Versuch 1

Had Fun?
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    Re: Versuch 1

    blacky - 05.10.2005, 20:09

    Versuch 1
    Ein langer Weg

    „Was soll das? Warum tust du mir das an? Ich tue doch alles für euch!“, rief Tamara.
    „Du tust alles für uns? Das ich nicht lache! Seit Vaters tot bist du ein einziges Wrack! Das wenige Geld das du bei Tim in der Bar verdienst, wirfst du für deine Drogen raus!“, entgegnete Dan erzürnt.
    „Ich werfe gar nichts raus! Du könntest auch mal anfangen Geld zu verdienen, du bist immerhin 17! Du hilfst ja eh nicht im Haus!“
    „Bitte? Ist dein Gehirn schon explodiert? Alex und ich sind die einzigen, die im Haus etwas machen. Arbeiten tu ich auch, so als Info. Da verdiene ich bestimmt mehr als du!“
    „Ach verschwinde und nimm deinen Bruder gleich mit!“
    „Ja ja, wie immer, wenn dir nichts mehr einfällt, müssen wir abhauen!“
    Dan verließ die Küche und ging in sein Zimmer. Sein Bruder erwartete ihn bereits.
    „Hey Alex, was machst du denn hier?“, fragte Dan ironisch.
    „Ich wohne in diesem Zimmer und du?“, gab Alex scherzend zurück
    „Das weißt du doch. Na, schon fertig mit Hausaufgaben?“
    Klar Dan, was denkst du denn? Was hat die Alte denn jetzt schon wieder gehabt?“
    „Ach die… Ich hab meiner Lehrerin einen Streich gespielt, die hat natürlich gleich hier angerufen. Na ja, sie meinte dann unsere Alte vollheulen zu müssen. Was dabei rauskommt hast du ja gehört.“
    „Uhh, ein Streich. Wie böse… Ach, die ticken doch nicht mehr ganz richtig. Was machst du jetzt? Ich treffe’ mich gleich mit ein paar Kumpels.“
    „Heute ist Donnerstag oder?“
    „Jep!“
    „Muss arbeiten. Immerhin ist heute schönes Wetter. Kannst mir ja mal nen Besuch abstatten. Ich lade euch dann im Café auf ne Cola ein.“
    „Klar kommen wir. Danke fürs Angebot. Wann musst du denn los?“
    „Um 16 Uhr…“, schaut auf die Uhr, “Das ist ja erst in einer Stunde.“
    „Jep, sag mal, kann ich kurz mit dir reden?“
    „Klar Bruderherz, was bedrückt dich?“
    „Du sollst mich doch nicht Bruderherz nennen!“
    „Geht klar Bruderherz“, Dan lächelt Alex entgegen, der boxt ihm gegen die Schulter und fängt an zu sprechen.
    „Also es geht um Carina, du weißt wen ich meine oder?“
    „Nein, also du hast mir ja auch nicht nur10000-mal von ihr erzählt.“
    „Och Menno, das stimmt nicht, das war erst das 1000ste Mal.“
    „Hehe, ja klar, na dann schieß mal los.“
    „Also, wie du weißt finde ich sie sehr süß und wäre gerne mit ihr zusammen.“
    „Und wo liegt das Problem?“
    „Ich bin doch so schüchtern und weiß nicht, wie ich sie ansprechen soll.“
    „Ach Alex, das ist doch nicht so schwer! Geh einfach zu ihr hin und lad sie ins Café ein.“
    „Das sagst du so einfach…“
    „Das ist so einfach! Hey Kleiner, das klappt schon. Kennst du denn Leute aus ihrem Bekanntenkreis?“
    „Nein, das ist auch das Problem! Ich weiß nicht wie ich an sie rankommen soll.“
    „Einfach hingehen! Zähl einfach bis 10 und dann los! Denk nicht was schief gehen könnte, sonst gehst du doch nicht hin und das wäre doch schade. Die Kleine passt echt zu dir.“
    „Danke Dan, ich werde es mir merken.“
    „Besser ist das. Man, schon so spät? Ich muss mich jetzt beeilen. Du kommst dann später nach, okay?“
    „Ja klar, ich geh dann jetzt auch. Bis dann.“
    „Klar Bruderherz!“

    So verließen die beiden Brüder die Wohnung und trennten ihre Wege. Ihre Mutter saß noch immer in der Küche, die Spritze in der Hand um sich einen „Schuss“ zu setzen. High wie sie war, nahm sie sich eine Zeitschrift und las darin. So war es immer, sie saß in der Wohnung und kümmerte sich um nichts.
    Alex ging die Straße entlang und pfiff leise ein Lied. Es war ein schöner Tag, die Sonne schien und es war angenehm warm. Er ging zu seinem Kumpel Phil, danach wollten die beiden zu Jim. Jim hatte eine neue Spielkonsole und mit der wollten sie ein bisschen spielen. Es würde mal wieder lustig werden, immer wenn die drei zusammen waren, hatten sie richtig Spaß. Alex war sowieso nur selten zu Hause, er ging sooft er konnte zu Kumpels oder ins Café, wo sein Bruder arbeitete. Für Alex war das aber alles nicht so schlimm. Er stritt selten mit seiner Mutter, das war immer nur Dan, weil Tamara nur ihn für verzogen und verdorben hielt. Alex brauchte sich auch nicht allzu viel im Haus kümmern. Da war es schon schwerer für Dan. Er musste hart arbeiten, sowohl im Haus, als auch in der Schule und auf Arbeit. Dan setzte alles daran einen guten Schulabschluss zu schaffen.
    Er kam einige Minuten nach 16 Uhr an, Juliette war schon da und wartete auf ihn. Dan blickte sich im Café „Splash“ um. Es waren nicht sehr viele Menschen da. Nur draußen saß ein junges Paar, das sich den „Liebeseisbecher“ für zwei Personen teilte. Juliette lächelte Dan zu und ihre freundlichen, grünen Augen strahlten ihn an.
    „Was strahlst du so?“, fragte Dan nachdem sie sich mit einem Kuss begrüßt hatten.
    „Och, nur so. Heute ist so schönes Wetter! Wie geht es Alex?“
    „Allerdings, schön warm! Ich denke mal wir werden heute viel zu tun bekommen. Alex? Ich denke das kannst du ihn nachher selbst fragen.“, Dan lächelte, er hatte das Gefühl, dass sich Juliette seinen kleinen Bruder sehr mochte.
    „Echt?“, Juli schien überglücklich zu sein.
    „Jep. Ah, da kommt Kundschaft, dann mach dich mal ans Werk.“
    „Super, dann komme ich mal dazu, mich mit ihm zu unterhalten. Okay, ich geh bedienen. Könntest du noch das restliche Eis aus dem Kühlfach holen?“
    „Klar, mach ich!“
    Juli ging zu den Gästen und fragte was sie gerne hätten, während sich Dan auf den Weg zum Kühlfach machte.

    Alex klingelte an der Tür und Phil kam wenige Sekunden später um aufzumachen.
    „Na Alter, kommst du noch kurz rein?“, fragte Phil.
    „Klar, was gibt’s denn?“
    „Ich muss mir noch was anderes anziehen.“
    „Wieso das?“
    „Auf dem Pulli ist ein Fleck.“
    „Ja, dann beeil dich! Wir wollen noch zu Jim und dann ins Splash.“
    „Ins Splash? Ich habe gar kein Geld. Ich beeil mich ja. Okay, können wir los?“
    „Stell dich nicht so an, Dan gibt einen aus.“
    „Na, das ist doch gut.“
    „Jetzt komm!“
    „Ja ja, komme ja.“

    So gingen die beiden los und kamen fünf Minuten später bei Jim an. Wieder klingelte Alex und Jims Mutter machte auf. Sie ließ die beiden rein und sie liefen nach oben in Jims Zimmer.
    „Hey Jim, wie geht’s?“
    „Prächtig, prächtig! Und euch beiden?“
    „Ganz gut.“, meinte Phil.
    „Jo, kann mich nicht beklagen.“, sagte Alex.
    „Jetzt mach die Konsole an, ich will spielen!“, meckerte Alex.

    So verbrachten die Drei, an der Konsole sitzend, die nächsten Stunden. Da kam Jims Mutter rein und meinte:“ Wollt ihr nicht mal raus gehen? Ist doch so schönes Wetter!“
    „Hast Recht Mama, wir sind schon weg.“
    „Okay, dann auf ins Splash, Dan gibt einen aus!“
    Alex, Phil und Jim gingen aus dem Haus und gingen in Richtung Café. Auf dem Weg machte Phil eine Entdeckung.
    „Hey Alex, schau mal da drüben.“
    „Oh, da ist ja Carina, man, was soll ich jetzt machen?“
    „Zu ihr hingehen und mit ihr reden!“ meinte Jim spöttisch.
    „Das ist vielleicht einfach für dich, aber ich trau mich halt nicht.“
    „Dann wink ihr zu!“
    „Ja okay.“, meinte Alex und rief Carina zu, damit sie ihn sah und schwenkte mit der Hand in ihre Richtung. Sie machte das Selbe und schien sich sehr zu freuen, jedoch bemerkte Alex das nicht, da er sich schnell umdrehte.
    „Hey Alex, schau mal, sie freut sich“, sagte Jim lächelnd.
    „Das sagst du doch nur so!“
    „Na dann schau doch hin“ grinste Phil. Doch Alex war zu langsam, als er sich umdrehte, war Carina schon mit ihren Freundinnen weitergegangen.
    „Das war zu langsam Alex.“
    „Ja ja, ich weiß. Kommt jetzt, ich will heute noch ins Splash.“
    Sie gingen weiter, Alex drehte sich noch einmal um und schaute Carina hinterher. Einige Minuten später kamen sie dann an, wo Dan sie auch gleich begrüßte.
    „Hey Leute! Na, habt ihr es auch schon geschafft?“
    „Hat ein bisschen gedauert, wir hatten einen kleinen Zwischenfall.“, lächelte Alex.
    „Ja, der Zwischenfall war vorhin mit ihren Freundinnen hier.“, erwiderte Dan grinsend.

