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Re: Elyra
Moonfairy - 12.06.2008, 19:57Elyra
Da mein erster Versuch nicht so toll war, fang ich nochmal von vorn an.
Diese ist von der Handlung her eigentlich genauso, nur habe ich die Erzähler-Perspektive und ein paar andere Kleinigkeiten geändert.
Den Prolog stell ich auch noch mal mit rein, obwohl er ganz genau gleich ist, wie der andere.
Na dann wünsche ich viel Spaß beim Lesen und ich hoffe, dass es dieses Mal besser klingt.
Elyra
(Aussprache: Elüra)
Meine Geschichte ist verknüpft mit der „Eragon“ - Reihe von Christopher Paolini.
Daher sind alle Charaktere, Schauplätze usw. aus den Büchern „Eragon“ und „Eldest“ Eigentum von Christopher Paolini.
Außerdem enthalten einige Kapitel Original-Texte aus den Büchern.
Prolog: Der Anfang einer neuen Ära
Ein Mann flog durch den Raum und landete krachend auf einem Holztisch, der sofort unter dem großen Gewicht zerbrach. Mit vor Schmerz verzogenem Gesicht wollte er sich wieder aufrichten, doch er kam nicht weit, weil ihm ein anderer Mann, derjenige, der ihn durch den Raum geschleudert hatte, nun eine scharfe, weinrote Schwertklinge vor seiner Brust hielt.
Er war groß und gut gebaut, hatte schulterlanges, schwarzes Haar, das verfilzt und ungepflegt aussah und trug einen langen schwarzen Umhang, der fast bis zum Boden reichte. Sein Gesicht war blass und mit etlichen Narben übersäht, was auf unzählige Kämpfe, die der Vergangenheit angehörten, hinwies. An seinen Augen konnte man erkennen, dass er schon seit einigen Tagen ohne Schlaf auf den Beinen war. Er war müde, aber so entschlossen, dass ihn nichts davon abbringen könnte, den Mann, der sich schmerzerfüllt unter ihm räkelte, zu töten.
„Wo sind sie? Wo hast du sie versteckt?! Sag es mir!“, brüllte er und drückte die Klingenspitze gegen die Brust seines Gegners. Seine Hände in den schwarzen Lederhandschuhen zitterten leicht.
Der am Boden Liegende schnaubte verächtlich. „Eher würde ich sterben, als dass ich es dir verraten würde, du elender *********! Du wirst sie niemals in deine dreckigen Finger bekommen, das verspreche ich dir!“
Der angesprochene fletschte wütend die Zähne, packte den Mann am Hemd und hob ihn mit Leichtigkeit hoch. Er bohrte sein Schwert langsam in des Feindes Bauch und führte sein Gesicht immer näher an sein eigenes heran, bis nur noch ein Fingerbreit zwischen ihren Nasenspitzen gepasst hätte, und der Mann direkt in die pechschwarzen, hasserfüllten Augen des Schwertträgers blicken konnte.
„Nun gut, wenn du es mir nicht sagen willst, dann habe ich keinen Bedarf mehr an dir! Ich werde mir etwas anderes überlegen müssen, um an diese zwei wertvollen Dinge, die unser König haben möchte, heran kommen zu können.“, zischte dieser.
„Dein König, meiner ist er nie gewesen!“, spottete der andere und rief dann: „Thrysta Vindr!“
Bevor der Diener des Königs, es erst realisieren konnte, wurde er von einer unsichtbaren Kraft durch den Raum geschleudert und knallte gegen die Wand am anderen Ende des Zimmers.
Sein Schwert flog ihm bei diesem Manöver, aus der Hand und blieb auf halber Strecke liegen. Der Andere, behindert von der großen, blutenden Wunde, beeilte sich an die Waffe zu kommen, bevor sein Besitzer es tat, doch er war zu langsam.
„Glaubst du wirklich, es ist so einfach MICH zu besiegen?!“, lachte der Schwertkämpfer und griff nach seiner Waffe, das langsam auf ihn zugeschwebt kam. „Da hast du dich aber gewaltig getäuscht, mein Lieber. Mich wird niemand besiegen können, nicht einmal du!“
Als hätte ihm der Aufprall an der Wand nicht das Geringste angetan, schwang er sein Schwert in einer schnellen Kreisbewegung nach außen, nahm seine Stellung wieder ein und stürmte plötzlich mit einer übermenschlichen Geschwindigkeit auf sein Gegenüber zu.
Dieser konnte gerade noch ausweichen, doch der Kämpfer drehte sich auf dem Absatz zu ihm um und drosch mit seiner Waffe auf ihn ein. Wieder und wieder stach die Klinge nach dem bereits Verwundeten und immer öfter landete sie einen Treffer. Jedes Mal zog dieser scharf die Luft ein und der Schwertkämpfer lachte schallend laut, wie ein Wahnsinniger.
Der Verletzte wusste, dass er dieses Spielchen nicht mehr lange mitspielen konnte, und dass es an der Zeit war, sich eine neue Taktik überlegen zu müssen, um gewinnen zu können.
Doch das war leichter gesagt, als getan, schließlich war sein Gegner ein ebenso gewitzter und schlauer Fuchs wie er. Er brauchte dringend Hilfe, aber wie? Und von wem?
Da fiel ihm ein magischer Spruch ein.
Einer, der zwar sehr gefährlich und Kräfte zehrend war, jedoch etwas bewirken konnte, das ihm zum Sieg verhelfen würde. Er sprang zur Seite, versuchte von der scharfen Klinge wegzukommen und holte sich die Wörter in Erinnerung. Es waren nicht viele. Dann fasste er den Entschluss und sprach diese laut aus.
Der Kämpfer spürte, was der ihm gegenüber vorhatte, doch bevor er einen Gegenzauber sprechen konnte, war es schon passiert.
Augenblicklich blieb die Zeit stehen und er erstarrte, als wäre er aus Stein. Alles war still, selbst die aufgeregten Stimmen der draußen herum rennenden Soldaten waren verstummt.
Da der Verletzte diesen Zauber nicht lange aufrecht halten konnte, musste er sich beeilen. Er nahm sich das Schwert des Anderen aus dessen Händen, stellte sich so hin, dass er ihm die Klinge ins Herz rammen konnte und machte sich dann sowohl seelisch als auch körperlich auf eine halsbrecherische Flucht bereit.
Er atmete noch einmal tief durch und hob anschließend den Zauber wieder auf. Im selben Moment erwachte der Erstarrte aus seiner Versteinerung und wurde sofort kreidebleich, als er den Anderen mit seinem Schwert über ihn stehen sah. Dieser stieß ohne weitere Überlegungen zu.
„Das ist für jemanden, den du auf dem Gewissen hast, und der mir so viel bedeutet hatte!“, schrie er, bohrte die Klinge tiefer in den Leib, sodass noch mehr Blut hervorquoll, und drehte sie dann einmal um die eigene Achse. „Und das ist für all die anderen Lebewesen, denen du schmerzhaftes Leid und qualvollen Tod gebracht hast!“
Der Mann, der zuerst so siegessicher war, seinen Gegner aber leichtsinniger Weise unterschätzt hatte, stöhnte auf und sein Gesicht verlor alle Farbe. Er rang nun verzweifelt mit seinem Leben.
Eine Welle von unvorstellbarer Freude überfiel den letztendlichen Sieger und er lachte laut und schallend auf. Blanker Wahnsinn spiegelte sich nun auch in seinen Augen, sodass der Sterbende zum ersten Mal richtig erkannte, was es heißt Angst zu haben. Er hatte Angst vor dem Tod und wollte nicht sterben, weil das Leben doch viel zu süß war, um daraus zu scheiden. Er wehrte sich mit aller Kraft, jedoch war er schon zu schwach, um noch die Oberhand gewinnen zu können. Zu viel Blut war schon aus seinem Körper entronnen.
Sein Mörder schickte nun die letzten tödlichen Worten an sein Gegenüber.
Er rief: „Brisingr!“
Und ein roter Funke glitt an der Schwertklinge hinab bis zur Spitze und bohrte sich einen Weg zum Herzen des schon Halbtoten. Dieser schrie vor Schmerz ein letztes Mal laut auf. Im selben Moment stimmte ein fast ebenso lautes, jedoch weit entferntes, schmerzerfülltes Brüllen eines Wesens mit ein, das gerade, wie der Krieger, der im Zeichen des Königs gekämpft hatte, dem Tode nahe war.
Der Andere drückte das Schwert noch etwas tiefer hinein und riss es dann mit einem Ruck wieder heraus. Der Todesschrei seines gefallenen Gegners verklang augenblicklich und er fiel auf den Boden. Auch das seltsame Brüllen des Wesens verstummte sofort.
Der Mann beugte sich schwer atmend zu dem Leichnam hinunter und schnallte die Schwertscheide von dem Gürtel los. Er steckte das Blut besudelte Schwert, welches den Namen Zar´roc trug, in die Schwertscheide und band diese nun an seinen Gürtel fest.
Jedem Sieger eines Zweikampfes stand die Waffe des anderen als Preis zu, warum sollte es in diesem Falle anders sein?
Außerdem brauchte er dieses Schwert, weil er seines verloren hatte. Zudem war es zu kostbar, um es hier einfach liegen zu lassen. Es war ein Meisterstück seiner Klasse, unersetzbar und einzigartig. Und das nicht nur, wegen dem azurblauen Edelstein, der den Knauf zierte, auch nicht wegen seiner einzigartigen blutroten Farbe, sondern der Magie, die auf dem Schwert lag. Die Klinge des Schwertes war aus stabilem Material, sodass sie weder brechen oder zerkratzen noch sich eine Schramme oder Beule zuziehen könnte. Außerdem war die Klinge immer so scharf, dass sie selbst nach einem harten Kampf ein Blatt Pergament wie ein Stück weiche Butter zerschneiden könnte.
Der Mann blickte auf den Toten unter sich und versuchte das schmerzliche Ziehen in seiner Brust zu ignorieren, aber es gelang ihm nicht.
Er wusste, dass er mit dem Mord an diesem Kämpfer nur Gutes getan hatte und die Nachwelt ihm dafür dankbar sein würde, jedoch empfand er auch Trauer und Reue, weil er nicht nur einen guten Freund, der dem Wahnsinn anheim gefallen war, getötet hatte, sondern auch den letzten Drachenreiter samt seines Drachens, abgesehen dem König, den es in dem einst so schönen Land Alagaësia gab.
„Auch wenn er ein Abtrünniger war...“, murmelte er und rieb sich die Tränen aus den Augen. Nun würde er mit dieser Schande leben müssen, aber ihm war klar, dass dies der einzig richtige Weg gewesen war.
Laute Stimmen rissen ihn aus seinen Gedanken und ließen ihn wissen, dass er sich in größte Gefahr begeben würde, würde er noch länger hier wie angewurzelt stehen bleiben. Er war zu schwach um sich noch mit den Soldaten des Königs auseinandersetzten zu können. Er musste nur noch etwas holen, bevor er von diesem Ort verschwinden konnte.
Der Mann ging schwerfällig zu der Stelle zurück, wo er etwas versteckt hatte, als er überrascht worden war.
Er holte einen Stoffbeutel unter einem kaputten Tisch hervor und öffnete ihn, um sich zu vergewissern, dass dessen kostbarer Inhalt immer noch existierte.
Vorsichtig hob er zwei große Steine aus dem Beutel heraus. Sie waren oval, jeweils ca. so groß wie ein Menschenkopf und hatten eine spiegelglatte Oberfläche. Sie waren identisch und glichen sich so sehr, dass man sie hätte vertauschen können, würden sie nicht unterschiedlich gefärbt sein. Einer von den Zweien war saphirblau und hatte auf seiner Oberfläche feine weiße Äderchen, die in den Stein gemeißelt schienen, jedoch bei Berührung nicht zu spüren waren. Der Zweite hatte die Farbe des bleichen Vollmondes, der durch das einzige kleine Fenster im Raum am pechschwarzen Nachthimmel zu sehen war – silbrig glitzernd.
Erleichtert, dass diese zwei Schätze nicht zerstört und noch immer in seinem Besitz waren, steckte er sie schnell wieder in den Beutel und schnürte ihn gut zu.
Näher kommende Schritte ließen ihn zusammen zucken. Er musste schleunigst verschwinden, wenn er nicht erwischt werden wollte. Niemand wusste bis jetzt, dass er den Abtrünnigen umgebracht hatte und er wollte, dass es auch so blieb. Zumindest was das Imperium betraf.
Da es zu riskant war, auf normalem Wege aus der Festung zu flüchten, musste er sich noch einmal der Magie bedienen, obwohl ihm das nicht gefiel. Er war schon sehr geschwächt und ein weiterer Zauber könnte ihn umbringen.
Die Soldaten des Königs waren schon an der Tür, man hörte ihre aufgebrachten Rufe.
„Dieses Zimmer ist noch nicht untersucht worden!“, sagte einer von ihnen und der Mann beeilte sich, die Wörter lautlos auszusprechen, die er für den magischen Vorgang brauchte. Es waren nur noch wenige Sekunden, bis er den Zauber vollendet hatte, als die Holztür aufgebrochen wurde. Die Soldaten stürmten hinein und sahen sich in dem leeren Zimmer um. Bis auf einpaar zerbrochene Tische und Stühle und den Leichnam am Boden, fanden sie nichts Weiteres vor. Erschrocken zögerten sie kurz, den Gedanken an einen Hinterhalt im Kopf, doch dann ordnete einer von ihnen an, den Toten auf eine Platte der kaputten Tische zu ziehen und ihn dann aus dem Zimmer zu tragen.
Die Männer gehorchten sofort und anschließend zog eine lange Karawane von Soldaten und Wachmännern in die große Halle der Festung der Stadt Gil`ead.
Re: Elyra
Moonfairy - 12.06.2008, 20:00
1. Kapitel: Die Verkündung
Es klopfte leise und die Tür eines Zimmers öffnete sich einen Spalt breit. Elyra hob ihren dunkelbraun gelockten Kopf und erblickte Nasuada, ein dunkelhäutiges, etwa 18 jähriges Mädchen, die ins Zimmer trat. Ein Lächeln stahl sich auf Elyras Lippen.
Nasuada war ihre beste Freundin, sie waren wie Schwestern. Sie kannten sich schon seitdem sie ganz klein waren, denn sie wuchsen hier zusammen auf. Hier, in Farthen Dûr, in einem hohlen Berg inmitten des Beor-Gebirges, in dessen Zentrum die Zwergenstadt Tronjheim lag.
Die beiden Mädchen gehörten aber keines Wegs zum Volk der Zwerge, nein, sie gehörten zu den Varden; Rebellen, die gegen das Imperium und Galbatorix, den selbst ernannten Herrscher Alagaësias, kämpften.
Nasuadas Vater Ajihad war der Anführer der Varden und ein hochangesehener Mann. Er war klug und weise, traf die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment und war zudem ein gütiger und liebevoller Mensch. Seine Tochter hatte denselben Charakter wie er und würde später sicherlich eine ebenso starke Anführerin wie Ajihad werden. Da war sich Elyra ganz sicher, obwohl ihre Freundin jetzt noch kein Wort davon hören wollte.
Elyra winkte sie hinein und sie fing ebenfalls an zu lächeln.
„Es tut mir leid, aber ich muss gleich wieder gehen. Ich habe noch vieles zu tun. Mein Vater lässt dir ausrichten, dass du nach dem Unterricht zu ihm kommen sollst. Er hat mit dir so einiges zu bereden.“
Überrascht runzelte Elyra die Stirn. „Aha, wieso das denn? Was habe ich nun schon wieder angestellt, dass mich der hohe Herr sehen will?“
Nasuada grinste. „Ich weiß nicht. Er hat mir nichts Weiteres gesagt. Vielleicht ist es aber auch etwas Positives? Du solltest trotzdem hingehen. Du weißt, er mag es nicht, wenn man ihn warten lässt, oder gar seine Einladungen ausschlägt.“
Elyra grinste zurück und nickte. „Ja, nach dem Unterricht habe ich bis zum Mittagessen sowieso nichts zu tun. Also werde ich ihm einen Besuch abstatten. Mal sehen, was mich so erwartet. “
„Ist gut. Ich werde ihm darüber berichten.“, entgegnete ihre Freundin und verschwand dann wieder nach draußen. Elyra fragte sich, was der Vardenkönig von ihr wollte, zog sich eilig ihre Schuhe an, nahm ihr Schwert, samt der dazugehörigen Scheide und verließ das Zimmer.
Sie durfte nicht zu spät zum Unterricht kommen, denn was würde das für einen Eindruck machen, wenn die Lehrerin zu spät käme? Zwar wäre es nicht so schlimm, schließlich hatte sie sich ja die frühe Zeit ausgesucht und sie würde auch nicht bestraft werden, aber ihren Schülern gegenüber wäre das unfair. Obwohl die Jungs sicher nichts dagegen hätten, wenn ihre Lehrerin ein, zwei Mal zu spät oder gar nicht kommen würde.
Elyras Unterricht war nämlich nicht ganz so einfach, wie es schien. Die junge Frau nahm ihre Schüler hart ran, trainierte sie lange, bis sie die Tendenz zu einem echten Krieger hatten, und ließ sie nur weiterkommen, wenn sie sich sicher war, dass ihre Jungs die Strapazen eines Krieges aushalten würden.
Nachdem sie ihre Einzimmerwohnung abgesperrt hatte, ging Elyra zügig durch die langen Gänge und Tunnel, bis sie auf eine der vier Haupttore der Zwergenhauptstadt Tronjheim traf. Tronjheim lag im Zentrum Farthen Dûrs. Die Stadt war der Hauptsitz der Zwerge und von dort aus regierte der Zwergenkönig Hrothgar. Sie musste durch Tronjheim hindurch, da ihr Ziel auf der anderen Seite der Stadt lag. Es war ein großes Areal, ein Übungsplatz, auf dem sich sowohl Zwerge als auch Menschen im Kampf übten.
Lautes Kampfgetöse drang an ihr Ohr, als Elyra den Übungsplatz erreichte. Es war erstaunlich, wie viele Menschen und Zwerge, trotz der frühen Morgenstunde, schon hier anzutreffen waren. Suchend sah sie sich um und entdeckte die Gruppe von Schülern, die am Rande des Feldes schon warteten. Offenbar hatten sie keinen freien Platz mehr erwischt, wo sie heute ihren Unterricht fortsetzen konnten.
Elyra bahnte sich einen Weg durch die kämpfenden Grüppchen, vorbei an Schwertkämpfer, Bogenschützen und Messerwerfer, darauf bedacht, keinen zu stören und von den vielen Waffen nicht verletzt zu werden. Als sie ihre Jungs erreichte, sprangen diese auf und begrüßten ihre Lehrerin. Diese erwiderte freundlich den Gruß. Als Elyra darauf fragte, wieso sie noch nicht mit den Aufwärmübungen angefangen hatten, meldete sich einer von ihnen zu Wort: „Wir waren alle zu spät, um uns ein Fleckchen des Platzes zu sichern. Heute ist ungewöhnlicherweise sehr viel los, muss anscheinend daran liegen, dass die Krieger für die Schlacht üben, aber eigentlich... wollen wir heute gar nicht kämpfen.“
„Ach, wollt ihr nicht?“, fragte Elyra stirnrunzelnd. „Tja, tut mir Leid, aber ihr müsst üben, ob ihr wollt oder nicht. Das ist Anordnung von oben. Sonst könnt ihr das mit eurer Ausbildung zu einem echten Krieger vergessen.“
Sie sah jeden ihrer Schüler nacheinander in die Augen und jeder von ihnen senkte hastig den Blick. Sie waren alle noch junge Männer. Zwei oder drei von ihnen waren sogar noch jünger als Elyra, aber alle waren sie mindestens einen Kopf größer, obwohl sie mit ihren 16 Jahren nicht gerade klein war.
„Natürlich verstehe ich das.“, sagte der eine Schüler wieder, Marthen war sein Name. Er war der Älteste aus der Gruppe, neunzehn, und er sprach meist für die anderen Lehrlinge. Er löste Probleme, wenn es denn welche gab, und half oft den jüngeren Schülern. Er war eine große Hilfe.
„Aber wir wollten heute mal etwas anderes machen.“
„Etwas anderes? Und was wäre das genau?“
Marthen zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Die anderen wollten schon immer mal Bogenschießen. Also könnten wir das doch heute ausprobieren...“
Elyra verschränkte die Arme und musterte skeptisch ihre Schüler. Alle schwiegen, starrten nur stumm zu Boden. Sie waren schüchtern. Und die Tatsache, dass sie ein junges Mädchen und dazu dann auch noch ihre Lehrerin war, schüchterte sie noch mehr ein.
„Nun gut.“, sagte sie nach einer Weile. „Obwohl das nicht mein Spezialgebiet ist und ich auch noch nie jemanden in Bogenschießen unterrichtet habe, aber...“ „Ihr werdet das schon schaffen.“, vollendete Marthen grinsend ihren Satz. Elyra lächelte. „Nun ja, wenn du meinst. Aber ich werde deine Hilfe brauchen. Schließlich bist du ein mindestens ebenso guter Bogenschütze wie ich.“
„Aber natürlich.“, säuselte er und deutete spöttisch eine Verbeugung an. „Mit dem größten Vergnügen.“
Das Mädchen lachte kopfschüttelnd und steuerte auf den freien Platz zu, auf dem die Zielscheiben der Bogenschützen nebeneinander gereiht aufgestellt waren. Die anderen folgten ihr brav. Dort angekommen, teilte Elyra die Gruppe in zwei Hälften. Die eine blieb bei ihr, die andere sollte von Marthen unterrichtet werden. Zunächst wurden leicht zu spannende Bögen aus stabilem Holz und Pfeile mit stumpfen Spitzen an jeden Einzelnen verteilt. Dann wurde die Technik des richtigen Bogen-Haltens geübt und Tipps gegeben, wie man am weitesten schießen konnte. Schließlich bekam jeder drei Pfeile und sollte sich nacheinander im Schießen üben.
