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Re: Geschichte
Jens - 15.04.2012, 18:56Geschichte
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Re: Geschichte
DasLennchen - 17.04.2012, 14:53
Kapitel 1
Elisabeth
5. Januar 2412n.Chr., London, H&Y Company Funnel, Aufzug zwischen Etage 41 und 53
Was, wenn man mich erkennt?, schoss es ihr durch den Kopf, den Blick gebannt auf die Anzeige neben der Aufzugtür gerichtet. 40…41…42…
Ihr Atem ging schnell, zu schnell um unauffällig zu sein. Unter der fremden Kleidung brach ihr den Schweiß aus. So tief war sie noch nie gewesen, nie so weit unten, nie so weit weg von der Oberfläche. …43..44…
Vorsichtig warf sie einen Blick auf Andrew neben sich, ihm konnte man keine Nervosität ansehen. Das Make Up, das seine braun gebrannte Haut überdeckte, war perfekt, die Kleidung genau schmutzig und zerrissen genug, um verwegen aber nicht völlig verwahrlost zu wirken. Es war nicht sein erstes Mal, hatte er erzählt, und außerdem war seine Prüfung um einiges gefährlicher gewesen. Drei Minuten war er tot gewesen, bevor sie ihn wiederbelebt hatten. Auch ihr hatte man die grüne Pille angeboten, doch sie hatte sich für dies hier entschieden. ..45..46…
Sie wandte ihren Blick wieder der Zahlenanzeige zu. In ihren Ohren rauschte das Blut, Adrenalinschübe waren nichts neues, doch diesmal war es anders. Ganz ruhig jetzt..ganz ruhig. Panik ist auffällig, Zittern verdächtig, Schweiß auch. Nur schnell runter, zum Markt, wieder zum Aufzug und weg. Ganz einfach, kein Problem. Soetwas hatte sie schon oft getan, oben in den Läden. Kleine Proben, um ihren Mut und ihr Geschick zu beweisen. Mal ein hübsches Schmuckstück, mal Drogen. Kein Problem dort oben, wo es hell war. Doch hier…47..48..49..
Tief durchatmen, nicht auffällig sein. Sie werden mich nicht erkennen. Ich bin nicht mehr braun gebrannt, die Perrücke sitzt, die Kleidung ist überzeugend. Ich habe seit zwei Tagen nicht geduscht. Gleich wird Andrew mir sagen, was ich besorgen muss. Ich muss das souverän durchziehen, ich werde Andrew und den anderen zeigen, dass ich mithalten kann. Einfach nicht viel Sprechen, damit sie meinen Akzent nicht hören. Ich werde mich anpassen, ich werde mich bewegen wie sie…Ich werde…50…51…
Ganz ruhig jetzt, ich bin eine von ihnen. Ich bin eine Scallopperin, ich bin gleich wieder raus.
52.
„Zweiunfünfzigste Etage. Coal Mine.“tönte es von den Lautsprechern. „Ihre ID bitte.“
Elisabeth beugte sich zu dem Scanner vor, um die ID ihrer Iris messen zu lassen. Jetzt, in dieser Sekunde werden 10 Punkte von meinem Konto abgebucht, die kontrollieren meine ID, meinen Register und meine medizinischen Daten, fuhr es ihr durch den Kopf. Sie wissen, dass ich hier bin. Wenn etwas geschieht, weiß das System dass ich hier ausgestiegen bin. Eine Sekunde später öffnete sich die Aufzugtür. „Willkommen,Frau deLys. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Tag auf Etage 52.“, verabschiedete sich die Stimme emotionslos. Elisabeth hörte ihr nicht zu, gebannt blickte sie in den Gang vor dem Aufzug. Klinisch weiß führte er einige Schritt zu einer Sicherheitstür, vor der zwei Wachmänner standen, die nun zu ihnen blickten. Sie trugen beide die Uniform der H&Y Company , modisch geschnitten in einem schillernden blau-grau. An ihren Gürteln hingen kleine Geräte, Waffen neuster Technik, erkannte Elisabeth. Diese Geräte arbeiteten mit Schall, aber so genau kannte sie sich damit nicht aus. Elisabeth blickte zu Andrew, der ihr zunickte. Sie gab sich einen Ruck, packte ihren langen Rock mit beiden Händen und ging auf die Wachen zu, von denen eine sofort zur Seite trat,sie jedoch mistrauisch musterte, während die andere per ID die Sicherheitstür öffnete. „Einen angenehmen Aufenthalt“, meinte er zu Elisabeth, gut genug geschult, um keine weiteren Fragen zu stellen. Sie lächelte ihm höflich zu, dann ging sie an ihm vorbei zur Tür, die sich langsam öffnete. Andrews Schritte hinter sich, nickte sie der Wache noch einmal zu, dann betrat sie Ebene 52.
Stickige, warme Luft umfing sie. Gestank, wie Elisabeth ihn noch nie gerochen hatte, stieg ihr in die Nase und ließ sie husten. Rauch, Väkalien, Abgase und einige andere Dinge, die sie nicht identifizieren konnte. Die Decke war niedrig, kaum zwei Schritt hoch, und es war dunkel. Nur einzelne Öllampen an den Wänden erhellten den Platz vor dem Aufzug , schäbig und dreckig, von dem sternförmig sieben verschieden große Gänge abgingen. Elisabeth versuchte den Gedanken daran zu verdrängen, wie viele Tonnen Gewicht auf diesen Wänden lastete. Die Sicherheitstür, schloss und verriegelte sich soeben mit einem leisen Zischen wieder. Zwei der Gänge hatten Schienen am Boden, hier fuhr wohl eine veraltete Version der Hybridbahnen ab, wie es damals im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert noch der Fall gewesen war, erinnerte sie sich. Als Elisabeth sich genauer umsah, erblickte sie eine Projektionsanlage, die in ihrer Technik so garnicht in dieses Umfeld zu passen schien.
Der Platz war leer, nur aus der Ferne hörte man Arbeitslärm, der in den Gängen wiederhallte. Statt Projektoren standen an den Gängen altertümliche Straßenschilder, die in verschiedene Richtungen wiesen, Elisabeth hielt sich einen Ärmel ihres Kleides vor den Mund, um den Gestank nicht einatmen zu müssen. „Keine Sorge, man gewöhnt sich dran“, raunte Andrew ihr zu. Sie warf ihm einen zweifelnden Blick zu. „WO sind all die Menschen?“, wollte sie wissen. Erzuckte mit den Schulten „In den Mienen, auf der Arbeit, in ihnen Zimmern oder…“ Er zwinkerte ihr zu „Auf dem Markt.“ Elisabeth hob fragend die Augenbrauen „Wo ist der Markt?“ Andrew schüttelte den Kopf „Das musst du schon selbst finden. Hier ist deine Aufgabe: Gehe zum Markt und bringe mir einen Apfel.“ Sie sah ihn verständnislos an „Ist das dein Ernst? Ein Apfel?“ Sie lächelte innerlich, das würde ein Kinderspiel werden. „Er grinste sie an, seine Zähne waren strahlend weiß, fiel ihr auf. Bestimmt nicht echt. „Du hast drei Stunden“, meinte er zu ihr „Dann warte ich wieder hier auf dich.“ Sie räusperte sich „DU kommst nicht mit?“ ER schüttelte den Kopf „Nein, ichhabe hier noch…etwas zu erledigen, wenn du verstehst.“ Sie verstand nicht, was sollte einer wie er hiernunten zu erledigen haben? Doch sie hielt den Mund. „Okay. In drei Stunden also.“ Er nickte ihr zu „Viel Glück…und komm heil zurück“. Mit diesen Worten drehte er sich um und ging in einen der Gänge davon. Elisabeth blieb stehen und hörte seine hallenden Schri8tte noch immer, als erst er und dann sein Schatten um eine Biegung verschwunden waren. Sie atmete tief durch. Das war also Ebene 52. Nur 6 Ebenen über Grund.
Gerade als Elisabeth auf eines der Straßenschilder zugehen wollte, ertönte aus einem der Gänge ein lautes Tuten, das durch die Gänge dröhnte. Sie wollte sich die Ohren zuhalten, doch brachte das nichts. Der Hall war schrecklick schrill und bohrte sich schmerzhaft in ihren Gehörkanal. Verschreckt sprang sie zur Seite, als sich aus einem der Gänge ein Gefährt schlängelte, das Rauch spuckte und aus Eisen zu bestehen schien. Vor Schreck hatte Elisabeth nicht bemerkt, wohin sie trat, ihr Fuß in den ungewohnten Stiefeln rutschte zur Seite und sie fiel rücklinks zu Boden. Sie war auf etwas Glattem ausgerutscht. Noch einmal Erklang dieses schrecklicke Geräusch, dann fuhr die Eisenbahn, denn um solch eine handelte es sich nun bei genauerer Betrachtung , nur wenige Zentimeter vor Elisabeth vorbei, die das Ungetüm gebannt anstarrte. Riesige Räder kamen langsam zum Stillstand, das Metall war so sehr von Ruß und Staub bedeckt, dass sich die eigentliche Farbe nicht mehr feststellen ließ. Elisabeth tastete nach ihrem Fuß, der nach dem Sturz ein wenig schmerzte.
„Passense doch uf, jungs Maidn“, erklang da eine männliche Stimme hinter ihr. Sie wandte sich um und ihr Blick wanderte über klobige dunkle Lederstiefel, die aussahen als könnten sie jeden Augenblick auseinanderfallen, über graue Arbeitshosen an denen verschiedene altertümlich anmutende Werkzeuge hingen, über ein Jeanshemd und eine rote Weste aus speckigem Stoff bis hin zu einem von wirrem verschwitzen dunklen Haar eingerahmten Gesicht. Die Haut war so blass, dass man die Adern durchscheinen sehen konnte, jedoch so von Ruß verschmnutzt, als hätte sie seit Wochen keine Seife mehr gesehen. Blaue Augen blitzten unter einem hohen Hut hervor, der nicht minder abgewetzt aussah wie die restliche Gestalt. Erst jetzt fiel Elisabeths Blick auf die unauffälligen Rundungen unter der Weste, bei diesem abgerissenen Menschen musste es sich also um eine junge Frau handeln, wenn auch von kleinem Wuchs und knabenhafter Gestalt. „Hamse sich v’letzt, Schwester?“ Elisabeth wurde eine schmutzige Hand mit schwarz verdreckten Nägeln entgegen gehalten. „Dürfn nich ufn Gleisn rumgurke!“, meine die junge Frau und wartete, bis Elisabeth ihre Hand ergriff, um sich aufhelfen zu lassen. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie wohl tatsächlich auf den Gleisen gestanden hatte, die in den Boden eingelassen waren. „Entschuldigen sie bitte, es war nicht meine Absicht, ich meine, s war nich mei Abs’cht..“, stammelte sie und wischte sich unauffällig ihre Hand am Rock ab. Die junge Frau zuckte mit den Schultern „Is ja nich nichts passiert, nich?“ Elisabeth nickte und trat vorsichtig auf ihren Fuß. „Nein, alles okay, danke.“ Ihr begegnete ein irritierter Blick. „Was machtn hier drauß?“, wollte die anderen wissen „Hier is doch nich nichts? Nur der olle Ufzug…Kommsde von obe?“ Elisabetn beeilte sich den Kopf zu schütteln. „Nene, ich..hab nur nen Bekannten v’abschied..“ Sie merkte selbst, wie aufgesetzt der Akzent klang und bemühte sich, die Worte zu nuscheln. Die andere nickte mit hochgezogenen Brauen „Na gut. Wo musstn hin? Ich fahr zur Min…könnt dich und di putt Fuß mitneh..“ Elisabeth schluckte „Zum Markt wollt ich“ Die kleine drehte sich um und meinte im gehen, während die auf die Lock zuging „Da komm i vorbei, spring uff!“ Eilig raffte Elisabeth ihre Röcke und beeilte sich, zur Lock zu kommen. Die Eisenbahn bestand, soweit sie erkennen konnte, nur aus Lastwagons. Die Tür klemmte leicht und öffnete sich dann mit einem Quietschen. Schon als Elisabeth einstieg, bemerkte sie, wie sich eine Rußschickt über sie legte. Wie wollte sie abwischen, besann sich dann jedoch eines besseren. Mehr Tarnung konnte nicht schaden. Stunm sah sie der Lockführerin zu, wie sie einige Kisten entlud und mitten auf den Platz stellte. Dann stieg sie zu Elisabeth in die Lock, zwinkerte ihr verwegen zu „Ich wett, du bist noch nie mit so em Prachgestück gfahre?“ Elisabeth schüttelte den Kopf, nein mit solch einem Ding war sie noch nie gefahren.
