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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Anonymous Forum: Unbesiegbar aus dem Unterforum: Geschichten, Erzählungen, Überlieferungen Antworten: 3 Forum gestartet am: Sonntag 19.08.2007 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Wege des Lebens Letzte Antwort: vor 15 Jahren, 4 Monaten, 12 Tagen, 4 Stunden, 59 Minuten
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Re: Wege des Lebens
Anonymous - 31.10.2007, 18:32Wege des Lebens
Nachdem mir schon länger ne Idee im Kopf rumspukte für eine Geschichte und mich neulich auf ner längeren zugfahrt die Inspiration packte und anfing zu schreiben, lass ich Euch mal an dem Mist teilhaben den ich produziert hab *g* (Ok, Mailinn hat mich gezwungen *duck* :P )
Ist noch lange nicht fertig, aber Kritk etc ist gern gesehen.
Artag öffnete langsam die Augen. Direkt über ihm schienen zwei helle Sterne zu leuchten. Er blinzelte mehrmals. Nach und nach offenbarten sich die verschwommenen Konturen eines Gesichtes bis sie immer klarer wurden. Ein erleichtertes Lächeln huschte über seine Lippen als er in das Gesicht einer Nachtelfe blickte, die sich direkt über ihn beugte und ihn mit besorgter Mine betrachtete. "Schöne Sterne...äh Augen..." hauchte Artag, noch sehr verwirrt, mit schwacher Stimme. Ihr Mund verzog sich zu einem wundervollen Lächeln, ob nun wegen des Kompliments oder eher seines Erwachens verschloß sich ihm jedoch.
"Ah endlich, alles In Ordnung?" Die Elfe sah Artag fragend an. Er nickte zaghaft "Ja, ich denke schon." Er versuchte sich aufzurichten, aber brennende Schmerzen ließen ihn sofort wieder still halten. Er sah an sich herunter und konnte durch seine zerfetzte Kleidung die großflächigen und tiefen Schurfwunden ausmachen, die er sich wohl zugezogen hatte. "Naja, vielleicht doch nicht alles..." gab er nun kleinlaut zu. "Was...was ist passiert?" "Gute Frage..., das wollte ich Dich auch gerade fragen. Ich weiss nur dass ich Dich hier bewusstlos am Flußufer gefunden habe und fast eine Stunde gewartet hab, dass Du aufwachst." entgegnete die Nachtelfe. Artag versuchte sich zu erinnern, aber alles was ihm in den Sinn kam war das Tosen des Wassers und wie sich Oben nach unten drehte und umgekehrt., dumpfe Schläge und Schmerzen, als hätte man seine Haut mit einem scharfen Messer aufgeschlitzt.
Er sah die Elfe eine Weile schweigend an, dann murmelte er vor sich hin "Der Fluß..., das Wasser.. ja... ich weiss auch nicht wie das passierte." Artag seufzte leise. "Mhhja.., naja vielleicht fällt es Dir ja wieder ein. Weisst Du denn wenigstens noch wie Du heißt?" Er nickte "Artag.". "Freut mich Artag, mein Name ist Maidra. Deine Wunden habe ich mir übrigens schon angesehen während Du noch bewusstlos warst. Scheint nix Schlimmes dabei zu sein, was man mit etwas Salbe und Verbänden nicht wieder hinbekommen würde. Aber wir sollten sicher gehen, dass Du keine inneren Verletzungen hast." Plötzlich piekste sie mit ihrem Zeigefinger mehrmals in seinen Bauch. "Tut das weh?" Artag kicherte leise, obwohl er sonst kaum kitzlig ist, bei Maidra durchzog ein Kribbeln seinen ganzen Körper. Er zappelte so, dass sich seine Schürfwunden wieder bemerkbar machten. Er schüttelte hastig den Kopf und prustete "Nein tut garnicht weh, aufhören bitte!" Er wusste nicht ob er es sich nur einbildete, aber er hätte schwören können sie grinsen gesehen zu haben, als fände sie Gefallen daran.
