Nächtliches Gespräch (Vîesomar)

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    Re: Nächtliches Gespräch (Vîesomar)

    vîeso - 18.11.2011, 16:14

    Nächtliches Gespräch (Vîesomar)
    1
    Viktor von Lonarsmark erfreute sich an einen tiefen Schlaf. Das war soweit nicht ungewöhnlich da er der Überzeugung war das nur eine gewisse Regelmäßigkeit in der Schlafgewohnheit zu einem ausgeruhten und somit erfüllenden Leben führt. Um dieses Ziel zu erreichen hatte er sich schon seid Jahren zur Gewohnheit gemacht genau 5 Stunden pro Tag in eine Art traumlose und meditative Trance zu fallen. Es war egal wo er sich befand oder ob Ereignisse in seiner unmittelbaren Nähe eine erhöhte Wachsamkeit erforderten. Nein, Viktor von Lonarsmark hatte selbst in Schlachten und in belagerten Festungen unter größten Druck an dieser Angewohnheit festgehalten. Er war sich sicher dass sie ihm erst das Leben rettete und später, als gewisse Umstände ihn dazu brachten sich ins Handelswesen zu einzubringen, für die nötige Klarheit und Gerissenheit gesorgt. Außenstehende mochten den Eindruck gewinnen der Herr von Lonarsmark sei in diesen Momenten der Ruhe dem Tot etwas näher als dem Leben und im gewissen Sinne hatten sie damit auch Recht doch lies er sich recht schnell aufwecken wenn es die Situation erforderte. Leider beinhaltete dies einen deutlichen Nachteil. Es war entweder mit einem hohen Aufwand an roher Kraft, um nicht zu sagen Gewalt verbunden oder, sollte man nicht über die notwendigen körperlichen Eigenschaften verfügen, der Gebrauch von Mojo der nördlichen Trolle mit seinem bestialischen Geruch als Riechsalz unablässig. Es spielte keine Rolle welche der Möglichkeiten Anwendung fand. Beide hatten ein recht schmerzhaftes Aufwachen zur Folge.
    Es versteht sich von selbst dass es in allen Fällen zu vermeiden galt diese Möglichkeit einen Tag zu beginnen zu in Betracht zu ziehen. Unter seinen früheren Dienern hatte sich schon bald der Eindruck erhärtet dass eine gewisse Rachsucht dem Herren anheim wohnt. Daher war es auch in ihrem Interesse ihn zu unterstützten wo sie nur konnten damit er seine 5 Stunden der Ruhe ohne Unterbrechung verleben konnte.
    Möglicherweise war auch der gewaltsame Tot, den ein Bediensteter hatte erleiden müssen, eine nicht zu unterschätzende Ermunterung an die gesamte Dienerschaft. Ein Diebstahl hatte ihn in diese Art Bedrängnis gebracht obwohl er als loyal und äußerst Zuverlässig galt. Nein, es war reiner Zufall dass das Verschütten des Mojo beim Säubern der Räume wenige Tage zuvor Viktor von Lonarsmark aus der täglichen Trance geweckt hatte. Ein nicht zu unterschätzender Verlust an Gold und Würde. Niemand hatte es in der Öffentlichkeit gewagt dem Herren zu unterstellen das andere Gründe für die Hinrichtung in Frage kamen obwohl die Strafe durchaus als übertrieben und unangemessen für diese Verbrechen anzusehen war. Eine zielstrebige Ernsthaftigkeit gepaart mit unbedingten Willen zum Erfolg waren nach seiner eigenen Aussage die Tugenden die einen wahren „von Lonarsmark“ im Leben auszeichneten.
    Wenn man all dies nun in Betracht zog verwunderte es nicht im Geringsten dass die Verfassung dieses Herren tadellos wenn nicht sogar ausgezeichnet war. Vielleicht mit kleineren Ausnahmen.



    Re: Nächtliches Gespräch (Vîesomar)

    vîeso - 18.11.2011, 16:15


    Die Möglichkeit die Augen zu öffnen schien des Rätsels Lösung nicht vollständig zu offenbaren. Er befand sich noch immer in seinem Haus, da war er sich sicher, doch etwas stimmte nicht. Er war im Keller. Auch da war er sich recht sicher jedoch schien nicht nur der Aufenthaltsort an sich sondern auch die Art und Weise der Unterbringung ihm ein gewisses Unbehagen zu bereiten. Was war es nur? Seine Gedanken stoben immer wieder auseinander beim Versuch sie zusammen zufassen. Ein kalter klarer Schmerz bohrte sich in seinen Kopf. Viktor versuchte ihn zu ignorieren. Mühsam versuchte er sich zu konzentrieren.

    Eines nach dem anderen. Immer eines nach dem anderen.

    Es kostete ihn einen enormen Aufwand an Kraft nach Gedankenfetzen zu greifen. Vergeblich. Immer wieder verlor er für kurze Zeit das Bewusstsein. Mit der Zeit wurde es einfacher. Der Schmerz war immer noch deutlich zu fühlen doch füllte er seinen Kopf bei weiten nicht mehr so unnachgiebig aus.

    Bewahre immer einen kühlen Kopf.

    Wieder versuchte er die Augen zu öffnen. Bilder formten sich langsam aus einer grauen Masse heraus.

    Gut. Mach weiter so.

    Er stellte fest dass er saß. Anscheinend war es abends da die vergitterten Öffnungen oberhalb der Wände kein Licht mehr durchließen. Schatten tanzten auf dem Mauerwerk.

    Fackeln! Was hab ich nur hier unten gewollt?

    Er war keiner der gerne in den Keller ging. Die Enge, der Schmutz und der stetige faulige Geruch in der Luft ließen ihn diesen Ort nur in außergewöhnlichen Situationen betreten. Als er versuchte sich zu bewegen nahm der Schmerz im Kopf wieder zu. Hinzu kam ein Dröhnen das ihm Übelkeit verursachte. Klack Klack. Ein Geräusch! Er versuchte den Kopf zu heben. Hatte er es sich nur eingebildet? Klack Klack. Nein. Er hatte das Geräusch deutlich gehört. In der Nähe. Es klang als ob Stahl auf Stahl trifft. Nur ganz leicht. Klack Klack.
    Als der Schmerz und Übelkeit kurz nachließen um nur Momente später verstärkt zurückzukehren wurden Viktor von Lonarsmark zwei Dinge bewusst. Er war gefesselt und er war nicht alleine in diesen Raum.
    Als das Dröhnen wieder einsetzte kämpfte er wieder gegen den Drang an sich zu übergeben.



    Re: Nächtliches Gespräch (Vîesomar)

    vîeso - 18.11.2011, 16:15


    „Siehst du. Wer hat gesagt dass er nicht stirbt? Ich hab es gesagt!“
    Das Geräusch von applaudierenden Händen drang durch die Benommenheit. Noch immer war ein Dröhnen in seinem Kopf nur war es jetzt auf ein verträgliches Maß geschrumpft. Der Geschmack von Galle saß in seinem ausgetrockneten Mund fest. Ein Knebel in seinem Mund erschwerte das atmen erheblich. Wieder hob er langsam den Kopf. Seine Augen versuchten einen Punkt zu fixieren.
    Klack Klack.
    Willenlos ging sein Blick in die Richtung von wo aus er den Ursprung vermutete.
    Klack Klack .
    Die Fackeln die den Raum beleuchteten spendeten nur unzureichend Licht. Als seine Augen sich langsam an das Zwielicht gewöhnt hatten erkannte er einen Tisch. Er stand etwa 5 Schritte von ihm entfernt. Viktor erkannte ihn wieder. Ein Paar Jahre früher stand ebendieser Tisch in einem der Räume die für Gäste vorgesehen waren. Er wusste jetzt wo genau er sich befand. Es war eine kleinere Nebenkammer des Kellers. Ein paar Schritte noch weiter müsste der Ausgang sein. Er konnte es nur vermuten da der restlichte Raum in Dunkelheit getaucht war.
    Der Herr von Lonarsmark hatte jedoch etwas anderem seine Aufmerksamkeit geschenkt. Neben dem Tisch auf einem der dazugehörigen Stühle befand sich eine Person. Sie saß etwas abseits vom beleuchteten Teil und wurde fast gänzlich vom Schatten verhüllt. Doch man könnte die Haltung erkennen. Die Person hatte den Ellenbogen auf den Tisch gestellt und den abgewinkelten Arm als Ruhestelle für seinen Kopf benutzt. Die Beine waren gestreckt und der andere Arm hing seitlich am Stuhl herab. Alles an ihr sprach davon dass ihr langweilig war. Viktor war sich nicht sicher doch hatte er den Eindruck dass die Person den Blick direkt auf ihn gerichtet hatte.
    „Und? Wie geht es denn uns? Teuflisches Zeug dieses Mojo.“
    Er war sich unklar ob die Stimme von der schattenhaften Person stammte. Sie schien von irgendwo anders herzukommen doch da er noch nicht im Stande war sich umzusehen blieb sein Blick eben auf dem Schatten weiter ruhen.

