Anfrage von PAX CHRISTI

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    Re: Anfrage von PAX CHRISTI

    M.M.Hanel - 04.02.2008, 14:27

    Anfrage von PAX CHRISTI
    ----- Original Message -----
    From: "p...oeff" <p>
    To: <hanel>
    Sent: Monday, February 04, 2008 11:12 AM


    Sehr geehrter Herr Hanel,

    Sie sind mir in Erinnerung von einer Religionslehrer-Fortbildung in Wels, St.Berthold vor etwa 15 Jahren, wo Sie uns als Imam f.OÖ und Sbg. einen Abend über Islam zur Verfügung standen. Nun suchen wir für die Vierteljahresschrift von Pax Christi einige moslemische Stimmen zur Frage "Kampf der Kulturen -Clash of Civilizations" (Huntington) - oder gehts auch anders, wie wird es sich entwickeln ?

    Ich hätte sehr gerne Ihre Einschätzung, da Sie doch schon eine lange Erfahrung mit diesen Fragen haben.
    Hoffentlich erreicht Sie diese mail, die Adresse habe ich über google gefunden.

    Mit freundlichen Grüßen und besten Dank im voraus für
    Ihre Mühe,

    Dr. p.ö. Wels
    PS. Ihre Einschätzung für Pax Christi könnten Sie mir
    hier per email schicken, sie kann auch kurz sein .



    Re: Anfrage von PAX CHRISTI

    M.M.Hanel - 04.02.2008, 14:36


    Sehr geehrter Herr Ö.!

    Vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich wie folgt, kurz beantworten möchte:

    Zuerst Grundsätzliches.
    Jeder Versuch einer Prognose künftiger Entwicklung, ja selbst die Beurteilung vorliegender Ereignisse erlaubt in unserer (grundsätzlich) polaren Welt jedenfalls zweierlei, auch diametral entgegengesetzte
    Einschätzungen. Daher ist die Frage:

    Kampf der Kulturen -Clash of Civilizations" (Huntington) - oder geht´s auch anders, wie wird es sich entwickeln ?

    mit: "SELBSTVERSTÄNDLICH - geht es anders!" zu beantworten.

    Der zweite Teil der Frage nach der Entwicklung mag wie folgt beantwortet werden.

    STETS und IMMER liegt die Entwicklung künftiger Geschicke des Menschen an dessen bewussten ENTSCHEIDUNG - gesellschaftliche Entwicklung hängt von der Entscheidung der real und faktisch dominanten gesellschaftlichen Gruppe ab.

    Deshalb müssen wir uns die Frage stellen - wer ist die dominante Gruppe auf muslimischer und auf nicht muslimischer Seite?

    Auf nichtmuslimischer Seite gibt es weltpolitisch dominante global-players, die, wenn auch immer schwächer werdend - diesen "clash" unter Einsatz ALLER Mittel herbeizuführen gewillt ist, in der irrigen Ansicht, sie selbst würden dabei keinen oder wenn doch, so den geringeren Schaden, verursacht durch diesen Zusammenstoß, davon tragen. Ich wiederhole: eine IRRIGE Vorstellung
    und Ergebnis hochfahrender Selbsttäuschung.

    Gleichzeitig ist in der westlichen Zivilgesellschaft immer mehr das Bedürfnis nach echtem Frieden und Gerechtigkeit - gepaart mit dem erforderlichen Mut zur Selbstkritik und zur Ausrichtung des eigenen Betragens nach den Regeln der Vernunft, Natürlichkeit, Menschlichkeit und
    Gerechtigkeit zu verspüren.
    Die immer mündiger werdende Menschheit ist es langsam satt, in die Irre geführt und gegeneinander aufgehetzt zu werden. Ginge es WIRKLICH demokratisch zu auf der Welt, sähe es JETZT schon viel hoffnungsvoller aus.

    Auf muslimischer Seite gibt es Machthaber, die kongeniale Partner oben erwähnter westlicher global players darstellen und ihre "Untertanen" in beinhartem Griff halten und ihnen eigenständige, umfassende Entwicklung vorenthalten.

    Wie auf westlicher Seite hat die absolute Mehrheit der Muslime keinerlei Interesse an einem "clash" und will auch zu dessen Herbeiführung gar nichts beitragen.
    Allerdings gibt es realpolitische Situationen, welche diesen Wunsch nach Friede und die entsprechend nötigen Beiträge "muslimischer Massen" verunmöglichen, auf die ich aber hier nicht weiter eingehen werde.