"Gut, " sagte Maidra, " dann will ich mal Deine Wunden versorgen." Sie drehte sich sich zu ihrem Rucksack, der hinter ihr auf dem Boden lag, und kramte einige Dinge hervor. Artag musterte sie dabei intensiv. Von der Art ihrer Kleidung und einigen Malen auf ihrer Haut konnte man schließen, dass sie vermutlich eine Ausbildung zur Druidin erhalten hatte. Auch ihre Heilkundigkeit deutete darauf hin. Eine Priesterin war sie jedenfalls nicht, damit kannte er sich aus eigener Erfahrung gut genug aus, um dies auschließen zu können. Trotz ihres eher zierlichen Körperbaus strahlte sie eine gewisse Anmut aus. Die ausgeprägten weiblichen Züge standen im Gegensatz zu der Kraft, die hinter den meisten ihrer Bewegungen steckte, welche sie dennoch mit Leichtigkeit ausführte. Diese ungewöhnliche Schönheit der Elfe wurde lediglich von der Traurigkeit, die Artag des öfteren in ihrem Blick fand getrübt. Er fand das Schade und fragte sich was wohl der Grund ist, hatte ihr Lächeln, das sie ihm ein paar mal schenkte, meistens jedoch sofort wieder verschwand, doch fast etwas magisches und berührte auf eigenartige Weise. Während er noch über Herkunft und Geschichte dieser Elfe grübelte, hatte sich dieselbe bereits wieder umgedreht und begann seine Wunden sorgfältig zu säubern, vorsichtig eine Salbe aufzutragen und einzumassieren. Obwohl die Salbe auf den Wunden höllisch brannte, war die Prozedur für ihn eher angenehm, Maidras Berührungen empfand er so zärtlich, dass er das Gefühl hatte sie würden die Schmerzen mehr als alles andere lindern. Wie weiche Watte umhüllten sie die ermüdeten und ramponierten Arme und Beine des Nachtelfs. Er war nicht gerade schmächtig, dennoch war sein Körper nicht allzusehr durch körperliche Anstrengung gestählt und solche Strapazen nicht gewohnt. Die Wärme die von ihren Händen ausging war außerdem eine Wohltat für seine vom Wasser völlig ausgekühlten Glieder. Artag war fast etwas traurig als Maidra schon mit dem Verbinden fertig war.
"So,", meinte sie, " ich gehe mal etwas Feuerholz sammeln. Ist wohl besser wir übernachten hier und Du ruhst Dich aus, ist ein guter Tagesmarsch bis zur nächsten Siedlung." Bevor sie sich erheben konnte legte er behutsam seine Hand auf ihren Arm und sah einen Moment nochmals intensiv die vermeintlichen "Sterne" an. "Danke" flüsterte er ihr zu, bevor er seine Hand wieder weg nahm. Sein Blick ließ keinen Zweifel, dass er meinte was er sagte, schon lange hatte sich niemand mehr so um ihn gesorgt. Unter normalen Umständen hätte er das aber wohl auch garnicht zugelassen.
Als Maidra mit dem Holz zurückkehrte entfachte sie ein Lagerfeuer und zog zwei dicke Knollen aus ihrem Rucksack, die sie in einige große Blätter wickelte und nah an die Glut legte. Nach einer ganzen Weile rollte sie die beiden Knollenpakete mit einem Zweig geschickt vom Feuer weg und ließ sie abkühlen. "Ich hoffe Dir schmeckt das, was anderes hab ich leider nicht." bot sie Artag eine an. Abermals flüsterte er "Danke" und biss in die dampfende Knolle. Von Schmecken konnte bei dem mehligen, bittrigem Ding keine Rede sein, aber bei dem Hunger den er verspürte kümmerte ihn der Geschmack nicht sonderlich. Als beide aufgegessen hatten zog Maidra noch ein paar dünne Wurzeln aus ihrem Rucksack und reichte sie Artag. "Kau das, es wird deine Schmerzen lindern, damit Du einigermaßen schlafen kannst." Er nahm die Wurzeln entgegen und folgte brav, auch wenn sie noch scheußlicher schmeckten als die Knolle.
"Wir sollten nun ruhen, morgen wird ein anstrengender Tag." Maidra machte ihr Nachtlager bereit und legte sich hin. "Gute Nacht, Artag." "Schlaf gut, Maidra." Kurz darauf schlummerten beide bereits tief.
