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Re: Warten - ein Trost für die enttäuschten Hoffnungen
Nachtperle - 05.01.2008, 20:51Warten - ein Trost für die enttäuschten Hoffnungen
Warten - ein Trost für die enttäuschten Hoffnungen?
Seit Jahrzehnten wird Jehovas Zeugen von der Wachtturm-Gesellschaft (WTG) und durch ihre Leitende Körperschaft die Aussicht vorgehalten, das Ende dieser Weltordnung und Gottes Gericht, Harmagedon, zu überleben und dann in Gottes neuem System der Dinge oder in seiner neuer Ordnung nicht mehr sterben zu müssen. Immer wieder wurde in ihren Schriften betont - bis in die 90er Jahre hinein -, dass die Generation von 1914 dies alles (Ende der alten Ordnung, Beginn der neuen) erleben wiirde. Selbst nach der fehlgeschlagenen Erwartung des Endes für 1975 wurde weiterhin behauptet, das Ende käme ‘in Kürze, stehe unmittelbar bevor’ usw. Noch im Wachtturm (WT) vom 01.01.1989, S.12, wurde hervorgehoben, dass das vom Apostel Paulus begonnene Missionswerk noch im 20. Jahrhundert vollendet werde. Doch das 20.Jahrhundert ist zu Ende, Jehovas Zeugen predigen immer noch und das Ende ist nicht in Sicht.
Warten ist angesagt
Unter diesen Umständen war zu erwarten, dass die WTG etwas sagen würde, um die enttäuschten Hoffnungen ihrer Gläubigen - vor allem der Älteren - zu beschwichtigen und um ihre eigene Autorität zu stärken. Das tut sie mit dem WT vom 01.09.2000, der sich mit dem Thema ‘Warten’ befasst. Nach vielen trivialen Gedanken zu diesem Stichwort kommt sie schließlich auf S.13 zu den meines Erachtens eigentlichen und wesentlichen Punkten. Ohne die ‘Naherwartung’ des Endes direkt zu dämpfen (siehe S.16 und 18), denn der Predigteifer soll ja erhalten bleiben, werden 3 Dinge herausgestellt:
1. (Abs.7): Irrtümer werden als Verbesserung unseres Verständnisses der Bibel erklärt. Selbst wenn einzelne Zeugen bestimmte, auch heute noch vorhandene und durchaus erkennbare Irrtümer feststellen, müssen sie abwarten, denn: "Bezweifeln wir, dass ein ‘treuer und verständiger Sklave’ eingesetzt wurde, um den Dienern Jehovas ‘ihre Speise zur rechten Zeit’ zu geben?" Wer das tut, spielt bekanntermassen mit der Gefahr des Gemeinschaftsentzugs.
2. (Abs.8): Dann wird vorsichtig gesagt: ‘Einige können entmutigt sein, weil ihnen der Gedanke kommt, dass sie nach all den Jahren treuen Dienstes ‘den großen und furchteinflößenden Tag Jehovas’ womöglich nicht mehr miterleben werden.’ Dieser Gedanke wird interessanterweise nicht entschieden zurückgewiesen und mit einer zuversichtlichen ‘Überlebensverheißung’ beantwortet, etwa im Stil früherer, ‘positiver Aussagen’ über die Nähe des Endes. Man sagt vielmehr, die so schwer in ihren beständig von der WTG genährten Hoffnungen enttäuschten Zeugen könnten sich dennoch ermuntert fühlen, weil noch Millionen anderer Menschen die Wahrheit kennenlernten und kennenlernen.
Was ist daraus zu entnehmen? Für mein Verständnis:
erstens der Hinweis an all diese älteren Zeugen, die man jahrzehntelang auf die Überlebenshoffnung hinwies, verbunden mit der Aufforderung, ihr Leben möglichst ganz dem Predigtwerk zu widmen, da sie ja nach Harmagedon für alles andere, vielleicht versäumte, Zeit hätten: ‘Nun stellt euch bitte auf das Sterben ein!’
Und zweitens: die Aufforderung, sich noch ‘ermuntert’ zu fühlen, ohne ein Wort der Entschuldigung oder des Mitgefühls, erscheint mir wie eine herzlose ‘kalte Dusche’. Wer hat denn die nun zerbrochenen Hoffnungen in jenen Menschen über Jahre hinweg gezüchtet und genährt, wenn nicht die genannte kaltherzige Leitende Körperschaft? ‘Ist das nicht wunderbar?’ fragt der WT!
3. (Abs.10): Einige Abtrünnige werden angeführt, denen man früher die Gemeinschaft entzogen hatte oder welche die Gemeinschaft verlassen hatten, weil sie ‘nicht warten wollten’. Sie hatten lehrmäßige oder organisatorische Dinge als falsch erkannt und auf Änderungen gedrängt oder zumindest über ihre Ansichten gesprochen. Sie hatten - rückblickend aus heutiger Sicht - die ‘Wahrheit’ erkannt, und deshalb, weil sie nicht warteten, wurden sie zu ‘Abtrünnigen’ erklärt, auch wenn sie das durchaus nicht sein wollten. Der WT schreibt: ‘Sie wollten jedoch nicht anerkennen, dass Jehovas Geist den treuen und verständigen Sklaven veranlasst, Änderungen vorzunehmen, und zwar zu der von Gott vorgesehenen Zeit und nicht dann, wenn wir es für erforderlich halten.’ Sie wurden ausgeschlossen, weil sie in bestimmten Punkten nicht mehr Irrtum (oder gar Lüge) lehren wollten. Der WT fährt fort: ‘Alle Änderungen müssen außerdem im Einklang mit Jehovas Willen sein...’. Jehovas Wille, dem Gott des Lichts, bei dem es keine Veränderung gibt, der nie ‘falsches Licht’ sendet, oder der Wille von Brooklyn, wo man wohl opportune Zeitpunkte abwartet, um längst bekannte Falschaussagen als neues Licht zu präsentieren? Jehova ist der Gott der Wahrheit! Er verstößt niemanden, der die Wahrheit sagen will! Hier geht es doch nur um die Bewahrung der Macht, der Autorität!
Der Mohr kann gehen
Wenn ich diesen WT-Artikel all seiner schönen Worte entkleide, dann bleibt für mich als Botschaft an die Adresse all der in ihrer Hoffnung Enttäuschten und Betrübten: ‘Stellt euch auf euren Tod ein; doch warum enttäuscht sein, es gibt ja schließlich die Auferstehung; und bleibt weiterhin allezeit reichlich beschäftigt im Werk des Herrn’ (Abs.20).
Mir fiel beim Lesen ein Wort aus Schillers ‘Fiesco’ ein: "Der Mohr hat seine Arbeit getan; der Mohr kann gehen"!
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