Die Chronik der Drachenfalken

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    Re: Die Chronik der Drachenfalken

    Fijora - 03.10.2007, 18:50

    Die Chronik der Drachenfalken
    So...Hier soll in Zukunft die Chronik der Drachenfalken erscheinen, welche auch Fijora Lightseekers Geschichte beinhaltet. Allerdings ist sie erst relativ spät eingeplant.
    Das Gesamtwerk beinhaltet die komplette Geschichte der Söldnertruppe von der Entstehung bishin zur Auflösung. Beginnend mit der Zeit kurz vor dem ersten Krieg führt die Geschichte durch den ersten und den zweiten Orkkrieg sowie die Internierungskriege und die Kämpfe gegen die Armeen der Geißel.
    Fijora taucht erst während des zweiten Krieges auf und schließt sich der Gruppe an. Daher bitte ich um etwas Gedult...^^
    Sollte es Kritik geben, bitte ich diese per PN an mich zu senden.
    Dann kommt hier schonmal der Anfang hin.^^

    DIE CHRONIK DER DRACHENFALKEN

    Ihr findet ein altes Buch mit ausgefranstem Einband zwischen einigen anderen in einem der Regale der Akademie. Auf dem Buchdeckel sind einige Worte in den Schriftzeichen der Goblins eingeprägt, allerdings sind sie nicht mehr lesbar. Ihr schlagt das dicke Buch auf und entdeckt die folgenden Schriften, welche in der Sprache der Menschenreiche verfasst sind...

    Es herrschte Krieg im Reiche Azeroth.
    Vor wenigen Wochen schon waren dort Kreaturen aufgetaucht.
    Grünhäutige Bestien. Schreckliche Schlächter, die vor nichts und niemandem halt machten.
    Ihre Rüstungen waren schlecht, aber ihre Zahl hoch und ihre Kräfte groß. Man sagte, einer der ihren könne einen Menschen zerfetzen, ohne sich wirklich anstrengen zu müssen. Wenn sie im dämonisch anmutenden Blutrausch über ein Dorf herfielen, blieb nichts weiter zurück als Tod und Asche. Zu dieser Zeit begab es sich, dass viele Söldner gen Süden zogen, um entweder der einen, oder der Anderen Seite beizustehen. Natürlich nur für einen angemessenen Sold.
    So begab es sich auch, dass eine kleine Söldnerschar auszog, um zu kämpfen. Jedoch kam für sie nur die Schlacht Seite an Seite mit den Truppen des Königs in Frage.
    Drachenfalken, so wurden sie genannt, nach einer der vielen mystischen Kreaturen der Wälder des Elfenreiches Quel´thalas.

    Die kleine Schar Abenteurer wurde geführt von einem der Elfen aus eben diesen Wäldern. Sein Name wart gewesen Belanan Woodrage. Von hoher Gestalt war er, wie es bei Elfen meist der Fall war. Er trug meist eine leichte Schuppenpanzerrüstung am Leibe. Trotz eben dieser war er ein gekonnter Bogenschütze. Einst, so munkelte man, soll er bei den Ranger-Korps der thalassischen Waldläufer gedient haben.

    Der Stellvertreter Belanans war die junge Menschenfrau Sari Aren. Einst diente sie auf einem Kriegsschiff der glorreichen Marine des Seefahrerreiches von Kul Tiras. Jedoch geschah dereinst ein Missgeschick, welches sie dazu verdammte, in einem ihr unbekannten Hafen zurückzubleiben, in welchem sie Belanan begegnete. Zumeist kämpfte sie mit zwei leicht gebogenen Schwertern, Überbleibseln aus ihrer Seefahrerzeit. Ihre Kleidung wart leicht, kein Panzer, der sie schützen konnt´.

    Der Mutigste unter ihnen wart jedoch der Aerie Kogrim Federbart. Mit den Tätowierungen seines Klans versehen und ständig auf der Suche nach Streit oder einem guten Kampf schloss er sich Belanan Woodrage kurz vor der Hafenstadt Southshore an. Häufig trug er eine, mit Greifenfedern verzierte, Kettenrüstung und schwang den Hammer seines Vaters in der Rechten, seine Axt in der Linken. Einst hatte er sie selbst geschmiedet, irgendwo in den Weiten des Hinterlandes.

    Dann kämpfte da noch ein Gnom, ein seltsamer Halbling an ihrer Seite. In einfache Stoffe gehüllt und mit einer großen Flinte kämpfend, suchte er immer nach neuen Ideen für seine ebenso seltsamen Erfindungen. Als ihm der Hochelf Belanan Woodrage und der Aerie Kogrim Federbart das Leben erretteten, schloss er sich ihnen an. Dies Ereignis geschah ebenfalls nahe der Stadt Southshore.

    So wart da noch der Letzte im Bunde, ich, der ich Belanan Woodrage ebenfalls in der schicksalsbehafteten Hafenstadt begegnete. Profit, gar großen Reichtum versprach er mir, jedoch verband uns bald weit mehr, als nur dies Geschäft. Ich, der ich einst von Undermine gen Norden reiste um mein Glück zu machen, nannte sich Dzukan. Mein Dolch wog schwer, meine Rüstung wart dick.
    Nun, da ich dieser Tage wieder in Undermine verweile und spüre, dass meine Zeit bald kommen wird, sehe ich es als Pflicht, nein, mehr als Ehre an, die Geschichte, nein, die Chronik der Drachenfalken zu verfassen und niederzuschreiben.

    Dies ist all jenen gewidmet, die ich in all den Jahren des Krieges meine Kampfgefährten nennen durfte und die nun nicht mehr unter den Lebenden verweilen.



    Re: Die Chronik der Drachenfalken

    Fijora - 07.10.2007, 09:11


    (Also...In den folgenden Kapiteln, mal kürzer, mal länger, sollen die einzelnen Charaktere der Söldnergruppe und Teile ihrer Vorgeschichte näher beleuchtet werden. Zuerst kommen nur die oben bereits erwähnten Leute dran. Die letzten Beiden treten der Gruppe erst später bei.)