Da die Gruppe nur zwei Zielscheiben hatte, bekam eine Hälfe die eine und die andere das zweite Ziel. Jeder Schüler sollte sich in einem bestimmten Abstand, der immer wieder, je nach Schwierigkeitsgrad, verändert wurde, vor die Scheibe stellen und alle drei Pfeile nacheinander abschießen. Wenn er fertig war, sollte er seine Pfeile zurückholen und sich wieder hinten anstellen, sodass der nächste üben konnte.
Es ging eine Weile lang so, bis andere Zielscheiben frei wurden und die Schüler sich auf diese verteilen konnten. So musste man nun nicht mehr lange warten, bis man seine Pfeile erneut abschießen könnte.
Etwa dreieinhalb Stunden später lagen alle durchgeschwitzt, aber zufrieden am Boden; es wurden Wasserkrüge herumgereicht. Elyra stand auf und sagte für alle: „So, ihr habt euch wacker geschlagen und ich bin sehr zufrieden mit euch. Ich hoffe ihr habt morgen keinen Muskelkater und wir sehen und frisch und munter um die gleiche Zeit wieder.“
Damit war der Unterricht beendet und die Schüler gingen. Marthen blieb als letzter übrig, doch bevor er sich verabschiedete, stellte er seiner Lehrerin noch eine Frage: „Elyra, könntet Ihr mir vielleicht Privatunterricht geben, zusätzlich meine ich?“
„Zusätzlich? Aber wieso?“, entgegnete sie. „Dein Kampfstiel ist sozusagen perfekt. Ich kann dir im Umgang mit dem Schwert wirklich nichts mehr beibringen. Du kannst dieses Jahr sogar deine Abschlussprüfung beim waffenkmeister machen, denn du bist fertig.“
„Danke, das ehrt mich.“, sagte Marthen lächelnd. „Aber ich meinte ja auch nicht, Privatunterricht im Schwertkampf oder einer anderen militärischen Disziplin, sondern im Umgang mit Magie.“
Das überraschte Elyra. Sie hatte nicht erwartet, dass er mit so etwas zu ihr kommen würde.
„Ja aber das geht nicht.“, antwortete sie. „Ich meine... ich bin ja selbst noch eine Schülerin. Es ist uns untersagt andere auszubilden, wenn wir selbst noch nicht fertig sind. Du musst dich da bei den Zwillingen melden. Diese werden dich einem Lehrer zuweisen, aber vorerst müssen sie dich noch untersuchen, ob du überhaupt dazu in der Lage bist. Nicht jeder hat magische Fähigkeiten. Normalerweise wird das bei einem neugeborenen Säugling gleich überprüft...“
„Ihr vergesst dass ich mit neuneinhalb zu den Varden gestoßen bin. Ich wurde nicht überprüft, zumindest nicht wissentlich.“
Elyra sah nachdenklich zu Boden. „Nun, wie dem auch sei. Wenn du dich überprüfen lassen willst, geh zu den Zwillingen! Ich kann dir da nicht weiterhelfen.“
„Aber Ihr seid...“
„Auch wenn ich könnte!“, unterbrach Elyra ihn. „Es ist mir untersagt. Ich darf nicht gegen die Regeln verstoßen...“ Mit diesen Worten drehte sie sich um und wollte gehen.
„Ach, nicht?“, fragte Marthen herausfordernd. „Wie oft habt Ihr gegen den Willen der Zwillinge gehandelt und gegen unzählige Regeln verstoßen?! Wie oft habt Ihr nur zu Gunsten der Varden Euere Magie eingesetzt, die, wenn ich mir erlauben darf, das zu sagen, weit aus mächtiger ist, als so manch andere?“
Zu oft, dachte sie sich und blieb mit dem Rücken zu ihrem Schüler stehen. Ein dunkler Schatten fiel auf ihr Gesicht.
„Es ist aber nicht gut gegen die Regeln zu verstoßen. Das letzte Mal sind meine Vorgesetzten ziemlich wütend geworden. Ich will nicht aus dem Orden geschmissen werden. Sie haben mir damit gedroht, falls ich erneut Magie unerlaubt verwenden würde...“
„Aber das würden sie doch nicht bestrafen. Sie würden es nicht mal merken, wenn Ihr mich ausbildet. Später wenn ich dann weit genug bin, könnte die Elfe meine Ausbildung bestätigen und mich die Prüfung machen lassen.“, sagte Marthen.
Ja, aber ob Arya das wirklich tun würde...?, fragte Elyra sich. Eher nicht.
Der Junge kam näher, stellte sich hinter das Mädchen und wollte Elyra seine Hände auf die Schultern legen.
„Ach, komm schon. Tu das für mich! Ich werde dir auch ein ganz braver Schüler sein...“, murmelte er und strich ihr die Haare zur Seite. „Versprochen.“, flüsterte er ihr ins Ohr und Elyras Herz fing an heftig zu klopfen, aber nicht vor Scham, sondern vor Wut und Angst.
Marthen packte sie an den Schultern und drehte das Mädchen ruckartig zu ihm um. „Nun komm schon, niemand wird es herausfinden!“, sagte er und kam Elyra bedrohlich nahe.
„Lass mich los.“, zischte sie und versuchte sich aus seinem Klammergriff zu befreien. „Erst wenn du mir versprichst, mich auszubilden.“
„Nein!“ Sie hielt die Luft an, als Marthen noch fester ihre Arme zudrückte. „Wieso nicht? Niemand wird es erfahren.“
„Nein!“, zischte Elyra nochmals. „Es war doch ein Fehler, dich in meine Gruppe aufzunehmen. Ich hatte es von Anfang an gewusst. Du wolltest nur zu mir, weil du dachtest, du könntest dich leicht an mir vergreifen, aber da hast du falsch gedacht! Und schon gar nicht werde ich dich in der Magie ausbilden. Was für Schäden würdest du nur anrichten, wenn dies in deine Hände gelangen würde!? Ich werde den Zwillingen dies als Grund nennen, dich nicht zu überprüfen und ausbilden zu lassen!“ Mit diesen Worten riss sie sich aus Marthens Griff, verließ den Übungsplatz und bog in den nächsten Seitentunnel ein.
„Aber es wird an der Zeit, dass du dir einen Mann aussuchst, Elyra!“, rief er ihr hinterher. „Du bist bereits im Heiratsalter!“
„Ich bin bereits vergeben!!“, konterte sie.
„Ja, an diese humorlose Witzfigur, die mehr Tier als Mann ist! Ha, was red ich den da?! Er ist ja nicht mal ein Mann!!“
Elyra schluckte eine bissige Erwiderung hinunter. Was fällt dem bloß ein, so mit mir zu reden?! , dachte sie wütend und beschloss, nicht zu streiten, sondern diese Beleidigungen an Ajihad zu melden. Sie war ohnehin auf dem Weg zum Anführer der Varden, also würde sie dies auch noch erwähnen.
Als sie vor seinem Arbeitszimmer stand, steckte sie noch schnell ihre dunklen Locken in einen Knoten hoch, strich sich ihren lehmfarbenen Rock glatt und klopfte anschließend an seiner Tür. Dann drückte sie die Klinge hinunter und trat in das leicht beleuchtete Zimmer. Ajihad saß in einem Sessel, die Arme verschränkt und unglücklich auf seine Schreibtischplatte starrend, an seinem Pult. Unzählige Schriftrollen, Bücher und Stapel Pergamentpapier türmten sich darauf. Als er das Klopfen hörte, hob er den Kopf und lächelte sogleich, als er Elyra eintreten sah.
„Schön, dass du mich nicht vergessen hast. Komm ruhig herein!“, rief er ihr zu, stand aber nicht auf. „Warum sind denn keine Wachen an der Tür?“, fragte Elyra, schloss die große Eichentür und kam näher. „Ich habe sie weggeschickt. Ich brauche doch keine Vierundzwanzig-Stunden-Überwachung!“, lachte er. Elyra lächelte und setzte sich auf einen der freien Stühle vor dem Schreibtisch.
„Du wolltest mich sprechen?“
„Genau.“, antwortete der Varde. „Ich habe eine Frage an dich.“ „Und die wäre?“
„Nun, ja.... Bevor ich mit der Tür ins Haus falle, will ich dir erklären, um was es überhaupt geht.“ Elyra nickte. „Okay, dann... tu das.“ Ajihad fing an zu lachen. „Ja, ich weiß nur noch nicht, wie und wo ich anfangen soll.“
„Versuch es!“
Er nickte. „Nun, es ist so: Du hast doch schon bestimmt von der Schlacht gehört, die wir momentan gegen Galbatorix führen.“
„Ja, du hast gesagt, sie wäre nicht weiter wichtig. Nichts, worüber wir uns Sorgen machen müssten...“
„Ja, das habe ich gesagt. Aber die Lage der Dinge hat sich verändert. Verschlechtert, um genauer zu sein. Diese kleine Auseinandersetzung mit Galbatorix schien zwar am Anfang nicht schwerwiegend belastend für uns zu sein, jedoch haben wir nun eine Meldung bekommen, dass er mehr seiner Soldaten zum Ort des Geschehens geschickt habe. Unsere Männer sind deutlich in der Unterzahl und drauf und dran diese Schlacht zu verlieren. So eine Niederlage können wir uns natürlich nicht erlauben, darum habe ich mit dem Ältestenrat kurzerhand beschlossen, Verstärkung zu schicken.“
„Ja, aber wieso erzählst du mir das?“, fragte Elyra. „Mich geht das im Grunde genommen gar nichts an.“
„Eigentlich doch.“, antwortete Ajihad. „Diese Verstärkung muss nämlich von jemandem geleitet werden und da weder ich Zeit habe, noch andere dafür gefunden werden konnten, wollte ich dich dazu bitten, ich wollte dich fragen, ob du das nicht für uns übernehmen könntest.“
Elyra hob überrascht die Augenbrauen. „Ich soll das übernehmen?!“ Ajihad nickte. „Natürlich nur, wenn du nichts dagegen hast und keine deiner Pläne dies kreuzen.“
Sie seufzte laut und ließ sich rückwärts auf ihre Stuhllehne fallen. „Eigentlich nicht.“, sagte sie und musste lächeln. „Also bist du einverstanden?“ – „Hm.... Ja“
Ajihad lächelte ebenfalls und erklärte ihr den Grund, weshalb er gerade auf sie gekommen war: „Du bist genau das, was wir als Führer in einem Kampf brauchen. Du kämpfst nicht nur besser als andere unserer Männer mit dem Schwert, sondern hast auch eine hervorragende Ausbildung mit Pfeil und Bogen hinter dir und kannst auch mit einem Speer gut umgehen. Wenn es darauf ankommt, kannst du dich sogar mit deinen Fäusten schlagen. Und als ob das alles nicht schon genug wäre, beherrschst du auch noch die Kunst der Magie, und das besser als manch anderer.“ Elyra sah verlegen zu Boden.
„Ja, aber sind das genug Gründe, um als Heerführerin zu dienen?“ – „Nun, ich denke schon.“
Sie sah auf. „Und was ist mit den Zwillingen?“
„Mach dir um die keine Sorgen. Ich werde das noch mit ihnen klären, schließlich müssen sie doch das tun, was ich von ihnen verlange, nicht wahr? Sind sie ab sofort nicht mehr deine Vorgesetzten, denn du bist jetzt selbst jemandes Vorgesetzte.“ – „Okay...“
Elyra grinste. Ihr gefiel diese Vorstellung, von den Zwillingen nicht mehr nur als “Schülerin“ behandelt zu werden.
„Da wir dies nun geklärt haben“, sagte Ajihad, „kann ich dich nun wider entlassen. Aber vorher muss ich dir noch sagen, dass wir uns gleich im Konferenzsaal wieder sehen werden. Dort wird vom Ältestenrat diese Neuigkeit vor allen Magiern verkündet. Und die Hauptperson dieser Versammlung sollte natürlich auch anwesend sein.“ Er zwinkerte ihr zu.
Elyra nickte lächelnd und stand auf. „Ach ja, eine Sache wäre da noch.“, sagte sie und erzählte dem Anführer von ihrem Schüler Marthen. Da Ajihad für Elyra so etwas Ähnliches wie Vaterliebe empfand, war er empört über die Taten und Worte des jungen Mannes.
„Wenn du das wünscht, werde ich ihn sofort aus deiner Gruppe entfernen und ihm das Recht an einer Weiterbildung entnehmen“, schlug er ihr vor, doch Elyra schüttelte den Kopf.
„Nein, ich glaube, ich werde schon fertig mit ihm. Nach der Schlacht wird er es nicht mehr wagen, so mit mir umzugehen. Außerdem ist es sowieso sein letztes Jahr. Er wird seine Prüfung absolvieren und danach in den Kriegesdienst gestellt, dann hab ich ihn vom Hals.“
„Nun gut. Aber wenn es weitere Probleme geben sollte, egal mit welchem deiner Schüler, dann würde ich das gerne wissen.“ – „Ja, okay“
Er nickte noch einmal, dann ließ er sie gehen.
Elyra machte sich zum Konferenzsaal auf, der genau am anderen Ende von Farthen Dûr lag. Sie musste also noch einmal quer über den Übungsplatz und durch die gesamte Zwergenstadt hindurch. In einer Tunnelkreuzung kurz vor dem Kampfplatz stieß sie auf Jörmundur, Ajihads oberster Befehlshaber. Er war ein großer Mann, mittleren Alters, mit sehnigen Armen, hellen freundlichen Augen und kurzen dunklen Haaren. Sie kannten sich gut, denn Elyra war bei ihm und seiner Frau Alice aufgewachsen. Das Mädchen hatte in den zwei gütigen und liebevollen Menschen schon immer so eine Art Eltern gesehen, zumal weil sie selbst keine hatte. Elyra war ohne ihre leibliche Familie in Farthen Dûr aufgewachsen; die Varden hatten sie bei sich aufgenommen, als sie noch ein Säugling war.
„Ach, gut dass ich dich treffe, Elyra!“, sagte der Mann und blieb stehen. „Ajihad hat angeordnet, dass sich sofort alle Magier und die Mitglieder des Ältestenrates im Konferenzsaal treffen. Er hat etwas zu verkünden.“
„Ja, das weiß ich. Ich war gerade bei ihm und habe alles erfahren.“ „Ah, wie schön. Und du bist damit einverstanden?“ – „Ja, bin ich.“
„Schön. Ich gratuliere dir zu deinem neuen Amt und bin froh, dass du angenommen hast. Wir hätten sonst wirklich keinen anderen gehabt, du warst unsere letzte Rettung!“ „Ich weiß.“, antwortete sie und lächelte verschmitzt. Der Mann lächelte zurück. „Okay, dann geh schon mal vor, ich komm gleich nach. Ich muss noch anderen bescheid geben.“
Er eilte er weiter, Elyra ebenso. Sie ging über den Übungsplatz, in der Hoffnung Marthen nicht noch einmal zu begegnen und anschließend durch die Zwergenstadt hindurch. In Tronjheim kaufte sie sich mit Münzgeld einpaar kleine, frisch gebackene Honigkuchen und verspeiste sie genüsslich, als ihr “spätes Frühstück“. Zum Schluss leckte sie sich die Finger und wünschte sich mehr von dem herrlich duftenden Kuchen, aber sie konnte nicht mehr zurück, sonst würde sie zu spät zu der Versammlung kommen. Als sie vor den großen Türen des Saales ankam, stoppte sie eine der zwei Wachen, die davor standen, und fragte sie, wer sie sei und was sie hier verloren hätte. Verärgert stellte das Mädchen fest, dass es eine neue Wache war. Er kannte sie also noch nicht.
„Ich bin Elyra, jüngstes Mitglied der Du Vrangr Gata, und eine Person, die zu dieser Versammlung gebeten wurde, also lassen Sie mich bitte hinein.“, sagte sie mit aufforderndem Unterton in der Stimme. Die Wache fing schallend an zu lachen, sehr zum Verdruss der jungen Magierin.
„Natürlich, und ich bin der Zwergenkönig!“, spottete er. „Verschwinde! Kleine Mädchen wie du haben hier nichts zu suchen. Vor allem nicht welche, die sich als ein Mitglieder der Du Vrangr Gata ausgeben!“
„Ich bin aber eine Magierin und ich bestehe darauf, dass Sie mich hier jetzt hinein lassen!“, sagte Elyra gereizt. Ihre Stimme war lauter, als sie beabsichtigt hatte. Die andere Wache meldete sich auch zu Wort: „Ha! Magierin, dass ich nicht lache! Hör auf uns zum Narren zu halten, und hau bloß ab!“
„Aber ich lüge nicht!“, fuhr sie die Wachen wütend an.
„Verschwinde jetzt endlich, oder...!“
„Oder was?“, fragte eine schmierige, ihr vertraute Stimme hinter ihnen und Elyra drehte sich abrupt um. Vor Schreck vergaß sie fast zu atmen, als sie einen der Zwillinge erblickte. Er und sein Bruder waren die Anführer der Du Vrangr Gata und die bislang besten unter den Magiern.
„Was willst du tun, Wachmann? Dich mit einer unserer stärksten Magier anlegen?“
Das Mädchen blickte auf die Wache zurück, die inzwischen kreidebleich geworden war.
„Ich wusste doch nicht, dass sie wirklich...“ Seine Stimme erstarb und Elyra hörte wie er schluckte.
„Dann entschuldige dich bei ihr. Beide sollt ihr das tun und dann lasst uns hinein. Es ist schon spät und Ajihad kann Verspätungen überhaupt nicht leiden.“
Der Wachmann blickte kurz zu seinem Kollegen, dann entschuldigten sich beide nacheinander bei dem Mädchen.
„So ist es schon besser.“, sagte der kahlköpfige Zwilling spöttisch und setzte ein gespieltes Lächeln auf. Sein haarloses Haupt glänzte in dem matten Licht, welches die Laternen auf ihn warfen. Als er bemerkte, wie er von Elyra angestarrt wurde, blickte sie ertappt zu Boden. Er sagte jedoch nichts, sondern schritt an ihr vorbei und ließ sich von einer der Wachen die schwere Holztür öffnen. Drinnen warteten alle bereits auf sie.
Es war doch ein Fehler gewesen sich noch schnell etwas zu Essen zu holen..., dachte Elyra und ging verlegen, mit hochrotem Kopf an den anderen vorbei zu ihrem Platz.
Und ich wäre noch später gekommen, hätte ich mir noch ein Stück geholt. Aber warum war der eine Zwilling noch draußen gewesen, während der andere schon hier am Tisch sitzt? Es ist selten, dass sie sich trennen, schließlich sind sie gemeinsam stärker, und dass nicht nur in der Magie...
Als sich Elyra setzte, hob Ajihad die Stimme: „Da nun alle Personen eingetroffen sind“, sein Blick wanderte zu ihr herüber, dann sah er wieder in die Menge, „möchte ich den Anlass unserer Versammlung bekannt geben.“
Er stockte kurz, schaute in die Runde, dann fuhr er fort: „Wie ihr alle wisst, kämpfen einige unserer Männer gerade in diesem Moment gegen Galbatorix´ Armee. Es ist zwar nur eine kleine Auseinandersetzung, Galbatorix hat zu unserem Glück nur wenige seiner Soldaten losgeschickt, dennoch liegen unsere Männer immer noch in der Unterzahl und wir sind drauf und dran diese Schlacht zu verlieren.“
Ein unruhiges Gemurmel ging durch den Saal. Als Ajihad jedoch die Hand hob, wurde es sofort wieder still.
„Das heißt aber nicht, dass dies auch geschehen wird. Ich habe beschlossen Verstärkung zu schicken, deshalb komme ich gleich zur Sache: Den Anführerposten dieser Verstärkung werden weder ich, noch Jörmundur, die Zwillinge, oder sonst jemand der Männer, die das normalerweise machen, bekleiden.“
Er machte eine wirkungsvolle Pause und fuhr anschließend mit einem schnelleren Tempo fort: „Ich werde ein Mitglied der Du Vrangr Gata damit beauftragen, dies zu tun und ich hoffe, dass diese Person auch gewillt ist dies durchzuführen.“
Ein erneut entsetztes Raunen ging durch die Menge, diesmal lauter als zuvor. Ajihad ließ es zu. Als es jedoch stärker anschwoll, rief Jörmundur zur Ruhe, und es wurde allmählich wieder still. Die Zwillinge reagierten äußerst empört über Ajihads Entschluss. Er hatte ihnen vorher noch nichts davon erzählt. Einer von ihnen meldete sich nun zu Wort: „Ich weiß nicht, ob Euere Entscheidung richtig ist, werter König. Ich bezweifle, dass einer der Magier die richtige Ausbildung und Kondition dazu haben wird.“
Ein kleines Lächeln huschte über Ajihads Gesicht, doch war es im nächsten Augenblick wieder von einer ernsten Fassade überdeckt worden.
„Da muss ich dir leider widersprechen, denn wir haben sehr wohl jemanden bei uns sitzen, der sowohl in der Magie, als auch in kämpferischen Leistungen und führenden Positionen begabt ist.“ „Und wer soll das sein?“, spottete der Zwilling.