    „Ich weiß, es sind nicht gerade die Umstände die man sich wünscht aber, wie sagt man so schön, man muss das Beste aus einer Situation machen. So ganz unter uns Viktor“ Die Stimme hielt kurz inne. „ich darf doch Viktor sagen? Papperlapapp, was sollen wir uns auch um solche unnötigen Floskeln scheren wo wir doch so ganz unter uns sind. Nicht wahr?“
    Die Stimme hatte tiefen beruhigten Klang. Wie ein angenehmer leichter Singsang. Melodisch und doch klar zu verstehen.
    Viktor meinte jetzt deutlich Schritte vernommen zu haben. Also doch zwei. Zumal der Schattenmensch am Tisch nicht den geringsten Versuch einer Bewegung unternommen hatte.
    Klack Klack.
    Die Geräusche schienen ganz in der Nähe. Hinter ihm. Er schloss die Augen um sich zu konzentrieren.
    „Nun, was ich sagen wollte ist das es mich aus tiefsten Herzen freut dich zu sehen. Lass dich bitte nicht von den zugegeben etwas schändlichen Äußerlichkeiten der Umgebung beeindrucken. Es lag leider nicht in meiner Hand und ich weiß dass du einen sehr feinen und exquisiten Geschmack dein Eigen nennst.“ Wieder legte die Stimme eine kunstvolle Pause ein.
    „Doch wo bleiben meine Umgangsformen? Du möchtest sicher wissen warum du gefesselt an einem Stuhl im Keller deines eigenen Hauses sitzt, oder?
    Seine Gedanken überschlugen sich. Viktor von Lonarsmark war kein Mann der sich leicht beeindrucken lies noch war er ängstlich. Sein Charakter und sein Stolz ließen beides nicht zu.
    Das sich nun eine eisige Kälte in seinem Magen ausbreitete hatte einen guten Grund.
    Er erkannte diese Stimme.



    Re: Nächtliches Gespräch (Vîesomar)

    vîeso - 18.11.2011, 16:16


    Zwei Hände legten sich auf die Schultern des Gefangenen.
    „Nun, du kannst mir glauben dass mir ein anderes Ambiente auch mehr gefallen hätte aber hier sind wir sicher vor deinen Dienern. Weist du, die suchen dich gerade weil sie denken du wurdest entführt. Na ja, und die Fesseln an deinen Armen und Beinen legen die Vermutung nahe das sie Recht haben. Die suchen bestimmt überall. Außer im eignen Haus.“
    Die Hände wurden entfernt und die Stimme begann wieder hinter dem Rücken von Viktor hin und her zu laufen.
    „Sag nichts, sag nichts. Ich weiß genau was dir jetzt auf dem Herzen liegt. Du bist natürlich vollkommen im Recht und hast eine Antwort verdient.“
    Die Stimme war ganz nahe an sein Ohr rangekommen.
    „Doch lass mich zuerst meine Beweggründe offen legen.“
    Wieder begann die Stimme hin und her zu gehen.
    „Was glaubst du? Treiben mich solch niedere Verlangen wie die Gier nach Gold und Edelsteinen? Nein, sicher nicht. Ist es die Lust am Verbrechen selbst? Niemals mein guter Viktor. Ist es das süße Locken der Rache?
    Aaahhhhh. Jetzt kommen wir der Sache schon näher.“ Wieder näherte sich die Stimme seinem Ohr und wurde zu einem Flüstern.
    „Na, Viktor von Lonarsmark. Du edler und rechtschaffener Herr.“ Die Worte tropften vor Sarkasmus.
    „Wie viele Gesichter hast du nun vor Augen?
    Viktor schüttelte den Kopf und versuchte etwas zu sagen doch der Knebel in seinem Mund verrichtete gute Dienste.
    „Ruhig Viktor. Das große Geheimnis wird schon noch gelöst.“
    Die Stimme schien sich wieder etwas zu entfernen.
    Klack Klack.
    „Wo fange ich nur an? Wo begann der ach so schicksalsschwangere Moment der uns bis hierher geführt hat? Zu dieser, da machen wir uns mal nichts vor, unangenehmen Zusammenkunft. Ich schätze ich werde etwas weiter ausholen müssen. Keine Sorge mein lieber Viktor es wird nicht zuviel von deiner kostbaren Zeit in Anspruch nehmen. Sitz einfach ganz entspannt weiter auf diesen Stuhl und versuche nicht zuviel dazwischen zu sprechen.“ Klack Klack.
    Ein Geräusch erklang was sich entfernt wie ein Kichern anhörte. Viktor glaubte ein sachtes Erschauern der schattenhaften Gestalt erkannt zu haben.
    „Doch nun bitte ich dich meiner kleinen Geschichte zu lauschen. Sie spielt wie Zufall will genau hier. In diesem Land. In dieser kleinen Gemeinde. Ja, sogar in diesem Haus. Dem Haus des mächtigen, unnachgiebigen und treuen Sigart von Lonarsmark. Ein Baum von einem Mann. Durch nichts zu bestechen und kein Makel befleckte seinen Edelmut.
    Du solltes ihn eigentlich kennen, Viktor. Sigart war dein Vater.
    Ja ja, ist auch schon eine kleine Ewigkeit her, nicht wahr? Nun trotzdem erinnerst du dich vielleicht auch an eine andere Person. Sie lebte auch in diesem Haus. Etwas kleiner war sie und mit dunkelblonden Haar.“
    Der Gefangene stöhnte leise. Natürlich wusste er wer gemeint war doch konnte er nicht anderes als dieses Spiel mitzumachen. Die Stimme war jetzt drängender geworden. Ein gewisser Zorn war deutlich rauszuhören.
    „Komm schon Viktor, mach mit. Das macht bestimmt Spaß. Lass uns in Erinnerung schwelgen und uns mit melancholischer Nostalgie betrinken. Also etwas mehr Anteilnahme bitte.
    Nun, wo waren wir stehen geblieben. Ach ja, der Junge. Du weist immer noch nicht wer er ist? Nein? Na ich bin ja gar nicht so und gebe dir einen Hinweis. Sigart von Lonarsmark, du erinnerst dich an den großen starken Mann, nun war auch der Vater von…“ Die Stimme machte eine Pause um die Dramatik zu steigern. „ ..Tatataaa. Genau Viktor. Von dem dunkelblonden Jungen.“
    Die Stimme war mit einem Mal wieder ganz nah.
    „Was soll ich sagen? Du wirst es kaum für möglich halten aber ich war dieser Junge mit dem dunkelblonden Haar. Was sagst du nun? Da fehlen einem die Worte. Ja, und jetzt kommt es. Das ganze macht uns gewissermaßen zu Brüdern.“
    Mit einem Ruck wurde der Stuhl herum gerissen. Viktor von Lonarsmark wagte nicht zu atmen. Etwa eine Handbreite von ihm entfernt befand sich nun das Gesicht zur Stimme.
    Bleiche Haut umspannte straff den Schädel. Winzige blaue Adern durchzogen das Antlitz. Anstelle der Augen waren nur noch schwarze Höhlen in denen ein unheiliges Licht zu scheinen schien. Der Gefangene versuchte sich nun gegen seine Fesseln zu wehren doch ohne Erfolg. Er konnte nicht den Blick von dem Etwas vor ihm abwenden. Er schien leicht zu lächeln.
    „Du bist doch nicht enttäuscht, Bruderherz? Und ja, mir geht es gut. Danke der Nachfrage.“



