1200km Brasilien-Uruguay-Trampen und immernoch am Leben

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    Re: 1200km Brasilien-Uruguay-Trampen und immernoch am Leben

    Peter Rast - 28.01.2008, 15:45

    1200km Brasilien-Uruguay-Trampen und immernoch am Leben
    Hiermit allen ein freundliches ABER auch angenehm wohlfuehlend gemeintes Tach gewuenscht, denn ich bin ein erzogener Zeitgenosse, der die Regeln der Hoeflichkeit aus dem FF beherrscht.
    Die letzten Tage haben wiedermal Erzaehl-Potential. Starten will ich mal von der etwas mulmigen Situation in Florianopolis, am Strassenrand, wir hatten ein Schildchen um den Hals, drauf stand unser Zielort fuer die erste Tramp-Attacke ca. 500km entfernt, naemlich Porto Alegre noch in Brasilien. Die insgesamte Wartezeit summierte sich auf 5Stunden bis endlich ein Waegelchen zum stehen kam. Zuvor hatten wir an der letzten florianopolnischen Tankstelle der Autobahn jegliches Fahrzeug angesprochen, welches mit dem Ziel der Treibstoffaufnahme zum stehen kam. Als dies nichts brachte, haben wir begonnen auch den Fahrzeugfuehrer anzusprechen. Resultat war maessiger Erfolg und endlos erscheinendes Bangen. Die Zeit zog sich dermassen wie Gummi, dass wir uns vermehren mussten. Ein kleiner Tramper Namens Matthaeus gesellte sich zu uns und sprach in einer Tour Portugisisch, was soviel heisst wie "Sprich Speedcore Spanisch extra noch unter Wasser mit zugeleimtem Mund". Matthaeus, wie man am Namen bereits erkennen musste, war Fussballer und kam gerade vom Eigungstest einer Fussballschule, lebte aber in den Fervelas(Slums) von Porto Alegre. Armer kleiner Kerl, mein Mitleid hat er. Der freundliche Kraftfahrer, welcher letztendlich als einziger bis dahin Interesse an uns zeigte, hatte keinen Namen und sprach auch keine Sprache ausser Truckerisch und die versteht ein einfacher Mensch niemals. Der Scania-Sattelauflieger hatte seine besten Jahre bereits hinter sich, dies konnte man merken, als der Fahrer mehr Zeit unter der aufgeklappten Motorhaube verbrachte als hinterm Steuer. Fuer die 500km brauchten wir letztendlich von 18Uhr des einen Tages bis 9Uhr des darauffolgenden Tages. Hierin inklusive wurde eine 2Stunden-Stadtrundfahrt in Porto Alegre angeboten, um die Ladungs-Loesch-Firma zu finden. Geladen hatte er uerbigens hoch explosives, reines, gefrorenes Wasser. Nicht viel Zeit verlierend mussten wir Matthaeus endlich loswerden, der uns, glaube ich, noch eine Auffenthaltsgenehmigung, Green-Card oder sowas verschaffen wollte, da seine endlose Hilfsbereitschaft uns in mehrere Ministerien und Konsulate schleppte.
    Wieder an der Autobahn Richtung Grenze nach Uruguay an der aus Porto Alegre herausfuehrenden Strasse warteten wir diesmal lediglich 2Stunden als ein ehemaliges, schweizerisches Militaergruppentransportfahrzeug anhielt und uns ein nettes aelteres Paerchen mit klarem Schweizerdeutsch zu verstehn gab, wir koennen mitfahren. Wir traten ein, machten es uns in der Wohnecke gemuetlich, fuehlten uns sehrsauwohl und krallten uns deswegen an saemtlichen Krallmoeglichkeiten fest mit der festen Absicht dieses Fahrzeug nicht vor Montevideo zu verlassen. Albert und Medeleine wehrten sich gegen dieses Vorhaben nur mit verhaltenem Eifer und so sollten wir die darauf folgenden 5Naechte in ihrer Obhut bleiben. In dieser Zeit wurde die erste Nacht an der Lagoa dos Patos, eine