    Die Vier mussten lachen.
    „Hey Juli wie geht’s?“, fragte Alex, ging auf sie zu und begrüßte sie mit einem Wangenkuss. Sie errötete leicht.
    „Oh, hallo Alex, mir geht’s gut und dir?“
    „Bestens!“
    „Das freut mich!“, sie lächelte verlegen.
    Alex war schon aufgefallen, dass Juli ihn wahrscheinlich mochte. Er hatte sich gefragt, ob er nicht mal was mit ihr machen sollte, doch kam er immer wieder zu dem Schluss, dass er lieber versuchen will, an Carina ranzukommen. Sie ist immerhin diejenige, die er mag. Juli war einfach nur eine gute Freundin.
    „Na Jungs, nur steht hier nicht so rum, setzt euch und dann gibt’s auch ne Cola für euch.“ Dan warf Alex aus seinen Gedanken und Alex sagte: „Machen wir doch sofort. Gibt es auch Eis für uns?“
    „Gegen Geld gibt’s auch Eis. Habt ihr Geld?“, fragt Dan spöttisch.
    „Mm…ja, okay habe wir.“
    „Na dann, was hätten die Herrn denn gerne?“
    „Was haben die dahinten?“
    „Das mein Bruder, ist unser Kassenschlager! Der Liebeseisbecher für zwei Personen.“
    „Klingt gut, den nehmen wir zusammen oder?“, Alex grinste.
    „Bruderherz, du überraschst mich immer wieder aufs Neue.“
    Wieder mussten sie lachen.
    Juli winkte Dan zu sich.
    „Du Dan, kannst du mal Alex fragen, ob er was mit mir machen will?“
    „Warum fragst du ihn nicht selber?“
    „Och man, das weißt du doch.“
    „Okay, ich mach’s, dann hab ich aber einen gut bei dir!“
    „Ja klar, kein Ding.“

    Langsam wurde es sehr voll und die beiden mussten bedienen gehen.
    Als es gegen 20 Uhr so langsam dunkel wurde, verließ Dan das Café. Alex war schon vor einer Stunde gegangen. Er wollte mit den Anderen noch ein bisschen an der Konsole spielen. Dan freute sich auf den 18ten Geburtstag, es waren nur noch zwei Monate, dann würde er endlich abhauen. Er hatte keinen Bock mehr auf seine Mutter, er hasste sie! Sie schadete ihnen mehr, als sie Alex und ihm nützte. Er wollte sich eine Wohnung mieten und da mit Alex einziehen. Endlich ein neues Leben anfangen, dann könnte er sich auf seinen Job und vor allem um die Schule kümmern. Dan wollte unbedingt studieren um einen vernünftigen Beruf zu bekommen und dafür brauchte er einen guten Abschluss. Bei all dem Stress den er hatte, blieb keine Zeit für eine Freundin, obwohl er sich manchmal wünschte, dass er eine hätte. In Gedanken versunken schlenderte er nach Hause. Doch dann fiel ihm ein Mädchen auf, er schätzte sie auf 16-19. Sie hatte lange blonde Haare, war schlank und hatte Augen zum verlieben. Ihr Gesicht war einfach fantastisch. Ihm fiel auf, dass er sie anglotzte und schaute schnell weg. Noch einen Blick warf er ihr zu und genau dann schaute sie ihn an. Ihre Blicke kreuzten sich, verlegen schauten beide weg.
    Dan ging weiter und nach kurzer Zeit kam er zu Hause an. Leise ging er ins Zimmer doch Alex hatte ihn wohl gehört, kurze Zeit später kam er rein.
    „Na Dan, wie war’s noch im Café?“
    „Ach, viel los. Es war heute ja so geiles Wetter.“
    „Hast du viel Trinkgeld bekommen?“
    „Ja, doch. Wieso? Möchtest du was haben?“
    „Och nö, eigentlich nicht.“
    „Alex, du weißt doch genau, dass du immer fragen kannst, wenn du etwas haben möchtest. Solange es mein Budget nicht sprengt ist das in Ordnung!“
    „Okay, darf ich einen CD-Spieler haben?“
    „Na klar, die sind ja nicht mehr so teuer.“
    „Cool, danke Dan!“
    „Kein Problem, dafür bin ich ja da.“, er lächelte seinen Bruder entgegen.
    Dieser lief aus dem Zimmer. Dan war wieder alleine und das kam ihm ganz gelegen, denn er musste noch Hausaufgaben machen und hatte noch viel zu lernen. So verbrachte Dan den ganzen Abend damit, in Büchern zu lesen und sich Notizen zu machen.
    Nach kurzer Zeit schlief er jedoch ein und wurde am nächsten Morgen erst durch Alex geweckt.
    „Dan, aufwachen! Wir müssen gleich in die Schule. Steh auf!“
    „Oh man, ich habe die ganze Nacht gelernt. Ich bin so müde…Na ja, bald bin ich 18 und dann können wir abhauen und ein besseres Leben anfangen, dann raubt mir die Hexe nicht immer meine Kraft! Komm Alex, wir gehen.“
    Zusammen verliefen sie das Haus und gingen zur Schule, die nur wenige Meter entfernt lag. Sie gingen zu ihren Klassen, aber Dan war überhaupt nicht glücklich. Er hatte eine leise Vorahnung, dass Frau Pach sich dafür rächen würde, was er gestern gemacht hat, nämlich ihr einen Streich spielen.
    „Guten Morgen Klasse!“
    „Guten Morgen Frau Pach!“
    „Dan komm doch mal bitte nach vorne an die Tafel.“
    „Hab ich’s mir doch gedacht.“, murmelte Dan.
    „Was war das?“
    „Ach nichts…Was soll ich jetzt machen?“
    Sie erklärte ihm, dass er mehrere Wörter konjugieren sollte. Da er gelernt hatte, war das einfach für ihn. Als er fertig war, durfte Dan auf seinen Platz und dort döste er vor sich hin.
    Nach fünf langweiligen Schulstunden hatte Dan auch diesen Tag überstanden und konnte die Schule verlassen. Langsam und in Gedanken versunken ging er nach Hause. Er dachte an das Mädchen vom Vortag und fragte sich, wann er sie wieder sehen würde. Umso erstaunter war Dan, als sie mit mehreren Einkaufstüten unter den Armen sah, wie sie versuchte die Tür zum Wohnungsgebäude aufzuschließen. Schnell lief er zu ihr und öffnete die Tür, danach nahm er ihr zwei der vielen Tüten ab. Woraufhin sie ein Gespräch begann.
    „Vielen Dank! Die Tüten sind so verdammt schwer.“
    „Kein Problem, hab ich doch gerne gemacht. Sag mal, das klingt vielleicht blöd, aber wohnst du hier schon länger? Ich habe dich gestern das erste Mal gesehen.“
    „Nein, ich wohne hier erst seit ein paar Tagen. Aber lass uns hochgehen, ich bekomme sonst noch einen Krampf im Bein“, meinte sich lachend.
    „Oh, entschuldige. Na klar, lass uns gehen, willst du mir noch eine Tüte abgeben?“
    „Nein, geht schon.“
    „Wo hast du denn vorher gewohnt?“
    „In Arele, die Stadt kennst du oder? Ist ziemlich weit weg von hier, aber immer noch auf Tarim.“
    „Arele ist doch ganz im Westen richtig? Wie heißt du eigentlich?“
    „Lea und du? Im Westen ist richtig.“
    „Dan.“, antwortete er schnaufend. Lea wohnte ganz oben, Dan hingegen im zweiten Geschoss und war deshalb die vielen Treppen nicht gewöhnt. Jedoch war es nicht mehr weit, nur noch eine Treppe.
    „So, wir sind da. Danke fürs Tragen, war echt nett von dir!“
    „Puh, ganz schön weit oben wohnst du. Hab dir doch gerne geholfen! Ach ja, wenn du mal einen Kaffee trinken willst, dann komm mal ins Splash.“, Dan gab ihr die Visitenkarte des Splash, “ Dort arbeite ich, meistens bin ich ab 16Uhr da. Also, wenn du Lust hast, dann komm einfach mal vorbei!“
    „Mach ich doch glatt, aber erstmal meine ganzen Einkäufe einsortieren. Bis später.“
    „Tschüss.“
    Sie verabschiedeten sich und Dan ging freudestrahlend nach unten in seine Wohnung. Er schaute sich um und sah keine Spur von Tamara, was ihn aber nicht traurig stimmte. Alex war auch nicht da und so ging er in sein Zimmer, packte einige Schulsachen ein, die er noch lernen und machen musste, danach verließ er das Haus und ging in zum Park. Er setzt sich auf das kühle Gras, legte sich hin und streckte Arme und Beine in alle Himmelsrichtungen. Dan träumte ein wenig vor sich hin bis ihm einfiel, dass er lernen wollte. Also fing er an und studierte seine Bücher, Hefte, Notizen und Arbeitszettel. Nach einer ganzen Weile schaute er auf die Uhr, es war schon fünf Minuten vor 16 Uhr. Dan packte alles zusammen und lief zum Splash, das nicht weit entfernt war.
    Juliette wartete schon auf ihn und strahlte ihn an, als wäre ihr etwas Tolles passiert.
    „Warum strahlst du so?“
    „Weil ich hoffe, dass du Alex gefragt hast, das hast du doch oder?“
    „Gefragt? Weswegen und was denn?“
    „Och Dan, das ist nicht dein Ernst. Mit deinen 17 Jahren solltest du eigentlich nicht unter Gedächtnisschwund leiden. Ich habe dich gebeten, Alex mal zu fragen, ob er mal was mit mir macht.“
    „Ach das, hab ich vergessen, mache ich aber sobald ich ihn sehe, okay?“
    „Na okay, wehe wenn nicht, dann hau ich dich.“
    Dan musste lachen, spöttisch antwortete er: „Du kannst ihn auch selber fragen.“
    „Das ist jetzt aber gemein, du weißt doch, dass ich mich das nicht traue.“
    „Ich mache es ja, aber trotz der Tatsache, dass er mein kleiner Bruder ist, habe ich ihn jetzt nicht zur Hand.“
    „Haha, echt lustig.“, Juli streckte Dan die Zunge raus.

