Verfügbare Informationen zu "Linda Bradford Raschke - Körperkontakt mit dem Markt"
Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Phil Forum: Azubiforum aus dem Unterforum: Charts und Analysen Antworten: 1 Forum gestartet am: Dienstag 29.08.2006 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Linda Bradford Raschke - Körperkontakt mit dem Markt Letzte Antwort: vor 15 Jahren, 6 Monaten, 22 Tagen, 5 Stunden, 57 Minuten
Alle Beiträge und Antworten zu "Linda Bradford Raschke - Körperkontakt mit dem Markt"
Re: Linda Bradford Raschke - Körperkontakt mit dem Markt
Phil - 07.09.2007, 17:55Linda Bradford Raschke - Körperkontakt mit dem Markt
Zitat: Linda Bradford Raschke - Körperkontakt mit dem Markt
14.06.2001 TI Redaktion
--------------------------------------------------------------------------------
Miss Energy – das ist die wohl treffendste Beschreibung für Linda Bradford Raschke, einen der wenigen weiblichen Market-Wizards, die Jack Schwager für seine Bücher interviewte. Das war umso erstaunlicher, da Linda seit Jahren unter dem Eppstein-Bar-Syndrom leidet, einer Krankheit, die dem Patienten chronisch seine Energiereserven entzieht. Wie wäre Linda erst ohne diese Symptome? “Man lernt, mit seinen Reserven verantwortungsvoll umzugehen”, lacht Linda uns an, “und sich auf Dinge zu konzentrieren, die Energie schenken. Ich habe meine Leidenschaft, die Börse, zum Beruf gemacht, und der Erfolg gibt mir viel Energie. Ich lebe in einer Umgebung, wo ich mein Hobby, Pferde, voll ausleben kann, und schöpfe daraus viel Kraft. Ich verbringe meine Freizeit nur noch mit Dingen, die mir Spaß machen, so wie dieses Interview mit zwei netten deutschen Journalisten.” Solch Offenheit war entwaffnend, Lindas Charisma einfach bewundernswert. In einem langen Gespräch gewährte uns Linda einen tiefen Einblick in die Gedankengänge eines Supertraders.
TI: Villa in Palm Beach, Pool, Pferde und einen luxuriösen Lebensstil im Millionärsort – wer in der Familie hat das Geld?
LBR: Das habe ich mir alles selbst erarbeitet. Ich komme aus keiner reichen Familie. Und mein Mann, Ex-Mann muss ich ja jetzt sagen, war "nur" Hausmann. Nein, ich hab mir jeden Pfennig durch harte Arbeit an der Börse verdient.
TI: Wie kamen Sie überhaupt ins Börsengeschäft?
LBR: Seit meiner College-Zeit wollte ich schon immer an die Börse. Also bewarb ich mich bei jedem Broker an der Pazifik-Küste, den ich im Telefonbuch finden konnte. Das war so 1980. Und ich habe nur Absagen bekommen, weil ich über keinerlei Erfahrungen verfügte. Schließlich nahm ich einen unbedeutenden Job in einer Firma an, die ihre Büros direkt gegenüber der Pacific Coast Stock Exchange in San Franzisco hatte. So sah ich jeden Tag die tollen Typen mit ihren wunderbaren bunten Broker-Jacken und ich wusste, genau das will ich auch machen. Genau in dieses Gebäude dort gegenüber will ich auch. Und wie es sich dann meist so im Leben ergibt, wenn man sich etwas ganz stark wünscht, kam ich bald mit dem ein oder anderen beim Lunch ins Gespräch. Dann wurde einer auf mich aufmerksam, weil ich mich stark für die Thematik Optionen interessierte, wissbegierig und engagiert war. Er legte ein gutes Wort für mich bei seinem Boss ein und so kam ich dann endlich an die Börse – als Floortrader für Aktienoptionen.
TI: Von San Franzisco nach Palm Beach, Florida – wie führte der Weg dorthin?
LBR: 1984 zog ich von der West- an die Ostküste nach Philadelphia. Auch erst als Floortrader. Doch dann hatte ich im Frühjahr 1987 einen schweren Reitunfall, der mich zwang, von zu Hause und dann vom Büro aus zu handeln. Zu dieser Zeit war ich schon sehr aktiv im Future-Geschäft, hauptsächlich im S&P-Future. Und während ich nicht auf dem Parkett war, konzentrierte ich mich rein auf den Future-Handel, da er leichter zu verfolgen war. Im Optionsgeschäft muss man zu viele Details gleichzeitig im Blick haben – das Underlying, sprich die Aktie, seine Entwicklung, die Zinsen, die Volatilität. Damals war das eigentlich nur auf dem Parkett möglich. Heute sind fast alle Informationen auch elektronisch erhältlich. Trotzdem gefiel mir das Future-Geschäft sehr gut, und ich wurde mehr und mehr zum reinen Future-Trader. Nach ein paar Jahren wurde ich CTA (Comodity Trading Advisor; Anm. d. Redaktion) und begann, für andere Leute Geld zu verwalten. Was mir sehr viel Spaß machte und immer noch macht.
