Italien

Welt der Träume
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    Re: Italien

    Yasha - 27.12.2007, 23:50

    Italien
    Nya, eine Geschichte aus einem Traum entstanden xD *daher auch das Wirrwar mit der Charaktergeschichte ^^*

    Kurze Zusammenfassung des Hauptcharakters:

    Lea, 15 Jahre, blond und ausgesprochen hübsch, lebt bei ihrem reichen Onkel in Japan, da ihre Eltern vor 3 Jahren bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen waren. Ihr Onkel Moara ist Schriftsteller und hat, wie viele seines Schlages, einen extravaganten Charakter, ist aber trotzdem ein feiner Kerl. Leas gesamte Familie kommt, bis auf ihre Mutter, aus Japan. Ihre Eltern hatten sich auf einem Konzert kennen gelernt, beide waren Sänger und sollten nacheinander auftreten. Daraus wurde dann schnell eine Romanze mit darauf folgender Heirat. 12 wundervolle Jahre hatte Lea mit ihren Eltern und ihrem großen Bruder Haku in Deutschland gelebt. Sie selbst kam nach ihrer Mutter, Haku nach der japanischen Verwandtschaft. Die Geschwister teilten sich ihre große Leidenschaft: Fußball. Außerdem gehörte reiten im Leben einfach dazu, schon immer hatten sie Pferde gehabt. Als Haku, kurz vor dem Tod ihrer Eltern, in eine Fußballmannschaft sehr erfolgreich als Torwart eingestiegen war, musste er sich von seiner Familie verabschieden, da sein Team große Teile der Welt bereiste, um genügend Erfahrung zu sammeln. Der Unfalltod ihrer Eltern war für beide ein großer Schock, Leas Vormundschat wurde von ihrem Onkel übernommen und Haku, der schon 18 war, spielte weiter in seiner Mannschaft. Zum ersten Mal seit dem machten Lea und ihr Onkel einen richtigen Urlaub, 6 Wochen wollten sie an der italienischen Küste mit Pferden und allem drum und dran verbringen. Dafür hatte er extra eine Villa gekauft…

    Kapitel 1:

    Mit einem Seufzen zog Lea die Sonnenbrille von der Nase und schaute sich um. Da hatte sie sich doch gleich an ihrem ersten Tag in Italien verlaufen. Ihr Onkel war nirgends zu sehen und den Stadtplan konnte sie nicht lesen, da sie noch nicht so gut italienisch sprach. Und dann hatte es sie auch noch in so eine abgelegene Gasse verschlagen, in der seltsame Gestalten rumlungerten und ihr komische Blicke zuwarfen. Lea zog einen Schmollmund, wischte sich die halblangen, blonden Haare aus dem Gesicht und beugte sich wieder über den Stadtplan. Anscheinend war diese winzige Gasse noch nicht einmal eingezeichnet.
    Noch einmal seufzte sie tief, dann zog sie ihr Handy aus der Tasche, um ihren Onkel anzurufen. Der ging schon nach dem dritten Freizeichen dran und fragte mit atemloser Stimme, wo sie denn bliebe. „Ich hab mich verlaufen…“ sie blickte sich um und schilderte ihrem Onkel dann in kurzen Worten, wo sie sich befand. Wie sie es von ihrem Onkel erwartete, lachte er laut und schallend. Er war halt kein normaler Onkel. Wenn man ihn Onkel nennen konnte. Er beschrieb ihr den Weg und legte dann auf, er musste sich noch um das Ausladen ihrer Pferde kümmern. Lea straffte die Schultern und ging hocherhobenen Hauptes an zwei besonders grimmigen Typen vorbei, denen man den anzüglichen Kommentar schon von den Lippen ablesen konnte. Hier, hatte ihr Onkel gesagt, sollte sie rechts abbiegen. Da, das war auch der richtige Straßenname.
    Mit einem Male hörte sie Schritte hinter sich. Kurz darauf schlangen sich zwei lange, starke Arme um ihren Körper und jemand flüsterte ihr ins Ohr „Kann ich dir helfen?“ Mit einem wütenden Zischen streifte Lea die Arme ab, drehte sich um und verpasste dem Unbekannten eine schallende Ohrfeige. „Fass mich nicht an!“ Damit ging sie auch schon weiter. An Selbstvertrauen mangelte es Lea sicher nicht. Doch der Typ schien auch eine Menge davon zu haben, denn mit hinter dem Kopf verkreuzten Armen und roter Wange lief er neben sie und plapperte weiter „Das war aber nicht nett, ich wollte doch nur helfen.“
    Lea schoss einen giftigen Blick in seine Richtung ab, der einen normalen Jungen sicher abgeschreckt hätte. Diesen jedenfalls nicht. „Ich heiße übrigens Dario, und du?“
    „Geht dich nichts an.“ Was bildete sich der Typ überhaupt ein? „Würdest du jetzt bitte verschw…“
    Sie stand plötzlich vor einer Sackgasse. Über den Typ hatte sie glatt vergessen, auf den Weg zu achten. „Das ist aber der falsche Weg, egal, wo du hin willst“, sagte Dario ohne eine Miene zu ziehen.
    „Ich will zu der alten Villa am Strand“, presste Lea zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
    „Na also, warum denn nicht gleich so.“ Dario drehte sich auf dem Absatz um und marschierte munteren Schrittes los. Er sah sich noch nicht einmal um, ob Lea ihm folgte. Schweren Herzens lief sie ihm hinterher. Mit sicheren Schritten stolzierte der durch ein wahres Labyrinth von Gassen, kümmerte sich nicht um die skurrilen Typen die überall standen und lächelte Lea ab und zu anzüglich an. Die versteinerte ihre Miene und ging starren Blickes gerade aus. Schließlich kamen sie an die Hauptstraße. „Ab hier komm ich allein zurecht. Danke…“ Das letzte Wort murmelte sie mehr, der Typ sollte sich nur nicht toll vorkommen.
    „Halt, du hast mir immer noch nicht gesagt, wie du heißt...“ Doch Lea war schon in der Menge verschwunden, sie wollte nur schnell weg.

