Die Sonne von Brabant

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    Re: Die Sonne von Brabant

    Albis Otison - 08.09.2007, 13:22

    Die Sonne von Brabant
    Aus dem alten Forum:

    Trutzhaven-NSC

    22.08.2007 16:24: Die Sonne von Brabant


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    Die fremde Dame

    Isabelle stand vor der beeindruckenden Fassade des Kontors. Sie ging einen Schritt zurück, um die gesamte Höhe des Bauwerks mit dem Auge erfassen zu können und wäre beinahe von einem Pferdekarren überrollt worden. Der Fahrer fluchte noch, während er durch den Torbogen weiterfuhr, während Isabelle nur ein schnelles „’tschuldigung“ murmelte und sich eilte, die Treppe zur Tür zu erklimmen.
    Vor der Tür blieb sie stehen, atmete noch einmal tief durch, und ging dann hindurch.

    Jonathan, der Junge, dem sie gestern einen Kupfer für seine Dienste versprochen hatte, berichtete ihr heute Morgen kurz nach Sonnenaufgang, dass Herr van Wal bereits früh des Tages seinen Kontor betreten hatte. Isabelle entschied sich, dass der späte Vormittag ein geeigneter Zeitpunkt sei, ihm den lang ersehnten Besuch abzustatten.

    Seit zwei Wochen war sie nun schon in Trutzhaven. Sie hatte sich in dem Gasthof „Zum Goldenen Anker“ von Albis und Greta einquartiert, da sie die gute Küche der beiden schätzte. Außerdem war es immer schön, an einem fremden Ort vertraute Gesichter zu treffen. Seit dem wartete sie darauf, dass Herr van Wal wieder im Ort sein würde.
    Die Zwischenzeit hatte sie genutzt, mehr über die Stadt in Erfahrung zu bringen. Der Hafen war sehr beeindruckend. Man musste aufpassen, das emsige Treiben nicht zu stören. Wenn man den Schiffen beim Auslaufen zusah, bekam man glatt Fernweh.

    Aber da sie ja gerade erst in den Dreilanden mit dem Chevallier Nicholas le Triste unterwegs gewesen war, um ihn in
    händlerischer Mission bei den Zwergen dort zu unterstützen, war sie ganz froh, wieder „heimatlichen Boden“ unter den Füßen zu spüren.

    Schade war es um die Burg, die seit dem Tod von Richard von Trutzhaven leer stand.
    Vor fünf Tagen erfuhr sie dann endlich, dass Herr van Wal von seiner letzten Reise nunmehr zurückgekehrt sei. Heute, entschloss sie sich, hat der Hauptkontor genügend Zeit gehabt, sich wieder einzugewöhnen.

    Drinnen herrschte reges Treiben, Akten wurden hin- und hergetragen, geschäftige Menschen rannten die Treppe auf und ab. Ein Mann kam auf sie zu, während sie sich den Staub von den Stulpenstiefeln wischte. Er rümpfte ein wenig die Nase, als er sie betrachtete. Sie trug Hosen, die in hohen Stulpenstiefeln steckten. Gegürtet hatte sie zwei Schwerter, eine Art Säbel und Rapier, wobei sie beides seitenverkehrt trug. Dazu trug sie eine rote Bolero Jacke, ein Stil, der in Valariot nicht verbreitet war. Ein Hut mit großer Krempe, an dem eine rote und eine weiße Feder befestigt waren, zierte Ihren Kopf. Er konnte sie nicht einschätzen. War sie eine Dame, oder eine Abenteurerin.