TI: Sie erwähnten 1987, wie erlebten Sie den Crash im Oktober?
LBR: Ich hatte bis September 1987 ein Superjahr. Ab Mitte des Jahres verdiente ich eine Menge Geld mit der Short-Seite. Doch dann wurde mir der Markt zu volatil, ich hatte sehr viel Geld verdient, und ich entschloss mich, eine Auszeit zu nehmen. Ich wollte schon immer eine Ausbildung zum Reitlehrer machen. Also schippte ich ab Anfang September Pferdemist statt weiter Futures zu handeln. Was mir einen wahnsinnigen Spaß machte. Trotzdem blieb ich in ständigem Kontakt mit meinen Brokern. Ich rief jeden Morgen durch und fragte, wo sich der Markt gerade befindet und was gerade so los ist. An diesem berühmten Montag, dem 19. Oktober 1987, kam ich morgens durch. Mein Broker weinte ins Telefon, dass, nachdem schon am Freitag der Markt kräftig in die Knie gegangen war, es heute nach einem richtigen Crash aussehen würde. Und das war genau das, worauf ich schon die ganze Zeit gewartet hatte – eine optimale Kaufgelegenheit. Also schwänzte ich an dem Tag die Reitstunden, setzte mich zu Hause vor den Computer und beobachtete den ganzen Tag das Blutbad.
TI: Aber Sie haben doch nicht zu diesem Zeitpunkt in das fallende Messer gegriffen, oder?
LBR: Doch, auf jeden Fall. Am Nachmittag beruhigte sich das Geschehen ein wenig. Das nutze ich zum Kauf von ersten S&P-Future-Positionen, die ich dann in der verbleibenden Handelszeit noch richtig ausbaute. Doch dann kam es in der Schlussauktion noch einmal richtig zum Knall und ich beendete den Tag mit einem Verlust im sechsstelligen Bereich auf dem Papier. Toll, dachte ich mir, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Fast zwei Monate vom Markt weg, mit der Intention, von dem guten Ergebnis nichts mehr hergeben zu wollen. Und dann das. Aber am nächsten Tag eröffnete die Börse sehr freundlich. Wie Sie bestimmt wissen, haben wir die Tiefpunkte von diesem schwarzen Montag nie wieder gesehen. Das war mein Erlebnis mit dem Crash 1987.
TI: Hatten Sie damals schon einen technischen Handelsansatz?
LBR: Ich hatte sehr viel Glück, dass mein Ausbilder bei meinem ersten Brokerjob im Jahre 1980 schon einen technischen Ansatz fuhr. Zu diesem Zeitpunkt gab es ja außerdem noch überhaupt keine Computer geschweige denn Software. Also bekamen wir unsere Charts einmal in der Woche von einer Firma Namens Security Market Research. Wir zahlten sogar noch einmal zwölf Dollar extra, nur damit wir die Charts über Nacht schon am Samstag geliefert bekamen. Zudem konnten wir jeden Abend bei der Hotline anrufen, um uns die neuen Werte für einen Oszilator geben zu lassen. Dieser Oszilator bestand aus dem Abstand zwischen dem Drei- und dem Zehn-Tage-Durchschnitt. Das war alles, was wir hatten – einen Kurs-Chart und einen kleinen Oszilator. Doch weil ich über zehn Jahre lang jeden Tag die Punkte in das Chart-Heft eintrug, bekam ich ein unheimlich gutes Gespür und Auge für den Markt, seine Bewegungen, seine Zyklen und seine immer wiederkehrenden Verhaltensmuster.
TI: Heute kaum noch vorstellbar. Bedauern Sie manchmal die Entwicklung?
