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Re: Paul Gerhardt
Xantos - 06.01.2008, 00:48Paul Gerhardt
Paul Gerhardt (* 12. März 1607 in Gräfenhainichen im Kurfürstentum Sachsen; † 27. Mai 1676 in Lübben (Spreewald)) war ein evangelisch-lutherischer Theologe und gilt neben Martin Luther als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter.
Gräfenhainichen
Paul Gerhardt wurde als zweites von vier Kindern in eine Gastwirtsfamilie geboren. Er erhielt den Vornamen seines Großvaters väterlicherseits, der sich einst in Gräfenhainichen niedergelassen hatte. Sein Vater, Christian Gerhardt, hatte am 12. Mai 1605 in der Nikolaikirche in Eilenburg Dorothea Starcke geheiratet, die Tochter des Eilenburger Superintendenten Caspar Starcke, die ihrem Mann nach Gräfenhainichen folgte. Hier wurde ihnen 1605 der Sohn Christian geboren; es folgten Paul, Anna (1612) und Agnes (1619).
Pauls Vaterstadt, seinerzeit noch Henichen genannt, hatte um die Zeit seiner Geburt ungefähr 1000 Einwohner. Sein Vater ernährte die Familie durch die Bewirtschaftung eigenen Gartenlands; er engagierte sich zudem im Rat der Stadt und wurde zu einem der drei Bürgermeister gewählt. Paul besuchte die Stadtschule, in der er sich Grundkenntnisse in der lateinischen Sprache und im Chorgesang erwarb. Wie viele andere Familien in Kursachsen hatten auch die Gerhardts unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges – Hungersnot, Seuchen und den Übergriffen der Soldaten – zu leiden; 1619 starb sein Vater, 1621 die Mutter.
Gerhardts Lieddichtung will den Leser zu einem Gespräch mit Gott führen und im Menschen Vertrauen wecken in eine kirchliche und persönliche Frömmigkeit. Somit bilden seine Werke den Übergang von der kirchlichen Objektivität zur Subjektivität des persönlichen Gefühlslebens, vom Bekenntnisgesang zum Erbauungslied. Bei Martin Luther ruft die Gemeinde zu Gott, bei Gerhardt spricht der Einzelne. Gerhardts Lieder markieren den Anfang einer neuzeitlichen deutschen Lyrik und weisen in einer neuen Zeit den Weg zur barocken Lieddichtung, die später Johann Wolfgang von Goethe perfektionieren sollte
Bedeutung
Obwohl Paul Gerhardt einer geistigen und dichterischen Zeit angehört, die uns fern zu liegen scheint, lebt er heute noch unmittelbar im Bewusstsein seiner Werke fort. Seine Lieder sind tief religiösen Charakters und entsprechen damit ganz der Eigenart seiner religiös orientierten Zeit. Sie sind insofern der typische Ausdruck jener Periode und zielen jedoch zugleich weit darüber hinaus. In Gerhardt zeigt sich die Verkörperung eines selbstständigen natürlichen Denkens und Empfindens, wenngleich er in den Überlieferungen der lutherischen Orthodoxie verwurzelt ist und an ihnen festhält.
Ohne weiteres steht ihm das Verdienst zu, die Entwicklung vom Bekenntnislied zum Andachtslied und das zuversichtliche Preis- und Gedankgebet gefördert zu haben. Seine Gedichte haben sich zu Volks- und Familienliedern christlichen Glaubens entwickelt. Sie geben Worte zu Lob und Dank und spenden Trost im Leid.
Nachwirkung
Paul Gerhardts Lieder wurden schon bald nach ihrem Erscheinen auch in andere Gesangbücher übernommen. In der Zeit der Aufklärung schätzte man ihn hingegen wenig, seine Lieder wurden stattdessen wie auch andere seiner Zeit, häufig umgedichtet. Erst nach den Befreiungskriegen, zur Zeit von Romantik, Erweckung und Vormärz, hat das Schaffen Gerhardts neue Anerkennung gefunden, so etwa durch Ernst Moritz Arndts Schrift Vom Wort und von dem Kirchenliede.
Die Wiederentdeckung der Oratorien Bachs durch Felix Mendelssohn Bartholdy ließen die Choräle Gerhardts darin neu präsent werden. Viele seiner Choralstrophen (vor allem Befiehl du deine Wege) gehörten für Generationen zum Lernpensum des Konfirmandenunterrichts.