    KAPITEL I: Das Unglück der Sari Aren

    Sari Aren kniete am Boden und schrubbte Seite an Seite mit einigen anderen Rekruten das Dreck des großen Kriegsschiffes, der Wellenjäger. Ihre Hose war durch die verdammte Rumrutscherei schon völlig durchnässt und ihre Knie schmerzten höllisch. Der Tag war ebenfalls nicht allzu gnädig…nur ein laues Lüftchen wehte, das einem in dieser Hitze kaum Linderung zu verschaffen schien. Als sie sich mit dem Ärmel über die Stirn wischen wollte, verrutschte das Grüne Stirnband, welches sie trug, um ihren rot braunen Haarschopf zurückzuhalten. Leise fluchend rückte sie es zurecht und seufzte. Wenigstens lag das Schiff endlich wieder in einem Hafen, auch wenn es nicht gerade Boralus war. Die Wellenjäger hatte in Southshore ihre Anker geworfen, um der Mannschaft nach langer Fahrt endlich etwas Landgang und Erholung zu gönnen.
    Genervt ergriff Sari wieder die Bürste und schrubbte weiter, während einer der Unteroffiziere einen Eimer brackiges Hafenwasser direkt neben ihr auf das Deck kippte. Die junge Matrosin musste ausweichen, um nicht völlig durchnässt zu werden. Sie knurrte und funkelte den Mann böse aus ihren dunkelblauen Augen an. Dieser grinste hämisch , warf den Eimer beiseite und schritt hinfort. Nachdem sie eine Weile lang tief durchgeatmet hatte, wendete sie sich wieder dem Schrubben des Decks zu und fluchte leise vor sich hin.
    Kurze Zeit später bemerkte sie einen jungen Mann neben sich, der nun ebenfalls auf den Knien herumrutschte. Voller Begeisterung und mit einem beinahe glücklich wirkenden Lächeln auf den Lippen schrubbte er immer wieder auf und ab.
    Irritiert musterte Sari den jungen Matrosen eine Weile und verdrehte genervt die Augen.
    „Bei allen Meeren, dich kann man wirklich mit absolut nichts erschüttern, oder Karl?“, sprach die junge Frau in genervtem Tonfall.
    „Ach Aren, sei nicht so griesgrämig…Ist doch ein wundervoller Tag. Wir sind auf einem der besten Schiffe der ganzen Marine, liegen endlich wieder in einem Hafen vor Anker und über mangelnde Bewegung müssen wir uns doch auch keine Sorgen machen.“
    Mit einem zufriedenen Seufzen schrubbte der Matrose weiter, während ihm der alte Mann neben Sari Aren einen Vogel zeigte, dann jedoch schweigend weiterschrubbte.
    Kichernd nickte Sari dem Alten zu und seufzte ebenfalls, jedoch etwas übertrieben.

    „Bei Proudmoore, du bist doch echt ein Schwachkopf.“ sagte die junge Frau, ehe sie ihre Bürste nahm und sie Karl auf den Kopf drückte, als dieser gerade nicht aufpasste. Angeekelt schrie er auf, als er die unangenehme Berührung der Bürste auf seiner Kopfhaut spürte. Ein paar mal schrubbte die junge Frau auf Karls Kopf auf und ab. Alle Anwesenden, sogar der Unteroffizier von vorhin, der gerade dazu getreten war, fingen lauthals an zu lachen.
    Aren stand kopfschüttelnd auf und klopfte dem jungen Matrosen grinsend auf die Schulter. Dieser blickte sie verärgert an, schrubbte jedoch weiter. Etwas besser gelaunt schritt sie auf den Bug des Schiffes zu und blickte auf den Hafen. Dort ging es sehr geschäftig zu. Viele Schiffe lagen hier vertäut. Kriegsschiffe verschiedenster Nationen und auch Handelsschiffe aus allen Ecken der bekannten Welt. Sogar eine der großen Elfenfregatten lag hier vor Anker.
    Ihr Blick wanderte über den Pier bis zu einem uralt wirkenden, heruntergekommenen Schiff, das gerade von einigen Hafenarbeitern entladen wurde. Über eine schmale Planke schleppten die Männer große Kisten von Bord, während ein paar wichtig aussendende Leute daneben standen und das Ganze scheinbar koordinierten.
    Sari ließ den Blick wieder schweifen. Vielerorts ging es genauso zu, wie auf dem alten, schäbigen Frachter. Ihr Blick blieb dieses Mal an einem schwarzbärtigen Zwerg hängen, der ebenfalls eine große Kiste schleppte. Die Kiste war etwas größer als er, sodass er wohl scheinbar nich genau sah, wohin er eigentlich lief. Immer wieder kam er gefährlich nah an die Kaimauer heran, rettete sich aber in letzter Sekunde.
    Auf einmal drehte er den Kopf etwas nach hinten. Scheinbar hatte ihn jemand gerufen. Nur für einen winzigen Zeitraum schien er nicht auf seine Schritte zu achten und trat mit einem Fuß ins Leere. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte mitsamt der Kiste ins brackige Wasser des Hafenbeckens. Sari Aren kicherte.

    Auf einmal jedoch spürte sie, wie eine Hand ihre linke Schulter packte und sie herumriss. Nun blickte sie erschrocken in das Gesicht des ersten Offiziers der Wellenjäger. Ein alter Mann, der scheinbar schon viele Kämpfe gesehen hatte stand da vor ihr. Seine lange, schon ergraute Mähne ließ ihn ziemlich wild aussehen. Ebenso wie sein ungekämmter Bart. Eine lange und vor allem tiefe Narbe zog sich längs über die rechte Gesichtshälfte und die leere Augenhöhle des Mannes. Aus der Anderen blickte sie das noch verbliebene Auge mit einem wütenden Ausdruck an. Sari Aren erstarrte vor Schreck. Sie konnte den Blick einfach nicht von dieser leeren Höhle abwenden. Langsam kamen die Erinnerungen hoch, an die Schreie, die des Nachts häufig zu hören waren, wenn einer ihrer Kameraden bei diesem Mann in Ungnade gefallen war. Die Schreienden wurden irgendwann in den frühen Morgenstunden geschunden und meist blutend in den Laderaum zurückgeworfen, wo die Mannschaft normalerweise schlief. Sie gaben immer ein entsetzliches Bild ab und waren oft tagelang kaum fähig, sich auch nur einen Meter zu bewegen.
    „Was bei Boralus erlaubst du dir eigentlich, Kleine? Hier wird gearbeitet und nicht dumm rumgegafft, verstanden? Verdammt noch mal, zurück an die Arbeit!“, brüllte er die junge Matrosin an und holte mit der Rechten scho zu einer Ohrfeige aus, senkte sie jedoch wieder, als die junge Matrosin bei jedem seiner Worte vor ihm zusammenzuckte und salutierte.
    Schnell huschte sie zurück zu Karl und den anderen Deckschrubbern, die sie hämisch angrinsten. Sari verdrehte die Augen und seufzte, während sie weiterschrubbte...



