CJZ - Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

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    Re: CJZ - Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

    Nachtperle - 06.01.2008, 19:23

    CJZ - Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
    Christus — das Ende des Gesetzes

    Paulus hat schon zu Lebzeiten und bis heute für gegensätzliche Meinungen gesorgt. Seine „Lehre” von der Gerechtmachung durch Glauben „ohne des Gesetzes Werke” (Röm 3, 28) hat – besonders im Protestantismus – zur These der vermeintlichen Unvereinbarkeit von Gesetz und Evangelium bzw. zur christlichen „Freiheit vom Gesetz” geführt. Damit verbunden ist das Vorurteil vom jüdischen Gesetz als starrem System, das kleinlich an Vorschriften festhalte. Der Mensch, der sich an rein ritueller Frömmigkeit und am „toten Buchstaben” statt am „lebendig machenden Geist” selbst rechtfertigen wolle, werde versklavt. Für das Judentum aber bedeutet das Gesetz bzw. die Thora rettende Weisung und Weg für ein gott- und menschengefälliges Leben: „Wäre deine Weisung nicht meine Freude, ich wäre zugrunde gegangen in meinem Elend” (Ps 119, 92).

    Gottes Weisung ist mir Freude und Leben

    Auch Paulus freut sich am Gesetz Gottes, leidet aber andererseits an seinem Unvermögen, es zu halten. Er klagt: „Das Gute, das ich will, tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich” (Röm 7, 14–23). So kann er durch das Gesetz vor Gott nicht gerecht sein, es macht ihm vielmehr seine Sünde bewußt (Röm 3, 20–7, 13). Für Paulus gleicht die Sünde einer dämonischen Macht, die „alle, Juden wie Griechen” gefangen hält (Röm 3, 9). Erst durch Tod und Auferstehung Jesu befreie Gott die Menschen von der Herrschaft der Sünde, so daß sie nun gläubig in einem “neuen Leben wandeln” (Röm 6, 4). Weil er glaubt, kann der Mensch der Thora gemäß leben: „Damit die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist”, sagt Paulus (Röm 8, 2–4).

    Dieses „Leben im Geist” ist jedoch nicht als christliche Freiheit von der Thora gemeint, gleichsam im Gegensatz zum „Leben im Fleisch” als sogenannter jüdischer Gesetzlichkeit. Die „Gerechtigkeit aus Glauben” vertieft die „Thora der Gerechtigkeit” des Mose (Röm 10, 5), hebt sie aber nicht auf. Nach dieser Weisung der Gerechtigkeit trachtet man im Glauben an Jesus, der „unter die Thora getan” (Gal 4, 4) das Gesetz erfüllte (vgl. Mt 5, 17ff).

    In diesem Sinn ist auch Röm 10, 4 „Christus ist das Ende des Gesetzes” zu verstehen. Die einseitige Übersetzung des griechischen „telos” mit Ende (es bedeutet auch Ziel und Erfüllung) und seine oft abwertenden Äußerungen haben zum Mißverständnis beigetragen, Paulus wolle das Gesetz abschaffen. So muß Paulus immer wieder selbst verursachte Mißverständnisse ausräumen: „Ist denn das Gesetz Sünde? Das sei ferne!” Sondern “das Gesetz ist heilig und das Gebot ist heilig, gerecht und gut” (Röm 7, 7.12). Paulus will die Thora nicht durch den Glauben aufheben, sondern vielmehr aufrichten (Röm 3, 31).

    Um eine antijüdische Lesart der Paulusbriefe zu vermeiden, ist es notwendig, sie als innerjüdische Schriften zu verstehen. Die oft kontroverse Auslegung der Thora war damals und ist bis heute jüdische Praxis. Auch die Fragen, ob Heidenchristen beschnitten werden und alle kultisch-rituellen Gebote halten müssen, werden innerjüdisch diskutiert. Paulus selbst war stets stolz auf sein Jude-Sein, seine pharisäische Herkunft und auf seine theologische Ausbildung bei Gamaliel, einem angesehenen rabbinischen Gelehrten. Weder für sich selbst noch für die von ihm betreuten Gemeinden hatte Paulus ein Christentum vor Augen, das vom Judentum getrennt war. Aber die Enttäuschung, mit seiner Christus-Botschaft bei vielen seiner Landsleute auf Widerstand zu stoßen, hat ihn oft zu harten, unsachlichen Angriffen verleitet (z. B. 1 Thess 2, 15), die später, aus dem konkreten geschichtlichen Zusammenhang gerissen, christlichen Antijudaismus verstärken konnten.

    Die mahnenden Worte, mit denen Paulus eine beginnende feindselige Überheblichkeit von Heidenchristen gegenüber der jüdischen Muttergemeinde abwehrt (Röm 9–11), sind in der kirchlichen Verkündigung dagegen kaum zum Tragen gekommen. Hier bekennt sich Paulus ganz eindeutig zum Judentum und zu seinem Volk.

    Aus Glauben heraus die Gebote Gottes leben

    Die gesetzlichen Erleichterungen, die Paulus für sie erwirkt hat, sind für die Heidenchristen kein Freibrief, die Gemeinschaft mit dem jüdischen Volk zu verlassen. Vielmehr sind sie es, die Israeliten, denen die Kindschaft Gottes gehört durch den nie aufgekündigten Bund und die Thora, die Paulus hier eindeutig zu Gottes Heilsgaben an Israel zählt (Röm 9, 4f). Nur durch den Glauben an den Juden Jesus gehören auch die Heidenchristen zum Volk Gottes und zu Israels Gott, der dieses Volk erwählt hat und dessen Erwählung Gott – unabhängig vom Glauben an Jesus – nicht zurückgenommen hat (Röm 11, 2.29).

    Israel ist der „Ölbaum” in den die Heidenchristen als „wilde Zweige” eingepflanzt sind, um an dessen Erwählung und Verheißungen teilzuhaben (Röm 11, 16–18). Das gilt auch für uns. Uns als die aus dem Glauben an den Messias Jesus zu Israel Dazugekommenen zu sehen, könnte nicht nur unser christliches Selbstverständnis, sondern auch unser Verhältnis zum Judentum als unserer Mutterreligion neu bestimmen.

    Mag. Evi Krobath, evangelische Theologin, Wien
    © Copyright 1999.
    Mit freundlicher Genehmigung der Kirchenzeitung der Diözese Linz



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