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Re: Was ist Hufrehe?
tinalein - 13.10.2007, 20:26Was ist Hufrehe?
Was ist Hufrehe?
Hufrehe ist eine Entzündung der Huflederhaut, die viele verschiedene Ursachen haben kann. Meist sind beide Vordergliedmaße betroffen, seltener nur ein Huf oder alle vier. Die Rehe wird durch eine verminderte arterielle Durchblutung der Huflederhaut ausgelöst. Durch Schädigung der Kapillarwände der Blutgefäße in der Lederhaut tritt Zellwasser aus den Kapillaren aus und führt durch Flüssigkeitsansammlung im Bereich der Zehenwand zu hochgradigen Schmerzen und vermehrter Wärme. Die Entzündungsflüssigkeit kann aus dem geschlossenen Huf nicht abfließen. Dadurch wird die Verbindung zwischen Hufwand und dem Knochen im Huf, dem Hufbein, gelockert. Bei jedem neuen Reheschub trennt sich diese Verbindung weiter. Durch die am Hufbein angebrachte Tiefe Beugesehne wird dann das Hufbein mit der Spitze zur Sohle gedreht und im ungünstigsten Fall drückt sich der Knochen durch die Sohle durch. Außerdem kann, wenn sich die Verbindung zwischen Huf und Hufbein ganz gelöst hat, das Pferd den Huf verlieren.
Unterschiedliche Meinungen gibt es darüber, ab wann eine Hufrehe als chronisch zu bezeichnen ist. Einige Aussagen gehen dahin, eine unbehandelte Hufrehe nach 48 Stunden als chronisch zu bezeichnen, andere bezeichnen sie dann als chronisch, wenn eine Rotation des Hufbeins eingesetzt hat.
(Bild: der Verfasser)
Ursachen der Hufrehe
Zunächst kann man Hufrehe grob in zwei Bereiche unterteilen, die Futterrehe und die Belastungsrehe.
Futterrehe
Bei den meisten Pferden geht man heute davon aus, dass sie eine sogenannte Futterrehe bekommen haben, die durch die plötzliche Aufnahme von frischem Weidegras in ungewohnten Mengen oder übermäßige Aufnahme von Getreide entsteht. Heute geht man nicht mehr davon aus, dass es sich um eine reine Eiweißvergiftung handelt, sondern es scheint vielmehr so zu sein, dass die Aufnahme von großen Mengen leicht verdaulicher Kohlenhydrate bzw. rohfaserarmer Weide zu Hufrehe führen kann.
Mögliche andere Ursachen
Weitere Ursachen können die Aufnahme von großen Mengen kalten Wassers bei erhitztem Körper und schwere Darmstörungen durch die Anwendung von Antibiotika sein. Außerdem gibt es noch eine toxische Hufrehe, die durch die Verhaltung der Nachgeburt und anschließende Entzündung des Uterus entsteht.
In früheren Zeiten hat man die Ursachen für Hufrehe wesentlich differenzierter gesehen. Als Ursachen sah man Erkältungen jeder Art, vornehmlich bei heißem Wetter; kräftige Fütterung bei Pferden, die dies nicht gewohnt sind; starke Zugluft, heftige Winde (Windrehe); schnell einsetzendes Regenwetter, kaltes Getränk, Schwemmen in kaltem Wasser (Wasserrehe) oder auch zu viel Stallruhe (Stallrehe).
Mögliche Ursachen sind außerdem noch: Vergiftungen durch Giftpflanzen im Futter (wobei ich persönlich auch Vergiftungen durch chemische Produkte wie Kunstdünger, Pflanzenschutzmittel dazurechnen würde), schlechtes Futter z. B. mit Schimmelbefall, Hormonstörungen oder Allergien gegen Futtermittel.
Belastungsrehe
Eine weitere Form der Hufrehe ist die Belastungsrehe, sie entsteht durch zu starkes und falsches Beschneiden der Hufe, falsche Hufeisen, oder zum Beispiel durch übermäßiges Reiten auf hartem Untergrund und lange Transporte. Auch wenn ein Bein erkrankt ist und entlastet wird, kann das dauerhaft belastete Bein an einer Belastungsrehe erkranken.
Die Folgen sind in allen Fällen dieselben.
Woran erkennt man Hufrehe?
Einen starken Reheschub erkennt man an weit vorgestreckten Vorderbeinen bei gleichzeitigem Unterschieben der Hinterbeine, um die vorderen Gliedmaßen zu entlasten. Die Schrittbewegungen sind mühsam, mit starker Trachtenfußung, wodurch die Zehe entlastet wird. Das Pferd trippelt im Stand von einem Fuß auf den anderen, um kurzzeitig einen Huf zu entlasten. Außerdem kann man ein starkes Pulsieren der Mittelfußarterie und eine Erwärmung der Hufkapsel und der Krone feststellen. Möglicherweise kommt es auch zu einer Erhöhung der Körpertemperatur und der Puls- und Atemfrequenz. Gelegentlich bahnt sich bei zu hohem Druck die Entzündungsflüssigkeit auch einen Weg und tritt am Kronrand des Hufes aus.
