Fallbeispiel (fragl. Beinvenenthrombose)

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    Re: Fallbeispiel (fragl. Beinvenenthrombose)

    Medic - 18.11.2005, 09:29

    Fallbeispiel (fragl. Beinvenenthrombose)
    Ich präsentiere wieder mal einen Routine-Fall, und hätte gern gewusst, wie eure Vorgangsweise ausgesehen hätte.

    RTW-Berufung in den Abendstunden. Patientin mit vermutlicher Beinvenenthrombose. (Ihre Schwiegertochter ist Ärztin und hat, als sie telefonisch von den Symptomen erfahren hatte, sofort zum Rettungsdienstruf geraten – eben auf Grund des Verdachts.)

    Anfahrtszeit mit Sondersignal: < 5 Minuten.

    Am BO: Patientin sitzt auf der Küchenbank, beide Beine auf einem Sessel hochgelagert und berichtet über folgende Beschwerden: sie habe einen Ausflug per Autobus unternommen, als ihr rechter Unterschenkel zu schmerzen begann. Diese Schmerzen zogen sich aufwärts, verbunden mit einem sehr unangenehmen Wärmegefühl. Weiterhin sei ihr schwindlig.

    Ich erkundige mich, ob die Patientin lange Zeit gesessen wäre – hat sie negiert, die Busfahrt wäre nur etwa ½ Stunde lang gewesen.
    An Medikation nennt sie mir: Marcoumar, Digimerck, einen ACE-Hemmer und ein weiteres Präparat, das ich zwar nicht kannte, aber auf eine positiv inotrope Substanz schließen ließ. Vorerkrankung: VHFL.

    Bei der Untersuchung des Beins fällt adhoc nichts Spezielles auf – normales Hautkolorit, periphere Pulse gut palpabel. Varicen sind vorhanden.

    Die Patientin macht mehrfach Anstalten, aufzustehen, wovon wir sie abhalten. Wir bereiten die Trage vor und bringen sie hinaus zum RTW, um dort alle weiteren Maßnahmen durchzuführen und auch das Bein nochmals eingehend anzusehen (die Lichtverhältnisse im RTW waren besser als die in der Küche *g*).

    Um auch die internistische Vorerkrankung nicht ganz aus den Augen zu verlieren, schreiben wir ein Rhythmus-EKG (das VHFL sowie eine Arrhythmie zeigen sich deutlich). Der Blutdruck liegt bei 200/100 mmHg. Herzfrequenz: ~ 90/min.

    Die Thrombose bestätigt sich unserer Einschätzung nach – auf Grund fehlender, typischer Anzeichen – nicht eindeutig, so dass wir differenzialdiagnostisch eher in Richtung Venenentzündung oder Neuralgie denken. Der Blutdruck stellt für uns jedoch sehr wohl Handlungsbedarf dar (insbesondere bei einer cardial vorbelasteten Patientin!), so dass wir – selbstverständlich NACH Anlage eines Venenzugangs, den wir mit langsam tropfendem RL offen halten – einen Hub Nitrolingual s.l. verabreichen (NFK-Liste sei „Dank“, pesönlich halte ich weniger von „Drucksenkung per Nitro“, aber was soll’s). Parallel erfolgt die Rücksprache via Telefon mit dem Notarzt, den wir über das Notfallbild und die Maßnahmen informieren.

    Unter engmaschigem Monitoring geht es dann per RTW in die ca. 30 Fahrminuten entfernte Klinik. Rasch senkt sich der Blutdruck auf einen für uns sehr akzeptablen systolischen Wert von 160 und bleibt dort stabil. Die Herzfrequenz sinkt auf ~ 60, die Patientin fühlt sich auch subjektiv besser.

    Kritik, andere Ideen, sonstige Kommentare? Hättet ihr anders gehandelt – und falls ja, weshalb?



    Re: Fallbeispiel (fragl. Beinvenenthrombose)

    Rettungsteufelchen - 22.11.2005, 10:41


    Guten Morgen :-)

    Ich hätt auch nicht anders als Gerald gehandelt.