    Sie hörten auf zu reden und spülten das Geschirr ab. Wenig später kam Lea ins Splash und schaute Dan fragend an.

    „Du Juli, kannst du mal kurz für mich übernehmen?“
    „Muss das sein?“
    „Wenn du so fragst, ja, es muss. Danke.“

    „Hey Lea, wie geht’s dir?“
    „Ganz gut und dir?“
    „Bestens! Komm, nimm platz, was möchtest du trinken?“
    „Ein Wasser wäre toll.“
    „Kommt sofort.“
    Dan lief zur Theke und kam schnell wieder.
    „Bitteschön. Wenn ich fragen darf, wieso bist du nach Jeila gekommen?“
    „Oh, das ist eine lange Geschichte und ich will dich damit nicht belästigen.“
    „Tust du bestimmt nicht.“
    „Na ja, es ist so, dass mein Vater ein Säufer ist. Er hat den ganzen Tag meine Mutter und mich tyrannisiert. Ständig hat er uns geschlagen. Meine Mutter ist schnell abgehauen und hat meine 12-jährige Schwester Sophie mitgenommen, mich haben sie einfach bei meinem Vater gelassen, nach zwei Tagen wurde mir das zu viel. Ich habe mir eine Wohnung in Jeila gesucht und wollte so weit weg wie mein Geld es möglich machte. Jetzt bin ich hier und mal schauen was so kommt.“
    „Oh, das ist hart, bei mir ist das so ähnlich. Mein Vater ist vor mehr als einem Jahr bei einem Autounfall gestorben. Das war hart für uns alle. Meine Mutter ist Drogenabhängig geworden und lebt schon gar nicht mehr auf diesem Planteten. Ich muss jetzt den Haushalt machen, Geld verdienen und mich um meinen Bruder kümmern. Bald bin ich aber 18, dann kann ich endlich die Wohnung verlassen und mit Alex umziehen. Wir werden wahrscheinlich hier bleiben, aber eben in eine andere Wohnung ziehen. Hast du schon etwas gefunden um Geld zu verdienen?“
    „Nein.“
    „Vielleicht kannst du hier arbeiten, ich könnte die Chefin mal fragen. Bin mir aber nicht sicher, da wir schon drei Leute sind. Wenn mich aber nicht alles täuscht, geht bald der eine und du könntest für ihn einspringen.“
    „Das wäre super! Sag mal, was willst du später mal machen?“
    „Hm, gute Frage. Ich bin mir noch nicht sicher, ein Restaurant wäre toll. Aber eigentlich weiß ich es überhaupt nicht. Ich will erstmal einen guten Schulabschluss machen, dann sehe ich weiter. Was willst du machen?“
    „Zeichnerin wäre mein Traumberuf, ich zeichne total gerne und habe schon ein paar Comics versucht zu zeichnen.“
    „Wow, du zeichnest? Finde ich toll, ich habe nicht das Talent dafür. Hast du ein paar Zeichnungen da?“
    „Nein, aber Stift und Papier, ich werde gleich noch ein bisschen arbeiten.“
    „Okay, mist, so langsam wird das echt voll. Ich sollte mal Juliette unter die Arme greifen.“

    Dan wollte grade aufstehen, da kam Alex in das Café.
    „Hey Dan!“
    „Oh Alex, was machst du denn hier?“
    „Ich wollte einen Liebeseisbecher für mich alleine.“, er lachte.
    „Ach so ist das. Na dann komm mal rein. Alex, das ist Lea. Lea, das ist Alex, mein kleiner Bruder.“
    „Na so klein bin ich auch nicht.“
    „Ja, ich weiß, so meinte ich das auch nicht.“
    „Hallo Alex, wie geht’s?“, fragte ihn Lea.
    „Ganz gut, Schule war langweilig, aber das kennst du bestimmt.“
    „Allerdings.“
    „So, ich muss dann Juli helfen, entschuldigt mich.“
    „Macht nichts, wir sehen uns später.“, sagte Lea.
    „Und ich geh mal Juli auf die nerven“, meinte Alex.
    So ließen die Brüder Lea am Tisch zurück, diese holte ihre Materialien hervor und begann an ihrem Comic zu arbeiten. Dan wusch ab und bediente die Leute, während Alex mit Juliette sprach.
    „Hallo Juli, wie geht es dir?“
    „Oh Alex, Hi. Mir geht’s total gut.“, sie grinste von einem Ohr zum anderen.
    „Wollen wir eigentlich mal zusammen irgendwohin? Kino, Park oder wo auch immer du mal hin möchtest?“
    „Gerne! Ich hätte heute Zeit.“
    „Mist, ich nicht. Muss noch ziemlich viel für die Schule machen. Geht Morgen?“
    „Das geht auch. Also bis Morgen!“
    „Ciao“
    Alex blieb an der Theke sitzen und schaute Juli zu. Sie war ziemlich nervös, immerhin saß ihr heimlicher Schwarm vor ihr. Dan wirbelte im Café rum und bediente die Leute. Lea saß an ihrem Tisch, um sie herum Stapel an Papier.
    Lea ging um 19 Uhr, 30 Minuten später ging dann Juli, gefolgt von Dan und Alex um 20 Uhr.
    Dan schloss das Café ab und erzählte Alex von Lea. Wie er sie kennen gelernt hat, das was er bisher von ihr erfahren hatte und beantwortete Alex’ Fragen über sie, soweit er sie beantworten konnte.
    Als sie nach Hause kamen, gingen sie in Dans Zimmer und er wendet sich an Alex.
    „Bruderherz, ich muss mal mit dir reden.“
    „Worum geht es?“
    „Nun ja, seit Vater tot ist kümmert sich Mutter nicht mehr um uns und ich muss so viel machen. Mich um dich kümmern, den Haushalt, Schule und dann auch noch genug Geld verdienen. Das ist einfach zu viel für mich allein. Ich würde dich ganz gerne bitten, dass du mir im Haushalt hilfst. Das wäre eine große Hilfe für mich!“
    „Na klar, mach ich doch gerne.“
    „Okay, danke, das war es auch schon was ich wollte. Ich hol mir noch schnell etwas zu trinken.“
    „Bring mir was mit!“
    „Okay.“
    Dan verließ das Zimmer, ging in die Küche, dort sah er Tamara. Sie war ganz blass im Gesicht und sah ziemlich krank aus. Dan sprach sie darauf an.
    „Hey Tamara, kann ich kurz mit dir reden?“
    „Was willst du denn?“
    „Du siehst ziemlich blass und kränklich auch, ich vermute mal, das sind die Drogen. Willst du nicht noch mal eine Entziehungskur machen? Aber brich sie bitte nicht wieder ab wie die drei Anderen. Ich bitte dich darum, weißt du nicht, dass du uns noch etwas bedeutest, doch eine Drogensüchtige Mutter will ich auch nicht.“
    „Dan, ich sag es dir in zwei Worten. VERPISS DICH! Ich kann alleine für mich sorgen und ich tue was ich will, kapiert? Hau ab und lass mich in Ruhe.“
    „Jaja, ich hoffe du verreckst an deinem Scheiß!“
    Dan ging in sein Zimmer, eigentlich wollte er noch etwas für die Schule vorbereiten, doch war er viel zu müde. Er legte sich gleich ins Bett und schlief ein.

    Am nächsten Morgen steht Dan total übermüdet auf, alle paar Sekunden muss er gähnen und kann kauf aus den Augen schauen. Er geht ins Badezimmer, nimmt eine Dusche, putzt sich die Zähne, danach geht er in die Küche, macht sich einen Kaffee, trinkt ihn heiß, doch auch das will nicht helfen. Er verlässt die Wohnung, bewegt sich in Richtung Schule. Dan will die Straße überqueren, doch da kommt ein Auto, es hupt, Dan jedoch hört es nicht einmal, er geht einfach weiter, das Auto kann nicht mehr bremsen, es trifft Dan, dieser fliegt über das Auto und landet auf der anderen Seite. Er hört noch die Schreie von Menschen, langsam wird alles schwarz um ihn herum.
    Mit Kopfschmerzen wacht Dan auf, er schaut sich in dem Raum um, es scheint ein Krankenhauszimmer zu sein. Ganz in Weiß und der Geruch von Desinfektionsmitteln liegt in der Luft. Erst jetzt bemerkt er, dass Juliette und Alex an seinem Bett stehen. Sie begrüßen ihn, nehmen ihn in den Arm und drücken ihn. Wenig später kommt der Arzt ins Zimmer.
    „Guten Tag Dan, wie geht es Ihnen?“
    „Ich habe ziemliche Kopfschmerzen und mein Bein tut auch ein wenig weh.“
    „Das ist verständlich, Sie wurden von einem Auto angefahren, dabei ist der Bruch des Beines erfolgt. Sie haben einige Schürfwunden im Gesicht von dem Aufschlag auf den Boden. Die Kopfschmerzen sollten bald weggehen, ich habe Ihnen schon eine Spritze gegeben. Das Bein ist nicht sehr kompliziert gebrochen, einmal gerade durch. Das sollte schnell wieder geheilt sein. Doch bis dahin bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als mit Krücken zu gehen.“
    „Na das geht ja noch. Ist zwar auch nicht so toll, aber es hätte mehr passieren können.“
    „Allerdings. Es tut mir leid, doch muss ich jetzt zu einem anderen Patienten. Ich werde später noch einmal vorbeikommen. Bis dann.“
    „Tschüss.“

