'Tagebuchauszüge' von Ana

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    Re: 'Tagebuchauszüge' von Ana

    mailinn - 31.08.2007, 18:09

    'Tagebuchauszüge' von Ana
    Es sind nicht wirklich Tagebucheinträge, aber sowas ähnliches zumindest.

    Anadyiá hockt mit angezogenen Beinen in einer düsteren kleinen Taverne, das Kinn auf den Knien gebettet. Vor ihr auf dem Tisch flackert eine beinahe schon abgebrannte Kerze deren Wachs auf dem Holz helle Flecken hinterlassen hat. Durch das stetige tanzen der Flamme im zugigen Raum der Taverne huschen abwechselnd ein warmes Licht und düstere Schatten über Anas Gesicht. Bis auf dem Wirt der hinter der Theke eifrig damit beschäftigt ist diverse Krüge zu polieren befindet sich sonst niemand in der Taverne. Es ist still hier, lediglich das leise knarren und knarzen der im Wind schwingenden Tür bricht diese Stille für einige Momente.
    Anadyiá dreht sich kurz zum Wirt um, hebt die Hand und registriert mit einem leisen seufzen das dieser sie nicht zu bemerken scheint. Betrübten Blickes, aber ohne anders auf sich aufmerksam zu machen wendet sie den Blick wieder ab, heftet ihn auf ein vor ihr liegendes, kleines Buch welches in dunkles Leder eingebunden ist. Langsam greift sie zu einer Feder, schlägt die erste Seite des Buches auf - sie ist unbeschrieben.

    Ich weiss nicht, wie lange es her ist, das ich mit jemandem gesprochen habe. Ich weiss nicht, wie lange ich schon fort bin - ich habe das Zeitgefühl mittlerweile völlig verloren. Manchmal weiss ich nichtmal genau... ob Tag oder Nacht ist. Dieser Ort hier ist so düster, so trostlos - die Einsamkeit würde mich zerfressen wären da nicht Krish und Skaryash ..und die Erinnerungen an Zeiten in denen alles besser war. Erinnerungen an Zeiten in denen ich niemals alleine gewesen bin, Zeiten - die mein Leben von grundauf verändert haben. Früher war ich an das Alleine sein gewöhnt, es machte mir nichts aus. Immerhin hatte ich Barayasho und Záiro, aber jetzt macht es mir irgendwie Angst. Es erfüllt mich mit einer unendlichen Leere, niemanden hier zu haben mit dem ich reden kann - zu wissen das es wenn ich wiederkomme niemanden mehr gibt, der auf mich wartet, mich mit offenen Armen empfängt. Es ist ganz gleich, wo ich bin - ob hier - oder wieder zu Hause, mein geliebtes Ironforge - ich stehe gänzlich alleine da. Und ich kann mich nichtmal beschweren, ich selber trage Schuld daran.

    Anadyiá hebt den Blick von den Seiten des Buches, starrt einen Augenblick in das flackernde Licht der Kerze ehe sie die Feder mit einem leisen, erstickten aufschreien in die Ecke schleudert und das Buch mit dem Unterarm vom Tisch fegt. Sie springt so eilig von ihrem Stuhl auf das dieser laut krachend auf den Boden kippt, schmeisst dem Wirt einige Silbermünzen auf den Tisch und verlässt eiligen Schrittes den Schankraum, dem Buch welches auf dem Boden liegt keine weitere Beachtung mehr schenkend