    „Was kann ich für Euch tun, werte Dame?“

    Isabelle lukte keck unter dem Rand Ihrer Krempe hervor: „Mein Name ist Isabelle de Chaseri, Inhaberin von „Caldor’s Kleyder“, ich würde gern dem Hauptkontor, Herrn van Wal, meine Aufwartung machen und ihm vorstellig werden. Ich erhoffe, mit ihm ins Geschäft zu kommen.“

    „Er ist ein vielbeschäftiger Mann, müsst Ihr wissen und seine Zeit ist kostbar,…“

    „Guter Mann, ich bitte Euch lediglich, nachzufragen, ob er einen Moment Zeit hat. Ich hörte davon, dass er auf Mythodea einen Kontor errichten ließ. Es wird sein Schaden nicht sein.“

    „Ich werde schauen, was ich für Euch tun kann. Wartet bitte hier.“

    Isabelle nickte ihm zustimmend zu. Er drehte sich auf dem Absatz um und eilte die Treppe nach oben.
    Erwartungsvoll schaute sie die Treppe hinauf...




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    vanWal

    22.08.2007 16:30: RE: Die Sonne von Brabant


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    'Wert' oder 'Hochwert'?

    Jannis van Wal schritt vor seinem großen Schreibtisch auf und ab und diktierte "...und die Stadt Port Verane, vertreten durch die allergnädigste Fürstin, die hochwerte Baroness von Verane ...". An einem Dutzend kleiner Schreibpulte, die in dem sonnendurchfluteten weiträumigen Arbeitszimmer verteilt waren, saßen Kinder, keines älter als zehn Jahre, und schrieben mit ernster konzentrierter Miene jedes Wort des Hauptkontors mit: "...und dem hochwerten Freiherrn von Tiefenburg..."

    Ein Mädchen unterbrach die Mitschrift und schlug demonstrativ den Griffel aufs Pult. Seltsam zufrieden wirkend blickte Jannis van Wal auf und fragte: "Ja, Reinhild? Warum schreibst du nicht weiter? Gefällt dir etwas an dem Vertrag nicht?"

    Das angesprochene Mädchen trat vom Pult zurück und wurde vor Aufregung fast rot. Dennoch bemühte Reinhild sich um den informativen, schnarrenden Tonfall, der so typisch ist, für Trutzhavener Kontore: "Gestatten Hauptkontor ... der Vertrag ist gut, doch die Anrede des Tiefenburgers als 'hochwert' scheint mir übertrieben. Weil er doch nur ein Freiherr ist und ... und ... und so..." Letztendlich hatte die Aufregung das Mädchen eingeholt und sie blickte nun doch zu Boden.

    "Sehr gut Reinhild, da hast du völlig recht. Natürlich muss es heißen: 'dem werten Freiherrn', sehr gut! Du darfst das Pult verlassen. Ihr anderen kratzt das 'hoch-' vom Pergament, passt das nächstemal besser auf und weiter geht's."

    Eilig schabten die Kinder auf ihren Pergamenten, als ein Bediensteter das Arbeistzimmer betrat und van Wal etwas zuflüsterte. "...Kleider aus Caldor? Noch nie gehört.", brummte der Hauptkontor verwirrt: "Reinhild, schau doch mal aus dem Fenster, wer steht da vor dem Eingang?"

    Eilig sprang das Mädchen zu der hohen Butzenglasscheibe und schaute hinaus: "Da unten steht eine Frau, Hauptkontor van Wal. In brandroter Kleidung. Goldenes Haar unter rotem Hut, es sieht aus wie die aufgehende Sonne mit einer roten Gloreole." Wie auf ein geheimes Zeichen sprangen jetzt auch die anderen Kinder auf und eilten zum Fenster um sich die Nasen plattzudrücken.

    Van Wal lachte: "Also gut, ich sehe schon, an konzentriertes Arbeiten ist nicht zu denken, bis wir die Absicht unserer Besucherin ergründet haben." Er wandte sich zu dem Bediensteten um: "Führe die Dame zu uns herauf. So eine Erscheinung wird wohl nicht von der Kanzlei gesandt worden sein."