LBR: Es ist schon schade, vor allem für Anfänger, dass ihnen heute schon beim ersten Knopfdruck die gesamte Welt der Technischen Analyse zur Verfügung steht. Die meisten haben gar nicht die Chance, mit dem Markt in Kontakt zu kommen, den Markt zu "fühlen", die Bewegungen des Marktes zu erlernen. Das Zeichnen von Charts ist in unserem Computer-Zeitalter zu einer verlorenen Kunst geworden, leider. Das Gehirn verarbeitet eine Information ganz anders, wenn sie manuell ausgeführt wurde. Der Markt nur am Bildschirm, da ist es unmöglich, ein Gefühl dafür zu bekommen. Und wissen Sie was, das mache ich auch heute noch. Vom Computerbildschirm schreibe ich die Zahlen ab und trage sie in mein Handelsbuch ein. Schaue ich sie mir jemals nochmal an? Nein! Aber es bringt mir was. Ich bleibe in engem körperlichen Kontakt mit dem Markt.
TI: Richard McCabe, der oberste technische Investment-Stratege von Merrill Lynch, ist genau derselben Meinung wie sie. Er geht sogar so weit, dass er penibel per Hand ein Buch über einige Stimmungsindikatoren wie Put/Call-Ratio oder Advanced/Decline-Ratio führt.
LBR: Genau. Im Laufe der Zeit beobachtete ich viele Händler, vor allem die älteren, die schon lange dabei waren. Man hört so oft von Leuten, die zwei, drei, vier Jahre unheimlich erfolgreich sind. Und dann – boom – waren sie verschwunden. Was also machen diejenigen anders, die einen Bullen-, einen Bären- und einen Seitwärtsmarkt durchlebt haben, die nach Crashs, politischen und wirtschaftlichen Katastrophen immer noch am Markt waren? Sie führen ein Tagebuch, zeichnen ihre Charts mit der Hand, vermerken sich tägliche Widerstands- und Unterstützungsmarken. Sie haben eine klare, regelmäßige Methodik, das macht den Unterschied zu allen anderen.
TI: Das hört sich ja alles sehr einfach an. Man könnte fast glauben, dass alle anderen Indikatoren und technischen Werkzeuge damit sinnlos sind?
LBR: Dazu habe ich eine nette Geschichte. Ich hatte eine Phase, da schloss ich 50 Wochen hintereinander keine einzige Woche mit Verlust ab. Ich zeichnete meine Charts, ich hatte meinen kleinen Oszilator, ich bewegte mich einfach synchron mit dem Markt. Dann bekam ich diesen 286er-IBM-Rechner auf meinen Tisch, und ich konnte plötzlich all die Indikatoren, über die ich in der Vergangenheit aus den verschiedensten Büchern gelesen hatte, einprogrammieren, mir schön bunt grafisch darstellen und die Kurse auswerten lassen. Das nächste halbe Jahr verlor ich nur Geld.
TI: Warum das?
LBR: Weil ich die Indikatoren nicht kannte. Die meisten sehen wirklich nett und vertrauenswürdig aus. Doch die Realität sieht ganz anders aus. In den verschiedensten Marktphasen reagiert jeder Indikator völlig unterschiedlich. Und wenn man ihn nicht in- und auswendig kennt, dann ist man ziemlich schnell verloren.
TI: Im Umkehrschluss bedeutet das, jeder soll sich seinen persönlichen Indikator bzw. seine Methodik suchen, sich mit ihnen absolut vertraut machen und dann mit ihnen durch dick und dünn gehen?
LBR: So ungefähr. Wenn Sie mich nach meinem Erfolgsrezept fragen würden, dann würde so meine Antwort lauten. Seit 20 Jahren handle ich im Prinzip nach der selben Methodik. Ich habe andere Methoden ausprobiert und bin schnell wieder zu den mir vertrauten zurückgekehrt. Natürlich arbeite ich ständig an kleinen Verbesserungen. Ich bin immer noch wissbegierig, möchte den Markt noch besser verstehen, auch wenn er mir schon äußerst vertraut ist. Doch dadurch, dass ich nun schon solange mit meiner Methodik arbeite, weiß ich fast immer, was der Markt als nächstes tun wird. Nur weil mir die Muster im Chart oder in den Indikatoren so vertraut sind, weil ich sie einfach schon 1000 Mal erlebt habe. Im Markt gibt es Regelmäßigkeiten, die unheimlich profitabel sind, wenn man nur auf sie aufmerksam wird. Zum Beispiel hat die letzte Handelsstunde eine unheimlich hohe Wahrscheinlichkeit auf einen einheitlichen Trend. Das ist die Zeit, in der kurz vorher die Fondsmanager ihre neuen Geldzuflüsse von ihrer Buchhaltung erfahren und die sie nun im Markt unterbringen müssen. Sich gegen diese Geldmasse zu stellen, kann tödlich sein, auf dieser Geldwelle mitzureiten aber sehr profitabel. Man muss solche Verhaltensweisen des Marktes nur sehen, verstehen und dann umsetzen.
