Grenzlinie

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    Re: Grenzlinie

    John.Coffey - 06.07.2005, 23:45

    Grenzlinie
    _______
    _______© www.fotocommunity.de

    Grenzgänger - Grenzfall (engl. borderline)

    Ich habe wieder Probleme damit gehabt das richtige Forum zu finde. Mein erster Gedanke war es sogar, diesen Thread in "Maskenspiel" unterzubringen. Hell und Dunkel, Licht und Schattentage, hinaus, hinaus auf die Bühne. So sehe ich diese Menschen. Ich glaube, ich bin gerade geneigt mich in meinen Beruf zurück zu ziehen. Schutz.

    Den ersten Kontakt zu einer Borderline Patientin bekam ich in der Ausbildung auf einer Internistischen Notaufnahmestation, Bereich Intoxikationen (Vergiftungen). Die Frau, Mitte dreißig selbst Ärztin war in der Klinik als langjährige, schwierige Patientin bekannt. Sie unterrichtete sogar eine Krankenpflegeklasse, selbst praktizieren konnte sie schon lange nicht. Ihr Freund hat den Notarzt gerufen. Diesmal hatte sie ein Vollbad genommen, ihren Freunde an dessen Arbeit angerufen und ihm berichtet das sie sich gerade (Braunülen = Venöse Zugänge zur Blutentnahme od. Transfusion von Medikamenten) in die Arme und Beine legen würde. Er hätte zehn Minuten, vielleicht ein paar Minuten mehr, dann sei sie verblutet. Gekonnt setzte sie sich Verletzungen dieser Art. Parasuizidal.

    Heute traf ich eine alte Schwester (Ausbilderin), sie fragte mich ob ich Frau W. noch kennen würde und sie erzählte wieder die Geschichte die man sich immer wieder über sie erzählt. Ja - natürlich. Die Geschichte als sie wieder eingeliefert wurde - Operative Intensivstation, Handchirurgie. Sie hat die Hand zu einer Faust geballt und auf dem Geburtstag ihres Freundes in einen heiße Friteuse gegriffen.

    Ich schüttele den Kopf. Unverständnis. Erschütterung.
    Wie krank ist ein Boderliner eigentlich wirklich?

    Ich mochte diese Art Menschen nicht. Und doch - so kann ich es eigentlich nicht sagen, nicht schreiben. Ich mag diese Krankheit nicht. Kann der Mensch dahinter wirklich etwas dafür? Nein. Sie können ihren oft starken "Gefühlsimpulsen" ja nichts entgegensetzen. Ich arbeite mit Seelisch und Geistig Erkrankten. An Borderline Erkrankte leiden auch an Wahrnehmungstörungen, die häufig denen einer Psychose gleichzusetzen sind. Allerdings sind Borderliner im Gegensatz zu Psychotikern in der Regel fähig, ihre Halluzinationen oder Wahrnehmungstörungen als solche zu erkennen. Diese gestörte Beziehungsfähigkeit störte mich am meisten. Menschen zu nehmen, wie man sie gerade braucht. Erst Idealisierung und dann plötzlich Abwertung bis hin zu Hass und Wut. Wikipedia schreibt: "Werden Borderlinepatienten - real oder vermeintlich - ungerecht behandelt, reagieren sie oft sehr heftig und impulsiv und finden häufig über Tage oder sogar Wochen keinen Ausweg aus ihrer Gedankenwelt aus Selbstvorwürfen, Selbsthass und Rachegedanken. Viele Äußerungen sowie Gesten, Mimik und Betonung anderer Personen werden nicht selten falsch oder durch Überinterpretationen als feindlich ausgelegt, jedenfalls aber sehr intensiv analysiert und auf "Signalwirkung untersucht". Ursache ist eine häufig anzutreffende generelle Erwartungshaltung, dass Kränkungen vom Gegenüber zu erwarten sind."
    Unverständnis. Ich weiß nicht ob ihr diese meine Worte versteht, es fällt mir heute schwerer denn je die richtigen Worte zu finden aber sie müssen heute hinaus ... sich Bahn brechen. Die Grenzlinie abtasten. Borderliner können Seelenfänger sein - aber auch Seelenvergifter.

    Annäherung an eine Krankheit.