    Sie konnte die Villa schon von weitem sehen, ein wunderschönes, altes Haus. Da hatte ihr Onkel ihren Geschmack richtig getroffen. Rechts von der Villa erhob sich ein kleines Waldstück, das auch noch zum Anwesen gehörte, genau wie der kleine Strand, der hinter der Villa lag. Der Strand war aber für jeden zugänglich. Mit sicheren Schritten stieg Lea die kleine Treppe vor der Tür hinauf und steckte ihren Schlüssel ins Schloss. Es knirschte leise, dann schwang die Tür nach innen auf. Lea zog erstaunt die Augenbrauen hoch, mit so etwas hatte sie nicht gerechnet. Anstatt muffige rote Teppiche und alte Anrichten erblickte sie eine moderne Einrichtung. Ihr Onkel hatte das Haus also vorher renovieren lassen, ohne ihr etwas zu sagen. „Moara?“ Sie sprach ihren Onkel grundsätzlich mit seinem Vornamen an. Schließlich war er ja nicht so viel älter und die zwei benahmen sich eher wie die besten Freunde. „Ich bin draußen im Stall! Du kannst mir gleich helfen, Luna zu putzen!“ Leas Gesicht hellte sich schlagartig auf. Sie liebte ihre alte Stute Luna. Ein Trakehner, sie hatte sie mal vor dem Schlachter gerettet. Die Füchsin war zwar nicht mehr für großartiges reiten zu gebrauchen, aber ein ruhiger Ausritt war auch gut. Außerdem hatten sie noch Nacoma, eine weiße Andalusier Stute und Kadir, einen braunen Araber Hengst mitgenommen. Kadir gehörte ihrem Onkel, Nacoma war ihr Sportpferd. „Ich komme sofort!“ Sie pfefferte Stadtplan und Handtasche in die Ecke und rannte zur Hintertür. Es verschlug ihr erstmal den Atem, sie hatte sich ihren Strand nicht so groß und schön vorgestellt. Vor ihr erhob sich ein etwas 20 Meter langer und eben so breiter Sandstrand. Rechts von ihr bildeten die Bäume des Waldstückes eine natürliche Wand, links standen ein paar Palmen. In diesem Moment hörte sie Luna wiehern, die Stute hatte ein Gespür dafür, wann sie in der Nähe war. Das Wiehern kam von rechts. Lea folgte ihm und entdeckte einen kleinen Waldweg, auf dem Hufspuren zu sehen waren. Sie folgte ihm und kam zu der kleinen Stallung mitten im Wald. Davon hatte ihr ihr Onkel schon erzählt, aber sie hätte nicht gedacht, dass es tatsächlich so war. Rund um den kleinen Außenplatz und den Anbau für die Pferde reihten sich hohe Bäume, von denen ab und zu ein Vogelgezwitscher zu hören war. Sie hörte ihren Onkel hinter dem Anbau hantieren, als sie hinzu kam, war er gerade dabei, Kadir für die Longe fertig zu machen .Nach der langen Reise war es zu gefährlich, ihn zu reiten, da Kadir manchmal sehr wild sein konnte. Er war ja auch gerade erst 7 Jahre und ein waschechter Hengst. „Hallo Moara, Hallo Kad.“ Leise murmelnd streichelte sie Kadir über die Nüstern. Der Hengst ließ sich das eine Weile gefallen, dann zog er den Kopf hoch und tänzelte zur Seite. „Ich habe Nacoma schon longiert, du musst dich nur noch um Luna kümmern.“ Lea nickte ihrem Onkel zu und ging in den Stall, wo ihre beiden Stuten sie schon erwarteten. „Nana, dich reite ich morgen, heute ist Luna dran.“ Nacoma – Nana – schnaubte entrüstet und vergrub dann ihre Schnauze im Heu, als wollte sie sagen „Dann eben nicht, ich brauch dich nicht um Spaß zu haben!“ Lea ging weiter zu Luna. Die alte Stute hatte schon massig graue Haare, ihr Rücken war eingefallen und die Beine trugen nicht mehr so zuverlässig wie früher, trotzdem waren ihre Augen lustig und neugierig in die Welt gerichtet. Lea öffnete die Tür und kraulte Lunas Blesse. Eine riesige weiße Laterne krönte ihren Kopf, außerdem hatte sie vier hohe, bis über die Gelenke reichende Abzeichen. Luna schnaubte zufrieden und Lea begann, sie zu striegeln. Dann kratzte sie ihr noch die Hufe aus und trenste sie. Mit einem leichten Sprung war sie auch schon auf Lunas Rücken und ritt sie aus dem Stall, dem Wald und runter zum Strand. Nach der langen Reise war es für Lunas Beine bestimmt sehr angenehm, ein bisschen im Wasser zu laufen. Lea vertraute der alten Stute genug, um sie direkt am ersten Tag in einer fremden Umgebung auszureiten. Luna hatte eine schwere Zeit hinter sich, als viel versprechendes Dressurpferd wurde sie damals trainiert, bis sie bei einem Ausritt umknickte und sich ihr Bein brach. Zum Glück war es nur ein leichter Bruch gewesen und mit einer Schiene und viel Zeit heilte ihr Bein. Allerdings war sie jetzt „zu alt“ für den großen Sport, obwohl sie erst 8 Jahre alt war. Sie wurde versteigert und hatte das unsagbare Pech, in einen kleinen, runtergekommenen Zirkus zu kommen. Dort wurde sie für die kleinen Kinder eingesetzt, sie musste immer wieder Kreis um Kreis reiten, bis sich ihre Beine daran gewöhnt hatten. Daher hatte sie auf der rechten Seite eine Beinknochenfehlstellung. Als Luna irgendwann anfing, die Pfleger zu beißen, wurde beschlossen, sie an den Schlachter zu verkaufen. Haku und Lea, die damals durch Zufall in der Straße unterwegs waren, hörten ihr ängstliches Wiehern und kauften sie dem Schlachter ab.
    Lea wurde es immer schwer ums Herz, als sie an die Geschichte ihrer alten Stute dachte. Kaum wurde Luna nämlich gut gepflegt, war sie eines der liebsten Pferde der Welt.
    Über das reiten hatte sie die Zeit vergessen, sie gab Luna einen leichten Schenkeldruck. Die Stute, die gerade die Wellen mit der Nase durchpflügt hatte, hob gehorsam den Kopf und zusammen ritten sie zurück zum Stall. Lea kümmerte sich noch kurz um Futter und Wasser der Tiere und lief dann zurück zur Villa. Ihr Onkel hatte schon alle Sachen ausgepackt und machte gerade Abendessen: Spaghetti. Sehr einfallslos, fand Lea, schließlich waren sie hier in Italien. Sie duschte noch schnell, aß etwas und legte sich dann schlafen.

