Bin enttäuscht und wütend

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    Re: Bin enttäuscht und wütend

    Sigi - Fr, 17.06, 22:16

    Bin enttäuscht und wütend
    -

    Hallo mal wieder,
    heute drückt mich mal ein etwas anderer "Schmerz", es geht um die liebe Verwandschaft.
    Mein Mann hat 7 Geschwister und ich 4. Unsere Eltern leben auch noch alle und sind noch sehr fit.
    Bisher fand ich es immer toll so eine große Familie zu haben und hab da ja nach Kräften nachgeeifert. (Habe selber 4 Jungs).
    Ich fühlte mich eigentlich auch nie alleine oder so, obwohl fast alle eine gute Stunde von uns weg wohnen und man sich nicht dauernd sieht. Hatte auch immer das Gefühl der Geborgenheit und dass immer jemand da sein würde wenn man in Not ist
    Leider wurde ich nun eines Besseren belehrt. KEIN EINZIGER von Hubis zahlreichen Geschwistern hat sich bis jetzt gemeldet. Alle wissen von der Diagnose, die ja schon immerhin seit ca 5 Wochen klar ist.
    Anfangs dachte ich: Na ja, die müssen es halt erst mal verdauen, den ersten Schrecken überwinden und so, aber den müßten sie doch eigentlich mittlerweile geschluckt haben.
    Sogar meine Schwiegermutter (also die Mutter des Patienten) ruft nie an. Habe gestern erfahren, dass sie ständig bei meiner Mutter anruft, sich dort ausweint und sich erkundigt. Auf die Frage meiner Mutter warum sie ihrem Sohn nicht selbst danach fragt und auch sonst von den Geschwistern niemand anruft, sagte sie: Sie habe Angst davor und die Anderen wollen auch nicht anrufen.
    Ganz anders meine Leute. Schon am Tag, als Hubi der unerklärliche Knubbel operiert wurde und noch niemand ahnte dass es wirklich was Ernstes war, lief unser Telefon heiss. Auch die Woche die er im KH verbrachte bekam er viele Anrufe, nur halt nicht von seiner Seite.
    Meine Fam. ist über jeden Schritt und jede Untersuchung bestens informiert, sie leidet und fiebert richtig mit. Also grad um 180° andersherum als die andere Seite.
    Bis vor kurzem hatte ich noch irgendwie Verständnis, aber inzwischen macht es mich wütend. :37176
    Wie kann ein Haufen Erwachsener so wenig Rückgrat zeigen, obwohl wir uns sonst so viel zu sagen hatten?
    Meine Wut geht so weit, dass ich denke, was wäre gewesen, wenn es Hubi schlimmer erwischt hätte? Oder wenn es irgendwann Gott bewahre doch nochmal schlimmer wird?
    Was wenn meine Jungs und ich Hilfe und Unterstützung gebraucht hätten?
    Es hat sich bisher niemand danach erkundigt und Hilfe angeboten.
    Was wäre, wenn es so schlimm gewesen wäre und Hubi nicht mehr wäre?
    Dann hätten sie sich während der ganzen Krankheitszeit nie erkundigt nach ihm, aber zur Beerdigung wären sie sicher alle gekommen?
    Da bin ich doch soooo froh dass ich meine Eltern und Geschwister mit samt ihren Familien habe. Auch wenn ich manchmal nicht mehr vom Tel. loskomme. Als ich Hubi neulich darauf ansprach konnte er die Reaktion auch nicht nachvollziehen.
    STELL DIR VOR DU ERFÄHRST DEIN BRUDER HAT KREBS UND KEINER FRAGT WIE ES IHM UND SEINER FAMILIE GEHT.

    Bin ich zu streng mit ihnen?
    Ich glaube nicht. Man geht zwar nicht mit seiner Krankheit hausieren, unsere ganze Nachbarschaft z.B. hat keine Ahnung.
    Man will weiss Gott auch kein Mitleid, aber wofür ist eine große Familie denn da?
    Ich war immer stolz darauf so eine Riesenclan zu haben. Der Zusammenhalt und das Verhältnis zwischen Hubis und meiner Familie war immer super.( Beide sind schreckliche Festlatschis).
    Aber nun bin ich einfach nur enttäuscht, fühle uns im Stichgelassen.
    Ich glaube auch nicht, dass es meine Aufgabe ist jeden Einzelnen anzurufen und zu erzählen wie es so geht und dass sie keine Angst haben sollen oder sonst was weiss ich!
    Das sich Freunde zurückgezogen haben, habe ich in diesem Forum schon öfters gelesen, aber die eigene Familie???
    Jedenfalls wenn die Behandlung vorbei ist und es Hubi nach den Bestrahlungen wieder gut geht, gibts hier ein Riesenfest.
    Auf der Einladung wird vermerkt, dass alle eingeladen sind,
    DIE MIT UND GELITTEN; GEBANGT; GEHOFFT UND GEFREUT HABEN.