Die Antwort hallte klar und deutlich durch den Raum: „Elyra.“ Beim Klang ihres Namens zuckte sie leicht zusammen und tat so, als ob sie sich über dieses Ereignis wundern würde.
Entsetztes Raunen füllte wieder den Saal. Ein jeder starrte das Mädchen überrascht an. Elyra tat so, als würde sie hilflos zu Ajihad und dem Ältestenrat blicken, nicht wissend, was sie jetzt machen oder sagen sollte. Sie spielte ihre Rolle gut, denn selbst die Zwillinge kauften ihr das überraschte Gesicht ab. Die Brüder kochten förmlich vor Wut und starrten Elyra so gehässig an, als würden sie jeden Augenblick aufspringen wollen, um ihr an die Kehle zu gehen. Bei der Vorstellung, was die beiden ihr nach diesem Gespräch antun würden, lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken und ihr kam der zweifelhafte Gedanke, dass es doch nicht so gut gewesen war, diesem Schachzug einzuwilligen.
„Also, Elyra, seid Ihr mit Euerer Besetzung einverstanden?“, fragte Ajihad, dabei zwinkerte er ihr unmerklich zu. Sie holte tief Luft, tat immer noch etwas verwirrt und sprach offenkundig ihre Dankbarkeit für diese Ehre und ihre Treue und Loyalität den Varden gegenüber aus. Ihre Rede endete schließlich mit tosendem Applaus seitens der Du Vrangr Gata und wütenden Zwillingen, die ohne Weiters den Saal verließen; doch dies kümmerte so gut wie niemanden.
Re: Elyra
Lee - 12.06.2008, 20:33
ich finds net schlecht von der vorherigen version hab ich zwar nich soviel gelesn aba die hier is besser, wobei die andre auch net schlecht war
mach weiter :clap:
Re: Elyra
Moonfairy - 14.06.2008, 16:19
2. Kapitel: Vorbereitungen
Nach dieser Verkündung wurde die Versammlung für die Magier abgeschlossen. Sie verließen, außer Elyra, alle den Saal. Der Ältestenrat sprach dem Mädchen noch einmal persönlich ihre Dankbarkeit für den schnellen Eratz aus. Außerdem wollten sie zusammen mit der Heerführerin den Stand der Schlacht bereden und gaben zu bedenken, dass es nicht genügend verfügbare Waffen gäbe, um damit die Verstärkung zu schicken. Sie hätten gerade mal für die Hälfte der Truppe genug Waffen.
„Da unsere Krieger auf dem Schlachtfeld sicher auch Mangel an Waffen und Verpflegung haben“, erwähnte Umérth, ein Mitglied des Ältestenrates. „Erwarten sie sicher, es würde mehr mit der Verstärkung kommen. Nun haben wir aber das Problem, dass wir nicht einmal für diese Verstärkung genug Marschverpflegung haben, wie also dann für die anderen?“
„Und was gedenkt Ihr zu tun?“, fragte Elyra und schaute in die Runde.
Jörmundur, der ebenfalls Mitglied des Rates war, macht einen Vorschlag: „Wir könnten noch abwarten, bis Orrin uns neue Vorräte schickt, und dann erst die Verstärkung damit in den Kampf ziehen lassen.“ Doch Ajihad schüttelte den Kopf.
„Nein. König Orrin wird uns erst Ende des Monats erneut etwas schicken können. Schließlich ist der Weg von Surda nach Farthen Dûr zu lang, um in so kurzer Zeit neue Vorräte herzubekommen. Wir müssen uns schnell etwas anderes einfallen lassen. Wir können auch nicht gar nichts tun, denn das würde bedeuten, dass wir aufgeben und die Schlacht gegen Galbatorix verlieren würden.“
Die anderen stimmten ihm zu. Der König des angrenzenden Landes Surda würde ihnen keine Vorräte mehr schicken. Schließlich bekam Surda auch fast die Hälfte der Vorräte, die sie weiterverschickten aus Alagaësia. Es gab so einige Bürger im feindlichen Imperium, die in Unwissenheit des Königs für Surda und die Varden Waren verschifften. Jedoch waren diese im Laufe der letzten Jahre immer weniger geworden. Galbatorix war so langsam dahinter gekommen, hatte einige Händler entlarvt und ihre Schiffe abgefangen, sodass diese nie ihr Ziel erreichten. Nun konnten die Varden nicht noch mehr von Orrin verlangen; er müsse dies sonst von seinen eigenen Vorräten und Anbauten abgeben und das würde er nicht tun. Die Varden hätten ohne Orrins und auch Hrothgars Hilfe und Großzügigkeit ohnehin nicht überlebt. Sie dürften dies nicht auf Spiel setzen und riskieren, dass der König von Surda ihnen überhaupt nichts mehr schicken würde.
Es wurden noch weitere Vorschläge angebracht, argumentiert und wieder verworfen, weil sie untauglich waren. Alle waren damit verbunden, dass sie Zeit benötigten, was sie nicht hatten. Die Varden mussten die Verstärkung spätestens Ende dieser Woche losgeschickt haben, länger würden die Soldaten, nicht nur wegen der fehlenden Waffen und Nahrungsvorräten, nicht durchhalten können.
Schließlich verstummten alle und überlegten schweigend einen Ausweg aus dieser schwierigen Situation. Bis Elyra einen Einfall hatte, den sie allen vortrug:
„Ich wundere mich, dass ich nicht schon früher darauf gekommen bin.“, fing sie an und sah Ajihad und den Ältestenrat lächelnd an. Begeisterung spiegelte sich in ihren Augen, sodass die anderen hellhörig wurden und ihrem Vorschlag gespannt lauschten.
„Ich meine, die Lösung ist eigentlich so offensichtlich und einfach, dass man darüber schon lachen könnte.“
Sabrae, eine der zwei Frauen, die zum Rat gehörten, runzelte die Stirn und entgegnete gereizt: „Ja, ja, nun erzähl es uns endlich. Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.“ Elyra verzog keine Miene und fuhr ohne weiteres fort: „Die Lösung unseres Problems ist Magie!“
„Magie??“, lachte Falberd, ein stämmiger etwas untersetzter Mann. „Was willst du tun? Nahrung und Waffen mit Magie herbeizaubern?“
„Ja!“, war Elyras klare Antwort dazu. Sie meinte es ernst. Falberd und Sabrae fingen gleichzeitig an zu lachen.
„Nun, herbeizaubern ist das falsche Wort. Ich will die Waffen mit Magie erschaffen.“, fügte das Mädchen hinzu. Die beiden Ratsmitglieder lachten immer noch, hörten aber sofort auf, als Ajihad sich dazu äußerte: „Ich weiß deine Hilfe zu schätzen und dein Vorschlag ist vielleicht nicht ganz so absurd wie es scheint. Aber ich weiß nicht, ob die Du Vrangr Gata in der Lage ist so etwas zu tun. Es ist bestimmt mit viel Arbeit und wahrscheinlich auch mit Zeit die uns nicht zur Verfügung steht, verbunden.“ „Und die Zwillinge würden diesem bestimmt auch nicht einwilligen. Sie sind diejenigen, die entscheiden, was die Magier der Du Vrangr Gata nun tatsächlich machen können und auch machen werden.“, fügte Jörmundur Ajihads Satz an.
„Außerdem glaube ich, dass nur Magier mit weit mehr Erfahrung richtige Waffen erschaffen können. Da wir so was hier nicht haben, ist dein Vorschlag also mehr als nur unnütz – er ist lächerlich.“, sagte Umérth.
Elyra kniff wütend die Augen zusammen. Sie war beleidigt. Nicht weil die anderen ihren Vorschlag nicht annahmen, sondern weil sie an ihrer Macht zweifelten. Die Magierin war sich sicher, dass sie solche Waffen würde erschaffen können.
Jörmundur war derjenige, der bemerkte, was in Elyra vorging, also versuchte er schnell sie zu beruhigen: „Natürlich war das jetzt nicht gegen dich gerichtet. Wir zweifeln nicht an deinen magischen Fähigkeiten, jedoch ist es unglaubwürdig, dass jemand aus unseren Reihen so schnell etwas so schwieriges und kraftforderndes gelingen würde.“
„Unglaubwürdig?!“, fuhr Elyra ihn gereizt an. Sie stand so ruckartig auf, dass ihr Stuhl nach hinten kippte und einen lauten Knall erzeugte, als er am Boden aufkam. Elessari, die zweite Frau im Rat, zuckte bei dem Aufprall leicht zusammen.
Elyra zog ihr Schwert und hielt es aufrecht vor ihrer Brust. Sofort sprangen Falberd und Umérth auf, in dem Gedanken, das Mädchen würde auf Jörmundur losgehen, doch Ajihad befahl ihnen sich wieder zu setzten. Der Anführer nickte ihr zu und Elyra legte ihr Schwert auf der Tischplatte ab. Dann schloss sie die Augen, atmete tief durch und ließ der Magie freien Lauf.
Die Wörter die sie für diesen Vorgang benutzte, sprach sie nicht aus, sondern bewegte nur ihre Lippen. Als sie das getan hatte, hob sich Elyras Waffe eine Handbreit von der Tischplatte auf. Plötzlich bildete sich eine originalgetreue Nachbildung neben dem Schwert. Zuerst war sie nur milchig vernebelt, als wäre es kein richtiger Gegenstand, doch die Farbe veränderte sich rasch, das Material wurde fester und von einem Moment auf den nächsten fielen zwei identische Schwerter auf den Tisch.
Als sie das laute Klirren vernahm, öffnete Elyra ihre Augen und sah triumphierend in die sprachlosen Gesichter ihr Gegenüber. Eine Weile lang sagte niemand was, bis Jörmundur als erster seine Stimme wieder fand und sich bei Elyra entschuldigte: „Ich muss wirklich sagen, ich hätte nicht gedacht, dass du es schaffen würdest. Ich meine...“, er sah das Mädchen an und lächelte. „Es tut mit leid, dass ich an dir gezweifelt habe, du bist wahrhaftig eine erfahrene Magierin.“
Elyra lächelte ihn dankbar an und sofort stimmten auch die anderen Jörmundur zu. Sie nickten heftig und entschuldigten sich bei ihr, nur Ajihad sagte nichts dazu. Er starrte in Gedanken versunken auf die beiden Waffen.
„Nun, da dieses kleine Problem auch endlich geklärt ist, würde ich diese Versammlung jetzt für Beendet erklären.“, verkündete Ajihad nach kurzer Zeit und sah wieder in die Gesichter der an dem Tisch sitzenden Personen Ein jeder stand auf und verabschiedete sich. Elyra wollte ebenfalls gehen, doch der Vardenanführer rief sie zu sich um mit ihr noch einmal zu reden. Diese nickte und blieb stehen. Jörmundur dagegen, der als letzter im Saal noch übrig war, machte sich daran den Raum zu verlassen. Im Vorbeigehen bat er das Mädchen, nachher zu ihm zu kommen, weil er ihr noch einiges erklären musste, was den Krieg und die Positionen betraf. Außerdem wollte auch Alice ihr zu dem neuen Posten gratulieren.
Die schwere Holztür fiel zu und Elyra war nun endgültig mit dem Anführer der Varden allein. Dieser stand auf und kam auf sie zu. Er blieb vor ihr stehen und musterte sie stumm. In dem Gedanken, Ajihad würde sich zu den Waffen äußern, wollte Elyra ihm zuvorkommen und ihn davon abhalten, sie zu tadeln, doch er schnitt ihr das Wort ab und sprach mit leiser Stimme: „Ich wollte dir nur noch sagen, dass du in der Schlacht vorsichtig sein sollst. Ich weiß, dass es deine erste ist und damit ist nicht zu spaßen. Es ist sehr ernst. Hast du dir nämlich schon mal Gedanken darüber gemacht, dass du dabei umkommen könntest? Ich schon. Es gefällt mir gar nicht, dass du, obwohl du noch so jung bist, in den Kampf ziehst. Tapferkeit und Ruhm ist ja alles schön und gut, aber du musst dir bei alledem immer in Gedanken behalten, dass es dabei um Leben oder Tod geht – um dein Leben. Und dass du selbst töten musst, und glaub mir, das ist keine Angelegenheit, die Freuden bereitet. Naja, für Galbatorix vielleicht, aber ich kann mir denken, dass dies garantiert auf keinen von uns hier zutrifft.“
Den letzten Satz sprach Ajihad mit so finsterer Miene aus, dass es ihr schauderte. Elyra wusste sehr wohl, dass sie hier auf eine Sache zuging, mit der nicht zu spaßen war, deshalb war sie sich noch nicht mal so richtig im Klaren, ob sie da überhaupt mitmachen wollte. Doch kneifen konnte sie auch nicht. Wie würde das aussehen, für eine ihres Standes? Wenn, dann war nur sie die einzige, die das als Frau, als Magierin und Kämpferin, vollbringen konnte.
Das ist schon immer meine große Chance gewesen, auf die ich doch so sehr gewartet hatte!!, dachte sich das Mädchen. Ich muss sie nutzen und somit allen beweisen, dass auch Frauen kämpfen können und berücksichtigt werden sollten!! Aber es war viel schwieriger, als sie es sich vorgestellt hatte.
„Ja, und da ich dich nicht dabei begleiten kann“, sprach der Varde weiter, „mache ich mir ganz besonders Sorgen um dich. Es würde keiner da sein, an den du dich wenden könntest, falls es Probleme gäbe. Wenn du erst einmal dort bist, gibt es kein Zurück mehr. Du musst diese Sache entweder bis zum Schluss durchziehen, auch wenn es dich dein Leben kosten könnte, oder du lässt es bleiben. Du hast die Wahl...“
Elyra nickte stumm, obwohl sie wusste, dass sie diese “Wahl“ nicht einmal richtig bekommen hatte. Sie wurde da einfach mit hineingerissen und konnte jetzt nicht mehr Absagen, auch wenn sie es gewollt hätte.
Nein, ich habe es schon zu vielen versprochen, dachte sie. Und mir selbst auch. Ich werde das durchführen, auch wenn mein Schicksal für mich das Schlimmste entscheidet...!
Elyra atmete tief durch, ließ sich ihre Unsicherheit nicht anmerken und sagte: „Ich weiß, welche Risiken auf mich zukommen werden. Und ich bin bereit dazu, diese Lasten auf mich zunehmen, zum Wohle der Varden, zum Wohle aller anderen Lebewesen, die unter der Herrschaft dieses tyrannischen Königs leiden müssen. Ich werde kämpfen! Und ich werde uns in den Sieg führen, koste es was es wolle!“ „Das ist es, was ich von dir hören wollte!“, sagte Ajihad stolz und umarmte sie. Eine Geste, die bei ihnen üblich war, obwohl die beiden nicht im Entferntesten miteinander verwandt waren. Jedoch schloss sie eine unsichtbare Verbindung zusammen. Eine Verbindung, die sich anfühlte, als gehörten sie zur selben Familie. So, als wäre er Elyras Vater, obwohl Ajihad definitiv nicht so aussah.
Nach einer Weile lösten sie die Umarmung und der Varde sagte, sie solle nun zu Jörmundur gehen, damit er ihr alles Weitere erklären könne. Das Mädchen nickte, verabschiedete sich von ihm und verschwand aus dem Saal; die Tür schloss sich krachend hinter ihr.
Als sie an den Wachen vorbeiging, stellten sie sich stramm auf und salutierten sogar. Sie hatten wohl erfahren, welche wichtige Position Elyra nun bekommen hatte. Diese nickte wortlos und machte sich auf den Weg zu Jörmundur, um zu erfahren, was sie in der Schlacht zu tun hatte.
Das Mädchen kam an seiner Wohnung an und klopfte an die Tür, doch niemand öffnete. Sie klopfte nochmals, bat um Einlass, doch wieder vernahm sie nur Stille.
Tja, keiner da. Ich muss ihn wohl wo anders suchen, dachte sie und spürte plötzlich die Gegenwart zweier Menschen, die näher kamen. In dem Gedanken, Jörmundur und Alice würden gleich um die Ecke biegen, drehte Elyra sich um und lief den zweien entgegen. Doch sie hatte sich geirrt. Sie lief den Zwillingen direkt in die Arme.
„Kannst du denn nicht aufpassen!“, schimpfte einer von ihnen, als Elyra ihn anrempelte. Diese machte erschrocken drei Schritte zurück und entschuldigte sich hastig.
„Ah... wen haben wir denn da?“, fragte der andere mit einem spöttischen Grinsen im Gesicht. „Diejenige, die uns unseren rechtmäßigen Platz gestohlen hat.“, sagte der erste wieder mit boshafter Stimme und packte Elyra unsanft an den Armen. Was haben sie mit mir vor?, fragte sie sich erschrocken und versuchte verzweifelt sich loszumachen, doch es gelang ihr nicht. Der Zwilling drückte fester zu und schüttelte sie, damit Elyra endlich stillhielt.
„Nun, da wir dich jetzt endlich gefunden haben, können wir dich dazu zwingen, uns unseren rechtmäßigen Platz wiederzugeben...“
„Nein, niemals!“, zischte Elyra und versuchte ihre Angst zu verbergen. „Ich werde das nicht zulassen. Ich werde euch zwei bei Ajihad melden und der wird euch hier rausschmeißen!“ Die Zwillinge lachten kalt.
„Natürlich. Nur hast du daran gedacht, dass wir hier die stärksten Magier in Farthen Dûr sind? Ajihad kann uns nicht hinauswerfen, das würde er nicht wagen...“, sagte der eine Zwilling, der das Mädchen festhielt. „Oh doch, ich werde dafür sorgen!“, zischte sie und lenkte mit Magie einen kleinen Blitz auf die Hände des Zwilling. Dieser schrie auf und ließ Elyra los. Sie nutze die Gelegenheit und ließ Steinranken aus Boden und Wänden wachsen, die sich um die Arme und Beine der Zwillinge schlangen und sie fesselten. Während die beiden Männer mit den Ranken kämpften, beeilte sich Elyra im nächsten Tunnel zu verschwinden, sodass die Zwillinge ihr keinen Zauber hinterher schicken konnten. Sie kam keuchend am Übungsplatz an; den ganzen Weg war sie nur gerannt. Elyra hatte sich gedacht, dass sie Jörmundur vielleicht hier antreffen würde. Jedoch konnte sie ihn zuerst in der Masse nicht ausfindig machen, es herrschte immer reger Betrieb auf dem Platz. Also bahnte sie sich, zum zweiten Mal an diesem Tage, einen Weg durch die kämpfenden Gruppen und hielt dabei Ausschau nach Ajihads erstem Offizier.
Nach kurzer Zeit fand das Mädchen ihn neben einer großen Gruppe Krieger. Er redete auf die Männer ein, wahrscheinlich ging es um die Schlacht, erteilte Befehle und erklärte kurz die Situation.
„Ihr werdet spätestens in zwei Tagen aufbrechen.“, verkündete er. „Der Marsch zum Schlachtfeld beträgt etwa zweieinhalb Tage, also hoffen wir, dass unsere Männer, die dort auf euch warten, bis dahin noch durchhalten.“
„Wer wird uns in den Kampf führen?“, fragte einer der Soldaten. Bevor Jörmundur antworten konnte, tat es Elyra an seiner Stelle: „Das werde ich übernehmen!“
Jörmundur drehte sich überrascht um und alle Männer hinter ihm musterten das Mädchen spöttisch, einige fingen schon an zu lachen.
„Elyra! Schön, dass du nun auch schon da bist! Ich wollte ihnen gerade erzählen, wer sie anführt.“ Abrupt verstummten die Krieger und beäugten Elyra argwöhnisch.
„Also: Darf ich dir einpaar deiner Krieger vorstellen?“ Er drehte sich zu den Männern um.
„König Hrothgar hat uns noch einige seiner Zwerge versprochen und es werden noch einige Varden mehr sein. Mach dir also keine Sorgen, wir werden genug Männer haben.“
Das Mädchen trat neben Jörmundur und ließ ihren Blick über die Gruppe schweifen.
Ein jeder starrte sie nun ungläubig an. Elyra musste sich ein Grinsen verkneifen.
„Ja, mich beruhigt, dass Hrothgar uns auch noch Krieger schickt. Und diese hier scheinen starke Kämpfer zu sein. Ich hoffe nur, dass sie sich in der Schlacht nicht so dumm anstellen werden, wie sie jetzt dreinblicken.“
Jörmundur lachte. „Nein, das werden sie sicher nicht. Sie sind nur... überrascht, dass sie eine so junge und ausgesprochen hübsche Führerin haben.“
Elyra lächelte geschmeichelt. Jörmundur machte ihr immer derart Komplimente; kaum verwunderlich, schließlich war sie für ihn wie so eine Art Tochter.
Der Mann zog das Mädchen mit sich. Den Kriegern verordnete er, dass sie sich noch einwenig im Kampf üben sollten, bis er wieder zu ihnen kam. Dann verließen die beiden den Übungsplatz und schlenderten durch Farthen Dûr. Währenddessen erklärte Jörmundur Elyra die Lage der Schlacht:
„Nach neuesten Angaben, besteht also das feindliche Heer aus über 450 Mann. Unsere Armee umfasst etwas weniger als die Hälfte davon.“
„Also ca. 150 Mann samt den Zwergen.“, schlussfolgerte Elyra
„Richtig.“, entgegnete Jörmundur und stieß einen leisen Seufzer aus. „Auch wenn wir die Zusatztruppe von ca. 50 Mann schicken würden, wären wir immer noch gewaltig in der Unterzahl. Ganz zu schweigen, wenn Galbatorix ebenfalls eine Verstärkung plant.“
„Also stehen die Chancen auf einen Sieg schlecht?“ – „Nun, ich will dir keine Angst machen, aber... ja. Wir haben eher weniger Chancen auf einen Sieg.“
Elyra nickte. Sie hatte auch nichts anderes erwartet. Die Varden hatten schon viele Kämpfe gegen das Imperium geführt und jedes Mal hieß es, sie hätten wenig bis gar keine Chancen. Doch nicht immer ist es so eingetreten. Oft hatten auch die Varden mal ein, zwei Schlachten für sich gewonnen, aber wie lange konnten sie das noch durchstehen?