riesige Lagune von 400km Laenge jedoch nur 2-3Meter Wassertiefe, verbracht. Nach der Grenzueberquerung wurden die weiteren drei Naechte im Nationalpark Santa Teresa in Uruguay verweilt, welcher, in Betrachtung meiner kompletten Reiseaktivitaet der letzten vier Monat, wohl der schoenste Park ueberhaupt war. Einen riesigem botanischem Garten gleich flattaterten dort unendlich viele, exotische Vogelarten von Tucan bis Papagei, ettliche Wellensittige und komisch bunte Kuckucksarten und letztendlich mein heissgeliebter Kolibri. Weiterhin bestand dort, zu den entsprechenden Jahreszeiten, die
    Moeglichkeit Orkas, Grintwale und Delphine sowie die dazugehoerigen Futterrobben und Seehunde zu voeuyerisieren. Das alles fand unter Eukalyptuswaeldern und Palmenhainen statt bei weissesten Straenden und sandigem Duenenvorbau. Mittlerweile habe ich eine Art Muschelfetisch entwickelt. In meinem Rucksack befinden sich derzeit schaetzungsweise 3kg Muschelmasse. Die letzte Nacht wurde dann in Punta del Este ca. 120km vor Montevideo verbracht. Als die Spielflaeche der Reichen und Schoenen angesehen, reichte dieser Ort uns "lediglich, dafuer aber umsomehr Schoenen" keine willkommenheissende Hand. Als Wildcamper fand ich am naechsten Morgen nicht mal ein oeffentliches Toilett und als ich die Putzfrauen eines Ferien-Edel-Ressorts nach einer Kackstelle fragte, schauten die mich obendrein in einer Art an, als ob ich grad aus meinem Pappkarton auf der Deponie FreiheitIII bei Bitterfeld gekrochen waere. Damit nicht genug hatten wir langsam das Gefuehl Albert und Medeleine seien von unserer Anwesenheit zunehmends angebrochen. Das konnte man feststellen, als sie ein Reisepaerchen mit einem riesigem MAN-Wohntruck zum wiederholten Male nach ca 2Jahren wiedertrafen. Sie tranken mit ihnen Wein in dem selbigen, waehrenddessen wir draussen auf die beiden weiblichen Hyper-activ-Kinder des Milionenschweren Belgiergespanns aufpassen mussten. Keiner bat uns mit an den Weintisch, also bauten wir unser Zelt vor den beiden Wohnzimmerautos auf und weinten uns in den Schlaf. Der naechste Morgen war dann auch der Scheidetag. Die letzten 120km sind wir mit dem Bus fuer 138 uruguayische Pesos (4,50Euro) nach Monteviedeo gefahren. Gerade angekommen wurden wir dann auch gleich bei dem Versuch Gras zu kaufen zum zweiten Mal in den letzten vier Monaten vom im-Park-rumlungerndem-Poebel geprellt. Im Tuetchen war nur Erde und die macht nicht breit.
    Die Plaene fuer die folgenden Tage sind dann weiter zur naechsten Stadt zu trampen, dann mit dem Schiff nach Buenos Aires ueberzusetzen und dann mit dem Flieger ueber Sao Paulo an den heimsichen Kuehlschrank zu reisen, in dem die Mutti dann bereits mein lange entbehrtes Gehacktes mit den dazugehoerigen frischen Broetchen und auch, nicht zu verleumden, den, ebenso nicht zu unterschaetzenden, Zwiebeln bereit gelegt hat.
    Noch eine Woche und drei Tage, dann kann der deutsche Osten wieder aufatmen, wenn der Absatz an Lebensmitteln wieder um einige Prozente steigt und die Fleischerinnung seinen besten Kunden zurueck hat.

    Nich lang schnacken, erma kacken. Damit Prost bis zum naechsten und wahrscheinlich letzten Bericht!!!



    Re: 1200km Brasilien-Uruguay-Trampen und immernoch am Leben

    Roy DIGGER - 31.01.2008, 15:57


    also ich habs gelesen!



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