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    Isabelle

    26.08.2007 16:28: RE: Die Sonne von Brabant


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    Anvers oder Trutzhaven

    Isabelle de Chesari schaute wachsam nach oben, als sie hinter den milchigen Scheiben Bewegungen sah. Sie lächelte, als sie die neugierigen Gesichter einiger Kinder erkannte. Keine Strauchdiebe, die ihr Übles wollten. Manchmal wunderte sie sich über sich selbst. Die vielen Reisen hatten sie zu einer wachsamen und kampferprobten Person heranreifen lassen, die manchmal vielleicht ein bisschen zu wachsam war. Sie winkte den Kindern, die daraufhin lachend ihre Plätze am Fenster verließen. Noch einmal nahm sie ihren Hut ab, überprüfte den Sitz der leuchtend roten Feder und schnippte ein Sandkorn von der Krempe.

    „Achtung, lasst mich vorbei“, schrie eine keifende Stimme und noch bevor Isabelle die fette Frau sah, die sich mit einem Korb voll zuckender Fische an ihr vorbei drücken wollte, war sie auch schon mit einem eleganten Schritt beiseite getreten. Das Lächeln auf ihren Lippen verzog sich zu einem schmalen Strich, als ihr der strenge Geruch der Fische in die Nase stieg.

    „Ach ja, das ist eben Trutzhaven“, dachte sie wehmütig, „nicht Anvers“. Die Bilder der eindrucksvollen brabanter Hafenstadt zogen sie hinab in einen Sog der Erinnerungen. Die frische Brise, das Kreischen der Möwen, und überall wo man hinsah, voll beladene Schiffe, die Wolle und Seide aus den ganzen Mittellanden brachten, dazu die zahllosen Händler, die gewieft ihren Geschäften nachgingen. Wie immer wenn sie an Anvers dachte, stellte sie sich die Frage, ob der Handel mit Diamanten in Trutzhaven genauso erfolgreich laufen würde wie dort. Aber die Antwort auf diese Frage würde warten müssen.

    „Isabelle, Du Hans Dampf in allen Gassen, einen Schritt vor den anderen.“
    Als sie Schritte auf der knarrenden Treppe im Inneren des Kontors hörte, öffnete sie abrupt die Augen und schalt sich kurz eine Träumerin. Ein Junge stand an einer Ecke und musterte sie neugierig. Ihre rote Kleidung schien ihn ebenso zu beeindrucken, wie die beiden Säbel, die sie trug. Sie schnippte ihm eine kleine Münze zu und zwinkerte mit den blauen Augen. Als sie sah, wie sehr er sich über das Geschenk freute, lächelte sie erneut und als sich die Tür öffnete und sie in die Augen des Bediensteten sah, war ihr Blick noch immer liebenswert, und was immer der Mann sagen wollte, er verschluckte verlegen ein jedes Wort.

    „Ich nehme an, ich darf eintreten?“, fragte sie mit dem Schnurren einer Katze.

    Aber er nickte nur, als sie sich an ihm vorbei schob. Rasch schloss er die Tür, räusperte sich und zwängte sich die Treppe hoch, um sie zu überholen. „Bitte, meine Dame, folgt mir.“

    Und das tat sie. An einem offenen Fenster verweilte sie einen Augenblick. Sie konnte aufs Wasser sehen. Der Geruch nach dem Salz des Meeres, das Geschrei der Seemänner und der Möwen. Anvers und Trutzhaven waren sich gar nicht unähnlich. Erleichtert über diese Erkenntnis ging sie weiter und kurze Zeit später trat sie in das Schreibzimmer des Hauptkontors. Die Kinder saßen allen Anschein nach artig auf Ihren Plätzen und schienen Buchstaben von Pergamenten zu kratzen. Alle grinsten und einige schauten neugierig und verlegen hoch. Isabelle warf ihnen ein rasches Lächeln zu, bevor die Stimme des Bediensteten sie aufhorchen ließ.

    „Herr van Wal, dies ist die ehrenwerte Isabelle de Chesari, Tuchhändlerin aus dem fernen Brabant und Betreiberin der wohlgerühmten Schneiderei „Caldor’s Kleyder“.“ Dann wandte er sich an die Brabanterin.
    „Und dies, meine Dame, ist Hauptkontor Jannis van Wal.“

    Den Hut in der Linken, vollzog sie eine vollendete Verbeugung.
    „Gott zum Gruße, hochwerter Hauptkontor Jannis van Wal.“

    ______________

    Willkommen in meiner Welt!

