Bock" auf Lernen und Allgemeinbildung hatten, kauften Bücher, die sie "quizfest" machen. Auf einmal hat Wissen einen Wert- man könnte damit bei einer Fernsehshow prahlen und Tausende Euro gewinnen!
Nicht erst seit der Pisa-Studie dämmert den Leuten, dass eine gute Bildung ein Kapital fürs Leben darstellt. "Wissen ist Macht", hat ein kluger Kopf gesagt. Und trotzdem kommt der weise Salomo zu dem resignierten Urteil: "Wer viel weiß, hat viel Ärger. Je mehr Erfahrung, desto mehr Enttäuschung." (Pred 1,18 GNB)
Als Salomo das erkannte, beschloss er, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Er wollte im Hier und Jetzt glücklich sein. Aber auch das erwies sich als unbefriedigend. Sogar seine überragenden Leistungen in Kunst, Literatur und Architektur gaben seinem Leben keinen Sinn. "Alles war letztlich sinnlos - als hätte ich versucht, den Wind einzufangen! Es gibt auf der Welt keinen bleibenden Gewinn", schlussfolgert er (Pred 2,11 Hfa).
Der Mensch findet keine echte Sicherheit in seinem Wissen, auch nicht in dem, was er besitzt oder was er geleistet hat. "Ich habe über alles nachgedacht und bin zu der Einsicht gekommen, dass auch die Klugen und Rechtschaffenen in allem, was sie tun, von Gott abhängig sind." (Pred 9,1 GNB) Damit kommt Salomo wieder auf seinen ursprünglichen Wunsch zurück. Als blutjunger König sehnte er sich nach einer engen Verbindung mit seinem Schöpfer, um richtig urteilen und entscheiden zu können. Folgendes Lebenskonzept schlägt er vor: "Genieße jeden Tag ... Denn das ist der Lohn für die Mühsal ... Wenn sich die Gelegenheit bietet, etwas zu tun, dann tu es mit vollem Einsatz. Denn du bist unterwegs zu dem Ort, von dem kein Mensch wiederkehrt." (Vers 9.10 GNB) Und dann fasst er sein ganzes Buch zusammen in dem einen Satz: "Nimm Gott ernst und befolge seine Gebote! Das ist alles, worauf es für den Menschen ankommt." (Pred 12,13 GNB)
Sylvia Renz
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.
Andacht vom 27.11.2005:
Zeit kommt - und geht
Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit, klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit. Prediger 3,4
Im dritten Kapitel des Buches Prediger kreisen die Gedanken des Schreibers zunächst um den Begriff "Zeit". Er legt dar, dass Gott für alle Dinge eine bestimmte Zeit vorgesehen hat. An insgesamt 14 Gegensatzpaaren macht er das deutlich: abbrechen - bauen, weinen - lachen, suchen - verlieren, schweigen - reden usw. Für keine Sache, für keine Tätigkeit, für keine Gefühlsregung, mag sie freudig oder traurig sein, steht dem Menschen unbegrenzte Zeit zur Verfügung - alles, aber auch alles hat auf Erden seine bestimmte Zeit, auch Besitz und Position. Alles vergeht - auch der Mensch. Diese Tatsache veranlasste Salomo mehrmals zu dem Ausspruch: "Es ist alles ganz eitel!" Heinrich Heine bezeichnete das Buch des Predigers deshalb als das "Hohelied der Skepsis".
Es kann ja auch deprimierend sein, sich bewusst zu machen, dass alles ein Ende hat. "Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon." (V. 9) Jugend hat seine Zeit, Alter hat seine Zeit, Berufsleben hat seine Zeit; Rentnerdasein hat seine Zeit; Verwaltungsstrukturen haben ihre Zeit; Reiche haben ihre Zeit. Die Auflistung könnte man beliebig fortsetzen, und Goethes Wunsch an den guten Augenblick "Verweile doch, du bist so schön!" bleibt für immer unerfüllt.