    Re: Die Chronik der Drachenfalken

    Fijora - 07.10.2007, 22:34


    Inzwischen war die Nacht hereingebrochen. Einige wenige Laternen erleuchteten noch das Schiff, in dessen Bauch sich zu dieser späten Stunde immer noch etwas regte.
    Langsam und so vorsichtig wie möglich schlich die junge Sari Aren durch einen schmalen Gang bei den Offizierskabinen. Ihr Ziel war die Waffenkammer am Ende des Ganges, der nur von einer einzelnen, kleinen Öllampe erleuchtet wurde. Mit kurzen und wohl überlegten Schritten ging sie auf die Kammer zu und hoffte nicht entdeckt zu werden.
    Doch auf einmal knarrte es unter Saris Füßen. Das Geräusch war so laut, dass sie ruckartig zusammenzuckte und sich panisch mit dem Rücken gegen die Wand drückte. Ihr Atem wurde hastiger, Ihr Herz schlug der jungen Frau bis zum Hals. Sie schloss die Augen.
    „Beim Licht, lass es niemanden hören, bitte, bitte…“, dachte sie verzweifelt.
    Langsam öffnete sie die Augen wieder und horchte auf. Stille.
    Scheinbar hatte sie niemand bemerkt.
    Sie jubelte innerlich und atmete erleichtert auf, ehe sie ihren Weg noch vorsichtiger fortsetzte.
    Endlich hatte sie die Tür erreicht. Jetzt bloß nicht noch nervöser werden…Langsam führte sie den nachgemachten Schlüssel ein und hoffte, dass er auch dieses Mal noch passte. Sie versuchte ihn herumzudrehen.
    „Klick, klack, - und das Schloss war offen. Zaghaft öffnete die Matrosin die Tür und trat ein. Sie stand nun in einem recht kleinen Raum. Überall an den Wänden hingen an speziellen Halterungen verschiedene Säbel, Äxte und einige Armbrüste. Aber auch einige Zwergengewehre waren darunter. Sari kramte einen schmutzigen Leinensack unter ihrem Wams hervor und begann einige der Säbel und Armbrüste hineinzustecken. Langsam und immer darauf bedacht, keinen Laut zu verursachen.
    Langsam füllte sich der Sack. Sari zählte nach.
    „Vier, fünf, sechs…Das reicht. Hm und die Säbel? Zwei, vier, sechs, acht, zehn…Perfekt!“, flüsterte sie zu sich selbst und klopfte sich innerlich auf die Schulter.
    Doch was war das? Hatte sie da nicht eben Schritte gehört? Panisch zuckte sie erneut zusammen und griff nach ihrem Dolch, den sie ebenfalls unter ihrem Wams versteckt hatte. Ängstlich und schon beinahe starr vor Schreck blickte sie durch das Schlüsselloch in den Gang. Dort war tatsächlich jemand! Und derjenige kam auch noch näher!
    Verängstigt sah sich die junge Seefahrerin um. Ein abgeschlossener Raum mitten im mächtigen Rumpf des großen Schiffes. Keine Fluchtmöglichkeit, kein kleines Fenster, durch das man hätte entkommen können, keine Falltür, die tiefer in den Schiffsleib führte, nichts, außer der Eingangstür.
    Sari blickte wieder durch das Schlüsselloch. Nun erkannte sie, wer da genau auf sie zukam. Es war der erste Offizier. Ausgerechnet dieser Mann, den sie und der Rest der Mannschaft doch so fürchteten, war es, der jetzt genau auf sie zukam, der im Begriff war, sie zu erwischen. Wer weiß, wie er mit ihr verfahren würde? Der Kapitän hatte Landgang diesen Abend. Er würde sie garantiert vierzig, wenn nicht sechzig Mal auspeitschen lassen.
    Sari zitterte vor Angst und die Tränen schossen ihr in die Augen, rannen ihre Wangen hinab.

    Immer näher kam die einäugige Gestalt, die es ablehnte eine Augenklappe zu tragen. Eine Öllampe in der Rechten haltend, einige Seekarten in der Linken.
    Nun war es soweit. Der zornige, alte Mann stand genau vor der Tür zu Waffenkammer. Doch was war das? Er drehte sich plötzlich nach rechts und öffnete die Tür zu einem der Quartiere.