Re: Geschichte
Jens - 23.04.2012, 17:18
Tavy
5. Januar 2412n.Chr., London, H&Y Company Funnel, Etage 52, Marktplatz
Die Luft war erfüllt vom Stimmengewirr und dem hektischen Treiben auf dem Marktplatz. Der Gestank frisch gegerbten Leders mischte sich mit dem betörenden Kräuterduft und dem süßlichen Geruch reifen Obstes. Tavy stand inmitten dieses Chaos an Widersprüchlichkeiten und betrachtete aufmerksam die Menge um sich herum. Es war Dienstag und somit Markttag auf Etage 52. Die Menschen strömten in Scharen herbei, um Ware gegen Ware zu tauschen. Hier unten gab es keine offizielle Währung, kein Bezahlsystem, das auf Punktabzüge auf dem virtuellen Konto basierte. Was nutzte einem Geld oder Punkte, wenn jeder Tag ein weiterer Kampf ums Überleben bedeutete.
Ein kleiner Junge betrachte sehnsüchtig die Weintrauben auf Tavys Marktstand. Obst war hier unten ein absoluter Luxus, genauso wie Arzneien. Zwar rühmte sich die H&Y Company Funnel auch für ihre Mitarbeiter der untersten Etagen Hilfsgüter zu liefern, doch reichten diese Lieferungen bei weitem nicht aus.
Tavy winkte den Jungen unauffällig zu sich, pflückte eine Traube von der Rispe und drückte sie dem Kleinen in die Hand. Der Junge strahlte ihn mit einem dankbaren Lächeln an, bei dem er seine schwarzen Zähne enthüllte. Genauso schwarz wie sein von Ruß verschmiertes Gesicht. Tavys Magen zog sich bei diesem Anblick zusammen.
„Wie heißt du, Kleiner“, fragte er freundlich und beugte sich zu dem Jungen herab. Der Junge blinzelte ihn verständnislos an und Tavy seufzte.
„Wassen d’n Naam?“, bedient er sich des grauenhaften Dialektes, der auf den unteren Etagen vorherrschte. Die Miene des Jungen hellte sich auf.
„Tommy“, nuschelte er und fügte dann ein „Sir“ hinzu. Tavy zerzauste ihm das Haar.
„Isch ben Tavy – un isch ben keen Sir. Un nu hopp!“ Tavy zwinkerte dem Jungen zu und schickte ihn wieder in das dichte Marktgetümmel. Als er sic umdrehte begegnete er dem vorwurfsvollen Blick von John, seinem ältesten Sohn.
„Du solltest nicht alles verschenken, Dad! Wir haben doch selber gerade genug, um zu überleben.“
John hatte dieselben klaren grünen Augen, war jedoch kleiner und hagerer als sein Vater. Er war gerade mal 13 und trotzdem schwang in seiner Stimme eine Bitternis mit, die einem lebensmüden alten Mann glich.
„Du hast Recht, Jonathan – aber wir haben wenigstens noch das Obst und Kräuter für uns. Andere Familien können sich das nicht leisten, das weißt du. Und wenn wir uns nicht gegenseitig helfen, dann ist unser Leben hier unten völlig verloren!“ Tavys Blick fiel auf ein kleines Gerät in Johns Hand. „Eine Nachricht?“, fragte er. John nickte knapp. „Wir bekommen mal wieder hohen Besuch!“ Sein Sohn hob die letzten beiden Wörter mit einem spöttischen Unterton hervor. Schlagartig verwandelte sich der Ausdruck in Tavys Gesicht und wich einer wachsamen Anspannung.
„Sind unsere Späher informiert?“ John verdrehte ob dieser Frage nur die Augen. „Natürlich, Dad.“
„Sehr gut. Dann misch du dich auch unter die Leute und halt die Augen offen, ich komme hier auch allein zurecht.“ Er nahm John das kleine Gerät aus der Hand, bei der es sich um einen simplen Beaper handelte. Eine Technologie, die aus dem 20. Jahrhundert stammte und aufgrund ihrer primitiven Art nicht wie alle anderen Kommunikationswege überwacht wurde.
„Endlich wieder eine Jagd!“ Jonathans Grinsen war wölfisch, aber Tavy empfand dieselbe Begeisterung. Es war wieder an der Zeit, der Obrigkeit zu zeigen, dass die Ärmsten zwar arm sein mochten aber nicht wehrlos.
Trotz seiner Angespanntheit bediente Tavy seine Kunden mit der üblichen Sorgfalt und Aufmerksamkeit. Die meisten kamen wegen Kräuter und medizinischer Ratschläge zu ihm. Doch ein paar kauften auch seine Früchte. Die Zeit verging quälend langsam und hinter seinem Ladentisch sammelten sich die Tauschobjekte. Vielmals waren Erze und Mineralien die Tauschware. Die Minenarbeiter suchten nicht nur nach Kphle, auch wenn das das Hauptprodukt war, das von der Firma zu Tage gefördert wurde. Neben den Kohleflözen fanden sich aber auch oft kleine Mengen an Metallen oder Mineralien. Und nicht immer wanderte alles in die Lohren und zu den Eisenbahnen. Jeden Abend vor dem Markttag fuhr Tavy mit den getauschten Waren in die untersten Etagen der Mittelschicht und tauschte die Mineralien gegen Obst und andere lebenswichtige Güter ein. Es erfüllte ihn jedes Mal mit tiefer Wut, wenn er merkte, wie günstig die gehoberenen Schichten an Lebensmittel kamen. Den Gewinn, den er durch den Tausch auf den höheren Ebenen erwirtschaftete ließ er sich auf seinem Konto gutschreiben. Somit finanzierte er sich die Fahrten in die höheren Ebenen. Der Tauschhandel zusammen mit dem Gehalt, das er als Lehrer verdiente, reichte um seiner Familie ein relativ sicheres Leben auf Etage 52 zu ermöglichen.
Eine Frau trat an seinen Stand. Ihr Gesicht war von Falten zerfurcht und in ihren Augen lag ein so erschöpfter Ausdruck, dass man sie auf den ersten Blick für über 60 Jahre halten konnte. Aber niemand auf Etage 52 wurde so alt, vorher starb man entweder an Erschöpfung oder an einer Krankheit. Das Haar der Frau war mit grauen Strähnen durchzogen, aber im Gegensatz zu den meisten Bewohnern auf Etage 52 war ihre Kleidung sauber und ohne Löcher.
„Antonia“, Tavy begrüßte seine Schwester. „Ich nehme an, du bringst Neuigkeiten?“
„So ist es“, ihre Stimme klang melodiös, ihr fehlte jede Spur an Kraftlosigkeit. „Ich habe gute Neuigkeiten und schlechte, welche zuerst?“
„Und ich hatte gehofft, du überraschst mich ausnahmsweise mal nur mit froher Kunde“ Tavy lachte ironisch. „Fangen wir mit der schlechten an!“
„Wie du willst!“ Sie schenkte ihm ein ebenso ironisches Lächeln und enthüllte makellose Zähne. „Sie sind zu zweit heruntergekommen. Ein Junge und ein Mädchen.“
„Also wieder eine Mutprobe?“ tavy schüttelte den Kopf.
„Ja, aber der Junge ist nicht zum ersten Mal hier.“
„Du meinst es ist eine Falle?“ Tavy stützte sein Kinn auf eine Hand und dachte nach. „Was ist mit der guten Botschaft?“
„Die Wachen sind Hugin und Munin. Und…“
„Ich weiß wer heute Wache hat“, unterbrach Tavy seine Schwester.
„Wenn das so ist, dann kann ich ja gehen, Octavian!“ Antonias Ton war scharf und ihre Augen funkelten.
Eine Weile starrten sie sich beide feindselig an, dann senkte sie ihren Blick. „Wie gehen wir vor?“, fragte sie leise.
„Was wissen wir über die beiden?“ Tavy schlug einen versöhnlichen Tonfall an. Wortlos reichte Antonia ihm ein Datenpad. Eingehend musterte Tavy die Informationen. Dann richtete er sich zu siner volle Größe auf und ein entschlossener Ausdruck lag auf seinem Gesicht.
„Ich glaube nicht, dass es eine Falle ist, aber sicher können wir nicht sein. Ich denke der Junge ist hier unten, um auf sie aufzupassen, wenn“ Er blickte kurz auf das Pad „Elisabeth ihre Mutprobe durchführt.“
„Er war schon öfters hier unten und ist uns immer entwischt.“
„Der einzige Weg nach oben führt an Hugin und Munin vorbei, diesmal haben sie sich einen schlechten Tag ausgesucht. Informier die beiden, dass wir eingreifen werden. Ich gebe den anderen Bescheid.“ Tavys stechend grüne Augen hefteten sich auf die seiner Schwester. „Und schaltet den Jungen aus, er ist nicht von Bedeutung.“
Antonia lächelte kalt und verschwand dann in der Menge.
Re: Geschichte
DasLennchen - 25.04.2012, 14:12
Elisabeth
5. Januar 2412n.Chr., London, H&Y Company Funnel, Etage 53
Der Rauch der Eisenbahn hüllte Elisabeth in grau. Das Laute Schlagen der Hämmer dröhnte in ihren Ohren, von Zeit zu Zeit ertönte ein Schrilles Tuten. Nach nur wenigen Minuten sah Elisabeth die ersten Menschen, schemenhafte Schatten am Rand des Tunnels, in dreckiger Kleidung, Mit jeder Minute wurde die Luft stickiger, dicker, und Elisabeths Lungen schmerzten und brannten schon bald heftig. Die Junge Frau neben ihr war verstummt und kümmerte sich um verschiedene kleine mechanische Gerätschaften, Druckmesser und ähnlichen Dingen, deren Anzeigen wild ausschlugen. Die Eisenbahn schlängelte sich durch die niedrigen Gänge, teils völlig im Dunkeln gelegen. Kleine Türen, alle einheitlich, reihten sich an den Wänden, dank Ruß und Dreck kaum von voneinander zu unterscheiden. Wenn die Eisenbahn von Zeit zu Zeit anhielt und die Lockführerin etwas entlud oder entgegen nahm, konnte Elisabeth einen genaueren Blick auf ihre Umgebung werfen. Mittlerweile waren die Gänge noch enger geworden, neben den Bahnwaggons war kaum Platz zu den Wänden. Einige Menschen drängten sich in dem schmalen Spalt entlang und diskutierten in diesem Grausamen Dialekt. Kinder, die nicht älter als zehn Jahre alt sein konnten, trugen schon Arbeitskleidung und sprachen wie Erwachsene. Elisabeth erinnerte sich, wie sie in diesem Alter mit ihrer Privatlehrerin auf dem Balkon gelernt hatte. Warum waren diese Kinder nicht in der Schule? Sie waren klein und abgemagert, die Hosen geflickt, die Haare fettig und die blasse Haut von Ausschlägen und Dreck verkrustet. Angeekelt wandte sie sich ab. Davon hatte man oben nie gesprochen. Schulpflicht bis zum Alter von 12 Jahren, kostenlose Medikamentverteilung, Arbeiterküchen und Wohnungen für alle Arbeiter der unteren Ebenen, damit rühmte sich die H&Y Company.