Aber Salomo sprach nicht nur von der Tatsache der Vergänglichkeit, sondern kannte gleichzeitig die faszinierende Verheißung Gottes, dass es einmal einen neuen Himmel und eine neue Erde mit ewig dort lebenden Erlösten geben wird. Er formulierte das so: "Gott hat die Ewigkeit in der Menschen Herz gelegt" (V. 11), und: "Alles was Gott tut, das besteht für ewig." (V. 14)
Noch leben wir im Auf und Ab des Zeitlichen. Die meisten Dinge auf dieser Erde wiederholen sich: Geburt, Sterben, Krieg, Mühe, Freude, Verlust, Abbruch und Gewinn. Doch einmal wird diese scheinbar ewige Zirkelbewegung zu einer geraden Linie werden, die bis in die Ewigkeit reicht. Schon heute dürfen wir uns darauf freuen und deshalb mit innerer Gelassenheit auch Salomos Rat für unser Alltagsleben beherzigen: "Da merkte ich, dass es nichts Besseres gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes." (Pred 3,12.13)
Hermann Beier
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.
Andacht vom 28.10.2005:
Gute Zeiten, schlechte Zeiten!
Denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, es sei gut oder böse. Prediger 12,14
Das ist ein unangenehmer Gedanke. Alle meine Heimlichkeiten werden ans Licht gebracht. Ist das nicht peinlich? Das Gute darf ruhig sichtbar werden, damit alle wenigstens mal erfahren, was ich geleistet habe. Aber das andere? Und überhaupt - das passt doch gar nicht zu einem "lieben" Gott. Wenn er Gericht hält, muss er ja auch verurteilen und strafen. Das hat doch nichts mehr mit Liebe zu tun, oder?
In der Bibel kündigt Gott an mehreren Stellen an, dass er Gericht halten wird: zum Beispiel in Daniel 7, 9.10 und in Offenbarung 20,11.12. Diese eindrucksvollen Schilderungen lassen deutlich werden, wie ernsthaft und konkret, aber auch wie außergewöhnlich Gottes Gericht sein wird. Gerade weil Gott liebt, ist er auch gerecht. In ihm sind Liebe und Gerechtigkeit vollkommen verbunden und nur die Tatsache, dass es dieses Gericht geben wird, macht das Evangelium sinnvoll.
Evangelium heißt "frohe Botschaft". Was ist denn das Frohmachende an dieser Botschaft? Jesus beantwortet diese Frage, indem er sagt: "Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen." (Jo 5,24) Das bedeutet: Für alle, die an ihn glauben, hat Jesus Christus das Gericht am Kreuz bereits auf sich genommen.
Mag sein, dass du ein wirklich guter Mensch bist und eine Menge guter Taten vorweisen kannst. Doch auch du kommst nicht an der Tatsache vorbei, die der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer kurz und knapp formulierte: Alle Menschen sind Sünder, auch nicht einer ist gerecht (vgl. Rö 3,23). Nur wenn du glauben kannst, dass Christus auf Golgatha auch für dich gerichtet wurde, brauchst du dich vor dem göttlichen Gericht nicht zu fürchten. Wenn du sein Opfer auch für dich in Anspruch nimmst, darfst du dich heute schon auf einen Freispruch freuen.
Marli Weigt
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.
Re: Gedanken zum Buch "Prediger"
Nachtperle - 06.01.2008, 16:38
Andacht vom 21.07.2005:
Das Leben ist schön
So kam ich zu dem Schluss, dass es für den Menschen nichts Besseres gibt, als sich zu freuen und das Leben zu genießen. Prediger 3,12 (Hoffnung für alle)
Diese Feststellung Salomos klingt wie das Leitwort der heutigen "Spaß-Gesellschaft". Weil man nicht weiß, wie lange das Leben noch dauert und was es bei zunehmender Umweltzerstörung und möglichen Naturkatastrophen in der Zukunft zu bieten hat, genießt man heute so intensiv wie möglich. Das Wort "Freude" ist längst antiquiert und vom englischen Wort "hin" (Spaß) abgelöst, um die diesbezügliche Sehnsucht der jungen Generation zum Ausdruck zu bringen.
Natürlich gehen die Meinungen der verschiedenen Generationen weit auseinander. "Für mich jedenfalls", sagt der Vater im Brustton der Überzeugung, "ist es Gnade und ein Vergnügen, arbeiten zu dürfen." - "Siehst du", erwidert der Sohn ironisch, "und ich bin der Auffassung, dass wir nicht zum Vergnügen auf der Welt sind."