    Die junge Aren beobachtete ungläubig, wie sie ihrer Strafe doch noch zu entkommen schien.
    Sie atmete tief durch, horchte in die Dunkelheit und wartete. Minuten vergingen, ohne dass sie auch nur das leiseste Geräusch eines anderen Menschen vernahm. Lediglich das Knarren der Planken und das Gequieke einiger Ratten konnte sie hören. Sari atmete erleichtert auf und schulterte den Sack mit lautem Klirren. Wieder erschrak sie beinahe zu Tode. Erneut einige Minuten des Wartens, dann öffnete sie zaghaft die Tür. Nervös blickte sie den Gang hinauf. Niemand war zu sehen. Diesmal machte sie große, aber ebenso langsame und vorsichtige Schritte. Kein Knarren des Bodens, kein anderes Geräusch verursachte sie. Aber der schwerste Teil lag noch vor ihr. Sie musste noch durch den Laderaum der Wellenjäger schleichen, um endlich an Deck anzukommen. Würde sie hier jemand sehen, wäre sie ebenfalls erledigt. Sie stand nun vor der kleinen Treppe zum Laderaum. Nur vier hölzerne Stufen waren es, die sie rasch übersprang. Jetzt stand sie im Laderaum, umringt von ihren schlafenden Kameraden. Viele schliefen in Hängematten, die an der Decke aufgehängt waren. Einige schliefen auch auf dem blanken Boden, gemeinsam mit den Ratten, die mittlerweile zu ständigen Begleitern der Mannschaft und des Schiffes geworden waren.
    Ein kollektives Schnarchen und stellenweise wirres Gemurmel war zu vernehmen. Die Mannschaft schlief tief und fest, so hoffte die junge Seefahrerin wenigstens. Der Gestank in dem Raum, der nur von zwei kleinen Öllampen ausgeleuchtet wurde, war beinahe unerträglich. Schweiß, verdorbene Lebensmittel und die Exkremente der Ratten sorgten dafür.
    Jeder, der normalerweise nicht zur See fuhr, hätte sich sofort übergeben müssen, hätte er diesen Duft wahrgenommen.
    Sari Aren ließ ihren Blick schweifen und sah mit prüfendem Blick nach, ob auch wirklich all ihre Kameraden schliefen. Als sie sich davon mehr oder weniger überzeugt hatte, fasste sie die kleine Leiter hinauf zum Deck ins Auge, die auf der gegenüberliegenden Seite des Laderaumes lag. Ganz vorsichtig setzte sie sich wieder in Bewegung, immer darauf bedacht ihre Kameraden nicht aufzuwecken. Die ganze Zeit über wurde sie jedoch vom Leisen Klirren ihrer Beute begleitet, die sie in dem Leinensack geschultert hatte.
    Nervös sah sich die junge Frau immer wieder um. Nun jedoch waren es aber keine zwei Meter mehr, bis sie endlich die rettende Leiter erreicht hatte. Sie machte einen großen Satz und stand nun endlich vor dem Ausweg in die Freiheit…Fast jedenfalls.
    Die Luke zum Deck war offen und als Sari hinaufblickte sah sie in einem klaren, von Sternen bedeckten Himmel.
    „Endlich…Nur noch an der Wachmannschaft vorbei, dann ist´s geschafft…“, murmelte sie e. Vorsichtig kletterte sie die Leiter hoch, den Sack immer noch geschultert, was die Aktion erheblich erschwerte. Langsam streckte sie den Kopf aus der Luke und sah sich um. Es schien alles ruhig zu sein. Doch was war das nun wieder? Zwei Matrosen standen genau vor Planke, die auf die Kaimauer führte. Sari Aren fluchte innerlich.
    „Sag mal, hast du das auch gehört? Angeblich soll so ein gilneischer Pirat mit Kaperbrief von Greymarne persönlich unsere Handelsschiffe angreifen…“, sagte einer der beiden Männer.
    Der Andere nickte leicht.
    „Ja. Der Mistkerl soll schon acht Schiffe geplündert haben. Hab´ ich jedenfalls drüben in der Taverne gehört. Angeblich soll sein Schiff so schnell sein, dass kein Anderes es einholen kann.“, sprach er ehrfürchtig, brach dann jedoch in schallendes Gelächter aus.
    Der Matrose, der die Unterhaltung begonnen hatte, lachte mit, fing sich jedoch recht schnell wieder.
    „Als ob irgendso´ne gilneische Nussschale es mit unseren Kriegsschiffen aufnehmen könnte. Bis es so weit is, haben Kühe fliegen gelernt, glaub mir.“, sagte er grinsend und blickte wieder auf das Hafenbecken hinaus. Sein Kamerad stand nun schweigend neben ihm.

    Währenddessen wurde die Diebin immer nervöser. Was sollte sie bloß tun? Hier konnte sie auf keinen Fall verweilen, bis die beiden freiwillig das Feld räumten und zurück? Nein, das wollte sie um keinen Preis der Welt wagen. Sie wollte nicht noch so eine Zitterpartie durchstehen müssen. Langsam und ganz vorsichtig hob sie den Sack mit ihrer Beute hoch und legte ihn so leise wie möglich auf Deck. Sie biss sich auf die Lippe und blickt nachdenklich auf die beiden Matrosen, die ihr unbewusst den Weg versperrten.
    Auf einmal hielt ein verschmitztes Lächeln auf ihren Lippen Einzug. Sie kramte in ihren Hosentaschen herum und holte ein paar kleine Kiesel hervor.

    „Hm…Sag mal, hast du schon die von diesem Kerl gehört? Lothar, oder so ähnlich? Soll ja angeblich mit nur vier Mann vierzig Banditen zur Strecke gebracht haben…Junge, wenn wir den hier hätten, der wüsste, was man mit diesem Pira…“
    Jäh störte ein ungewohntes Geräusch die Unterhaltung der Männer. Ein leises Klackern war es, das sie vernahmen. Gleich mehrmals. Es schien vom Heck des Schiffes zu kommen. Die Matrosen blickten sich kurz an, nickten und zogen ihre Säbel, ehe sie schnell zum Heck des Schiffes liefen um nachzuschauen, was dort vor sich ging.

    Mit einem triumphierenden Grinsen hopste Sari Aren an Deck, schulterte den Sack wieder und schlich großen Schrittes über die Planke auf die Kaimauer. Innerlich jubelte sie wieder und atmete erleichtert auf, ehe sie so schnell wie möglich in Richtung der Lagerhäuser loslief.

    Ein Schatten jedoch, der sich dezent im Hintergrund gehalten hatte, blickte ihr vom Bug des Schiffes aus nach…



    Re: Die Chronik der Drachenfalken

    Fijora - 09.10.2007, 08:59


    Es war weit nach Mitternacht und Falornan Sunrage verlor langsam die Geduld.
    „Wo beim Nether bleibt diese Menschendirne? Sie wollte doch schon längst hier sein!“, rief der Elf mit den kurzen, blonden Haaren verärgert aus.
    Madrin Rotbart kratzte sich am Hinterkopf und blickte verwirrt drein. Sein Blick wirkte träge, so wie immer, auch wenn seine Augen meist von einem dichten, roten Haarschopf verdeckt wurden.
    „Na ja, Boss…Die meinte, sie wär´ so gegen Mitternacht hier mit den Waffen…“, sprach er langsam, während er in Richtung der Anlegeplätze blickte. Der Elf holte aus und schlug dem Zwerg mit der flachen Hand gegen den Hinterkopf, sodass dieser nach vorne stolperte und beinahe umkippte.
    „Das weiß ich selbst, du Idiot! Halts Maul und halt Ausschau!“, zischte Falornan seinen Untergebenen an. Dieser rieb sich nur den Hinterkopf.
    „Ich mag es nich, wenn er mich schlägt…Habe doch gar nichts gemacht…“, murmelte der tumbe Zwerg geknickt, den Blick immer noch in Richtung der Anlegeplätze gerichtet.