Elisabeth kämpfte mit einem Würgereiz. Zum Glück war sie geimpft und ihre Gene so verändert, dass sie gegen alle bekannten Krankheiten resistent war. Eine Kleine Hand zupfte an ihrem Rock. Als sie sich umdrehte, stand dort ein kleines Mädchen in grauem Kittel mit zerzausten schwarzen Zöpfen, dem ein schüchternes Lächeln auf den Lippen schwebte. Ihr fehlte das Funkeln in den Augen, bemerkte Elisabeth, sie waren rot und ein wenig geschwollen- wie sollte da die ID noch funktionnieren? „Hasde n Daler?“, nuschelte die Kleine. Elisabeth starrte sie verständnislos an. „Wie bitte?“ Die Kleine sah zur Seite, wo Elisabeth nun einen etwas älteren Jungen stehen sah, der ebenfalls ungesund und dreckig aussah und der kleinen nun auffordernd zunickte. „n Daler?“, fragte das Kind verunsichert. „Geld?“ Elisabeth schüttelte den Kopf. Geld? Das hatte es doch zuletzt im zweiundzwanzigsten Jahrhundert gegeben, bevor die Punkte ID eingeführt wurde. Münzen hatte sie nur einmal in einem Museum an der Oberfläche gesehen. Alte antike Münzen, Geld aus Papier und sogar Plastikkarten. Wie das alles funktioniert haben mochte, konnte sie nicht ganz nachvollziehen, weshalb fragte die Kleine nun nach solchen veralteten Methoden? „Funktioniert deine Punkte ID nicht?“, fragte sie die Kleine, die nun ihren Kopf schüttelte, dass die Zöpfe flogen und auf ihre Augen deutete. Elisabeth verstand, die Krankheit musste die Funktion der Scanner einschränken. Sie biss sich auf die Lippen, hin und her gerissen zwischen Ekel und Mitleid. „Wo ist deine Mum?“, fragte sie und beugte sich ein wenig zu der Kleinen hinunter. „Du brauchst doch gar keine Punkte, deine Eltern können dir doch alles Kaufen, was du brauchst?“ Das Mädchen presste die Lippen zusammen „Hamse nu nen Daler oder nich?“, hörte sie eine Jungenstimme und als sie aufsah, stand dort der Bruder, zumindest vermutete sie, dass es sich dabei um den Bruder des Mädchens handelte, denn wer ließ seine kleine Tochter schon allein auf der Etage rumlaufen?
Elisabeth betrachtete den Jungen, in geflickter Hose und hochgekrempelten Arbeiterhemd der Company, speckige Hosenträger und löchrige Lederschuhe, auch seine Augen gerötet und verkrustet. „Nein, tut mir Leid…“, Elisabeth schluckte „Ich hab nur Punkte, keine…“, sie erinnerte sich an den Slang hier unten „Keine Daler…“ Der Junge warf ihr einen wütenden Blick zu, dann nahm er das Mädchen am Arm und sprang mit ihr vom gerade wieder anfahrenden Zug. Mit einem schlechten Gefühl im Bauch blickte Elisabeth zu den beiden kleinen Gestalten zurück, als die Eisenbahn ihren Weg fortsetzte. „Warum hast denen nich nix gegeben?“, fragte die Lockführerin von der Seite „Sah übel aus, die Kleene…“ „Hab nichts zu geben“, meinte Elisabeth leise. Ein Blick aus den grün funkelnden Augen begegnete ihr kurz „Wenn du nix mit hast, was willstn dann uffe Markt?“ Elisabeth zog fragend die Brauen zusammen, was war hier los? Warum fragte das Kind nach Geld, warum sollte sie irgendetwas zum Markt mitbringen? Und warum war hier unten alles so…anders? Eine besonders Dicke Rauchwolke kam ihr entgegen und entfachte einen brennenden Hustenreiz. Als sie sich endlich erholt hatte, war die Eisenbahn wieder langsamer geworden. An den Häuserwänden waren nun kleine Stände aufgebaut, die schnell eingerollt und zusammengeklappt wurden, als die Eisenbahn vorüber fuhr. Als Elisabeth sich umdrehte, hatte der erneute Aufbau der Stände hinter den Wagons schon wieder begonnen. Neugierig betrachtete sie die Auslage, war jedoch enttäuscht. Es handelte sich hauptsächlich um Steinklumpen, Mineralien, Metallgegenstände, Werkzeug und kleine mechanische Gerätschaften. Seltener sah sie Stände mit Kleidung, die eindeutig schon Vorbesitzer gehabt hatte. An einer etwas größeren Tür blieb die Bahn schließlich stehen. Die junge Frau nickte Elisabeth zu „Endstation, junge Dame“, meinte sie mit ernstem Blick „Hoffentlich hast du den kleinen Ausflug mit mir und Smokie“, sie tätschelte die Lock auf ihrem verdreckten Blech „..genossen. Aber du solltest hier ganz schnell verschwinden, sonst ist der Zug schneller abgefahren als du denkst, wenn du verstehst was ich meine?“ Mit diesem Worten packte sie eine Kiste und schleppte sie durch die Tür in der Wand. Elisabeth zog erschrocken die Luft ein, als sie verstand, dass die Frau soeben ihren Akzent völlig abgelegt hatte…man hatte sie erkannt. Woran? An ihrer Kleidung? An der Sprache? Sie fuhr sich mit der Zunge über die trockenen, rauchig schmeckenden Lippen. Aber sie konnte nicht aufgeben. Nicht jetzt, jetzt war sie schon so nah dran. Vorsichtig raffte sie ihre Röcke zusammen und stieg aus der Bahn aus. „Vorsicht!“, rief ein junger Kerl, dem sie beinahe in die Auslage gestiegen wäre „‘tschuldige“, nuschelte sie und sah sich um. Äpfel. Wo gibt’s hier Äpfel?
Sie ließ ihren Blick über die Händler schweifen. Keiner beachtete sie weiter, Menschen drängten sich um die Tücher, die am Boden ausgebreitet lagen, über den Schienen, die Türe, von denen Elisabeth gedacht hatte, es handle sich um Wohnungen, führten wohl in Geschäfte hinein, denn die Menschen gingen hinaus und hinein wie es ihnen passte. Ohne die ID zu scannen, ging es Elisabeth auf und es durchfuhr sie heiß. Es gab hier unten keine Ortung! Etwas verängstigt ging sie einige Schritte, lauschte den Rufen der Marktleute, die ihre Ware anpriesen. „Eisenpräperate! Nur noch zwanzig vorrätig!“ „ Kauft eure Schrauben bei mir, hier gibt’s eine kostenlos dazu!“ „Wie lange hast du schon kein Brot mehr gegessen?“, rief ihr eine Frau mit bunten Röcken zu „Hier gibt’s frisches Brot! Frisch gebacken! Mit echtem Weizen!“ Elisabeth schüttelte den Kopf und ging weiter. Heute Morgen, dachte sie bei sich..erst heute morgen habe ich Brot gegessen… „Suchst du was bestimmtes?“, hörte sie eine Kinderstimme neben sich. Ein Mädchen von vielleicht dreizehn Jahren lehnte dort an der Wand. „Ich weiß, wo du was findest..auch die außergewöhnlicheren Dinge, wenn du verstehst?“ Erschrocken beobachtete Elisabeth, wie die kleine ihren Rock hob. Entsetzt wandte sie sich ab „Hab dich nicht so!“, rief die Kleine ihr hinterher „Der Doc sagt, ich bin sauber!“
Elisabeth beschlich ein Würgereiz, das war noch ein Kind! Schnell ging Elisabeth zu der Tür, in der die Lockführerin verschwunden war. Der Geruch von Essen mischte sich unter den von Rauch. Verschiedene Räume von vielleicht zwanzig Quadratmetern reihten sich aneinander, kaputte Projektionsflächen zeugten davon, dass es sich wohl einmal um ein Company-Gebäude gehandelt haben musste. Elisabeth folgte dem Menschenstrom weiter in die Räume hinein, ließ sich ein wenig treiben und beobachtete die Leute um sich herum. Schon nach kurzem fiel ihr auf, dass viele Menschen mit großen Säcken herumliefen, an den Ständen gab es keine Scanner. Wie bezahlte man hier? Etwa tatsächlich mit einer alten Währung, wie das Mädchen gesagt hatte? Unauffällig stellte sie sich in eine Ecke und beobachtete den Handel an einem Stand.
Re: Geschichte
DasLennchen - 26.04.2012, 14:50
Der Mann dort verkaufte kleine mechanische Geräte, die bei genauerem Hinsehen aus vielen kleinen Zahnrädern, Messggrätchen, Schläuchen und Schrauben bestanden und deren Sinn sich Eisabeth nicht erschließen konnte. Ein junger Mann nahm eins nach den anderen in die Hand, wog sie, betrachtete sie eingehender. Er trug einen geflickten Mantel aus grauem Leder, Handschuhe und einen Zylinder und hätte eigentlich gut ausgesehen, wäre nicht alles an ihm so heruntergekommen. Er hatte seine langen Haare zu einem Zopf gebunden und trug ein seltsames Gestell auf der Nase, das sie nur aus Geschichte kannte. Eine Brille, ein Monokel oder etwas derartiges musste es sein, also völlig veralte Technik und furchtbar umständlich. Jetzt deutete er auf eines der kleinen Geräte und wadte sich an den Verkäufer, der abschätzend nickte. Der junge Mann nahm den großen Sack, den er neben sich stehen hat und holte einige Dinge hervor, die Elisabeth nicht genau erkennen konnte. Braune dunkle Kugeln mit unebenem Äußeren, woraufhin der Verkäufer die Lippen zusammenpresste und nickte. Der junge Mann tat die runden Dinger zurück in den Sack, der wohl voll von ihnen sein musste, und hievte ihn über die Theke, woraufhin der Verkäufer in seine Tasche griff, etwas sehr kleines herausholte und kurz an dem ausgewählten Objekt herumschraubte, um es dann dem jungen Mann zu gaben. Der begutachtete es nocheinmal kurz und steckte es dann in seine Manteltasche. Er rückte sich das Brillengestell zurecht, tippte grüßend an seinen Hut und wandte sich ab. Im gehen zog er aus seiner Hosentasche ein weiteres kleines Gerät an einer Kette, auf das er jedoch nur kurz einen Blick warf. Elisabeth blieb verwirrt zurück. Hier bezahlte man mit Gegenständen. Diese runden Dinger mussten wohl sehr wertvoll sein, vielleicht ein seltenes Metall oder ähnliches. Dabei sahen diese Dinger eher organisch aus… Sie biss sich auf die Lippen. Wie sollte sie an solche Tauschsachen kommen? Vielleicht waren diese runden Teila ja die „Daler“, von denen das Kind vorhin gesprochen hatte, auch wenn die Münzen im Museum anders ausgesehen hatten, kleiner, flach und glänzend. Langsam und staunend die Auslagen betrachtend ging Elisabeth in den nächsten Raum. Tatsächlich wurde dort in einer Ecke Gemüse angeboten, Karotten und andere Wurzelsachen die Elisabeth nicht kannte. Auch diese runden Dinger lagen dort. Vorsichtig näherte sie sich dem stand, an dem eine ältere Frau saß und mit etwas unter der Theke beschäftigt war. Sobald sie Elisabeth jedoch bemerkte, richtete sie sich auf und sah ihr entgegen und musterte sie kritisch. Elisabeth blieb stehen und begutachtete die Auslage. „Na Kleene, kann i dir helfen?“, meinte die Frau und stand auf. Elisabeth zuckte mit den Schultern. „Ham se auch Äpfel?“, fragte sie dann vorsichtig. Die Frau sah sie entgeistert an, dann fing sie an zu lachen. „Äpfel?“, sie sah sich um und hielt sich den Bauch als aus den lachen ein Husten wurde „Dat war n juter Witz, Mädl…Ob ich Äppl hab…“ Sie stützte sich schwer auf die Theke. „Am besten noch frisch und direkt vom Baum, wa?“
Elisbaeth zuckte zusammen. „‘tschuldigung, ich..“ Die alte schüttelte den Kopf „Erdäppel hab ich…“ Elisabeth hob fragend die Brauen „Erdäppel?“ Die Verkäuferin nickte und deutete auf die braunen runden Dinger, mit denen der Mann zuvor bezahlt hatte. „Hier..bisde blind?“
Elisabeth schluckte. Das war also Obst. Sie streckte die hand nach einer dieser Knollen aus, hielt jedoch in der Bewegung inne, als sie dem strengen Blick der Verkäuferin begegnete. „Willste mir nich erst zeigen wasde hast?“
Elisabeth schluckte „Punkte hab i“, meinte sie dann leise mit gesenktem Blick. Die Alte ließ sich zurück auf ihren Stuhl fallen. „Leise, Kind..“
Re: Geschichte
Jens - 06.05.2012, 20:20
Andrew
5. Januar 2412n.Chr., London, H&Y Company Funnel, Etage 53
Nachdem er sich von Elisabeth getrennt hatte, begab sich Andrew zügigen Schrittes in Richtung Markt. Im Gegensatz zu ihr wusste er genau, wo dieser sich befand und er wollte noch einige Dinge erwerben, bevor er sich seiner Hauptaufgabe widmen würde. Er seufzte genervt. Bei jeder Mutprobe wurde er als Begleitung mitgeschickt, um im Notfall den Kandidaten zu helfen. Eine lästige Aufgabe, denn sie waren alle beim ersten Mal so unsicher und ungeschickt. Aber abgesehen von Andrew kannte sich auf der Schule hier unten niemand so gut aus.