TI: Wo sollte also ein Anfänger beginnen?
LBR: Gut 90 Prozent aller Indikatoren, die heutzutage angeboten werden, sind ein Derivat des Preises. Als Anfänger muss ich also erst einmal mit dem vertraut werden, wovon alles abstammt: dem Preis. Und Muster im Preis erkennt man am besten in seiner graphischen Darstellung: dem Chart. Bevor ein Anfänger überhaupt daran denken sollte, sich mit Indikatoren zu beschäftigen, sollte er Charts, die Kursverläufe und seine Muster aus dem Eff-Eff kennen. Ich würde jedem raten, sich zumindest einen Heimatmarkt zu suchen, das kann eine Aktie sein oder ein Index, und für diesen händisch einen Chart zu führen. Besser als ein Linien-Chart wäre natürlich ein Bar-Chart, oder noch besser ein Candlestick-Chart. Ich persönlich bin ein großer Freund von Point&Figure-Charts, da man noch besser Widerstands- und Unterstützungspunkte erkennt. Egal, die Arbeit dauert maximal drei Minuten, und ich versichere Ihnen, dass sie es wert ist. Nicht heute, nicht morgen, aber wir sprechen uns in einem Jahr wieder. Denn letztendlich basieren alle Theorien und Handelssysteme bis hin zu neuronalen Netzen auf den Arbeiten von Charles Dow: Ein Trend hat eine höhere Wahrscheinlichkeit sich fortzusetzen als sich umzukehren. Und Charts sind einfach das beste Mittel, um Trends zu erkennen. Charts mit der Hand zu zeichnen bedeutet, Trends zu spüren und wirklich zu erleben. Alles andere ist zu vergleichen mit dem Verhalten von Lachsen, die gegen den Strom schwimmen, um an ihre Laichplätze zu gelangen. Nur etwa zehn Prozent überleben diesen Kampf, der Rest stirbt auf diesem Weg. Das ist ein Lernprozess, durch den wir alle mal durchgegangen sind. Auch ich habe mich in allen möglichen Systemen probiert, jedes Buch gelesen, das ich in die Finger bekam, und mich sogar mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Doch dann stellte ich fest, dass das Gras woanders auch nicht grüner ist. Wussten Sie, dass eine einfache "Flagge" eine unheimlich zuverlässige Chartformation ist? Ob Bullen-Flagge oder Bären-Flagge, ich trade sie mit Vorliebe.
TI: Brauchen Sie dafür einen Indikator oder ein System, um sie zu finden?
LBR: Nein, alles was ich brauche, ist ein Chart. Ich habe 15 Jahre gebraucht, dahinter zu kommen. Trotzdem waren alle anderen Versuche nicht umsonst, denn es übt das Auge. Und wie gesagt, man weiß genau, dass es da draußen nicht die "magische Erfolgsformel" gibt. Alles ist letztendlich harte Handarbeit, im wahrsten Sinne des Wortes.
TI: Wie halten Sie es mit Money-Management?
LBR: Im Prinzip gibt es eine einfache Faustformel: Je kleiner das Konto, umso kürzer sollte eine Position im Markt gehalten werden. Das hängt einfach damit zusammen, dass je länger ein Trend am Laufen ist, das Risiko umso größer ist, dass er sich umkehrt. Viele Anfänger machen den Fehler, dass sie auf den "Jackpot" aus sind und werden bei der ersten großen Gegenbewegung, die sie dann natürlich versuchen auszusitzen, letztendlich aus dem Markt geworfen. Der Weg zum Erfolg ist der Weg der kleinen Schritte. Hier ein kleiner Gewinn, dort ein kleiner Gewinn, so baut man langsam aber dafür sicher sein Konto auf. Dann, mit der Zeit, kann man auch mal die Positionen vergrößern und auch die Zeitspannen verlängern. Aber nicht am Anfang. Das hat auch einen positiven psychologischen Effekt. Wenn ich 100 Trades mache und bei 20 liege ich daneben, was macht das schon aus? Die 80 guten, kleinen Trades geben mir ein gutes Gefühl und auch Selbstvertrauen. Das ist wichtig, um später auch mal größere Risiken und Rückschläge wegstecken zu können. Selbst ich mache täglich diese kleinen "mentalen" Übungen, um mich einfach gut zu fühlen. Das ist sehr wichtig. Denn dann ist man auch bereit, zum richtigen Zeitpunkt ordentlich aufs Gas zu treten. Das ist für mich Money-Management. Normalerweise reizt man nie sein Konto bis zum Limit aus. Doch dann gibt es immer wieder Zeitpunkte an der Börse, da stimmt einfach alles – der monatliche Trend, der Wochentrend, der Tagestrend und der Stundentrend, alles verhält sich synchron. Und diese nicht sehr häufig vorkommenden Situationen gilt es voll auszunutzen, mit allem, was man hat. Doch das bedarf viel Übung und vor allem viel Selbstvertrauen. Und das holt man sich durch viele kleine Gewinntrades im Vorfeld.