    Re: Grenzlinie

    SklaveDerAngst - 07.07.2005, 01:17


    Ich weiß nun nicht genau wie ich meine Gefühle dieser Krankheit gegenüber darstellen kann. Angst, Trauer, Wut... Ratlosigkeit... Ich selber habe mir sowas noch nie angetan.. werde es wohl auch nie machen... sei es aus vernunft oder einfach dem winzigkleinen grund, dass ich zu feige bin für körperliche schmerzen jeglicher art.
    Die ganzen Gefühle wurden durch eine Freundin, eine sehr gute, ausgelöst. Als ich das erste mal davon gehört habeherrschte wohl die Angst um sie in mir. Meine gedanken drehten sich nur noch um das eine Thema. War neues Land für mich. Ein Ruck aus der scheinwelt heraus, rein ind ie realität. Es war und ist schwierig damit umzugehen. Denn ich denke, wie bei jeder anderenSucht ist es sehr schwer der betroffenen person zu helfen. sehr viel wird unterschlagen und dann wieder gegen einen selbst gerichtet. Es war in einer Zeit sehr schwer zu zeigen, dass man helfen möchte weil man diese Person so lieb hat... weil man das Leben wieder in "normale" bahnen weisen möchte.. aber was is da schon normal? Für mich persönlich war es wirklich hart zu sehen, dass die Vernunft sehr schwer anbringbar ist. Sie hilft nicht. Ich habe mich damals wirklich sehr viel darüber informiert.. über hilfestellen. Habe herausgefunden wo es Menschen gibt die professionel über solche probleme reden. Jedoch hat dies sehr wenig gebracht. Ich fühlte mich dann auch sehr oft wirklich leer.. schwach... versuchte so möglichst gut zu zeigen wie sehr ich sie lieb habe... was ich eben alles tat und die krankheit hat sie, natürlich, auch irgendwie verändert... Ich glaube zu dem zeitpunkt wurde es eben nicht als solches wahrgenommen... die gefühle von ihr... Was jetzt ist? ich habe weiterhin sehr oft angst was da ist... was passieren kann.. was passieren wird... aber sonderlich mehr tuen kann ich irgendwie nicht. habe auch oft das gefühl, dass sie es nicht braucht. Was ich nun hoffe ist, dass es ihr immer gut geht und sie weiß dass sie für immer in meinem herzen ist.. sehr tief...



    Re: Grenzlinie

    Schattenwind - 07.07.2005, 11:35


    Ich habe Borderline.
    Noch ist es nicht diagnostiziert, alles was ich weiß, habe ich aus dem Internet erfahren.
    Doch wenn ich Berichte darüber höre, was sich Menschen angetan haben, wegen dieser dummen Krankheit, dann sehe ich auf meine eigenen Narben und muss beinahe lachen. Vielleicht ist es nicht so schlimm, bei mir, vielleicht habe ich (noch) genug Willenskraft. Ich weiß es nicht.

    Zitat: "Werden Borderlinepatienten - real oder vermeintlich - ungerecht behandelt, reagieren sie oft sehr heftig und impulsiv und finden häufig über Tage oder sogar Wochen keinen Ausweg aus ihrer Gedankenwelt aus Selbstvorwürfen, Selbsthass und Rachegedanken. Viele Äußerungen sowie Gesten, Mimik und Betonung anderer Personen werden nicht selten falsch oder durch Überinterpretationen als feindlich ausgelegt, jedenfalls aber sehr intensiv analysiert und auf "Signalwirkung untersucht". Ursache ist eine häufig anzutreffende generelle Erwartungshaltung, dass Kränkungen vom Gegenüber zu erwarten sind."


    So ist es, ja. Vollkommen. Es ist eine Sackgasse, in die man hineinrennt und der Rückweg, der scheint endlos, endlos und steinig.
    Ich gehe auf Menschen zu und sehe in ihren Augen, dass sie mich hassen. Dann, dann kann ich mich nicht reden hören, weil ich weiß, alles was ich sage, ist sowieso falsch. Anmerken lass ich es mir nicht. Jedes Wort wird eingeprägt und untersucht, dann, wenn ich allein bin oder Zeit habe, darüber nachzudenken. Und immer, immer ist es die negative Überinterpretation. Worte, die niemals böse gemeint waren, fressen und fressen und man bejaht den Hass, den man in anderen sieht, vollkommen. Tage, Wochen - Jahre. Es macht keinen Sinn, hier zu erklären, weßhalb ich so reagiere. Wahrscheinlich sehe ich selbst nur den Auslöser für das alles.
    Ich zweifle an der Freundschaft von Menschen, die mir wichtig sind, ich ertrage es nicht, geliebt zu werden. Ich bin schrecklich eifersüchtig, manchmal zumindest, dabei verstehe ich doch, wenn sich jemand anderen zuwendet.