Abschätzig betrachtete er die verrußten Wände und den Dreck auf dem Boden. Jedes Mal fragte er sich aufs Neue, wie man hier unten nur leben konnte. Aber es kam eben nicht jeder in den Genuss eines privilegierten Lebens und alle, die es sich nicht leisten konnten, mussten sich eben mit dem Schäbigesten begnügen. Prüfend schaute Andrew auf sein Pad und stellte zufrieden fest, dass er vollen Empfang hatte. Seine Anzeige teilte ihm mit, dass sich Elisabeth auf einem direkten Zugangsweg zum Markt befand. Er runzelte die Stirn. Der letzte Kandidat hatte fast zwei Stunden gebraucht, bis er zum Markt gelangt war. Vielleicht war Elisabeth doch nicht so dumm, wie er angenommen hatte. Sorgfältig verstaute er das silbrig glänzende Gerät in den Falten seines Umhangs und beschleunigte seine Schritte.
Wie von selbst führen ihn seine Füße auf den Markt. Er mischte sich unter die Leute und wurde zu einem Teil des riesigen Chaos um ihn herum. Mühelos schlängelte er sich durch das dichte Gedränge und feilschte mit einigen Händlern. Perfekt überspielte er seine Abscheu bei dem schrecklichen Kauderwelsch, der hier unten als Sprache bezeichnet wurde und erwarb ein paar Zigaretten. Auf den hohen etagen waren diese der absolute Schrei, da sie ungefiltert waren und einen viel stärkeren Effekt aufwiesen. Sein Pad vibrierte leicht und signalisierte ihm so, dass Elisabeth ebenfalls angekommen war. Etwas mehr als eine halbe Stunde, neuer Rekord, soweit sich Andrew erinnern konnte. Nun wurde es Zeit, auf Elisabeth aufzupassen. Er steckte sich eine Zigarette an und nahm einen tiefen Zug. Genüsslich inhalierte er alle Schadstoffe, wohl wissend dass seine Lunge nie ernsthaft in Gefahr war, dafür sorgten die Chirurgen und das Konto seines Vaters. Eine ältere Frau rempelte ihm im Vorbeigehen an. Fluchend hielt er sich die Seite und ließ eine Salve an Schimpfwörtern auf die Frau niederprasseln, die diese sogleich erwiderte. Verärgert wandte er sich ab und mischte sich wieder in die Menge. Der Strom trug ihn an den Rand und hinter einem kleinen Laden, der Mann hinter dem Stand schrie lauthals seine selbst hergestellten Besen, zog er sein Pad hervor. Er hatte un laufe seiner Visiten auf Etage 53 eine Übersichtskarte erstellt und zusammen mit dem Peilsender in Elisabeths Tasche konnte er so jederzeit feststellen, wo sie sich befand. Andrew war unglaublich stolz darauf, hatte diese Funktion jedoch nie an die anderen weitergegeben. Sollten sie doch selber auf diese Idee kommen. Er aktivierte das Display und fing an zu fluchen. Die Anzeige war tot. Am liebsten würde er der alten Frau den Hals umdrehen. Er schaltete den Empfänger und startete von neuem die Bedienung. Erneut wurde ihm kein Empfang mitgeteilt. Andrew stieß eine Verwünschung aus und steckte das Gerät wieder weg. Dann würde er wohl auf sein Hilfsmittel verzichten müssen, aber er würde Elisabeth schon finden. Schließlich wusste er, wo der Obststand war,
„Haben wir uns etwa verlaufen, mein süßer?“ Die melodiöse Stimme in seinem Rücken ließ Andrew herumwirbeln. Ihm gegenüber stand die alte Frau, die ihn mit einem spöttischen Lächeln musterte.
„Sie!“, stieß er wütend hervor.
Die Frau machte einen anmutigen Knicks.
„Willkommen auf Etage 53, Andrew de Tiralion. Ich hoffe Sie genießen Ihren Auffenthalt!“ Ihre Stimme klang verblüffend ähnlich wie die Ansage bei den Aufzügen.
Andrew reagierte instinktiv. Seine Hand fuhr in die Tasche und schon wirbelte die Klinge durch die Luft. Mit einem Aufschrei fasste sich die Frau an ihre Brust, das Messer war ihr bis zum Heft ins Fleisch eingedrungen. Andrew schoß vor, rempelte die Frau rücksichtslos zur Seite und rannte los.
Sie waren verraten worden und nun war das kein Spiel mehr. In seinem Kopf wirbelten die Gedanken durcheinander. Keiner hatte die Konfrontation bemerkt und noch hatte er die Möglichkeit zu entkommen. Auf Elisabeth würde er keine Rücksicht nehmen können. Achtlos drängte er sich an den anderen vorbei, ohne auf ihr protestierendes Geschrei zu achten- Woher hatte sie seinen Namen gewusst? Niemand hatte Zugang zu den Daten, der Liftpassagiere außer der Company. Und wie kamen diese Daten nach hier unten. Die Resistance schoss es ihm wie ein Blitz durch den Kopf. Ihm wurde schlecht. Wenn er es nicht nach oben schaffte, würden sie ihn gnadenlos foltern. Die Medien berichteten die schlimmsten Dinge von der Widerstandsbewegung, die in den letzten Wochen angeblich für mehrere Sabotageakte verantwortlich gewesen sein sollte. Die Tunnelwände rasten an Andrew vorbei, seine Schritte hallten laut durch die Gänge. Er blickte sich um, aber niemand verfolgte ihn. Die letzten paar Meter bis zum Sicherheitstor lief er wieder in ruhigem Tempo. Hatte er vielleicht überreagiert und sollte wieder umkehren? Zischend öffnete sich die Passage, nachdem seine Netzhaut und Iris geprüft worden war. Erleichtert ging er auf die beiden Wachen der H&Y Company zu. Das Blut gefror ihm jedoch in den Adern, als er die gezückten Schallwaffen sah.
„Was …“
Ihn Andrews Ohren explodierte etwas, ein Summen umgab ihn. Dann brach er zusammen. Aus seinen Ohren und Nase rann Blut.
„Ausgeschaltet“, kommentierte eine der Wachen in ein Funkgerät.
Re: Geschichte
DasLennchen - 07.05.2012, 12:43
ELisabeth,
5. Januar 2412n.Chr., London, H&Y Company Funnel, Etage 53
„Gibt mir deinen Mantel“, raunte die alte ihr zu „Der ist die Erdäppel wert…und dann mach, dass du davon kommst!“ Elisabeth schluckte, dann schälte sie sich aus dem speckigen Ledermantel, den Andrew ihr gegeben hatte. Ohne ihn fühlte sie sich nackt in dem weiten Kleid und dem eng geschnürten Korsett. Zum Glück hatte sie daran gedacht, auch ihre Arme zu schminken. Etwas zögerlich reichte sie der Frau das Kleidungsstück über die Theke. Die Frau befühlte das Material mit den Fingern, untersuchte den Mantel nach größeren Löchern und nickt edann. Die packte einen kleinen Sackunter der Theke hervor und packte einige Hände voll Erdäpfel hinein. „Dann sah sie Elisabeth noch einmal dringlich an „Du kannst hier nicht bleiben, Kind“, bei diesem Worten blickte sie sich suchend im Raum um. „Sie wissen bestimmt schon, dass du hier bist. Du bist zu auffällig und sie werden…“, die Frau biss sich auf die Lippen „Es ist nicht gut, sie gegen sich aufzubringen. Nicht alle hier heißen ihre Methoden gut, doch…wir brauchen sie, verstehst du? Ohne sie geht hier nichts…ohne sie…“ Sie reichte den Sack zu Elisabeth zurück. „Du musst dich beeilen, sie sind überall…“ Mit den Worten wandte sie sich ab. Elisabeth packte panisch den Sack, überrascht wie schwer er war und warf ihn sich über die Schulter. Hart und kratzig lag er auf ihr und beschwerte jeden ihrer Schritte. Aus den Augenwinkeln sah Elisabeth noch, wie die Alte die Taschen des Mantels durchwühlt und irritiert die Stirn runzelte, dann war sie jedoch schon aus dem Raum hinaus. Bemüht, nicht einig auszusehen und mit gesenktem Kopf durchquerte sie die restlichen Räume. Sie kam an einigen weiteren Ständen mit Tüchern und Kleidung, mit Werkzeug und seltsamen Flüssigkeiten vorbei, an heruntergekommen aussehenden Menschen, an arbetenden Kindern und Schmutz. Endlich erreichte sie den Hinterausgang und trat hinaus auf den Gang. Er war noch schmaler als der Gang den die Eisenbahn entlanggefahren war und die Seitenwände sahen anders aus..grober…behauen. Mit Schrecken stellte Elisabeth fest, dass sie sich nicht mehr im offiziellen Trackt der Etage befand, diese Gänge waren inoffiziell, sie waren von irgendjemanden in den Boden gehauen worden, sie waren nicht gesichert, das Blut hämmerte in Elisabeths Ohren als sie langsam einige Schritte in eine Richtung machte und dann innehielt. IN welche Richtung musste sie gehen? Änbgstlich betrachtete sie die steinernen Wände, nur von Holzbalken gehalten. Es war dunkel, in großen Abständen leuchteten kleine Lampen. Nur wenige Leute waren hier unterwegs, schnellen Schrittes, die Blicke gesenkt, eilig. Elisabeth atmete tief durch und entschied sich dann, nach rechts zu gehen. Immer wieder gingen einige noch kleinere Gänge von diesem Hauptgang ab, allesamt illegal in den Fels gebaut, von Zeit zu Zeit drang ein Dumpfes Grollen durch die Tunnel und Elisabeth zuckte zusammen, bereit jeden Augenblick unter Tonnen von Stein begraben zu werden. Die Luft wurde immer dünner, je weiter sie ging. Der Gestank nach Fäkalien war nun einem stetigen beißenden Rauchgeruch gewichen. Schon bald war sie außer Atem, der Schweiß rann ihr in Strömen am Rücken und zwischen den Brüsten hinab. Der schwere Sack scheuerte auf ihrer Schulter. Endlich kam sie zu einem eisernen Tor, das halb geöffnet stand. Vorsichtig schlüpfte sie hindurch und genoss einen halbwegs frischen lauwarmen Lufthauch, der ihr entgegen schlug und ihr verschwitztes Haar zur Seite wehte. Als sie sich umblickte, fand sie sich wieder auf einem dernHauptgänge wieder. Beton and en Wänden, stellte sie erleichtert fest, und Licht und noch besser: Schienen am Boden- eine Sache, die ihr sonst niemals aufgefallen wäre. Nichts wie zum Aufzug, dachte sie bei sich. Sollten Andrew und die anderen doch machen, was sie wollten,entweder sie gaben sich mit den Erdäpfeln zufireden oder nicht. Richtige Äpfel gab es hier unten wohl einfach nicht. In diese Gedanken versunken folgte sie den Schienen in die Richtung, aus der die frische Luft kam. Frische Luft bedeutete Lüftung und die war für gewöhnlich bei den Aufzügen oder anderen wichtigen Örtlichkeiten. Sie beschleunigte ihre Schritte und bog endlich auf den Platz vor dem Aufzug ein. Erleichtert auteme sie auf und lief so schnell sie konnte auf die Tür zu, die sich gerade öffnete. Die erleichterten Worte, die sie eben hatte ausrufen wollen, blieben ihr im Hals stecken, als sie die beiden Wachmänner erblickte, die einen Körper aus dem Raum vor dem Aufzug schleppten. Ein Körper in zerwetzer Kleidung, ein Flüchtling, schoss es Elisabeth im ersten Augenblick durch den Kopf. Jemand hatte versucht, illegal nach oben zu gelangen. Doch dann erkannte die die Kleidung. Der Hut lag achtlos auf dem Boden, der Körper war schlaff wie tot. Andrew.