    Mußte jetzt wirklich mal meiner angestauten Wut und Enttäuschung Luft machen.
    Sorry wenns zu lang geworden ist.

    Liebe Grüße
    Frust-Sigi :cry:



    Re: Bin enttäuscht und wütend

    Bonny - Sa, 18.06, 19:33


    Hallo Sigi,

    ja das ist echt bitter,was du schreibst,da wird einem beim lesen schon ganz traurig zumute.
    Ich glaube es gibt einen Grund dafür,das sich die Fam.deines Mannes nicht meldet: Sie wissen nicht,wie sie mit der Situation umgehen sollen.Sicher haben sie Angst sich der Situation aussetzen zu müssen.Sie wollen sozusagen alles aus der Ferne ansehen und dann auf den passenden Moment warten,immer im Stillen hoffend,das alles gut aus geht und sich alles ohne ihr zutun von allein regelt.
    Das sieht man ja oft auch bei körperlichen Auseinandersetzungen im Alltag...z.B. eine Schlägerei in der Bahn.Die meisten sehen weg,ebenfalls in der Hoffnung,es würde sich allein regeln,in der Hoffnung...ach "Andere" können das ja machen...bloß abwarten.Hinterher sagen dann alle...“Wenns richtig ernst geworden wäre,hätten wir geholfen!“ Dem ist aber nicht so.
    Die Menschen scheuen Situationen oft,die sie nicht kennen...mit denen sie nicht umgehen können.Das ist Erziehungssache...siehe deine Familie,da ist die Courage anscheinend besser ausgeprägt-anerzogen worden.Familienmitglieder erziehen sich ja auch untereinander,daher denke ich,das es so zusammenhängt.

    Ich will auf keinen Fall die Fam.deines Mannes in Schutz nehmen,denn ich finde,jeder ist erwachsen genug um zu wissen,was solch eine Diagnose bedeutet...es sollte nur eine mögliche Erklärung des Verhaltens der Familie sein.

    Wie habt ihr Eurer Verwandtschaft eigentlich die Mitteilung gemacht? Sicher telefonisch und wie war denn da die Reaktion?Hast du dort schon einen Unterschied zwischen den Familien bemerkt?

    Die Idee mit der Feier und dem Text der Karte ist spitze!Das würde ich auch machen!

    Ja,es ist wirklich traurig,das man erst durch eine Krankheit feststellt,wer einem ein wahrer Freund geblieben ist...ihr habt jetzt sozusagen die einmalige Chance zu sortieren: Die guten ins Töpfchen,die schlechten ins Kröpfchen....

    Wünsche euch trotz des Ärgers ein schönes Wochenende
    Liebe Grüße
    Bonny



    Re: Bin enttäuscht und wütend

    Anonymous - Sa, 18.06, 19:47

    Das kenne ich auch, wenn auch mehr von Freunden und Bekannte
    bin selber seit Februar 2005 wg. NHL in Chemotherapie. Es ist fast deprimierend festzustellen wie wenig echte Freunde man tatsächlich hat. positiv gedacht ist es furcht und Unsicherheit im Umgang mit einem vermeintlich zu Tode Geweihten. :angry
    Mich hat diese Erfahrung sehr mitgenommen und ich habe mich bis heute noch nicht damit abgefunden.



    Re: Bin enttäuscht und wütend

    broncolor - Mo, 20.06, 17:43


    Ich erlebe gerade das gleiche meine Familie macht alles um zu helfen ( vom Wäsche waschen bis Hausputz und Kinderbetreung sogar Kindergeburtstage waren beide während des Krankenhausaufenthaltes) und die andere Seite der Vater war in 6 Wochen 3 x da hat nie angerufen Termine nicht eingehalten die Schwester sagt oh ich hatte soviel Streß ich muß erstmal entspannen die Mutter bringt sich zwar fast um läßt aber Probleme bei Ihrer kranken Tochter und ich darf dann mitteln zwischen meiner und Ihrer Familie da meine langsam fragt sagmal kümmern die sich denn garnicht ?? Meine Antwort darauf ist dann : ich brauche die Kur wenn das alles vorbei ist. Doch zuallerst steht der Kranke und der darf nicht merken das sich der ein oder andere nicht um Ihn kümmert also raus mit den notlügen und leider doch selbst anrufen und Termine für Rückrufe machen denn Wenn die eigene Familie einen verlässt das ist hart und ein Schlag ins Gesicht. Ansonsten gilt sich auf in 3-4 Jahern freuen wenn man nebeneinander sitzt und dem Partner erzählen kann wer einem geholfen hat . Darauf frue ich mich aber erst wenn der Partner das alles gut überstanden hat und die Wahrheit auch verträgt.
    Und bis dahin wie bonny sagt die guten ins töpchen die schlechten ins kröpchen. Die einen merken es halt nicht oder wollen es einfach nicht wahrhaben wie es um Ihr Familienmitglied steht und am Ende sind Sie so stolz als ob Sie selber Krebs hatten.



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