    Kapitel 2:

    Lea blinzelte, die Sonne stand schon hoch am Himmel und drang selbst durch ihre geschlossenen Augenlider. Dann schob sich plötzlich ein Schatten vor ihr Gesicht. Verwundert öffnete sie die Augen. Jemand hatte sich über sie gebeugt, ein jemand, der hier ganz und gar nicht hingehörte. „DARIO!“ Wütend sprang Lea aus dem Bett und besah sich die Schererei. Sie hatte gestern Abend das Fenster Offengelassen, weil es so warm war. Direkt vor ihrem Fenster stand ein hoher Baum, an dem schien Dario hochgeklettert zu sein. „Oh, du erinnerst dich noch an meinen Namen, wie schön.“ Sagte Dario verträumt und zog sich nun ganz in ihr Zimmer. „Nett hast du es hier.“
    „RAUS!“ Lea konnte es nicht glauben, wie konnte jemand nur so anhänglich sein.
    Dario blickte sie mit treuen Hundeaugen an und wimmerte „Aber du hast mir noch nicht mal deinen Namen gesagt.“
    „Ich heiße Lea, und jetzt verschwinde.“ Sie musste wohl ziemlich viel Lärm gemacht haben, denn sie hörte die Schritte ihres Onkels auf der Treppe.

    Moara kam gerade aus dem Stall, als er Lea hatte schreien hören. Sofort beschleunigte er seine Schritte und ging zum Haus zurück. Wahrscheinlich war es nur eine große Spinne oder so, dachte er. Aber als er eine fremde Stimme hörte, wurde er wütend. Da war jemand im Zimmer SEINER Nichte. Und er hatte einen ziemlichen Beschützerinstinkt, was seine Nichte anging. Mit lauten Schritten polterte er die Treppe hoch und rannte die Zimmertür fast ein. Da saß doch tatsächlich ein fremder Junge auf Leas Bett, etwas 16 Jahre alt, mit strubbeligen braunen Haaren. Und ganz am Ende des Zimmers stand Lea, mit hochrotem Gesicht und im kurzen Nachthemd. Moara hatte für einen kurzen Moment Mitleid mit dem Jungen, so sah Lea immer aus, wenn sie kurz vor einem Wutanfall stand, doch dann holte ihn die Wirklichkeit wieder ein. So ein Typ musste unbedingt zur Rechenschaft gezogen werden.
    “Wer bist du, wenn ich fragen darf.“ Demonstrativ stellte Moara sich vor Lea. Die Augen des Jungen verdüsterten sich. „Und wer bist du? Nicht ihr Freund, oder? Du bist viel zu alt für sie.“ Er plusterte sich vor Moara auf, kam aber gerade mal auf Kinnhöhe. „Ich bin ihr Onkel, verschwinde du Spanner!“ – „Ich bin kein Spanner!“ – „Doch, bist du!“ – „Nein, bin ich nicht!“ So ging das eine ganze Weile weiter, bis Lea es nicht mehr aushielt. „Könnt ihr euch jetzt endlich mal entscheiden?“
    Moara schien der gleichen Meinung zu sein, er packte sich den Jungen und schleifte ihn zur Tür. „Hey, Alter, lass mich los! Ich bin auch ganz brav! Lea? Mach doch wa…“ Schon saß Dario vor der Tür. Brummelnd erhob er sich und klopfte sich den Staub von der Hose. Wenn es so nicht ging, dann eben anders. Er machte sich auf den Weg zum öffentlichen Strand, von da aus kam man ganz einfach zum Strand der Villa.