    Alex brach die Stille, die entstanden war, nachdem der Arzt das Zimmer verlassen hatte.
    „Da hast du aber echt Glück gehabt. Weißt du wie das passiert ist?“, fragte Alex.
    „Ja, ich war total müde und bin schlaftrunken über die Straße gegangen, dann ist es geschehen. Aber mir geht es ganz gut, also mach dir nicht so viele Gedanken.“, meinte Dan lächelnd.
    Juli schaute die Beiden an und sagte dann ein wenig verlegen:“ Jungs, seid mir nicht böse, aber ich müsste noch mal weg.“
    „Ist doch kein Problem“, sagten die Brüder gleichzeitig und mussten lachen.
    „Na dann bis später, Alex wir sehen uns ja nachher.“
    „Ja, bis gleich.“
    Nachdem Juli den Raum verlassen hatte, fragte Dan seinen Bruder aus.
    „Du hast ein Date mit Juli? Ich dachte du magst Carina oder nicht?“
    „Doch, tu ich ja, aber ich glaube nicht wirklich, dass sie etwas von mir will und bei Juli ist das doch offensichtlich oder sehe ich das falsch? Sie sieht gut aus, ist so weit ich das beurteilen kann sehr nett und auch sonst einfach toll. Vielleicht ergibt sich ja etwas.“
    „Ja, du hast Recht, versuch es einfach. Du schaffst das schon. Übrigens, ich habe gestern noch mal mit Tamara gesprochen, in der Hoffnung, dass sie wieder eine Kur macht. Doch sie hat mich nur angeschrieen…“
    „Oh man, wie war das früher doch alles toll! Vater hat das Geld verdient und uns immer mal etwas mitgebracht, Mutter war einfach ein Engel, sie hat sich so lieb um uns gekümmert. Du warst immer mein großer Bruder und ich habe immer an dir gehangen und seit Vaters tot noch viel mehr. Es war einfach gut so wie es war.“
    „Ja, es war wirklich toll. Nach seinem tot musste ich so schnell erwachsen werden. Ich bin doch erst 17 und fühle mich ein bisschen überfordert. Wenn mich Tamara nicht immer so nerven würde, dann wäre es auch einfacher, sie schmeißt das Geld zum Fenster raus. Ich vermisse es, ich will so gerne wieder unbedarft leben.“
    „Ich weiß, das will ich auch. Doch wir können es nicht ändern, wir schaffen das zusammen!“
    „Ich hoffe es, ich hoffe es wirklich!“
    „Du Dan, ich habe gleich das Date mit Juli. Ich komme dann Morgen nach der Schule noch mal vorbei und dann erzähl ich dir wie es war okay?“
    „Okay, wir sehen uns. Ciao kleiner Bruder.“
    „Tschüss.“
    Alex verließ das Zimmer, er hatte sich mit Juli im Park verabredet. Wenige Minuten später kam er dort an. Von Juli war keine Spur zu sehen. Alex setzte sich auf eine Bank und pfiff ein Lied vor sich hin. Er dachte über seine Liebessituation nach. Er war sich nicht sicher, ob jetzt auf Juliette eingehen sollte oder nicht. Es war keine Frage, sie war toll, doch irgendwie fehlte etwas. Der letzte Punkt, der sagt, dass sie die richtige ist. Carina kannte er nicht sehr gut, doch hatte er sich sehr schnell in sie verliebt. Es lag zwar zum Teil am Aussehen, doch hatte sie etwas wie eine Aura. Die machte Carina zu etwas Besonderem für ihn. Er meinte aber, dass bestimmt mehrere diese Aura bemerken würden und dass Carina wahrscheinlich einen Freund hat.
    „Hey Alex!“, rief Juli und riss Alex aus den Gedanken.
    „Na du, wie geht’s?“
    „Ganz gut, ich habe mal eine Korb mit einigen Süßigkeiten und ein paar Getränke mitgebracht.“
    „Das ist sehr gut.“
    Die Beiden aßen und tranken, bis sie satt waren. Später unterhielten sie sich über alles Mögliche. Juli konnte dann nicht mehr abwarten und rückte dichter an Alex heran. Sie nahm seine Hand und legte ihre freie Hand um Alex. Dieser wehrte sich ein wenig.
    „Nein Juli, bitte nicht.“
    „Was hast du? Liegt es an mir?“
    „Nein, ich weiß auch nicht, irgendwie bin ich mir einfach nicht sicher.“
    „Hey, lass es uns einfach versuchen. Wenn es nicht klappt, dann klappt es nicht okay?
    „Och man, das ist echt unfair. Ich bin mir einfach überhaupt nicht sicher. Natürlich mag ich dich, du siehst gut aus, bist immer nett und auch sonst einfach toll, aber trotzdem weiß ich nicht genau was ich machen soll.“
    „Na komm schon, ich werde dich nicht fressen oder dergleichen. Lass mich einfach mal machen, wenn es dich stört kannst du immer noch nein sagen.
    „Ja, okay.“
    Sehr zufrieden und glücklich lächelte Juli in sich hinein. Wieder legte sie ihren Arm um Alex, mit der anderen Hand streichelte sie ihn ein wenig. Es schüttelte ihn, es gefiel Alex und doch war er unsicher. Er ließ es über sich gehen, freute sich, kam Juli ein bisschen entgegen und liebkoste sie ein wenig. Sie küsste ihn, erst verhalten auf die Wange, als von Alex eine positive Reaktion kam, küsste Juli ihn auf den Mund und das mit mehr Emotion. Als es langsam kalt wurde, schlug Juli vor, dass sie zu ihr in die Wohnung gehen. Alex stimmte zu, sein Verlangen war einfach zu groß.

    Dan lag in seinem weißen Zimmer und schaute ein wenig Fernsehen, als ein unerwarteter Besucher kam. Lea kam ganz verhalten rein, sie war ziemlich unsicher, ob sie denn jetzt reinkommen solle, da sie Dan erst seit kurzem kannte. Doch Dan freute sich über ihren Besuch und bat Lea sich neben ihn zu setzen.

    „Hallo Dan, ich habe es von Alex gehört, als ich im Café war und mit dir reden wollte. Er hatte es gerade Juliette erzählt und dann dachte ich mir, dass ich mal vorbeikomme. Ich hoffe es ist nicht schlimm.“
    „Oh nein, ganz und gar nicht. Es freut mich, dass du hier bist. Setz dich doch neben mich.“
    „Danke. Wie ist denn das passiert?“
    „Ich war heute Morgen total müde, bin über die Straße gegangen und dann kam das Auto, als ich es gesehen habe, flog ich schon über die Motorhaube.“
    „Das klingt ja furchtbar. Tut dir was weh?“
    „Naja, mein Bein und die Schulter, aber das ist nichts schlimmes, mein Bein ist bald wieder in Ordnung. Morgen kann ich auch schon wieder raus aus dem Krankenhaus!“
    „Das ist doch gut. Wenn du willst, kann ich dich ein wenig unterstützen. Also dir im Haushalt helfen oder so.“
    „Oh, das wäre klasse, wenn du das machen könntest.“

    Sie unterhielten sich noch ein wenig über Gott und die Welt.

    Juli und Alex waren gerade in Julis Wohnung angekommen. Sie wohnte nicht weit weg vom Splash, also war es auch nicht weit zum Park. Alex setzte sich auf das Sofa in den einzig großen Raum der Wohnung, nachdem Juliette ihn dazu aufgefordert hatte. Sie selbst ging in die Küche um etwas zu trinken zu holen. Nach wenigen Minuten kam sie mit zwei Gläsern und einer Flasche Rotwein zurück. Bei Leibe nicht das Lieblingsgetränk von Alex, doch trank er trotzdem ein Glas. Er schüttelte sich unmerklich, da ihm der saure Traubengeschmack überhaupt nicht gefiel. Er stellte sein Glas auf den niedrigen Tisch und als wäre das Julis Stichwort gewesen, rückte sie dichter an ihn heran. Sie strich langsam über seinen Arm, beugte sich noch dichter an Alex heran und küsste ihm die Wange. Er saß nur dort und genoss, er fühlte sich so wohl in seiner Haut, seine Zweifel waren verflogen. Wenn Carina etwas von ihm gewollt hätte, wäre sie schon längst auf ihn zugegangen oder nicht? Plötzlich kamen all seine Zweifel wieder, ihm wurde ganz heiß im Gesicht. Juli glitt mit ihrer Hand über das Shirt von Alex, sie nahm den Saum und zog das T-Shirt über Alex Kopf.
    Da er sich nicht mehr sicher war und um es nicht zu weit kommen zu lassen, musste er handeln.
    „Du Juli, ich weiß nicht ob wir oder besser gesagt, ich das tun sollte. Ich bin 15, du 16 und außerdem bin ich eigentlich in eine andere verliebt.“
    „Das mit dem Alter ist doch kein Grund. Wir verstehen uns doch gut oder nicht?“, meine Juli ein wenig gekränkt.
    „Ja klar verstehen wir uns gut, aber bei mir ist da halt nicht mehr. Verstehst du? Für mich bist du einfach eine gute Freundin. Würde ich dich jetzt weitermachen lassen, wäre das nur aus Verlangen und nicht aus Liebe. Es ist auch nicht aus dem Grund, dass du vielleicht scheiße aussiehst, das stimmt nämlich nicht. Schau doch mal in den Spiegel, würde es die andere nicht geben, würde ich bestimmt wie ein Hund vor deine Wohnung hocken und jaulen.“
    Juli musste unfreiwillig lachen: „Man Alex, das ist echt nett von dir. Dann würde ich sagen wir lösen das hier auf. Hast du denn keine guten Freunde, die so toll sind wie du?“
    „Lass mich nachdenken. Hm, ja da wäre Jim. Der war neulich auch mit im Splash. Soll ich euch mal bekannt machen?“
    „Könntest du machen!“
    „Okay, dann bringe ich ihn mal mit ins Splash und jetzt mach ich mich mal auf den Weg.“
    „Mach das. Wir sehen uns dann Morgen.“

    Schnell zog Alex sein T-Shirt an und ging aus der Wohnung. Er wollte noch schnell zu Dan ins Krankenhaus und noch mal mit ihm über seinen Vater sprechen. Vorher warf er noch einen Blick auf die Uhr. Es war nicht wirklich spät und geschlafen hatte Dan auch ziemlich lange, also würde er wohl noch wach sein. Mit eiligen Schritten lief er zum Krankenhaus.

