27.02.2005 Regisseur Kurt "Truck" Branss ist tot

Die inoffizielle Plattform der "HITPARADE im ZDF"
Verfügbare Informationen zu "27.02.2005 Regisseur Kurt "Truck" Branss ist tot"

  • Qualität des Beitrags: 0 Sterne
  • Beteiligte Poster: Michael
  • Forum: Die inoffizielle Plattform der "HITPARADE im ZDF"
  • Forenbeschreibung: Die inoffizielle Plattform der "HITPARADE im ZDF"
  • aus dem Unterforum: Nachrichten zur ZDF-Hitparade
  • Antworten: 2
  • Forum gestartet am: Freitag 09.03.2012
  • Sprache: deutsch
  • Link zum Originaltopic: 27.02.2005 Regisseur Kurt "Truck" Branss ist tot
  • Letzte Antwort: vor 11 Jahren, 3 Tagen, 6 Stunden, 18 Minuten
  • Alle Beiträge und Antworten zu "27.02.2005 Regisseur Kurt "Truck" Branss ist tot"

    Re: 27.02.2005 Regisseur Kurt "Truck" Branss ist tot

    Michael - 24.03.2012, 20:38

    27.02.2005 Regisseur Kurt "Truck" Branss ist tot
    Truck Branss ist tot !

    Der legendäre Fernsehregisseur, der u.a. die "Hitparade im ZDF" mit Dieter Thomas Heck durchsetzte, verstarb am 22.02.05 im Alter von 79 Jahren!

    Der langjährige Fernsehregisseur des Saarländischen Rundfunks, Truck Branss, ist am Mittwochmorgen im Alter von 79 Jahren gestorben. SR-Intendant Fritz Raff würdigte die Verdienste des gebürtigen Berliners, der im Zeitraum von 1961 bis 1989 beim SR tätig war:
    „Er war einer der innovativsten Köpfe der Unterhaltungsbranche in den sechziger und siebziger Jahren. Dank seiner Kreativität wurde der SR zum Pionier der Musikunterhaltung im deutschen Fernsehen.“

    Unter der Regie von Truck Branss entwickelte der SR in den sechziger Jahren so erfolgreiche ARD-Sendungen wie „Meine Melodie“. Seine Personality-Portraits zum Beispiel über Udo Jürgens, Hildegard Knef, Alexandra und Gilbert Bécaud machten ihn bundesweit bekannt.

    Vor allem die suggestive Bildsprache seiner Filmportraits diente vielen Regisseuren als Vorbild. Lange vor dem Zeitalter der Videoclips setzte Branss aufwändige Lichteffekte und schnelle Schnitte ein.

    Beim SR schuf Branss auch die Radiosendung „Die deutsche Schlagerparade“. Sie diente später als Vorbild für die berühmte Fernsehsendung „Hitparade“, die Branss beim ZDF mit dem Moderator Dieter Thomas Heck entwickelte.

    Vor vier Jahren erhielt Truck Branss, der zuletzt in Langendorf an der Elbe lebte, den saarländischen Verdienstorden.



    Re: 27.02.2005 Regisseur Kurt "Truck" Branss ist tot

    Michael - 24.03.2012, 20:39


    Hier noch ausführlichere Infos:

    ...auf den legendären TV-Regisseur, der am 22.02.05 im Alter von 79 Jahren gestorben ist! Truck Branss führte u.a. bei ca. den ersten 100 "Hitparaden" die Regie!

    „Allein jene Figuren sind gut, von denen die Mühe abgemeißelt ist". Dieses Michelangelo-Zitat könnte auch als ein Motto für die Kunst des Truck Branss gelten, der nur zu gut wusste, dass das Leichte auch das Schwerste ist. Man denke an die Senderreihe des Saarländischen Rundfunks „Portrait in Musik", mit der er in den 60er Jahren in Deutschland so manche Karriere begründete. „Wir hatten doch keine Stars, also musste ich welche erfinden". Und wie macht man nun Stars in einer Zeit, als die Mittel noch knapp waren?