    Vernunft? Ich bin vernünftig, sagt man mir. Nicht in diesen Dingen. Ich weiß, dass ich alles überinterpretiere, aber das hilft nicht, nicht im Geringsten. Dass das viele nicht verstehen, ist mir klar. Die Erfahrung fehlt - zum Glück.
    Es ist eine selbstgeschaffene Unfreiheit, Gefangenschaft im eigenen Denken. Narben hinterlässt es. Selbstgeschaffen. Körperlich wie seelisch.

    Es ist schon ein verflixtes Spiel. Ich habe Angst, die Menschen zu verlieren, die mir etwas bedeuten und setze doch alles in Bewegung, um genau das zu erreichen. Nur, weil ich denke, sie würden es so wollen.



    Re: Grenzlinie

    Carcas - 08.07.2005, 01:56


    "Während bei einer Person mit Depressionen oder Bipolarer Störung eine Stimmung für mehrere Wochen anhält, kann ein Mensch mit Borderline intensive Schübe aus Angst, Depression oder Wut erleben, die oft nur wenige Stunden bis zu mehreren Tagen andauern, jedoch auch länger anhalten können. Diese können in Verbindung mit Störungen der Impulskontrolle wie impulsiver Aggression, selbstverletzendem Verhalten und Drogen- oder Alkoholmissbrauch auftreten sowie zu übermäßigem Geldausgeben, Völlerei und riskanten Sexualpraktiken führen.
    Sucht ist eine häufige Begleiterscheinung bei Betroffenen. Die meist mit der Sucht einhergehenden selbstzerstörerischen Verhaltensweisen verstärken das Krankheitsbild.

    An Borderline Erkrankte leiden auch an Wahrnehmungstörungen, die häufig denen einer Psychose gleichzusetzen sind. Allerdings sind Borderliner im Gegensatz zu Psychotikern in der Regel fähig, ihre Halluzinationen oder Wahrnehmungstörungen als solche zu erkennen.

    Häufig berichten die Patienten, dass sie "sich selbst nicht fühlen können", oft fühlen sie sich sich selbst gegenüber fremd, es handelt sich dabei um auch sehr stark auftretende dissoziative Symptome.
    Manchmal empfinden sich Menschen mit BPS als grundsätzlich schlecht oder wertlos.
    Häufig fühlen sie sich gelangweilt, leer und haben keinen Sinn dafür, wer sie sind. Solche Symptome treten verstärkt auf, wenn sich Menschen mit Borderline einsam oder isoliert fühlen und können dann zu verzweifelten Versuchen führen, Situationen des Alleinseins zu vermeiden.

    Selbstverletzendes Verhalten bis hin zum Suizid sind symptomatisch für diese Erkrankung. Häufig äußern sich Selbsthass und die Unfähigkeit, die plötzlich auftretenden Spannungen abzubauen sowie ein Gefühl des "sich nicht mehr Spürens" in autoagressivem Verhalten. Die Betroffenen schlagen mit dem Kopf gegen die Wand, sie zerkratzen sich mit den Fingernägeln oder schneiden sich mit Messern oder Rasierklingen ihre Arme oder das eigene Gesicht auf."



    Borderline.
    An einer Grenze stehen. Zwischen Vernunft und Einbildung. Zwischen nicht mehr fühlen und viel zu viel fühlen.
    Borderline kann sich in so vielen Richtungen äußern. Ob ich diese Psychose habe, weiss ich nicht, aber SVV habe ich, soviel sei sicher, und beides liegt sehr nah beieinander.

    Ich kann meine Gefühle außerlich sehr gut unter Kontrolle halten, werde höchstens sehr still oder leicht aufbrausend, verachtend. Innerlich sieht es allerdings anders aus, es tobt, es schreit oder es weint leise.
    Die Eifersucht ist es oft, wie Tamara sagte, Schuldgefühle auch wenn mich keinerlei Schuld trifft, oder die ewigen Zweifel, ob es denn richtig ist, was ich tue, ob ich überhaupt jemandem etwas wert bin, ob ich es verdiene gemocht zu werden. Ich denke viel zu lange nach, über Worte, Gesten, Blicke, die derjenige von dem sie stammen vielleicht längst vergessen hat.
    Da hilft die Vernunft nicht, die Gefühle sind so viel stärker.
    Ich wollte mir nie helfen lassen, habe viele Versuche einfach abgeblockt, weil ich Angst hatte, große Angst, die mir keiner nehmen kann, noch immer nicht, weil ich es nicht zulasse.

    "Große Gefahr der Selbstverletzung oder eines Selbstmordes besteht auch zu dem Zeitpunkt einer Hochstimmung."