Allerdings muß man davon ausgehen, dass der Beginn einer Rehe auch wesentlich weniger deutlich zu erkennen sein kann. Ein etwas klammer, unsicherer, stolpernder Gang auf festen Straßen mit häufigem Ausweichen auf den weichen Grasrand kann darauf hinweisen, dass sich hier bei weiterer Belastung eine Rehe entwickelt.
In allen Fällen sofort den Tierarzt informieren, lieber einmal zuviel als einmal zuwenig, denn wichtig für die erfolgreiche Behandlung ist die möglichst frühe Erkennung der Hufrehe.
Die Symptome der Hufrehe treffen allerdings auch für einige andere Erkrankungen wie Tetanus, Kreuzverschlag usw. zu.
Fütterung
Ein Pferd mit einer akuten Hufrehe sollte so schnell wie möglich kein Weidegras mehr erhalten. Eine Fütterung mit gutem Stroh oder wenig Heu ist wünschenswert. Hier ist aber Vorsicht geboten, durch eine drastische Umstellung der Fütterung von rohfaserarmem Gras auf Stroh oder Heu kann bei Pferden mit empfindlicher Verdauung Koliken hervorrufen! Deswegen ist in manchen Fällen eine Fastenzeit von einigen Stunden bis zu einem Tag angebracht.
An Kräutern können Klebkraut, Löwenzahn und Brennessel verfüttert werden, die eine blutreinigende und entgiftende Wirkung haben. Brennesseln werden aber meist nur in angewelktem Zustand gefressen.
Therapiemaßnahmen
Es gibt für Hufrehe keine Therapiemethode, die einen 100%igen Erfolg versprechen kann.
Für alle Therapieformen gelten allgemein folgende Maßnahmen:
* Geräumige Box mit tiefer, weicher Einstreu zur Entlastung der Hufe.
* Kühlende Hufverbände, die jede Viertelstunde mit kaltem Wasser begossen werden oder Stellen in kaltes Wasser oder nassen Torf (nur die Hufe!)
* Abnahme der Hufeisen
* Liegende Pferde nicht auftreiben, da im Liegen das Hufbein optimal entlastet wird.
* Bei chronischer Rehe das Tier entsprechend seinen Möglichkeiten auf weichem Boden bewegen, um die Durchblutung zu fördern.
In der normalen Tiermedizin versucht man, durch Gaben von entzündungshemmenden und gefäßerweiternden Medikamenten die Entzündung einzudämmen bzw. zu beseitigen und die Krämpfe der Blutgefäße zu lösen. Das homöopathische Komplexmittel Traumeel hat inzwischen seinen Platz in der Heilung von Hufrehe bei Tierärzten gefunden, die sich wenig mit der Homöopathie beschäftigt haben.
Bei der homöopathischen Therapie stehen mehrere Entzündungsmittel zur Wahl. In Frage kommen Belladonna, Apis, Bryonia und Silicea.
Im akuten Fall mit Temperaturerhöhung und Schwitzen wird zunächst Belladonna in Betracht kommen. Zur weiteren Heilung wird man in vielen Fällen Apis heranziehen können, da es gute Wirkung bei stechenden und brennenden Entzündungen zeigt, die ödematös und heiß sind. Silicea wird oft zum Abschluß der Behandlung eingesetzt, weil es auf chronische Entzündungen wirkt und außerdem Auswirkungen auf das Hornwachstum hat, dass durch Hufrehe gestört ist.
Außerdem besteht die Möglichkeit, mit Nux vomica tiefgreifend auf die Verdauung und die Entgiftung einzuwirken und sie zu normalisieren.
Alles das muß aber von einem erfahrenen Tierheilpraktiker oder Tierarzt mit homöopathischer Erfahrung von Fall zu Fall entschieden werden. Die Homöopathie erzielt oft überraschend gute Behandlungserfolge, auch bei Fällen, die von der Schulmedizin aufgegeben werden.
Zuletzt soll noch von einer Methode berichtet werden, die offensichtlich wenig bekannt ist oder keinen Einzug in die Tiermedizin gefunden hat. Es handelt sich um das Öffnen der Hufe. Dabei werden ein oder zwei kleine Rinnen in die vordere Hufwand geschnitten, damit die Entzündungsflüssigkeit eine Möglichkeit bekommt, aus dem Huf auszutreten und die Huflederhaut eine Chance hat, abzuheilen. Diese Methode kann nur angewandt werden, wenn Tierarzt und Hufschmied zusammen arbeiten und in diesem Bereich Erfahrung haben. Der Autor, der diese Methode beschrieben hat, spricht allerdings von guten Heilerfolgen.