Gerhardts Dichtungen haben nicht nur die Zeiten überdauert, sondern sind grenzübergreifend zwischen konfessionellen und sprachlichen Schranken geworden. So wurden sie in die holländische, französische, englische, spanische, aber auch in afrikanische, asiatische und in andere Sprachen übersetzt. Sie fanden Eingang in katholische Gesangbücher, und auch in der reformierten Kirche werden sie gesungen. Damit ist Gerhardt zum ökumenischen Dichter geworden. Gerhardt hat für fast jede Festgelegenheit gedichtet. Die ständige Auseinandersetzung mit seinen Texten macht ihn daher gegenwärtig.
Im derzeitigen Evangelischen Gesangbuch (1993) sind 26 Lieder Gerhardts enthalten, in Regionalteilen weitere vier.
Erinnerungskultur
200 Jahre nach seinem Tod wurde 1876 an seiner letzten Ruhestätte in Lübben eine Gedenktafel angebracht, die 1976 erneuert wurde; 1907 wurde vor der Kirche ein Denkmal errichtet. Im Jahre 1930 gestaltete man das Eingangsportal zum Turm der Kirche neu und versah es mit Gerhardts Liedzeile „Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit“.
Die Geburtsstadt Gräfenhainichen errichtete 1830 zum Gedächtnis eine Paul-Gerhardt-Kapelle sowie 1907 ein Paul-Gerhardt-Haus, wo sich auch das 1911 geschaffene Denkmal von Johann Friedrich Pfannschmidt befindet. Die Lutherstadt Wittenberg bewahrt sein Andenken im Paul Gerhardt Stift, in der Paul-Gerhardt-Straße und den beiden Gedenktafeln am Wohnhaus von Paul Gerhardt; die Gedenktafel aus Sandstein von 1924 an der Rückseite des Hauses ist jedoch stark verwittert.
In der Mittenwalder St. Moritzkirche hat man 1950 buntbleiverglaste Chorfenster von Gerhard Olbricht eingefügt, die Paul Gerhardt als Prediger und Dichter zeigen. Nach einem Festgottesdienst am 14. Juli 2001 wurde an der Südseite der Stadtpfarrkirche ein Denkmal enthüllt, das nach der Vorlage des Gipsmodells von Pfannschmidt aus dem Jahre 1905 gefertigt ist. Dieses befindet sich im Diakonissenmutterhaus im Paul Gerhardt Stift Berlin. Ebenfalls in Berlin, an seiner Hauptwirkungsstätte, der Berliner Nikolaikirche, befindet sich seit 1957 eine Gedenktafel; eine weitere, die im Jahre 1999 angebracht wurde, würdigt neben Gerhardt auch Johann Crüger.
Die erste Ausgabe der Schallplattenreihe Mathias Wiemans kleine Diskothek widmet sich 1961 insbesondere dem Schaffen Paul Gerhardts als Lyriker.
Doch nicht nur in den Hauptwirkungsstätten finden sich die Spuren Gerhardts. Da er als Dichter grenzüberschreitend wirkte, findet sich sein Name in vielen deutschen Städten und Gemeinden an Schulen, Kindergärten, Häusern, Straßen, Kirchen und Gemeinden. Diese Einrichtungen halten den Namen Paul Gerhardts im Andenken der Menschen aufrecht. Günter Grass hat Paul Gerhardt 1979 in seinem Werk Das Treffen in Telgte ein literarisches Denkmal gesetzt. Er beschreibt Paul Gerhardt darin als Gesellschaftskritiker.
Im Jahr 2007 wird Gerhardts 400. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass veröffentlichten Musiker wie Dieter Falk und Sarah Kaiser, die eher dem konservativen Flügel des Protestantismus zuzuordnen sind, verjazzte Variationen zu Paul Gerhardts Liedern. Einige sehen in dieser Modernisierung frühneuzeitlicher Orthodoxie ein Gegenwicht zu theologischen Aufbrüchen in feministischer und befreiungstheologischer Tradition dar, das einer verbreiteten Tendenz zum Konservatismus in der protestantischen Volksfrömmigkeit entspreche.
Quelle> Wikipedia
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Erklärungsurl - gepostet von Nachtperle am Montag 23.04.2007
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