    Re: Nächtliches Gespräch (Vîesomar)

    vîeso - 18.11.2011, 16:16


    Wieder wurde der Stuhl herum gerissen um in seine ursprüngliche Lage zurück zu finden. Das Geschöpf das behauptete der Bruder zu sein ging langsam zu dem alten Tisch wo noch immer die andere Gestalt schweigsam im Schatten aufhielt. Er war fast gänzlich in schwarzes Leder gehüllt. Kein Schmuck oder Metal war zu sehen. Nichts was ihn in der Dunkelheit hätte verraten können. Mit einem Schwung lies er sich er sich nieder.
    „Ich muss gestehen dass ich es verstehen kann dass du etwas skeptisch bist. Da hört man jahrelang nichts von der Familie und du hattest bestimmt auch alle Hände voll zu tun. Ich kenne dich ja. Immer das Wohl unseres Namens im Auge. Ja, das ist es was dich auszeichnet. Das hatte auch Vater erkannt. Er wusste, als wir fort gingen um gegen den Lich-König zu kämpfen, dass er ohne sich große Sorgen zu machen dir sein Heim in die Obhut geben konnte.“
    Klack Klack.
    Diesmal konnte Viktor erkennen was der Grund von diesem Geräusch war. Sein Bruder saß mittig auf dem alten Tisch. Die Unterschenkel hingen herab und seine Ellenbogen ruhten auf den Knien. In beiden Händen hielt er jeweils einen Dolch zwischen Daumen und Zeigefinger am äußersten Rand des Griffes. Die Tränenförmigen Klingen zeigten nach unten und stießen durch kleine Bewegung leicht zusammen.
    Klack Klack.
    Es schien als ob kleine Funken entstanden wenn das Metal sich berührte. Der Besitzer der Dolche schaute dem Schauspiel interessiert zu und sprach weiter.
    „Mit einem Mal kommt da einer an. Klopft schüchtern an deine Tür und eröffnet dir in aller Bescheidenheit dass er dein lang verschollener Bruder ist.“
    Er schüttelte mit dem Kopf.
    „Nun, ich an deiner Stelle wäre zumindest unsicher. Wenn nicht sogar mit einigen Vorbehalten belastet. Ja Viktor, ich weiß. Man soll keinen zu früh verurteilen wenn man sich nicht sicher ist. Da bist du natürlich absolut im Recht aber nicht jeder verfügt über diese innere Rechtschaffenheit.
    In unseren Fall kommt ja noch erschwerend hinzu dass sich mein Aussehen doch in mehreren Fällen erheblich von dem unterscheidet was deine Vergangenheit dir in Erinnerung ruft. Lassen wir uns nichts vormachen. Die dunkelblonden Locken sind dahin.“
    Der Bruder kämmte sich mit seinen Fingern durch den grünlich schimmernden Haarschwanz. „Und das sind nicht die einzigen Verluste die ich zu erleiden hatte. Nein nein. Ganz und gar nicht.“
    Er sprang vom Tisch und fing an vor Viktor hin und her zu gehen. Seine Fingerspitze tippte an sein Kinn als er versuchte den Faden seiner Rede wieder aufzunehmen.
    „Viktor mein Bester, die Zeit heilt nicht alle Wunden. Dein Herz muss vor Sorge fast dem Wahnsinn verfallen sein. Wo waren sie geblieben? Der Vater. Der Bruder. Wo nur? Waren sie gefallen? Gefangen? Auf der Flucht? Warum kam keine Meldung über den Verbleib? Also ich an deiner Stelle wäre vermutlich daran zerbrochen. Aber du warst schon immer der stärkere von uns beiden. Was war also geschehen?“
    Er blieb stehen und drehte sich zu Viktor um. Seine Stimme klang jetzt ruhig und ernst.

    „Wir haben verloren, Viktor. Unser heldenhafter Vater führte uns in eine Falle des Lich-Königs. Wer hätte das je ahnen können. Weist du noch welcher Jubel uns begleitete als wir in unseren strahlenden Rüstungen in den Kampf zogen?
    Ich hätte in der Nacht zuvor 10 junge Frauen haben können. Und bei allen Göttern ich habe es versucht zu schaffen doch dann…“ Er blickt Viktor starr in die Augen. „..dann war da nur noch Blut und Tod. Zerfetzte Kehlen und aufgeschnittene Bäuche. Schreie und Geröchel von denen die nicht das Glück hatten schnell zu sterben.“
    Er schien langsam wieder aus der Erinnerung zurück zu kehren.
    „Ja, so war das. Hier und dort lag auch mal ein Fuß oder ein Finger. Eigentlich lagen dort eine ganze Menge an Fingern wenn ich so zurückdenke.“
    Er zuckte mit den Schultern und setzte seinen Weg durch den Raum weiter fort.
    „Das stellt man sich nicht gerade als heldenhaftes Leben vor. In einer einzigen Nacht wurden wir nieder gemacht. Ich glaube Vater fand das auch nicht so erfreulich. Du weist ja das er viel für das militärische Leben übrig hatte. Die ganzen Orden und Ehrungen und Zapp…“
    Er vollführte eine Bewegung die einen Schlag mit dem Schwert recht nahe kam.
    “…war der Schädel nur noch halb so groß.
    Wahrscheinlich waren seine Finger auch nicht mehr vollständig. Aber er starb als Held. Das taten wir alle, Viktor. Wie die Nacht vorbei war waren wir alle nicht mehr am Leben.“



    Re: Nächtliches Gespräch (Vîesomar)

    vîeso - 18.11.2011, 16:17


    Viktor hatte aufgegeben. Er hatte aufgegeben gegen die Fesseln anzukämpfen und er hatte aufgegeben sich zu fragen warum dies alles passierte. Es gab keinen Zweifel mehr daran dass sein Bruder zurück gekehrt war. Wenn er je einen gehegt hatte so hatte er beim Anblick der Dolche nicht mehr existiert.
    Die Tränen von Farholm. Mächtige Waffen.
    Sigart von Lonarsmark hatte sie einst vom König als Geschenk bekommen. Ein sehr wertvolles Geschenk. Jeder der Brüder hatte einen der Dolche zur Mannweihe bekommen. Jetzt waren sie beide im Besitz des schwarz Gekleideten. Es konnte sich nicht um einen schrecklichen Zufall handeln. Nein, sein Bruder war zurück und Viktor hatte auch aufgegeben diese Vorstellung zu verdrängen.