    Ja. So war es oftmals. Und es ist mir noch viel unerklärlicher als in Momenten der Verzweiflung, weil doch eigentlich alles so gut ist. Vielleicht Druckabbau. Vielleicht auch Selbstbestrafung.

    Mittlerweile denke ich, dass es mir besser geht. Ich kann über manche Dinge hinwegsehen, weil ich weiss, dass ich leben möchte. Auch wenn ich nicht die Augen vor allem verschließen kann, sehe ich nicht mehr den einzigen Ausweg in der Selbstverletzung. Manchmal ist es noch da, das Gefühl dem Druck nachgeben zu wollen, dann wenn der Kopf dröhnt und der Arm höllisch schmerzt, obwohl die Wunden längst zu Narben geworden sind. Dann, wenn plötzlich Streit da ist, Streit mit dem ich in einem kleinen Moment nicht fertig werde. Solche Auslöser können wirklich nur Sekunden sein manchmal.
    Die Stimmungsschwankungen bleiben, in einer Minute kann ich lachen und mich großartig fühlen und in der nächsten schon wieder am Boden liegen oder ich kann stundenlang vor mich hin starren, ohne die Gedanken zu ordnen oder etwas zu tun, in äußerlicher Gleichgültigkeit.

    Kann man eine solche Krankheit jemals hinter sich lassen?
    Ich kenne Menschen, die jahrelang Ruhe davor hatten und dann plötzlich, ganz unvermittelt, fielen sie wieder in dieses Loch und der Teufelskreis begann von vorn.
    Denn das Gefühl bleibt, und die Erinnerung auch.


    Marco, es ist gut, auch mal die andere Seite der Grenze zu sehen, die der Helfer, die derer, die nicht selbst betroffen sind, sondern es nur von Außen mitbekommen.
    Flo, das gleiche gilt für dich. Ich habe es dir gestern schon gesagt, ...danke.

    Kursivtext: Wikipedia.de



    Re: Grenzlinie

    John.Coffey - 09.07.2005, 22:41


    Zitat: Marco, es ist gut, auch mal die andere Seite der Grenze zu sehen, die der Helfer, die derer, die nicht selbst betroffen sind, sondern es nur von Außen mitbekommen

    Ich hatte eine weile damit verbracht zu überlegen ob ich den Text hier einstelle. Ich möchte niemanden damit weh tun ... und ich sagte ja das ich mich schwer tat damit dies zu schreiben, - und "so" zu schreiben.

    Ich arbeite mit psychisch Kranken, von Gesicht zu Gesicht. Ich habe an anderer Stelle folgendes geschrieben vor ein paar Monaten:

    Renaissance

    Die Psychiatrie – seit jeher Spiegel des Zeitgeists, befindet sich mal wieder im Umbruch. Gestern hatten wir Besuch von Freunden. Chris arbeitet in der Pflege, mit Ihm habe ich einst gelernt. Er arbeitet heute in einer chirurgischen Ambulanz. Was er berichtet bestürzt mich, allerdings berichtet meine Frau nichts anderes. Sie arbeitet in der Notfallamedizin der Inneren. Intoxikationen, Suizidversuche und Psychische Erkrankungen nehmen zu. In der Chirurgischen Ambulanz sind es mehr die Borderliner die zunehmen. Eine Patientin, selbst Assistenzärztin gewesen kommt immer wieder. Ich kenne sie noch aus meiner Lehrzeit. Damals kam sie schon immer wieder als Patientin. Mal nahm sie Tabletten ein anderes mal legte sie sich Braunülen (intravenöse Zugänge) in die Arme, rief ihren Freund an, berichtete das sie in der Badewanne liegen würde und wenn er nicht in 10 Minuten da wäre, würde sie verbluten. Ausbluten nannte sie es. Sie schnitt sich auch immer wieder mit Skalpellen und anderen Gegenständen am Brustkorb herum. Sie nannte es „aufbrechen“, wie im Jagdjargon das „ausbluten“ der Tiere nach der Jagd genannt wird. Diesmal hat sie sich so schwer verletzt, dass sie dabei vielleicht Ihre Hand verlieren wird. Sie fasste mit der geschlossenen Faust in eine heiße Friteuse. Ihre Finger sind mit dem Handballen verschmolzen, teilweise wurde dabei sogar der Knochen freigelegt. Grausam. Dabei tut sie das, um Ihren Körper spüren zu können.

    Warum schreibe ich das ganze eigentlich?