    Lea war noch bei Dan.
    „Dan wie geht es deinem Bruder eigentlich seit dem Tod eures Vaters?“
    „Naja, so wie es jemandem geht, der ein Familienmitglied verliert. Er hat früher immer so ganz ohne Sorgen leben können. Hunger kannte er nicht, zu wenig Liebe auch nicht. So ging es auch mir, dann starb er und für uns alle ist eine Welt zusammengebrochen. Tamara war nicht immer so schlimm. Früher war sie eine tolle Frau, Alex und ich habe sie geliebt, immer konnten wir ihr zu ihr kommen und mit ihr reden.“
    „Woran ist er eigentlich gestorben?“
    „An einem Autounfall. Er wollte grade nach Hause kommen und da hat ihn dann einer gestreift, Vater wollte ausweichen, ist dann aber ins rutschen gekommen. Er ist von der Straße abgekommen, in den Graben rein und förmlich darüber geflogen in einen Baum rein.“
    „Oh, das klingt nicht toll. Wie ungerecht, ich wünschte mir oft, dass mein Vater tot wäre und du willst genau das Gegenteil. Das kann ich auch verstehen, aber es ist so seltsam, dass die Person, die so wichtig in deiner Familie war einfach stirbt und alle anderen aus ihrem Leben reißt.“
    „Ich weiß was du meinst und du hast Recht. Jedenfalls schlagen Alex und ich uns so durch, ich arbeite und versuche eine gute Ausbildung zu bekommen, damit ich später auch genug zum Leben habe. Alex ist immer noch ziemlich unbedarft und ich hoffe er kann noch so lange wie möglich ein Kind bleiben.“
    „Das hoffe ich auch. Ich musste durch meine Situation auch schnell erwachsen werden, aber irgendwie ist das nicht so schlimm. Ich bin es gerne und habe es mir selbst ausgesucht.“
    „Wenn ich dann mal endlich 18 bin, dann verlasse ich die Wohn…“
    Die Tür flog auf und Alex stand keuchend in der Tür.
    „Oh…wollte nicht stören.“, entschuldigte er sich schnaufend.
    „Tust du nicht, komm rein Bruderherz“, Dan lächelte ihm freundlich entgegen.
    „Ich sollte dann jetzt auch gehen oder?“, fragte Lea, doch hoffte sie, sie könne noch bleiben.
    „Nein, quatsch, du brauchst doch meinetwegen nicht gehen.“, meinte Alex nur.
    „Na gut, dann bleib ich hier.“
    „Wieso bist du denn schon wieder hier? War Juli bisschen stürmisch?“
    „Ja, das kann man so sagen, na ja, ich habe mich dann Entschieden, dass ich doch lieber mit Carina etwas unternehme und versuche mit ihr zusammenzukommen.“
    Lea lächelte in sich hinein.
    „Na das ist doch gut Alex.“, sagte Dan und musste lachen.
    „Och man, du bist doof!“
    „Ich weiß. So liebe Leute, tut mir leid, aber ich bin ziemlich müde, wenn man fliegt ist das anstrengend. Ich werde mal versuchen zu schlafen.“
    „Okay, schlaf gut großer Bruder!“
    „Gute Nacht Dan.“
    „Wünsche ich euch auch!“

    So verließen die beiden Dans Zimmer, sie hatten den gleichen Weg nach Hause und unterhielten sich ein wenig. Alex fand Lea ziemlich nett und sie schwärmte ziemlich von seinem Bruder. Alex hoffte Dan würde das erkennen und zur Not würde er auch nachhelfen, die beiden würden einfach gut zusammen passen.
    Als sie an der Wohnungstür von Alex ankamen verabschiedeten sie sich. Alex ging hinein, schloss die Tür und Lea ging die Treppe rauf. Er war so müde, dass er sich gleich ins Bett legte und sofort einschlief.

    Alex wachte ziemlich früh auf, es war erst 6.54Uhr und er hatte noch genug Zeit um zur Schule zu kommen. Da Dan bestimmt noch nicht wach war, würde es auch nicht lohnen ihn jetzt zu besuchen. Alex frühstückte, duschte lange und zog sich dann an. Wenig später verließ er die Wohnung um zur Schule zu gehen. Als er das Schulgrundstück erreichte, kam ihm Carina entgegen. Zuerst dachte er hinter ihm wäre eine Freundin von ihr, doch als sie seinen Namen rief, dachte er sich, dass sie wohl etwas von ihm wollte.
    „Hey Alex!“
    „Hallo Carina.“, sagte Alex ziemlich schüchtern.
    „Du, ich habe das mit deinem Bruder gehört, schlimmer Sache. Echt! Immerhin ist nichts richtig Schlimmes passiert. So ein Autounfall kann ziemlich schnell tödlich enden.“
    „Ja, stimmt schon. Ich bin natürlich auch froh, wenn ich jetzt noch meinen Bruder verloren hätte, dann hätte mich das ziemlich zum negativen geändert.“
    „Wie geht’s dir jetzt?“
    „Ganz gut, mein Bruder hat nicht viel abbekommen und das freut mich. Bei dir alles klar?“
    „Sicher, kann mich nicht beklagen! Ach und wenn du mal Hilfe brauchst, du kannst immer zu mir kommen, okay?“
    „Okay, danke für das Angebot.“
    „Kein Problem, ich glaube wir sollten jetzt aber in die Klasse gehen, sonst kommen wir zu spät.“
    „Hast Recht, dann mal los.“
    Glücklich ging Alex neben Carina, endlich konnte er mit ihr reden, alles hatte geklappt. Er war zwar ziemlich schüchtern gewesen, aber das war Carina wohl nicht so aufgefallen. Erst als sie das Klassenzimmer erreichten, hörten sie auf zu reden.

    Dan lag schon eine Weile einfach nur im Bett und starrte die Decke an. Als er auf dem Gang Stimmen hörte, schaute er auf den Wecker – es war kurz nach elf – und dann wieder zur Tür. Zu seiner Überraschung kam Lea herein und grinste ihm entgegen. Im Arm mehrere große Zeichenblöcke.
    „Hallo Dan, wie geht’s dir heute.“
    „Was machst du denn hier?“
    „Du klingst ja begeistert…“
    „Nein, nein, versteh mich nicht falsch, ich habe nur nicht mit dir gerechnet und war deshalb ziemlich überrascht. Und es geht mir gut!“
    „Das freut mich zu hören. Ich wollte mir mal deine Meinung einholen.“
    „Wofür das?“
    „Hier“, Lea legte behutsam die Zeichenblöcke auf Dan und öffnete einen, „deshalb!“
    „Oh wow, verdammt sehen die gut aus.“
    „Meinst du das ernst?“
    „Na klar! Ich finde die supergeil.“
    „Das freut mich! Ich würde so gerne als Comiczeichnerin arbeiten. Mir sprudeln so viele Ideen im Kopf, ich wusste gar nicht wohin damit. Da kam ich dann mal darauf es zu zeichnen, anscheinend gefällt es dir. Also werde ich wohl weitermachen und mich mal bewerben.“
    „Gute Idee, ich finde es echt toll, wenn ich nur so gut zeichnen könnte!“
    Die beiden schauten sich Stunde um Stunde Leas Zeichnungen an. Sie erzählte ihm von ihren Gedanken und wie die Geschichten verlaufen sollen. Dan war einfach nur begeistert. Als sie gerade über ein ziemlich komisch aussehendes Bild lachten, kam Alex ins Zimmer und begrüßte die beiden.
    „Na ihr Zwei.“
    „Hey Bruderherz, na wie war die Schule denn Heute?“
    „Total toll, du kennst das ja. Aber es gab auch etwas Gutes. Weißt du wer heute Morgen zu mir gekommen ist? Carina! Wir haben uns ziemlich lange unterhalten. Ach ja…“, Alex wurde ganz rot im Gesicht.
    „Na das klingt doch spitze! Leute, wollen wir gehen? Ich habe keine Lust mehr hier rumzuhocken.“
    „Okay, dann sag ich schnell dem Doktor bescheid.“, meinte Alex und lief los.
    Nach wenigen Minuten kam er mit dem Doktor wieder, diese untersuchte Dan noch kurz, gab ihm zwei Krücken und ließ die drei gehen. Sie machten sich auf den Weg nach Hause, da Dan auf Krücken gehen musste, dauerte es etwas länger, so konnten sie immerhin viel reden. Alex konnte Lea besser kennen lernen und sie ihn. Als sie ankamen, ging Alex vor und hielt seinem Bruder die Tür auf. Dan humpelte hinein und bekam einen großen Schrecken. Seine Mutter lag auf dem Boden, aus ihrem Mund lief weißer Schaum. Er handelte schnell.
    „Alex, Lea bleibt draußen!“
    „Was ist denn Dan?“
    „Alex hör auf deinen Bruder, er wird seinen Grund haben.“
    Dan rief die Polizei und einen Krankenwagen, wenige Minuten später kam sie dann. Der Polizist ließ sich die Handynummer von Dan geben und schickte dann alle drei fort. Sie überlegten sich ins Splash zu gehen um dort in Ruhe reden zu können.