Eine Schrecksekunde starrte Elisabeth die Drei Männer an, die Wachmänner waren zu sehr mit dem Tragen des schweren Körpers beschäftigt, um auf sie achtzugeben. Einige Leute kamen nun aus dem Gang am anderen Ende des Platzes und gingenb den Wachmännern entgegen.
Schnell drehte sie ihnen den Rücken zu und ging gemäßigten Schrittes in eine andere Richtung davon Schweiß gemischt mit Schmutz und Schminke floss Stirn und Schläfen herab, kam ihr ins Auge, doch sie achtete nicht darauf.Andrew, sienhaben Andrew...
Hinter einem Stapel Kisten, der wohl bereit stand, von der Eisenbahn abgeholt zu werden, kam sie zum Stehen. Erschöpft ließ sie sich zu Boden sinken uns verharrte einen Augenblick in Starre, ihr wurde kurz schwarz vor Augen. Als sie sich langsam wieder unter Kontrolle hatte, richtete sie sich langsam wieder auf und spähte hinter den Kästen hervor. Noch immer zitterte sie, der Schweiß wurde langsam kalt und der fehlende Mantel machte sich bemerkbar. Panisch verfolgte sie, wie die Männer, der etwas kräftiger aussah als die anderen, sich Andrew mühelos über die Schulter warf. Ein anderer Mann nahm ein kleines Gerät in die Hand, das bei dieser Aktion wohl zu Boden gefallen war, tippte ein wenig darauf herum und sagte dann etwas zu den anderen, auf das Gerät zeigend. Elisabeths Blick huschte von den Männern auf der anderen Seite der Halle zum Aufzug und zurück. Die eiserne Sicherheitstür war nur angelehnt und soweit sie erkennen konnte, nicht bewacht. Inzwischen hatte der Mann mit dem Gerät angefangen, etwas per Funk durchzugeben, dann verließen er und der Mann mit Andrew auf der Schulter den Platz durch eine kleine unauffällige Stahltür in der Wand. Elisabeth atmete tief durch. Das war ihre Chance, die einzige Chance wieder nach oben zu kommen. Mit einem Letzten blick zu den Wachen die sich gerade unterhielten, ging sie los. Sie wollte nicht rennen, um nicht auffällig zu sein. Noch hatte man sie nicht bemerkt, sie beschleunigte ihre Schritte ein wenig, hielt den Kopf gesenkt und trug den Kartoffelsack so, wie sie es von den anderen Leuten auf der Etage gesehen hatte. Einer der Männer sah kurz hoch, wandte sich dann aber wieder der Frage zu, die ihm gerade gestellt wurde. Eine Sekunde, dann trafen seine Augen ihren Blick. Kurz, misstrauisch, dann wandte er sich wieder dem anderen zu. Das Tor kam näher, Schritt für schritt, langsam laufen, unauffällig…Fast hatte sie das Tor erreicht, da rief einer der Männer ihr etwas zu: „Hey, weg vom Aufzug!“, sie tat als hätte sie ihn nicht gehört und ging weiter,noch fünf meter, noch zwei…“Halt!“, rief der mann noch einmal und kam auf sie zugelaufen. Elisabeth schmiss den Kartoffelsack in seine Richtung, und rannte die letzten Meter zur Tür. Sie hörte ein Geräusch hinter sich, hörte einen Ohrenbetäubenden Knall, der sie kurz straucheln ließ, taumelte jedoch noch die wenigen Schritte auf das Tor zu. Ein dröhnendes, schrilles Piepsen übertönte alles um sie herum, ihr wurde übel. Ein letzter Sprung hinter die Tür, die automatisch hinter ihr zu schwang. Sie spürte eine Erschütterung am Metall, als wäre jemand dagegen gesprungen, noch einmal fester. Elisabeth tastete sich an der Wand entlang zur Aufzugtür, ihr Kopf dröhnte, sie konnte nichts hören, vor ihrem Augen flimmerte alles, ihre Beine waren weich wie Pudding…Er hat mich nur angeschossen..er hat mich verfehlt. Vor dem Scanner konnte sie sich kurz überwinden, die Augen weit genug zu öffnen, dann öffnete sich die grell erleuchtete Aufzugtür, ihre Chance, ihre Rettung. „Dreißigste Etage“, flüsterte sie ohne sich selbst zu hören. Die Aufzugtüren schlossen sich. Sie glitt an der Wand zu Boden.
Re: Geschichte
Jens - 13.05.2012, 20:48
Tavy
5. Januar 2412n.Chr., London, H&Y Company Funnel, Etage 53
„Sie ist entkommen“, die Stimme des Mannes war nur ein Wispern. Tavy schloss für einen kuren Moment die Augen, während er neben der reglosen Gestalt seiner Schwester kniete. Wut und Trauer wirbelten in seinem Kopf durcheinander.
„Der Junge?“, fragte er ebenso tonlos und strich Antonia behutsam eine graue Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihre Augen waren aufgerissen, in ihrem Blick war der Schreck und der Schmerz gefangen, den sie kurz vor ihrem Tod durchlitten haben musste. Ihre sonst so klar schimmernden grünen Augen waren nun blicklos.
„Ist in unserer Gewalt und bereits im Lazarett“ Der Mann, der neben Tavy stand, war ebenfalls in die Knie gegangen. Er trug einen schweren dunklen Mantel. „Er wird dafür bezahlen!“ In die Stimme schlich sich ein harter Ton, doch Tavy brachte ihn mit einer raschen Handbewegung zum Schweigen.
„Dem Jungen wird kein Haar gekrümmt, ich werde ihn persönlich befragen!“ So sehr es ihn auch bedurfte, den Tod seiner Schwester zu rächen. Sinnloses Blutvergießen würde niemandem etwas bringen und zur Zeit war der Junge lebend von wesentlich größerem Nutzen. Ein Stich der Ironie durchfuhr ihn, als er der letzten Worte an seine Schwester gedachte.
„Du musstest immer alles besser können, Toni.“ Er schluckte und Entschlossenheit straffte seine Schultern. Er drehte sich zu dem Mann um. Seine smaragdfarbenen Augen durchbohrten sein Gegenüber.
„Hast du verstanden, Gaspar? Er wird versorgt und danach kümmere ich mich persönlich um ihn!“
Gaspar zuckte zusammen und nickte.
„Gut, gebt das Signal zur Evakuation. Die Company wird sicher bald hier auftauchen und dann sollte das hier verschwunden sein.“ Tavy warf einen Blick über die Schulter. Eine große Schar an Schaulustigen hatte sich versammelt. Die Menschen verharrten zwar in respektvollem Abstand zu den beiden Männern und der Toten, aber verfolgten jede Bewegung mit größtem interesse.
„Wie ihr befiehlt“, Gaspar nickte und erhob sich schwungvoll. Sein Mantel bauschte sich um seinen kräftigen Körper. Die Menge wich zur Seite, als er auf sie zuschritt. Einige Schaulustige warfen sich ängstliche Blicke zu.
Tavy beugte sich wieder über seine Schwester. Seine Hand glitt über ihr zerfurchtes Gesicht und der Schock in ihren Augen erlosch. Er bettete den Körper ihn ein Laken und hob das Bündel empor. Mühelos trug er den Leichnam durch die Masse an Menschen.
„Was ist passiert, Octavian?“ Ein älterer Herr trat ihm gegenüber. Seine Augen huschten unstetig über das weiße Bündel und seine Finger zitterten.
„Ein Unfall“, entgegnete Tavy knapp. „Du tätest gut daran, nach Hause zu gehen!“ Er erhob die Stimme. „Ihr tätet alle gut daran nach Hause zu gehen, die Company wird balt hier unten sein, um den Fall aufzuklären!“
Erschrockenes Gemurmel brandete auf. „Die Company? Aber wieso, ich verstehe nicht, was hat die Company damit zu tun, das war“ Der Alte brach ab und Entsetzen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Es war einer von oben? Oh mein Gott, wenn es stimmt, dass der Junge…“ Weiter kam er nicht, denn ein Fausthieb von Tavy brachte ihn zu Fall.
Einige Frauen schrien auf und genau in diesem Augenblick ertönte ein schriller Alarm, der anschwoll und wieder abklang. Nur um erneut los zugehen. Die Menge stob auseinander. Jeder kannte das Signal. Hin und wieder kam es zu Grubenunglücken oder Gaslecks und dann war es überlebenswichtig, so schnell es ging nach Hause zu kommen und Gasmasken anzulegen. Gelegentlich gab es auch unangekündigte Inspektionen der Company, um gegen den Schwarzmarkthandel vorzugehen. Pkötzlich ertonte eine laute Stimme von überallher.
„Achtung, Achtung. Das ist keine Übung. Dies ist ein Räumungsbefehl für Etage 53. Alle Bewohner haben umgehend ihre Unterkünfte aufzusuchen. Zur eigenen Sicherheit besteht eine Ausgangssperre.“
Die Stimme dröhnte in Tavys Ohren, während er zu seinem Stand eilte. Sein Sohn hatte bereits alle Sachen zusammengepackt und wartete auf ihn. Ein kurzer Blick genügte Jonathan. „Ich bringe die Sachen nach Hause und komme dann zum Lazarett.“
„Nein! Du wirst zu Hause bleiben. Berichte Lysette, was passiert ist und bleib dort!“ Tavys Stimme duldete keinen Widerspruch. „Die Company wird kommen und ich weiß nicht, was passieren wird. Die Resistance kann uns nicht alle schützen.“ Jonathan riss die Augen auf. „Glaubst du, dass sie Vergeltung üben werden?“
„Ich weiß es nicht, aber ich will, dass ihr vorbereitet seid. Sagt den anderen, sie sollen sich zur Flucht bereit machen.“
Jonathan zögerte kurz. Dann rannte er los.
Müde schaute Tavy ihm hinterher. „Es hätte alles so gut funktionieren können, Toni.“ Aber seine Schwester blieb ihm eine Antwort schuldig.