    Branss entwickelte sich zu einem Magier des Lichts, immer darauf bedacht, das Ungewöhnliche, Schöne und Unverwechselbare einer Figur, eines Gesichtes auszuloten und zu unterstreichen. Dazu bedarf es natürlich einer beinahe bildhauerischen Sicherheit und der Fähigkeit eines besonderen Sehens. Und Branss hatte nicht nur den Blick für Details sondern auch für das Große und Einprägsame. Während eines gemeinsamen Mittagessens mit einer Sängerin fiel ihm z.B. auf, dass sie ihre eine Hand immer versteckte. Er sprach sie daraufhin an und sie offenbarte, dass Ihr einmal im Konzentrationslager ein Finger verstümmelt wurde. „Mich überkamen als Deutscher so furchtbare Gemeinschaftsschuldgefühle, dass ich sie sofort unter Vertrag nahm". So kam es zu dem ersten großen Portrait in Musik mit der jüdischen Sängerin Belina. Branss inszenierte hier jedes Chanson einer LP und wurde dafür später, als ihm im Januar 2001 der Saarländische Verdienstorden verliehen wurde, u.a. als Erfinder des Musikvideos geehrt.

    Das Besondere an den Miniaturfilmen war der ästhetische und einprägsame Gehalt: Die Geschichte eines Liedes wurde von ihm so untrennbar mit der Persönlichkeit und dem Gesicht des Interpreten verbunden, das es vom Fernsehzuschauer nicht mehr vergessen werden konnte. Wer damals Lale Andersen in den Dünen liegend „Ein Schiff wird kommen" singen sah, der sieht ihren Abdruck fortan in jeder Düne, die ihm begegnet. Denn Branss konnte nicht nur mit Licht und Schatten arbeiten, seine Magie bestand auch darin, Gefühle wie Sehnsucht , Glück oder Schmerz so zu stilisieren, das er sie im Zuschauer verewigt, etwas, dass dieser dann ein Leben lang nicht mehr los wird.

    Und das kam natürlich den Stars und solchen, die welche werden wollten, zugute. Natürlich hatte er jene sehr kritisch ausgewählt und genauso kritisch betrachtete er retrospektiv seine Arbeiten. Das Porträt in Musik mit Katja Ebstein empfand er künstlerisch als Jungendsünde, obwohl die Arbeit viele innovative Elemente enthält, die später von anderen Regisseuren übernommen wurden: Felsen wurden eingefärbt, Schatten aufgemalt, Feuerspiele für Überblendungen benutzt etc. Für Hildegard Knef erwies sich die Arbeit mit Branss als Durchbruch für Ihre Chasonkarriere. Hier bediente er sich eines Tricks: Er ließ die Ansagerin den Zuschauer auffordern, die Schwarz-weiß-Einstellungen am privaten Fernsehgerät zu überprüfen und ggf. zu justieren. „Dadurch war die Aufmerksamkeit natürlich noch größer". So schwer es sich Branss selbst machte, soviel forderte er auch von seinen Künstlern. Hilde sollte für einen Cole-Porter-Song (Fever) zum Ballett tanzen. „Das kann und mach ich nicht", war ihre Antwort. Sie musste es aber dann doch und immer da, wo sie nicht synchron war, setzte er die Schnitte so, dass sie am Ende als perfekte Tänzerin dastand.

    Später, anlässlich eines Amerika-Aufenthaltes, erfand er das Wort „Hitparade" und damit die gleichnamige Sendung, die er dann für das ZDF drehte.

    „Es sollte eine einfache Sendung sein, mit möglichst wenig Mitteln soll sich die Konzentration auf den Interpreten richten. Denn der hatte doch nur drei Minuten Zeit, sich „unvergessen einzuprägen". Dazu brauchte ich einen hässlichen, aber glaubwürdigen Moderator, denn der sollte nicht von den Interpreten ablenken sondern diese anpreisen". Das Konzept ging, zumindest so lange, wie Branss die Regie führte, auf. Er bemühte sich auch immer um eine bunte und qualitative Auswahl. Die Stimmen und Interpreten sollten unverwechselbar sein. Aber die Auftritte derer, die sich nicht platzierten, sollten für den Interpreten keine Niederlage sein. Ich konnte mich nie platzieren, sagte Su Kramer, aber ich hatte immer würdige und gut präsentierte Auftritte. Mitunter geriet Branss in die Schlagzeilen wegen seiner offenen Kritik. „Wir wurden manchmal wie die Kinder behandelt, sagt Christian Anders, fügt aber grinsend hinzu: wir waren’s aber oft auch. Denn die Hitparade war für mich die glücklichste Zeit meines Lebens". Oft war Branss mit der Garderobe nicht einverstanden und sandte die Interpreten fort sich neu einzukleiden. „Das tat natürlich weh, erinnert sich Cindy Berger als eine der Betroffenen. Aber, kommentiert Jürgen Marcus, eigentlich hatte er meistens Recht". Später kränkelte die Hitparade, und nachdem Dieter Thomas Heck das Handtuch warf, war ihre Krise unübersehbar. Branss, inzwischen in der Lüneburgen Heide, beobachtete von fern genau die Entwicklung. „Wenn ich die vielen Schnitte sehe, hier ein Feuer, da ein Blitz, da Lametter und dann wieder das tanzende Publikum, wie soll sich denn da ein Interpret abheben und sich einprägen können? Die Grundidee war nicht mehr gewahrt bzw. verstanden, und so musste die Hitparade schließlich eingehen. „Das hat wehgetan. Sie war doch eines meiner Kinder" Besonders aber schmerzte ihn , dass man ihn nie um Rat fragte, als die Sendung nicht mehr funktionierte.

