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Re: ARD Report München: MRSA
Reanimator - 11.09.2007, 18:47ARD Report München: MRSA
Gestern, 10. September 2007 in der ARD "Report München" ausgestrahlt:
Tödliche Erreger
-Das Infektionsrisiko in Kliniken
Autoren : Birgit Kappel, Andrea Mocellin, Mike Lingenfelser
Vor vier Jahren hatte Hans-Werner Rudloff aus Wittenberg einen Arbeitsunfall. Die Arterie im linken Bein verschloss, seine Zehen starben ab, der Vorderfuss musste amputiert werden. Doch damit sollte die eigentliche Qual erst beginnen. Der Stumpf am Fuß wollte nicht verheilen, die Wunde eiterte und platzte immer wieder auf, der Grund – MRSA, ein multiresistenter Keim. Hans-Werner Rudloff musste unendliche Schmerzen erleiden.
Hans-Werner Rudloff: „Ja, die Schmerzen waren, also ja, ich zeig jetzt das andere Bein am Vorfuß, an der Amputationsstelle, und zogen sich also hoch bis im Bereich über den Knöchel und nach einem Jahr wurde festgestellt, dass da MRSA drin ist. So lange hat das gedauert. So lange habe ich mit diesen Schmerzen gelebt. Man hofft, dass man erlöst wird, dass man sterben kann. Aber das tritt halt nicht ein. Das Leben geht weiter und die Schmerzen bleiben und irgendwann entschließt man sich dann, den Schmerzen ein Ende zu machen und das habe ich mit der Amputation erreichen können.“
Auch Doris Kessler musste sich ein Bein amputieren lassen. Bei ihr nisteten sich nach einer Routine-Knie-Operation MRSA-Bakterien in ihrer Wunde ein. Der Knochen wurde von dem aggressiven Erreger zerfressen. Als der Arzt ihr mitteilte, dass das Bein nicht mehr zu retten sei und sofort amputiert werden müsste, war sie fassungslos.
Doris Kessler: „Ich durfte da auch gar nicht groß darüber auch denken. Ich habe mit dem Arzt einen Handel beginnen wollen, ob ich ihn nicht doch noch erhalten könnte, wenigstens noch ein paar Monate, aber da war nichts mehr zu machen.“
MRSA–Bakterien. Sie breiten sich immer rasanter aus – vor allem in Krankenhäusern. Vor wenigen Wochen veröffentlichte das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten einen dramatischen Bericht: Darin liegen die Krankenhausinfektionen unter den Infektionskrankheiten auf Platz 1, sogar vor Influenza und HIV. EU-weit sterben pro Jahr 50.000 Menschen an einer Krankenhausinfektion. Ein Grund: mangelnde Hygiene in Krankenhäusern. Kontrollen haben ergeben, dass das Klinikpersonal die vorgeschriebenen Hygienestandards oft nicht einhält. Doch was das bedeutet, zeigt ein einfacher Test: links die Hautprobe nicht gewaschener Finger, rechts die Probe frisch desinfizierter Finger. Werden die Hände also nicht nach jedem Patientenkontakt sorgfältig desinfiziert, tragen sie die Keime von einem Patienten zum anderen.
Prof. Johannes Bogner, Klinikum Innenstadt München: „Wenn bezüglich der Hygienestandards und Hygienemaßnahmen in den Kliniken keine drastische Verbesserung erreicht wird oder keine neuen Regeln eingeführt werden, müssen wir leider davon ausgehen, dass die Zahl von Krankenhausinfektionen mit Problemkeimen und resistenten Keimen in den nächsten Jahren auch in unserem Land weiter zunehmen wird.“
Doch trotz der Brisanz – das MRSA-Problem wird in fast allen Kliniken totgeschwiegen. Wir machen den Test und rufen in 30 deutschen Kliniken an, geben uns als Patienten aus. Wir wollen wissen, wie viele MRSA-Fälle die Krankenhäuser im vergangenen Jahr hatten. Nur eine einzige Klinik gibt uns Auskunft, alle anderen führen entweder keine Statistik oder wollen sie an Patienten nicht herausgeben.
