Wer sind hier die Pharisäer?

Nachtperle's Plauderecke
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    Re: Wer sind hier die Pharisäer?

    Nachtperle - 05.01.2008, 20:44

    Wer sind hier die Pharisäer?
    Wer sind hier die Pharisäer?
    - Nachbetrachtung des Wachtturms vom 15.12.2001

    Jehovas Zeugen sind oft entrüstet, wenn man ihnen vorhält, daß Jesus nicht im Zentrum ihres Glaubens stehe. Sie weisen darauf hin, daß sie doch die Lehre vom Lösegeld vertreten und Jesus als Gottes Sohn anerkennen würden. Sie verweisen gern auf das von ihrer Leitung, der Leitenden Körperschaft, durch die Wachtturm-Gesellschaft (WTG) herausgegebene Buch 'Der größte Mensch...', das ja Jesus zum Thema habe, und jetzt z.B. auf den Wachtturm (WT) vom 15.12.2001, der ebenfalls über Jesus, seinen Glauben und sein Verhalten im Vergleich zu den Pharisäern berichtet.

    Ich möchte deshalb - trotz aller gebotenen Kürze - zwei Fragen untersuchen:

    1. Steht JESUS im Mittelpunkt des Glaubens von Jehovas Zeugen, das heißt, lebt er in ihren Herzen und auf ihren Lippen, oder steht er trotz allem sozusagen ,in einer Ecke', von wo er bei Bedarf hervorgeholt wird?
    2. Wenn ich den o.a. WT als Grundlage nehme, welchem Beispiel folgt die für Lehre und Praxis verantwortliche Organisation? Dem Beispiel Jesu oder dem der Pharisäer?

    Dazu ist es nötig, einige Zitate aus dem WT anzuführen: ich reihe sie hier lose aneinander:

    ...mit großem Einfühlungsvermögen von tiefem Mitgefühl getrieben half Jesus ... seine Entrüstung über kaltherzige Paragraphenreiter ... [Jesus war] nicht überkritisch oder arrogant oder herrisch, ... nie fordernd ... die jüdischen Führer ... stellten zahllose Regeln für praktisch alle Lebensbereiche auf. Würde es nicht auch dich bedrücken, wenn du bei allem möglichen immer nur zu hören bekämst: "Du darfst nicht?". ... Sind wir Jünger Jesu ... sollten sich andere in unserer Gegenwart geistig erquickt fühlen. ... Überall dort, wo das Gesetz ihnen [den Pharisäern] nicht konkret genug vorkam, suchten sie die scheinbaren Lücken mit detaillierten Vorschriften zu schließen, die den Gebrauch des Gewissens völlig überflüssig machten. Jene religiösen Führer wollten ein Moralgesetz schaffen, das in sämtlichen Lebensbereichen - sogar noch in Lappalien - das Verhalten regelte, ... für die Pharisäer ist Gott primär der Fordernde, für Jesus der Gütige und Barmherzige ... Indem also Jesus das doppelte Liebesgebot (Mt 22:34-40) zur Auslegungsnorm erhebt und damit die Verbindlichkeit der mündlichen Tradition ablehnt ... gerät er in Konflikte mit der pharisäischen Kasuistik. ... daß sich die Pharisäer für gütig, liebenswürdig und gerecht hielten, und ihrer Aufgabe vollständig gewachsen zu sein glaubten. ... wie das einfache Volk sie wahrnahm: als stolze, anmaßende, selbstgerechte Menschen ... Jeder von uns könnte sich fragen: "Stehe ich etwa in dem Ruf, ein Paragraphenreiter zu sein, etwa auf Regeln zu bestehen....Unablässig auf anderen herumhacken: das war die Gesinnung der Pharisäer ... Sie drängten die Menschen in die Defensive und erinnerten sie an ihre Versäumnisse ... Nie fühlten sie (die Menschen) sich von ihm (Jesus) niedergedrückt, schikaniert oder durch Vorhaltungen gepeinigt. ...War es [Gottes Gesetz] allgemeiner formuliert, ließ es Spielraum für das Gewissen und gab dem Einzelnen Gelegenheit, durch seine Entscheidungen seine Liebe zu Gott zu beweisen. ... fühlen sich ... die uns anvertrauten Menschen von uns so behandelt, wie sich die Jesus anvertrauten Menschen von ihm behandelt fühlten?'

    WT-Zitatende

    Welches Gebot könnte allgemeiner sein und daher mehr Freiheit dem Gewissen und der eigenen Entscheidung gewähren als das im WT erwähnte doppelte Liebesgebot?