TI: Nach 20 Jahren im Geschäft, sind Sie da immer noch mit Spaß dabei?
LBR: Natürlich muss man immer wieder Wege finden, sich selbst zu motivieren. Zurzeit gebe ich einen kostenpflichtigen Online-Kurs, in dem ich live den S&P-Future handle und den Leuten erkläre, was gerade am Markt passiert und warum ich jetzt jene oder diese Position einnehme. Das macht mir großen Spaß und hilft mir selbst, sehr fokussiert zu bleiben. Wichtig ist auch, dass es noch etwas anderes im Leben gibt. Etwas, was einen gedanklich auch mal ablenkt, was für einen Ausgleich sorgt, und für was sich auch der ganze Aufwand lohnt. Für mich sind es meine Pferde, sie waren schon immer meine Leidenschaft. Deswegen bin ich auch nach Palm Beach gezogen. Wie sie sehen, lebe ich inmitten eines Pferdeparadieses, jeder Nachbar hier hat sein eigenes Pferdegatter und mehrmals im Jahr trifft sich hier die internationale Polo-Elite. Es gibt für mich keinen schöneren Ort. Das überträgt sich natürlich auf meine Stimmung, und dies wiederum schlägt sich positiv auf meine Tradingergebnisse nieder. Es ist immer gut, wenn man genau weiß, warum man etwas macht. Ich brauche nur aus dem Fenster zu schauen, dann weiß ich es.
TI: Wie haben Sie das Börsenjahr 2000 erlebt?
LBR: Ich hatte ein ganz fantastisches Jahr. Deswegen hat sich wahrscheinlich auch mein Mann von mir scheiden lassen (lacht). Nein, wir hatten in 2000 zwei klare, sehr prägnante Trends, die sich hervorragend traden ließen. Erst die starke Übertreibungsphase im Frühjahr. Zu diesem Zeitpunkt nahm ich eine Pause, weil ich nicht abschätzen konnte, inwieweit sich meine Scheidung psychologisch auf mein Trading auswirken würde. Als ich Mitte des Jahres langsam wieder anfing, hatte sich der Abwärtstrend schon eindeutig etabliert und er war dann sehr einfach zu traden.
TI: Was erwarten Sie vom Jahr 2001?
LBR: Für die Indizes sehe ich kaum ein Fortkommen. Zu viele haben sich die Finger verbrannt und sitzen auf Verlustpositionen. Diese werden dann schnellstmöglich liquidiert, sobald der Wert auch nur wieder in die Nähe des Einstandpreises kommt. Ich liebe solche Märkte, weil sie so berechenbar sind – am Hoch verkaufen, am Tief kaufen. Auf der anderen Seite wird 2001 ein gutes Jahr für "Stockpicker" werden. Es gibt viele Werte, die völlig übertrieben in den Boden gestampft wurden und nun geradezu danach schreien wieder entdeckt zu werden. Jede Marktphase bietet immer wieder neue, wenn auch andere Gelegenheiten. Die Ideen sind mir bis heute nicht ausgegangen, auch nach 20 Jahren nicht.
TI: Linda, wir danken Ihnen für das
Gespräch.
Mit folgendem Code, können Sie den Beitrag ganz bequem auf ihrer Homepage verlinken
Weitere Beiträge aus dem Forum Azubiforum
Banken sind nur Mittelmaß - gepostet von Phil am Mittwoch 13.06.2007
20.10.06 bei mir? - gepostet von Ninni am Dienstag 03.10.2006
Fall Frick: Anleger, was nun? - gepostet von Phil am Montag 18.06.2007
Banken kämpfen um Top-Vermögensberater - gepostet von Phil am Samstag 24.03.2007
Finanz-Check - Wie gut beraten Banken und Sparkassen? - gepostet von Phil am Donnerstag 22.02.2007
Ähnliche Beiträge wie "Linda Bradford Raschke - Körperkontakt mit dem Markt"
Wer hatte schon alles Körperkontakt mit beck??? - die kleene olle (Sonntag 23.04.2006)