    Lea atmete erleichtert auf. „Danke, Onkel. Der Typ hat mir gestern den Weg gezeigt, da war er auch schon so aufdringlich.“ Moara baute sich stolz auf, manchmal war er ziemlich einfach gestrickt. „Kein Problem, als wenn ich zulassen würde, dass so einer dir zu Nahe kommt.“ Lea gab ihrem Onkel einen Kuss auf die Nase, dann lief sie in Richtung Stall. Heute wollte sie mit Nacoma die Gegend erkunden. Ein kleiner Strandausritt war wohl das richtige. Sie sattelte schnell ihre Stute und ritt dann los. Der Sand stob nur so auseinander, als Nacoma – ausnahmsweise – schwungvoll durch den Strand trabte. Es war kein Zufall, dass „Koma“ in Nanas Namen vorkam, sie konnte eine echte Schlaftablette sein, wenn sie keine Lust hatte. Heute hatte sie. Ihre Nüstern blähten sich im Seewind und als Lea ihr die Galopphilfe gab, flogen ihre Beine sofort in den schaukelnden Rhythmus. Lea ging in den leichten Sitz und machte sich hinter Nacomas muskulösem Hals so klein wie möglich. Weiße Mähne peitschte ihr ins Gesicht, die sich mit ihrem blonden Haar vermischte. Die Geräusche um sie herum wurden vom Rauschen der Wellen übertönt.
    Es war schon fast ein bisschen einschläfernd, so war Lea auch ziemlich überrascht, als Nana plötzlich mit einem erschrockenen Wiehern in die Luft stieg. Reaktionsschnell klammerte sich Lea an den Sattel und versucht Nana mit ihrem eigenen Gewicht wieder zum Stehen zu bringen. Vor ihren Hufen lag ein Ball. Nicht irgendein Ball. Leas Herz schlug höher, da spielte jemand Fußball. Da hörte sie auch die Rufe der Spielenden, die bei dem sich aufbäumenden Pferd schnell näher kamen. Unter lauten Entschuldigungen stieg Lea ab und betastete Nanas Beine. Sie hatte sich nichts getan. „Keine Sorge, mir ist nichts passiert und meiner Nacoma auch nicht.“ Auf den Gesichtern der Jungen um sie herum breitete sich Erleichterung aus. Ein großer, braungebrannter Junge mit langen schwarzen Haaren kam auf sie zu. Er sah fast ein bisschen wie ein Indianer aus, fand Lea. „Das ist gut, wie dürfen hier nämlich eigentlich nicht spielen, und wenn dann jemandem was passiert…“ Wieder beteuerte Lea, dass ihr nichts passiert war. „Das macht nichts, von mir aus dürft ihr hier spielen, der Strand gehört meinem Onkel. Überraschtes Gemurmel ging durch die Runde. „Dann ist die Villa jetzt also verkauft.“ Lea nickte und fragte dann, ob sie etwas beim spielen zuschauen dürfte. Keiner hatte etwas dagegen. In Leas Satteltasche befand sich auch ein Halfter, sie sattelte Nana ab und band sie dann so an, dass sie am Gras der Böschung etwas grasen konnte. Dann setzte sie sich neben sie und beobachtete den Anstoß des Spiels. Ihre Augen leuchteten, Lea liebte Fußball. Schon bald war sie mitten drin im Spielgeschehen und wie immer konnte sie dann nicht an sich halten, die Mannschaften anzufeuern. Ihr Bruder hatte ihr mal gesagt, sie alleine würde 10 Fans wettmachen. Das dachten anscheinend auch die Fußballer da unten, denn das Spieltempo wurde erhöht und die Schüsse ausgefallener. Wann konnte man denn schon mal vor einem Mädchen spielen, dass sich auch noch so davor begeisterte?
    Doch ihre Begeisterung wurde jäh gedämpft, als sie zum zweiten Mal an diesem Tag eine bekannte Stimme hörte. „Endlich hab ich dich gefunden.“ Lea schaute auf, Dario stand zwischen ihr und Nacoma und kraulte ihr die Stirn. Die Stute rieb freundlich den Kopf an seiner Schulter. Mit einem Male kam Dario Lea gar nicht mehr so nervig vor. „Nacoma mag dich, sonst ist sie sehr nervös gegenüber Fremden.“
    Dario lachte. „Ich mag Tiere, dass spürt sie wohl. Jetzt kann man mit dir auch endlich mal reden, ohne dass du einen anfährst.“ Lea lief leicht rosa an, nur um gleich aufzuspringen und zu den Fußballern runterzubrüllen. „TOOOOOR!“ Gerade war ein wirkliches spektakuläres Tor gefallen, ein Fallrückzieher hatte direkt zwischen den ausgestreckten Armen des Torwarts ins Netz getroffen. Dario war bei dem plötzlichen Schrei erschrocken zusammengefahren. Nacoma störte es nicht, ihr Mensch war halt manchmal etwas laut und verrückt. „Sachte, sachte. Das ist doch nur die Fußballmannschaft von unserem kleinen Dorf.“ Leas Augen glänzten, während sie weiter dem Spielverlauf folgte. „Aber im ganzen Spiel ist noch kein einziges Foul gefallen, das ist selten. Was meinst du, was mein Bruder manchmal für Sachen ertragen muss! Einmal hat ihm einer absichtlich in den Bauch getreten und dann gemeint, er hätte auf den Ball gezielt.“
    Dario hörte interessiert zu. „Dein Bruder ist Fußballer?“
    „Ja, er spielt für eine Mannschaft zu Hause in Deutschland, aber er steht zur Auswahl für die Bundesmannschaft! Ich bin so stolz auf ihn…“ Lea blickte gedankenverloren aufs Meer hinaus und erschrak. Es war schon spät, sie musste zum Mittagessen. „Du, ich muss weg, mein Onkel wartet auf mich.“ Lea stand auf, klopfte sich den Sand von den Jeans und sattelte Nacoma. Dario seufzte. „Jetzt hab ich dich mal auf einem guten Fuß erwischt und du musst weg. Naja, kann man wohl nichts machen.“ In diesem Moment rief der Indianer vom Fußballfeld her. „Hey, Dario, Lust mitzuspielen?“
    Lea sah ihn überrascht an. „Du spielst auch?“ Dario nickte, verabschiedete sich und lief dann zu seinen Freunden. Wie, um noch ein letztes Mal anzugeben, streifte er sich im Laufen das Shirt vom Körper. Kopfschüttelnd stieg Lea auf und ritt zurück zur Villa, wo ihr Onkel schon auf sie wartete.