    ~~~~


    Eine ganze Zeit später, es mögen Stunden ins Land gezogen sein, schwingt die knarrende Tür zur Taverne erneut auf. Ein kalter Luftzug geht durch den Schankraum und Ana betritt den kleinen, modrig riechenden Raum. Sie ist gehüllt in einen Ledermantel dessen Kapuze sie sich tief ins Gesicht gezogen hat. Der Mantel glänzt vor Nässe, Tropfen perlen von der Kapuze, zerplatschen auf dem Holzboden und hinterlassen kleine dunkle Flecken im Holz. Langsam streift sie sich die Kapuze vom gesenkten Haupt, hebt den Blick und lässt ihn dann suchend durch die Taverne gleiten. Mit einem fragenden Ausdruck bleibt dieser schliesslich am Wirt hängen. "Mein Buch....Wo?!"
    Der Tonfall ihrer Stimme klingt beinahe drohend, mehr wie eine Feststellung denn wie eine Frage. Sie macht einige schnelle Schritte auf den Wirt zu, stützt sich mit beiden Händen auf der Theke ab und beugt sich vor, sodass nur einige Fingerbreit die Gesichter der beiden noch Trennen. Der anscheinend schon etwas ältere Mann mit dem gütigen Gesichtsausdruck und der glänzenden Halbglatze überragt Ana um einige Zentimeter, lächelt sie schliesslich beschwichtigend an und holt unter seiner Theke das in Leder gebundene Büchlein hervor, hält es ihr hin. "Bitte sehr, My Lady. Ich habe es gut verwahrt, dachte mir das Ihr es holen kommt"
    Ana nimmt das Buch an sich, drückt es sich gegen die Brust und mustert den Mann prüfenden Blickes - schenkt ihm dann ein künstliches und offensichtlich nicht ehrlich gemeintes Lächeln. "Macht mir doch bitte einen heissen Kirschgrog, Meister"
    Anadyiá dreht sich mit diesen Worten auf dem Absatz um, steuert auf den Tisch zu an dem sie bereits vor Stunden schon einmal gesessen hatte und legt das Buch vor sich. Sie schlägt die erste Seite auf, überfliegt die paar geschriebenen Zeilen flüchtig und blättert dann auf die nächste. Auch diese ist leer. Diesesmal jedoch greift sie nicht zu einer Feder. Sie befördert einen Kohlestift ans Tageslicht - beginnt mit flinken Fingern damit zu zeichnen. Umrisse eines Gesichtes entstehen. Anadyiá schliesst die Augen. Ein Lächeln huscht ihr über die Lippen, diesmal wirkt es echt. Langsam öffnet sie die Augen wieder, zeichnet eifrig weiter - merkt nicht einmal, wie der Wirt ihr den bestellten Grog auf den Tisch stellt. Völlig vertieft in ihr tun bekommen die Umrisse nun Haare, kurze, wuschelige Haare. Auch Augen, Nase, Lippen folgen. Nach nur wenigen Augenblicken ist deutlich zu erkennen - um wen es sich bei dieser Zeichnung handeln dürfte. Sogar die für diese Person charakteristischen Lachfältchen hat Ana eingezeichnet. Das Bild wirkt erstaunlich Lebensecht - bis ins kleinste Detail ist diese Zeichnung ausgearbeitet. Die Finger von der Kohle ganz schwarz lehnt Ana sich im Stuhl zurück, betrachtet die Zeichnung. Die vor Konzentration zerfurchte Stirn glättet sich, ein wehmütiger, schmerzvoller Ausdruck legt sich in ihren Blick während sie sanft mit den Fingern über die Zeichnung von Xanadu streicht.