Ja, was stimmt denn nun? Soll Arbeit das einzige Vergnügen sein? Oder ist unser ganzes Leben eine Suche nach Vergnügungen? Sind Vergnügungen alles im Leben?
Der Meinung Salomos kann ich mich anschließen. Er macht in den folgenden Versen deutlich, dass es eine Gabe Gottes ist, wenn man das Leben genießen kann. Und das kann nicht jeder. Mancher ist "genussbegabter" als der andere. Dem einen ist es sozusagen "in die Wiege gelegt", dass ihm das schöne und angenehme auffällt und er sich daran freuen kann. Der andere braucht Zeit zum Nachdenken über das, was ihn erfreut und er genießen kann. Er braucht Zeit und das Bewusstsein, um Schönes und Angenehmes wahrnehmen und genießen zu können.
Mein Leben in Gottes Hand zu wissen und zu erfahren, wie gut er es mit mir meint, das lässt mich das Leben genießen und bereitet mir dauerhafte, tiefe Freude.
"Denn wer kann essen und genießen ohne ihn?" (Pred 2,25) Ohne ihn kann ich es nicht und will ich es auch nicht - aber mit ihm. Das möchte ich in meinem Leben praktizieren.
Sandra C. Wieschollek
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.
Andacht vom 12.07.2005:
Lebens-Abschnitte
Alles auf der Welt hat seine Zeit: Geborenwerden und Sterben, Pflanzen und Ausreißen, ... Weinen und Lachen, Klagen und Tanzen, ... Suchen und Finden, Aufbewahren und Wegwerfen, ... Reden und Schweigen. Prediger 3,1-7 (Hoffnung für alle)
"Ich fühle mich so unnütz!", klagt eine liebe alte Freundin. "Mein Leben lang habe ich mich um andere gesorgt, war für sie da, aber jetzt fehlt mir die Kraft dazu. Wozu lebe ich überhaupt noch?"
Ich erinnere mich daran, wie viele Menschen sie durch ihre Tatkraft aufgerichtet hat, wie vielen sie Trost oder Orientierung gab. Nun geht sie auf die 90 zu, der Körper ist erschöpft, die Nervenkraft aufgebraucht, doch sie kann sich nicht damit abfinden, so "unnütz" zu sein.
Eine andere Bekannte - gerade 50 geworden - jammert: "Ich versteh das nicht! Früher habe ich doppelt so viel geleistet wie heute! Und jetzt krieg ich nichts mehr auf die Reihe!"
Das kann ich gut nachfühlen, mir geht es oft genauso, aber es hilft nicht, wenn ich dagegen anrenne und mich wehre. Unser Leben verläuft nun mal nicht in einer steilen Aufwärtskurve, sondern geht auf und ab. Jede Lebensphase hat ihren ganz speziellen Reiz, aber auch ihren besonderen Stress. Wir sollen jeden Lebensabschnitt bewusst durchleben und das Beste daraus machen, aber auch bereitwillig weitergehen. Wenn uns Gott eine Aufgabe gibt, dann müssen wir uns darauf gefasst machen, dass dieser Dienst eines Tages sein Ende findet. Kann ich ihn dann "aufgeben" und in die zweite Reihe zurücktreten?
Das Loslassen fällt leichter, wenn ich weiß, dass ich Gottes geliebtes Kind bin. Dann muss ich meinen Wert nicht an materiellen Dingen messen, und schon gar nicht an meiner Leistung oder Tüchtigkeit. Gott hat uns geschaffen, weil er uns wollte. Auch wenn wir nichts Großes vollbringen und schwach und hilflos geworden sind, hat er uns lieb - einfach, weil wir da sind. Und eins ist sicher: Er hält uns fest, seine Hand lässt uns niemals los. Glücklich ist, wer sich damit zu frieden geben kann!
Sylvia Renz
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.