Wolfram-Arnim Candidus, Präsident Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten e.V.: „Der Skandal ist, dass der Patient unmündig gehalten wird, nicht aufgeklärt wird, damit er ja in die Einrichtung kommt, damit dort auch die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Einnahmen gesichert werden und Punkt 2 hat der Patient keine Möglichkeiten das auch zu kontrollieren.“
Ganz anders zum Beispiel in Großbritannien. Hier kann jeder Patient die MRSA-Daten bequem im Internet nachsehen, denn bei den Briten ist der gefährliche Erreger seit 2001 meldepflichtig. Überhaupt lohnt bei dem Problem mit den Krankenhauskeimen der Blick ins Ausland. Wir fahren in die Niederlande, wo MRSA praktisch nicht existiert. Denn hier hat man die Brisanz der Infektion bereits Anfang der 80er Jahre erkannt und offensiv bekämpft – und zwar nicht nur durch drastische Hygienemaßnahmen.
Dr. Ron Hendrix, Laboratorium für Mikrobiologie Twente Achterhoek: „In Deutschland kriegt fast jeder, der zum Beispiel einen Schnupfen hat oder etwas anderes von seinem Hausarzt ein Antibiotika mit nach Hause. Wir haben kein Problem mit MRSA und auch nicht mit anderen multiresistenten Keimen, die es ja auch in Deutschland gibt, weil wir fast keine Antibiotika verschreiben an Patienten.“
Dr. Hendrix gibt sein Wissen seit einiger Zeit an Kollegen aus Deutschland weiter. Deutsche Patientenvertreter und Ärzte der Universität Münster konnten ihn für ein grenzüberschreitendes MRSA-Netzwerk gewinnen. Ein erfolgreiches Projekt: Die Uniklinik Münster ist in Sachen MRSA-Bekämpfung Deutschlands Vorzeigekrankenhaus geworden. Neben dem restriktiveren Gebrauch von Antibiotika und umfangreichen Hygienemaßnahmen, werden hier seit 2005 alle über 40.000 Patienten pro Jahr bei ihrer Aufnahme durch einen Nasenabstrich auf MRSA untersucht. Ist ein Patient positiv getestet, wird er strikt isoliert. Mit diesen Maßnahmen konnte die MRSA-Rate fast halbiert werden.
Dr. Alexander Friedrich, Institut für Hygiene, Universitätsklinikum Münster: „Es ist vielfach gezeigt worden, dass die Maßnahmen, die ich präventiv durchführen muss, das Screening, um ein 100-, zum Teil 1.000faches niedriger liegt, als die Folgekosten, die dann entstehen durch solche Infektionen.“
Doch viele Klinikchefs sparen lieber kurzfristig und verzichten auf Investitionen im Bereich Hygiene.
Wolfram-Arnim Candidus, Präsident Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten e.V.: „Vor kurzem hatte ich den Fall, dass ich eingeladen war zu einem Vortrag in einer Klinik und habe auch die Thematik Hygiene angesprochen. Ich kam nur zu keinem Dialog, sondern führte nur einen Monolog zu dem Thema. Als ich dann das Klinikgelände verlassen wollte, kamen fünf Mitarbeiter aus der Klinik zu mir und teilten mir mit, sie würden meinen Standpunkt voll teilen, aber wenn sie dort was gesagt hätten, würden sie Gefahr laufen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.“
Hans-Werner Rudloff kann das nicht verstehen. MRSA hat sein Leben zerstört. Jetzt hofft er, dass die Verantwortlichen endlich aufwachen.
Hans-Werner Rudloff: „Na, mein Schicksal wird es nicht mehr verändern, das ist alles schon passiert, aber andere können davon betroffen werden oder werden davon betroffen, ohne dass etwas dagegen getan wird.“
Der ehemalige Handwerksmeister hat sein Bein verloren, viele andere sterben.
Quelle: ARD/Report München
Re: ARD Report München: MRSA
atomic - 13.09.2007, 01:30
Tja, wenn man dann halt ins Altersheim kommt und mit den Worten 'Was verkleidet ihr euch denn so lustig, das hat doch eh jeder' beim MRSA-Patient begrüsst wird, sagt das halt auch schon viel ...
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