    „Wahrscheinlich ist sie tot…“, erklärte Dan den anderen.
    „Oh man, das hätte ich echt nicht gedacht…dass sie es so weit treiben würde mit ihrer Sucht. Wo hatte sie all das Geld her für so viele Drogen?“
    „Alex ich weiß es nicht. Ich habe dem Polizisten meine Nummer gegeben, er wird mich wohl nachher anrufen.“
    „Ich glaub’ das nicht. Jetzt auch noch meine Mutter und vorher beinah mein Bruder. Bitte Dan pass auch dich auf. Das ist grade echt zu krass.“, Alex brach in Tränen aus. Dan nahm ihn in den Arm und tröstete ihn.
    „Hey Alex, alles wird gut. Ich passe schon auf dich und mich auf! Darauf kannst du dich verlassen. Wir beide schaffen das, zusammen und der Rest der Welt kann uns mal.“
    „Ach verdammt, warum muss das mir passieren? Ich will Papa und Mama wiederhaben. Damals war alles so toll, damals war alles in Ordnung und jetzt ist es zum kotzen. Ich will nicht mehr, das ist einfach unfair.“
    „Alex beruhig dich, das mag dir jetzt alles schlimm erscheinen, doch kannst du es nicht ändern und wenn du jetzt anfängst und meinst, dein Leben wäre sinnlos, dann können wir gleich von der Klippe springen. Verstehst du? Ich brauche dich und du mich auch. Auch wenn unsere Eltern tot sind müssen wir es schaffen. Du bist erst 15 und willst jetzt schon aufgeben? Das ist doch nicht dein Ernst oder doch?“
    „Nein…nein ist es nicht, aber es ist alles so komisch. Ich fühle mich so unreal, alles schwebt so komisch.“
    „So geht’s mir auch. So ging es mir auch als Vater starb, das ist normal, doch auch das vergeht. So traurig es auch ist, man fängt an sich daran zu gewöhnen und damit klarzukommen. Außerdem weißt du doch gar nicht ob sie tot ist.“
    „Naja, so wie du das vorhin gesagt hast klang das aber so.“
    „Lass uns erstmal den Anruf abwarten.“
    „Ja, okay.“
    „Und was macht ihr beiden jetzt?“, fragte Lea.
    „Was meinst du?“, fragte Dan verdutzt.
    „Na stellt euch mal vor, wenn sie wirklich tot ist. Was macht ihr dann? Also mit der Wohnung und mit euch? Ihr seid beide noch nicht 18.“
    „Ja aber ich bald und dann kann ich doch auf Alex aufpassen, das habe ich sowieso schon getan, auch als Tamara noch gelebt hat!“
    „Das stimmt! Er hat sich immer um mich gekümmert und das wird er auch weiterhin tun.“
    „Was wird aus der Wohnung?“
    „Ich weiß nicht, was meinst du Dan? Wir bleiben doch dort, oder nicht?“
    „Ich denke schon, sie ist preiswert, groß und wir sind ziemlich dicht an allem dran. Vielleicht klinge ich gerade herzlos, aber wir müssen einfach sehen, wie es weitergeht.“
    „Trotzdem würde mich das alles ziemlich an Mutter erinnern…“
    „Hey Jungs, wisst ihr was? Wie wäre es, wenn ihr dort renoviert? Dann könnt ihr dort bleiben und es sieht ganz anders aus!“, warf Lea ein.
    „Gute Idee, nur wird Dan nicht viel helfen können, aber das macht nichts. Ich frage einfach meine Kumpels, vielleicht auch Carina, mal schauen.“
    „Ich würde auch mithelfen, ist ja kein Thema. Aber sagt mal ihr zwei, würdet ihr noch jemanden aufnehmen? Mir ist meine Wohnung zu groß und zu teuer für eine Person.“
    „Na klar kannst du bei uns einziehen! Wir haben ja jetzt ein freies Zimmer.“, sagte Dan.
    „Dan was machen wir mit der Arbeit? Ich würde da auch mein Kumpels fragen, ob sie mir hier mithelfen. Wir könnten uns dann jeden Tag abwechseln.“
    „Okay, klingt gut, lasst uns mal zur Chefin gehen und das mit ihr besprechen.“
    Sie gingen zu Dans Chefin und erklärten ihr, wie sie Dan für die Tage ersetzten wollen. Sie war damit einverstanden, die drei setzten sich wieder. In dem Moment bekam Dan den Anruf vom Polizisten. Sie redeten nicht sehr lange, deshalb konnte Dan den anderen schnell berichten, was sich zugetragen hat.
    „Also, Tamara ist tot, da kann man nichts mehr machen. Sie hatte eine Überdosis Heroin im Blut. Die Polizei hat eine Brieftasche gefunden und heute wurde von genau diesem Mann die Tasche als gestohlen gemeldet. Dieser Herr ist ziemlich reich. Sie wird die Brieftasche geklaut haben und hat sich wohl davon die Drogen gekauft.“
    Wieder brach Alex in Tränen aus.
    „Also ist sie doch tot. Verdammt noch mal, warum nur?“
    „Mensch Alex, ich kann dich verstehen, aber hat sie dir nach Vaters tot noch viel geholfen? Sie saß doch nur zu Hause und hat uns terrorisiert.“
    „Du hast ja irgendwie Recht. Trotzdem war sie meine Mutter…und trotzdem habe ich sie noch geliebt. Erinnere dich doch mal an die Zeit vor Papas tot. Sie war so ein toller Mensch, sie hat uns doch immer unterstützt, wie kannst du nur so herzlos über sie reden?“
    „Tu ich doch gar nicht, für mich ist es nur schwierig sie noch als toller Mensch anzusehen, da sie mir ziemlich schlimme Worte an der Kopf geschmissen hat. Immer wieder hat sie mit Stöcke in den Weg geworfen, damit ich es schwerer hatte. Weißt du, wenn Vater nicht vor zwei Jahren bei dem Autounfall gestorben wäre, würden wir zu Hause sitzen und zusammen reden, aber das wird nie sein. Wir können es einfach nicht ändern. Egal wie schwer es ist, wir müssen unser Leben selbst in die Hand nehmen, verstehst du?“
    „Ja, ich versteh dich ja, aber ich will nicht. Meine Seele wehrt sich gerade dagegen weiterzumachen. Ich weiß nicht weiter…“
    „Vielleicht sollten wir schon mal anfangen die Zimmer zu streichen. Dann kommst du auf andere Gedanken okay?“
    „Okay…“

    Die drei trennten sich, Lea wollte nach Hause gehen und dort Geld zusammenkratzen, Alex ging seine Freunde holen und Dan humpelte zurück zur Wohnung, damit er so weit es ging aufräumen konnte.
    Dan warf Tamaras Eigentum auf einen Haufen, die Möbel konnte er alleine nicht bewegen und so ließ er sie stehen, nach einiger Zeit kam dann auch Alex mit Jim und Phil zurück. Sie zerstörten die Möbel und anderen Einrichtungsgegenstände, die Tamara gehörten und warfen sie hinaus. Es dauerte einige Stunden, doch dann war das Zimmer komplett leer. Nur noch die schmutzigen Tapeten erinnerten an die Person, die einmal hier gewohnt hatte. Die vier Jungs waren gerade in der Küche zugange als es an der Tür klingelte.
    „Ich geh ran.“, rief Dan und humpelte so schnell er konnte zur Tür. Ihm gegenüber standen fünf ältere Personen. Sie kamen Dan bekannt vor, doch konnte er sich nicht wirklich erinnern, woher er sie kannte.
    „Hallo junger Mann. Du musst Dan sein, stimmt doch oder?“, fing die Dame vorne an. „Du kennst uns bestimmt nicht mehr, ist schon lange her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Du musst 8 gewesen sein. Jetzt bist du ja schon richtig groß, aber was ist mit deinem Bein?“
    „Ähm, das habe ich mir bei einem Unfall gebrochen. Was macht ihr hier?“
    „Jetzt wo eure Mutter tot ist, muss doch jemand auf euch aufpassen.“
    „Ich kann alleine auf mich aufpassen und für mich sorgen und für Alex auch!“, rief Dan entrüstet.
    Seine laute Stimme hatte Alex angelockt.
    „Dan was ist los? Wer sind diese Personen?“
    „Oh, und du bist bestimmt Alex. Mensch, du bist aber groß geworden, genauso wie dein Bruder hier. Du bist vielleicht ein süßer Bursche.“
    „Mag sein, aber wer sind Sie?“
    „Deine Verwandten, wir sind gekommen um euch mitzunehmen und um für euch zu sorgen.“
    „Das braucht ihr nicht! Wir schaffen das alleine!“
    „Nun seid nicht so stur, ihr seid beide noch nicht erwachsen und deshalb müssen wir auf euch aufpassen.“, meldete sich der Herr, der weiter hinten stand.
    „Wir sagen euch doch, dass wir das alleine hinbekommen, in wenigen Monaten werde ich 18 und dann übernehme ich voll und ganz die Beaufsichtigung von Alex.“
    „Das mag vielleicht sein, dass du 18 wirst, aber Alex nicht und du bist nur sein Bruder. Er wird bei uns wohnen, bis er alt genug ist, dann kann er gerne ausziehen.“, fing die Alte wieder an.
    „Verdammt, hört ihr überhaupt zu? Dan passt auf mich auf! Ich will nicht zu euch, ich kenne euch doch gar nicht. Ich kann mich nicht mal erinnern, dass ich euch schon mal gesehen habe!“, schrie Alex aufgebracht.
    „Darüber reden wir bei der Beerdigung eurer Mutter, es bringt jetzt nichts. Wir sehen uns dann in drei Tagen. Auf Wiedersehen.“