Wenn wir den Krieg gegen Galbatorix gewinnen wollen, brauchen wir einen Drachenreiter, dachte das Mädchen sich. Aber einer allein würde sicher nicht reichen…
„Wer befehligt die gegnerische Armee? Galbatorix ist es nicht, dass kann ich mir nicht vorstellen... Ist es der Schatten?“ Elyra hoffte, er sei es nicht, denn Durza war ein Gegner, den man nicht so schnell besiegen könnte. Selbst einem erfahrenen Magier würde dies schwer fallen. Doch Jörmundur schüttelte zu ihrer Erleichterung den Kopf.
„Nein, wir haben großes Glück, dass der Schatten nicht dabei ist. Galbatorix hat nur einen unbedeutenden Offizier, der zudem auch noch leicht zu manipulieren ist, in den Kampf geschickt“
„Und wieso haben unsere Männer ihn bis jetzt noch nicht ausgeschalten? Wenn es so einfach wäre, wie du es beschreibst, dann müsste ich mit meinen Leuten nicht zur Hilfe kommen.“
Jörmundur lächelte. „Ja, es ist auch nicht der Offizier der uns Probleme macht, sondern seine Magier, die ihn beschützen. Sie sind einfach zu gerissen um von unseren Zauberkundigen, die sich zurzeit auf dem Schlachtfeld befinden, ausgelöscht zu werden.“
„Ach und du meinst, ich kann das?“, fragte Elyra und sah ihn stirnrunzelnd an. Sie hatte nicht gedacht, dass Ajihad und der Ältestenrat, nachdem sie zuerst an ihren magischen Fähigkeiten gezweifelt hatten, ihr nun so etwas zutrauen würden.
„Nun, Ajihad und ich denken dies schon.“ Er grinste breit und Elyra tat es ihm nach.
„Aber wenigstens haben wir Glück, dass Galbatorix sich nicht selbst an der Schlacht beteiligt.“, murmelte Elyra dann.
„Ja, er lässt sich Zeit. Seit vielen Jahren, noch bevor du zu uns kamst, hat er das letzte Mal seinen sicheren Palast verlassen. Er hat in keiner der Schlachten, die wir geführt hatten, eingegriffen. Ich habe das ungute Gefühl, dass nun die Zeit gekommen ist, in der er wieder aktiv wird, da wir immer schwächer werden. Selbst die Elfen können ihre geheimen Städte nicht mehr lange halten. Ich bin sicher, dass uns noch ein viel größerer Kampf bevorsteht, in dem er dann tätig wird.“ – „Hm, nicht nur einer.“ „Wie meinst du das?“, fragte Jörmundur.
„Ich weiß nicht.“, gab sie zu. „Ich denke, dass wir in diesem Jahr noch viele Kämpfe vor uns haben. Ich fühle es.“ „Meinst du wegen dem Ei?“
Elyra sah ihn erneut stirnrunzelnd an und stellte eine Gegenfrage: „Welches Ei denn?“ Sie hatte keine Ahnung wovon Jörmundur sprach.
„Na das blaue Drachenei. Du weißt schon, das eine welches die Elfe immer von ihrem Volk nach Farthen Dûr und umgekehrt hin- und hertransportiert.“
„Achso, dieses Ei.“ Elyra hatte es für einen Moment vergessen. Eigentlich sollte der Jungdrache aus diesem schlüpfen und einen neuen Reiter bringen, damit die rebellierenden Völker endlich gegen den König Alagaësias gewinnen könnten. Jedoch war dieses immer noch nicht eingetreten.
„Nun ja.“, setzte Jörmundur fort. „Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass der blaue Drache ausgerechnet dieses Jahr schlüpfen wird. Wieso sollte er auch? Ich meine, er ist all die Jahre in seinem Ei geblieben, warum sollte es dann dieses Jahr dann anders sein? Vielleicht wird es auch niemals geschehen? Vielleicht ist es...“
„Nein.“, unterbrach Elyra ihn. „Nein, es ist ein Jungdrache in dem Ei, der für einen Reiter bestimmt ist. Genauer gesagt, ist es eine Drachin. Ich habe es selbst gespürt, als ich das Ei letztes Jahr berührt hatte. Und ich bin mir ganz sicher, dass sie schon bald schlüpfen wird, und zwar noch dieses Jahr. Ich habe zwar keine Ahnung, warum ich mir dabei so sicher bin, dass sich dieses Jahr so einiges verändern wird, aber ich kann es fühlen, dass es anders wird, als all die anderen. Ganz anders.“
Jörmundur nickte stumm. Er wusste, dass Elyra Recht hatte, denn nicht nur sie hatte so ein seltsames Gefühl. Alle anderen Magier spürten dies ebenfalls. Schweigend liefen die beiden nebeneinander umher; das Mädchen genoss seine Gesellschaft. Sie fühlte sich immer so geborgen bei ihm und Alice. Ab und zu schlich sich sogar der absurde Gedanke in ihren Kopf, dass die zwei doch ihre richtigen Eltern waren, obwohl beide dies stark bestritten.
Nach eineinhalb Stunden durch den Berg spazieren, kamen Elyra und Jörmundur wieder an dem Übungsplatz an, von dem sie aufgebrochen waren. Er war immer noch überfüllt.
Jörmundur sagte, er müsse nun seiner Arbeit wieder nachgehen, also hätte das Mädchen für den Rest des Tages Frei. Sie verabschiedeten sich voneinander und jeder ging seines Weges.
Elyra beschloss etwas zu Mittag zu essen und verschwand in Richtung eines kleinen Zwergenlokals. Dort bestellte sie sich Fisch und einen Krug Met, obwohl sie darauf nicht sonderlich viel Lust hatte.
Wenigstens ist er billig, dachte sie sich, als ihr die Mahlzeit gebracht wurde. Um nicht länger darüber nachzudenken, wie absonderlich der Fisch aussah, schlang sie ihn schnell hinunter und schüttete den Met nach. Dieser schmeckte im krassen Gegensatz zu dem gebratenen Meerestier ziemlich süß und ihr wurde übel. Sie stellte fest, dass diese Bestellung keine gute Idee gewesen war und sie nahm sich vor nie wieder so herumzuexperimentieren.
Schnell befahl Elyra dem Kellner, ein mürrischer Zwerg mit schmutziger Schürze und Wurstfingern, ein wenig Wasser zu bringen, doch der war so frech zu behaupten, das Lokal sei nun geschlossen. Er scheuchte das Mädchen raus, nachdem er einen absurd hohen Preis für den eigentlich billigen Fisch verlangt hatte.
Elyra verließ fluchend das Lokal und machte sich auf den Weg zu ihrem Zimmer. Dort hatte sie, falls sie sich richtig daran erinnern konnte, noch einen Wasserschlauch auf Vorrat.
Den Rest des Tages verbrachte das Mädchen nur noch in ihrem Zimmer, las einpaar Bücher, die sie sich aus der Bibliothek der Zwerge ausgeliehen hatte, und dachte über die Geschehnisse dieses Tages nach. Anschließend ging sie früh zu Bett um morgen ausgeschlafen zu sein.
Mitten in der Nacht fiel ihr jedoch ein, dass sie noch so einige Berichte über verschiedene Themen verfassen musste. Da sie diese nicht mit Magie schreiben konnte und die Berichte morgen pünktlich abgegeben werden mussten, setzte sich Elyra schlaftrunken an ihren Schreibtisch und beeilte sich, diese so schnell wie möglich zu fertigen.
Re: Elyra
Lee - 14.06.2008, 22:19
du schreibst imma gnaz schön viel *uff* aba mir gefällt, duaert zwar relativ lang bis ich des durch hab aba dann hab ich länger was von^^
mach weiter :clap:
Re: Elyra
Moonfairy - 22.06.2008, 20:21
3. Kapitel: Des einen Leid, des anderen Freud
Am nächsten Morgen wurde Elyra geweckt, als sie ein laut hämmerndes Klopfen an der Tür hörte. Vor Schreck fiel sie fast vom Stuhl – sie war am Schreibtisch eingeschlafen. Draußen am Gang hörte sie aufgeregte Stimmen und wieder hämmerte jemand gegen ihre Tür.
„Ja, ja ich komme doch schon!“, rief das Mädchen genervt. Wenn der so weitermacht, kann ich mir bald ´ne neue Tür kaufen, dachte sie sich ärgerlich, warf noch kurz einen Blick in den Spiegel, der an der Wand hing und öffnete die Tür.
„Was zum Teufel ist hier los?!“, fragte sie und verstummte überrascht. Vor ihr standen Jörmundur und einpaar andere Männer, die dem Wachdienst angehörten. Jörmundur hatte gerade erneut zum Klopfen ansetzten wollen.
„Elyra, dem Himmel sei Dank! Wir dachten es sei was passiert!“, sagte er und umarmte das Mädchen. Elyra verstand kein Wort.
„Ähm... wieso? Mir ist nichts passiert, ich...“ Sie verstummte ratlos.
„Wir hätten gedacht, es sei was geschehen, weil du nicht aufgetaucht bist. Aber scheinbar war unsere Sorge umsonst, denn du hast nur verschlafen.“, entgegnete der Mann und blickte an Elyra vorbei in ihr Zimmer. Es schien, als wolle er sich vergewissern, dass sie tatsächlich bis jetzt nur geschlafen hatte.
„Wieso, ich versteh nicht... Wie spät ist es denn?“
Jörmundur sah wieder zu ihr und lächelte. „Nun ja, ich sag´s mal so: Du hast sowohl Frühstück als auch Mittagessen verpasst und deine Schüler hatten heute einen freien Tag.“
Elyras Augen wurden weit und sie brachte kein Wort mehr heraus. Noch nie in ihrem ganzen Leben war ihr so etwas wie heute passiert.
Eigentlich kein Wunder, wenn man so lange noch arbeitet, dachte sie sich. Das Mädchen wusste nicht einmal, ob sie mit den Berichten überhaupt fertig geworden war.
„So, du machst dich jetzt erst einmal frisch und dann machst du dich in einer halben Stunde auf den Weg in die große Halle.“, sagte Jörmundur und schob Elyra wieder ins Zimmer. „Dort wartet deine beste Freundin auf dich. Nasuada will mit dir reden und lädt dich darum zu einem “späten Mittagessen“ in ein Zwergenlokal ein.“
Elyra nickte und bedankte sich bei ihm. Außerdem entschuldigte sie sich für diese Unannehmlichkeit und dass sich alle Sorgen gemacht haben.
„Kein Problem, ist doch nichts passiert!“, versicherte ihr Jörmundur und verließ ihr Zimmer. Das Mädchen machte sich kopfschüttelnd fertig und ging anschließend zu Nasuada. Kurz bevor sie die große Halle erreichen hatte, kamen ihr jedoch die Zwillinge entgegen und versperrten ihr den Weg. Sie waren immer noch verärgert und der gestrige Vorfall hatten sie noch wütender gemacht, als sie ohnehin schon waren.
„Diesmal kommst du uns aber nicht mehr davon!“, zischte einer der beiden, packte sie und zerrte sie mit sich.
Offenbar wollen sie mich nicht mitten am Gang foltern, dachte Elyra und schluckte. Sie befürchtete das Schlimmste und wollte sich wieder losmachen, doch als sie die Spitze eines Dolches im Rücken spürte, hielt sie sofort still.
„So ist´s brav.“, flüsterte der eine Zwilling in ihr Ohr. „Und wenn du nur einen Mucks machst, kannst du dich von deiner Zunge verabschieden!“ Elyra schluckte erneut und versuchte gar nicht erst sich eine Zauberformel ins Gedächtnis zu rufen; sie war sich sicher, dass die Zwillinge dies bemerken würden.
Der eine führte sie mit dem Messer im Rücken ab. Sein Bruder folgte ihm, sich immer wieder umsehend, als wäre er sich nicht sicher, dass sie allein waren. Elyra ging gehorsam mit. Machte sie nur eine falsche Bewegung, bohrte sich die Waffe tiefer in ihr Fleisch, was höllisch wehtat.
Die Zwillinge schleppten sie durch etliche Gänge und Tunnel, die das Mädchen nicht auseinander halten konnte, da alle gleich aussahen. Es würde schwer sein, wieder zurück zu finden.
Schließlich blieben sie an einer Tür aus massivem Holz stehen. Der andere öffnete sie und die drei traten ein. Elyra wurde unsanft in den schlecht beleuchteten Raum geschoben. Drinnen befand sich nur eine einzige Fackel, die dem Zimmer ein schauriges Licht verlieh. Boden, Wände und Decke des Zimmers waren aus einem dunklen Stein, den Elyra nicht einzuordnen vermochte. Sie kannte sich nicht mit den Steinsorten aus, obwohl schon einige Zwerge es ihr zu erklären versucht hatten.
Ansonsten befanden sich außer einem Holztisch auf dem seltsame Gegenstände lagen, nichts in dem Raum. Elyra hatten schon eine Vermutung, was diese Gegenstände aus Eisen betrafen – sie wollten sie tatsächlich mit diesen Dingen foltern.
„Nein, lasst mich gehen!“, rief sie, doch die Zwillinge beachteten sie nicht. Der eine mit dem Dolch zog sie in die Mitte des Raumes und befahl ihr auf die Knie zu gehen. Als das Mädchen sich jedoch weigerte, schlug ihr der Zwilling mit dem Knauf des Dolches in den Bauch, sodass der Schmerz sie in die Knie zwang. Sein Bruder fesselte Elyra mit unsichtbaren magischen Ketten an Beinen und Armen, damit sie nicht erneut weglaufen könne.
„Was habt ihr mit mir vor...?“, keuchte Elyra und sah die Männer an.
„Kannst du dir das denn nicht denken...?“, fragte der eine mit dem Dolch zurück und prüfte die Klinge seiner Waffe.
„Ich glaube das macht ihr nur zum Spaß, weil es euch gefällt, andere leiden zu sehen...“
„Hüte deine Zunge!“, fuhr der Zwilling sie an und drückte das Messer an ihre Kehle. „Oder willst du, dass ich sie dir herausschneide?!“
Dort wo er die Klinge angesetzt hatte, spürte Elyra schon, wie warmes Blut an ihrem Hals hinunterlief.
„Keine Sorge.“, sprach nun der andere Zwilling. „Wenn wir hier fertig sind, wird sowieso kein Wort mehr aus ihrem frechen Mundwerk kommen können...“
Elyra sah erschrocken zu ihm auf. Sie wollen mich töten...!
Der mit dem Dolch lachte und ging zu seinem Bruder hinüber an den Tisch. Sie sprachen leise miteinander, sodass Elyra nicht ein Wort verstehen konnte. Vielleicht lag es aber auch an ihrem Zustand – die Schmerzen waren unerträglich geworden. Es fühlte sich an, als wären durch den Schlag mehrere Rippen gebrochen worden.
Sie versuchte sich eine magische Formel ins Gedächtnis zu rufen, um sich zu befreien, und die Verletzungen zu heilen, doch die Zwillinge spürten, was sie vorhatte und kamen auf sie zu.
„Wag es ja nicht!“, drohte einer von ihnen, zog ihren Kopf an den Haaren zurück und legte den Dolch wieder an ihre Kehle. „Oder wir töten dich auf der Stelle!“
„Das werdet ihr nicht tun.“, murmelte Elyra; ihre Stimme war rau und kaum hörbar. „Man wird mich suchen und finden und man wird wissen, dass ihr mich umgebracht habt...“
„Schweig!“, brüllte derselbe Mann und schlug dem Mädchen erneut in den Bauch. Wieder traf er dieselben untersten Rippen und Elyra zog bei dem Schmerz scharf die Luft ein, gab aber ansonsten keinen Laut von sich. Sein Bruder stand nur zuschauend daneben, das Gesicht von keiner Miene verzogen.
„Und nun wird es Zeit, das zu tun, wofür wir dich hergebracht haben.“, sagte der Zwilling, der den Dolch in der Hand hielt. Er übergab diesen an seinen Bruder, der die Waffe wortlos entgegennahm und sie auf den Tisch legte.
Der eine, der bei dem Mädchen stand, griff ihr mit einer Hand ins Genick, der andere stellte sich neben seinen Bruder und sah wieder nur zu.
„Weißt du, dass es uns so gar nicht gefällt, was Ajihad verkündet hat?“, sagte der erste mit seiner furchterregenden Stimme und drückte fester zu. „Du jämmerliches kleines Ding sollst die ach so tapferen Krieger statt unserer in den Kampf führen?! Na warte, das werden wir sehen, ob du es noch schaffst, nachdem du das hier durch gestanden hast!!“
Der Zwilling schickte mit einem Mal einen mächtigen magischen Stoß gegen Elyras geistliche Schutzmauern. Ein greller Blitz explodierte vor ihren Augen und die pochenden Schmerzen in ihrem Kopf ließen sie aufschreien. Vergeblich versuchte das Mädchen den immer stärker werdenden Stößen gegen ihre Schutzmauer zu entfliehen. Körperlich konnte sie sich nicht rühren; die magischen Ketten hielten sie fest und die Schmerzen lähmten sie ganz und gar. „Hör auf!“, presste sie keuchend zwischen ihren Zähnen hervor und wandte sich innerlich. Die Schmerzen waren zu stark, dass Elyra gegen sie hätte ankämpfen können.
„Da siehst du mal, was es heißt zu Leiden!“, rief der Zwilling. Plötzlich packte sie auch der zweite im Nacken und der Druck in Elyras Kopf schwoll noch stärker an, als er ebenfalls gegen ihre Schutzmauern anrannte; es fühlte sich an als würden die beiden Männer mit tausend Nägeln Körper und Geist durchlöchern.
Elyra schrie erneut, doch das laute, wahnsinnige Lachen der beiden Zwillinge übertönte ihren Schrei. Der Schmerz grub sich immer tiefer in sie hinein, als würde er von da nie wieder verschwinden wollen. Das Mädchen wusste nicht mehr was sie tun sollte. Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Die starken Schmerzen gewannen die Oberhand und unterdrückten sie. Mit einem Mal schien Elyra ihr Leben hoffnungslos verloren, sie wollte nur noch, dass die Quälerei endete. Sie wollte den Schmerzen entfliehen, egal wie. Das Mädchen würde sogar lieber den Tod auf sich nehmen, als weiter leiden zu müssen. Nun war es Elyra egal, ob die Zwillinge ihre Mauern durchbrachen, das aus ihr herausholten, was sie haben wollten und sie dann umbrachten, oder ob sie sich sofort den Schmerzen hingab und daran starb.
Du darfst nicht sterben, Elyra!!, hörte sie plötzlich eine Stimme in ihrem Gedächtnis und nahm kurz ein Bewusstsein eines anderen Lebewesens war, dann verschwand es wieder. Sie wusste nicht, ob das nur Einbildung gewesen war, oder ob sie das wirklich gespürt hatte. Das Mädchen strengte sich an, versuchte, die Verbindung zu dem mysteriösen Wesen wieder aufzunehmen, und es gelang ihr.
Du darfst nicht aufgeben, Elyra! Kämpf weiter, du darfst nicht sterben!, sagte das Wesen. Seine Stimme klang verzweifelt.
Wer bist du?, fragte Elyra, doch die Verbindung zu dem Wesen war schwach; sie bekam keine Antwort.
Wer bist du?, fragte das Mädchen erneut.
Du darfst nicht sterben!, sagte das Wesen nur. Bitte, Elyra! Ich brauche dich doch!
Ich werde nicht sterben. Aber sag mir, wer bist du?
Ich...
Die geistige Verbindung wurde von einem erneut mächtigen Stoß der Zwillinge unterbrochen. Elyra verlor völlig den Kontakt zu dem Wesen, weil sie aufpassen musste, dass die Zwillinge nicht ihre Mauer durchbrachen.
Konzentrier dich!, sagte das Wesen plötzlich und die Verbindung war wieder hergestellt. Benutze einen dir bekannten magischen Spruch, um dich aus den Händen dieser widerlichen Kreaturen zu befreien, und komm zu mir...!
Welchen Spruch? Ich kann mich an keinen mehr erinnern... Die Schmerzen lassen es nicht zu...
Es sind nicht die Schmerzen. Konzentrier dich! Du schaffst es!
Elyra riss sich zusammen und rief sich alle magischen Sprüche und Formeln in ihr Gedächtnis, die sie irgendwo schon mal gelesen oder gehört hatte, doch es war keiner dabei, der ihr in dieser Situation hätte helfen können.
Es geht nicht. Ich finde keinen..., sagte sie verzweifelt und spürte plötzlich das Wesen so nah, als wäre es bei ihr. Es schickte ihr ein Bild einer Seite, die in einem Buch zu finden war. Elyra glaubte dieses Buch schon einmal gelesen zu haben. Auf dieser Seite stand ein schwieriger Spruch geschrieben, den sie noch nie benutzt hatte. Er war lang und kompliziert; einige Teile verstand das Mädchen gar nicht, doch sie wusste, was es verursachte, wenn man diese Formel aussprach.