    „Hey Moara, ich bin wieder da!“ rief sie schon von weitem. Ihr Onkel stand auf der Terrasse des Hauses und am Geruch konnte man erkennen, dass er grillte. Lea brachte Nacoma in den Stall und stieg dann die Treppe hinauf, wo sie ein gedeckter Tisch erwartete. Behutsam berichtete sie ihrem Onkel, dass Dario doch nicht so schlimm war, wie sie gedacht hatte, nur halt etwas… stürmisch. Moara guckte zuerst finster, dann fand er sich aber damit ab und sie aßen schweigend zu Ende. Lea wollte heute noch in die Stadt, um sich ein bisschen umzusehen. Vorher zog sie sich noch ein leichtes Sommerkleid an und ging los. Die belebte Hauptstraße, auf denen sich die Touristen herumtrieben, ließ sie diesmal links liegen und ging in den kleineren, alten Stadtteil. Hier war alles sauber und ruhig, die Läden waren richtig urig und Lea fühlte sich auf Anhieb wohl. Sie suchte die Bäckerei, damit sie morgens wusste, wo sie hingehen musste. Zu ihrer Freude entdeckte sie auch eine kleine Schneiderei, die auch mit Leder umgehen konnte. Im Schaufenster hing ein hübsches Halfter.
    Lea ging hinein, eine kleine Türglocke bimmelte leise, als sie die Tür bewegte. Die Luft war etwas staubig und sie konnte den vertrauten Geruch von Seife und Leder riechen. Sie grüßte den Besitzer des Ladens und besah sich dann das lederne Halfter in der Auslage. Es war wunderschön gearbeitet und hatte genau die richtige Größe für Luna. Sie beschloss, es mitzunehmen. Sie brachte es dem Ladenbesitzer und schon bald hatte sich ein nettes kleines Gespräch angebahnt. Lea konnte zwar nicht alles verstehen, trotzdem ging es recht gut. Als sie sich gerade verabschieden wollte, klingelte die Ladenglocke ein zweites Mal und ein kleiner Junge stolperte herein. Er kam Lea bekannt vor, auch wenn sie nicht wusste, woher. Der Kleine war Staub verschmiert und man konnte deutlich die Tränenspuren sehen, die sich über seine Wangen bahnten. Außerdem bluteten seine Knie, er musste schon öfters gefallen sein. Lea sah nach draußen und sah drei ziemlich verschlagen dreinblickende 17-jährige, die sich an der gegenüberliegende Straßenseite an eine Häuserwand gelehnt hatten. Sie schienen nur auf den Kleinen zu warten. Lea ging entschlossen auf ihn zu und fragte ihn, ob er irgendwo hinwolle, sie würde mit ihm kommen. Der Kleine blickte ihn mit großen Augen an und nannte ihr dann einen Straßennamen, offenbar war dort sein zu Hause. „Komm, die tun dir nichts, wenn ich dabei bin.“
    Lea war von ihren eigenen Worten gar nicht so überzeugt, wie sie eigentlich sein wollte, doch sie nahm die Hand des Jungen und ging festen Schrittes auf die offene Straße. Drei Augenpaare schauten den Beiden hinterher, Lea konnte die aggressiven Blicke im Rücken spüren. Sie hörte auch die Schritte der drei, sie folgten ihnen. Der Junge warf ihr immer wieder dankbare Blicke zu und murmelte manchmal. „Rechts“ oder „Links“. So kamen sie ziemlich schnell voran und schon bald waren sie in der Straße angekommen, die der Kleine ihr genannt hatte. Plötzlich zerrte er Lea hinter sich her auf eine Gestalt zu, die Lea nun zum dritten Mal heute sah. Dario drehte sich um und ein fragender Ausdruck erschien auf seinem Gesicht. Der Junge redete schnell auf italienisch auf ihn ein und Darios Augen sprühten Funken, als er die drei Gestalten hinter Lea und dem Jungen erblickte. Er ließ seine Fäuste knacken und ging auf sie zu. „Das ist doch Wahnsinn, er ist doch ganz allein gegen drei.“ Der kleine Junge an ihrer Hand krähte vergnügt „Mein großer Bruder kann alles.“ Sprachlos blickte Lea auf ihn herab. Deswegen kam er ihr so bekannt vor, er sah genauso aus wie Dario. Sein Name war Darek, wie er erklärte. Ihm nächsten Moment war Leas Aufmerksamkeit ganz von dem Geschehen vor ihr gefesselt, Dario konnte es tatsächlich mit allen dreien gleichzeitig aufnehmen, doch die Schläger kämpften nicht mit fairen Mitteln. Während Dario mit zweien von ihnen beschäftigt war, schlich sich der dritte von hinten an und hob die Faust. Lea lief los und sprang mit einem Schrei dazwischen. Wütend biss sie dem Kerl ganz einfach in die Hand. Der jaulte auf und versetzte ihr einen Schlag, dass ihr Kopf dröhnte. Doch da sie es jetzt mit zwei Gegnern zu tun hatten, war es den Schlägern wohl doch etwas zu ungemütlich geworden, sie gaben sich ein Zeichen und verschwanden in einer Seitengasse. Dario keuchte heftig und wischte sich das Blut von der Stirn. Dort hatte ihn einer der Kerle mit der bloßen Faust getroffen. „Solche Feiglinge“, murmelte er. Dann fiel sein Blick auf Lea. „Alles in Ordnung?“ Lea nickte, der Schlag würde ihr nur ein wenig Kopfschmerzen bereiten. Darek kam angelaufen und umarmte beide stürmisch. Lea lachte, sie mochte kleine Kinder. Darios Blick veränderte sich, aber Lea konnte nicht sagen, worin. Es war spät geworden, die Sonne ging schon unter. Dario brachte Lea noch nach Hause, zur Sicherheit, wie er sagte. Moara hatte sich schon richtige Sorgen gemacht und war froh, dass Lea wieder da war. Nach einem langen Tag ließ sich Lea erschöpft auf ihr Bett sinken und schlief ein.