    Plötzlich lachte der Untote laut und heftig.
    „Das musst du dir mal vorstellen. Da sieht man den kalten und todbringenden Stahl auf sich zu raßen und man fängt an zu bedauern die nächtlichen Besuche von Marianne aus falsch verstandenem Ehrgefühl viel zu frühzeitig beendet zu haben. Und dass in der Situation.“
    Er schüttelte belustigt den Kopf.
    „Du erinnerst dich doch sicher an Marianne. Sie hatte… na du weist schon…Talente. Nicht gerade tugendhaft die Kleine aber allein dieses Lächeln. Da hätte man für sterben können. Wohnt sie denn noch hier in der Nähe? Ich glaube ja dass sie etwas für mich übrig hatte. Sie wird sich bestimmt freuen mich nach der langen Zeit wiederzusehen.“ Er schaute noch etwas in die Ferne um seinen Gedanken nachzuhängen und sprach dann weiter.
    „Wie dem auch sei. Der Stahl kommt näher und man selbst hat das Gefühl das etwas falsch läuft, doch irgendwie findet man sich damit ab und dann macht es Klatsch.“
    Er schlug die Hände aneinander um das Geräusch besser darzustellen.
    „Nun ich denke zumindest dass es Klatsch gemacht hat. Selber habe ich es nicht wahrgenommen. Ich habe mich mal später mit anderen Kameraden unterhalten die ein ähnliches Schicksal erlitten hatten und wir sind da überein gekommen dass Klatsch wohl dem am nächsten kommt.“
    Die zweite Person am Tisch deutete mit einem leichten Kopfnicken Zustimmung an.
    „Ja und dann..“ Der Bruder sah nach oben und hob beide Arme an als ob er die Größe seiner nun folgenden Worte andeuten wollte. „…war da Frieden. Unendlicher Frieden. Alles war richtig und ….“ Ihm fiel es sichtlich schwer die richtigen Worte zu finden. Sein Blick fiel auf seinen Bruder. „Es war vollkommen, Viktor. Vollkommen.“
    Viktor hatte seinen Blick starr auf die dunkle Gestalt vor ihm geheftet. Ihm war nicht entgangen das sein Bruder immer angespannter wurde. Die anfängliche Gelassenheit wich zusehends von ihm. Seine Stimme verlor allmählich ihren ruhigen Charakter.

    „Kannst du dir auch nur im Entferntesten vorstellen wie überrascht ich war als wieder zu mir kam. Rausgerissen aus einem Traum. Von allem was ich begehrte. Kannst du das? Natürlich nicht. Woher auch.“
    Rastlos bewegte sich der Bruder im Keller umher. Wieder zog er Dolche und lies sie spielend durch die Finger gleiten. Ständig drehten und wendeten sie sich um gleich darauf wieder sich wieder in ihrer natürlichen Position zu verharren. Viktor hätte durchaus Bewunderung für die Kunstfertigkeit seines Bruders empfunden wenn es die Situation zugelassen hätte. Er schloss die Augen und lies den Kopf leicht hängen. Sofort wurde er hochgerissen. Der ganze Stuhl bebte.
    „Langweile ich dich?“ Das Gesicht war nur eine Handbreit vor ihn. Das leichte Glimmen in den Augen war zu einem hellen Feuer geworden.
    „Ob ich dich langweile habe ich gefragt.“
    Wieder wurde er geschüttelt.
    „Ermüdet dich unser Gespräch so sehr dass du nicht im Stande bist mir deine Aufmerksamkeit zu schenken.
    Nun mein lieber Bruder, dieses Problem lässt sich lösen.“
    Ein kaltes Lächeln umspielte den Mund des Bruders dann war es Viktor als ob seine Hände explodierten. Ein stechender Schmerz zog sich über die Arme und bohrte sich in seinen Kopf.
    Er blickte panisch nach zu den Armlehnen wo er gefesselt war. Ein Dolch ragte jeweils aus einer Hand. Sie waren mit einer solchen Kraft benutzt worden das keine der Klingen zu sehen war. Viktor stöhnte laut und versuchte sich loszureisen.
    „Willkommen zurück, Bruder. Ist besser so, nicht wahr? Darf ich annehmen dass du mir dein wertes Ohr leihst? Ich mach das hier nicht nur für mich. Das darfst du nicht vergessen. Zumindest weist du jetzt wie es ungefähr ist wenn man von der Geisel wiedergeboren wird. Unangenehm. Aber das geht vorbei.“
    Wieder drehte er Viktor den Rücken zu.
    „Der Schmerz wird gleich erträglich. Glaub mir. Was aber viel wichtiger ist, danach kommt die Wut. Unglaubliche Wut. Sie ergreift einen und füllt einen aus bis man nichts anderes mehr spüren kann. Nichts anderes spüren will.“
    Seine Stimme hatte an Lautstärke gewonnen und jedes Wort wurde von wilden Gestiken unterstützt.
    „Blinder Wahnsinn, Viktor. Nur noch Hass und Zorn. Es ist wie ein anderer Traum. Nur ist er diesmal Rot und Schwarz. Man braucht nicht mehr zu denken. Alles was man will ist zu töten und bei allen Göttern das haben wir getan. Die Welt war ein unser Schlachthaus. Wir haben sie wie Vieh umgebracht. Weil sie nichts anderes waren. Nur dummes Vieh.“
    Wieder schien er sich zu beruhigen.
    „Und ich habe es genossen. Wie ihre Augen trüb geworden und sie ihren letzten Atemzug verbrauchten. Egal welches Geschöpf es war. Egal wie alt und egal auf welche Art. Es linderte die Wut.“
    Er atmete tief durch.
    „Doch dann kam Sylvanas. Sollte es jemals Götter gegeben haben so wurde sie von ihnen geschickt. Sie öffnete uns die Augen. Wir, die wir nur Marionetten waren. Spielzeug von Arthas.“
    Er schien sich jetzt wieder vollkommen beruhigt zu haben. Langsam ging er wieder zu dem alten Tisch um Platzt zu nehmen.
    „Wie gesagt Viktor, man soll nicht schlecht Zeugnis ablegen über andere aber ich glaube nicht dass ich falsch urteile wenn ich erwähne dass der Arthas kein gutes Wesen sein Eigen nennen durfte. Ich glaube Schuft trifft es ganz gut. Der hatte ne Menge auf dem Kerbholz. Mord, Totschlag und Erpressung. Das ganze Arsenal, mein Lieber. Vor allem aber war er ein Dieb.“



    Re: Nächtliches Gespräch (Vîesomar)

    vîeso - 18.11.2011, 16:17


    Viktor war jetzt im Stande ohne Schwierigkeiten dem untoten Bruder zu folgen. Die Schmerzen waren zwar geringer geworden doch erinnerten sie ihn dennoch ständig daran dem Wunsch seines Bruders nach Aufmerksamkeit Folge zu leisten. Sein Blick war unablässig auf das untote Gesicht gerichtet. Schatten huschten über das Antlitz und täuschten unnatürliche Mimiken vor. Nur das Leuchten der Augen blieb stets eine unheilvolle Konstante.
    „ Der Lich-König raubt dir deine Seele.“
    Wenn er eine Reaktion erwartete dann vergeblich.
    „Die dunkle Gebieterin, Sylvanas, hat versucht es uns näher zu bringen. Es ist bei ja weitem nicht so dass er mit seinen Händen rumwedelt und ein paar unaussprechliche und höllengeborene Zauberphrasen verbalisiert. Nein nein. Er entreißt sie einfach dem kürzlich verstorbenen Körper und verschlingt sie. Klatsch.“
    Der Bruder winkte ab als ob er mit den eigenen Worten unzufrieden wäre. Er dachte kurz nach.
    „Pflong. Ja genau, benennen wir es mit Pflong.“ Zufrieden mit seiner Wortwahl nickte er leicht.
    „Nun denn, es macht also Pflong und hinfort ist sie entschwunden. Nicht dass dies schon allein zu größeren Unbehagen gereicht hätte. Ein Teil seiner schändlichen Magie wird dir an ihrer Stelle zu Eigen. Sie ist es dann auch die dich verändert. Deinen Körper langsam welken lässt und dir dieses, wohlwollend gesagt, angetrocknete Antlitz als Geschenk zukommen lässt.“
    Jetzt hob jetzt mahnend den Finger.
    „Wie gesagt, ein Dieb. Nicht einzig nimmt er die Seele, nein. Er hat mir meine Eitelkeit gestohlen. Bei meinem edlen Antlitz. Welche Schande. Welche Scham. Da kann aus glühender Wut auch schnell brennende Raserei werden. Sag mir, wie sollte ich ihm da je vergeben können?“

    Der untote Bruder ging auf Viktor zu und beugte sich zu ihm herunter und tätschelte Viktors Wange.
    „Nun, das haben wir doch jetzt nicht mehr nötig, oder?“ Mit einem Ruck riss behände er die beiden Dolche heraus. Viktor lies ein kleine Stöhnen erklingen und versuchte den Schmerz ignorieren. Die tränenförmigen Klingen wurden am Ärmel von Viktor sauber gewischt und der Besitzer begab sich zu seinem Platzt zurück. Sollte er Anteil genommen haben an der Verfassung seines Gefangenen so lies er sich nichts anmerken. Er sprach weiter ohne den Schmerzen seines Bruders wahr zu nehmen.