Re: Wege des Lebens
Anonymous - 31.10.2007, 18:35
Mitten in der Nacht wachte Artag auf. War dort etwas? Er hielt den Atem an und lauschte. Außer dem Knistern des Feuers war nichts zu hören, der Wald war unheimlich still. Da war es wieder! Ein deutliches Rascheln und Knacken zwischen den Büschen und Bäumen nicht allzu weit entfernt. Er blickte zu Maidra hinüber. Sie schlief friedlich und schien nicht gehört zu haben. Nochmals lauschte er dem Geräusch, bevor er sich unter großer Mühe abstützte und auf die Beine stellte. Seine Wunden schmerzten schon garnicht mehr so stark. Er schwankte und beinahe wäre er wieder umgefallen, nach einem kurzen Moment auf den Beinen hatte er sich aber wieder gefangen und setzte nun leise einen kleinen Schritt vor den anderen in Richtung des Geräusches. Zwischendurch stoppte er immer wieder kurz, um zu hören ob das Geräusch noch da ist und um sich neu zu orientieren. Nach und nach zweifelte er aber an seinem Verstand, egal wie weit er ging, das Rascheln schien immer gleich weit entfernt, als würde es ihn weg führen.
Er sah sich um, es war kaum etwas zu erkennen in der stockfinsteren Nacht. Wenn er nicht gleich etwas finden würde, so würde er wieder umdrehen nahm er sich vor. Als er die ersten Schritte zurück zum Lager machte hörte er es wieder, aber es klang anders und viel näher... fast neben ihm. Der Elf zuckte kurz zusammen und drehte sich langsam um. "Da ist er!" schrie jemand und wenige Augenblicke später schien sich aus fast allen Richtungen etwas auf ihn zuzubewegen. "Lyncht ihn!", "Hängt den Mörder!", "Lasst ihn nicht entkommen!"
Artag wusste garnicht wie ihm geschah, aber er rannt, rannte um sein Leben, denn die Stimmen verhießen alles andere als Gutes. Seine Atmung wurde immer schneller. Es war fast wie ein Spiel, Artags Füße versuchten den Rhythmus seines Atems zu überholen und umgekehrt. Einen kurzen Moment drehte er sich um und warf einen Blick auf seine Verfolger. Wenn es hoch kam waren es etwa 150 Schritt die die Lichter, die offenbar von inzwischen entzündeten Fackeln stammten, entfernt waren und sie kamen unaufhaltsam näher. Er fuhr herum und rannte weiter. Hier wo sich der Wald lichtete konnte er etwas mehr sehen. Links und rechts von ihm taten sich Felswände auf. Kein Weiterkommen. Nur direkt vor ihm befand sich ein schmaler Pass nach oben. Er blickte den steilen Weg entlang, wäre der Nachtelf nicht völlig außer Atem gewesen, man hätte wohl einen tiefen Seufzer vernehmen können. Artag nahm den Pass mit vollem Tempo in Angriff und hoffte sich so einen Vorsprung erarbeiten zu können. Etwa den halben Weg nach oben hatte er geschafft, als der Fackelzug den Fuß der Felsformation erreichte.
Obwohl seine Kräfte ihn langsam verließen trieb er seine Beine zu nochmals mehr Tempo an. Auch als er die Steigung hinter sich gelassen hatte, gönnte er sich keine Pause. Er hatte schon lange keine Ahnung mehr wo in etwa er sich befinden könnte. Plötzlich fehlte der Boden unter seinem Fuß, er kippte nach vorne und konnte sich gerade noch rechtzeitig fangen, um nicht über den Abgrund zu stürzen. Nach diesem Schock schlug sein Herz nochmals höher und sein Atem stockte endgültig. Um Atem ringend suchte er hastig weiter einen Ausweg vor dem wütenden Mob der hinter ihm her war. Artag konnte kaum richtig nachdenken, bei allem was ihm durch den Kopf schoß. Statt mitten ins Nirgendwo von der Klippe weg zu fliehen wollte er der Klippe folgen, irgendwo müsse es ja auch wieder runter gehen, dachte er sich.
Schon bald sollte er merken, dass dies ein Fehler war, ein reißender Fluß vor ihm, der mit wildem Getöse die Klippen hinunter stürzte. Er drehte sich um. Die flackernden Lichter hatten wieder aufgeholt und er konnte die wütenden Schreie immer deutlicher vernehmen.Es gab keinen Ausweg mehr und die ersten Umrisse von Gesichtern wurden im Schein der Fackeln sichtbar. Nervös blickte er hinter sich zum Wasserfall, zur schreienden Meute, zurück zum Wasserfall. Sein Blick wanderte immer schneller hin und her.