Re: Geschichte
DasLennchen - 23.05.2012, 11:49
Elisabeth,
10. Januar , 2412 n. Chr., Oberfläche
Die Sonne stand gleißend hell am Himmel, ein leichter Wind ließ die Palmen leicht wippen und rascheln. Das kleine Holzhäuschen, eines von wenigen, lag direkt am Meer. Auf der Veranda lag Elisabeth in einer Hängematte. Romantisch, postmodern,poppig, neue Zufriedenheit, exotisch, neue Natürlichkeit. Diese Worte, Epochenbegriffe, gingen ihr durch den Kopf, während sie an einem Vitaminshake nuckelte. Worte aus vergangenen Jahrhunderten. Das tat sie seit Tagen, liegen, essen, schlafen. Sie sollte sich ausruhen, entspannen, genießen, hatte man ihr gesagt. Urlaub an der Oberfläche, etwas das sich nur die Reichen aus den oberen Etagen leisten konnten.
Es war kurz vor Mittag, Zeit für die psychologische Betreuung. Ein Stresssyndrom hatte man ihr diagnostiziert, Medikamente zur Beruhigung intraveniert, sie fühlte sich gut, leicht. Die Hängematen scheukelte hin und her, schaukelte sie von Dämmrigkeit zu Schlaf, zu Dämmrigkeit, zu Wachheit. Ein synthetisches UV-Laken schützte sie vor schädlicher Strahlung, vor dem verbrennen ihrer Haut,der Berührung mit der Natur. Luftdurchlässige Glasscheiben trennten die Verande vom Strand, von Wasser, den Schmutz, den Keimen, den Krankheiten, den Mutationen, der Welt. Elisabeth betrachtete das Spiel des Lichts auf dem Wasser, genoss den Geruch von Salz in der Luft, den sie so oft Zu Hause in ihrem Zimmer eingestellt hatte. Das Licht brach sich, zitterte, vereinte sich wieder, bewegte sich lebendig, wie ein Tier, Gefahr, sie schloss die Augen. Wildnis, Urwald, Natur, Begriffe aus dem Unterricht. Damals, als die grüne Partei beschloss, dass der Mensch die Erdoberfläche nicht weiter zerstören dürfe, das Klima zu schützen, unter die Erde zu gehen, die Natur wieder sich selbst zu überlassen. Die neue Natürlichkeit hatte innerhalb weniger Jahrzehnte die Welt umgestaltet. Die Länder der dritten Welt zuletzt, säuberlich gegliedert, erst in Städte, die dann zu Firmentrichtern wurden. Die Grüner verschwanden, die Firmen regierten, jetzt endlich. In der Gegenwart war alles von ihnen gesteuert, erst als Lobby, dann als Parlament.Frieden, Zufriedenheit, die Worte der Gegenwart. Den Menschen ging es gut, sie waren zufrieden, jeder konnte alles erreichen, the new dream, die Palme schwankte leicht im Wind. Elisabeth stützte sich leicht hoch, ihr war schwindelig vom langen Liegen oder von den Medikamenten, sie war nicht sicher. Mit Nebel im Kopf hielt sich sich an einem der Pfeiler fest und wartete, bis die Schwummrigkeit sich legte, dann ging sie zum Fenster, in der Ferne sah sie ein anderes Entspannungsresort. Von dort aus konnte man die Zivilisierte Zone verlassen, für Abenteuerurlaube, Safaris. Elisabeth drehte sich um und legte sich wieder in die Hängematte, so war es einfacher, nicht so anstrengend. Sie konnte sich nicht erinnern, wie lange sie schon hier war, unzählbares und wieder erwachen, und selbst im Wachen noch Traumzustände. Vergessen, hatte die Betreuung gesagt, sei nicht schwer. Die Medizin würde ihr helfen, bald würde es ihr besser gehen.
Sie hörte Schritte, war wohl wieder eingeschlafen, öffnete die Augen einen Spalt. Dort kam sie, eine kleine, zierliche Dame, gut gekleidet, immer die selbe, altmodische Hochsteckfrisur, symmetrische Gesichtszüge. Sie hatte Geld, sie konnte hier arbeiten, hier oben. Sie setzte sich zu Elisabeth. Stellte Fragen, die sie sofort nachdem sie gestellt waren, wieder vergaß. Sie blinzelte die Frau an, die sich Notizen auf ihrem Organizer machte. Die Frau streckte ihre Hand nach Elisabeths Organizer aus, die ersten Male war Elisabeth noch zurück gezuckt, doch inzwischen hatte sie sich an das Eindringen in ihre Intimsphäre gewohnt und nahm es einfach hin. Die Dame verstellte ein paar Einstellungen und wartete eine Weile, während Elisabeth das leicht schwingende Seil beobachtete, an dem die Hängematte angebracht war.
„Wie geht es Ihnen?“, hörte sie die Stimme der Frau sehr nah bei sich, weich, einschmeichelnd, vertraut. Sie wandte den Blich ab vom Seil und sah wieder zur Betreuerin. „Geht es Ihnen besser?“, frage die Frau erneut, sie hielt nun ebenfalls einen Vitamintrunk in der Hand. Sie musste zwischendurch aufgestanden sein. Gähnte und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. „Müde“; flüsterte sie dann matt. „Geht es ihnen besser?“, wiederholte die Betreuung. Elisabeth nickte leicht. Die Frau schenkte ihr ein Lächeln. „Sehr gut. Sie können bald in die offene Zone. Ich habe Ihre Medikamente ein wenig niedriger dosiert, machen sie sich deshalb keine Sorgen. Es wird ein wenig ungewohnt und vielleicht erschreckend sein, aber akzeptieren Sie es einfach, wie es ist.“ Mit den Worten erhob sie sich, warf einen Blick aus dem Fenster und verließ das Häuschen.
Elisabeth blieb zurück, die Geräusche wurden langsam lauter, der Nebel löste sich auf. Kurz nickte sie noch einmal ein, als sie wieder erwachte, war es draußen schon dunkel. Alles war so klar. Die Geräusche plötzlich so laut, das Rauschen, die Wellen, der Duft der Dunkelheit, der durch die Scheiben drang. Langsam erhob sie sich, blickte sich um. Der Nebel war fort, sie war da. Zum ersten Mal seh sie sich in dem Raum um, in dem sie gelebt hatte, eine hübsche, einfach eingerichtete Hütte aus Holz. Auf einem kleinen Tisch in der Mitte stand auf einem Teller erkalteten Essen. Hunger, erkannte Elisabeth, sie hatte Hunger, als hätte sie seit Tagen nichts gegessen. Es gab Gemüse, richtiges, gewachsenes Gemüse, nicht die normalen Gemüseimitate aus Aromen und Grundmaterial. Das gab es nicht oft und war ganz besonders teuer. Bevor sie sich hungrig auf das Essen stürzte, ließ sie jedoch noch einmal ihrem Blick durch den Raum schweifen. Zwei Stühle, ein Bett, ein Bildschirm um nach außen zu kommunizieren. Nach oben führte eine kleine Treppe, die sie bisher kaum bemerkt hatte. In einer Zimmerecke war eine Mikrokamera installiert, getarnt durch eine hängende Pflanze, doch Elisabeth war daran gewohnt, Kameras auszumachen. Mit Heißhunger begann sie, das Gemüse mit den bereitgelegten Stäbchen in sich hineinzuschaufeln, scharfe Gewürze explodierten in ihrem Mund. Statt auszuspucken genoss sie es, endlich wieder zu schmecken, zu fühlen! Als wäre sie blind gewesen, die ganze Zeit. Erst als sie fertig war, warf sie einen Blick auf ihren Organizer, wo noch immer ihre Werte aufgezeigt wurden. Sahen ganz gut aus, auch wenn sie sich damit nicht so gut auskannte. Mit wenigen Schritten durchquerte sie den Raum zur Tür, die war jedoch verschlossen, wie sie sofort feststellte. Ein aufblinkendes Fenster auf dem Bildschirm teilte ihr mit, dass sie die Aufsicht benachrichtigen könne, wenn sie etwas bräuchte. Sie ging zurück zum Fenster, das Zimmer, das ihr die ganze Zeit lang gemütlich und entspannend erschienen war, kam ihr nun vor wie ein Käfig. Sie Sog den Duft der Nachtluft ein, versuchte in ihrem Inneren nach Erinnerungen zu kramen an die vergangenen Tage. Doch sie schwammen im Nebel und oftmals war sie sich nicht sicher ob es sich nicht vielleicht doch um Träume handelte.
Sie war hellwach, sie konnte nicht mehr schlafen, als wäre ihr Körper vollgepumpt und könnte nichts mehr aufnehmen, sie wollte sich bewegen, spürte den Zwang, etwas zu tun. Sie ging zurück zum Bildschirm und teilte ihm mit, dass sie hinaus wollte. Doch sie bekam bloß sie Meldung, dass das in ihrem momentanen Status nicht möglich sei, sie könne sich jedoch andwerweitig unterhalten mit Musik, Filmen oder Spielen. Elisabeth wandte sich ab, nein, sie wollte sich nicht ablenken. Vor dem Fenster auf und abgehend versuchte sie, sich die Ereignisse der letzten Tage ins Gedächtnis zu rufen. Sie Checkte ihren Organizer und drehte die Medikamentendosis ganz ab. Sofort blinkte ein Warnfenster im Bildschirm auf, das sie vor Nebenwirkungen und Entzugserscheinungen warnte und empfohl, die Dosierung von dem zuständigen Betreuer vornehmen zu lassen. Elisabeth ignorierte den Rat. Schemenhaft erinnerte sie sich an den Aufzug, die Erlebnisse in der unteren Etage waren ihr kaum in Erinnerung. Sie sah Gesichter vor ihrem Inneren Auge, dreckige Menschen, sie sah Andrew und die beiden Wächter. War das wirklich? Es schien so irreal. Der Aufzug, Wachkräfte, kurzes Aufwachen, als sie getragen wurde, sie erinnerte sich, dass ihr Körper ihr nicht mehr gehorcht hatte. Wie konnte das sein? Warum hatte ihr Organizer nicht die Adrenalindosis erhöht? Ihre Mutter, deren besorgter Blick über sie wanderte, fremde Menschen, die sich über sie beugten, sie Dinge fragten immer und immer wieder. Bunte entspannungsräume, Spritzen, die man ihr gegeben hatte. Dann wieder Fragen vor vielen Leuten, immer mehr Fragen, die sie versuchte zu beantworten, alles lag wie in Zeitlupe vor ihr. Andrew, was war mit ihm geschehen? Dann die Fahrt in der Fernbahn, Stunden im Dunkeln, dann dieses Zimmer. Wiegen der Hängematte, hin und her immer wieder. Schwüle Luft, Sonnenlicht. Die Betreuerin. Wieder Fragen, Nebel… „Keine Sorge, ihre Erinnerung wird Sie nicht mehr quälen“, Fruchtshakes und Schlaf. Irreale Bilder. Wo war sie?
Zum ersten Mal wanderte ihr Blick klar über das Szenario, nüchtern. Der Strand, die Palmen, Sandkörner die von Wind umhergeweht wurden. Es dämmerte schon. Sie wollte raus, nicht mehr in diesem Zimmer eingesperrt sein, den Sand zwischen den Zehen spüren.
Re: Geschichte
Jens - 02.07.2012, 00:28
Tavy
11. Januar 2412n.Chr., London, H&Y Company Funnel, Etage 9
“Was wissen Sie über die Résistance?“ Die kalte Stimme drang in Tavys Gehirn und bohrte sich in sein Bewusstsein.
„Ich habe Ihnen doch bereits gesagt, ich weiß nichts!“ Tavy stöhnte. Seit Tagen wurden ihm immer wieder dieselnen Fragen gestellt. Er lag hilflos und festgeschnallt auf einem OP-Tisch. Grellweißes Licht löschte jegliche sicht aus und hinterließ Sterne auf seiner Netzhaut. Selbst wenn er die Augen schloss brannte sich die Helligkeit durch seine geschlossen Lider.
