bolivianische Hardcore-Silbermine

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    Re: bolivianische Hardcore-Silbermine

    Peter Rast - 22.11.2007, 22:08

    bolivianische Hardcore-Silbermine
    Auf Grund der Tatsache, dass in der Minenstadt, in der ich mich gerade befinde, Minenbesichtigungen angeboten werden, investierten wir heute frueh fuenfzig bol.Pesus (durch 11 ist euro) in das Vorhaben eines der schoensten und begehrtesten Arbeitsplaetze der Welt zu besuchen. Als ersten Schritt wurden wir minengerecht eingekleidet. Muffiger Ganzkoerperanzug, Stiefel, Helm und Helmlampe mit Batterieguertel. Als zweiten Schritt erfolgte dann ein Stopp bei der Ehefrau des Minenfuehrers, welche einen gut sortierten Strassenstand mit Bloedsinn betrieb. Dort sollten wir als Geschenk, um Fotos von ihnen machen zu koennen, Minenarbeitergeschenke kaufen. Man investierte 10bol. Peus fuer einen grossen Beutel Kokablaetter. Der Knaller im wahrsten Sinne des Wortes ist, dass an diesem und an den meisten anderen Staenden Dynamit an jeden verkauft wurde, der 10bol.Pesus aufbringen konnte. Also kauften wir auch Dynamit. Der Mineneingang war einer von vielen eines komplett zerloecherten Berges. Ab ging es einen zwei Kilometer langen Gang in den Berg hinein. Die Grubenlampen signalisierten die korrekte Schrittanordnung im immer waermer und stickiger werdenden Lochfrass des Berges. Nach ettlichen Gabelungen, welche jedesmal lediglich in ein schwarzes Nichts fuehrten, blieb der Minenfuehrer vor einem Loch stehen. Dieses fuehrte ueber ca. fuenf Leitern von jeweils ca.10m Tiefe direkt nach unten. Von einigen fehlten die Sprossen, andere waren nicht mal in der Wand verankert und man kippte fast zur wenige Zentimeter entfernten, gegenueberliegenden Felswand. Auf halben Wege erschuetterten immer staerker werdende Vibrationen die Felswaende. Je tiefer man kam umso mehr erinnerten die Vibrationen an eine illegale Speedcoretechnoparty in irgendwelchen Kellergewoelben. Zum Glueck wurde uns edelstes Toilettenpapier zur Versiegelung unserer Ohren gereicht. Unten angekommen, ueber ein duennes Brett, welches ein weiteres unendlich tiefes Loch ueberlagerte, konnten wir bald im stickigen Staub Licht am Ende des Tunnels sehen. Dort standen zwei Gestalten, welche exakt so gekleidset waren, wie die Minenarbeiter in Silent Hill. Mit Gasmasken aus dem ersten Weltkrieg, einem langen Schutzmantel, derben Stiefeln und einem fremdartig anmutendem Minenhelm. Der Presslufthammer war ohrenbetaeubend und die Luft ihrem urspruenglichem Atmungszweck beinahe komplett entzogen. Hier wurde versucht mit Blitzlicht ein Foto zu machen, dann ging es weiter. Der naechste Anlaufpunkt war das Ende eines Tunnels, welches zur Sprengung vorbereitet war. Nach kurzer Erklaerung langweiliger Hintergruende, wurde es dann ein wenig knapp, als 30sec nach dem wir den Tunnel verlassen hatten, die erste Ladung gezuendet wurde. Ich brauchte einige Sekunden um mich selbst davon zu ueberzeugen immernoch am Leben zu sein, doch da ging bereits die zweite Ladung hoch. Ca. 10-12 Sprengungen spaeter hatte man sich daran gewoehnt und die Embryonalstellung auf dem Boden vereinfachte es dem Explosionsdruck zu entrinnen. Ein paar Silberadern und Presslusfthammerarbeiter spaeter erblickten wir wieder Tageslicht und konnten endlich wieder Sauerstoff anstatt Mineralstaub atmen. Letztes Highlight war die Zuendung unserer selbst gekauften Dynamitstange. Das Nitroglyzerin wurde von einem Beutel Amoniumgranulat umspannt, ein Schwarzpulverkabel wurde eingefuehrt, dann wurde die Ladung angezuendet. Jetzt durfte jeder noch ein Foto von sich mit der bereits im Zuendungsvorgang befindlichen Ladung machen, dann wurde sie weggefeuert. Die folgenden, unendliche lange scheinenden Sekunden trieben die Spannung bis an ihren Scheitelpunkt, als sich dann nach der Explosion alle freuten, ins Auto stiegen und zum Hostel zurueckfuhren. Resultat des Besuches ist, dass ich mich sofort als Minenarbeiter beworben habe. Denn dieses Abenteuer bei 40Grad Tunnellufttemperatur 12Stunden, 6tage die Woche Staub einatmen zu koennen, kann sich ja wohl kein normal denkender Mensch entgehen lassen. Gerade als ich hier schreibe erklingen wiedermal dumpfe Explosionsgeraeusche in der Ferne Abseits von Potosi, der mit 4040m hoechstgelegenen Stadt der Welt.

    Nochmals zur politischen Situation in Bolivien: es ist verboten in groessere Stadte ein und auszureisen, da das Militaer die Ausschreitung der Proteste verhindern moechte, so wurde es zumindestens gesagt. Wir probieren es heute Abend trotzdem. Anlaufstelle ist La Sucre, die zweitwichtigste Stadt Boliviens nach La Paz. Wenn das die letzte Nachricht sein sollte hat´s uebrigens nicht geklappt.



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