    ~~~~


    Nacht ist über den Dämmerwald hereingebrochen. Die Dunkelheit die selbst am Tage in den Wäldern herrscht scheint nun alles sich in den Wäldern befindliche vollends verschlingen zu wollen. Die knorrigen Äste der teilweise längst toten Bäume lassen noch düstere Schatten auf dem grauen Boden tanzen. Nur leicht dringt ab und an das weisse und sonst so helle Licht des Vollmondes durch die vorüberziehenden Wolken, lässt das Schattenspiel der Äste nur noch bedrohlicher wirken. In der Ferne hört man irgendwo eine Eule ihr nächtliches Lied heulen und bis auf das leise knacken der am Boden liegenden Stöckchen unter Ana`s Füssen ist es still. Langsam bewegt sie sich durch den Wald, in leicht geduckter Haltung. Den Blick konzentriert nach vorne gerichtet - er scheint Schneisen in die Dunkelheit zu schneiden so scharf wandert er über den Boden, nach rechts und links ehe sie wieder angestrengt nach vorne blickt. In jeweils jeder Hand hält sie fest umklammert einen scharfkantigen Dolch, auf ihrem Rücken prangt der große hölzerne Jagdbogen. Ansonsten fällt die Rüstung entgegen ihren sonstigen Kampfgewohnheiten eher spärlich aus. Barfuss läuft sie, eine kurze Lederhose bedeckt die Beine gerade mal bis zum Knie und der Oberkörper wird verdeckt von einem verschlissenen Leinenhemd dessen Ärmel in Fetzen an ihr herabhängen. Die sonst so gepflegten Haare der kleinen Elfe sehen verfilzt aus. Äste, Federn und Laub haben sich darin verfangen. Deutlich zeichnen sich durch die dünnen Stoffe die Konturen ihrer Bauchmuskeln ab - sie scheint hart trainiert zu haben, denn der Körper wirkt insgesamt sehr definiert und kampfgestählt.
    Unvermittelt hält Ana in ihrer Bewegung inne, verharrt still in ihrer geduckten Haltung und starrt durch das Dunkel der Nacht hindurch. Ein Grinsen stiehlt sich auf ihre rissigen Lippen als sie aus dem Schatten vor sich den riesigen Fleischberg erblickt. Der nur etwa vier Schritt von ihr entfernt stehende Oger überragt sie um längen - und breiten. Die Haut des Ungetüms glänzt fettig, als kurzzeitig ein Mondstrahl die Wolkendecke durchdringt. Der Nacken des Ogers ist bullig, die Fäuste allein so groß wie Ana`s Kopf. Ein säuerlicher Geruch geht von ihm aus, er stinkt nach Schweiss, nach verdorbenem Fleisch.
    Anadyiá scheint das nicht sonderlich zu stören, keine Regung geht über ihr Gesicht. Sie geht in die Hocke, jeder Muskel ihres Körpers zum zerreissen gespannt stürzt sie sich mit einem lauten Schrei auf den massigen Fleischberg, rammt ihm erst den rechten - dann den linken Dolch mit einer unglaublichen Wucht in den Rücken. Dem Monster entringt ein markerschütterndes Grollen, wild fuchtelt der plumpe Oger mit den Armen, versucht schwerfällig sich zu seiner Peinigerin umzudrehen, doch Ana ist flink. Immer wieder weicht sie seiner Drehung aus, rammt unbeeindruckt der wilden Schreie des Ogers ihre Dolche ein ums andere mal in dessen Fleisch, verpasst ihm Tritte mit dem Knie die bei jedem aufprall ein dumpfes Geräusch die Stille durchbrechen lassen. In ihren Augen blitzt eine unwahrscheinliche Wut auf und für den Bruchteil einer Sekunde könnte man meinen das ein Anflug von Wahnsinn in ihren Augen aufflackert.
    Längst liegt der Oger am Boden, stösst rasselnd seine letzten Atemzüge aus - doch Ana sticht immer wieder ihre Dolche durch seine dicke, ledrige Haut. Ihre Kleidung ist über und über mit Blut bespritzt, ihre Hände glänzen davon schwarz in der Dunkelheit und auch einige der verfilzten Haarsträhnen kleben ihr vor Blut glänzend an der Stirn.
    Schliesslich lässt sie sich völlig erschöpft neben die Leiche sinken, lockert den Griff um die Dolche welche nur kurze Zeit später neben ihr ins Gras fallen. Sie atmet schwer, ihr Körper zittert stark vor Anspannung - der Blick ist ins Nichts gerichtet. Dann - ganz langsam - bröckelt die Fassade von Wut und Agression, Trauer und Verzweiflung breiten sich auf ihrem Gesicht aus und ihre Züge erstarren vor Schmerz zu einer Grimasse. Ein Beben geht durch ihren Körper bis sie schliesslich wie ein Häufchen Elend in sich zusammensinkt und von einem starken Schluchzen geschüttelt wird.



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