“Was wissen Sie über die Résistance?“ Wiederholte die Stimme aus dem Hintergrund. Tavy bäumte sich gegen die Fessel auf, aber die Gurte hatten ihn völlig fixiert. Machtlos hing er in ihrem Griff wie die Fliege im Spinnennetz.
“Was wissen Sie über die Résistance? Kommen Sie, sagen Sie einfach, was Sie wissen und das Ganze hat ein Ende!“ Echote die Stimme in Tavys Kopf.
„Ich…weiß…nichts!“ Tavy ächzte und schrie im nächsten Moment gellend auf, als gleißender Schmerz durch seinen Körper raste. Sein ganzer Leib zuckte unter den Stromschlägen. Tavy schmeckte Blut im Mund, dann verlor er das Bewusstsein.
Als er wieder zu sich kam, war er immer noch gefesselt. Lag aber in einem weichen Krankenhausbett.
„Ah, Sie sind aufgewacht!“ begrüßte ihn die charmante Stimme einer Krankenschwester. Erst als Tavy mehrmals blinzelte, konnte er wieder klar sehen. Vor ihm stand eine zierliche blonde Frau, die ihn mit strahlend weißen Zähnen anlächelte.
„Wasser“ , krächzte Tavy. Seine Zunge war dick und angeschwollen und er schmeckte immer noch Blut. Die Frau schwebte an seien Seite und hielt ihm ein Glas Wasser an den Mund.
„Langsam!“, ermahnte sie ihn, während kristallklares Wasser seine Kehle hinabrann und Kühle sich in ihm ausbreitete. „Das genügt, ihr Magen verträgt noch nicht so viel“ Die blonde frau zog das Glas wieder zurück.
„Ich werde nun den Arzt holen, wenn Sie sonst noch was brauchen, drücken Sie einfach das hier“ Sie legte einen Beaper neben seine linke Hand. Dann schenkte sie ihm nochmals ein umwerfendes Lächeln und verließ den Raum. Tavy sank in die Kissen. Er wusste, was jetzt kam. Die sanfts Tour war nur ein Spiel und sollte ihn zermürben. Erst ein bisschen Zuckerbrot, dann wieder die Peitsche. Er schloss die Augen und versuchte an nichts zu denken.
„Mr. Octavian Corleone“ Eiseskälte breite sich im Raum aus. Eine hochgewachsene schlanke Person betrat das Zimmer. Eine blaufarbene Robe umwehte seinen Körper und Augen indemselben Stahlblau richteten sich auf Tavy. „Ich bedaure zutiefst, was Ihnen angetan wurde, aber es geschah nur zum Besten der Bevölkerung, das verstehen Sie sicher.“ Der Arzt tippte kurz gegen die Wand neben Tavy Bett und summend klappte ein Sitz hervor. Der Mann nahm neben Tavy Platz.
„Ich sehe, ihnen geht es schon bedeutend besser“, redete er weiter, ohne Tavys Schweigen zu beachten. Sein Gesicht war die Perfektion an Schönheitschirurgie. Alle Züge waren ebenmäßig, beide Gesichtshälfte völlig identisch. Feine schmale Lippen, eine gerade Nase. Sein haarloser Kopf war genauso gleichmäßig gebräunt wie der Rest seines Körpers.
Tavy musste sich beherrschen, um nicht mit aller Gewalt gegen die Fesseln anzukämpfen. Neben ihm saß Francis Shepherd, Exekutor und stellvertrender Vorsitzender der Company. Derselbe Mann, der ihn ihn dutzenden Verhören gequält hatte. Shepherd nahm einen Tupfer, feuchtete ihn mit Wasser an und wischte Tavy über die verschwitzte Stirn. Dabei redete mit gleichbleibend monotoner Stimme weiter. „Die Company ist der Ansicht, dass Sie tatsächlich nichts von der Résistance wissen. Ich teile diese Meinung nicht, aber ich fälle nicht die endgültigen Entscheidungen.“ In einer Geste scheinbarer Hilflosigkeit breitete er die Arme aus.
„Also darf ich gehen?“ Wider besseren Wissens breitete sich in Tavy ein Funken Hoffnung aus, der aber sofort erstickt wurde.
„Natürlich nicht, Mr Corleone.“ Das Lächeln auf den zierlichen Lippen war bar jeglicher Anteilnahme. „Sie werden einer neurochirurgischen Operation unterzogen und zur Kur an die Oberfläche geschickt. Danach werden Sie keine Erinnerung mehr an die letzten Tage haben und können zurück in die zivilisierte Gesellschaft.“ Mit einer fließenden Bewegung, die den blauen Stoff um seine langen Beine wirbeln ließ, stand Shepherd auf. Es klickte leise, als die Sitzfläche wieder in der Wand verschwand.
„Wenn wir uns wiedersehen, werden Sie ein neuer Mensch sein! Leben Sie wohl, Mr. Patrick O’Nelly.“
Re: Geschichte
Jens - 13.08.2012, 17:40
Andrew
6. Januar 2412n.Chr., London, H&Y Company Funnel, verborgener Bereich unter Etage 60
Er hatte das Gefühl erdrückt zu werden. Wie in einem Schraubstock gefangen fühlte sich sein Kopf an, der Schmerz war überwältigend. Und der schrille Lärm, der auf ihn niederprasselte wie schwere Regentropfen auf Asphalt. Ein ständiges Stakkato an Piepen und Summen. Und wie aus weiter Ferne das Plätschern von etwas anderem. Etwas leiserem, fast Unhörbarem. Mit aller Gewalt versuchte Andrew sich zu konzentrieren und dann hörte er sie. Stimmen! Er strengte sich an, doch der schmerz spülte jede Silbe hinfort und er sank wieer in die Schwärze.
8. Januar
Piep. Piep. Piep. Da war es wieder. Das ständig störende Geräusch, doch dieses mal war es schärfer. Klarer. Alles war weniger verschwommen durch den pochenden Schmerz in seinen Schläfen. Er versuchte die Augen zu öffnen, doch mit Schrecken musste Andrew feststellen, dass sein Körper ihm nicht gehorchte. Seine Finger waren taub, verweigerten ihm den Dienst. Einzig die Geräusche und der Schmerz waren bei ihm. Und da erkannte Andrew, dass er im Koma lag. Gefangen in seinem eigenen Körper, unfähig sich zu rühren. Der Schock raste durch jede Faser seines Körpers und mit ihm kehrte die Erinnerung zurück. Er sah die Aufzugstür und dann die Waffe in den Händen der Wache. Er spürte erneut das schreckliche Summen und die Vibration in seinem Kopf. Er war gefangen, in dne Händen der Résistance und völlig wehrlos. Das war zuviel.
9. Januar
Wieder dieses Piepen. Mittlerweile hasste Andrew es. Doch irgendetwas hatte sich verändert. Es hatte nicht mehr einen gleichmäßigen Charakter, sondern erfolgte in verschiedenen Intervallen. Und da war noch etwas! Erschrocken zuckte Andrew zusammen, bis er merkte, dass er nur innerlich zusammengefahren war. Neben ihm stand jemand!
„Er ist wieder stabil. Er ist in einem Art Wachkoma.“ Eine Frau sprach da.
„Gut. Wann wird er aufwachen?“ Da war eine zweite Person.
„Ich habe es doch gesagt, gar nicht. Die ultraschallwaffe hat einige Synapsen irreparabel zerstört. Sein Geist mag funktionieren, aber die Verbindung zu den Muskeln wurde zerstört. Er kann nicht aufwachen!“
Nein. Das ist nicht wahr! Andrew wollte schreien, aber er konnte es nicht.
„Kann er uns hören?“ Die Stimme der zweiten Person war hart.
„Ja, ich denke schon, die Gehirnströme zeigen Reaktionen,“
„Gut. Dann hör mal gut zu, du beschissener Sohn eines …“ – „Gasper!“ Die Frau unterbrach in schockiert.
„Lass mich, er hat Antonia auf dem Gewissen und uns verraten. Dafür wird er bezahlen!“
„Gasper, nein!“ Die Stimmen wurden lauter, hektischer und Andrew konnte ihnen nicht mehr folgen. Dann brach das Stimmengewirr ab.
Es verging eine kleine Ewigkeit bis er neben dem Piepen wieder was anderes vernahm.
„Ich weiß ncht, ob du mich wirklich hören kannst. Aber eines solltest du wissen. Wenn es nach mir ginge, würdest du ewig in diesem beschissenen Körper stecken bleiben, so lange bist du langsam verfaulst und verrottest. Glück für dich, dass es nicht so ist. – Schafft ihn nach oben!“
Fußgetrappel, dann ein kurzer Schmerz in seinem Arm, etwas Kaltes breitete sich aus und Andrew verlor das Bewusstsein.
11. Januar 2412n.Chr., London, H&Y Company Funnel, Etage 9
Licht! Andrew konnte Licht sehen. Vor Freude schrie er auf und hörte seine Stimme! Er riss die Augen auf und blickte empor. Die Decke über ihm war blütenweiß.
„Willkommen zurück, Andrew!“, begrüßte ihn eine leise Stimme. Andrew drehte sich um und blickte in das makellose Antlitz von Dr. Shepherd, Gesicht und Stimme der H&Y Company Funnel.
„Wie?“ Andrew glaubte zu träumen.
„Nun, es ist ganz einfach.“ Dr. Shepherd schlug die Beine übereinander und verschränkte seine langen Finger. „Du hast im Koma gelegen. Dein Gehirn hatte schwere Schäden davon getragen, nachdem dich die Rebellen gefangen genommen haben. So schwere Schäden, dass du nie wieder aufwachen würdest. Da dieser Abschaum nicht über genügend Ressourcen verfügt, um dich ein Leben lang am Leben zu erhalten, haben sie dich als scheinbare Geste des guten Willens uns übergeben. Wir verfügen selbstverständlich über das technische Repertoire, um deine beschädigten nerven wieder zu reparieren. Auch wenn ich zugeben muss, dass es teilweise echt kompliziert war. Aber natürlich ist es mir gelungen und nun gehörst du wieder zu uns.“ Ein mildes Lächeln umspielte die Züge des stellvertretenden Vorsitzenden.
„Ich…danke!“ Erleichterung strömte durch Andrew. Er bewegte seine Finger und lachte wie ein kleines Kind, als sie sich anstandslos bewegten.
„Nun ruh dich aus, bald schon wirst du all deine Kräfte brauchen. Du schuldest der Company einen großen Gefallen und glaube mir. Wir vergessen nie, wer in unserer Schuld steht.“ Das Lächeln war verschwunden. Mit einer flüssigen Bewegung erhob Dr. Shepherd sich. „Dir ist eine große Ehre zuteil geworden, aber erstmal komm zu Kräften. Bis morgen.“
Als der Arzt das Krankenzimmer verließ, trippelte eine zierliche blonde Krankenschwester mit einem Tablett herein. Ein köstlicher Duft nach Braten und Kräutern breitete sich aus und verdrängte augenblicklich die Beunruhigung, die Andrew bei den Worten des Doktors erfasst hatten.
Re: Geschichte
DasLennchen - 03.06.2014, 19:46
Elisabeth,
13. Januar , 2412 n. Chr., Oberfläche
Vorsichtig setzte Elisabeth ihren Fuß auf die Schwelle, die Glastüren öffneten sich lautlos. Umso lauter schien ihr die Natur, feuchtwarme Luft schlug ihr entgegen und erst in diesem Augenblick wurde ihr bewusst, dass all die frische Meerluft in ihrem Raum gefiltert und als Raumklima eingestellt worden war. Als sie heute aufgewacht war, blinkte die Ausgangsscheibe in einem milden grün, ein Zeichen dafür, dass ihr nun Ausgang gewährt wurde.