    „Was meinst du zeichnet die Quallität eines Anführers aus? Mmmmhhh? Es ist simpler als man denken mag. Einen wirklich guten Anführer, seine Eigenschaften als Primus inter Pares, erkennt man an der Kenntnis seiner Untergebenen. Ihre Talente, Stärken und Schwächen. Wie er sie einsetzt. Geschmiedet zu einer tödlichen Waffe.“
    Unvermeidlich trafen sich die Blicke beider und wieder prüfte der Untote ob seine Worte auch seinen Bruder erreichten. Die beiden Klingen bewegten wieder auf fast unnatürliche Weise in den Händen. Kleine Funken entstanden wenn sich die Waffen auf ihren Weg entgegen stellten. Anscheinend war er nicht zufrieden.
    „Viktor, enttäusch mich nicht. Du wirst doch wohl nicht wegen ein paar lächerlichen Löchern in den Händen ständig die Contenance verlieren?
    Stille.
    „Vielleicht mag es dir ohne Hände besser gelingen ein wenig Besonnenheit zu kultivieren? Ich komm dir da gerne entgegen.“ Viktor versuchte etwas sagen. Seine Worte waren nur undeutliches Gemurmel.
    „Nun gut, ich will mich in Gnade ergehen aber versuch bitte etwas die Haltung zu wahren. Du bist kein Bauer sondern ein von Lonarsmark. Da ist das wohl zu erwarten.“
    Er begann sich erneut zu sammeln um den Faden seiner Rede erneut aufzunehmen.

    „Nun, wo waren wir geblieben? Genau. Anführer. Nun welche Seele hätte es gedacht aber diese Frau, noch dazu von Geburt Elfe, eignete sich ganz hervorragend für diese Position. Mit einer klaren Zielsetzung und eisernen Willen gesegnet wusste sie genau was sie wollte und was viel wichtiger war… Sie wusste wie sie es erreichen konnte. Sie war hart, kalt und unnachgiebig. Eine geborene Kriegsherrin und Viktor… ich sag das jetzt von Mann zu Mann, was für ein Körper.“
    Ein Seufzen erfüllte den Raum.
    „Kurven und Wölbungen da wo sie bei einer Frau wirklich zum positiven Auftreten beitragen. Zu einem äußerst positiven Auftreten .“
    Er lies ein kurzes trockenes Lachen ertönen.
    „Wenn ich mir mein menschliches Angesicht vor Augen führe und dann sehe was der Lich-König aus mir gemacht hat dann muss sie mal eine Göttin gewesen sein. Eine Kriegsgöttin. Für eine Elfe jedenfalls.“



    Re: Nächtliches Gespräch (Vîesomar)

    vîeso - 18.11.2011, 16:18


    Der Untote verscheuchte mit einer Handbewegung die Gedanken und fuhr mit seiner Geschichte weiter fort.
    „Wenn dich deine Erinnerungen nicht fehl leiten dann wirst du wissen dass es durchaus Verbesserungen an meinem Auftreten als Krieger gab. Diese unsäglich schwere Rüstung, das unhandliche Schwert und das Schild was eher Sorge dafür getragen hat das einem der Arm schwächlich herabfällt als das es schützt. Was immer man für ein Wesen sein muss um daran Gefallen zu finden, es war mir nicht zu Eigen. Sylvanas sah das sofort.“
    Wieder musste er lachen als eine weitere Erinnerung ihren Weg zu ihm fand.

    „Vater sagte immer ich solle meine Rüstung ausziehen und mich dem Gegner nackt entgegen stellen. Das Mitleid würde ihn abhalten mich zu töten. Sollte das nicht ausreichen hätte ich ihm meine Rüstung als Bestechungsgold anbieten können. Ich kann dir aber mit Gewissheit sagen dass nach dem endlosen Marschieren auch der Körpergeruch mehr als ausreichend gewesen wäre.“ Belustigt schüttelte er seinen Kopf.
    „Versteh mich nicht falsch, diese Blechmänner sind ja ganz nützlich aber immer wenn ich einen sehe möchte ich ihn von seiner Bürde befreien. Aus reinen Mitgefühl natürlich. Sollte es etwas am Tod gib was man als erfreulich bezeichnen kann dann ist die Erlösung vom Kriegerdasein. Sylvanas war intelligent genug um mir diese Schicksal zu ersparen. Sie kam meinen Wünschen doch sehr entgegen.“

    Die Geräusche in der oberen Etage wurden jetzt wieder etwas lauter. Möbel wurden umgestellt und leise gedämpfte Stimmen drangen durch die Tür. Viktor schöpfte etwas Hoffnung. All seine verbliebene Kraft schenkte er dem Versuch sich durch Schreien und geräuschstarken Bewegungen auf sich aufmerksam zu machen. Die Fesseln und der Knebel in seinem Mund jedoch zeichneten ihn als Verlierer dieser Bemühungen aus. Fast gleichgültig kam sein Bruder näher.
    Sterne explodierten vor seinen Augen und er wurde mitsamt dem Stuhl zur Seite geworfen. Sofort rissen ihn grobe Hände wieder in die Höhe. Schwindel und Benommenheit legten sich auf seinen Geist. Wieder und wieder wurde er in das Gesicht geschlagen so dass er nicht sein Bewusstsein verlor. Trotz dem innigen Wunsches einfach zu schlafen öffnete Viktor langsam seine Augen. Eisern legte sich eine Hand um seinen Mund und verstärkte erbarmungslos den Druck.

    „Viktor Viktor Viktor. Es muß ja wohl nicht erst Erwähnung finden wie unhöflich dies gerade war. Wir hatten doch eine kleine Abmachung.Du schenkst mir etwas Anteilnahme und ich sehe von weiteren Löchern in deinem Körper ab.“
    Die Spitze eines der Dolche fuhr knapp neben seinem Auge vorbei bis zur Wange und hinterließ eine dünne rote Spur.
    „Glaub mir, deine Diener finden dich hier nicht. Viel wahrscheinlicher ist es dass sie gerade aufbrechen um dich irgendwo draußen zu suchen.“
    Wie auf Befehl waren Reiter zu hören die sich entfernten. Nach einer Weile wurde es wieder ruhig im Haus. Der Bruder lächelte leicht.
    „Sieht du. Du kannst mir da dein Vertrauen schenken. Ich zelebriere das hier nicht zum ersten Mal. Da gibt es einen großen Erfahrungsschatz aus dem ich schöpfen kann.“
    Langsam ging er rückwärts wieder zum Tisch.