    Dies führt uns zum Schluss:

    Gelingt es dem "Westen" seine demokratischen Strukturen, gemäß dem Diktat der Vernunft, Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu gestalten und zum Einsatz (& Umsatz) zu bringen (wobei mehr ZIVILcourage von den Individuen gefordert wird) und gelingt es dem "Rest" (sprich den Muslimen) die, im Grunde sehr einfachen Richtlinien ihrer Religion - unabhängig vom Diktat ihrer größtenteils
    "falscher Führer" mehr zu verinnerlichen - und somit auch im Äusseren umzusetzen - ist dieser CLASH leicht abzuwenden.

    Jetzt noch zur Frage des Imams, des Führers, desjenigen, der die Richtung, den Ton angibt.

    DIese Rolle fällt IMMER dem BESTEN, dem STÄRKEREN zu.

    In unserem "Rollenspiel" ist der Stärkere, der AKTIVE die westliche (kapitalistische) Gesellschaft und der Rest der Welt (mithin auch die Muslime), der REAGIERENDE Teil.
    Womit ich sagen will, dass es am Stärkeren liegt - wie das Spiel ausgeht, in welche Richtung es sich entwickelt - und ob beide unweigerlich im "Bach" landen (wenn Sie diese Anspielung verstehen) oder nur der eine - und der andere ihm dann versöhnlich heraushilft, um gemeinsam die Erfahrung
    menschlicher Zuneigung und Wärme - anstatt die kalter Ablehnung und erneuten Streits zu machen.

    Nun, ICH glaube an das Gute im Menschen und seiner Fähigkeit zu lernen und sich zu ändern, auch wenn die historische Erfahrung diesen Glauben als "hoffnungslos" bezeichnen mag.



    Variationen zum Thema: Krieg zwischen Zivilisationen:
    Das Original lesen Sie hier: http://www.islamheute.ch/interview.htm

    Frage: Was steckt hinter diesem offenbar auf uns zukommendem „Clash der Zivilisationen“?

    Hanel: Viele, nicht nur Muslime sind der Meinung, dass dieser ein Teil, einer genial kalkulierten, auf emotionaler Ebene angelegten Propagandaaktion, um die Aufmerksamkeit, welche wirklichen globalen Problemen zu widmen wäre, auf einen künstlich aufgebauten Konflikt zwischen Islam, den Muslimen und dem Rest der Welt zu fokussieren.

    Frage: Wer sollte Interesse daran haben, solch einen globalen Konflikt zu entfesseln?

    Hanel: Interesse an solch einer widerwärtigen Auseinandersetzung kann nur jemand haben, dem daran gelegen ist, die Verteilung globaler Macht und Ressourcen weiterhin zu erhalten und zu seinen Gunsten mit allen erlaubten und tatsächlich auch unerlaubten Mitteln hin zu verschieben und/oder jemand, der das Bedürfnis auslebt, Andere als grundsätzlich minderwertig anzusehen und seinen Überheblichkeitswahn rücksichtslos verwirklicht.

    Frage: Wen meinen Sie konkret mit Ihrer Beschreibung?

    Hanel: Ich meine damit die Kaste der global jeweils politisch Mächtigen und die der politisch Ohnmächtigen gleichermaßen.

    Frage: Wie ist das zu verstehen? Glauben Sie denn an eine Weltverschwörung gegen Muslime?

    Hanel: (Lacht) Natürlich, aber nicht nur gegen Muslime! Ich glaube an die Verschwörung des Schlechten gegen das Gute, des Guten gegen das Schlechte, der Unvernunft gegen die Vernunft, der Reichen gegen die Besitzlosen und umgekehrt, der Egoisten gegen Idealisten und Gleichgültige, usw.

    Frage: Eine interessante Ansicht. Wie meinen Sie, kann dieser augenscheinliche Komplex aus Krieg und Verschwörungen dann überhaupt beendet werden?

    Hanel: Wenn man es fertig bringt, Vorkommnisse auf Schwingungen reduziert zu betrachten, beendet man sie durch eine Gegenschwingung – also mit einer Gegenverschwörung …

    Frage: Da muss ich Sie aber jetzt unterbrechen. Sie meinen tatsächlich, Schlechtes müsse mit Schlechtem bekämpft und ausgelöscht werden? Reden Sie da nicht der Gewalt und Gegengewalt das Wort?