    Die fünf Personen drehten sich um und gingen die Treppe hinunter. Dan war rot vor Zorn, sodass er die Tür laut scheppernd zuschlug. Alex’ Freunde kamen zu ihnen gelaufen und wollten aufgeklärt werden. Die beiden Brüder berichteten von dem Ereignis. Phil und Jim waren genauso aufgebracht wie Dan und Alex, auch sie wollten nicht, dass die Brüder getrennt werden. Als sie sich gegenseitig in Rage redeten klingelte es. Sie alle hoffen, dass es nicht schon wieder Verwandte waren, doch es war Lea. Sie hatte Farben und Pinsel mitgebracht. Eilig wurde der Farbstoff angerührt und schon ging es los. Eine wild Anstreichorgie begann, überall spritzen Farbkleckse durch die Gegend, die Freunde kamen nicht sehr weit. Sie rauften miteinander, sie malten sich gegenseitig an und nur wenig Farbe kam auf die Tapeten. Nach weniger als zwei Stunden hörten sie auf. Sie waren erschöpft, Jim und Phil mussten nach Hause und Alex war hundemüde. Alex’ Freunde verabschiedeten sich, verabredeten sich für den nächsten Tag und verließen danach die Wohnung. Alex selbst wünschte Lea und Dan eine gute Nacht, ging in sein Zimmer wo er auch sofort einschlief.
    Dan stand Lea gegenüber, sie waren alleine im Wohnzimmer. Sie wollte sich gerade verabschieden, doch er wollte nicht, dass sie ging.
    „Geh noch nicht!“
    „Wieso nicht? Hör mal, ich bin total müde, das war echt anstrengend heute!“
    „Ja, ich weiß, aber kannst du nicht hier bleiben? Bitte!“
    „Na klar kann ich das, aber wo soll ich schlafen? Hier auf dem Sofa?“
    „Nein, ich schlaf da, du kannst dich in mein Bett legen wenn du willst.“
    „Also ernsthaft, lass uns beide in dein Zimmer gehen. Wir sind immerhin erwachsen.“
    „Fast erwachsen.“, Dan grinste.
    „Von mir aus auch das, komm jetzt, such dir was aus, ich geh jetzt in dein Bett. Komm mit oder lass es bleiben. Ich schlaf hier gleich ein.“
    „Okay, ich folge dir.“
    Lea und Dan gingen in sein Zimmer, doch wie groß das Gefühl für einander auch geworden war, sie waren einfach zu müde. Nachdem sie sich aneinander gekuschelt hatten, erreichten sie auch schon das Land der Träume.

    „Dan, wach auf!“
    Er öffnete die Augen, mit trübem Blick schaue er sich um. Lea saß vor ihm und ihre Augen funkelten im dunklen Zimmer. Sie hatte das T-Shirt an welches Dan ihr am vorigen Abend gegeben hatte. Ihr Gesicht war zwar auch noch von der Nacht geprägt, doch sah sie sehr gut aus. Die Luft knisterte, Dan konnte nicht mehr an sich halten. Er hielt ihren Kopf und küsste sie sanft, auch Lea war erregt, sie erwiderte seine Küsse. Sie zog Dans T-Shirt aus und warf es in die Ecke. Dan tat es ihr gleich, unter dem Oberteil kamen Leas Brüste zum Vorschein. Sie liebkosten sich noch ein wenig und dann drang er in Lea ein. Erst ganz vorsichtig, später immer kräftiger. Der Geschlechtsverkehr verlief wild doch nachdem sie zum Höhepunkt gekommen waren, lagen sie erschöpft nebeneinander und hielten sich fest, in der Hoffnung, dass der Augenblick des Glücks nie enden würde.

    Alex saß gelangweilt auf seinem Stuhl, er kritzelte gerade mit seinem Stift auf der Tischplatte rum, als die Schulglocke klingelt. Das war ein gutes Zeichen, endlich Pause. Schnell ging Alex aus dem Klassenzimmer, er wollte sich am Automaten einen Schokoriegel holen. Hinter ihm rief Carina seinen Namen.
    „Alex! Hey Alex warte mal!“
    Er drehte sich um.
    „Hey Carina, wie geht’s?“
    „Ganz gut. Bei dir alles klar?“
    „Klar!“
    „Alex, lüg mich doch nicht an.“
    „Ich wollte dich damit nicht belästigen. Mir geht es nicht so besonders, immerhin ist meine Mutter gestorben.“
    „Das kann ich verstehen“, sagte sie sanft und legte ihre Hand auf Alex Schulter.
    „Naja, wird schon schief gehen. Irgendwelche Angehörige wollen mich jetzt mitnehmen, weil Dan noch nicht 18 ist, ich will aber nicht! Wir sind gerade dabei die Wohnung zu streichen und auch sonst ist alles in Ordnung. Wir bekommen das hin, aber die meinen, dass wir zu jung sind und so weiter. Nichts als leere Argumente, ich hoffe wir kriegen die bei der Beerdigung überredet.“
    „Das hoffe ich auch! Ich will dich nicht gehen lassen.“
    Alex schaute Carina überrascht an, dann klingelte die Schulglocke und sie mussten wieder in den Unterricht.
    „Das musst du mir näher erklären.“, sagte Alex.
    „Mach ich, aber jetzt ist wieder Stunde, lass uns nachher vor der Schule treffen, dann gehen wir in den Park und reden dort, okay?“
    „Geht klar, bis gleich!“

    Dan und Lea lagen immer noch nebeneinander, sie hatten eigentlich überhaupt keine Lust aufzustehen. Als dann Dans Magen knurrte sagte er:
    „Wir sollten mal etwas essen, findest du nicht?“
    „Stimmt.“
    Dan wollte aufstehen.
    „Bleib liegen, ich hol alles. Du kannst mit dem Bein doch nicht durch die Wohnung rennen. Ich bin gleich wieder da.“
    Lea verließ Dans Zimmer, er dachte an das Erlebnis von vorhin. Es war einfach atemberaubend gewesen. Lea war ein toller Mensch, sie war so verständnisvoll, liebevoll und sah auch noch gut aus. Eine klasse Frau.
    Nach einigen Minuten kam sie wieder, Lea hatte ein Tablett voller Leckereien mitgebracht.
    „So Dan, wir haben hier Brötchen, Wurst, Käse, Pfannkuchen und Eier. Bedien dich.“
    „Oh man, du verwöhnst mich.“, er musste lachen.
    „Mach ich doch gerne und für dich ganz besonders!“
    Sie aßen stillschweigend, ab und zu gab es einen Kuss oder ein Kompliment, den Rest der Zeit genossen sie einfach. Nachdem sie die Teller geleert hatten und Lea alles in die Küche gebracht hatte, redeten sie über die Wohnung.
    „Am besten wäre es, wenn wir erstmal alles weiß streichen und danach vielleicht noch farbig.“, meinte Dan.
    „Klingt gut, aber wir haben nur weiß und das ist bald alle. Woher nehmen wir die anderen Farben?“
    „Ich habe noch ein bisschen Geld, das dürfte erstmal reichen und wenn Alex dann einige Tage mit seinen Freunden im Splash gearbeitet hat, dann haben wir schon mehr.“
    „Hast Recht. Meinst du wir sollten schon mal weitermachen? Also malen nicht unbedingt, aber das Gerümpel wegräumen?“
    „Klar, ich helfe soviel ich kann.“
    Sie gingen in Tamaras Zimmer und Dan warf alle Gegenstände, die rumlagen auf einen Haufen und Lea brachte sie mit Körben in den Hof, wo ein großer Container stand. Damit verbrachten sie einige Stunden.