    Nun zu den beiden aufgeworfenen Fragen:

    1.
    Ich behaupte nach wie vor, daß Jesus im praktischen Glaubensleben der meisten Zeugen - ich spreche allgemein, und ich hoffe selbst, daß es einzelne Ausnahmen gibt - im Vergleich zu Jehova und seiner Organisation eine periphere Rolle spielt. Wenn der 'treue und verständige Sklave' durch die WTG es für angebracht hält, Jesus 'ins Programm' zu setzen, wie zum Beispiel mit dem Jesusbuch oder mit diesem WT, dann wird der Stoff selbstverständlich auf die übliche Weise betrachtet. Aber wie lebt Jesus im Alltag des Zeugen? Um einen Zeugen über Jehova und seine Organisation sprechen zu hören, bedarf es keines Programmpunktes; beide sind ständig auf seinen Lippen, ganz ohne Programm; aber man kann ganze Zusammenkünfte erleben, Vorträge hören, ohne daß Jesus 'vorkommt'; wenn ich daran denke, was Johannes 5:23 sagt (Jesus ehren wie man den Vater ehrt), wenn ich daran denke, daß die Christen bekannt waren als solche, die diesen Namen (Jesus Christus) anriefen (1.Kor. 1:2; Apg. 4:12; 9:14,21), dann kann ich nur sagen: nach meinem durch viele Jahre der Erfahrung gefestigten Eindruck 'lebt Jesus nicht in ihrer Mitte'. er ist vielleicht eine Ikone, ein Bild, aber nicht der 'lebendige Herr'. Der wird eher und allem Anschein nach durch die 'Organisation Gottes', den 'treuen und verständigen Sklaven' vertreten, obwohl dieser 'Sklave' in dem von der WTG herausgegebenen Buch 'Organisiert, unseren Dienst durchzuführen' auf S.20 sagt: 'Wir brauchen heute genauso wenig einen menschlichen Führer wie die Christenversammlung im ersten Jahrhundert. Jesus, der im Himmel lebt, dient auch im 20.Jahrhundert liebevoll als Haupt der Versammlung'. Aber das eine ist Theorie, das andere Praxis. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen! Das gilt auch heute!

    2.
    Welchem Beispiel des Verhaltens entspricht die Leitung der Organisation - und damit notgedrungen auch die Haltung der meisten Ältesten, die ihr ja verantwortlich sind? Dem Beispiel Jesu oder dem der Pharisäer? Falls Du ein Zeuge bist oder warst, dann frage dich: konnte ich nach dem Liebesgebot Jesu frei nach meinem Gewissen handeln oder gab es 'zahllose Regeln', war man 'fordernd', Autorität in fast allen Bereichen beanspruchend? In welchem Ruf standen die - meisten - Ältesten, die ja selbst wiederum den Weisungen und Anweisungen des Sklaven folgen mußten? Gab es nicht unzählige Regeln, 'Empfehlungen' genannt? (zu mir sagte einmal ein Ältester: 'wenn der Sklave eine Empfehlung gibt, dann ist das ein Befehl'. das mag zwar nicht jeder so sehen, aber es ist die 'theokratische Haltung').

    War man barmherzig oder fordernd? Wie viele seufzen unter den vermeintlich von Gott kommenden Forderungen, angefangen vom Predigtdienst - früher gab es sogar Quoten dafür - über den Besuch der 5 wöchentlichen Zusammenkünfte bis hin zu den Studien und Vorbereitungen, ja, es wird nicht wenig gefordert, und viele empfinden diese Forderungen als Druck und Last, wagen aber nicht, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen; und dabei wird immer noch mehr 'empfohlen', zu noch mehr tun ermuntert, wie auch in diesem WT, S.12-14 wieder. Warum sind denn so viele Zeugen in ihrem 'geistigen Paradies' so depressiv? Die WTG erwähnt immer wieder die Belastungen des Alltags und empfiehlt, sich möglichst davon frei zu machen, sie erwähnt nie die Belastungen, die sie selbst verursacht, denn ihre Lasten sind ja Erquickung, wie der WT auf S.12, Abs.14 über den Predigtdienst urteilt.