Langsam setzte sich Elisabeth wieder in Bewegung, folgte dem leicht gewundenen Pfad durch sorgsam gepflanztes Dickicht hinüber zu einem Pavollon, der völlig offen in einem See lag. Ein schmaler Steg führte hinüber, dort saßen schon einige andere Personen an Einzeltischen oder gemeinsam auf einer Bank. Sie alle trugen ähnliche Kleidung, wie die, die auch Elisabeth in ihrem Schrank gefunden hatte: Dünne weite Stoffe in den blau-grünlichen H&Y-Farben mit asiatisch- postnatürlich anmutendem Schnitt. Blumenblätter trieben auf den Wasser, in dem sogar einige Fische schwammen.
Als Elisabeth fasziniert ihren Blick von dem Wasser abwandte, blickte sie in das freundliche Gesicht eines Mannes, der Kleidung nach zu schließen offenbar einem Angestellten. Er bot ihr mit höflichem Nicken einen Vitamincocktail an, in welchem ein lächerliches blau-grünes Schrimchen mit Firmenlogo steckte. Elisabeth griff nach einem der Gläser, dann folgte sie seinem Wink hinüber zu dem Pavillon. Angesichts des roten Holzes und der Pagoden-Form fragte sie sich nun erstmalig, an welchem Oberflächenressort sie sich wohl befand. Post-Japan vielleicht…nein, Unsinn. Soweit sie wusste war das Inselgebiet, in welches in 22. Jahrhundert die japanische Nation nach atomarer Verseuchung und hermetischer Abriegelung ihres Landes übergesiedelt worden war zum Schutzgebiet erklärt worden.
Suchend ließ sie ihren Blick über die Gesichter der anderen Patienten schweifen, auf der Suche nach einem, das ihr bekannt vorkam. Nein, nicht irgendein bekanntes Gesicht, wurde ihr bewusst. Andrews Gesicht, an das sie sich nun bei dem Gedanken an ihn kaum mehr erinnern konnte. Noch immer lag ein sanfter Schleier über den Erlebnissen in den unteren Etagen.
Erleichtert ließ sie sich auf einen der Stühle fallen, den der Angestellte ihr zurecht rückte. Diese wenigen Schritte waren doch anstrengender gewesen als gedacht. Fahrig wischte sie sich den feinen Scheißfilm von der Stirn, solche schwülen Temperaturen war sie nicht gewohnt. Während sie ihren Blicküber das Speise-Display wandern ließ, stellte sie den Transpirationsgrad auf ihrem Organizer einige grade hinunter. Als sie beim Nachtisch angelangt war, fühlte sie sich schon wohler, wenngleich sie wusste, dass sie in nächster Zeit ihren Körper dringend abkühlen musste- doch das sollte hier wohl kein Problem darstellen. Eigentlich hatte sie gar keinen Hunger, dennoch bestellte sie einen Fruchtsalat und einen kühlen Tee mit Milch und Laktaseshot.
Tief einatmend lehnte sie sich zurück und sog den Duft von Blüten in sich auf, als sie neben sich Schritte vernahm.
„Darf ich mich zu Ihnen setzen?“, fragte eine angenehme Männerstimme. Als sie aufsah, blickte sie in smaragdgrüne Augen. Höflich nickte sie und deutete auf den leeren Stuhl ihr gegenüber. „Aber gerne“
Tatsächlich freute sie sich über Gesellschaft. Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit, dass sie sich nicht mehr mit jemandem unterhalten hatte, der keinen Kittel trug. Auf dem Laufband kam ihr Tee in einer hübschen Porzellantasse heran gefahren.
Re: Geschichte
Jens - 30.06.2014, 18:53
Patrick
13. Januar 2412n.Chr., London, H&Y Company Funnel, Etage 1
Er schlug die Augen auf und suchte das Geräusch, was ihn geweckt hatte. Es klang wie das Summen einer Biene, die ihre Kreise über seinem Kopf zog, aber als er den Kopf hob, konnte er kein Insekt entdecken. Irritiert setze er sich auf und ein plötzliches Schwindelgefül setzte ein und das Summen war nun direkt neben ihm. Instinktiv hob er die Hände in einer abwehrenden Geste, bis ihm klar wurde, dass es sein eigener Kopf war, der so ohrenbetäubend summte.
„Mr. O’Nelly! Wie schön, Sie sind endlich aufgewacht“ Patrick fuhr herum, bereute die schnelle Bewegung schon im nächsten Augenblick und schaute in das entzückende Gesicht seit langem. Eine zierliche blond gelockte Frau stand ihm gegenüber. In ihren Händen balancierte sie ein silbernes Tablett auf dem eine Glaskaraffe mit einer kristallfarbenen Flüssigkeit wirbelte. Die Frau stellte das Tablett neben Patrick ab und erst jetzt nahm er die Inneneinrichtung war. Er befand sich offensichtlich in einer Hotelsuite. Das passte auch zu dem eines Pagen nachempfundenen Kleidungsstil der hübschen Frau. Blau und grüner Stoff wechselten sich ab und auf ihrer rechten Brust prangten die Initalen H&Y. Die Buchstaben sagten ihm etwas, auch wenn er sich nicht an diese Hotelkette erinnern konnte. „Trinken Sie einen Schluck, danach geht es ihrem Kopf besser“ Sie reichte ihm ein Glas. „Woher…?“ Er musterte die Frau argwöhnisch. „Ach Mr. O’Nelly, sie hatten einen furchtbaren Unfall, aber Mr. Shepherd wird Ihnen gleich alles erklären. Vorerst trinken Sie bitte“ Sie warf ihm ein strahlendes Lächeln zu und drückte ihm bestimmt das Glas in die Hand. Vorsichtig nahm er einen kleinne Schluck. Sofort breite sich ein Zitronenaroma in seinem Mund aus und das Summen verschwand schlagartig. „Sehen Sie?“ Die blonde Frau stand auf. Patrick hatte gar nicht bemerkt, dass sie sich zu ihm auf das Bett gesetzt hatte. Mit gewissem Bedauern sah er, wie sie wieder zur Tür ging. „Warten Sie, bitte, wie ist Ihr Name?“ Die Frau blieb stehen und drehte sich um. „Ich heiße Antonia“ Ihre blauen Augen begegneten seinen und für einen kurzen Augenblick glaubte Patrick so etwas wie Neugierde darin zu entdecken. Dann trat sie an die Wand und auf eine leichte Fingergeste öffneten sich unsichtbare Türen an der Wand. Lautlos schlossen sich diese hinter der zierlichen Frau und ließen Patrick alleine. „Antonia“, murmelte er. Ein schöner Name für eine ebenso schöne Frau, fand er. Er schlug die samtenen Bettlaken beiseite und stieg aus dem Bett. Noch immer war ihm schleierhaft, wie er in dieses Hotel gekommen war, aber zunächst würde er sich eine Dusche gönnen. Zu seiner Bestürzung konnte er jedoch keine Tür entdecken. Sein Blick irrte durch das Apartment, seien nackten Füße standen auf einem flauschigen rubinroten Teppich. Das gesamte Zimmer hatte einen angenehm roten Farbklang, sein Bett schien aus einem sehr dunklen Holz geschnitzt. Ebenso ein kleiner Tisch mit vielen Ziselierungen, auf der sich eine Fernbediernung befand. Sofort war Patrick bei dem Tischchen und drückte auf den roten Knopf. Die Wandfläche flimmerte und dann begrüßte ihn eine angenehme Stimme.
„Willkommen in der H&Y Company. Die Firma hofft, dass sie ihren Aufenthalt genießen, wie können wir Ihnen zu Diensten sein?“ Auf dem Wandbildschirm baute sich das Bild einer malerischen Landschaft mit Seen und kleinen Wäldern auf. „Bad“, war alles, was Patrick herausbrachte. „Aber natürlich. Es befindet sich gleich zu ihrer Linken! Als Premiummitglied unserer Firma genießen Sie sämtliche Vorzüge unseres Spa-Bereiches. Wünschen Sie eine Massage oder eine Pediküre?“ Sofort blitzte Antonias Gesicht vor Patircks Augen auf und er überlegte flüchtig das Angebot anzunehmen. „Nein, danke, vielleicht später“, widerstand er der Versuchung. „Ganz wie Sie wünschen“, flötete die unsichtbare Stimme und der Bildschirm wurde wieder dunkel um gleich darauf den bordeauxfarbenen Ton der Wand anzunehmen.
Patrick betrat das mit Marmoerfließen ausgelegte Bad, vom Boden breite sich eine angenehme Wärme aus. Er blickte in den Spiegel und betrachte seine makellosen Züge. Strahlend weiße Zähne blitzen ihm entgegen und seine smaragdgrünen Augen musterten jede Faser seiner Züge. Unwillkürlich griff er sich an die Wange, wusste aber nicht warum. Langes Haar imselben Bordeauxton wie seine Suite fiel ihm auf die Schultern. Sein Kinn war glattrasiert.
Nach dem Bad fühlte er sich erfrisscht und lief barfuß über den weichen Teppich. Er leerte die Karaffe und schaltete den Bildscirm erneut ein. „Willkommen zurück, Mr. O’Nelly“ zirpte die Stime. „Sie haben Besuch, darf er eintreten?“ Patrick war so verblüfft, dass er einfach nur nickte. Aber auch das schien der Bildschirm zu registreiren. „Wunderbwar, Mr. Shepherd freut sich breits!“ Und schön öffnete sich wieder die Wandtür und eine schlanke Gestalt trat ein. Das Gesicht war absolut ebenmäßig. Blassblaue Augen begegneten Patricks fragendem Blick. „Mr. O’Nelly, gestatten Sie, dass ich mich vorstelle. Ich bin Dr. Francis Shepherd, stellvertrender Leiter dieser Company. Wir sind alle froh, dass Sie wieder unter uns weilen. Gestatten Sie, dass ich Ihnen einige Fragen beantworte?“ Patrick ergriff die ausgestreckte Hand. „Ich bitte darum, leider habe ich keine Sitzgelegenheiten“ Sein Gegenüber lachte kurz auf. Dann berührte er kurz den Bildschirm und schon schoben sich zwei weiche Ledersessel aus der Wand. Geschmeidig ließ er sich auf dem weißen Leder nieder und bedeutete Patrick auf dem schwarzen Sessel Platz zu nehmen. „Nun, ich weiß nicht, wie viel Ihnen unsere Angestellte, wie war doch gleich ihr Name..“ „Antonia?“ „Ja, richtig, danke. Also wie viel Antonia ihnen schon gesagt hat?“ Er warf Patrick einen prüfenden Blick zu. „Um ehrlich zu sein, so gut wie nichts.“ Der schlanke Mann seufzte bedauernd. Dann breite er die Hände aus. „Nun am besten fange ich ganz am Anfang an…“
Nach dem Gespräch war das stechende Summen wiedergekehrt und dankbar nahm er das Angebot des Leiters an, sich an der Oberfläche zu erholen und die Wahrheit zu verdauen. Mr. Shephed geleitete ihn zu einem Aufzug, wo bereits Antonia wartete und zur Oberfläche brachte. Die Luft war hier völlig anders als in den klimatisierten Räumen. Viel schwerer, warmer und voller neu er Gerüchte. Gierig zog Patrick die neue Umgebung in sich auf. So viele Fragen schossen nun in seinem Kopr herum, viel mehr als vor dem Gespräch. Aber der Leiter und Chirurg hatte ihm empfohlen nicht alles auf einmal wissen zu wollen. "Sie haben eine schwere Amnesie und mir ist es lieber, wir verbuchen kleine Erfolge". Patrick betrachte die gekräuselte Oberfläche des Sees. Er war nicht der einzige Patient auf der Oberfläche. Nachdem er sich einen Schluck aus den bereitgestellten Gläsern gegönnt hatte, wurde das Summen wieder angenehmer und er konnte etwas klarer denken. Er entdeckte einen freien Platz neben einer jungen Frau und ging langsam auf sie zu.
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