Im Grunde hatte Artag keine Angst vor dem Tod, schon vor Jahren hatte er sie verloren. Es war ihm nahzu gleichgültig, ja zu manchen Zeiten hätte er ihn fast ersehnt.
Steine flogen haarscharf an seinem Kopf vorbei. Die wütende Menge warf bei ihrem Herankommen mit allem was sie bei sich hatten oder auf dem Boden finden konnten. Bevor er sich selbst der Willkür der wütenden Menschen auslieferten, die wer weiss was mit ihm anstellen würden, würde er sein Schicksal lieber dem Fluß überlassen.
Einen kurzen Moment blickte er nochmal gebannt in die Stromschnellen die über die Klippe preschten, dann stürtzte er sich entschlossen in die Fluten. Das Wasser riss ihn mit sich, drückte ihn herunter und spuckte ihn an der Klippe wieder aus. Er fiel in die Tiefe. Als er unten ankam drückte ihm die Wucht beim Durchbrechen der Wasseroberfläche die Luft aus den Lungen, er schluckte unweigerlich Wasser. Duch den Auftrieb schoß er kurz darauf zurück nach oben, konnte für Sekundenbruchteile Luft schnappen, ehe ihn die Strömung erneut erfasste und unter Wasser zog. Der Nachtelfenkörper wurde herumgeschleudert und drehte sich um die eigene Achse, bis Artag gar keine Orientierung mehr hatte wo Oben und Unten ist. Als er schon dachte er müsse ertrinken wurde das Wasser langsam flacher. Mit wahnsinniger Geschwindigkeit raste er über das flache Flußbett, vorbei an scharfen Felsen und Steinen, er spürte tiefe Schnitte in sein Fleisch, als er einige von ihnen streifte oder gar rammte. Schließlich gab es einen dumpfen Schlag als er mit seinem Hinterkopf gegen einen größeren Stein schlug. Ein gellender Schrei durchhallte die Nacht.
Maidra schreckte auf und sah sich, so plötzlich aus dem Schlaf gerissen, verdutzt um. "Artag?!" rief sie.
Fortsetzung folgt...
Re: Wege des Lebens
Anonymous - 17.11.2007, 20:17
So endlich bin ich mal wieder dazu gekommen ein Stück weiter zu schreiben. Finde leider im Moment kaum Zeit dazu. Viel Spass beim lesen oder so ;)
Sie schüttelte ihn an der Schulter "Artag wach auf! Ganz ruhig, Du hast nur schlecht geträumt." Als er Maidras angenehme Stimme hörte und ihre Hand spürte, die sie sanft auf seinen Brustkorb, welcher sich unter der angespannten Atmung heftig auf und ab bewegte, legte wurde Artag augenblicklich ruhiger. Er schlug die Augen auf, diesmal war der ganze Himmel voller Sterne, dennoch die beiden in Maidras Gesicht fand er die schönsten. Er bestaunte den Anblick der beiden großen "Sterne" neben den vielen kleinen dieses Nachthimmels, sein Atem, ebenso wie sein Herzschlag beruhigten sich allmählich. Er sah Maidra direkt an, "Ich erinnere mich wieder an alles was passiert ist."
"Das ist gut, aber erzähl mir besser morgen davon. Wir haben jede Menge Zeit auf dem Weg und sollten uns lieber noch etwas ausruhen. Versuch zu schlafen!" erwiderte sie mit ruhiger Stimme. Artag nickte leicht. Er starrte noch eine Weile in den Himmel und die überwältigenden Erlebnisse des Tages und seine wiedererlangten Erinnerungen gingen nochmals durch seinen Kopf bis er schließlich wieder einschlief.
Als Artag wieder erwachte zwitscherten die Vögel ihr Morgenlied durch den Wald. Sie eiferten um die Wette, die einen versuchten die anderen zu übertreffen, manche wiederholten ein und dieselbe kurze Tonfolge im immergleichen Takt, andere hingegen sangen komplexe, faszinierende Melodien. Dennoch fügte sich dieses Wirrwar von Stimmen zu einer wundervollen Symphonie. Artag liebte es ihrem Konzert zu lauschen, es wäre als würden sie von all den Dingen erzählen die sie auf ihren Reisen sehen, von all den fernen Ländern, als könne man die Freiheit in ihren Stimmen spüren, welche sie wohl dort hoch oben über der Welt schwebend erleben müssen.