    Wie steht es mit den Regeln, den Geboten und Verboten? Kannst Du nach dem Liebesgebot Jesu frei nach Deinem Gewissen entscheiden darüber, was Du tun oder lassen möchtest? Du weißt, daß es eine Fülle von Vorschriften gibt; Kritiker haben schon Listen aufgestellt, die größtenteils zutreffen. Es gab Regeln und 'Empfehlungen' bis hin zu sogenannten 'Lappalien' und bis in die privatesten Bereiche (manche wurden auch mündlich durch die Kreisaufseher und Bezirksaufseher erläutert und durch sie und durch Älteste auf ihre Einhaltung geachtet: über das Tanzen mit einem Partner, mit dem Du nicht verheiratet bist, über die geziemende Rocklänge bei Frauenkleidung, über Frisuren und Bärte, einmal sogar über die Frage, ob Männer vor Frauen den Hut ziehen sollten, über das Praktizieren von Freikörperkultur, ob man bei einer Sportveranstaltung zur Hymne aufstehen darf, ja sogar über das Verhalten von Ehepaaren 'im Schlafzimmer'. dann natürlich auch Regeln für 'wichtigere Dinge' wie Geburtstagsfeiern, Bildung und Feundschaften, Teilnahme an Wahlen oder am Zivildienst, Einsatz im Umweltschutz usw.
    Ich will mich hier weder für noch gegen diese Dinge aussprechen, sondern ich möchte zeigen, daß der einzelne Zeuge nicht die Möglichkeit hat, frei nach seinem Gewissen zu entscheiden, ohne Sanktionen befürchten zu müssen.

    Vor einiger Zeit lasen wir in diesem Forum von dem Gemeinschaftsentzug einer gewissen Rita aus der Schweiz, die ausgeschlossen wurde weil sie nach ihrem Gewissen darauf bestand, weiterhin mit einer zu Unrecht ausgeschlossenen Schwester sprechen zu dürfen. Das genügte schon für ihren eigenen Ausschluß, und selbst die Leitende Körperschaft, an die sie sich wandte, mit ihren 'liebevollen Ältesten' sahen keinen Grund, sie so zu behandeln, wie Jesus die im WT erwähnten Frauen behandelte. Unterwerfung oder Rausschmiß! Inzwischen sind dort weitere Schwestern aus dem gleichen Grund ausgeschlossen worden. Ja, sie fühlen sich durch die Vertreter der WTG wirklich 'erquickt', wie der WT schreibt. Wie steht es mit der Behandlung ehemaliger Zeugen? Besteht da Gewissensfreiheit? Jeder kennt die Antwort selbst. Und in der neuesten Angelegenheit der assoziierten Mitgliedschaft der WTG bei der UNO? In manchen Versammlungen wird das Thema totgeschwiegen, und viele Brüder haben Angst Fragen zu stellen, weil sie fürchten, dann als Abtrünnige angesehen zu werden. Bei Jesus herrschte nie Angst.

    Wenn ich die Praxis der WTG mit den Darstellungen im WT vergleiche, dann muß ich sagen, daß sie sich hier selbst entlarvt! Sie sind eindeutige Nachfolger, Abbilder der Pharisäer. Die WTG zeichnet diesem WT am Beispiel der Pharisäer ein getreues Bild von sich selbst. Ich kann nicht beurteilen, ob der Verfasser des WT so naiv diese Realitäten nicht so sieht, aber die Leitende Körperschaft, die für den Inhalt der 'Speise zur rechten Zeit' verantwortlich zeichnet, machte sich hier ganz unzweifelhaft der groben Heuchelei schuldig. Sie schreiben im WT über den Umgang Jesu mit Menschen, 'daß seine Vorgehensweise die einzig richtige war'. Doch es steht geschrieben: Denn wer da weiß Gutes zu tun und tut es nicht, dem ist es Sünde (Jakobus 4:17). Und ferner: wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit (2.Kor. 3:17); diesen Text kann man auch umdrehen: wo keine Freiheit ist, da ist der Geist des Herrn nicht! So positiv der Artikel des WT für einen unwissenden Leser klingen mag, die WTG hat sich hier - wieder einmal - selbst ein Urteil gesprochen.