    Schnellen Schrittes hastete Sari Aren immer noch auf die Lagerhäuser zu. Endlich hatte sie es geschafft. Sie war runter vom Schiff. Vor einem der Häuser kam sie zum Stehen und sah sich um. An den Lagerhäusern war es sehr dunkel. Kaum eine Fackel oder ähnliches leuchtete diese Gegend bei Nacht aus.
    „Was hatte der Zwerg noch mal gesagt? Um Mitternacht zwischen den mittleren Lagerhäusern?“, murmelte sie leise zu sich selbst uns lief weiter. Nach kurzer Zeit bog sie rechts in eine enge Seitengasse zwischen zwei Lagerhäusern. Überall standen dort große Kisten. Nur dunkel Schatten in der Nacht. Einige Ratten huschten schnell, aufgeregt quiekend in Deckung, als sie das Klirren von Saris Beute vernahmen. Langsam schritt sie die Gasse entlang, bis sie auf einmal in einiger Entfernung ein schwaches Glimmen ausmachen konnte. Das musste er sein. Sari wurde etwas schneller.
    Langsam kam der rothaarige Zwerg in sicht, der das Leuchten mit einer Fackel verursacht hatte.
    Als Sari den Zwerg erblickte lächelte sie freundlich.
    „He Madrin. Na? Ich habe alles dabei, wie versprochen. Ich hoffe, du hast auch das, was ich will?“, rief sie aus einiger Entfernung.
    Der Zwerg blickte die junge Frau verdutzt an, als diese schließlich vor ihm stand und kratzte sich verwirrt am Hinterkopf. Die Matrosin seufzte leise.
    „Das Gold Madrin, das Gold…“
    Die Gesichtszüge des Zwerges hellten sich auf einmal auf, während er eifrig nickte und in seinen Taschen herumkramte. Minute um Minute verging. Sari ließ den Sack mit ihrer Beute scheppernd zu Boden fallen und blickte den kleinen Mann recht genervt an. Als dieser Jedoch ein kleines Ledersäckchen aus seiner Hosentasche hervorholte, lächelte sie wieder. Mit zaghaften Schritten kam der Zwerg auf Sari zu, den Beutel mit dem Gold in der ausgestreckten Rechten haltend.
    Sari Aren grinste breit, war im Begriff nach dem Beutel zu greifen, als der Zwerg urplötzlich zusammenzuckte und die Augen zukniff.
    „Tut mir leid, tut mir leid, tut mir leid!“, schluchzte er weinerlich hervor.
    Verwirrt blickte Sari ihn an, ehe sie einen dumpfen Schmerz am Hinterkopf spürte. Keuchend taumelte sie nach vorn, fiel zu Boden. Das letzte, was sie erblickte, war ein Paar Stiefel, die an ihrem Gesicht vorbei und auf den Zwerg zugingen. Dann wurde alles schwarz…

    „Was bei allen Meeren ist passiert?“, fragte sich Sari Aren in Gedanken. Die Augen immer noch geschlossen haltend, ließ sie die letzten Ereignisse Revue passieren. Sie kam auf den Zwerg zu und war scheinbar niedergeschlagen worden. Es musste der Elf gewesen sein, der sie außer Gefecht gesetzt hatte. Sie fluchte leise.

    „Sie ist wach, Leutnant!“, sprach plötzlich eine feste Männerstimme. Sari befürchtete schlimmes. Plötzlich durchzuckten starke Schmerzen, wie von einem Schlag, ihre linke Wange. Ihr Kopf wurde von der Wucht des Schlages mitgezogen. Sie öffnete die Augen und versuchte ihre Hand auf ihre Wange zu legen, als sie merkte, dass ihre Arme fest gekettet waren. Sie sah sich kurz um. Scheinbar war sie wieder im Inneren der Wellenjäger, mitten im Bauch des mächtigen Schiffes. Nur einige wenige Öllampen erleuchteten den Raum. Viele Kisten und Fässer lagerten hier.
    Dann auf einmal blickte sie in das einäugige Gesicht des ersten Offiziers, der wieder zum Schlag ausholte. Erneut spürte Sari diesen starken Schmerz. Langsam aber sicher kamen ihr die Tränen.
    „Dreckige Verräterin! Ich wird´ dich lehren die Marine von Kul Tiras zu bestehlen!“, schrie er mit seiner rauen Stimme, die wie immer voller Zorn war.
    Wieder hagelte einer der kräftigen Schläge des Alten auf die angekettete Sari nieder. Er traf sie genau in die Magengrube.
    Die junge Matrosin jaulte vor Schmerz und krümmte sich. Immer wieder kamen ihr die Bilder der halb tot geschlagenen Kameraden in den Sinn, die dieser zornige Mann, der erste Offizier des Schiffes, dessen Waffenkammer sie versucht hatte zu erleichtern, bestraft hatte. Immer wieder rannen ihr die Tränen über die Wangen, während der alte Offizier immer wieder auf sie einschlug. Mal ins Gesicht, mal in die Magengrube.
    Sari wand sich verzweifelt, in der Hoffnung, die eisernen Ketten irgendwie abschütteln zu können. Als der Alte ein weiteres Mal ausholte, schloss sie schluchzend die Augen. Als die nackte Faust des zornigen Seefahrers auf sie traf, spürte sie starke Schmerzen, diesmal mitten im Gesicht. Ein lautes Knacken war zu hören und nur wenige Sekunden später merkte Sari, wie eine warme Flüssigkeit über ihre Lippen floss. Sie leckte kurz darüber. Die Flüssigkeit schmeckte irgendwie salzig, aber für Tränen war es einfach zu viel. Blut!
    Hatte dieser Mann ihr gerade etwa die Nase gebrochen? Doch an so etwas konnte die junge Frau nicht denken. Wieder jaulte und schluchzte sie, sich vollends ihrem Selbstmitleid hingebend und resignierend.
    Doch was war das? War da nicht gerade eine Tür aufgeschlagen worden? Sari versuchte einen Blick auf die Neuankömmlinge zu erhaschen. Jedoch versperrte ihr der Wächter die Sicht.
    „Lasst es gut sein, Nummer Eins. Wir haben neue Befehle. Wir werden in einer Stunde ablegen.“, sprach eine freundlich klingende, jedoch auch irgendwie raue Stimme.
    Der alte Offizier drehte Aren den Rücken zu und salutierte mit zwei Fingern vor den Neuankömmlingen, räusperte sich dann jedoch.
    „Aber Kapitän, ich kann die Bestrafung nicht hinauszögern. Es muss SOFORT ein Exempel statuiert werden an dieser dreckigen, kleinen Diebin. Sonst könnte das ein schlechtes Beispiel für die Mannschaft sein, Sir!“, sprach er, diesmal in recht gemäßigtem Tonfall.
    Wieder sprach die freundliche Stimme, jedoch klang sie dieses Mal wesentlich ernster.
    „Wir haben keine Zeit für Eure sadistischen Ausbrüche, verdammt! Der Befehl kommt vom Großadmiral persönlich! Wir werden uns in zwei Tagen auf See mit einem Verband anderer Schiffe treffen, zur Piratenjagd!“ Die Stimme räusperte sich.
    „Ich denke, es wird reichen den Matrosen Karl McAllen fürstlich zu entlohnen und diese Hafenratte dort an der Wand hier auszusetzen.“

