linke wahlergebnisse

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    Re: linke wahlergebnisse

    flo - 24.10.2005, 11:43

    linke wahlergebnisse
    im folgenden will ich versuchen, die linken wiener wahlergebnisse (mit ausnahme der slp) kurz zu analysieren und schlüsse daraus zu ziehen.

    die kpö hat einen großen wahlerfolg zu verbuchen, in 2 bezirksräte ist der wiedereinzug gelungen und in vielen bezirken liegt die kpö um die 2 prozent.
    gegenüber der letzten gemeinderatswahl eine stimmenverdopplung und gegenüber der letzten bundesweiten wahl immerhin auch noch ein saftiges plus. (dass der gemeinderat natürlich weit entfernt ist, ist klar)

    was mir aber bei durchsicht der detailergebnisse aufgefallen ist, ist die tatsache, dass in vielen bezirken die bezirksergebnisse UNTER den gemeindeergebnissen liegen, das sollte doch zu denken geben. logisch wäre der umgekehrte weg: kommunistinnen und kommunisten sind vor ort präsent, schaffen sich respekt bei der bevölkerung und werden lokal gewählt. eine anzahl der "lokalen wähler" wählt dann in der nächst höheren ebene ebenfalls die partei, der "ihre" kandidatinnen und kandidaten angehören.

    das ist der weg, den beispielsweise die steirer gewählt haben und der sich auch verfolgen lässt, wenn gemeinde und landesergebnisse verglichen werden.

    ein einwand könnte jetzt natürlich sein: "wir können nicht überall präsent sein, wir müssen uns auf einige bezirke konzentrieren. die steirer sind ja auch nicht in allen gemeinden präsent"
    das ist richtig aber auch wieder nicht, ich spreche jetzt konkret die bezirke 6 und 9 an. dort wurde die kpö recht stark auf gemeindeebene gewählt, die bezirkslisten "YC" und "keine partei" sind aber durchgefallen.
    meiner meinung nach deshalb, weil eben NICHT kpö auf dem stimmzettel stand. im 16., der zwar auch "eigene" plakate hatte aber als kpö wählbar war, zeigte sich der unterschied gemeinde-bezirk nicht so stark, trotz einer zweiten kommunistischen liste auf bezirksebene. inwiefern in diesem speziellen bezirk die ki eine "zersplitterung" der stimmen bewirkte oder auf gemeindeebene der kpö gar einen stimmenzuwachs bescherte, wage ich nicht zu beurteilen. das würde genaue wählerbefragungen erfordern.

    das bringt mich zum zweiten punkt meines versuchs einer analyse: dem schlechten bzw. enttäuschenden abschneiden der ki bzw. der von der ki unterstützten listen. warum sind diese listen durchgefallen? an den inhalten wird es nicht gelegen sein, wohl eher am mangelnden bekanntheitsgrad. wie schon bei meiner besprechung der kpö bemerkt, fehlte hier eindeutig der bekanntheitsgrad der kandidatInnen, niemand konnte mit den listen konkrete politik verbinden. einige monate vor der wahl beschlossene kandidaturen, in zwei von drei fällen ohne das wort "kommunistisch" in verbindung mit mangelndem wahlkampfbudget und unter totalem medienboykott können nunmal keine berge versetzen. dennoch wurde der wahlkampf von der ki meiner meinung nach richtig geführt, indem versucht wurde, inhalte unters volk zu bringen.
    das hauptproblem für die ki war das verhältnis zur kpö. wenn jemand links wählen will, warum sollte er dann irgendeine komische liste ankreuzen, die er nicht kennt und die bestenfalls nach links-linkem sektenwesen aussieht. dann doch lieber das original, von dem seit über 80 jahren bekannt ist bzw. kolportiert wird, dass es für opposition zum system und für die rechte und interessen der arbeiterklasse steht.
    wohlgemerkt: letzteres bezog sich auf die erzielte aussenwirkung, keinesfalls auf die innere verfasstheit der erwähnten gruppen!

    prinzipiell sind wahlen sympathiefeststellungen. in der heutigen zeit geht es längst nicht mehr um inhalte. spannend für parteien ist, ihre spitzenkandidaten möglichst populär zu verkaufen und zu hoffen, dass die "buchstaben zum gesicht" bis zum ausfüllen des stimmzettels hängen bleiben.

    das steirische beispiel hat gezeigt, dass auch ein linker populismus in österreich erfolgreich sein kann, vor allem wenn er mit konkreter politik auf ein solides fundament gestellt wird.

    meiner meinung nach beweist die wiener wahl, dass wieder (verstärkt) kommunistisch gewählt wird, nicht wegen sondern trotz der inhalte der kpö wien. die inneren vorgänge und die inhaltliche positionierung gehen an den menschen vorbei, was hängen bleibt ist der name und der wurde jetzt (dank kaltenegger) wieder mit konkreter, "nützlicher" politik in verbindung gebracht.
    der kpö ist zu wünschen, dass sie aus den ergebnissen die richtigen schlüsse ziehen wird. die arroganz und die ignoranz des apparts garantieren mir, dass sie das nicht tun wird.

    was die linke jetzt erwartet, ist ein am eigenen jubelgeheul sich aufputschender apparat, der sich und allen die es hören wollen (oder auch nicht) erklärt, wie wichtig es ist, auf die sozialen bewegungen zu setzen und originär kommunistische positionen aufzugeben. was uns erwartet, ist eine de facto gespaltene kpö, die in der steiermark kommunisitsche lokalpolitik betreibt während im bund weiter gehofft wird, irgendwann an den brüsseler (oder zumindest nationalparlamentärischen) futtertöpfen mit den großen mitnaschen zu dürfen.
    dass für die einen die welt am semmering endet und für die anderen am weltsozialforum beginnt, wird einer derartigen entwicklung nachschub verleihen.

    dass von dieser selbstverordneten bewegungsunfähigkeit der linken letztlich nur die extreme rechte in diesem land profitieren kann, sei einfach so in den raum geworfen und ohne weiteren kommentar stehengelassen.

    wie sich kommunistische politik außerhalb der kpö entwickeln wird und wie lange kommunistische politik ausserhalb der kpö stattfinden muss, dazu wage ich keine prognosen. das würde auch am thema vorbeigehen.
    dass kommunistische politik ausserhalb der kpö passieren muss, das diskutiere ich gerne in einem getrennten rahmen.

    widersprüche willkommen.



    Re: linke wahlergebnisse

    comandante - 01.11.2005, 12:11


    In der Tat ist es so, daß viele Leute wissen, wofür die KPÖ steht, und deshalb andere Gruppen oder kommunistische Mitbewerber nicht so erfolgreich waren. Der Name ist den Leuten geläufig, und deswegen konnten viele mit SLP, KI, oder YC nicht so viel anfangen.
    Es geht tatsächlich weniger um Inhalte, als um die Vermarktung. Der Kapitalismus hat auch längst die Politik befallen. Hier gilt es, gegen diesen Trend anzukämpfen, denn eine inhaltsleere Politik, die nur den Interessen des Kapitals dient ist der Anfang vom Untergang.
    Verschiedene politische Auffassungen sind menschlich, schaden aber bei Wahlen der Bewegung. Zielführender wäre es, eine innerparteiliche Diskussion zu führen, denn die Stärke im Kampf gegen den Kapitalismus liegt in einem geschlossenen Auftreten nach Außen.



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