Er lag noch eine Weile da und folgte ihren Geschichten ehe er sich erhob. Maidras Nachtlager war leer. Er vertrat sich etwas die Füße um das Lager herum, während er Ausschau nach Maidra hielt. Es tat gut wieder auf eigenen Füßen zu stehen, nachdem er den ganzen vorherigen Tag nur gelegen hatte. Er genoß dieses angennehme Gefühl, wie der weiche Waldboden seine Schritte sanft abfederte.
Etwas entfernt konnte er Maidra am Flußufer knieend ausmachen, sie schien ein paar Wasserschläuche zu füllen und sich zu waschen.
Artag wollte sie nicht stören, ging beruhigt zurück zum Lager und setzte sich dort auf einen liegenden Baumstamm. Er starrte in die rauchende Glut, die vom Lagerfeuer übrig geblieben war. Es sah aus als betrachte er das Spiel des Rauches, der um die noch glimmenden Stücke des heruntergebrannten Holzes zog, doch in Wirklichkeit war er ganz woanders. Er sinnte über sein Leben nach, über den verrückten Verlauf der letzten paar Tage, was er wohl als nächstes am besten tun solle. Er hätte tagelang darüber grübeln können, was für einen Sinn das alles machen könnte.
"Na, den Rest der Nacht noch gut geschlafen?" Artag zuckte zusammen. Maidra war inzwischen zurück gekommen und stand hinter ihm. Er hatte sie, so nachdenklich wie er gerade war, garnicht bemerkt. "Ja...äh..naja ging so..." murmelte er, so aus seinen Gedanken gerissen vor sich hin. "Nun, wir sollten uns auf den Weg machen. Bist Du soweit?" fragte Maidra. Artag nickte nur, offensichtlich gingen ihm die Fragen und Gedanken nur schwer aus dem Kopf.
Maidra packte alles in ihren Rucksack und löschte sorgfältig die Glut der Feuerstelle. "Wir müssen erstmal den Fluß überqueren, am besten etwas stromabwärts, dort wird er noch flacher." sie deutete Artag die Richtung und sie gingen los. Ein bis zwei Kilometer liefen beide wortlos den rauschenden Fluß entlang, bis dieser immer leiser und seichter wurde. Einige flache Felsen durchzogen das Flußbett. An einer geeigneten Stelle meinte Maidra: "Hier sollten wir trockenen Fußes rüber kommen." und schon sprang sie mit einem Satz auf einen der Felsen im Fluß und gleich weiter zum nächsten. "Komm, nur keine Angst!" wandte sie sich zu Artag. Dieser betrachtet skeptisch noch einen Moment den Felsen, bevor er sich ein Herz fasste und ebenfalls sprang. So hüpften und kletterten sie von einem Felsen zum nächsten bis sie am anderen Ufer ankamen.