    Sari fluchte innerlich. Karl dieser Dreckskerl hatte sie also verraten und sollte jetzt auch noch eine Belohnung bekommen?

    “Wie Ihr befehlt, Kapitän.“, sprach der Alte und salutierte noch einmal, ehe er sich wieder der jungen Matrosin zuwendete. Er holte erneut aus und verpasste ihr einen Kinnhaken. Sari spürte den Schmerz kaum noch, so nahe war sie der Ohnmacht wieder. Langsam verschwamm die Umgebung um sie herum.
    „Bringt sie von Bord! Na los, los, beeilt Euch, verdammt! Ihr habt den Käpt´n gehört! In einer Stunde laufen wir aus!“, hörte Sari den Alten noch brüllen, ehe wieder alles schwarz um sie herum wurde...

    (So...Sari Aren wäre vorerst abgehandelt. Als nächstes begeben wir uns ins Hinterland zu den Wildhammerzwergen...)



    Re: Die Chronik der Drachenfalken

    Fijora - 08.11.2007, 00:19


    KAPITEL II: Der Weg des Aerie

    Voller Zorn schlug Kogrim Federbart mit seiner mächtigen Faust auf den Tisch, der inmitten des großen Raumes stand. Nur eine kleine Öllampe auf einem Regalbrett und das prasselnde Feuer im Kamin leuchteten ihn aus.
    „Was soll das heißen, ich darf Donnerflügel nicht fliegen? Aber Morgradin traust du es also zu? Er gehört nicht einmal zur Familie, verdammt noch mal!“, rief der wütende Aerie zornig.
    Der alte Zwerg, der bis eben noch ruhig in seinem Sessel vor Kogrim gehockt hatte sprang nun seinerseits auf. Seine Stirn, die mit drei dunkelblauen Längsstreifen tätowiert war, legte sich in Falten. Seine lange, graue Mähne, die eigentlich nur noch aus einem Zopf am Hinterkopf bestand, schien sich schon beinahe zu sträuben, ebenso wie sein langer Bart.
    „Beim Schrei des Greifen, du vergisst wohl, wen du hier vor dir hast, Junge! Wer mein Erbe antritt entscheide immer noch ich! Himmel, Arsch und Greifenfeder, was erlaubst du dir eigentlich?“, polterte er los, sodass Kogrim im ersten Moment irritiert zurückwich und gegen einen der Stühle am Tisch stieß, welcher mit lautem Krachen zu Boden ging. Beide Zwerge zuckten zusammen.
    Der noch relativ junge Zwerg fing sich aber recht schnell wieder und blickte dem Alten tief in die Augen. Langsam atmete er tief durch.
    „Ich bin dein Sohn! Ich habe ein Anrecht darauf!“, schrie er. „Wer hat an ihrem Nest gesessen, als sie ihre Jungen ausgebrütet hat? Wer hat immer und immer wieder ihr Gefieder sauber gemacht? Verdammt, das war ich und nicht Morgradin!“

    Der alte Zwerg verlor nun endgültig die Geduld. Er ergriff seinen hölzernen Bierkrug und schleuderte ihn mit einem lauten Aufschrei neben sich gegen die Wand. Das Gefäß zerbarst unter einem lauten Krachen. Einige Tropfen des Bieres darin spritzen in das Feuer des Kamins. Es zischte und ein wenig Dampf stieg auf.
    „Raus aus meinem Haus! Wenn du meine Entscheidungen nicht akzeptieren kannst, hast du hier nichts verloren!“, brüllte er und funkelte seinen Sohn wütend an.

    Dieser blickte seinen Vater geschockt an. Minuten vergingen. Der Vater blickte seinen Sohn mit versteinerter Mine an. Es war ihm wohl vollkommen ernst mit dem, was er sagte. Kogrim nickte leicht. Heute war es also so weit. Immer öfter hatten sie sich in den letzten Jahren heftig gestritten. Aber so etwas hatte er noch nie von seinem Vater hören müssen.
    Langsam drehte sich Kogrim um und ging in Richtung der Tür.
    Der alte Zwerg setzte sich wieder und knurrte leise, als er seinen Sohn hinausgehen sah. Er blickte in Richtung der Stelle, an der der Krug eingeschlagen hatte und stellte mit einem traurigen Seufzer fest, dass das Bier nicht nur das Feuer, sondern auch den Wandteppich getroffen hatte, den seine verstorbene Gefährtin ihm einst genäht hatte. Darauf war ein großer Greif mit blau-schwarzem Gefieder abgebildet, sein Greif Donnerflügel.