    Nitro-Spray kenn ich jetz nur von Pat. mit Angina Pectoris her.
    Aber ich glaube der Patientin in deinem Fall hat von der AP-Sache her nix gefehlt.

    Welche Diagnose wurde im KH festgestellt, ist dir da schon was bekannt?

    Gruß Alexandra



    Re: Fallbeispiel (fragl. Beinvenenthrombose)

    woody - 22.11.2005, 11:22


    Also indem wir als RS beim RK keinen Nitro-Spray geben dürfen, hätte ich nur die Möglichkeit gehabt den NA nachzufordern und einstweilen wie folgt zu handeln:

    - Beine hochlagern
    - RR Messung
    - Puls-Messung mittels Finger ;o)
    - O2-Gabe 6-8 Liter
    - Händchenhalten und auf NA warten



    Re: Fallbeispiel (fragl. Beinvenenthrombose)

    LostAngel - 22.11.2005, 15:35


    irgendwie überseh ich in letzter Zeit alle Threads :lol:

    Tja, wie woody schon gsagt hat, Nitro-Spray dürf ma ja ned geben... also bleiben nur die "Standardsachen", wie richtige Lagerung, Überwachung, O2-Gabe, psych. Betreuung. Und natürlich auf den NA warten (in der Hoffnung dass er Schneeketten mitführt, sonst kommt er im Moment ned bis zum Patienten *g*)

    Apropos "Dürf-ma ned geben" - wir hatten letztens eine Fortbildung mit einem Kinderarzt, der war total entsetzt, dass wir ned mal BZ messen oder Zapferl geben dürfen :evil:



    Re: Fallbeispiel (fragl. Beinvenenthrombose)

    Medic - 23.11.2005, 06:51


    Rettungsteufelchen hat folgendes geschrieben: Guten Morgen :-)
    Nitro-Spray kenn ich jetz nur von Pat. mit Angina Pectoris her.
    Aber ich glaube der Patientin in deinem Fall hat von der AP-Sache her nix gefehlt.

    Stimmt. Die "Indikation" Blutdrucksenkung hat Nitrolingual nicht, es ist Vielmehr das bewusste Ausnützen einer Nebenwirkung. Das kritisiere ich zwar nach wie vor, in den Arzneimittellisten ist aber nur dieses Präparat explizit zur Blutdrucksenkung freigegeben. Mit Ebrantil wird ja wohl kein Sanitäter zu jonglieren beginnen ...

    Über den Verlauf ist nichts weiteres bekannt.



    Re: Fallbeispiel (fragl. Beinvenenthrombose)

    farkarich - 25.11.2005, 00:05

    warum immer Medikamente
    Hi, ich meld mich auch wieder mal zu Wort....

    Ich verstehe nicht, oder will auch ned verstehen warum immer die Sanis Medikamente geben woll/sollen???

    Ich denke mir da immer, Schuster bleib bei deinen Leisten (glaub das Sprichwort geht so)

    Sauerstoff find ich noch total ok, dan kannst ned wirklich viel falsch machen, aber bitte überlassen wir den Rest den Ärzten, der hat studiert und kennt sich aus.....

    Ich denke mir die Zeit bis der NA kommt, wenn er gebraucht wird, können wir auch mit der "normalen" SanHilfe überbrücken, und müssen ned den Patienten noch ev. (hoffe ich zumindest) schaden zu fügen.

    Ich glaube zwar schon dass es sicher fähige lange erfahrene Leute hier gibt die dürchaus das wissen haben Medikamente zu verabreichen, aber ich bin hier für eine sehr, sehr strikte Abgrenzung weil es gibt auch viele "2 mal im Monat dienst machen und meinen sie sind selber Primar" Sanis die damit sicher Schaden anrichten würden.....

    Und wenn mach die SanHilfe gut beherscht kann man auch schon mal viel erreichen, aber leider glaub ich nicht dass alle leute das gut können (zumindest auf unserer Bezirkstelle gibts da einige...)