    *************************************

    Nachtrag von "Theologe Franz":
    PHARISÄERTUM UND HEUCHELEI UNTER ZEUGEN JEHOVAS

    Als ich noch regelmäßig die Zusammenkünfte der Zeugen Jehovas besuchte, stand Jesus nicht bei mir im Mittelpunkt. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich eigentlich gar keinen Bezug zu ihm. Für mich stand mehr der alttestamentliche „Jahwe“ oder Jehova im Vordergrund, zu dem ich aber nur durch eine Priesterklasse kommen konnte. Dieser Tatsache war ich mir natürlich erst bewusst geworden, als ich mich von der Organisation distanzierte. Bei dieser „neuzeitlichen“ Priesterklasse handelte es sich natürlich um den selbsternannten „Treuen und verständigen Sklaven“. Wenn dieser „Sklave“ immer wieder hingeht und sich selbst und seine grandiosen Werke wie große Gebäude- und auch Hotelkomplexe, gigantische Verlagshäuser, Millionen von Publikationen und (angebliches)“Millionen“-Wachstum so in den Vordergrund rückt, um immer wieder damit seine Legitimation und Daseinsberechtigung zu „beweisen“, dann bleibt für die wichtigste Figur im gesamten Christentum, nämlich Jesus Christus, wahrlich kein Raum mehr. „Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat“, heißt es in Johannes 5:23. Die Leitung der Wachtturm-Gesellschaft gibt sich aber zuerst die Ehre und dann erst (gelegentlich!) dem Sohn. Es liegt somit auf der Hand, dass die Ehre des Vaters viel zu kurz kommt. Es ist somit, wie Gerd richtig erwähnt, eine große Heuchelei zu behaupten, man würde Jesus ehren, aber gleichzeitig Jesus nur hin wieder die Hauptrolle spielen lässt.

    Das Neue Testament lässt jedoch keinen Zweifel darüber aufkommen, dass Jesus für den echten Christen, der sich zu ihm bekennt, eine alltägliche Rolle spielt, ja 24 Stunden lang. Für einen echten Christen spielt Jesus nicht nur dann eine Rolle, weil gelegentlich eine Abhandlung im Wachtturm über ihn erscheint. Auch wenn ein ganzes Buch der WTG nur über Jesus spricht, so bedeutet es noch lange nicht, dass er nun endlich eine zentrale Rolle bei den Zeugen Jehovas einnehmen würde. Dies tut er allenfalls nur solange, wie dieses Buch über Jesus, dem größten Menschen, studiert wird. Die alljährlichen Wiederholungen im Wachtturm über Jesu Leben und Wirken, die regelmäßig vor dem Gedächtnismahl veröffentlicht werden, mögen dem Zeugen Jehovas suggerieren, Jesus sei eine Zentrale Gestalt im Leben der Zeugen. Dies trifft natürlich nicht zu. Sobald das Gedächtnismahl vorüber ist, geht der „Sklave“ wieder zur „Tagesordnung“ über und beginnt erneut, die Organisation in den Vordergrund zu rücken, sei es in Ansprachen oder in Wachtturm-Veröffentlichungen.

    Immer öfter hört man unter Zeugen Jehovas, dass die Atmosphäre in den Versammlungen immer kühler wird und das elitäres Denken und der Hochmut insbesondere von Ältesten zunimmt. Eine ältere Schwester (zw. 75 und 80 Jahre alt) sagte mir einmal am Telefon, dass sie feststellte, die Liebe unter den Brüdern würde immer mehr abnehmen. Andere Brüder, die jedes Jahr nach Mallorca in den Urlaub fliegen stellten ähnliches fest. So fiel ihnen z.B. auf, dass im Gegensatz zu den „Weltmenschen“ die sogenannten „liebevollen“ Brüder für die Appartements Wucherpreise nehmen oder zumindest wesentlich höhere Mieten verlangen. Es herrschen sogar Absprachen dort unter den Brüdern, wie hoch die Mieten sein sollen. Vermietet ein Bruder oder eine Schwester zu einem etwas geringeren Preis, als die anderen Brüder, so wird mit ihm „geschäftlich“ nicht mehr zusammengearbeitet. Man hört, dass die Brüder untereinander viel unbarmherziger miteinander umgehen, wenn es ums Geld geht, als es die „Weltmenschen“ tun. Ich kann aus eigener Erfahrung und auch von persönlichen Erfahrungen anderer bestätigen, dass sich dies tatsächlich so verhält. Innerhalb der Versammlung sind es die großherzigsten, langmütigsten und barmherzigsten Brüder und Schwestern, die man sich vorstellen kann. Sobald sie aber den Königreichsaal verlassen, muß man bedauerlicherweise feststellen, wie diese „demütigen“ und „liebevollen“ Brüder und Schwestern einer Geldliebe nachjagen, einer Geldliebe, „wie es sie selbst „nicht unter den Nationen gibt“ (1.Korinther 5:1), einer Geldliebe, die mittlerweile geschmacklose und perverse Züge angenommen hat. Ich weiß, dass sogar einige Brüder auf Mallorca regelrecht von den Vermietern beobachtet wurden, wie viele Gäste sie auf der Terrasse empfangen haben, oder es wurde ihnen vorgeworfen, dass sie zuviel Strom verbraucht hätten. Es handelt sich hier aber um Probleme, die man bei den Weltmenschen so nicht vorfindet.