Hufbehandlung durch den Schmied
Da durch die Hufrehe ein rasches, krankhaftes Hornwachstum entsteht, müssen Rehehufe häufiger als normale Hufe geschnitten und korrigiert werden. In der Regel wird man einmal monatlich den Hufschmied rufen müssen. Meist wird in den vorderen Tragrand des Hufes eine sogenannte Schwebe geschnitten, dabei handelt es sich um einen kleinen Bogen, der die vordere Hufwand aus der Last nimmt. Ob beim Schneiden der Hufe die Trachten stark gekürzt werden sollen, darüber herrscht Uneinigkeit. Bei schwerer Erkrankung und chronischer Rehe kommt ein Rehebeschlag in Betracht, ein Eisen mit einem Steg, der eine Kautschukeinlage fixiert. Dadurch wird die Sohle des Hufes geschont und dem Pferd wird das Abrollen des Hufes über die schmerzempfindliche Zehe erleichtert. Außerdem versucht man damit, dem Hufbein eine möglichst normale Position zu geben.
Vorbeugung
Um eine Hufrehe von vornherein zu vermeiden, kann man einige vorbeugende Maßnahmen treffen. Dies ist vor allem bei verschiedenen Ponyrassen angebracht, die im Frühjahr alles, was grün ist, wie ein Staubsauger in sich hinein fressen und langsam immer rundlicher und wohlgenährter werden. Die Umstellung von Winterfütterung auf Weidegang sollte also im Frühjahr ganz allmählich erfolgen, indem man das Pferd zunächst etwa eine halbe Stunde weiden läßt und die Freßzeit dann langsam erhöht. Wenn die Möglichkeit besteht, teilt man die Sommerweide in entsprechende Stücke ein, die abgeweidet werden können. Für ein Pferd mit ca. 200 –400 kg Lebendmasse wird eine Weidefläche je nach Qualität von 0,2 – 0,4 ha benötigt. Ansonsten kann man die Weidezeit, wenn die Weide zu groß ist, auch auf einen Teil des Tages beschränken. Für die Winterfütterung benötigt man als Erhaltungsfutter für ein Pferd von 400 kg Lebendmasse ca. 7 kg Heu, 7,5 kg Stroh und ca. 0,8 kg Ergänzungsfutter wie Hafer oder Pferdemüsli. Vorsicht ist bei stark kleehaltigen Weiden und auch bei kleehaltigem Heu angebracht.
Nicht verfüttert werden sollten u. a. wegen Schimmelpilzbildung folgende Futtermittel:
* Zu feucht gepreßtes und unsachgemäß gelagertes Heu
* Feuchtes und unsachgemäß gelagertes Stroh
* Grassilage von minderer Qualität
* Getreide, vor allem Weizenkleie und Quetschhafer, das eventuell feucht gelagert wurde
* Brotreste, angeschimmelt
* Mohrrüben, Gemüse, Obst, möglicherweise angefault oder gefroren
* Ungeeignetes Mischfutter, z. B. Hühnerfutter
* Gerste, Melasse – besonders stärke- oder zuckerreich
Literaturhinweise
Bei dieser umfangreichen Arbeit unterstützt haben mich folgende Bücher:
Vorbeugung bzw. Fütterung:
Ingolf Bender, Praxishandbuch Pferdefütterung, Kosmos Verlag
Helmut Meyer, Pferdefütterung, Blackwell-Wissenschaftsverlag
Hufrehe, Therapie:
Klaus Loeffler, Anatomie und Physiologie der Haustiere, Ulmer Verlag
Jürgen Bartz, Mein Pferd lahmt – was tun?, Kosmos Verlag
Tony Pavord, Pferdekrankheiten, Kosmos Verlag
Späth, Der homöopathische Pferdedoktor
William Boericke, Handbuch der homöopathischen Materia medica, Haug Verlag
Frühere Einteilungen der Hufrehe:
J. C. Groß, Lehr- und Handbuch der Hufbeschlagskunst, Verlag Steinkopf
Außerdem zu Rate gezogen wurde ein Artikel von Jürgen Bartz, Tückisch, aber oft – Hufrehe, Freizeit im Sattel, 4/98
Den Artikel über das Öffnen der Hufe vor einigen Jahren in „Cavallo“ kann ich leider nur noch aus dem Gedächtnis zitieren, sollten mir dabei Fehler unterlaufen sein, bitte ich um Entschuldigung.
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Mein pflegepferd Amigo - gepostet von tinalein am Freitag 19.10.2007
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