    „Unser Vater mag recht damit gehabt haben dass ein Kriegerdasein nicht meinen Tugenden entsprach aber wie sich unter Arthas herausgestellt hat habe ich Talent für zwei Sachen.“
    Mit erreichen des Tisches schwang er sich hinauf in eine sitzende Position. Feierlich erklärte er weiter.
    „Ich finde Leute und dann töte ich sie. Nicht jedoch auf diese herkömmliche und…“ Er winkte abfällig. „..ach so von Edelmut berührte Art und Weise mit dem Schwert oder Zaubertrallala doch mit genauso endgültigem Ergebnis. Etwas subtiler vielleicht und nicht ganz so roh.“
    Er räusperte sich und fuhr dann fort.
    Du weist ja sicherlich Übung macht den Meister und ich kann dir sagen das ich in meine Herangehensweise viel Kraft und… naja…Herzblut hinein gesteckt habe. Ja, ich lege sogar die Behauptung nahe in all meiner Bescheidenheit ein nicht nur als Meister sondern gar als Künstler zu gelten.“
    Er verbeugte sich leicht.
    „Ja und wenn einem die Arbeit Freude bereitet fehlt es auch nicht an Motivation.“
    Der Untote hob die Hand als müsste er einen Einspruch seines Bruders unterbrechen.
    „Völlig richtig dein Einwand. Es braucht keinen Schattenmörder für ein paar Untote die nicht mal in der Lage sind vollständige Sätze zu artikulieren. Obwohl es doch für eine gewisse Unterhaltung sorgt mag.
    Doch manchmal sorgen äußere Einflüsse für eine Kurskorrektur? Wenn man sein Dasein im kalten und vereisten Nordend fristet. Umgeben von in Metall gehüllten Kriegern. Die wärmende Aussicht nach Rache noch in ferner Weite. Da kann es einem schon mal egal sein wen man tötet. Auch ist es von großer Wichtigkeit ständig in Bewegung zu bleiben da sonst schnell Öffnungen im Körper sich mit Eis zusetzen die von Natur aus besser offen bleiben sollten.“
    Er nickt um seinen eignen Worten Zustimmung zu verleihen.
    „Ehrlich gesagt frohlockte mein Herz als die dunkle Herrin mich zurück beorderte. Nordend besitzt bestimmt seine Reize und Schönheiten, wer will da schon etwas anderes behaupten aber wenn man unter einem steten Verlust an Zehen und anderem Wichtigen leidet hegt man doch recht schnell den Wunsch diesen Ort wieder zu verlassen. An guten Ersatz ist gar nicht zu denken. Fuß ist nicht gleich Fuß. Man hat ja so seine Vorstellung war Aussehen und Qualität betrifft.“
    Mit seiner Hand wedelte er leicht verärgert über sich selbst durch die Luft und kam mit einer schnellen Bewegung zum stehen.
    „Das sind so kleine Probleme mit denen sich ein Untoter herumplagen muss aber damit müssen wir ja nicht dich ohne Grund belasten, nicht wahr.“
    Wieder setzte das Spiel mit den Dolchen ein. Anscheinend half es ihm bei seiner Konzentration.
    „Die Frage die dich jetzt eigentlich beschäftigen sollte ist eine ganz andere. Warum hat mich Sylvanas zurück geholt? Was war mein Auftrag hier wo sich doch in Nordend die Kräfte sammelten? Warum ein Schattenmörder?“
    Der Untote blieb kurz und sah Viktor kurz auf eine Antwort hoffend an. Als diese verständlicherweise ausblieb redete er mit verschwörerischer Stimme weiter. Er schaute übertrieben zur Seite als ob sich jemand im Dunkel versteckt.
    „Ob du es glaubst oder nicht, der Lich-König Arthas hatte nicht nur die Geisel als Lakaien. Oh nein, Viktor. Welcher gebildete Mensch soll das auch aushalten. Umgeben von Gestalten hat die außer Gestöhne und Sabber keine Konservation bieten können. Nein nein. Er hatte Verbündete.“ Der Schattenmörder nickte jetzt hektisch als ob er dem eben Gesagten selbst kaum Glauben schenkten konnte.
    „Lebendige Verbündete. Menschen. Genau wie du und… früher ich. Ich weiß, ich weiß, das hört sich unglaublich an und doch entspricht es der Wahrheit. Sie haben sich zu einem geheimen Bund zusammen geschlossen. Und jetzt kommt es…“
    Er machte eine kleine Pause. „…die wollten Untote werden.“
    Er zeigt an sich herunter.
    „Die wollten SO werden. Mit unmengen an Macht natürlich und nicht so…knochig vielleicht aber doch fast genauso wie ich.“
    Er schüttelte wieder fassungslos den Kopf.
    „Wer soll das schon begreifen. Viktor, und das war noch nicht alles. Sie haben sich am Verrat der eigenen Leute schuldig gemacht. Sich an die Geisel verkauft. Wenn das noch nicht reicht hör dir erstmal ihren Namen an. KULT DER VERDAMMTEN.“
    Er ob er sich dafür entschuldigen müsste hob er die Arme.
    „Pathetischer Firlefanz wenn du mich fragst. VERDAMMTE. Bringen anderen die Seuche und nennen sich Verdammte? Schon dafür hätte der Tod sie holen sollen.“
    Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.
    „Ja genau, und deshalb hat mich die dunkle Herrin aus Nordend geholt. Die Herrin hat mich gerufen und nur einen Satz zu mir gesagt. Finde sie und dann töte sie.“ Das Lächeln vergrößerte sich zu einem Grinsen.
    „Mein liebes Bruderherz, und genau das hat mich hierher zu dir geführt.“



    Re: Nächtliches Gespräch (Vîesomar)

    vîeso - 18.11.2011, 16:18


    Wie ein Tier, dachte Viktor. Ein Raubtier. Kurz bevor es zuschlägt. Was es zurückhielt war die Tatsache dass es noch nicht fertig mit seinem Opfer zu spielen.
    Der Untote legte eine Mimik der Enttäuschung auf. Ein kleines Lächeln konnte es indes nicht verbergen.
    „Ach Viktor, welch dunkler Stern hat dich nur geleitet? Der Sohn von Sigart. Ein Verräter.“ Er spie aus.
    „Hattest du denn wirklich geglaubt es erfährt keiner von deinem kleinen Geheimnis? Das alle schweigen? Welch Naivität bei einem erwachsenen Mann?
    Eine Gruppe von Menschen die sich KULT DER VERDAMMTEN nennen. Viktor, und da kam nicht der Verdacht das sie vielleicht böses im Schilde führen konnten“ Er breitete seine Hände aus und schüttelte leicht den Kopf. Mit übertrieben streng gewedeltem Finger sprach er weiter.
    „Außerdem muss hier erwähnt werden dass ich es auf das höchste verachte wie du unseren Vater in eine Falle hast ziehen lassen. Denke ja nicht dass wüsste ich nicht.“
    Mit Kinn nach oben zog der Untote es nun vor dem Gefangenen den Rücken zuzudrehen.
    „Mag ja sein das er kein Mensch war der uns mit Liebe überschüttet oder die Zuneigung aufgebracht hat die uns beiden zugestanden hätte aber das ist noch immer kein Grund dafür ihn von ein paar knochigen Gesellen zerhauen zu lassen.“ Er sandte einen vorwürfsvollen Blick.
    „Ja Viktor, auch dein Bruder, dein einziger Bruder, hatte durch dich schwere Zeiten zu durchstehen. Nicht nur körperlich sondern auch dort wo man keine Narben sehen kann.“ Er tippte sich auf die Brust. „Doch sie sind verhanden, Viktor, und wenn du unserem Gespräch bisher richtig gefolgt wärst dann wüsstest du auch wie tief diese Wunden gingen.“
    Wieder hielt er mahnend den Finger in die Luft.
    „Nein nein nein, da herrscht eine vollkommene Missbilligung meinerseits.“ Er drehte sich rasch um.
    „Komm mir jetzt nicht mit dem Argument der Ahnungslosigkeit. KULT DER VERDAMMTEN. Das beinhaltet bei weiten nicht das gleiche wie…Engel der Glückseeligkeit. Der Ihr Anliegen war bestimmt nicht das Backen von Plätzchen. Viktor, ich fühle da schon eine gewisse Enttäuschung in mir.“ Wie als wenn eine Mutter ihr Kind maßregelte fuhr er fort.
    „Du hättest dir über die Bedeutungsschwere der Wahl deiner Freunde mehr im Klaren seien sollen. Ich hatte das Vergnügen in den letzten Jahren etliche kennenlernen zu dürfen. Meist deutete sich schon nach kurzer Zeit ein Muster ab welchen Verlauf das Gespräch zu nehmen hatte.