    Kogrim stand mittlerweile draußen vor dem kleinen Haus, in dem er aufgewachsen war. Seufzend blickte er in den sternenklaren Himmel und beobachtete, wie gerade einige Greifen im Licht des Vollmondes auf den Gipfel Aerie Peaks zusteuerten. Siegesrufe waren zu hören. Anscheinend hatte die Patrouille erfolgreich gegen einige dieser elenden Waldtrolle gekämpft, die schon seid der Besiedlung immer wieder Ärger machten. Wieder entfuhr ihm ein langer Seufzer, als er sich langsam auf der steinernen Gartenmauer niederließ. Ansonsten war es eine ruhige Nacht. Eine leichte Briese wehte und vereinzelt war der Aufschrei der einen oder anderen Eule zu vernehmen.
    Von der Straße aus hörte er jedoch plötzlich Schritte, die langsam näher kamen. Er wendete den Blick vom Himmel ab und starrte in die Nacht hinaus.

    Mit einem breiten Lächeln kam eine junge Zwergin die Straße vom Peak hinunter und wurde etwas schneller, als sie Kogrim auf der niedrigen Steinmauer erblickte. Sie hatte ebenso wie Kogrim rotes Haar. An den Seiten war jeweils ein kleiner Zopf zu sehen, der ihr Gesicht einrahmte. Um ihre Augen herum waren einige kunstvolle Tätowierungen zu sehen, ein Zeichen ihres Klans, dem der Wildhammer.
    Bei Kogrim sah es nicht viel anders aus. Von seinen Augen gingen jeweils zwei Streifen in Richtung der Wangen ab, die das strahlende Blau seiner Augen noch unterstrichen.
    Die junge Zwergin stürmte freudestrahlend auf Kogrim zu und fiel ihm um den Hals.
    Er lächelte matt, als sie die Umarmung langsam wieder löste und ihn anblickte, ihre Hände immer noch auf seine Schultern gelegt.
    „Kogrim! Endlich bist du wieder da! Wie viele Trolle habt Ihr dieses Mal erwischt? He…Was machst du für ein Gesicht? Du und Vater, ihr…“ Sie verstummte, während ihr Bruder leicht nickte. Die junge Zwergin seufzte.
    „Diesmal ist es wohl endgültig, Nira. Er hat mich aus unserem Haus gejagt.“, sagte Kogrim mit Grabesstimme und gesenktem Haupt.
    „Er will nicht, dass ich Donnerflügel bekomme, weiß der Himmel, wieso.“
    Nira Federbart nickte leicht und seufzte tief. Sie klopfte ihrem Bruder auf die Schulter und versuchte aufmunternd zu lächeln, was ihr allerdings nicht sonderlich gut gelang.
    „Morgen wird er es schon wieder vergessen haben, keine Sorge.“, sagte sie leise. Kogrim jedoch schüttelte nur den Kopf, woraufhin das Lächeln seiner Schwester einem fragenden Blick wich. Einige Zeit blickte sie ihn so an, ohne eine Antwort zu erhalten.
    „Wenn er mich so gering schätzt, den, der sich jahrelang um Donnerflügel gekümmert hat und der sein Sohn ist…dann werde ich garantiert nicht hier bleiben. Mein Entschluss steht fest...ich breche morgen auf!“, sprach er mit fester Stimme und blickte wieder in den nächtlichen Himmel. Seine Schwester schaute ihn ungläubig an und schüttelte den Kopf.
    „Das kannst du doch nicht machen! Was ist, wenn ich mit Vater…“, weiter kam sie nicht.
    „Du wirst ihn auch nicht überzeugen können. Niemand kann das. Er ist ein verdammter Dickschädel. Morgen werde ich aufbrechen, mein Entschluss steht.“
    Nira senkte den Kopf. Ein leises Schluchzen entfuhr ihr und ein paar Tränen kullerten ihre Wangen hinab. Eine ganze Weile lang standen beide so da, vor der steinernen Gartenmauer im fahlen Mondlicht dieser traurigen Nacht. Nur Niras Schluchzen und der gelegentliche Schrei einer Eule waren zu hören.
    Kogrim räusperte sich.
    „Ich muss los, einige Dinge für die Reise organisieren.“
    Nira nickte nur und beobachtete ihren Bruder, wie dieser langsam den Hang hinauf schritt.
    Sie vergrub das Gesicht in den Händen und weinte…

    „Hm…In Ordnung, Pfeife? Ist da. Hammer? Auch da. Wasserschlauch und Proviant? Hm…Ja, wo ist der denn? Ach ja, da…Gut, alles dabei. Hab Dank, Truk.“
    Truk Wildbart grinste breit und deutete auf die lange, reich verzierte Pfeife an Kogrims Gürtel.
    „Du wirst doch wohl den Tabak nicht vergessen wollen, oder?“ Truk griff unter den Tresen und kramte drei kleine Lederbeutel hervor, die er Kogrim zuwarf. Dieser fing sie lachend auf und verstaute sie schnell in seiner großen Gürteltasche. Einst hatte sie seine Schwester für ihn gefertigt und bestickt. Ein blau-braunes Muster, das an mehrere Greifen erinnerte, zierte die Tasche.
    Kogrim nickte zufrieden. Die ganze Nacht über hatte er seine Ausrüstung und den Proviant für seine Reise nach nirgendwo vorbereitet. Seine Kettenpanzerrüstung hatte er mit den gesammelten Federn des Greifen Donnerflügel geschmückt, die er beim Reinigen ihres Gefieders immer mal wieder mitnahm. Auch einen Umhang aus Wolfsfell hatte er sich organisiert. Bei all dem hatte ihm sein guter Freund Truk Wildbart geholfen. Er besaß eine Taverne im Inneren der Wildhammerfeste, in der Kogrim nun auch seine letzten Habseeligkeiten verschnürte und schulterte. Noch hatte Wildbart nicht auf gemacht, daher saß kein einziger Gast an einem der Tische, oder am Tresen. Einige Fackeln an den Wänden erleuchteten den großen Raum.
    „Nochmals vielen Dank für deine Hilfe, alter Freund.“
    Kogrim klopfte seinem Gegenüber mit dem langen, blonden Bart auf die blanke Schulter. Truk nickte leicht und seufzte.
    „Und du hast dir das auch gut überlegt? Ich meine, die Spezialmischung, die du da am Gürtel hast für deine Pfeife wird nicht ewig reichen. Du könntest immer noch hier bleiben. Wieso gehst du eigentlich?“ Der blonde Zwerg blickte seinen reisefertigen Freund fragend an, während dieser seinen Hammer an den Gürtel steckte.
    „Nun, es sind sehr persönliche Gründe...Außerdem will ich auch mal was von der Welt sehen und nicht immer nur Trolle hier im Hinterland abschlachten, Truk.“
    Der Wirt nickte leicht. Die beiden Zwergenmänner reichten sich die Hand. Kurz darauf trat Kogrim aus den Räumen der Taverne heraus und trottete Richtung Ausgang der Feste. „Schrei des Greifen mit dir, Bruder! Pass auf dich auf!“, rief Wildbart ihm noch hinterher, aber Kogrim war schon zu weit weg.