    Weil, nach unserem Gespräch gestern musste ich Erfahren das uns eine gewaltige Spaltung der Psychiatrischen Versorgung bevorsteht. Da die Psychiatrie einer zunehmenden Kundenorientierung ausgeliefert ist – wurde diese Psychiatrisch schwer Kranke Frau nicht in die nähere Psychiatrie eingewiesen, sondern in eine andere. Die Psychiatrie in der Nähe legt neuerdings mehr wert auf solche Patienten die den privaten Markt ankurbeln, Behandlungen aktiv aufsuchen und – direkt oder indirekt – auch für diese Bezahlen. Der Psychiater ist also dort nicht mehr Mentor oder Seelentröster, nein, er ist Dienstleister der die üblichen Qualitätseinschätzungen und Marktanalysen berücksichtigen muss. Psychiatrie – ein Angebot auf dem Gesundheitsmarkt. Und was ist mit den „wirklich“ Kranken? Für sie gilt in Zukunft eine ganz andere psychiatrische Versorgung. Diese Menschen werden zunehmend wieder in „Anstalten“ ausgesondert, die der depressiven Mangerin das ruhige Bild der Kur-Psychiatrie stören könnte. Die zahl an Zwangseinweisungen nimmt zu, die Mitarbeiter von Krisendienst laufen der Notfallmedizin die Türe ein. Meine Frau berichtet fast drei vier mal in der Woche von irgendwelche „Filmreifen“ Zwangseinweisungen, Katatonen Patienten, Polizeibewachung und und und ...

    Und die Gesellschaft schreit nach Kontrolle und Verwahrung potenziell gefährlicher Geisteskranker. Worum geht es in Zukunft? Restriktive Maßnahmen ohne therapeutischen Anspruch? Nicht mit uns. Wir Menschen, besonders aus der Pflege kommend sollten uns einmal Gedanken machen warum wir diesen Job eigentlich tun.
    Für viele der alten Kollegen ist nur noch krank wer Pankreas oder Bronchialkarzinom hat, den vierten Bypass erhält – und alle anderen werden belächelt.

    Wenn ich Schriftsteller wäre, würde ich ein Buch über Psychopathie der Politiker und die Psychopathologie der Reichen und Geschellschaftsmenschen schreiben. Psychiatrische Patienten sind wir allesamt. Und was sind die psychologischen Theorien? Das meiste blödes Gefasel, produziert von weißen Männern in der westlichen Welt, nach Laborversuchen mit weißen Rattenmännchen. Eine Theorie ist nur eine verdammte Verallgemeinerung der Wirklichkeit. Aber welcher Wirklichkeit? Meiner Wirklichkeit? Deiner? Psychiater und Psychologen haben keine Wahrheiten gepachtet – und so sollten sie auch arbeiten. Sie kennen Theorien. Also nur eine Deutung. Und vielleicht mag ich nicht mehr an ihre Theorien glauben wenn sie nun Marionetten der Wohlständler werden.

    Entschuldigt meine zusammenhangloses Gerede. Aber es musste einfach mal hinaus in die Welt gepustet werden ...

    Schon vor Wochen lag die Geschichte der kranken Ärztin in der Luft, sie wird wieder und wieder erzählt - abschrekendes Beispiel? Nein - es soll auch aufzeigen das es Menschen gibt die "wirklich" krank sind. Ich glaube das heute schon viele 12 und 13jährige Mädchen und Jungs sich gerne das "Deckmäntelchen" namens Boderderline umhängen, versteht mich nicht falsch aber ich glaube nicht das so viele wirklich Psychotisch sind in unserer Gesellschaft. Borderline ist doch keine Volkskrankheit oder? Warum gibt es denn mindestens 100 B-Foren mit fast überall 6 - 10.000 Membern? Können die alle Borderlin erkrankt sein?


    John



    Re: Grenzlinie

    Schattenwind - 24.07.2005, 17:53


    Zitat: Borderline ist doch keine Volkskrankheit oder? Warum gibt es denn mindestens 100 B-Foren mit fast überall 6 - 10.000 Membern? Können die alle Borderlin erkrankt sein?


    Wahrscheinlich nicht. Aber jeder dieser Member wird einen Grund haben, sich dort anzumelden. Vielleicht ist es wirklich bei vielen nur das "Deckmäntelchen", aber auch das zieht sich niemand mal eben so zum Spaß über. Mir fällt ein Vergleich mit Selbstmordversuchen ein, die nicht darauf abzielen, sich zu töten. Hilfeschreie. Ich habe mal von einem Mädchen gelesen, dass ich sie Arme aufritzte, um "beweisen" zu können, dass sie Borderline hat. Auch das ist krank.
    Der Name ist anders, vielleicht, die Diagnose, aber ... scheiße ist das trotzdem.

    Liebe Grüße
    Tamara



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