    Kapitel 3:

    Die Sonne brannte schon genauso heiß wie am Vortag und genau wie damals breitete sich auch jetzt ein Schatten über Leas Gesicht. Träumte sie noch? Dejavue? Sie schlug die Augen auf. „Guten Morgen“, sagte Dario lächelnd. Murrend stieg Lea aus dem Bett. „Ist ja alles schön und gut, trotzdem sollst du nicht einfach so in mein Zimmer kommen.“ Gähnend suchte sich Lea ihre Sachen zusammen, wieder wollte sie vor dem Mittagessen erst einmal reiten gehen. „Ach komm schon, ich mach ja nichts, ich guck nur.“ Lea erstarrte und Dario kicherte. „Duuu!“ Mit aller Macht warf Lea eines ihrer Kissen mitten in Darios Gesicht. Dario ließ sich davon nicht beeindrucken und fragte mit Unschuldsmiene „Gehst du reiten?“ Lea nickte. „Kannst du reiten?“ stellte sie die Gegenfrage. Auch Dario nickte. „Möchtest du mit reiten?“ Darion grinste. Lea seufzte, der Kerl schien immer genau zu wissen was er machen musste, um zu bekommen, was er wollte. „Na gut, aber du bekommst Nacoma, auf Kadir lass ich dich nämlich nicht.“ Dario machte ein fragendes Gesicht. „Du wirst es gleich sehen.“ Schnell zog Lea sich um und lief dann mit Dario in Richtung Stall.
    Sie wurden mit lautem Gewieher empfangen, heute Morgen hatten die Pferde noch kein Futter bekommen. Routiniert brachte Lea jedem Pferd sein Futter und Wasser, dann fing sie an, den hibbeligen Kadir zu putzen. Dario stellte sich gar nicht mal so dumm bei Nacoma an, aber man merkte, dass er noch nicht so viel Erfahrung hatte. Als sie fertig waren, sattelte Lea die Pferde und sie stiegen auf. Wenigstens hier schien Dario Erfahrung zu haben, denn er kannte die Hilfen schon und passte sich Nacomas Bewegungen an.
    „Kennst du hier in der Umgebung ein paar Wege, wo wir lang reiten können?“ Lea hatte Mühe, den vor Ungeduld zitternden Kadir ruhig zu halten. Immer wieder tänzelte er zur Seite, warf den Kopf hoch und schlug mit dem Schweif. „Ja, mir nach, ich zeig dir den Weg.“
    Es wurde ein sehr langer Ausritt bei dem Dario Lea die Verstecktesten Plätze zeigen konnte. Als sie schließlich zurück zur Villa ritten, kamen sie wieder bei einem Fußballspiel vorbei. Dario versprach, gleich vorbei zu kommen und mitzumachen. Sie versorgten nur die Pferde und machten sich dann auf den Weg, natürlich wollte Lea zuschauen. Doch als sie ankamen gab es ein kleines Problem, einer der Spieler musste schnell nach Hause und so hatten sie eine ungerade Anzahl. Lea sah ihre Chance und griff zu „Ich spiele mit!“ Alle in der Runde starrten sie verblüfft an, aber keiner hatte etwas dagegen. Nur Dario. Der wollte nämlich um jeden Preis MIT Lea spielen und nicht GEGEN sie. Doch da hatte keiner Verständnis für. Also war es beschlossene Sache, Lea spielte als Verteidiger und Dario als Stürmer in der gegnerischen Mannschaft. Sein Gesichtsausdruck verriet deutlich, was er davon hielt. Da ertönte ein Pfiff, der Indianer, Pail, eröffnete das Spiel. Zuerst lief alles wie am Schnürchen, Lea musste überhaupt nichts tun, da der Ball nicht einmal in ihre Nähe kam. Dann aber hatte Dario den Ball und er war entschlossen allen zu zeigen, dass er keine Hemmungen hatte, gegen ein Mädchen (und insbesondere Lea) zu spielen. Er hatte sich verrechnet. „Hey, ist das alles was du drauf hast?“ Mit diesen Worten hatte Lea seinen Ball gestoppt und in einem wunderschönen Steilpass zu einem Stürmer ihrer Seite geschossen. Ihr Gesicht glühte, endlich konnte sie spielen. Dario konnte mit einem Mal seine Augen nicht von ihr lassen, er musste zugeben, dass er sie mittlerweile wirklich SEHR gern hatte. „Hay, Dario, starr nicht so vor sich hin!“ rief Pail genervt. Er hatte gerade versucht, Leas Steilpass in ein Tor zu verwandeln, aber der Torhüter hatte gut reagiert und gehalten. Wieder war der Ball im Spiel und wieder spielten die anderen Spieler in Dario vor die Füße. Der wollte gerade zum Schuss ausholen, als Lea lossprang, sich seitwärts drehte und den Ball so außer Reichweite brachte. Leider war der Schuss nicht so gut gezielt, mit einer ordentlichen Geschwindigkeit raste er auf einen Jungen zu, der gerade am Strand entlangging. Dieser fing den Ball geschickt auf und blickte zu den Fußballern. Lea rappelte sich auf, blickte den Jungen an - und rannte los. Mit einem Freudenschrei warf sie sich dem Jungen, ihrem Bruder, in die Arme. Der wirbelte sie ein paar Mal durch die Luft und setzte sie dann wieder ab. Haku lächelte breit. „Das hätte ich mir ja denken können, entweder bist du bei den Pferden oder hast einen Ball am Fuß kleben.“
    Langsam kam die gesamte Mannschaft näher, Dario machte ein Gesicht wie 7 Tage Regenwetter. Überglücklich stellte Lea ihren Bruder vor, sie ließ natürlich nicht aus, wie gut ihr Bruder spielen konnte. Alle wollten ihn als Torhüter sehen, aber Dario, der schießen sollte, ging in die andere Richtung und ließ die anderen hinter sich zurück. Er wusste selbst nicht so genau, was plötzlich mit ihm los war. Da hörte er Schritte hinter sich, Lea rannte ihm hinterher. Keuchend blieb sie stehen. „Was ist den mit dir los, he?“
    Dario konnte sie einfach nicht anfahren, er brummelte irgendetwas von „Muss Darek abholen“ und war dann verschwunden. Lea ging zurück zu den anderen.
    Dario ging aber nicht los zu Darek, er lief ein bisschen durch die Dünen, bis er zu einem alten Bunker kam. Früher wurden sie im Krieg als Schutz gebraucht, heute standen sie nur noch nutzlos am Strand. Aber genau in diesem Bunker hatte Dario es sich häuslich eingerichtet, eine Art Geheimversteck. Er setzte sich in den kühlen Sand und legte den Kopf in den Nacken. Immer wieder blitze vor seinem inneren Auge die Szene auf: Lea in den Armen dieses Jungen. Das hatte ihm einen tiefen Stich versetzt, auch wenn es sich um ihren Bruder handelte. So hatte er sich noch nie gefühlt. Hatte er sich verliebt? War das Eifersucht? Als er Lea zum ersten Mal gesehen hatte, hatte er sie für ein leichtes Opfer zum flirten gehalten, aber sie hatte auf nichts reagiert. Das allein hatte schon sein Interesse geweckt, und je näher er sie kennen lernte, desto lieber mochte er sie. Dario öffnete die Augen und blickte hinaus aufs Meer, da lief ein Mädchen entlang. Lea. War sie ihm gefolgt? Dario stand auf, da hörte er sie rufen. Sie rief seinen Namen.
    Eher er darüber nachdenken konnte, rief er zurück und winkte. Lea kam auf ihn zugelaufen, ihr Gesicht strahlte Erleichterung aus. „Dario, ich hab mir Sorgen um dich gemacht. Du warst so komisch…“ Dario senkte den Blick. „Sorry, ich hab mich nicht so gut gefühlt.“ Lea setzte sich neben ihn, ganz selbstverständlich. „Hat das zufällig was mit meinem Bruder zu tun?“ fragte sie mit einem bohrenden Blick.
    „Äääh… ja, ein bisschen.“ Das schien Lea Antwort genug zu sein, sie nickte, als hätte sie es geahnt. Schweigend starrten beide vor sich hin. Nach einiger Zeit legte Lea ihren Kopf an Darios Schulter, sein Herz schlug ihm plötzlich bis zum Hals. Verlegen starrte er in ihr Gesicht, sie war leicht rot angelaufen und hatte den Blick gesenkt. Dario legte seinen Arm um ihre Schulter. Ihr Haar kitzelte ein wenig an seiner Wange.