    Das alles ist das Ergebnis eines elitären Geistes innerhalb der weltweiten Organisation, der dadurch Zustande kommt, indem „Werke des Gesetzes“ wie „Führungsaufgaben“ innerhalb der Versammlung, große Bauprojekte, bei denen man sich gerne im Glanz und Ruhm der Architekten und Bauherren sonnt und auch hochtrabende Titulierungen wie „Missionare“, „Kreisaufseher“, „Sonderpioniere“, „Gesalbte“ dermaßen eine Bedeutung beigemessen wird, so dass diese Eigenschaften, Funktionen und Stellungen in der Organisation einen sichtbaren Glanz ausstrahlen, der den des Herrn Jesu Christi völlig überstrahlt. Es genügt daher auch nicht mehr, dass ein Ältester oder Dienstamtgehilfe „Buchstudiumleiter“ genannt wird; er heißt jetzt „Buchstudiumaufseher“. Der Begriff „Leiter“ eines Buchstudiums lässt ja schon leider nicht mehr den Gedanken eines „Dienenden“ erkennen; wie viel weniger hier der Begriff „Aufseher“, der doch vielmehr an die Sklaverei erinnert, als diese von ihren Aufsehern ausgepeitscht wurden. Allenfalls ließe sich noch der Ausdruck „Dienstamtgehilfe“ nicht verargen, wenn er auch sprachenwissenschaftlich den griechischen Schriften getreu nicht zu rechtfertigen ist. Was der Wachtturm-Gesellschaft somit wichtig ist, ist nicht der Gedanke des „Dienens“, sondern der „Amts“gedanke. Welch ein Gegensatz zur Einstellung Jesu, der doch sagte, er sei nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen! (Matthäus 20:28; Markus 10:45)

    Das gesamte Denken und die Geisteshaltung der Zeugen Jehovas wird automatisch auf solche Eigenschaften und Positionen projiziert, so dass kein Raum mehr dafür bleibt, was es eigentlich bedeutet, ein Christ zu sein. Ein solcher Geist fördert den Stolz, Hochmut und das elitäre Denken. Vor allen Dingen Älteste betrachten sich dann nicht mehr als Diener ihrer Gemeinde, sondern als Herrscher und Führer, etwas, was dem Geist Christi völlig widerspricht. Peinlich genau achten sie darauf, dass alle Gesetze, die die WTG aufgestellt hat, eingehalten werden. Hier herrscht nicht der Geist des Herrn und damit auch keine Freiheit, sondern der der Sklaverei. Kein Wunder daher, dass der neue Ausdruck „Buchstudiumaufseher“ der passende Titel sein sollte. Es wundert daher nicht, dass in einer solchen Atmosphäre, wo in der Tat der „Geist des Herrn“ fehlt, aber wo angeblich nur Liebe herrscht, wie behauptet wird, Begierden des Fleisches geweckt werden wie Geldliebe, Hochmut, „Abgezocktheit“, Stolz, Übervorteilung, Betrügereien und Eigenschaften ans Tageslicht kommen, die bei weitem schlimmer sind, als die der „Weltmenschen“ (1.Korinther 5:1).

    Wenn Christsein das gesamte Leben umfasst, 24 Stunden lang, so bleibt einem gar nichts anders übrig, als Christus 24 Stunden zum Mittelpunkt im Leben eines bekennenden Christen zu machen. Ein wahrer Christ wird nicht nur gelegentlich Christus bekennen, sondern 24 Stunden lang. Christsein bedeutet Gewaltverzicht, Mitmenschlichkeit, Liebe, Demut, Vergebung, Diener sein statt „Aufseher“ über andere.

    Es ist schade, dass die Zeugen Jehovas nie lernen durften, was es bedeutet, ein wirklicher Christ zu sein und die damit verbundene Freiheit genießen zu können – Freiheit von Bevormundung und Versklavung, aber auch Freiheit für etwas: die Freiheit, nach eigenem Gewissen handeln und leben zu können, ohne einen Aufseher hinter sich stehen haben zu müssen, dessen Peitsche bei jedem Fehlverhalten oder jeder „Missetat“ oder Meinungsäußerung auf- und niederzuckt.



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