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Re: Alles wie gehabt
Xantos - 06.01.2008, 00:05Alles wie gehabt
Alles wie gehabt
Jehovas Zeugen haben während einiger Wochen in den Monaten Oktober und November 2004 auf Weisung ihrer Führung, der sogenannten ‚Leitenden Körperschaft‘ und der Wachtturm-Gesellschaft (WTG), eine Broschüre mit dem Titel ‚Wachsamkeit dringend nötig‘ von Tür zu Tür sowie auch in der Öffentlichkeit verteilt. Diese Broschüre war im Rahmen ihrer Kongresse im Sommer 2004 freigegeben worden.
Rechtfertigt der Inhalt der Broschüre eine so groß angelegte Sonderaktion? Fördert sie in Christen die Liebe zu unserem himmlischen Vater und seinem Sohn? Mein Eindruck ist, daß sie das keineswegs tut; vielmehr versucht sie, die Menschen in Unruhe zu versetzen wegen des doch so nahe bevorstehenden ‚Endes‘ und wegen der Gefahr, dann für immer verloren zu sein. Eine junge Frau - keine Zeugin oder Ex-Zeugin -, welche die Broschüre gelesen hatte, meinte dazu: ‚alles, was sie machen, ist, den Menschen zu sagen, was sie tun sollen‘. Ich denke, diese Äußerung bringt den Inhalt auf den Punkt, und die Botschaft echter Nächstenliebe und von Mitleid kommt einfach nicht vor.
Für mich persönlich waren zwei Punkte bedeutsam, einer, der ‚vorkam‘ und einer, der ‚nicht vorkam‘.
Der ‚vorkommende‘ Punkt:
Auf Seite 14 wird unter der Überschrift ‚Was wäre anders, wenn du es wüsstest?‘ - gemeint ist das so oft selbst mit genauen Daten angekündigte Ende der gegenwärtigen menschlichen Ordnung – im letzten Absatz gesagt: ‚Echte Christen möchten ewig leben, um für immer Jehova zu dienen. Diese Aussicht ist nicht weniger kostbar, nur weil sie auf manche Segnungen etwas länger warten müssen, als der eine oder andere sich vorgestellt haben‘ (Kursiv von mir).
Der eine oder andere? Wieder einmal bringt es die WTG nicht fertig, bei den Tatsachen zu bleiben. War es nur der eine oder andere, der das Ende früher erwartet hatte? Wurde nicht immer wieder eine solche Erwartungshaltung ‚von oben‘ geschürt, sogar terminiert? Wurden Skeptiker nicht als glaubensschwach hingestellt, oftmals diffamiert und als solche bezeichnet, die dem ‚treuen und verständigen Sklaven‘ in den Rücken fielen? Hier nur einige Zitate, die beliebig vermehrt werden könnten:
Nach den Worten Jesu kommt das Ende in den Tagen der Generation, die den Beginn der ‚letzten Tage‘, im Jahre 1914, erlebt hat. (Wachtturm vom 1.8.1968,Sseite 457, Abs. 7).
Es dauert höchstens noch ein paar Jahre, bis sich der letzte Teil der biblischen Prophezeiung über diese ‚letzten Tage‘ erfüllen wird und die Menschen, die dann noch am Leben sind, durch die herrliche Tausendjahrherrschaft Christi befreit werden. (Wachtturm vom 1.8.1968, Seite 464, Abs. 7)
Das Jahr 1975 ... Die Nähe dieses bedeutenden Jahres regt die Vorstellungskraft an und bildet einen unerschöpflichen Gesprächsstoff. (Wachtturm vom 15.11.1968, Seite 686, Abs. 1)
Sollten wir aufgrund dieses Studiums annehmen, daß im Herbst 1975 die Schlacht von Harmagedon vorüber sein und die langersehnte Tausendjahrherrschaft Christi beginnen wird? Vielleicht.... Weil Adam nach seiner Erschaffung noch einige Zeit am ‚sechsten Tag‘ lebte. ....der sechste Schöpfungs-‚Tag‘ kann jedoch im Verlauf desselben Kalenderjahres des Gregorianischen Kalenders geendet haben, in dem Adam erschaffen wurde. Der Unterschied mag höchstens einige Wochen oder Monate, keinesfalls aber Jahre ausmachen. (Wachtturm vom 15.11.1968, Seite 691, Abs. 30)
Es ist daher jetzt nicht an der Zeit, mit dem Gedanken zu spielen, Jesus habe ja gesagt: "Von jenem Tag und jener Stunde hat niemand Kenntnis, weder die Engel der Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater.""(Matth. 24:36) Im Gegenteil,.... (Wachtturm vom 15.11.1968, Seite 693, Abs. 35).
(Im Wachtturm ^^ steht das Wort ‚niemand‘ in Kursivschrift; interessant ist doch, daß die besprochene Broschüre jetzt wieder mit dem 1968 zurückgewiesenen Gedanken Jesu spielt, denn auf Seite 14 wird als erstes Matthäus 24:44 zitiert: ‚Zu einer Stunde, da ihr es nicht denkt, kommt der Menschensohn‘).
Der Countdown,...,nähert sich der Stunde Null. Sie ist so nahe, daß eine Anzahl Personen, die 1914 am Leben waren und jetzt schon vorgerückten Alters sind, nicht sterben werden, bevor sich die begeisternden Ereignisse, die die Rechtfertigung der Souveränität Jehovas kennzeichnen, ereignet haben. (Das Taschenbuch ‚Überleben und dann eine neue Erde‘, Seite 184, Abs. 5)
Das waren Verlautbarungen des Sklaven, der über die ganze Habe Jesu gesetzt worden sein will, der Organisation Gottes, die damit das Denken, den Glauben und die Hoffnungen der Zeugen beeinflußte, steuerte und begründete, was ja auch immer ihr Ziel war und ist, denn von ihr kommt ja die ‚Speise zur rechten Zeit‘, Speise von Jehova für seine Gläubigen! Vor diesem Hintergrund muß man die angeführten Texte wie alle Worte dieser Organisation sehen!
