Interview zum WM-Sicherheitskonzept

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    Re: Interview zum WM-Sicherheitskonzept

    Roland - 17.02.2006, 22:49

    Interview zum WM-Sicherheitskonzept
    "Fans werden als Gewalttäter stigmatisiert"

    Das Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) hat die Planungen für die Weltmeisterschaft scharf kritisiert. Nicht das Fußball-Fest stehe im Vordergrund, sondern die Debatte über die Sicherheit, sagte BAFF-Sprecher Matthias Bettag im Interview. Kein Konzept könne verhindern, dass sich "50 Verrückte irgendwo ein Schlachtfeld suchen".

    tagesschau.de: Wie hat sich die Hooligan-Szene in Deutschland aus ihrer Sicht entwickelt?

    Matthias Bettag: Die Szene tritt in Deutschland im aktiven Fußball kaum noch zutage. Man hat in den sieben bis acht Jahren konstant sinkende Statistiken über Gewaltvorkommen. Vor allem in der 1. und 2. Bundesliga ist das Thema Hooligans keines mehr. Daher halte ich Drohszenarien von politischen Scharfmachern wie Günther Beckstein oder Wolfgang Schäuble für fahrlässig, da es Panikmache ist. Außerdem werden Fußball-Fans generell als Problem für die Sicherheit stigmatisiert. Im Endeffekt geht es gar nicht darum, die angeblich gefährdete Sicherheit bei der WM zu sichern, sondern das Ereignis wird als Einfallstor für die Ausweitung polizeilicher Kompetenzen missbraucht.

    tagesschau.de: In den vergangenen Monaten gab es dennoch immer wieder Gewalt und auch offenen Rassismus beim Fußball, auch bei Spielen der Nationalmannschaft.

    Bettag: Natürlich gibt es Gewalt beim Fußball. Die kommt vor allem in den unteren Ligen vor. Die Vorfälle bei der Nationalmannschaft sind in meinen Augen kein Hooliganismus, sondern das waren Aktionen von Neonazis. Das wird so aber nicht kommuniziert. Die Sprechchöre aber waren eindeutig. Doch in der Welt des DFB wird dafür lieber der Begriff "Gewalttäter" statt "Neonazi" benutzt. Die Situation bei dem Spiel Slowenien gegen Deutschland eskalierte dadurch, dass im deutschen Block Neonazis Parolen riefen und eine andere Gruppe deutscher Fans dagegen vorging. Auch beim Spiel Slowakei gegen Deutschland gab es massive rechtsradikale Sprüche aus dem deutschen Block.
    Das Problem der Gewalt bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft scheint also kein Hooligan-, sondern ein Neonazi-Problem zu sein. Da muss differenziert werden, denn es handelt sich um keinen homogenen Fan-Block. Fan-Beauftragte könnten die Polizei über die Zusammensetzung der Gruppierungen informieren. Dann müsste die Polizei nicht gegen alle vorgehen. Denn dabei kann es schnell zur Solidarisierung zwischen den Gruppen kommen. Es gab in den vergangenen Jahren Repressionen gegen alle Fans, immer mit dem Argument "Hooligan". Das hat für viel Frust in den Szenen gesorgt, gerade bei aktiven friedlichen Fans. Sogar diese wurden kriminalisiert. Daher ist die Stimmung in vielen Fan-Szenen wachsend schlecht.

    tagesschau.de: Wie gefährlich sind die Hooligans aus anderen Ländern, speziell aus Polen?

    Bettag: Man kann nicht sagen, weil es in Polen ein Hooligan-Problem in der Liga gibt, muss es auch ein Problem bei der WM werden. Zwar gibt es in Polen viele Hooligans, bis zu 500 bei lediglich 3000 Zuschauern. Man kann daraus aber nicht automatisch herleiten, dass jetzt alle Hooligans aus Polen oder auch Kroatien hier das Land unsicher machen wollen. In Italien beispielsweise gibt es eine gewaltbereite Szene, doch diese sind an ihre Clubs gebunden und interessieren sich wenig für die Nationalmannschaft.

    tagesschau.de: Wie reagieren aktive Fangruppen in Deutschland auf die Sicherheitsdiskussion?

    Bettag: Viele Leute sind über die Politiker erschrocken, die die WM benutzen, um ihre sicherheitspolitischen Forderungen durchzudrücken. Da entsteht auch viel Wut. Das sind besonders junge Leute, die aus dieser Perspektive die Staatsgewalt erleben und in ihren demokratischen Prinzipien erschüttert werden. BAFF hat ein ganzes Buch darüber geschrieben: die 100 schönsten Schikanen gegen Fußball-Fans. Leider war es überhaupt kein Problem, dieses Buch zu füllen. Aus Sicht der Politiker und Funktionäre ist ein Fußball-Fan ein Kunde oder ein Sicherheitsproblem. Die sollen fröhlich lächeln und Fähnchen schwenken und ordentlich konsumieren. Die anderen werden als Gewalttäter stigmatisiert - auch wenn sie nur kritisch sind.

    Bei der WM-Planung sollte das Fest im Vordergrund stehen - und nicht die Gewaltprävention. Bei den EM-Endrunden in England und Portugal herrschten hervorragende Bedingungen für ein Fußball-Fest. Ganz tolle Stimmung und keine Gewalttaten, außer Schlägerein zwischen Besoffenen in Kneipen. Aber das gibt es in jedem größeren Ferienort im Sommer. Durch Repression und Überwachung gegen alle Fußball-Fans wird man es nicht verhindern können, dass 50 Verrückte sich irgendwo ein Schlachtfeld suchen. Das ist Aktionismus und geht am Ziel vorbei.

    Das Interview führte Patrick Gensing, tagesschau.de

    Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5246134_TYP1_NAV_REF1,00.html

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    Absolut krank dieser Matthias Bettag. Und BAFF ist sowieso die Fußball-Antifa!
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