    Man fragt höflich nach ob sie dem Kult angehören. Sie lügen.

    Aufgrund seiner Erziehung fragt man nochmals. Sie lügen wieder.

    Man ritzt ein kunstvolles Muster in ihre Haut. Sie fangen an sich unwohl zu fühlen und äußern dieses mit unter lautstark.

    Man fragt erneut. Die Befürchtung legt es nahe. Genau, sie lügen.

    Hier erklärt man ihnen noch mal in welcher Situation sie sich befinden. Um seinen Worten den notwendigen Nachdruck zu verleihen setzt man als erfahrener Gesprächspartner hier und da gezielt die Faust ein. Ein vernünftiger Mensch wäre jetzt zum Schluss gekommen dass es vernünftig ist die Wahrheit zu sagen.

    Doch nein. Lügen. Lügen. Lügen.

    Hier kommt mir nun meine Erfahrung zugute. Es hat sich heraus gestellt dass das Entfernen von kleinen Körperanteilen wahre Wunder bewirken kann. Man muss schon ein wenig Geduld aufbringen und ihnen ein wenig Zeit gönnen. Das Schreien und Klagen. Danach der ungläubige Blick ob es wirklich passiert ist. Wieder Schreien und Klagen. Das verfluchen deiner Person. Mich, einen Untoten. Lächerlich. Man schneidet noch ein wenig ab.
    Erneut die Frage nach dem Kult. Sie wollen verhandeln.

    Ja Viktor, jetzt ist Fingerspitzengefühl gefragt. Eine kleine wohlwollende Geste. Ein Glas Wasser vielleicht. Man beteuert dem Gesprächspartner das man es verstehen könnte wie schnell man in so eine unangenehme Situation geraten kann. Es ist einfach ein wenig aus dem Ruder gelaufen und wollte gar so wie man dann doch getan hatte. Die Schuldfrage müssten sich eigentlich ja andere stellen. Arthas oder so. Ja und schon keimt da ein kleines und zerbrechliches Pflänzchen mit Namen Hoffnung.

    Man fragt nach anderen „Unschuldigen“ die aus ihrer Zwangslage befreit werden sollten und die meisten nehmen es jetzt dankbar an. Nicht alle. Manche waren doch recht unwillig mit ihrer Hilfeleistung. Doch sind Mittel und Wege vorhanden…nun ja der Mensch legt halt doch viel Wert auf den unbeschädigten Zustand seiner sterblichen Hülle. Hier bewahrheitet sich die alte Weisheit. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Der sportliche Aspekt der Jagt war mir dabei immer wichtig. Nur einen Namen. Immer nur einen nach dem anderen. Die Herangehensweise und auch Qualität der Arbeit sollte da schon außer Frage stehen. Sonst verliert man die Spur und fängt wieder von Null an.

    Doch auch bei der schönsten Betätigung lauert der Fluch der Routine nicht weit.
    Menschen finden. Menschen befragen. Menschen …na du weist schon… beenden.
    Der Entschluss meinen Auftrag zu beenden war schon getroffen. Die Schuld bei Sylvanas war längst beglichen. Meine Gedanken umstreiften die Möglichkeit mich in einer größeren Stadt nieder zulassen. Der Bedarf nach einem guten Meuchler wird dort wohl als exorbitant zu bezeichnen sein. Doch ließ mich etwas mit meinen Plänen warten. Als ich deinen Namen vernommen hatte war mir sofort bewusst dass ich einen letzten Auftrag annehmen würde.“
    Der Bruder hatte wieder am Tisch seine alte Position eingenommen und schaute mit belustigtem Gesicht zu Viktor.

    „Es hat ganz schön gedauert bis ich sicher war. Leona Meinscher, dir sagt ihr Name bestimmt mehr als mir, hat lange gewartet um mit deinem Namen ans Licht zu kommen. Nicht dass sie groß geschwiegen hätte, sie hat bestimmt 5 Mitglieder vor dir verraten, aber die hatten schon alle einen meiner Besuche hinter sich. Ich durfte mir keinen Fehler erlauben. Hätte ja sein können das Leona einfach so Namen von sich gibt die ihr gerade einfallen.“
    Er seufzte leise.
    „War eine ganz schöne Sauerei am Ende. Das kann ich dir sagen.“



    Re: Nächtliches Gespräch (Vîesomar)

    vîeso - 18.11.2011, 16:19


    Er stand jetzt auf und ging ein paar Schritte auf Viktor zu. Seine Bewegungen hatten etwas Endgültiges an sich. Auch sein Gesicht war von Ernsthaftigkeit geprägt und mit durchdringendem Blick.
    „Heute wird keine Befragung stattfinden. Keine Frage nach Schuld. Keine Verurteilung. Du bist mein letzter Auftrag. Nicht nur das macht dich zu etwas Besonderen, Bruderherz. Denn heute schließt sich der Kreis.“
    Als er bei Viktor angekommen war legte er seine beiden Hände auf dessen Schulter.
    „Ich bin schon etwas aufgeregt. Als ich deinen Namen vernahm hegte ich schwere Zweifel. Kein Gedanke war mir all die Jahre nach der Familie gekommen. Doch begann alles ein Sinn zu ergeben.
    Deine Beziehung zu Vater war immer schon vom Hass durchdrungen und dein sturer Stolz zwang dich zu einer höheren Stellung als dir zu stand. Doch hätte ich dir eine solche Gewissenlosigkeit nicht zugetraut. Der alte Sigart wäre stolz gewesen wenn es ihm nicht selbst den halben Kopf gekostet hätte.
    Die Wut die ich empfand musste leider Leona Meinscher kompensieren. Du kannst mir Glauben schenken wenn ich sagen dass es am Ende kein schöner Anblick war.“
    Er drückte sanft die Schultern.
    „Doch habe ich dir vergeben. Deinen Taten und ihre Auswirkungen. So niederträchtig sie auch gewesen sein mögen. Immerhin bist du mein der letzte aus meiner Familie. Wie könnte ich jemals Rache an dir verüben wollen.“
    Schnell ging er zurück um ein Glas mit Wasser zu holen. Er löste den Knebel und half seinem Bruder beim Trinken. Viktor begann gierig das Wasser zu schlucken. Es schmeckte sonderbar, leicht metallisch, doch seine Kehle war wie ausgetrocknet und das kühle Nass fühle sich an wie ein Geschenk der Götter. Er musste stark husten als das Glas wieder von seinen Lippen entfernt wurde.
    „Ganz ruhig Viktor. Es ist noch genug davon da.“
    Viktor versuchte zu sprechen. „Vie…“ Eine Hand legte sich auf seinen Mund.
    „Sssshhhh, diesen Namen trage ich schon lange nicht mehr. Versuche nicht zu sprechen.“
    Die Hand wurde entfernt. Viktor wollte noch was sagen doch seine Zunge gehorchte ihm nicht mehr. Es musste etwas mit dem Wasser gewesen sein. Gift schoß es ihm durch den Kopf.
    Eine seltsame Gelassenheit überkam ihn. Sein Bruder lächelte ihn an. Er erwiderte es. Alles war jetzt so wie es sein musste. Kein Grund sich zu fürchten. Der Untote stand vor ihm auf.