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    vanWal

    01.09.2007 10:06: RE: Die Sonne von Brabant


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    Begrüßung

    Das Schreibzimmer, im zweiten Stock, dessen Doppelportaltür der Alte Mann ihr höflich aufgehalten hatte, verfügte über drei Fensterfronten aus hohen, grünlich schimmernden Scheiben, deren eine zur See, deren zweite zur Stadt und deren dritte zur Zitadelle blickte. Eines der Mädchen, die, anders als die sorgsam und konzentriert Kratzenden, irgendwie selbstgefällig - wie Isabelle fand- neben ihrem Miniaturpult stand, erwiederte das Lächeln der Brabanterin mit fast offensichtlichem Stolz, während der Bedienstete sie dem Hauptkontor vorstellte.

    Über dem Schreibtisch an der blinden Wand hing das überlebensgroße Bild eines hochgewachsenen Mannes "in den besten Jahren". Er trug einfache aber überkniehohe Lederstiefel und ein Gewand, das wohl im besten Sinne als "grob" bezeichnet werden konnte. In einem breiten Ledergürtel steckte eine gemein aussehende Axt und das bärtige Gesicht war von einer Art Verschmitztheit, die edel veranlagten Gemütern wohl schon etwas zu sehr in Richtung "Frechheit" auszuschlagen erscheinen mochte.
    "Der Stammvater meiner Sippe", sagte der Hauptkontor, der vor dem Schreibtisch stand. "Ich freue mich, Eure Bekanntschaft zu machen, Isabelle de Chesari aus Brabant."

    Ein kurzer tadelnder Blick zu der Kinderschar ließ ein Dutzend helle Stimmchen begeistert ausrufen
    "Sigmar mit Euch, Milady",
    "Manis Segen auf Euch, Hohe Dame"
    "Bonjour et bonchance, Ma Dame!"
    "Eine Ehre, hochwerte Isabelle!"
    "Ahoi und gute Reise, Herrin!"
    ...tönte es da vielstimmig durcheinander. Der Hauptkontor schüttelte lachend den Kopf:"Genug, genug ... Marten van Pine, das habe ich gehört, melde Dich beim Willkommturm zum Hole-Bringedienst ... sofort!". Ein betroffen grinsender Junge nahm den kleinen, runden Hut von seinem Pult und eilte unter dem Gekicher der Anderen hinaus. Van Wal wandte sich an Isabelle: "Ihr hat soeben eine Lehrstunde der Anwärter unterbrochen, Madame, ich entschuldige angesichts des Privilegs Eurer Anwesenheit, wenn Ihr entschuldigt, dass ich die Stunde während unseres Gesprächs weiterführe. Was bringt Euch zu mir, was kann ich für Euch tun?"


    In den Straßen der Stadt

    Marten van Pine stromerte mürrisch die Treppe hinab zur Straße und grummelte vor sich hin. Mist, ausgerechnet er, ausgerechnet Willkommturm, ausge- ausgerechnet Hole-Bringedienst. Die Ohren des Hauptkontors waren einfach zu gut. Marten hätte nicht gedacht, dass sein godeländisches "Ahoi und gute Reise" aus dem Chor herausgehört werden würde. Oh ja, er wusste, so gut wie jeder andere, wie wenig van Wal die Godebütteler Eigenheiten schätzte und genau mit dieser wohlkalkulierten Frechheit hatte er eigentlich doch nur Reinhild beeindrucken wollen.
    "...pfffüüüt", ein Pfiff erklang vom Tor her. Dort stand Martens Freund Freder und ließ selbstgefällig eine Kupfermünze über den Knöcheln tanzen: "He, Marti, hat er dich schon wieder rausgeworfen? Komm mit mir. Ich gehe zum Furtener Kontor und suche mir Verdienst ... und Du erzählst mir von der Dame, die da eben zu euch rein ist, hm?" Plaudernd und scherzend verschwanden die Freunde alsbald im Gedränge des Hafenviertels.



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