    Aber der Schmerz hielt sich in Grenzen, waren es doch andere Werke, auf die er stolz war: z.B. auf Schwanensee mit Rudolf Nureyev. „Ich stand am Broadway und sah meinen Namen in Leuchtdioden und da wurde mir klar, wie bekannt ich eigentlich war." Aus Anerkennung schenkten ihm Nureyev und Margot Fontain ihre Ballettschuhe und einen Pullover.

    Unvergessen bleiben die großen Gala-Shows wie auch die ZDF Sylvestergala „Jetzt schlägt’s 13", die teuerste TV-Show des Jahrhunderts. Titel und Konzept ebenfalls Truck Branss. Die Anneliese Rothenberger Show, oder Dalli Dalli mit Hans Rosenthal, die vielen Musikauktionen mit Thomas Fritsch und und und.

    Allerdings gab es auch Wunden, die ihn dazu bewegten, sich dann in der Lüneburger Heide mit seiner geliebten Frau Roma ganz zurückzuziehen. Branns hatte viele Freunde und Verehrer, aber nur wenige Menschen ließ er an sich heran und diese mussten ein Tabu wahren: Über Heck durfte nicht gesprochen werden. Ansonsten beobachtete er alle Entwicklungen und blieb bis zum Schluss sehr modern und aufgeschlossen: Stefan Raab fand er beim Grand Prix professionell und gut, stets erwies er sich unfehlbar im Tippen auf Grand-Prix-Platzierungen.

    Für alle aber, die die Ästhetik des Truck Branss verstanden und lieben gelernt haben, denen fallen im heutigen Musikfernsehen immer häufiger diese lieblosen Fehler auf : Wenn ein Interpret sich z.B. gerade steigert und die Kamera gerade dann ins Publikum schwenkt, das ist nicht nur unverständlich, das tut weh. Die Lücke aber, die Truck Branss am vergangen Dienstag, im Alter von 79 Jahren, hinterlässt, ist nicht zu überwinden. Auf sein epochales Werk wird der, der auch wie Branss TV-Geschichte schreiben möchte, zurückblicken müssen.

    von Andreas Boldt, 01.03.2005

    Quelle: smago



    Mit folgendem Code, können Sie den Beitrag ganz bequem auf ihrer Homepage verlinken



    Weitere Beiträge aus dem Forum Die inoffizielle Plattform der "HITPARADE im ZDF"



    Ähnliche Beiträge wie "27.02.2005 Regisseur Kurt "Truck" Branss ist tot"

    Befund vom Bluttest ist da - Schnuekje (Montag 04.09.2006)
    Horoskope vom 15.01.2006 - enfusia (Sonntag 15.01.2006)
    Hot Shot vom 20.05.05 - Carlito Cena (Samstag 21.05.2005)
    Vorschau 1144 vom 04.11.07 - gillo (Dienstag 25.09.2007)
    Beschlüsse der Ratssitzung vom 20.01.2007 - Deathlon (Sonntag 21.01.2007)
    Listening to Woche vom 20.02. - 26.02.06 - [UCF] PhInIx0r | _=NpC=_ (Freitag 24.02.2006)
    Bericht vom 24.09.2006 - Claire (Sonntag 24.09.2006)
    Vorschau 1017. vom 29.05.05 - gillo (Dienstag 19.04.2005)
    SpAmEcKe - Silent Deathscream (Samstag 08.03.2008)
    Jordan Struges - Jordan Struges (Samstag 14.02.2009)