    „Zu meinem Bedauern muss ich auf das baldige Ende unseres Gespräches hinweisen.“
    Viktor bedauerte es zutiefst.
    „Weist du warum dir Vergebung zuteil wurde? Weil ich mir sicher bin das du deine Taten im Inneren zutiefst bereust.“ Viktor musste seine Augen zusammenkneifen. Es schien ihm schwer die Bilder festzuhalten. Immer wieder wurden sie undeutlich.
    „Du bist ein guter Mensch, Viktor. Ich hätte viel früher herkommen sollen. Ist es nicht ein gutes Gefühl seinen Frieden mit der Familie gemacht zu haben.“ Viktor teilte jetzt die Meinung seines Bruders vollkommen.
    „Ich habe mich seit Jahren nicht mehr so großartig gefühlt wie in diesem Moment. Ich hoffe du hast unseres Gespräch genossen.“ Viktor musste sich anstrengen den Worten seines Bruders zu folgen. Sie schienen aus immer größere Entfernung zu kommen.
    „Ja Viktor, und doch liegt mir etwas schwer auf dem Herzen. Ein Wunsch den ich schon lange in meinem Inneren hege. Und du bist in der Lage mir zu helfen. Ich kann nur hoffen das du mir etwas entgegen kommen wirst.“
    Es dauerte etwas bis die Worte ihn erreichten. Viktor nickte heftig um seine Zustimmung zu zeigen. Er würde jetzt alles für seinen Bruder tun. Er konnte gar nicht glauben warum er es nicht schon viel früher getan hatte. Sein Bruder grinste ihn dankbar an.
    „Ich bin sehr glücklich darüber dass ich mich auf dich verlassen kann. Das ist es wohl was eine Familie ausmacht. Nun dann ist es wohl Zeit dir einen guten Freund vorzustellen.“
    Der schwarz Gekleidete wischte seinem Bruder ein wenig Speichel vom Mund.
    „Das ist Nargo.“
    Die Schattenhafte Gestalt neben dem Tisch winkte leicht mit den Fingern.
    „Er ist ein Hexenmeister. Ein begnadeter dazu. Ich bin sehr froh das er heute hier ist.“
    Viktor heftete seinen Blick auf die Schattengestalt. Was hatte sein Bruder gesagt? Es war nicht wichtig. Er nickte der Gestalt zu. Seine Gedanken kreisten sich endlos um sich selbst. Sein Bruder berührte ihn mit einem Tuch am Mund. Sein Bruder. Er war so froh dass er wieder da war.
    „Du weist doch noch was mir der Lich-König angetan hat?“ Wieder musste Viktor die Augen zusammen kneifen. Es war immer schwerer der Stimme seines Bruders zu folgen. Es war wie ein Nebel der sich in seinem Kopf ausbreitete. Was hatte er gesagt? Lich-König?
    „Er stahl mir meine Seele. Er hat sie mir genommen und das aus dem gemacht was du nun vor dir siehst. Du erinnerst dich sicher.“ Viktor spürte wie er leicht geschlagen wurde. Die Benommenheit wich.
    „Na na na, noch nicht. Wir sind noch nicht fertig.“ Das Bild wurde wieder etwas klarer.
    „Gleich, Bruderherz, gleich.“ Er lächelte Viktor ins Gesicht und winkte ab.
    „Nun, um wieder auf meine Herzensangelegenheit zu kommen, Nargo behauptet das er die Seele eines Wesens in einen Stein einschließen kann und ich brauche doch so dringend eine.“ Viktor konnte nicht mehr folgen.
    „Weist was das bedeutet?“ Er wusste es nicht. Er wollte es auch nicht wissen. Die Stimme seines Bruders nahm einen feierlichen Charakter an.
    „Hier treffen sich nun unsere Wege, Viktor. Ich weiß dass du alles tun würdest um mir zu helfen und alleine das gereicht dir zur Ehre. “ Langsam wurde Viktor das Hemd aufgeschnitten. Anteilnahmslos beobachtete er wie der Dolch seines Bruders mühelos durch den Stoff glitt. Seine Brust wurde freigelegt. Als er in das Gesicht des Untoten schaute fühlte er keine Reue oder Bedauern. Keinen Hass oder Abscheu. Er fühlte gar nichts. Eine Hand fuhr ihm durch das Haar. Plötzlich durchfuhr ihn ein leichter Schmerz. Er schaute zu seiner Brust und sah wie sein Bruder mit dem Dolch ein Gesicht aufmalte. Warum tat es weh? Wieso blutete es? Es war ein fröhliches Gesicht.
    Viktor bekam plötzlich Panik. Er zerrte an seinen Fesseln. Schaum bildete sich vor seinem Mund. Sein Bruder begann ruhig auf ihn einzureden.
    „Nein nein nein. Du hast es gleich geschafft. Bleib ganz ruhig.“
    Zum ersten Mal trat die zweite Person aus dem Schatten heraus. Auch er war ein Untoter. Eine lange dunkle Robe bedeckte seinen Körper. Sein Gesicht war unter der Kapuze kaum zu erkennen. Wie sein Bruder funkelten auch bei ihm zwei Lichter als Augen. Viktor stemmte wieder sich gegen seine Fesseln. Es war kaum etwas auszurichten. Er wollte schreien doch kein Laut kam über seine Lippen.
    Ein seltsames blaues Licht erschien um die Hände des Hexenmeisters. Er nickte dem Bruder zu.
    „Sssshhhhh, Bruderherz.“ Er legte ihm einen Finger auf den Mund und flüsterte. „Ich habe es sehr genossen unsere kleine Familienzusammenkunft doch leider werden sich jetzt unsere Wege trennen. Du verstehst das sicher. Man muss von der Vergangenheit loslassen können.“
    Viktor weinte jetzt ungehemmt.
    „Aber aber. Wer wird denn hier weinen. Wir gehen als Freunde auseinander. Kein Grund für Traurigkeit.“
    Er küsste seinen Bruder leicht auf die Stirn und tippte kurz auf das blutige Gesicht auf der Brust.
    „Durch dich musste ich meiner Seele entsagen doch nun schenkst du mir eine neue.“
    Er ging einen Schritt zurück um ihn ein letztes Mal anzusehen.

    Blaue Blitze schossen auf die entblößte Brust zu. Als sie auftrafen explodierten sie.
    Dichter Qualm erschwerte die Sicht und der Geruch von verbranntem Fleisch erfüllte den Raum. Viktor stöhnte unter Schmerzen. Er war schweißüberströmt. Ein blaues Licht schien in seinem Brustkorb zu wachsen. Er krümmte sich auf dem Stuhl. Immer heller glühte das Licht. Trotz der Betäubung waren jetzt auch die ersten Schreie zu hören. Die Schmerzen waren unerträglich.
    Wieder und wieder sendete der Hexenmeister seine Blitze. Als das Licht zu einer gleißenden Kugel wurde brach es durch. Langsam wurden die Rippen nach Außen gebogen und die Haut begann zu reißen. Im Todeskampf wurden die Schreie zu einem unmenschlichen Kreischen.
    Plötzlich brach es abrupt ab. Viktors Kopf hing nach vorne. Blut sammelte sich rasch zu seinen Füßen. Die Kugel schwebte durch den Raum in die Hand des Hexenmeisters. Sie hatte an Licht eingebüsst und war nun von einem pulsierenden Blau….


    …..etliche Augenblicke später……

    Auf einem nahegelegenen Hügel machten sie Halt. Der in schwarzes Leder gehüllte Untoter sah sich noch einmal um. Das alte Haus brannte immer noch. Vergeblich versuchten die zurückgekehrten Diener und Nachbarn die Flammen zu löschen. Der Hexenmeister hatte gute Arbeit geleistet.
    Mit der linken Hand fühlte er noch mal nach dem runden Gegenstand in seinem Beutel. Als er sie berührte fühlte er sich erleichtert. Sein Blick ging nochmals über sein ehemaliges Zuhause.
    „Ich vergebe dir deine Schuld, Viktor“
    Dann ritten sie weiter.

    Ende



    Re: Nächtliches Gespräch (Vîesomar)

    vîeso - 18.11.2011, 16:23


    Wünsche viel Spaß beim lesen.

    Ist meine erste Geschichte also bitte versucht Rechtschreibfehler, Grammatikvergehen oder andere Tippfehlleistungen großzügig zu ignorieren. :)

    Vîeso



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