"Na bitte, war doch garnicht so schwer." kommentierte Maidra. Nachdem sie noch ein Stück nebeneinander her gelaufen waren fragte die Elfe: "Wolltest Du mir nicht etwas erzählen?" "Hmm...ja..." antwortete Artag zögerlich. "Wohin genau gehen wir eigentlich?" warf er plötzlich ein. "Nach Sorea." bekam er als Antwort. "Ah, Sorea, da war ich schon ne Weile nicht mehr." stellte er fest. "Aber nun erzähl doch endlich mal, wie bist Du in den Fluß gekommen?" die Neugierde der Elfe machte sie nun leicht ungeduldig. "Naja, ich bin den Wasserfall runtergesprungen." "Gesprungen? Bist Du lebensmüde?" "Nein, natürlich nicht freiwillig..." "Achso, entschuldige, dann erzähl weiter, weswegen dann?" "Also, ich wurde verfolgt...von einer wütenden Meute Dorfbewohner, die mich lynchen wollte..." "Aber warum das denn?" "Sie meinten ich wäre ein Mörder und hätte dunkle Mächte über ihr Dorf gebracht." "Bist Du denn einer?" fragte Maidra. Der Elf schüttelte nur den Kopf. "Aber wie kamen die denn dann drauf?" Artag seufzte, bei dem Gedanken an diese Geschichte, bevor er dazu ansetzte dieselbe zu erzählen: "Also, das war so... Vor 2 Stationen meiner Reise, in Neridia, ging ich, um den Abend ausklingen zu lassen, noch in die Taverne `Zum Wegkreuz'. So manche zwielichtige Gestalt saß in den dunklen Ecken der Taverne, geheimisvolle Reisende aus allen Himmelsrichtung, deren Herkunft und Ziele kaum einer kennt und die auch lieber niemand nachfragt. Dennoch war es ein entspannter Abend, zwischen all den Handelsreisenden verschiedenster Kulturen, die hier aufeinander treffen und sich abends nach ihren erledigten Geschäften in jener Taverne bei Trank und Spiel vergnügen. Als ich schließlich meine Rechnung bezahlte und mich auf den Weg zum Gasthaus machte, in welchem ich ein Zimmer genommen hatte, hörte ich wie kurz nach mir die Tür vom 'Zum Wegkreuz`erneut schlug. Erst dachte ich mir nicht viel dabei, doch die Person die nach mir die Taverne verlassen hatte schien mich zu verfolgen welchen Weg ich auch ging. Mehrmals sah ich vorsichtig hinter mich, aber die Straße war stets leer. Als mich mein Weg durch ein paar dunkle enge Gassen führte, hörte ich plötzlich eine Stimme "Warte Elf, mein hübscher Elf, warte doch, bleib stehen!" säuseln. Obwohl sie auf der einen Seite sehr lieblich und zart klang, verbeitete sie auch einen eisigen Hauch, der durch Mark und Bein zog. Ich drehte mich abermals um, eine eher zierliche Menschengestalt, eingehüllt vom Schatten der Nacht lehnte an einer Hauswand. "Komm doch näher!" forderte sie mich auf. Ich tat wie mir geheißen und trat einige Schritte auf sie zu, während ich fragte "Wer bist Du?". "Noch näher" sagte sie. "Komm Du doch näher, wenn Du etwas von mir willst." erwiderte ich. Sie kicherte leise und bewegte sich dann langsam auf mich zu. Es schien mir als würde sie dabei jedoch keinen Fuß vor den anderen setzen, vielmehr schwebte sie dicht über dem Boden und zog Dunkelheit mit sich, die gierig den Raum hinter ihr füllte. Als sie nur noch weniger als eine halbe Armlänge entfernt war stoppte sie.
Trotz der Kapuze, welche sie weit über den Kopf gezogen trug, und der Dunkelheit, die sie umhüllte, konnte ich im fahlen Schein des Mondes für kurze Zeit einen Blick auf ihr Gesicht erhaschen. Es war weich und für einen Menschen durchaus hübsch anzusehen.
Ihre Augen jedoch.., sie waren leer, strahlten eine Kälte aus, die jeden durchbohren musste den sie ansah. Ich hatte das Gefühl es wäre der Wahnsinn in ihren Augen zu sehen und würde man ihr zu lange in dieselben blicken, so würde der Wahnsinn auf einen selbst übergehen."
Artag keuchte "Entschuldige, ich muss einen Moment ausruhen, bitte." "Schon gut." sagte Maidra. Die Verbände, die beim Marschieren an den Schürfwunden rieben, sowie die unruhige Nacht machten dem Nachtelfen zu schaffen. Sie setzten sich auf einen großen Stein. Artag atmete tief durch und sah nach oben. Die intensive Vormittagssonne, die durch das dichte Blattwerk schien, tauchte alles in ein angenehmes, helles grün. Der ganze Wald erstahlte so in einem mystischen grünen Licht. "Hier nehm einen Schluck!" Maidra reichte Artag einen Wasserschlauch. Dieser nahm nahm hastig einen tiefen Schluck, verschluckte sich dabei fast, fing sich wieder, nur um sofort nachzutrinken. Er reichte ihr den Schlauch zurück "Danke Dir".
Schon die ganze Zeit, die sie da saßen, zupfte er sich immer wieder an seinen Verbänden herum, bis Maidra schließlich sagte: "Lass mich mal sehen." Mit großer Vorsicht und Sorgfalt nahm sie ihm die Verbände ab.
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