Angesichts der oben angeführten Äußerungen der WTG, die nur eine kleine Auswahl darstellen, ist die Aussage, nur der eine oder andere habe das Ende früher erwartet, - sozusagen ‚auf eigene Kappe‘, was bei einer autoritären Organisation wie der WTG gar nicht möglich ist, es sei denn, er verberge seine Gedanken -, unschwer als Unwahrheit zu erkennen (oder sollte man das doppelte un- weglassen und sagen: leicht als Lüge zu erkennen?). Solche Unwahrhaftigkeit entwertet die ganze Botschaft, gleichgültig, was an positiven Gedanken vielleicht in der Broschüre enthalten sein mag. Damit will ich nicht behaupten, daß solche Gedanken darin enthalten seien; auf jeden Fall ist nichts Neues darin zu finden.
Warum dann aber eine so große Aktion? Meine Meinung dazu ist folgende: Das schon seit Jahrzehnten zwangsläufig hinausgeschobene Ende (1914, 1925, 1975, die Generation von 1914) bewirkt unter den Zeugen Enttäuschung, Lethargie, Routine, führt auch zu persönlichen Spannungen und Zwistigkeiten. Man muß diesen Menschen Ziele setzen, den Ablauf der Zeit mit gewissen Höhepunkten versehen, immer etwas geben, auf das man sich ‚freuen‘, auf das man hinarbeiten und ausblicken kann. Dazu dienen meines Erachtens auch die Kongresse, und dazu dienen eben solche besonderen Aktionen, die bei manchen, ohne daß man etwas sagen müßte, doch immer den Gedanken eines ‚Endspurts‘ erwecken. Eine Art ‚Adrenalinstoß‘ für müde gewordene Zeugen.
Der ‚nicht vorkommende‘ Punkt:
Auf Seite 11 der Broschüre werden die Leser aufgefordert, über den Rat der Bibel nachzudenken; es ist selbstverständlich, daß man auf einer Seite nicht alle Ratschläge, welche die Bibel einem Christen bezüglich seines Glaubens gibt, anführen kann. Folgerichtig muss man aber davon ausgehen, daß man für eine solche ‚Kürzestfassung‘ die wesentlichsten Punkte auswählen wird, die für das Glaubensleben eines Christen von Bedeutung sind. Und Kenner von Jehovas Zeugen sind nicht überrascht zu sehen, daß der Glaube an Christus, die Person Christi nicht in Erscheinung tritt oder erwähnt wird (das Zitat aus Johannes 17:3 bezieht sich auf das Bibellesen, nicht auf Christus als Person).
Christus ‚kommt nicht vor‘. Dabei sind Jehovas Zeugen empört, wenn man ihr Christsein in Zweifel zieht; viele antworten auf die Frage, ob sie Christen seien: ‚wir sind sogar die einzig wahren und echten Christen!‘ (Daß sie damit einen Geist des Richtens zeigen, der völlig unbiblisch ist, merken die meisten nicht einmal!).
Natürlich glauben Jehovas Zeugen an Christus. Es wird auch über ihn gesprochen, wenn er als Lehrpunkt in einem Wachtturm oder im Buchstudium vorgesehen ist. Aber kann man sagen, daß er in ihren Herzen (Galater 2:20) oder auf ihren Lippen lebt? Das oben angeführte Zitat aus der Broschüre ‚Echte Christen möchten ewig leben, um für immer Jehova zu dienen‘ spricht für sich. Der Name ‚Jehova‘ wird stets und ständig – oftmals auch durchaus unangebracht – gebraucht, ‚Jehova und seine Organisation‘ hört man allenthalben. Doch wer viel von Christus spricht, wird mit einem gewissen Mißtrauen betrachtet. Jemanden die ‚Gnade unseres Herrn Jesus Christus‘ zu wünschen, würde mehr als nur Erstaunen auslösen.
Daß Christus das Ziel des Alten Testaments und der Mittelpunkt des Neuen Testaments ist, wird Jehovas Zeugen nicht bewußt. In den Zusammenkünften sind durchaus Vorträge oder Programme möglich, in denen Christus nicht einmal erwähnt wird, oder in denen er höchstens als Vorbild im Predigtdienst zur Sprache kommt. Die Fülle der Namen und Attribute, die Jesus zuerkannt werden, und die seine zentrale Stellung deutlich machen – hier nur einige Beispiele: Sohn Gottes, Menschensohn, Guter Hirte, Retter, Eckstein, Bräutigam, Brot des Lebens, Licht der Welt, Weinstock, Weg, Wahrheit und Leben, Auferstehung und Leben, Sohn Davids, Richter, Lamm Gottes, Mittler, Friede, Hohepriester, Haupt, Abbild Gottes, Glänzender Morgenstern, Herr, Wort usw. - ist den meisten Zeugen nicht geläufig, um nicht zu sagen ‚fremd‘. Hierin ist auch der Inhalt der verteilten Broschüre nicht verschieden von den üblichen Publikationen der WTG.
Es gibt sicher noch andere Punkte und Einwendungen, die man gegenüber den Personen vorbringen kann, welche die Broschüre verbreiten, und auf Grund derer man ein Gespräch führen kann, Für mich waren diese beiden Punkte bedeutungsvoll, weil sie meines Erachtens typisch sind für den Glauben der Zeugen und die Lehre ihrer Organisation, der WTG. Trotz Aktivitätsschub und Einsatzbereitschaft, trotz des großen Aktionismus: alles wie gehabt!
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