rückspiegel

Maya und Domenico
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    Re: rückspiegel

    farkas - 21.02.2012, 00:28

    rückspiegel
    Ein gespräch, worte fallen, sätze, laute, bewegungen, hände sprechen mit, kopfneigungen, eine zeit.
    Er tritt unvermutet auf, mein rückspiegel, er erklärt, deutet, wertet eben gesagtes, verhalten, ausdruck, wirkung.
    Niemals wäre ein nachdenken, ein bewußtes nachdenken, in der lage, so tief zu spüren, aufzuspüren, er gibt wieder, das denken, fühlen des gegenüber auf eigenes.
    Er läßt sich nicht bitten, nicht abwehren, er kommt, wenn er kommt.
    Kein gesicht, keine worte sind sein berichten, sein klarmachen, er versucht klarzumachen, er hebt eindrücke, gemachte eindrücke, aus verborgnem, aus tiefen, aus schichten, die nicht sind, nicht erkennbar, nicht bekannt, nicht geahnt.
    Sein versuch, seine vielen versuche, wertungen auf mein gegenüber, dem gesprächsgegenüber zu geben, haben nichts unsicheres, sind deutlich, selbstbewußt, klar.
    Ruhig beschreibt er, warum meine hochgzogne augenbraue in verbindung mit leichtem achselzucken, er, er der zuhörer, der andre des gesprächs, nie und nimmer, zusammen mit meinem satz, auch tasächlich meinen ausdruckswillen, ein thema betreffend, ein von mir anders gesehenes meinungsbild, verstehen konnte. Es ihm unmöglich war aufzunehmen, zu verstehen.
    Mein gegenüber, das andre ohr, hatte zuoft mit lässig gezuckten achseln zu tun gehabt, eine augenbraue, die sich hebt, hatte für ihn etwas abstoßendes, er der zu oft schon mit gleichgültigen menschen zu tun hatte, meist abgelehnt wurde, was er sagte hatte nie wert, dabei knüpfte sich immer dieses wegwerfende achselzucken an.
    Wieder ein sinnloses, nichts bewirkt habendes gespräch.
    Der eine mensch hatte den andren nicht verstanden, es war ihm unmöglich zu verstehen.
    Das gehörte wort wurde unleserlich, verschwamm, bröckelte, noch bevor es seinen geist erreichte, fiel ab. Fiel von ihm ab. Wie ein zu kurz geschossner pfeil.
    Dabei war es nicht schwer zu verstehen, meine ausführungen waren deutlich, waren wohlüberlegt, auch betonte ich im sinne des ausdrucks, richtig artikuliert.
    Der mich anblickende, konzentriert mitdenken wollende andre, war intressiert an dem thema, an den ausführungen, an meinen ausführungen.
    Er hörte sie, er hörte sie nicht , er nahm amorphes auf, er wehrte den sinn, den klar ausgedrückten sinn meiner worte, ab, er musste abwehren, war es so gewohnt, die leicht angehobne schulter, die fallengelassne schulter, hatten ihn seinen verstand ermorden lassen, hinweggefegt, er wurde taub.

    Der rückspiegel, mein rückspiegel duldet keine einwände, er benötigt keine autorisierung, er gibt zu verstehen.Er ist nicht dialogbereit, er behauptet, er besteht auf seinen feststellungen.
    Er verschwindet.
    Auch tritt er während eines gesprächs auf und gibt hinweise, verbesserungen, er korrigiert mich, er macht aufmerksam, er will helfen, er steht mir zur verfügung mich auszudrücken, als ganzes, er warnt mich vor zu schneller sprache, zu leisem ton, hält mich ab vor körperbewegungen, verschränkten armen, überschlagenen beinen.
    Der andre wird deine schnelligkeit mit nervosität verwechseln, wird glauben, du wärest fahrig, unsicher, er ist einer jener, die von derartigem die wertung über dein gesagtes abhängig machen, machen müssen, sie haben es so gelernt, geübt, sie gehen von unumstößlichen äußerlichkeiten aus, sie müssen das so. sie gehen von der kombination deiner art, deiner art dich zu verhalten aus. Sie öffnen so eine bestimmte aufnahmehöhe, aufnahmeintensität, sie ordnen dich ein.
    In bruchteilen passiert diese alles und für immer bestehen bleibende einstellung zu dir, zu all deinen worten ebenso, es gibt nur alles oder nichts. Deine gegenüber wissen nicht, wissen nicht um ihren einstufungstest, der sie dir zuhören läßt, der sie dich wegwerfen läßt. Unumstößlich für alle zeit.
    Manchmal haben sie eine ahnung, ein gefühl, deine überlegenheit zu spüren, sie lehnen dich in exakt diesem moment ab. Für immer. Sie haben angst, angst vor ihrer, ihnen längst bekannter, minderwertigkeit, du könntest sie ertappen, bei ihren kleinen karos, die sie malen, sie wissen, sie können nur kleine karos malen. Sie kritzeln nie, sie zeichnen immer gerade seiten der karos, exakte kleine karos, alle haben sie die gleiche größe, die gleiche farbe, sind ident.
    Du kannst ihnen die besten vorschläge machen, sie könnten durch dich erfolg haben, sie würden mehr geld verdienen, sie lehnen dich ab. Sie fühlen sich von dir entdeckt, du, so glauben sie, zeigst direkt ins zentrum ihrer blässe.
    Sie werden alle erdenklichen argumente finden, dich, deine ausführungen abzulehnen, sie flüchten dich, rasant schnell.

    Deine zuhörerschaft wird dich hassen, sie werden nie wissen warum, sie werden dich hassen.
    Immer öfter, so mein rückspiegel, treffe ich auf diesen menschenschlag, diesen buchhhaltermensch, die alles nachzudenkende nicht nachzudenken imstande sind, die auch in allen bereichen der gesellschaft sich vermehren, die von korrektheit sprechen, von regeln, die grundsätzlich immer, überall zu befolgen, einzuhalten sind, sie messen schritte, mit millimeterpapier bewerten sie ihre umwelt.
    Sie rastern sofort, unweigerlich, sie erkennen augenblicklich. Sie tragen panzer von schildern, sind gerüstet, bewaffnet, lynchen auf der stelle.
    Du, so mein rückspiegel, machst immer gleiche fehler. Du gibst vorschußsympathie, jedem.
    Dir, so unendlich oft erklärt ich es, es hilft nichts, sie werden dich, haben dich bereits, getötet, du suchst verzweifelt nach doch vorhandner sympathie dir gegenüber, suchst verzweifelt, wissend, genau wissend, da ist nichts. Du kannst einpacken, kannst deine ausbreitungen falten, knüllen, vergessen, wende dich doch ab.
    Du, du verstärkst deine bemühungen, deine anstrengungen, versprichst gold und edelsteine, sie haben keine chance, sie können sich nicht öffnen, sie können es nicht. Sie fürchten sich vor deinen fähigkeiten, fähigkeiten, die sie bewundern, selbst haben wollen, nur wenig wenigstens, sie fühlen sich von dir verachtet, fühlen, sie sind der schlechte durchschnitt, das übliche.
    Finde dich ab, rauch mehr, trink mehr, sollst auch was vom leben haben.



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