    „LEAAAAAA?“ Beide schraken zusammen. Haku lief dicht am Wasser vorbei und bildete mit seinen Händen einen Trichter, damit er noch weiter zu hören war. „Oh je, den hab ich ja ganz vergessen.“ Mit einem Sprung war Lea auf den Beinen. Verlegen strich sie sich ihr Haar aus dem Gesicht. „Hmm..“ Schweigen.
    „LEAAA?“ Zum zweiten Mal rief Haku. Lea drehte sich um und lief zu ihm. Dario schaute ihr nach. Beide hatten als sie abends im Bett lagen die gleichen Gedankengänge, über die sie einschliefen.




    Kapitel 4:

    Lea und Dario verbrachten nun schon seit 5 Wochen ihre Ferien miteinander, doch eine Szene wie in dem Bunker hatte sich nicht wiederholt. Langsam wurde es leerer in dem Feriendorf, die Sommerferien neigten sich dem Ende zu und schon in zwei Tagen würde Lea mit ihren Pferden und ihrem Onkel wieder im Flieger nach Deutschland sitzen. Dario ließ es sich nicht anmerken, aber er blickte dem Abschied mit Trauer entgegen. Sie hatten schon Telefonnummern und Adressen ausgetauscht, aber es würde trotzdem nicht dasselbe sein, wie wenn man jeden Tag zusammen ist. Lea konnte erst in den nächsten Sommerferien wieder kommen, bis dahin mussten sie sich also mit Postkarten begnügen.
    Gerade standen sie vor Darios Schule. „Wow, unsere Schule ist vieeeel größer! So ist es viel schöner.“ Lea wollte vor ihrem Abschied noch mal sehen, wo Dario künftig seine Tage verbringen würde.
    Die Schule war klein, kaum 20 Zimmer, aber für ein Dorf, vor allem ein Feriendorf, war es mehr als ausreichend. Der Schulhof war vor der Schule, so dass auch in der Freizeit darauf gespielt werden konnte, auch jetzt saßen ein paar 8-jährige dort und spielten irgendein Frage-und-Antwort-Spiel.
    Plötzlich hörten sie hinter sich eine Stimme. „Hey Dario, freust du dich schon so sehr auf die Schule, dass du jetzt schon hier bist?“ Vor ihnen stand ein kleines Mädchen mit langen schwarzen Haaren und einer niedlichen Stupsnase. Nicht ohne Neid musste Lea feststellen, dass sie sehr üppige Formen hatte. „Vera…“murmelte Dario leise und etwas genervt, dann etwas lauter „Schön, dich zu treffen. Darf ich vorstellen, dass ist Lea, meine Freundin.“ Lea hoffte es sich einzubilden, dass Vera plötzlich gar nicht mehr so freundlich guckte. „Soso, hast du wieder eine Neue? Mädchen, ich muss dich warnen, der lässt dich so schnell fallen wie eine heiße Kartoffel, ich spreche aus Erfahrung.“ Darios Schultern verkrampften sich. Lea antwortete mit einem süffisanten Lächeln. „Tsja, leider hat er mich bis jetzt noch nicht fallen lassen und jetzt bin ich eine kalte Kartoffel.“ Dario lief es kalt den Rücken runter, die Mädchen konnten wirklich Furcht einflössend sein, wenn sie sich so anlächelten. „Komm, Lea, wir wollten noch mit den Pferden raus.“ Dario wollte so schnell wie möglich weg von Vera.
    „Jaja, geh du nur, du Macho“, mit einem eindeutig hochnäsigen Lächeln drehte sie sich um und stolzierte davon.
    Mit einem schwachen Lächeln versuchte Dario sich für Veras Verhalten zu entschuldigen. „Wir waren mal zusammen… Wir WAREN, hörst du?“ – „Ist schon klar“ Lea schien das alles gar nicht zu stören.
    Das war das einzige wichtige Ereignis, dass vor Leas Abreise nach Deutschland noch passiert war.