Mach es!, sagte die Stimme. Sag den Spruch und komm zu mir! Jetzt....
Elyra verlor erneut den Kontakt. Sie zögerte, fragte sich nun, was sie tun sollte – auf erneute Verbindung zu dem mysteriösen Wesen warten, oder versuchen diesen Zauber anzuwenden.
Sie entschloss sich für Letzteres, prägte sich den Spruch gut ein und versuchte sich zu konzentrieren, was sich als äußerst schwierig erwies, weil die Zwillinge immer noch vergeblich versuchten ihre starken Mauern zu durchbrechen.
Doch dem Mädchen gelang ihr Vorhaben und sie spürte von einem Moment auf den anderen, wie die Magie Körper und Geist durchflutete. Sie wartete noch eine Weile, bis wirklich jede Faser ihres Seins bereit war, den Zauber durchzuführen. Dann sagte Elyra die Wörter in ihrem Gedächtnis auf.
Die immense Kraft, die sie aufbringen musste, um diesen Zauber zu vollbringen, war so gewaltig, dass sie drohte daran umzukommen. Für einen Moment schien es, als würde Elyra der Magie nicht standhalten können, als würde sie aufgeben müssen. Die Zwillinge wussten von alledem noch nichts, doch Elyra konnte ihre geistlichen Schutzmauern nun auch nicht mehr halten; sie drohten einzustürzen. Elyra war verzweifelt, hatte Angst vor dem Moment an dem sie die Wörter zu Ende gesprochen hätte und sie nun tatsächlich sterben würde.
Wenige Sekunden, wenige Wörter trennten sie noch von dem Tod.
Sie konnte den Zauber nun nicht mehr abbrechen, auch wenn sie es wollte. Das Mädchen sprach die Wörter weiter aus, lautlos, und hoffte, dass alles ein gutes Ende haben würde.
Und die Zwillinge ließen nicht locker, verstärkten sogar ihre Kraft; gleich würden sie durchbrechen...
Elyra hatte das letzte Wort gesprochen, kniff die Augen zusammen und erwartete das Schlimmste. Ein furchtbarer Schmerz durchfuhr ihren ganzen Körper, wurde schlimmer und schlimmer, bis das Mädchen wieder anfing zu schreien. Ein grelles Licht breitete sich vor ihren Augen aus und Elyra dachte nur noch an den Tod. Plötzlich vernahm sie ein lautes Brüllen eines Tieres; es schmerzte in ihren Ohren, und sie spürte wie der Druck aus ihrem Kopf blitzartig verschwand. Die Zwillinge ließen sie abrupt los. Das Mädchen sah, wie die Brüder vor ihr zurückwichen; ihre Augen waren bis zum Rand gefüllt mit Hass und Angst.
Sie wusste nicht, was das zu bedeuten hatte, ob das gut oder schlecht war.
Erneut ging eine Schmerzwelle durch ihren Körper. Sie sah zum letzten Mal den feuerrot erleuchteten Raum und es schien, als würde nicht die Fackel sondern das Mädchen selbst die Lichtquelle sein. Die Zwillinge warfen ihr Blicke zu, die von Angst geplagt waren und dann vernahm Elyra nur noch Dunkelheit, tiefe, schwarze Dunkelheit.
Der Schmerz verebbte, sie fühlte gar nichts mehr. Nur denken konnte sie noch. Entsetzen breitete sich in ihr aus. Würde sie nur noch diese Dunkelheit sehen können und hier, wo sie nicht wusste, wo sie überhaupt war, über ihr einstiges Leben nachdenken können? Fühlte sich so der Tod an? So einsam und verlassen in einer Dunkelheit, die man nicht beschreiben konnte..?
Elyra dachte dies so, doch sie irrte sich.
Nach einer Zeit, die das Mädchen nicht einschätzen konnte, offenbarte sich ihr ein kleines Licht. Und sie erkannte, dass sie sich in einem fremden Zimmer befand, welches sie vorher noch niemals gesehen hatte.
Ein knisterndes Feuer brannte in einem kunstvoll verzierten Kamin aus Marmor und Elyra spürte, dass sie hier nicht alleine war. Einige Augenblicke lang, konnte sie dieses Bild so festhalten, doch es überwältigte sie eine riesige Welle von Müdigkeit und Schwäche, dessen Ursache die vollbrachte Magie war, sodass ihr schließlich wieder schwarz vor Augen wurde und sie bewusstlos zu Boden sank.
Re: Elyra
Lee - 24.06.2008, 20:52
boha die Zwillinge warn mir ja schon imma unsympatisch aba jetz erst recht :gr: :D
weiter :clap:
Re: Elyra
Moonfairy - 24.06.2008, 22:04
danke für deine komentare ^^
schade ist nur, dass du die einzige hier bist die was zu meiner neuen version sagt
ich freue mich ja, dass wenigstens du das tust, Lee, aba ich hätte schon noch gern einige Leute mehr die das lesen und beurteilen... :(
sonst macht es ja gar keinen spaß die kapitel hier reinzustellen...
Re: Elyra
Lee - 25.06.2008, 17:35
ich glaub nicht das ich die einzige bn die deine geschichte liest, nur die anderen schreiben halt keine kommis dazu... :(
ich find die geschichte aba echt gut, du hast deinen eigenen erzählstil und kannst des alles ziehmlich gut beschreibn, also mir gefällts :D
Re: Elyra
Moonfairy - 28.07.2008, 15:01
So, da ich schon seit längerem kein Kapitel gepostet habe (ich hatte zu wenig Zeit dafür) werde ich heute wieder eins reinstellen. Viel Spaß^^
4. Kapitel: Unerklärliche Ereignisse
Ein kleines Licht einer flackernden Laterne leuchtete in einem Lager und vertrieb dort die Dunkelheit. Zwei bucklige Gestalten standen zusammen und unterhielten sich mit schnatternden Worten in einer unverständlichen Sprache. Sie waren in schwarzen Kapuzenumhängen gehüllt. Man konnte die Gesichter der zwei nicht erkennen, jedoch konnte man bei näherer Beobachtung bei den beiden Wesen einen kurzen Schnabel, wie der eines Vogels, ausmachen.
Ihre Hände, oder viel mehr ihre Klauen, versteckten sie in schwarzen Handschuhen, aber ihre Klauen an den Füßen waren unverkennbar. Die zwei waren definitiv keine Menschen. Jedoch gab es noch andere Menschen in diesem Lager. Diese, ein junger und ein alter Mann, saßen mit dem Rücken zueinander auf dem kalten, steinigen Boden. Um ihren Hand- und Fußgelenken waren dicke Stricke gelegt worden, sodass sie sich nicht bewegen konnten, was sie ohnehin nicht taten, weil beide ohnmächtig waren.
Mit einem Mal rührte sich einer von ihnen, der jüngere. Er stöhnte vor Schmerzen, öffnete die Augen und blinzelte, als er in die helle Laterne blickte. Er sah ein bisschen verstört und weggetreten aus. Schwerfällig versuchte er aufzustehen, scheiterte jedoch daran, da er gefesselt war. Die unmenschlichen Gestalten merkten dies und einer von ihnen ging auf ihn zu. Der junge Mann hatte die beiden noch gar nicht wahrgenommen. Er drehte sich um und auf seinem Gesicht breitete sich ein erleichterter Gesichtsausdruck aus, als er seinen Gefährten, den älteren Mann, erblickte.
Dann wandte er den Kopf und schaute mitten ins Gesicht des buckligen Wesens. Seine Augen weiteten sich vor Entsetzen. Er versuchte angestrengt sich auf etwas Bestimmtes zu konzentrieren, aber vergeblich. Über ihm lachte plötzlich die dunkle Gestalt eisig. „Die Droge wirkt, nicht wahr? Ich glaube, du wirst uns so bald keinen Ärger mehr machen.“
Die Stimme verlieh einem Gänsehaut, so abscheulich klang sie.
Augenblicklich kam von rechts ein scharrendes Geräusch. Der junge Mann richtete sich danach und sein Gesicht wurde bleich vor Schreck, als er sah, was sich vor ihm geboten wurde: Die zweite, kleinere Gestalt legte einem großen, saphirblauen Drachen einen Maulkorb an. Schwarze Ketten hielten die Flügel des Drachens dicht an seinen Leib gepresst und an seinen Beinen hingen eiserne Fußfesseln.
„Sie war zahm wie ein Kätzchen, nachdem wir ihr drohten dich umzubringen.“, zischte der Unhold neben dem Mann, der offenbar ein junger Drachenreiter war. Dann hockte er sich neben die Laterne und durchwühlte die Taschen des Reiters, musterte verschiedene Gegenstände und warf sie achtlos beiseite, bis er ein langes, kunstvoll verziertes Schwert fand. Es hatte eine scharfe blutrote Klinge und dessen Knauf war besetzt mit einem azurblauen Edelstein.
„Was für eine hübsche Waffe für einen... Bauernlümmel. Vielleicht behalte ich sie ja.“
Er beugte sich zu ihm herab und sagte mit einem spöttischen Zischen: „Wenn du brav bist, lässt unser Herr dich das Schwert vielleicht sogar polieren.“
Der Drachenreiter würgte angeekelt und wandte den Kopf ab. Der feuchte Atem des Ungetüms stank nach rohem Fleisch und frischem Blut.
Dann wendete das abscheuliche Wesen das Schwert in seinen Händen und jaulte auf, als er das Wappen auf der Scheide sah. Sein Kumpan eilte herbei. Zu zweit beugten sie sich über die Waffe und schnatterten leise miteinander. Schließlich drehten sie sich zu dem jungen Mann um. „Du wirst unserem Herrn gute Dienste leisten, oh ja.“
Der Reiter hatte Mühe, Wörter zu formen, seine Zunge fühlte sich wie gelähmt an. „Ein guter Dienst wäre es, euch umzubringen.“
Sie lächelten kalt. „Oh nein, das wird unser Herr nicht zulassen, wir sind viel zu... wertvoll.“
Ein tiefes Knurren kam von dem Drachen und Rauch wallte aus seinen Nüstern, doch es schien die beiden unmenschlichen Wesen nicht zu kümmern. Ihre Blicke richteten sich auf den alten Mann, der jetzt stöhnend erwachte und sich auf die Seite drehte. Einer der beiden packte ihn am Hemd und schleuderte ihn mühelos durch die Luft.
„Die Wirkung lässt nach.“
„Dann gib ihm mehr.“
„Warum töten wir ihn nicht einfach?“, schlug der Kleinere der beiden vor. „Er hat uns sowieso nur Ärger gemacht.“
Der größere strich mit dem Finger über die Schwertklinge. „Gute Idee. Aber die Anweisung des Königs lautet, die beiden am Leben zu lassen.“
„Wir könnten sagen, er wäre bei der Gefangennahme umgekommen.“
„Und was ist mit dem da?“, fragte der andere und zeigte mit dem Schwert auf den Drachenreiter. „Er könnte uns verraten.“
Lachend zückte sein Gefährte einen spitzen Dolch. „Das würde er nicht wagen.“
Eine lange Pause entstand, dann sagte der andere: „Abgemacht.“
Sie schleiften den alten Mann in die Mitte des Lagers und zogen ihn auf die Knie. Dieser sackte zur Seite. Der Drachenreiter sah mit wachsender Angst zu.
Dann zerrte er an den Fesseln, versuchte die Knoten zu lösen, aber die Stricke waren zu dick.
„Hör auf damit.“, knurrte der größere der beiden Schreckensgestalten mit drohend erhobenem Schwert. Er legte den Kopf in den Nacken und schnüffelte; irgendetwas schien ihn zu beunruhigen. Der andere riss den Kopf des Alten zurück und hielt ihm den Dolch an die entblößte Kehle. Im selben Augenblick hörte man ein tiefes Surren, gefolgt vom Aufschrei des Unholds. Ein Pfeil ragte aus seiner Schulter. Der andere ließ sich auf den Boden fallen und entging um Haaresbreite einem zweiten Pfeil. Er kroch zu seinem verwundeten Gefährten und gemeinsam spähten sie unter wütendem Zischen in die Dunkelheit.
Sie machten keine Anstalten, den alten Mann aufzuhalten, als dieser sich mit weichen Knien aufrappelte.
„Duck dich!“, rief ihm der Reiter zu.
Der Alte taumelte, dann wankte er unsicher auf seinen Freund zu. Als weitere Pfeile der unsichtbaren Angreifer in das Lager flogen, wälzten sich die beiden Unholde hinter einen Felsen.
Es folgte eine kurze Pause, dann kamen die Pfeile plötzlich aus der entgegengesetzten Richtung. Überrumpelt reagierten die beiden viel zu langsam. Ihre Umhänge wurden an mehreren Stellen durchlöchert und ein Pfeil traf einen der beiden in den Arm. Mit einem wüsten Aufschrei stürmte der Kleinere von ihnen auf die nicht weit vom Lager entfernte Straße zu und versetzte dem jungen Mann im Vorbeirennen noch einen hinterhältigen Tritt in die Rippen. Sein Kumpan zögerte erst, doch dann hob er den am Boden liegenden Dolch auf und folgte ihm. Aus vollem Lauf schleuderte er das Messer in die Richtung des Drachenreiters.
Plötzlich leuchtete in den Augen des Alten Mannes ein sonderbares Licht auf. Er warf sich über den Reiter, den Mund zu einem lautlosen Knurren verzogen.
Der Dolch traf ihn mit einem leisen Aufprall im Rücken und der Mann stürzte schwerfällig auf die Schulter. Dann fiel sein Kopf flach zur Seite.
„Nein!“, schrie der junge Drachenreiter, obwohl ihm alles höllisch wehtat. Dann wurde ihm von den starken Schmerzen schlecht und er versank in tiefe Bewusstlosigkeit...
Elyras Kopf dröhnte, ihr ganzer Körper war steif und ihre Zunge fühlte sich seltsam pelzig an, als sie langsam wach wurde. Ihr Rücken schmerzte so sehr, als hätte der Dolch sie getroffen und nicht den alten Mann in ihrem seltsamen Traum. Schlagartig fiel ihr dieser Traum wieder ein.
War das überhaupt ein Traum gewesen? Es fühlte sich alles so real an. So, als wäre ich dabei gewesen, als ein stummer Zuschauer. Und dann der Mann... Er kommt mir so bekannt vor, aber woher? Und wieso hatte ich seinen Schmerz als den meinen gespürt? Dieser Dolch... Dieser verdammte Dolch...
Doch dann erinnerte sie sich, was davor passiert war. Ihre Schmerzen kamen auch von einem Dolch, und zwar von dem der Zwillinge.
Wieso haben sie das nur getan...?, fragte sich das Mädchen und wollte sich auf die Seite drehen, doch ihr Rücken und ihre gebrochenen Rippen ließen es nicht zu. Elyra stöhnte vor Schmerzen und öffnete langsam die Augen. Sie lag auf dem Rücken in einem Zimmer mit Steinboden. Die Decke des Raumes war jedoch zu hoch, dass das Mädchen sie im ersten Moment erkennen konnte.
Wo bin ich...? Und wo sind die Zwillinge hin?
Elyra konnte sich an den kleinen Raum, den sie vor ihrer Bewusstlosigkeit gesehen hatte, erinnern und drehte ihren Kopf zur Seite, um etwas zu sehen – sie befand sich immer noch in demselben Zimmer. Es war nicht allzu groß, aber das schien wahrscheinlich deshalb so, weil der Raum mit vielen verschiedenen Gegenständen voll gestopft war.
Sie erblickte wieder den Kamin aus schwarzem Marmor. Er war mit Goldenen Schnörkeln verziert. Das Feuer im Inneren war schon fast runter gebrannt. Sie fragte sich, wieso es überhaupt gebrannt hatte.
Dann spürte sie wieder ihren Rücken und sie stöhnte erneut. Um den Schmerzen endlich ein Ende zu bereiten und aufstehen zu können, heilte sie trotz ihrer Schwäche die Wunden mit Magie.
Schließlich stand Elyra schwerfällig auf und klopfte sich den Dreck und Staub von ihrem Rock. Von einem Moment auf den anderen wurde ihr jedoch schwindelig und sie musste sich schnell an einem der vielen Regale festhalten; erst jetzt bemerkte sie, dass es außer des schon fast verloschenen Feuers im Kamin keine andere Lichtquelle gab. Dennoch konnte sie trotz der vorherrschenden Dunkelheit jedes Detail im Zimmer haarscharf erkennen. Ihre Sinne hatten sich verändert; wieso, konnte sie nicht sagen. Auch bislang unbekannte Gerüche und Geräusche konnte sie nun wahrnehmen – es war verblüffend: Sie hörte das leise Trippeln und Huschen der Ratten und Mäuse im Zimmer, als würden 1000 Soldaten in den Krieg ziehen. Sie roch das feuchte Moos an den Wänden und das alte, knarrende und knirschende Holz der vielen Möbel, schmeckte Elyra förmlich auf der Zunge.
Sofort schlugen ihre Gedanken um, und das Mädchen fragte sich, wie sie hierher gekommen und ob sie alleine war. Angestrengt lauschte Elyra in die Stille hinein, doch sie konnte außer einpaar Ratten und Fledermäuse niemanden hören oder fühlen.
Erleichtert beschloss sie, sich in dem fremdem Zimmer ein weinig umzusehen. Sofort fielen ihr die seltsamen, von Staub bedeckten Gegenstände auf, manche aus Glas, andere wiederum aus Metal, deren Bedeutung und Zweck sie nicht verstehen konnte. Das Mädchen vermutete, die Gegenstände seien zum Forschen und Experimentieren zu nutze.
Zwischen all diesen Dingen entdeckte sie auch ganz natürliche Möbel, die ebenfalls eine fingerdicke Staubschicht auf sich trugen: einen nicht allzu großer Tisch, auf dem sich Pergamente, Schriftrollen und Bücher stapelten, einen Stuhl, der dahinter stand, eine riesige, mit goldenen Schnörkeln verzierte, dunkle Holztruhe, ein Pult, mehrere Regale, allesamt aus Holz, die von oben bis unten gefüllt mit uralten Büchern und Schriftrollen waren, und einen großen Sessel, dessen dunkelroter Überzug mottenzerfressen war. Außerdem gab es noch eine Steinerne Tür am anderen Ende des Raumes.
An den Wänden entdeckte Elyra Fackeln und verschiedene Wandteppiche, die Schlachtszenen aus längst vergangenen Zeiten zeigten. Ein besonders Großer weckte ihre Aufmerksamkeit und sie bahnte sich vorsichtig einen Weg vorbei an den zerbrechlichen Dingen aus Glas, um das Bild besser betrachten zu können. Es zeigte ebenfalls eine blutige Schlacht auf einem weiten Feld. Im Hintergrund konnte man eine riesige schwarze Burg erkennen, die so bedrohlich schien, als beherbergte sie alles Leid und Angst auf dieser Welt in sich. Am Himmel türmten sich schwarze Wolken, die die Sonne verschluckt zu haben schienen. In all dem Getümmel konnte Elyra auch Wesen erkennen, die sie so fasziniert hatten; zumindest früher. Heute waren sie ihr so ziemlich gleichgültig, da sie sich endlich eingestanden hatte, niemals so ein Lebewesen zu Gesicht zu bekommen.
Es waren Drachen, die sie auf dem Wandteppich erblickte. Überall waren sie – in der Luft, am Boden, links und rechts, weiter vorn und weiter hinten. Es gab kleine und große in allen erdenklichen Farben; und alle kämpften sie gegeneinander, gegen Menschen und Zwerge, Urgals und Elfen.
Der Teppich zeigte das reinste Massaker und doch hatte das Bild eine merkwürdige Schönheit an sich. Derjenige, der dieses Kunstwerk erschaffen hatte, wusste was er tat. Er musste ein Meister seines Handwerks gewesen sein, denn alles war da wo es hingehörte. Sowohl die Farben und Formen als auch die Perspektiven.
Elyra, die normalerweise nichts für Kunst übrig hatte, war so überwältigt von dem Bild, sodass sie komplett vergaß, wo sie sich befand. Und sie vergaß sich zu schützen, sowohl magisch als auch körperlich; sie wäre einem Überraschungsangriff schutzlos ausgeliefert.
Nachdem sie das Kunstwerk eine halbe Stunde lang angestarrt und sich jedes noch so kleine Detail eingeprägt hatte, konnte sich das Mädchen endlich aus dem Bann des Bildes losreißen.
Ihr wurde im selben Moment klar, welches Risiko sie dabei eingegangen war, zumal weil sie nicht wusste, ob sie diesem Ort trauen konnte.
Noch einmal ließ sie ihren Geist tastend ausfahren, um größere Lebenszeichen zu empfangen, die vielleicht für sich gefährlich seien könnten – und tatsächlich fand sie dieses mal etwas. Erschrocken zuckte sie zurück, als sie das Lebewesen geistlich berührte, und baute sofort eine undurchdringliche Mauer um ihren Geist auf.
Elyra wartete ein paar Atemzüge lang, dann bewegte sie sich langsam in Richtung des Wesens. Das Mädchen verfluchte sich, keine Waffe dabei zu haben. Die Zwillinge hatte ihr alles abgenommen.