    Ich hoffe ich hab niemanden beleidigt, aber hab mir gedacht ich muss das mal los werden



    Re: Fallbeispiel (fragl. Beinvenenthrombose)

    Medic - 25.11.2005, 14:31


    Hallo farkarich,

    du sprichst natürlich einige wesentliche Aspekte an.

    Zitat: Ich verstehe nicht, oder will auch ned verstehen warum immer die Sanis Medikamente geben woll/sollen???

    Ich denke mir da immer, Schuster bleib bei deinen Leisten (glaub das Sprichwort geht so)
    Weil nicht alle Notfallbilder durch bloße Basismaßnahmen zu beherrschen sind. Weshalb soll ein Patient unnötig lange zuwarten müssen, bis er die erforderliche Ersttherapie erhält? Mit einer ordentlich durchdachten Liste an Arzneimitteln kann auch ein Sanitäter – entsprechende Schulung vorausgesetzt, aber das sollte sich sowieso von selbst verstehen! – gut und zielführend umgehen. Es geht bei der Anwendung erweiterter Kompetenzen schließlich nicht um den Sanitäter, sondern den Patienten. Mal ehrlich – was hat ein Sanitäter davon, wenn er Medikamente gibt oder Venen punktiert? Nix. Er kriegt dafür nicht mehr oder weniger bezahlt, er sammelt keine Treuebonuspunkte wie im Supermarkt, er kann einzig und allein dem Patienten zielgerichtet helfen, wenn dies nötig ist.

    Zitat: Sauerstoff find ich noch total ok, dan kannst ned wirklich viel falsch machen, aber bitte überlassen wir den Rest den Ärzten, der hat studiert und kennt sich aus.....
    Irrtum. Auch mit Sauerstoff kann man so einiges anrichten. Natürlich wesentlich weniger als mit Medikamenten, aber das ist der Punkt: die Ausbildung dahinter. Ich stimme dir zu: mit 100 h Theorie würde ich mich auch weigern, mehr als Sauerstoff zur Anwendung zu bringen.

    Zitat: Ich denke mir die Zeit bis der NA kommt, wenn er gebraucht wird, können wir auch mit der "normalen" SanHilfe überbrücken, und müssen ned den Patienten noch ev. (hoffe ich zumindest) schaden zu fügen.
    Da werden IMHO Äpfel mit Birnen verglichen. Du tust so, als würden erweiterte Maßnahmen grundsätzlich Schaden anrichten, und der BLS nie. Das hinkt. Auch mit einfachsten Maßnahmen kann man mehr Schaden anrichten als einem lieb ist. Und was ist „die Zeit, bis der NA kommt“? Wie schnell kommt der? Ja, in der Großstadt vielleicht binnen 10 Minuten. Ich kenn’s aber auch anders.

    Zitat: Ich glaube zwar schon dass es sicher fähige lange erfahrene Leute hier gibt die dürchaus das wissen haben Medikamente zu verabreichen, aber ich bin hier für eine sehr, sehr strikte Abgrenzung weil es gibt auch viele "2 mal im Monat dienst machen und meinen sie sind selber Primar" Sanis die damit sicher Schaden anrichten würden.....
    Absolut d’accord. Wir haben hier einen Systemfehler; ich finde es einfach verantwortungslos, einen so sensiblen Bereich an Leute abzutreten, die sich alle heiligen Zeiten mal auf ein Rettungsauto verirren. Andererseits ist es auch irgendwie eine Sauerei, sich lachend anzuschauen, wie ein System durch Zivildiener oder einige sehr engagierte Ehrenamtliche mit 2-3 Dienten pro Woche quasi zum Spottpreis am Leben erhalten wird. Wir reden hier ja nicht über einen Kegelverein, sondern über Notfallrettung! Und die gehört in die Hände von professionellen Kräften, und „Professionalität“ ist hier auch mit einem nicht unerheblichen Anteil an Routine verbunden.

    Zitat: Und wenn mach die SanHilfe gut beherscht kann man auch schon mal viel erreichen, aber leider glaub ich nicht dass alle leute das gut können (zumindest auf unserer Bezirkstelle gibts da einige...)
    Dagegen hilft nur eins: runter mit solchen Leuten vom Auto.



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