    Kapitel 5:

    Mit zerzauster Mähne rannte Lea durch die Gänge ihrer Schule, rempelte dabei versehentlich ein paar andere 9-Klässler um und schaffte es gerade noch rechtzeitig, dass richtige Klassenzimmer zu finden. Ihre beste Freundin Carla stand schon ungeduldig davor und hibbelte von einem Bein auf das andere. „Na, wie waren deine Ferien, du Ausländerin. Sprichst du jetzt überhaupt noch Deutsch?“ Lea freute sich riesig Carla zu sehen und umarmte sie erstmal stürmisch. „Die Ferien waren klasse!“ meinte sie aufrichtig. In diesem Moment kam ihre Lehrerin ins Zimmer und der Unterricht begann.

    Zur gleichen Zeit versuchte Dario in Italien seinen Kopf in geordnete Bahnen zu bewegen. Seit Lea ihn zum Abschied lange umarmt hatte, stand sein Denken Kopf. Er fragte sich, wie er so die Schulzeit überstehen sollte. Zusätzlich hatte er noch das Pech, direkt neben Vera gesetzt worden zu sein. Die war sehr aufdringlich und schwer zu ignorieren. Während des gesamten Unterrichts ließ sie sich verschiedene Wege einfallen, ihn für sich zu gewinnen. Mal säuselte sie ihm ins Ohr, dann rutschte sie mit ihrem Stuhl näher als nötig gewesen wäre. Als schließlich die Pausenglocke ein letztes Mal klingelte sprang Dario auf, so schnell er nur konnte und schrieb gleich den ersten Brief nach Deutschland.

    Lea, diese Vera macht mich verrückt!
    Das einzige was der einfällt, ist mir auf die Pelle zu rücken, dass macht mir jetzt schon zu schaffen. Hoffentlich hast du keinen so anhänglichen Verehrer…
    Das nächste Mal schreibe ich mehr,
    Dario

    Der Brief kam drei Tage später in Deutschland an. Lea saß gerade zusammen mit Carla im Heuspeicher der Stallungen, wo sie manchmal zusammen etwas ausheckten. Denn auch hier in Deutschland hatte Moara eine riesige Villa mit vielen Pferden. Von unten drang Moaras Stimme gedämpft durch den Heuboden. „Lea, Postkarte!“ Sofort sprang Lea auf, Carla im Schlepptau. Carla war ganz aus dem Häuschen, denn ganz nebenbei hatte Lea vergessen ihr zu sagen, dass sie Dario kennen gelernt hatte. Seufzend las sie die Postkarte. „Natürlich hab ich so einen Anhänger, dass ist er selbst…“
    Carla kicherte. „Du hast es gut, die Jungs in unserer Klasse sind ja wohl mehr als blöde!“ Lea nickte zustimmend. Sie war ein bisschen enttäuscht, dass Darios Karte einzig und allein um Vera handelte, aber da sie sie ja persönlich kennen gelernt hatte, dachte sie sich nicht viel dabei. „Lea, da kommt ein Pferdetransporter in den Hof gefahren… Ich wusste gar nicht, dass ihr neue Pferde bekommt!“ – „Ich auch nicht…“ murmelte Lea. Schnell liefen sie in den Hof, die Karte hatten beide schon wieder vergessen.
    „WAHNSINN!“ Carla kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, eines der zwei neuen Pferde hatte es ihr besonders angetan. „Die ist wuuunderschön.“ Lea lachte. „Willst du sie mal reiten? Ich glaube nicht, dass mein Onkel was dagegen hat!“ Carla strahlte über das ganze Gesicht, als ihr der Strick der neuen Pinto Stute Fabiéne in die Hand gedrückt wurde. Zutraulich schnupperte der Braunschecke an Carlas Hand. Die kicherte.
    Lea holte das zweite Pferd aus dem Transporter, ein nachtschwarzer Friesen Wallach mit Namen Aramis. Zusammen gingen sie in den Stall, wo sie die beiden Pferde erst einmal putzen. Und schließlich konnte Carla endlich auf ihrer „Fabi“ reiten. Aramis wurde unterdessen von einer Pflegerin geritten, die extra für ihn eingeteilt worden war. In dieser Zeit hatte Lea Zeit, eine Antwort für Dario zu schreiben.

    Hey Dario,
    zurück hier in Deutschland ist es verdammt kalt. Trotzdem freue ich mich, wieder da zu sein. Die Schule hat natürlich wieder angefangen… Irgendwie macht es im Moment sogar ein bisschen Spaß, weil man die bekannten Gesichter alle wieder sieht und unser Klassenclown die neuen Lehrer fertig macht. Du hast übrigens eine neue Verehrerin, meine beste Freundin Carla war von deinem Foto hin und weg (sie kennt dich halt nicht persönlich *ärger*)
    Wir haben zwei neue Pferde bekommen, Fabiéne (Pinto, Stute, Braunschecke) und Aramis (Friese, Wallach, Rappe). Ich denke, Aramis nehmen wir in den nächsten Urlaub mit, er würde perfekt zu dir passen, er ist genau so ein Angeber. Ja, du hast richtig gelesen, wir kommen in den nächsten Sommerferien tatsächlich wieder in die Villa, es hat mich einige Überredungskunst gekostet, Moara davon zu überzeugen. Er ist doch tatsächlich ein bisschen eifersüchtig auf dich.
    Bis zum nächsten Brief, Lea
    PS: Lass dich von Vera nicht unterkriegen



    Re: Italien

    Lenchen - 05.01.2008, 00:49


    *aufgeregt auf stuhlkannte sitz* kommt noch mehr?? *aufgeregt abwart*
    Die Geschichte ist auch total klasse, auch wenn es zum ende hin ein bisschen ausfürlicher sein könnte ;)



    Re: Italien

    Yasha - 05.01.2008, 20:13


    Ich kann halt keine Liebesszenen schrieben :(



    Re: Italien

    Lenchen - 07.01.2008, 17:03


    und ich kann nich gut dialoge schreiben xD



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