Vorsichtig schob sich Elyra durchs Zimmer, auf jeden Angriff gefasst, doch nichts passierte. Als sie vor dem Pult zu stehen kam, entdeckte sie dort ein, auf einem roten mottenzerfressenen Samtkissen, gebettetes Ding. Es war etwa so groß wie ein Menschenkopf und leicht oval. Außerdem war ein ebenso wie das Kissen, rotes Samttuch darüber gelegt worden. Das Lebewesen war also unter diesem Tuch. Und da es sehr klein aussah, schien es nicht besonders bedrohlich. Elyra atmete tief durch und überlegte, ob sie unter dem Tuch nachschauen sollte.
Was ist das bloß...? Ob es gefährlich ist?
Sie entschloss sich, ganz kurz nachzuschauen. Ihre Neugier war zu groß, dass sie es hätte seien lassen können.
Ich will nur kurz sehen, was das ist, sagte sie sich und streckte die Hand langsam nach dem Tuch aus. Doch dann stockte sie, Zweifel kamen in ihr auf.
Am besten wäre es, ich verschwinde ganz schnell von hier und vergesse alles, dachte sie und bemerkte wie ihre Hände leicht zitterten. Schweiß lief Elyra den Nacken hinunter. Aber sie wollte es unbedingt wissen. Vorsichtshalber ließ sie eine magische Feuerkugel in ihrer Hand aufflammen, mit dem sie zur Not dieses Wesen töten könnte. Dann packte sie das rote Samttuch und riss es mit einem Ruck hinunter.
Als Elyra sah, was vor ihr lag, konnte sie es im ersten Moment gar nicht glauben. Ihr Atem stockte und ihr Herz fühlte sich an, als hätte es aufgehört zu schlagen. Das Mädchen schloss die Augen, in dem Gedanken, dieses Ding würde nur ein Hirngespinst ihrerseits sein. Sie schüttelte den Kopf und sagte sich, dass das doch niemals möglich sein konnte. Dann riss sie sich wieder zusammen und öffnete ihre Augen – jedoch lang ES immer noch am selben Platz. Das Feuer der Kugel in ihrer Hand, spiegelte sich auf dessen silberne Oberfläche und gab dem Gegenstand ein geheimnisvolles, aber zugleich furchterregendes Aussehen.
Elyra wurde bewusst, dass dieser Gegenstand dermaßen wertvoll war, dass ein Mensch dafür seinen besten Freund ohne zu zögern umbringen würde. Es war etwas, wonach sich jeder Mensch hier in Alagaësia sehnte, was sowohl das Imperium, als auch die Elfen und Varden von großem Wert schätzten und es als Ihr Eigentum bezeichnen wollen. Etwas, was demjenigen, dem es wirklich gehörte, unvorstellbare Macht geben würde.
Es war ein Ei eines Drachens.
Re: Elyra
Lee - 28.07.2008, 20:55
oha, wird Elyra Drachenreiterin? :o:
dann bin ich ma gespannt wies weiter geht
deine geschichte lässt sich ziehmlich gut lesn weil du verschiedene Ausdrücke verwendest und nicht über was unwichtiges lange schreibst, sonder kurz beschreibst oder erklärst und dann weiter machst, gefällt mir :clap:
Re: Elyra
Moonfairy - 30.07.2008, 14:48
thx für dein komentar, Lee ^^
so dann mach ich mal weiter
5. Kapitel: Offenbarungen
Bei den verlorenen Königen!, dachte Elyra. Wie kann das möglich sein? Wie kommt das Ei denn hierher? Sie traute sich kaum, in Gegenwart des Dracheneis zu atmen, so geschockt war sie über den Fund. Wer weiß noch außer mir, dass es existiert und hier versteckt ist? Wissen es die Varden überhaupt? Weiß es Ajihad?
Das Mädchen konnte sich nicht vorstellen, dass der Vardenanführer von dem Ei wusste und es keiner Menschenseele bis jetzt gesagt hatte.
Wenn die Varden von dem Ei hier wüssten, würden sie es doch auch umherschicken, so wie das andere. Wieso taten sie es mit dem hier nicht gleich? Wieso gab es keine langen Schlangen von Menschen, die nacheinander an das Ei vorbeigingen, es berührten, um vielleicht einer der neuen Drachenreiter zu werden? So, wie sie es taten, wenn Arya mit dem blauen Ei hierher nach Farthen Dûr kam, um es für ein Jahr bei uns zu lassen, damit vielleicht ein neuer Drachenreiter oder eine Drachenreiterin gefunden werden kann?
Elyra ahnte, dass das Drachenei sicher nicht absichtlich so lange Zeit unbeaufsichtigt gelassen worden war. Es gab einen ganz bestimmten Grund, warum es hier in diesem uralten, verstaubten Raum gut verborgen geschützt lag und warum niemand von seiner Existenz wusste.
Vielleicht wird es vor dem König versteckt, damit er es bis zum Ausschlüpfen des Jungtieres nie finden könnte? Oder es ist hier nur ein Aufenthaltsort für das Ei und der Besitzer kommt irgendwann zur richtigen Zeit wieder zurück, um sich das Ei zu holen? Aber was wäre, wenn er nicht kommt? Was wäre, wenn er gar nicht mehr am Leben ist? Würde der Drache in dem Ei je einen Reiter bekommen? Ist es überhaupt für einen Reiter bestimmt, oder ist der Drache in dem Ei ein wilder Drache?
Das Mädchen erinnerte sich, wie Arya ihr einmal erzählt hatte, dass die Reiter, wenn sie ein Ei von den Drachen überlassen bekommen hatten, einen Zauberspruch über dieses legten, damit das Drachenjunges nur dann schlüpfte, wenn sein Reiter vor ihm stand. Wie die Jungdrachen das erkannten, weiß bis heute niemand, aber es hatte jedes Mal funktioniert.
Sie hatte ihr beschrieben, dass man mit einem bestimmten Wort herausfinden konnte, ob ein Spruch über das Ei lag oder nicht.
Das Wort lag Elyra auf der Zunge, sie zögerte einen Moment, dann sprach sie es aus.
Langsam bildete sich ein bläulicher Nebel um das silberne Ei. Das war die Magie, die auf dem Ei lag. Also war der Drache für einen Reiter bestimmt.
Des Weiteren sprach das Mädchen noch zwei Wörter aus und konnte so feststellen, welches Geschlecht der Jungdrache hatte – es war männlich.
Der bläuliche Nebel verschwand, als sie die Magie unterbrach. Augenblicklich spürte Elyra, wie Müdigkeit in ihre Glieder kroch. Magie zu vollbringen kostete je nach Größe und Länge des Spruchs und dessen Auswirkung so viel Kraft, wie man es im normalen Wege zustande gebracht hätte.
Wollte man mit Magie also ein Feuer anzünden, wäre man nicht müder, als wenn man dieses mit der Hand und bestimmten Materialien gemacht hätte. Wollte man als Anfänger aber einen Felsbrocken mit Magie bewegen, so wäre man von der Kraft die man dafür aufbringen müsste überwältigt. Es wäre geradezu unmöglich dies zu schaffen.
Jedoch war Elyra kein Anfänger mehr, sie war einer der besten Magier in Farthen Dûr. Und durch den Zauber, den sie um den Zwillingen zu entkommen, ausgesprochen hatte, hatte sie noch mehr Kraft erlangt.
Ihr fiel ein, dass die geschärften Sinne eine Auswirkung dieses Zaubers sein müssten. Elyra hatte in dem Buch gelesen, dass jeder Magier, der diese Formel anwendete, sich in etwas Bestimmtes verwandeln würde, was seinem Charakter entsprach. Oder er würde enorm Kraftzehrende Dinge vollbringen können, bei denen andere große Schwierigkeiten hatten.
Nun interessierte die Magierin, wie sehr sie sich selbst verändert hatte.
Elyra konzentrierte sich und versuchte in ihrem tiefsten Inneren herauszufinden, was sie nun tatsächlich konnte. Sie stieß an eine geistige Barriere, die sie vorher noch nie vernommen hatte. Hinter dieser Mauer spürte sie eine gewaltige Kraft und die Macht des Feuers. Das Mädchen wusste nicht, was dies zu bedeuten hatte, stellte sich aber innerlich genau vor diese Macht des Feuers zu beherrschen.
Plötzlich zischte es laut und das Zimmer erhellte sich stark, als hätte jemand ein Feuer angezündet. Tatsächlich brannte in dem Zimmer ein Feuer.
Die Lichtquelle selber, war jedoch Elyra – das Mädchen brannte.
Verblüfft musterte sie ihren Körper. Heiße Flammen, rote, gelbe und orange, leckten an ihren Armen, an ihrer Brust und ihrem Bauch bis hinunter zu ihren Füßen. Jedoch verspürte sie überhaupt keinen Schmerz. Es fühlte sich nur wohlig warm an.
„Brisingr!“, flüsterte Elyra den Namen des Feuers und die Flammen flossen von ihr herab, wie geschmolzener Schnee. Sie krochen so auf dem Boden umher, wie die Magierin sie leitete und kamen anschließend zu ihr zurück, wann Elyra es verlangte.
Das Mädchen spielte mit dem Feuer; ließ Kugeln in die Höhe steigen, Ranken über die Möbel klettern und zündete mit den Flammen die Fackeln im Raum an; das Feuer im Kamin ließ sie auch wieder aufflackern.
Schließlich suchte Elyra einen Spiegel, um ihr neues Ich darin zu erblicken. Das Mädchen fand einen ca. fünf Fuß langen Wandspiegel, mit goldenem, Schnörkelverziertem Rahmen, in der Nähe der Steintür, in dem sie ihren ganzen Körper betrachten konnte.
Elyra sah, das tatsächlich jeder kleinste Teil ihres Körpers von sich windendem und fließendem Feuer bedeckt war. Selbst in ihrem Gesicht und ihren Rotleuchtenden Augen entdeckte sie Merkmale des Feuers.
Das Mädchen war zu einem Wesen verwandelt worden, dem das Feuer untertan war. Elyra fielen sogleich mehrere Dinge ein, wozu diese Gabe zunutzen sein könnte. Nicht zuletzt, um gegen den König Alagaësias die bevorstehende Schlacht zu gewinnen.
Auf ein wortloses Kommando seitens der Magierin verloschen die Flammen auf ihrem Körper sofort, und ihr Spiegelbild verwandelte sich wieder in das altbekannte.
Dem Mädchen fiel noch eine weitere Kraft auf, die sie in sich spürte. Erneut wie bei der Macht des Feuers stellte sie sich vor, Herrscherin über diese Kraft zu sein – und wieder verwandelte sie sich.
Elyra spürte, wie sie langsam schrumpfte, der Boden näher kam. Ihre Gesichtszüge veränderten sich, ihre Haut fühlte sich an, als wäre sie mit Fell bedeckt und schließlich erblickte sie ihr verwandeltes Ich im Spiegel und erstarrte.
Ihr Ebenbild zeigte eine Raubkatze, einen weißen Tiger, mit schwarzen Streifen. Es war eine seltene Art von Tiger, die in wenigen alten Büchern, in der Bibliothek der Zwerge, erwähnt wurden. Elyra hatte eine Illustration dieses Tigers in einem der Bücher gefunden, und nun zeigte der Spiegel genau dieses Bild – nur dass sie selbst es war. Das verwandelte Mädchen blickte nach unten auf ihre schneeweißen Pfoten, um sich zu vergewissern, dass der Spiegel sie nicht anlügte.
Dann versuchte sie zu sprechen, Wörter zu formen, Sätze zu sagen, jedoch war dies schwieriger als sie erwartet hatte. Mit diesem Körper kamen nur Brüll- und Knurrlaute aus ihrer Kehle. Sie konnte sich also als Tiger nicht mit der Stimme unterhalten, wohl aber mit der Kraft der Gedanken.
Schließlich stellte Elyra sich vor, wieder in ihrem alten Körper zu sein und nach wenigen Sekunden war dies geschehen. Die Magierin konnte sich also beliebig verwandeln und probierte noch verschiedenen Kombinationen aus.
Sie wollte wissen, ob sie beispielsweise mit der Gestalt des Tigers auch Magie vollbringen, oder ob sie gleichzeitig ein Tiger und des Feuers Herrscherin sein konnte. Zu ihrer Erleichterung gelang ihr alles. Die Schlacht würde ihr also keine Probleme mehr bereiten. Dennoch überlegte sie lange, ob sie diese Gaben auch einsetzten sollte. Es könnte die Varden und Zwerge erschrecken und sie an ihrer Treue zweifeln lassen.
Vielleicht denken sie, durch meine neu gewonnene Macht würde ich mich gegen sie wenden?, dachte das Mädchen. Nun, dies muss ich zu verhindern wissen. Ajihad wird mich sicher verstehen können und mir glauben, dass ich auf der richtigen Seite, auf der Seite der Rebellen stehe. Nur muss ich die Völker von mir überzeugen...
Elyra bahnte sich nun wieder als Mensch seufzend einen Weg zu dem Stuhl am Schreibtisch und ließ sich auf ihn fallen. Die dicke Staubwolke, die sie dabei verursachte, raubte ihr den Atem und sie fing an erbärmlich zu husten. Fluchend wedelte sie mit der Hand, damit der Staub verteilt wurde und sie wieder was sehen konnte. Dann lehnte sie sich zurück und betrachtete einen Moment lang die Dokumente, die auf dem Schreibtisch aufgestapelt waren. Es sah so aus, als wäre derjenige, der sie gelesen hatte, nur mal kurz weg gegangen.
Neugierig beugte sie sich vor und stellte fest, dass alles in der alten Sprache auf den Schriftrollen geschrieben stand.
Derjenige, dem sie gehörten, musste also ein Gelehrter, ein Magier oder sogar ein Drachenreiter gewesen sein. Eine andere Erklärung konnte es nicht geben, schließlich konnte nicht jedermann die alte Sprache lesen, sprechen und verstehen.
Elyra sah die Dokumente durch und stellte fest, dass es sich dabei nicht nur um irgendwelche Notizen handelte. Es gab auch Landkarten, die alle möglichen Bereiche Alagaësias kennzeichneten. Auf einer waren sogar alle Zwergentunnel verzeichnet, die auf normalen Karten nicht zu finden wären.
Erstaunt betrachtete das Mädchen die Karte und entdeckte, dass der darauf gekennzeichnete Standort, dieses Zimmer war. Eine rote Linie führte durch allerhand Gänge und Tunnel direkt in die große Halle von Farthen Dûr.
Ein kleines Lächeln huschte über Elyras Lippen. Diese Karte würde ihr den Rückweg erleichtern. Denn dieser Raum war scheinbar ziemlich weit entfernt von Farthen Dûr.
Das Mädchen fragte sich wieder, wie sie es nur hat schaffen können, sich so weit zu teleportieren. Sie war immerhin noch am Leben, also mussten sich ungeahnt große Kräfte in ihr verbergen, die Elyra noch an den Tag bringen wollte.
Vorerst musste sie jedoch zurückkehren. Sie wusste nicht, was sie hier noch tun sollte, außerdem war ihr dieser Ort nicht so ganz geheuer. Elyra fühlte sich beobachtet und dies gewiss nicht von den Fledermäusen, die oben an der Decke hangen.
Die Magierin nahm die Karte vom Tisch und stand auf. Dabei fiel ein kleiner, zusammen gefalteter Zettel auf den Boden. Stirnrunzeln hob sie ihn auf, faltete ihn auseinander und erblickte eine Menge von Zahlen, die mit kaum lesbarer Schrift auf ihm geschrieben standen – Zahlen, die für sie keinen Sinn ergaben, also legte Elyra das Stück Papier wieder auf den Tisch. Dann ging sie zu der großen, steinernen Tür am anderen Ende des Raumes.
In der Annahme, einen Tunnel dahinter zu finden, durch den sie zurückkehren konnte, wollte das Mädchen sie öffnen, jedoch war sie fest verschlossen. Also tastete sie vorsichtig mit ihrem Geist nach dem Türschloss und schob den Schließmechanismus beiseite, sodass die Tür mit einem lauten Klicken nach innen auf ging.
Der finstere Gang dahinter sah wie ein dunkler Schlund eines riesigen Tieres aus. Elyra schauderte es bei diesem Gedanken. Die Luft war stickig und schwer, die Wände feucht und vermodert, aber das Mädchen konnte keine Gefahr ausmachen.
Ein letztes Mal drehte sie sich um, musterte das Zimmer, und dessen seltsame und wertvolle Gegenstände, und schwor sich noch einmal hierher zu kommen, um das Ei zu holen und es an seinen rechtmäßigen Besitzer weiterzugeben. Vorerst musste sie das Drachenei noch hier lassen, da es zu gefährlich war, es mitzunehmen. Ein jeder würde es begehren und Elyra hätte keine ruhige Nacht mehr, bis die Varden endlich den neuen Reiter aus ihren Reihen auserkoren hatten.
Es ist besser so..., dachte sie und ließ eine Feuerkugel in ihrer Hand aufflammen, die ihr als Lichtquelle dienen sollte. Zwar konnte sie auch ohne der Kugel etwas sehen, doch war ihr die tiefe Dunkelheit im Tunnel nicht geheuer. Außerdem musste sie sich erst an ihre neue Fähigkeit gewöhnen. Sie fand es immer noch seltsam, alles anders als früher wahrnehmen zu können, und wahrscheinlich würde dies auch noch eine Weile lang so bleiben.
Mit einem Fingerschnippen löschte das Mädchen die Fackeln und das brennende Feuer im Kamin. Anschließend verriegelte sie die Steintür wieder mit Magie und machte sich mit der brennenden Feuerkugel in einer und der Karte in der anderen Hand auf den Weg zurück nach Farthen Dûr.
Elyras Magen knurrte schon seit längerer Zeit sehr laut, da sie heute noch nichts zwischen die Zähne bekommen hatte. In dem Moment fiel ihr ihre beste Freundin wieder ein. Sie hatte in all der Aufregung total vergessen, dass sie mit Nasuada zum Essen verabredet war.
So wie ich sie kenne, hat sie in ganz Farthen Dûr eine Suchaktion starten lassen..., dachte sich das Mädchen seufzend und marschierte im zügigen Tempo los. Aber ich hoffe sehr, dass sie dies noch nicht getan hat. Was soll ich ihr und den anderen dann als Erklärung sagen? Ich kann ihnen doch unmöglich von dem Zimmer erzählen....
Elyra zerbrach sich den Kopf nach einer passenden Ausrede, während sie die Gänge schon fast entlang lief. An einer Kreuzung mehrerer Tunnel und niedriger Gänge, in denen nur Zwerge aufrecht gehen könnten, blieb sie stehen, blickte verwirrt auf die Karte und stellte fest, dass sie sich in der Eile verlaufen hatte.
Fluchend durchforstete sie ihr Gedächtnis und suchte nach einer Zauberformel, die ihr in dieser Situation hilfreich sein könnte, doch sie fand nichts. Seufzend ließ sie die Karte sinken, lehnte sich an eine der feuchten Tunnelwände und schloss die Augen, um Ruhe in ihr aufgewühltes Gemüt zu bringen. Im selben Moment fiel Elyra die Lösung ein: sie schickte das Feuer voraus, damit es ihr die Rotgemalte Route auf der Karte zeigen konnte.
Das Mädchen ließ den Feuerball zu Boden und formte daraus eine Art lange Schnur, die ihr ein Wegweiser sein sollte. Diesen Feuerfaden schickte sie die Rotgekennzeichnete Strecke entlang. Nun musste Elyra der Schnur einfach nur folgen – was auch erfolgreich endete. Sie gelangte nach einer Stunde in die große Halle Farthen Dûrs, wo sie dann schleunigst das Feuer verschwinden ließ, damit niemand ihr Geheimnis erfuhr.
Die Karte rollte sie sorgfältig zusammen und versteckte sie in einem ihrer Ärmel. Niemand sollte vorerst erfahren, was sie heute erlebt hatte; weder das mit den Zwillingen, noch das mit dem Zimmer und dem Ei. Elyra würde gut überlegen müssen, wem sie das alles erzählen könnte, denn es durfte nicht an falsche Ohren gelangen.
Da Nasuada wie erwartet nicht mehr in der großen Halle war, rannte das Mädchen zu Ajihad, in der Annahme der Vardenanführer wüsste wo seine Tochter sei. Doch den Weg hätte sie sich sparen können, denn Nasuada fing sie an einer Tunnelkreuzung ab.
„Mensch Elyra!“, begrüßte ihre Freundin sie aufgebracht. „Wo hast du die ganze Zeit gesteckt? Ich hab dich schon überall gesucht!“
Re: Elyra
Lee - 31.07.2008, 21:00
coole Idee mit dem Feuer, bin schon gespannt wies weiter geht :clap:
Re: Elyra
Moonfairy - 02.08.2008, 16:44
so, hier der nächste teil des kapitels
„Hallo. Es tut mir leid, ich war... ähm, beschäftigt.“, sagte Elyra und versuchte ein Lächeln zu Stande zu bringen, was aber kläglich misslang.
„Beschäftigt? Du hättest mir ja wenigstens sagen können, dass du später kommst!“
„Wie lang hast du denn warten müssen...?“, fragte die Magierin vorsichtig.
„Lange genug!“, schnaubte Nasuada, packte sie am Ärmel, (zum Glück nicht dort, wo die Karte versteckt war) und zog sie mit sich.
„Komm! Aus dem Mittagessen können wir jetzt ein Abendessen machen. Ich habe heute eh nichts mehr zu tun, ich hoffe, du auch nicht.“
„Eigentlich...“, setzte Elyra an, doch ihre Freundin unterbrach sie. „Nein, ich will nichts mehr hören! Jetzt nehmen wir uns Mal Zeit für uns und wir lassen uns durch nichts stören.“
„Okay...“, gab die Magierin auf und seufzte. Manchmal konnte sie sich einfach nicht durchsetzten. Sie folgte Nasuada in eine Gaststätte, in der es nicht so bestialisch stank wie in denen, die sie immer alleine aufsuchte, um darin etwas Essbares zu bekommen.