    Hanel: Nicht so hastig. Ja, ich rede der Gegengewalt das Wort. Doch lassen Sie mich erklären, bevor Sie wieder falsche Schlüsse ziehen. Dieser Verschwörung, sozusagen des „ICH“ gegen das „WIR“ ist tatsächlich nur mit einer Gegenverschwörung erfolgreich entgegenzutreten. Nämlich der Verschwörung des Einzelnen mit GOTT, die ich aber hier und jetzt nicht mehr weiter erklären will.

    Frage: Bleiben wir also bei der Politik. Befürchten Sie ein Flüchten der Menschen in extreme Parteien?

    Hanel: Eigentlich weniger. Vielmehr erwarte ich es, weil die muslimischen Massen sich vom Bild der Demokratie und ihren eigenen Regierungen, die sie letztlich ja doch nur vom Westen vorgesetzt und gehalten sehen, völlig enttäuscht sind und sich von den „Fundamentalisten“ Rettung erhoffen. Ich fürchte sie werden dabei Mitspieler in der Geschichte vom „Wettlauf zwischen dem Igel und dem Hasen“. Sie können raten, welche Rolle sie dabei zu übernehmen haben. Gleiches gilt übrigens auch für das Stimmvolk im Westen. Mögen Ausnahmen die Regel bestätigen – oder noch viel lieber –täuschte ich mich doch gänzlich.

    Frage: Sehen Sie ein Ende des Konfliktes?

    Hanel: Natürlich. Kein Nachschub des Zündstoffes - Provokation, Ungerechtigkeit, ungehemmtes Ausleben von Doppelstandards - wahrhaftig gelebte Nächstenliebe, wahrhaftiges globales Kooperieren im Sinne echter Nachhaltigkeit, Aufrichtigkeit und Empathie etc. und der Flächenbrand wird verlöschen. Momentan sehe ich allerdings kein Nachlassen der Zündstofflieferungen, deren Produktion vor allem in den kapitalistisch ausgerichteten Ländern auf Hochtouren läuft. Wenn die Brandstifter im Kleid von Biedermännern oder anderen traditionellen Trachten entlarvt und in ihrem Tun gehindert bzw. nicht mehr unterstützt werden. Denn alle Menschen, alle Kinder Adams sehnen sich nach Frieden und Wohlstand und sind bereit, das dafür Nötige beizutragen, so man ihnen die faire Chance dazu und sie selbst die Früchte ihrer Mühen genießen lässt.

    ZÜNDSTOFF wird allerdings zur Zeit jede Menge geliefert und WER ist der Lieferant?
    Wer ist es, der ständig provoziert, beleidigt und ignoriert?
    Und wer ist es, der sich ständig provozieren lässt und gekränkt, blindwütig reagiert?

    Nun - einen Hinweis darauf findet man hier: http://www.youtube.com/watch?v=owCXbDVTLRE&%3Bfeature=related



    Re: Anfrage von PAX CHRISTI

    M.M.Hanel - 04.02.2008, 14:39


    Nachtrag:

    Es ist schon interessant, dass man selbstverständlich vom clash zwischen den MUSLIMEN und dem Rest der Welt bei dieser Frage ausgeht, nicht wahr?



    Re: Anfrage von PAX CHRISTI

    M.M.Hanel - 31.03.2008, 13:06


    Interview
    Der Kampf der Kulturen ist vermeidbar
    Buchautor John Louis Esposito macht deutlich, dass nur eine kleine Minderheit der Muslime den Westen hassen und dort Menschen töten wollen. Die ideale Strategie gegen Terrorismus sei es, diese kleine, aber einflussreiche Gruppe politisch radikaler Muslime nicht den bin Ladens dieser Welt zu überlassen.

    http://www.welt.de/politik/article1779795/Der_Kampf_der_Kulturen_ist_vermeidbar.html

    http://www.google.ch/search?sourceid=navclient&hl=de&ie=UTF-8&rls=GGLD,GGLD:2004-34,GGLD:de&q=Der+Kampf+der+Kulturen+ist+vermeidbar+Von+Dietrich+Alexander



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