    Der Morgen war bereits angebrochen und die aufgehende Sonne hatte den Peak in orange-rotes Licht getaucht. Langsamen Schrittes trat Kogrim Federbart aus der Wildhammerfeste heraus auf die Straße und blickte in die Ferne des Hinterlandes. Nebelschwaden zogen am Horizont herauf und umspielten sanft die Berge. Es war kalt.
    Nur wenige Leute waren zu diesem Zeitpunkt auf den Beinen, von einigen Wachen einmal abgesehen. Ein langer Seufzer entfuhr ihm, ehe er seinen Weg schließlich fortsetzte. Nur langsam ging er den Weg hinunter ins Tal. Nun kam auch sein Elternhaus in Sicht. Einige Zwerge schienen sich dort versammelt zu haben. Als er schließlich näher kam, erkannte er sie.
    Es waren sein Vater, seine Schwester, die sich auf die Gartenmauer gesetzt hatte und Morgradin, der Erbschleicher, welcher unmittelbar neben dem Vater stand.
    Mit kühlem Blick ging Kogrim auf seinen Vater zu. Dieser blickte ihn ebenfalls kühl an. Eine Weile lang starrten sich die beiden Zwerge auf diese Weise an, bis Kogrim Federbart der Ältere schließlich an seinen Gürtel griff und seine Axt in beide Hände nahm. Eine Weile lang betrachtete er diese alte Waffe. Wie viele Kreaturen mochte er damit wohl schon niedergestreckt haben? Seid seiner Jugend hatte der Alte diese Waffe bei sich und hütete sie wie seinen Greifen.
    Kogrim der Jüngere blickte seinen Vater fragend an, als dieser ihm schließlich die Axt mit dem Griff voran entgegenhielt. Der Alte nickte nur kurz. Kogrim verstand und nahm die Waffe an sich. Von der Gartenmauer her war ein leises Schluchzen zu vernehmen. Nira Federbart schien nicht mehr gegen ihre Tränen ankämpfen zu können. Kogrim seufzte leise, streckte sich die Axt an den Gürtel und trat an seine Schwester heran. Sie hatte ihr Gesicht in den Händen vergraben. Als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte, blickte sie auf. Einige Tränen rannen ihre Wangen hinab, als sie ihrem Bruder ins Gesicht schaute.
    „Bitte geh nicht…Du und Vater ihr…“, stammelte sie leise.
    Kogrim schüttelte nur den Kopf. Nira glitt von der Mauer und fiel ihrem Bruder schluchzend um den Hals. Dieser klopfte ihr auf die Schulter. Als sich beide von einander lösten blickte er sie mit einem aufmunternden Lächeln an.
    „Keine Sorge Nira. Ich bin sicher, dass wir uns wieder sehen werden.“, sprach er mit beruhigender Stimme und nickte, wohl um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen.
    Tief durchatmend ging Kogrim nun auf seinen Konkurrenten Morgradin zu.
    Der schwarzhaarige Wildhammerzwerg grinste selbstgefällig, während er sich auf seiner großen Streitaxt abstützte, die er ständig mit sich führte.
    „Nun hast du es also geschafft. Werde glücklich dem, was von meinem Leben noch geblieben ist“, sagte Kogrim mit fester Stimme. Scheinbar musste er sich sehr zusammenreißen, um seinem Gegenüber nicht den Schädel einzuschlagen. Er bebte förmlich.
    Morgradin grinste noch etwas breiter und nickte.
    „Keine Sorge, ich werde schon meinen Spaß haben“, flüsterte der schwarzhaarige Wildhammer und konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen. Seid vielen Jahren schon hatten beide in engem Konkurrenzkampf gestanden und sich, wo es nur ging, mit allen Mitteln bekämpft. Morgradin schaffte es allerdings immer wieder Kogrim schlecht aussehen zu lassen.
    Aber dieser Ausspruch seines Konkurrenten war einfach zu viel. Als dieser auch noch in Richtung der Schwester des rothaarigen Wildhammer nickte, konnte er seine unbändige Wut einfach nicht mehr zügeln. Kogrim holte mit der Rechten aus und schlug dem völlig überraschten Morgradin mit voller Wucht und ganzer Wut ins Gesicht. Vor Schmerzen stöhnend brach der Erbschleicher zusammen, die Hände über das Gesicht gelegt.
    Wütend spuckte Kogrim Federbart der Jüngere neben sich und knurrte leise, während er sich die rechte Hand rieb.
    Entsetzt starrte Nira auf die Szene, während ihr Vater auf Morgradin zu lief und sich über ihn beugte. Der junge Wildhammer wandte sich zum Gehen und blickte ein letztes Mal auf seine Familie und den blutend am Boden liegenden Konkurrenten. Dann setzte er seinen Weg langsamen Schrittes fort, die wütenden Drohungen, die Morgradin ihm hinterher schrie, nicht beachtend. Bald schon war er außer Hörweite. Kogrim lächelte zufrieden. Der Pass nach Hillsbrad lag vor ihm…



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    Ein Brief an die Akademie - gepostet von Toxyna am Mittwoch 14.11.2007



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