Mit ihrer Arbeit als Kampfausbilderin verdiente Elyra nicht sonderlich viel, konnte also auch nicht in solchen Luxus-Lokalen essen gehen.
Ajihad und seine Tochter mussten nichts für ihr Essen bezahlen, was Elyra ziemlich unfair fand. Auch wenn sie die beste Freundin von Nasuada war, bekam sie selten etwas spendiert oder umsonst, aber sie konnte nichts daran ändern. Selbst Jörmundur und Alice bezahlten nichts mehr für sie, seit dem Elyra in ihre eigene „Wohnung“ gezogen war.
Die beiden Mädchen ließen sich in eine Ecke etwas abseits nieder, um ungestört reden zu können und bestellten gleich etwas. Der Kellner verließ sie mit einem freundlichen: „Etwas Geduld bitte“, und kam nach einer Viertelstunde mit dem Menü wieder zurück. Dazu wurde ein köstlicher Wein gereicht und Elyra war rundum zufrieden.
„Ich wollte dich zum Essen einladen“, fing Nasuada an und nahm ihr Weinglas, „weil ich dich erstens, sehr selten eingeladen habe, obwohl ich doch eh alles umsonst krieg.“
Na super, jetzt muss sie mir das auch noch unter dir Nase reiben, dachte Elyra genervt, ließ sich aber nichts davon anmerken und lächelte nur geschauspielert. „Und zweitens“, fuhr ihre Freundin fort, „wollte ich dir zu deinem neuen Posten gratulieren und es mit dir feiern.“ Nasuada hob ihr Glas und wollte mit Elyra anstoßen.
„Du hast es erfahren?“, fragte Elyra und hob ebenfalls ihr Weinglas. Eigentlich hätte sie sich diese Frage sparen können, weil sie wusste, dass Nasuada früher oder später alles wusste – meistens früher.
„Ich wollte es dir noch erzählen!“, fügte die Magierin noch schnell hinzu. „Aber ich bin nicht dazu gekommen.“
„Schon in Ordnung. Mittlerweile weiß es ganz Farthen Dûr.“, grinste Nasuada, stieß ihr Glas gegen Elyras, sodass ein heller Ton erzeugt wurde und trank anschließend einen Schluck. Die Magierin runzelte die Stirn und trank ebenfalls.
„Einpaar Leute konnten halt einfach nicht ihren Mund halten.“, murmelte Nasuada und fing an zu Essen.
Ich kann mir vorstellen, dass du da ganz sicher auch dazu gehörst..., dachte Elyra und tat es ihr nach. Ihre Freundin war wirklich jemand, der niemals still sein konnte. Immer musste sie überall dabei sein und alles sofort wissen.
„Wusstest du, dass du bislang die jüngste Heerführerin in der ganzen Geschichte bist? Heerführerin sag ich absichtlich, weil es nur wenige Frauen bisher gab, die mit in den Krieg gezogen sind. Noch dazu, dass sie ein ganzes Heer geführt haben!“
Ja, ja..., dachte Elyra und musste sich einen gelangweilten Seufzer unterdrücken. Manchmal war ihre Freundin unmöglich. Sie redete ständig – nur damit irgendwas aus ihrem Mund heraus kam. Und oft war dies ziemlich nervig.
Weil Elyra aber eine gute Freundin war, nahm sie dies oft in Kauf. Denn Nasuada redete zwar ständig, dafür konnte sie aber Geheimnisse, die Elyra ihr anvertraute, unerwartet gut für sich behalten. So entschloss sich die Magierin, ihrer Freundin von dem zu erzählen, was ihr heute passiert war. Jedoch verließen sie dafür das Lokal, nachdem sie fertig gegessen hatten.
Die zwei gingen gemeinsam in Elyras Zimmer und verriegelten die Tür. Damit sie niemand belauschen konnte, sprach Elyra noch einen Zauber. Anschließend machten sich die Mädchen auf dem Bett gemütlich und die Magierin fing an zu erzählen.
„Bevor ich dir aber alles sage, möchte ich, dass du mir versprichst, dass du dies vorerst niemandem erzählst. Ich werd mir ganz genau überlegen müssen, wer es erfahren darf und wer nicht...“
„Ehrenwort“, sagte Nasuada gleich. Elyra musste nicht in ihre Gedanken überprüfen – sie wusste, dass ihre Freundin es ernst meinte.
„Nun, gut. Dann mach es dir bequem, es wird etwas länger dauern. Und unterbrich mich wenn möglich nicht.“
Nasuada nickte und Elyra überlegte, wie sie am besten anfangen konnte. Sie schwieg einige Momente lang, holte tief Luft und erzählte dann ihren ganzen heutigen Tagesablauf und was sie bei all den Situationen gedacht und gefühlt hatte. Das Mädchen ließ nichts aus, erzählte sogar von dem seltsamen Traum und dem wertvollen Fund in dem voll gestopften Zimmer.
Nasuada unterbrach ihre Freundin kein einziges Mal, hörte nur gespannte und gleichzeitig entsetzt zu, wie eines dieser kleinen Kinder, die gebannt einem Märchen lauschten. Nur das dieses hier keinesfalls ein Märchen war.
Als Elyra geendet hatte, sagte keine von den beiden mehr was. Nasuada sah ihre beste Freundin so geschockt an, als hätte diese sie geschlagen. Sie saß wie gelähmt auf dem Bett, bewegte sich keinen Zentimeter und brachte kein einziges Wort heraus.
Elyra dachte schon, sie würde sich gar nicht mehr rühren, doch dann regte sie sich aus ihrer Starre und seufzte erst mal laut auf.
„Das... also das ist.... Ich weiß wirklich nicht was ich sagen soll. Ich meine...“ Nasuada blickte die Magierin an und fing an zu lachen. „Es ist einfach so unglaublich, dass es noch ein Drachenei gibt... und dann das was die Zwillinge dir angetan haben. Ich habe gewusst, dass sie grausam sind, jedoch konnte ich mir niemals ausmalen, dass sie zu so etwas im Stande sind.“
„Ja, ich ehrlich gesagt auch nicht.“
„Wir müssen es meinem Vater sagen! Diese Monster dürfen nicht ungestraft davon kommen!“
„Sie werden schon noch zur Rechenschaft gezogen. Aber ich denke, dies wird erst nach der Schlacht geschehen. Erst dann wird Ajihad für mich Zeit finden können.“
„Ich weiß...“, murmelte Nasuada. „Und dann das mit deinen neuen Fähigkeiten... Kannst du sie mir vielleicht mal zeigen?“
Elyra lächelte. „Natürlich!“
Sie stellte sich wieder vor, ein Tiger zu sein und schon wurden ihre Gedanken Wirklichkeit. Sie schrumpfte wieder ein kleinwenig und bekam erneut den angenehm warmen Pelz am ganzen Körper zu spüren. Dann zischte es laut und das Feuer an ihr erleuchtete in seinen Farben das ganze Zimmer.
Nasuada war sprachlos. Sie musterte ihre Freundin mit begeistertem Glanz in den Augen und konnte kein einziges Wort sagen. Elyra lächelte sie an und in dem Tierkörper sah dies so aus, als würde sie wütend die Zähne fletschen.
„Was ist denn los...?“, fragte Nasuada besorgt und Elyra musste lachen, was als seltsames Glucksen aus ihrer Kehle kam.
Nichts, ich lache nur!, schickte Elyra ihrer Freundin einen Gedanken und diese prustete los.
„Da musst du aber aufpassen, was du machst, denn so versteht dich jeder falsch!“
Ich weiß, gab Elyra zurück und verwandelte sich wieder in einen Menschen; das Feuer ließ sie auch erlöschen.
„Aber ich überlege, ob ich überhaupt jemandem davon erzählen soll...“
„Natürlich musst du das! Mit diesen Fähigkeiten würde es ein Leichtes sein, Schlachten gegen das Imperium zu gewinnen! Und wenn du den Varden nicht zeigst, dass du es bist, werden sie dich als Feind ansehen.“
„Ja, du könntest Recht haben. Aber es wäre auch gefährlich es jedem zu zeigen.“
„Nein, das denke ich nicht.“, gab Nasuada zurück und runzelte die Stirn. „Es wäre besser du tust es, glaub mir!“
Die Magierin nickte und seufzte leise. Eine lange Pause entstand zwischen den beiden Freundinnen und jede von ihnen ging ihren eigenen Gedanken nach. Elyra sah zu Nasuada hinüber und fragte sich, was sie wohl in dem Moment dachte. Da sie aber genug Anstand hatte nicht in ihre Gedanken zu sehen, fragte sie ihre Freundin einfach danach: „Was denkst du über das, was ich dir erzählt habe? Glaubst du mir?“
Nasuada blickte zu ihr auf und lächelte zaghaft. „Nun ja... ich will dich nicht beleidigen oder so. Und ich bezweifle auch nicht, dass du mir die Wahrheit erzählt hast. Schließlich habe ich das mit deiner Verwandlung ja gesehen und es hat mich überzeugt. Aber... ich denke, ich kann dir das mit dem Ei nicht so ganz abkaufen. Tut mir leid. Ich meine...“ Sie machte eine Pause, musste sich die Wörter erst zurechtlegen, um ihre beste Freundin nicht zu kränken und sprach anschließend weiter: „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, woher dieses Ei gekommen ist, und dass es vor unserer Nase versteckt wurde. Wer hat so etwas beabsichtigt? Vielleicht sollte es nämlich gar nicht gefunden werden...?“
Elyra sah sie mit undurchschaubarer Mine an und schwieg. Dasselbe habe ich mir auch gedacht.... Aber ich denke es war das Schicksal, das mich zu dem Drachenei geführt hatte. Es musste so geschehen. Und vielleicht glaubt sie mir, wenn sie das Ei direkt vor sich hat; wenn sie es sehen und anfassen kann...
Die Magierin schlug dies ihrer Freundin vor und diese runzelte skeptisch die Stirn. „Meinst du wirklich, wir sollen den langen Weg dahin gehen, nur damit ich das Ei begutachten kann?“
„Nicht nur das Ei, das ganze Zimmer! Ich bin mir sicher, dass du mir dann glauben wirst.“
Doch Nasuada zierte sich. Elyra glaubte zu wissen, ihre Freundin wollte ihr absichtlich nicht glauben.
„Na gut“, sagte sie dann. „Wenn du nicht willst, dann kann ich das Ei auch mit Magie herholen.“
Erneut zog Nasuada die Stirn kraus. „Ich glaube nicht, dass dies eine so gute Idee ist. Du hast mir doch beschrieben, wie schwierig es ist und dass außerdem der Weg viel zu weit ist, dass du so was würdest schaffen können.“
Wann habe ich denn so was gesagt?, fragte sich die Magierin verärgert, ließ es sich aber nicht anmerken.
„So schwierig ist das nun auch wieder nicht.“, sagte Elyra. „Und seit dem ich den Zauber gesprochen habe, um den Zwillingen zu entkommen, bin ich noch stärker geworden. Also wird das hier für mich ein Kinderspiel.“
„Meinst du wirklich? Also ich vertraue dir schon an, dass du mächtig bist, aber... Also ich zweifle auch nicht an der Magie. Es ist nur, dass ich Angst um dich habe. Angst, dass etwas schief gehen könnte...“
Ach echt? Seit wann das denn?
„Nein, das brauchst du nicht. Mir wird schon nichts passieren. Ich kenne meine Grenzen und ich werde mich nicht überanstrengen, wirklich nicht.“
„Ja, das haben alle gesagt, und sind dann umgekommen.“, meinte Nasuada verärgert. Elyra überraschte die Schärfe in ihrer Stimme.
„Aber nein, das stimmt doch gar nicht!“, versuchte sie ihre Freundin wieder zu beruhigen. „Und was meinst du denn mit alle? Hier bei den Varden war nur ein einziger Fall, bei dem sich ein Magier durch Selbstüberschätzung umgebracht hatte. Na gut, bei den Drachenreiter sind es schon einpaar mehr gewesen...“
Ihre Freundin schnaubte verächtlich, was die Magierin nur noch mehr verwunderte.
Was ist nur mit ihr los? Ist es nun das Ei, oder die Magie, oder beides...?
„Ja, ich rede ja auch nicht von den Varden oder von den... Drachenreitern.“
Nasuada sprach das Wort so gehässig aus, dass Elyra zusammenzuckte. Das Mädchen verstand nicht, was ihre Freundin an ihnen nicht mochte. Schließlich waren nicht alle so wie Galbatorix oder Morzan oder die anderen Abtrünnigen gewesen. Es gab auch gute. Nasuada seufzte leise und die Magierin bemerkte, dass ihre Augen feucht wurden.
„Ich rede nicht von den andern, ich rede von meiner Mutter.“, vollendete ihre Freundin den Satz.
Re: Elyra
Lee - 17.08.2008, 19:35
gute idee
bis jetz war ja nur kla das Nasuada mit ihrem Vater alleinkam aba von der mutter wusste man gar nix.... mir gefällt die Theorie
mach weiter :clap:
Re: Elyra
Moonfairy - 19.08.2008, 19:26
dankeschön ^^
so, hier das nächste kap (mal ein kürzeres^^)
6. Kapitel: Überfall
Ein junger Mann stand am Fuße eines Berges, das Teil eines riesigen Gebirges war. Seine dunklen Augen blickten besorgt zum Himmel empor. Anhand der Sonne konnte er feststellen, dass ihm noch etwa zwei Stunden bis zur Abenddämmerung übrig blieben. Er überlegte, ob es klug wäre, den Ritt durch das Gebirge am heutigen Tage noch zu wagen, oder ob es nicht besser wäre, ein Nachtlager für sich und sein Tier zu suchen. Hinter ihm schnaubte sein Pferd, ein prachtvoller Schimmel, und stieß seine Nase dem Mann leicht in den Rücken, als wollte es sagen: Los, reiten wir weiter!
Der junge Reiter klopfte dem Hengst freundlich den Hals und ging zu seinem Rucksack, den er an einem Baum gelehnt hatte, zusammen mit seinen Waffen; ein kunstvoll verzierter Bogen samt Köcher und ein seltsam geschwungenes Einhand-Schwert in einer schwarzen Scheide, in der ein saphirblaues Muster eingraviert war. Dasselbe Muster, ein sich windender und schlängelnder blauer Drache, überzog auch die blanke Klinge des gesamten Schwertes, was diesem ein kostbares Antlitz verlieh. Der Mann holte seinen Wasserschlauch hervor, trank einpaar Schlucke und stieg dann den steilen Hang zu einem Fluss hinunter, der fröhlich über große Steine plätscherte. Sie sahen aus wie kleine Treppen, flach und glatt, sodass man sich fragte, ob dieses Werk wirklich der Natur entsprungen war.
Der Reiter füllte seinen Schlauch voll mit Wasser, schraubte den Verschluss an und kletterte wieder zu seinem Pferd hoch. Anschließend packte der Mann seinen Rucksack, sattelte den Hengst, nahm seine Waffen und stieg auf. Wenn er sich beeilte, konnte er noch ein gutes Stück zurücklegen, bis die Dunkelheit die Welt endgültig mit ihren schwarzen Schwingen einhüllte. Der junge Mann gab seinem Pferd ein unsichtbares Zeichen und dieses sprintete los.
Sie ritten flussaufwärts nach Osten, da der Ursprungsort des Flusses ihr Ziel war. Jedoch blieb sein Pferd nach wenigen Minuten wieder stehen und wollte nicht mehr weiter gehen. Der Hengst scheute ängstlich, als witterte er Gefahr. Der Reiter beruhigte sein Tier und versuchte angestrengt etwas wahrzunehmen, doch das laute Geplätscher des Flusses und der Wind, der durch die paar Bäume am Uferrand fuhr, übertönte alles und es war schwer, die leiseren Geräusche herauszufiltern. Plötzlich knackte ein Ast und im nahen Gebüsch raschelte es bedrohlich. Der Mann drehte sich im Sattel, um über seine rechte Schulter nach hinten zu blicken, als er im selben Moment eine Bewegung zu seiner Linken vernahm. Sein Pferd wieherte laut und bäumte sich auf, dann stürmte es blindlings los und hätte seinen Reiter beinahe abgeworfen. Der Mann konnte sich gerade noch im Sattel halten, balancierte sein Gleichgewicht aus und versuchte den verängstigten Hengst wieder in den Griff zu bekommen, in dem er die Zügel stramm hielt. Für einen Moment schien es, als würde das Pferd erneut durchgehen, doch schließlich gelang es dem Reiter wieder Oberhand zu gewinnen. Schnell zog der junge Mann sein Schwert und lauschte erneut. Sein Blick hastete von Baum zu Baum, auf einen erneuten Angriff gefasst. Er wusste nicht, wer oder was ihn überrascht hatte, dennoch war er überzeugt davon, dass es kein Tier gewesen war; und dass es zurück kehren würde.
Auf einmal ertönte hinter dem Reiter ein Jagdhorn.
„Urgals!“, zischte dieser verhasst, als er das Geräusch erkannte und stieß seinem Pferd die Fersen in die Flanken. Der Mann trieb den Hengst in vollem Galopp den Fluss entlang, um seinen Feinden zu entkommen. Erneut wurde ein Horn geblasen, diesmal war es viel näher; zu seiner rechten – und dann tauchten sie auf. Es war eine ganze Horde; sie kamen von überall: von hinten, von rechts und von links. Nur ein Fluchtweg blieb dem Reiter und seinem Hengst noch. Sie preschten weiter geradeaus, doch die Urgals holten schnell auf. Es waren monströse, menschenähnliche Gestalten, mit muskelbepackten Armen und einem Hörnerpaar auf dem Kopf. Sie waren schneller und kräftiger als Menschen und sie gehörten zum König des Imperiums. Sie waren des Herrschers brutale Kriegsmaschinen, da die Urgals zum Töten geboren waren; sie liebten den Krieg.
Pfeile flogen dem Reiter um die Ohren und trafen seinen Hengst schließlich an Beine und Bauch, sodass das Tier stürzte. Der Mann sprang von dem Pferd und fing den Sturz mit einer kurzen Rolle ab. Er stand sofort wieder auf den Beinen und merkte, dass dem Hengst nicht mehr zu helfen war. Dann hob er sein Schwert, stellte sich in Kampfposition und wartete die herannahenden Urgals ab. Diese hatten in zwischen den Pfeilhagel unterbrochen und stürmten nun mit erhobenen Waffen und ohrenbetäubenden Kampfgebrüll auf den Mann zu. Im nächsten Augenblick prallten die Waffen aufeinander.
Der Mann stieß einem sein Schwert in die Brust, schwenkte seine Waffe und enthauptete sogleich den nächsten. Doch gegen so viele Gegner, die alle auf einmal mit ihren Waffen auf in eindroschen, konnte der Kämpfer nicht viel ausrichten. Er wurde schnell umzingelt und die Bestien verwundeten ihn stark. Seine Kleidung war schon an vielen Stellen zerfetzt und er war am ganzen Körper blutverschmiert. Schließlich drohten die Urgals den Mann umzubringen, als der Kämpfer seine letzte Kraft sammelte und einen Spruch laut ausrief. Im selben Moment ging ein gleißendes Licht von ihm aus, sodass die Urgals geblendet zurück wichen, und ein Donnergroll erschütterte das Tal.
Als das Spektakel vorüber war, lagen diejenigen Urgals, die dem Kämpfer am nähesten waren, tot am Boden; und der Mann selbst war verschwunden.
Re: Elyra
Lee - 19.08.2008, 20:19
Bin ja ma gespannt wer des ist, wenn man ihn aus eragon kennt und sonst bin ich auch gespannt welche rolle er in der weiteren geschichte noch spielt
mach weiter :clap: :clap:
Re: Elyra
Aron - 20.08.2008, 08:50
So jetzt habe ich mich auch mal an deine Geschichte hemacht und muss sagen du schreibst das echt gut, vorallem Details beschriebst du gut. Mach weiter so ;) :)
Re: Elyra
Lee - 20.08.2008, 20:08
guck bin doch net die einzige :D
aba jetz weiter :clap: :yes:
Re: Elyra
Moonfairy - 20.08.2008, 22:03
jaa, genau ^^
danke für dein kommentar, aron =)
und natürlich auch für deines, lee ;)
so, jetzt kommt das nächste kapitel, es ist ein bisschen länger, da ich nicht weiß, wann ich das nächste reinstellen kann
ich wünsch euch viel spaß beim lesen ^^
7. Kapitel: Überraschender Besuch
Erschrocken blickte Elyra Nasuada an. Ihre Mutter? Was ist mit ihr passiert?
Weder Ajihad noch seine Tochter hatten jemals ein Wort über Nasuadas Mutter verloren. Das war das einzige, was sie vor Elyra verbargen und worüber die drei niemals sprachen.
„Aber... was war denn mit deiner Mutter...?“, fragte Elyra vorsichtig. Sie wollte ihrer Freundin keines Falls zu nahe treten, das wusste Nasuada. Diese schwieg dennoch einige Momente, starrte nur die Wände an und sagte nichts. Elyra sah sie mitleidig an.