Andacht vom 22.06.2005:
Zwischen den Fingern
Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht, und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind. Prediger 1,14
Wenn ich meinen Sommerurlaub am Meer verbringe, beobachte ich immer wieder gern, wie Kinder ihre Sandburgen bauen. Mit Eimern und Schaufeln, Gießkannen und Sandformen kommen sie schwer beladen an den Strand. Dann wird gebuddelt und geschaufelt, bewässert, geklopft und modelliert. Auf die Spitze der Burg kommt eine Feder oder Fahne, das Bauwerk wird mit Muschelschalen verziert und von ausgesuchten Steinen umrandet. Stolz sind sie, die kleinen Baumeister. Erst recht, wenn jemand bewundernd stehen bleibt.
Am nächsten Morgen ist die Enttäuschung meistens groß. Der Wind hat nur noch kleine Hügel von der stolzen Burg übrig gelassen. Oder die Flut hat das Bauwerk mitgerissen, weil es zu nahe am Wasser stand. Mitunter zeugen auch Fußabdrücke davon, dass jemand einfach nur Lust am Zerstören hatte. Es dauert jedoch nicht lange, und das Spiel beginnt von vorn. Wieder wird gebuddelt und geschaufelt, diesmal mit noch mehr Hingabe und noch großartigerem Ergebnis als am Vortag.
Von dieser kindlichen Art möchte ich mir etwas bewahren. Wenn ich enttäuscht bin oder wütend, weil etwas, das ich mit viel Mühe aufgebaut habe, kaputt gegangen ist. Wenn ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, meine Arbeit sei vom Winde verweht worden. Wenn mich die Ahnung beschleicht, dass alles Tun dem Bauen auf Sand gleicht, weil nichts von Dauer zu sein scheint. Dann will ich nicht aufgeben oder den Kopf in den Sand stecken, sondern von neuem planen und arbeiten. Was ich zu tun habe, möchte ich so gut und schön wie möglich machen, auch wenn es nicht für immer ist. Ich kann mich heute daran erfreuen. Und andere vielleicht auch. Es hat Sinn, immer wieder von vorn anzufangen.
Michael Götz
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.
Andacht vom 04.07.2004:
Lebensfreude
Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes. Prediger 3,12.13
Die Kunst der Lebensfreude - wie ein roter Faden zieht sich dieser Gedanke durch die zwölf Kapitel des oft viel zu wenig beachteten Buches Prediger. Von Lebensfreude - und wie man sie erlangt - reden und schreiben auch viele andere. Lebenskünstler aller Art preisen lautstark ihre Rezepte an. Wo liegt der Unterschied?
Entscheidend ist die Richtung unseres Lebens. Alle guten Gaben kommen aus Gottes Hand. IHN dürfen wir nicht vergessen. Ja, ohne den Vater im Himmel kann es tiefe, echte Freude am Leben nicht geben. Der gottlose Genießer greift eilig und begierig nach allem, was sich ihm bietet. Er ist ein unruhiger Konsument, getrieben von der Sorge, ja nichts zu verpassen, nicht zu kurz zu kommen. Christliche Lebensfreude ist frei von solcher Unruhe. Sie ist sich der göttlichen Führung gewiss.
Salomo empfiehlt uns, von der Hand in den Mund zu leben, besser gesagt: aus der Hand Gottes zu empfangen und darüber fröhlich und dankbar zu sein.
Matthias Claudius (1740-1815) hat dieses "Lebensrezept" in vorbildlicher Weise beherzigt. Von ihm können wir lernen. Er wusste, dass Gott unsere Bedürfnisse befriedigt, nicht aber unaufhörlich steigende Ansprüche. Der Wandsbecker Bote hatte begriffen, worauf es im Leben ankommt. Seine Dankbarkeit und Zufriedenheit lassen einen nicht ungerührt. Heutzutage ist es so: Je größer die Ansprüche und Wünsche werden, desto mehr schwindet die Dankbarkeit.
Matthias Claudius weist uns im Glauben den Weg zu einer Lebensweise, bei der man den Massentanz um das goldenen Konsumkalb nicht mitmacht, dafür aber Freude und Gelassenheit findet.
"Gott gebe mir nur jeden Tag, soviel ich darf zum Leben. Er gibt's dem Sperling auf dem Dach, wie sollt' er's mir nicht geben!"
Klaus Kästner
Quelle: Andachtsbuch des Advent-Verlags Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung.
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