„Wenn du es mir nicht erzählen willst, dann...“ – „Schon gut.“, unterbrach Nasuada sie und seufzte leise. „Ich will es dir erzählen. Und ich hoffe dass du daraus eine Lehrer ziehen kannst.“
Nasuada blickte ihre Freundin so bedrückt an, dass Elyra ihr tröstend eine Hand auf die Schulter legte, was dem Mädchen ein dankbares Lächeln entlockte. Dann atmete sie tief durch und sagte: „Meine Mutter war auch eine Magierin gewesen, eine sehr mächtige. Es war vor so langer Zeit, als ich noch ganz klein war. Unser Land wurde angegriffen. Meine Mutter wollte mich beschützen. Es waren aber so viele und es wurden immer mehr.
Wir hätten keine Überlebenschance gehabt, hätte meine Mutter nicht ein magisches Schutzschild über uns aufgebaut. Sie besaß jedoch nicht genügend Kraft um das Schutzschild über drei Menschen aufrecht halten zu können und schloss sich dabei aus. Als sie wieder weg waren, hatten sie unsere Stadt in Schutt und Asche gelegt und alle Bewohner umgebracht – nur mich und mein Vater nicht. Wir waren einige wenige der Überlebenden des ganzen Landes! Und meine Mutter war mit unter den Toten. Jedoch starb sie nicht an denjenigen, welche die anderen umgebracht hatten. Sie starb an der Magie, weil sie uns damit beschützen wollte...“
Entsetzen, Trauer und Mitgefühl kamen in Elyra auf und sie wusste nicht so recht, was sie sagen sollte.
„Das tut mir so Leid...“, flüsterte sie schließlich und umarmte ihre Freundin aufmunternd. „Aber sag mir, wer waren `Sie´?“
Nasuada schluckte und blickte sie direkt mit ihren Haselnussfarbenen Augen an. Tränen liefen über ihr hübsches Gesicht und verschmierten ihre Schminke.
„Es waren Gestalten, die es hier in Alagaësia nicht gibt, oder zumindest wurden sie hier noch nicht gesichtet. Es waren finstere Dämonen, die keinen Namen hatten. Wir nannten sie immer nur `die Schrecklichen´. Es waren keine Menschen und auch keine uns sonst bekannte Spezies. Man könnte fast sagen, es waren böse Geister. Sie töteten alles und jeden was ihnen in den Weg kam. Waffen nützten einem nicht, wenn man ihnen begegnete. Man konnte sie nur mit Magie aufhalten. Deshalb sind auch so viele umgekommen. Meine Mutter war eine der wenigen in unserem Land, die Magie beherrscht hatte. Aber durch ihren Leichtsinn starb sie mit den anderen...“
„Nein, sag so etwas nicht.“, entgegnete Elyra. „Sie wollte doch dich und deinen Vater beschützen. Alles andere war für sie unwichtig. Sie wollte nur, dass ihr beide diesen Angriff überlebt. Glaub mir!“
Die Magierin blickte zu Boden und sagte etwas leiser: „Bei mir und meinen Eltern war es doch sicher genauso. So was tun Eltern. Sie wollen doch nur das Beste für einen.“
„Wie meinst du das?“, fragte Nasuada. „Das mit deinen Eltern...?“
Nach kurzem Überlegen sah Elyra wieder hoch und antwortete: „Na, Ajihad hat doch erzählt, dass meine Eltern mich mit Magie hierher nach Farthen Dûr teleportiert hatten, weil sie wussten, dass ich hier aufgenommen werde und dass ich hier sicher bin. Bestimmt haben sie aus dem gleichen Grund gehandelt, wie deine Mutter. Wahrscheinlich war ich in Gefahr, wir alle, und sie haben das einzig Richtige getan. Auch, wenn es für mich heißt, dass ich nun ein Leben ohne sie führen muss...“
Ihre Freundin nickte. „Manche Entscheidungen können das ganze Leben durcheinander bringen und manche, können sogar das ganze Leben eines Anderen entscheiden...“
„Ja, es ist schlimm, dass wir so etwas beeinflussen können, aber es ist auch gut so. Denk doch mal, hätten unsere Eltern nicht so gehandelt, dann hätten wir uns zum Beispiel gar nicht kennen gelernt.“
Ein kleines Lächeln huschte auf Nasuadas Lippen. „Du hast ja Recht.“ Und sie fiel Elyra in die Arme. Diese seufzte leise, froh darüber, dass ihre Freundin verstanden hatte, was sie ihr klarmachen wollte.
„Also...“, fragte Elyra und löste die Umarmung. „Soll ich das Ei nun herholen, oder lieber doch nicht?“
Nasuada lachte, zu ihrer Freude.
„Tu, was du nicht lassen kannst.“, sagte sie und die Magierin blickte sie dankbar an. Dann suchte Elyra die passenden Worte, konzentrierte sich und ging sie in Gedanken durch, ohne dabei nur einen Laut von sich zu geben. Augenblicklich tauchte auch schon das silberne Drachenei auf. Zunächst sah es nur wie ein vernebeltes Spiegelbild aus, doch je länger sie die Magie aufrecht hielt, desto klarer wurde das Bild und schließlich landete das Ei sanft in Elyras Händen. Diese konnte es gerade noch festhalten, sonst wäre es auf den Boden gefallen. Ehrfürchtig legte das Mädchen das silberne, ovale Ding, das nicht gerade leicht war, neben sich auf die Bettdecke. Nasuada blickte abwechselnd ihre Freundin und das Ei ungläubig an und schluckte.
„Wow!“, flüsterte sie. „Du hast es geschafft!“
Sie streckte die Hand aus, zögerte und strich mit den Fingern über die glatte Oberfläche. Dann klopfte sie leicht auf das Ei, sodass ein heller Ton erklang und die Mädchen sich angrinsten.
„Und was machen wir jetzt damit?“, fragte Nasuada. „Wirst du es allen zeigen?“
Die Magierin zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht.“
„Ich denke, es wäre das beste.“, entgegnete ihre Freundin. „Denn, wenn zwei Eier im Umlauf sind, dann könnte viel schneller ein neuer Drachenreiter gefunden werden.“
Elyra nickte, sagte aber nichts dazu. Was sie nicht aussprach, waren die absurden und egoistischen Gedanken, das Ei selbst behalten zu wollen. Doch sie war erwachsen genug, diesem Gedanken nicht Beachtung zu schenken und ihn abzuwenden. Das Mädchen wusste, dass sie nicht so handeln durfte, da es falsch war und anderen Schaden zufügen könnte.
Als es plötzlich an der Tür klopfte, fuhren die beiden erschrocken hoch.
„Verdammt, was machen wir jetzt?“, fragte Nasuada flüsternd. Ohne lang zu überlegen, sprang Elyra auf den Boden, nahm das Ei und schob es tief unter ihr Bett. Nasuada hatte verstanden. Sie war schon an der Tür, als es noch einmal klopfte. Auf ein Zeichen von Elyra, drückte ihre Freundin die Klinke hinunter. Vor den Mädchen stand ein kleiner, magerer Junge mit blassem Gesicht.
„Jarsha!“, begrüßte Nasuada ihn. „Was gibts denn?“
Der Junge verbeugte sich rasch und sagte: „Herrin Nasuada, Euer Vater hat mich geschickt. Ihr und Herrin Elyra sollt umgehend zu ihm in die Eingangshalle kommen. Es ist sehr dringend!“
„Was ist denn los?“, fragte Elyra ihn und kam auf den Jungen zu.
„Ich weiß nur so viel, dass wir Besuch bekommen haben!“, entgegnete dieser verlegen.
„Besuch? Von wem?“, fragte Nasuada hellhörig.
„Es tut mir leid, Herrin, aber mehr weiß ich nicht. Ihr und Euere Freundin müsst Euch selbst ein Urteil bilden.“
„Ist gut. Danke, Jarsha. Du darfst gehen.“
Der Junge verneigte sich noch einmal tief und verschwand dann im nächsten Tunnel. Die Mädchen sahen sich verwundert an.
„Wer kann das bloß sein?“, fragte Nasuada, als sie von Elyra aus dem Zimmer geschoben wurde.
„Ich hab keine Ahnung.“, entgegnete die Magierin. „Aber gleich werden wir es herausfinden.“
Sie verschloss die Tür mit Magie, damit keiner das wertvolle Drachenei finden könnte, anschließend machten sich die zwei Mädchen auf den Weg zu Ajihad.
In der Halle standen viele schaulustige Varden und Zwerge im Kreis um den Anführer, den Zwillingen, den Ratsmitgliedern und dem am Boden liegenden und scheinbar schwer verletzten Besucher. Ein jeder starrte auf den Verwundeten, der wie tot schien, weil er sich nicht bewegte. Er war in einem dunklen Mantel gehüllt, der viele Rissstellen aufwies; eine Kapuze war tief in sein Gesicht gezogen, sodass man nicht einmal sah, ob der Fremde ein Mann oder eine Frau war.
Die beiden Freundinnen schlängelten sich durch die Menge und blieben vor Ajihad und Jörmundur stehen.
„Ah, das seid ihr ja.“, begrüßte sie Jörmundur. Ajihad nickte ihnen nur zu.
„Wer ist das?“, fragte Nasuada neugierig und deutete auf den Verletzten. „Wir wissen es noch nicht. Er lässt uns nicht an sich heran. Jedes Mal, wenn sich einer unserer Leute nähert, flackert ein Feuerring um ihn auf. Es ist eine Art magisches Schutzschild. Die Zwillinge versuchen gerade in seinen Geist einzudringen, doch er ist stark, trotz seiner Wunden.“, antwortete Ajihad.
„Meinst du, er ist ein Spion des Imperiums?“, fragte Nasuada.
„Wir werden es wissen, wenn er aufgegeben hat.“, entgegnete Jörmundur. Neugierig ging Elyra auf den Fremden zu und tastete mit ihrem Geist nach ihm. Sie musste nicht lang suchen, sondern fand sofort ein Bewusstsein mit einer starken Schutzmauer um sich. Zugleich spürte das Mädchen die Zwillinge, die vergeblich diese Mauer zum Sturz bringen wollten. Als die Brüder Elyra erblickten und gleichzeitig ihren Geist spürten, der nun viel mächtiger war, als bei ihrer letzten Begegnung, wichen sie sofort zurück und hörten zu Elyras Verwunderung sogar ganz auf, den Fremden untersuchen zu wollen. Die Magierin vermutete, wegen dem großen Respekt, den die Zwillinge ihr gegenüber nun hatten, dass die beiden wussten, welchen Zauber sie angewandt hatte, um ihnen zu entkommen.
Elyra gefiel dies, wollte sich aber später um die Zwillinge kümmern. Vorerst interessierten sie der fremde Mann, wie sie erkannt hatte, und dessen starke Widerstandskraft. Im Gegensatz zu den Zwillingen, versuchte Elyra mit sanften Worten, Bildern und Gefühlen den Geist des Fremden zu öffnen – und tatsächlich gelang es ihr.
Der Mann zeigte ebenso wie die Zwillinge großen Respekt vor der Magierin; offenbar war Elyra mächtiger, als sie sich eingeschätzt hatte.
Im selben Moment, in dem sie der Fremde in seinen Geist ließ, wusste das Mädchen, wer er war. Sein Geist kam ihr so bekannt vor wie ihr eigener, weil sie sich früher schon oft so verständigt hatten.
Farid...!, rief Elyra erstaunt auf, aber so, dass nur er ihre Worte in seinem Geist verstehen konnte.
Elyra...?, fragte er fassungslos. Bist du es wirklich? Ich habe dich gar nicht erkannt. Du bist so mächtig geworden.... Wie ist das geschehen...?
Später, entgegnete die Magierin. Erst einmal musst du mir sagen, was dir zugestoßen ist. Du bist stark verwundet. Was ist passiert?
Er überlegte lange, dann schickte er dem Mädchen eine Reihe von Bildern, auf denen zu sehen war, wie er von einer Horde Urgals angegriffen wurde.
Wo sind die Urgals jetzt?
Ich weiß es nicht, antwortete der Mann schwach. Ich bin ja nicht auf normalem Wege hierher gekommen. Ich habe mich hierher teleportiert. Das hat mich zu den Wunden auch noch geschwächt. Und von den Zwillingen will ich gar nicht erst reden...
Wir werden dich erstmal in den Krankenflügel bringen und dann werden wir alles Weitere besprechen, denn unsere Unterhaltung schwächt dich sonst noch mehr, versicherte Elyra ihm.
Er willigte ein und Elyra löste die geistliche Verbindung.
Nasuada, die ihre Freundin beobachtet hatte und der aufgefallen war, dass diese sich mit dem Verwundeten unterhalten hatte, fragte: „Und? Ist er ein Spion?“
Elyra schüttelte den Kopf und verkündete laut, für jeden hörbar: „Dieser fremde Gast ist keines Wegs ein Spion! Ich habe seinen Geist überprüft und festgestellt, dass er Farid, unser Elfenfreund ist. Er wurde von Urgals angegriffen und sie waren ihm zahlenmäßig weit überlegen. Er konnte sich nur durch Teleportation retten.“
Lautes Gemurmel brach aus. Die Magierin konnte einpaar Fetzen der Gespräche hier und da vernehmen und musste sich ein Schmunzeln verkneifen, als sie feststellte, wie verwundert die Leute waren, dass sie, und nicht die Zwillinge, dies raus gefunden hatte.
Nun sagte die Magierin an Ajihad gewandt: „Wir müssen ihn unbedingt in den Krankenflügel bringen, er ist sehr geschwächt.“
Dieser nickte und heuerte gleich zwei Männer an, die Farid auf die Krankenstation bringen sollten. Die Männer gingen auf Farid zu, doch im selben Moment schoss auch schon der Feuerring wieder hoch.
„Ich hatte gedacht, der Fremde wäre kein Feind, sondern unser Freund?! Wieso lässt er unsere Männer dann trotzdem nicht an sich heran? Erklärt mir das bitte, werte Elyra!“, spottete einer der Zwillinge sogleich und die Angesprochene blickte sich um. Die Brüder musterten sie verächtlich, als wäre Elyra eine Verräterin, trotzdem war die Vorsicht und die Angst in ihren Augen nicht zu übersehen.
„Er ist sehr wohl ein Freund!“, schnappte sie bissig zurück, zügelte sich aber darauf sofort. Sie musste freundlich bleiben, auch wenn es der Magierin schwer fiel. Was war sie denn sonst für ein Vorbild?
„Gut, dann beweist uns das!“, mischte sich der andere Zwilling nun auch noch ein. Das Mädchen unterdrückte eine biestige Erwiderung und ging auf den Feuerring zu.
Soll ich Farid bitten, sein Schutzschild abzulegen, oder soll ich das Feuer unter meine Kontrolle bringen?, fragte sie sich. Aber wenn ich mit Farid wieder wie bis her Kontakt aufnehme, wird das seinen jetzigen Zustand verschlimmern. Ich möchte ihn nicht noch mehr schwächen...!
Also entschloss sich Elyra für letzteres. Sie ging so nahe wie möglich an den Feuerring heran, sammelte all ihre Kraft und konzentrierte sich auf die Flammen, bis sie selbst ein Teil von ihnen wurde. Mit einem Mal leckte wieder das Feuer an ihrem Körper und die Magierin spürte eine unermessliche Macht, die sie einzusetzen wagte. Von den Leuten ringsherum hörte sie erstaunte und zugleich entsetzte Ausrufe und selbst Ajihad und Jörmundur waren von diesem Ereignis sprachlos begeistert.
Mit leisen, sanften Worten redete Elyra auf das Feuer ein, das Farid beschützen sollte. Doch zunächst wollte es ihr nicht gehorchen. Es stieg sogar höher und wurde größer, sodass die Magierin ihre Taktik ändern musste. Sie sprach die Wörter, mit denen sie die Flammen zu ihr locken wollte, schärfer und kürzer, und brachte mehr Forderung, statt Bitte, in ihre Worte ein.
Diesmal gehorchten die Flammen sofort und sanken herab, bis sie nur noch den Boden bedeckten. Dann krochen sie langsam auf Elyra zu und mit einem Wort verloschen sie sofort gleichzeitig mit denen an ihrem Körper. Zurück blieb nur noch der schwarze Ruß am Boden und an den Händen des Mädchens, den sie leise fluchend abklopfte.
Das Feuer war stark und widerspenstig gewesen. Daraus schloss die Magierin, dass sie mehr Übung bräuchte, sonst würde sie das Feuer das nächste Mal, bei einem größeren Hindernis, nicht mehr bändigen können.
Die Menge der Varden und Zwerge, die zugesehen hatten, waren überrascht von diesem Schauspiel und wieder vernahm das Mädchen leise Vorwürfe gegenüber den Zwillingen. Diese tobten vor Wut, denn scheinbar hatten sie Elyra das nicht zugetraut. Ohne auf die anderen Anwesenden zu achten, ging Elyra auf Farid zu und kniete sich neben ihn. Er war immer noch bewusstlos, aber es ging ihm, zur Erleichterung der Magierin, soweit gut.
Dann winkte das Mädchen die Männer her, die Ajihad beauftragt hatte, Farid auf die Krankenstation zu bringen. Sie kamen mit einer tragbaren Liege aus grob gewebten Leinen und hievten den Elfen vorsichtig darauf. Anschließend trugen sie ihn aus der Eingangshalle hinaus. Ajihad, seine Tochter, der Ältestenrat und Elyra folgten ihnen, nachdem der Vardenanführer die Volksversammlung aufgelöst hatte.
Es ging durch schlecht beleuchtete Tunnel und lange Korridore, bis sie endlich an einer Tür aus massivem Holz ankamen, vor der zwei Wachen standen. Die beiden jungen Männer ließen die Gruppe passieren, ohne ein Wort von sich zu geben.
In dem großen Raum hinter der Tür, befanden sich kleine Kabinen, in denen Kranke sich ungestört auskurieren konnten. Die Männer legten den bewusstlosen Elfen in eine der Kabinen auf einem Bett mit sauberen weißen Laken und sofort eilte Margarete, die Leiterin der Krankenstation, herbei, um Farid zu versorgen. Vorerst schickte sie alle Personen, außer Elyra und eine zweite Magierin der Du Vrangr Gata, Lydia, die in der Heilkunst spezialisiert war, hinaus. Dann wusch Margarete Farid die Wunden mit warmem Wasser aus. Anschließend sollten die beiden Magierinnen den Elfen heilen. Als sie fertig waren, ging es Farid schon deutlich besser, dennoch war er noch nicht bei Bewusstsein. Also verließen Lydia und Margarete die Kabine, mit der Äußerung sie sofort zu rufen, wenn etwas sei. Elyra blieb alleine zurück, saß auf einem Hocker an Farids Bett und wachte über ihn.
Eine geschlagene Stunde verbrachte sie neben dem Elfen und wartete darauf, dass er endlich wach wurde. Ab und zu schaute eine der Krankenschwestern vorbei, vergewisserte sich, dass alles in Ordnung sei, und verschwand dann wieder.
Elyra wusste nicht, wie sie sich die Zeit vertreiben sollte, ihr war endlos langweilig. Gehen, und sich anderweitig beschäftigen, wollte sie aber trotzdem nicht. Das Mädchen fühlte sich verpflichtet, hier zu warten, bis es Farid besser ging.
Nach einer weiteren halben Stunde, hielt sie es einfach nicht mehr aus, nur rum zu sitzen und nichts zu tun, obwohl sie ganz genau wusste, dass noch andere Aufgaben auf sie warteten. Beispielsweise musste sie die Berichte abgeben, nach dem Drachenei schauen und sich für den morgigen Abmarsch zum Schlachtfeld vorbereiten. Also sagte sie Margarete Bescheid und beauftragte die Krankenschwester, sie sofort holen zu lassen, wenn der Elf wieder bei Bewusstsein war.
Elyra machte sich nun auf, nach dem Ei zu schauen und die Berichte zu holen.
Als sie um die dritte Korridorecke bog, hörte sich plötzlich, wie jemand nach ihr rief. Kurz darauf kam einer der Wachmänner angelaufen, die vorhin noch die Tür zur Krankenstation bewacht hatte.
„Herrin Elyra“, keuchte er, blieb stehen und salutierte. „Ich soll Euch berichten, dass soeben der Prinz erwacht ist.“
Die Magierin zog die Stirn kraus und folgte dem Mann zurück auf die Krankenstation. In Farids Kabine standen drei Krankenschwestern um das Bett des Elfen herum und musterten ihn, als wäre er eine seltene Tierart. Margarete trat mit Elyra in die Kabine und scheuchte die schaulustigen Frauen zu ihrer Arbeit zurück. Dann zog die Schwester den Vorhang der Kabine zu und ließ die beiden alleine.
Farid hatte die Augen noch geschlossen, bewegte aber seinen Kopf und hustete leise. Als Elyra sich zu ihm setzte, seine Hand kurz drückte und seinen Namen sprach, öffnete der Elf die Lider halb, und lächelte sogleich, als er die Magierin erblickte.
Seine Lippen bildeten ein wortloses „Danke“ und das Mädchen lächelte zurück. Dann beugte Elyra sich zu ihm und gab Farid einen Kuss, den er sofort erwiderte.
Re: Elyra
Lee - 20.08.2008, 22:28
soso, dann wär meine frage ja geklärt^^
und Elyra is mit dem Farid zusammen? :?: is ja intressant
mach weiter
Re: Elyra
Aron - 21.08.2008, 21:38
Nene Lee bist nicht mehr alleine :lol: :D
Ja ich muss sagen ist wirklich gut und vorallem ins detail gehst du schön, ließt sich echt gut.
Wo das mit dem Darchenei noch hinführt interessiert mich schon und ja ich denke auch Lee das die beiden zusammen sind, jetzt zumindest ^^
Los weiter ^^
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