    Alex hatte schon ein paar Minuten früher Schluss und wartete auf Carina. Er schaute auf die Uhr, als er ihre Stimme hörte.
    „Wartest du schon lange?“
    „Nein, ich konnte früher gehen, der Lehrer hatte keine Lust mehr und hat das Klassenzimmer früher verlassen.“
    „Du Glückspilz. Na dann lass uns mal losgehen.“
    Ein wenig unsicher nahm Carina Alex Hand, er war ein bisschen überrascht, aber wehrte sich nicht. Nach einem kurzen Fußmarsch kamen sie im Park an. Es war wieder einmal herrliches Wetter, die Sonne schien und nur wenige Wolken waren zu sehen. Die beiden setzten sich auf das Gras.
    „Du wolltest mir erklären, was du vorhin meintest.“
    „Meinst du das mit dem gehen lassen?“
    „Jep.“
    „Na ist doch ganz einfach. Ich mag dich schön länger, habe mich aber nie getraut auf dich zuzugehen. Durch den unglücklichen Zufall mit deinem Bruder hatte ich die Chance dazu und habe all meinen Mut zusammengenommen. Dir ging es wohl auch so wie mir oder? Naja, sonst würden wir nicht hier sitzen.“
    „Stimmt schon. Ich fand dich schon immer total süß und toll, aber ich war einfach zu schüchtern. Also du meinst, dass du mich magst?“
    „Ja, genau das meine ich! Und jetzt komm her und küss mich.“
    „Na immer doch.“, sagte Alex lachend und die beiden pressten sich aneinander, sie küssten sich eine Ewigkeit oder waren es Sekunden? Plötzlich schoss der Gedanke in Alex’ Kopf.
    „Scheiße.“
    „Was ist? Hab ich etwas falsch gemacht?“
    „Nein, es geht nicht um dich! Ich habe ganz vergessen, dass ich noch Jim und Phil abholen muss, wir wollen die Wohnung streichen. Tut mir leid, aber das ist auch wichtig, darum müsste ich los. Scheiße, da passiert so was und ich muss weg…“
    „Weißt du was, ich komme einfach mit, vielleicht könnt ihr noch eine weitere Person gebrauchen.“
    „Oh echt? Das ist toll.“
    Alex und Carina standen auf, mit eiligen Schritten gingen sie zuerst zu Phil und danach zu Jim. Zu viert machten sie sich auf den Weg zur Wohnung. Nachdem Alex die Tür zur Wohnung aufgeschlossen hatte, sah er dort Dan und Lea eng umschlungen stehen. Sie küssten sich heiß und innig.
    „Oh, entschuldigt. Also wenn ihr so was macht, dann muss auch ein Schild an die Tür, wo draufsteht „Frei ab 18“, so geht’s ja nicht.“, stichelte Alex.
    „Sehr witzig. Wo wart ihr so lange?“, fragte Dan, der sich nicht von Lea lösen wollte.
    „Ähm, wir wurden aufgehalten.“, Alex warf einen Blick auf Carina und lächelte Dan entgegen.
    „Soso, aber kommt erstmal rein. Lea hat schon ein wenig weitergemacht, nur alleine kommt man nicht so weit.“
    „Hoffentlich schaffen wir heute mehr als gestern.“, meldete sich Phil.
    „Bestimmt, wir dürfen uns einfach nicht so viel gegenseitig anmalen und dann geht das schon.“
    „Dan ich glaube wir brauchen mehr Farbe.“, sagte Alex.
    „Ja genau, ich habe noch ein bisschen Geld zusammengekratzt. Vielleicht reicht das erstmal und für den Rest müsst ihr dann arbeiten gehen.“
    „Soll ich gehen und Farben kaufen?“, fragte Alex.
    „Ich komme mit, wenn das okay ist.“, meinte Carina.
    „Okay, macht euch schon mal auf den Weg. Wir brauchen hier die restliche Farbe auf.“
    „Bis gleich.“
    „Aber beeilt euch, nur Farbe kaufen, alles andere könnt ihr heute Abend machen.“, Dan lachte. Alex schaute nur verlegen zur Seite, ging dann mit Carina Hand in Hand die Tür hinaus. Auf dem Weg zum Baumarkt blieben sie immer wieder stehen und küssten sich. Alex genoss es sehr. Wie lange hatte er doch auf diesen Augenblick gewartet und wie sehr hatte er sich gewünscht mit Carina zusammen zu sein. Bei Dan schien auch alles in Ordnung, er war jetzt mit Lea zusammen, also hatten beide tolle Frauen an der Seite. Trotz Probleme lief es nun gut, obwohl sich Alex noch Gedanken machte, weil seine Verwandten ihn mitnehmen wollten. Das war jetzt das letzte was er wollte.
    Carina und Alex erreichten den Baumarkt, sie nahmen zwei große Töpfe mit Farbe, für mehr reichte es nicht und gingen wieder zurück zur Wohnung.
    Dort angekommen waren die Anderen schon viel weiter. Tamaras Zimmer war bis auf wenige Stellen komplett weiß. Doch hatten sie fast keine Farbe mehr, umso besser, dass das junge Paar mit der Farbe kam.
    „Wir sind wieder da und haben alles.“, rief Alex freudestrahlend.
    „Perfekt, dann können wir das Zimmer zu Ende streichen und danach schauen wir mal.“, meinte Dan.
    Sie begannen von neuem, nach einer Weile waren sie auch mit dem Zimmer fertig. Glücklich betrachteten sie das Ergebnis.
    „Irgendwie langweilig, findet ihr nicht?“, bemerkte Lea.
    „Ich stimme dir zu, vielleicht sollten wir es farbig machen, aber zuerst müssen wir noch die Küche streichen. Dort ist alles schon ziemlich fleckig.“
    „Okay, wir haben sowieso keine Farbe und Geld auch erstmal nicht.“, meinte Alex.
    „Dann lasst uns in der Küche weitermachen, damit wir heute fertig werden und bunt wird das Zimmer dann wenn wir wieder Geld haben. Also los.“
    In der Küche räumten sie erst einmal die losen Einrichtungsgegenstände weg und klebten alles was nicht angemalt werden sollte mit Folie ab. Da sie nun sehr viele waren und sich konzentrierten, schafften sie auch mehr. Als die Dunkelheit einsetzte, hatten sie es geschafft. Überglücklich setzten sie sich in Dans Zimmer. Jim und Phil mussten auch bald wieder gehen. Carina und Alex verschwanden in seinem Zimmer, Dan und Lea in Dans. Das jüngere Paar knutsche und kuschelte noch ein bisschen, doch bald musste Carina auch los, sie verabschiedete sich mit einem Kuss und ging nach Hause. Alex war müde und da sie Morgen früh aufstehen mussten, ging er zu Bett.
    Lea stand vor Dan, da er etwas größer war, musste sie zu ihm hochschauen. Sie lächelte und küsste ihn. Sie zog sein T-Shirt über den Kopf, öffnete die Hose, schubste ihn zärtlich aufs Bett, danach warf Lea ihre Klamotten in die Ecke und sprang zu Dan ins Bett. Ihre Körper verschmolzen ineinander, sie wurden eins. Begleitet von lustvollem Stöhnen erlebten sie erneut einen Höhepunkt. Glücklich und bis über beide Ohren verliebt lagen sie noch eine Weile nebeneinander. Sie spürten den warmen Körper des anderen, eine Welle des Glücks überkam Dan. Er gab Lea einen Nachtkuss und machte die Augen zu.

    „Dan, Lea, aufwachen! Wir müssen gleich zur Beerdigung.“, weckte sie Alex.
    „Wie spät ist es?“, fragte Lea müde.
    „10.43Uhr und um 12 ist die Beerdigung, wir müssen vorher noch zum Friedhof und einige Dinge besprechen.“
    „Okay, wir kommen gleich. Kommen Carina und die anderen beiden auch?“
    „Wenn sie dürfen, würden sie mitkommen.“
    „Klar können sie das.“, meinte Dan freundlich.
    „Jetzt beeilt euch, ich will nicht zu spät kommen.“
    Alex verließ das Zimmer, er rief seine Freunde an, dass sie dabei sein durften. Danach setzte er sich in sein Zimmer, hörte Musik und wartete auf seinen Bruder.
    Lachend kamen Dan und Lea aus ihrem Zimmer, sie hörten die Musik und gingen zu Alex. Sie redeten ein wenig, lauschten den Gitarren und lachten zusammen. Als es klingelte standen sie auf und gingen zur Tür, es waren die drei auf die sie gewartet hatten. Alle ganz in schwarz gekleidet setzen sich in Gang, Richtung Friedhof. Es waren nicht viele Leute anwesend, nur die fünf älteren Damen und Herren, die sie schon einige Tage zuvor gesehen hatten und noch einige unbekannte Gesichter. Als der Pastor kam, gingen sie zusammen in die kleine Kapelle. Der Pastor redete einige Worte über Tamara, über Dan und Alex und schloss mit einem Gebet. Es kamen vier Leute um den Sarg zum Grab zu tragen. Die Versammelten folgten den Trägern mit trauriger Miene. Sie erreichten das Grab wenig später, der Pastor warf eine Hand voll Erde auf den Sarg und wieder sprach er ein paar Worte. Danach wurde das Grab zugeschaufelt.
    Die Verwandten und die Brüder wollten sich noch einmal treffen um alles zu besprechen, so einigten sie sich, dass sie das Treffen in der Wohnung der beiden abhalten würden.
    Dort angekommen, machte Dan Kaffee, während Alex und die anderen Freunde Stühle in Dans Zimmer trugen. Sie setzten sich zusammen, nippten am Kaffee bis einer der Alten das Schweigen brach.
    „Also Jungs, wir haben uns gedacht, da ihr noch nicht alt genug seid, müsst ihr mit zu uns.“
    „Wir wollen aber nicht. Wir bekommen das alleine hin!“, sagte Dan.
    „Ja, das meint ihr, aber wir denken, dass der Tod eurer Mutter euch aus der Bahn geworfen hat und ihr auch noch nicht reif genug seid.“, meinte der Alte weiter.
    „Hören sie mein Herr, ich kenne die beiden schon ziemlich lange, ich sehe sie jeden Tag.“, fing Phil an. „Immer wieder bin ich erstaunt, wie sie es schaffen durchzuhalten. Ihr Vater war so wichtig für die Familie, als er starb ist das ganze Gerüst eingestürzt und sie alle haben dadurch schweren Schaden erlitten. Doch trotz der Sache kümmert sich Dan um Alex, er ist gut in der Schule und nebenbei verdient er Geld. Wenn Sie dann sagen, er wäre nicht reif genug, kann ich nur lachen.“
    „Da hat Phil Recht.“, unterstützte Lea ihn. „Diese beiden Brüder sollten nicht getrennt werden. Wie Sie vielleicht riechen können, haben wir die Zimmer angestrichen um die Umgebung ein wenig zu ändern, damit sie nicht an ihre Mutter erinnert werden. Beide haben eine Freundin, ich bin die von Dan und das junge Mädchen mit den schönen, langen Haaren…“, sie lächelte Carina an. „…ist die Freundin von Alex. Sie sind glücklich, sie haben sich durchgekämpft. Dan und Alex sind gegenseitige Stützen, sie brauchen sich. Jeder von den beiden ist die Lebenserhaltung des anderen. Wenn sie einander nicht mehr haben, was dann frage ich Sie.“
    Dan schaute dankbar zu Lea, er hoffte, dass ihre Argumentation die Verwandten überzeugt hatte.
    „Nun junge Dame, ich kann dich verstehen. Es klingt wirklich so als könnten die beiden auf sich aufpassen, doch was ist mit Geld? Dan, du wirst wahrscheinlich nur einen kleinen Job haben, da du noch zur Schule gehst, das wird wohl nicht viel einbringen oder?“
    „Nein, nicht wirklich.“, sagte Dan leise.
    „Hören sie“, wieder sprach Phil. „vielleicht können Sie Dan und Alex unterstützen. Eine bestimmte Summe in der Woche oder Monat überweisen, das würde schon sehr helfen. Und ist es nicht so viel einfacher? Würden die beiden jetzt mit zu Ihnen kommen, müssten sie auch alles bezahlen und dann noch Raum für sie zur Verfügung stellen. Das wäre alles unendlich kompliziert.“
    „Ähm wir könnten auch noch einen kleinen Vorsprung gebrauchen, da wir noch ein Zimmer farbig machen wollen. Das restliche Geld was wir hatten ist schon drauf gegangen.“, sagte Alex.
    „Gut, ihr habt uns überzeugt. Ich denke eine monatliche Summe ist in Ordnung. Und hier habt ihr schon mal etwas für Farbe und natürlich für andere Dinge wie Essen, ihr sollt ja nicht verhungern.“, die älter Dame steckte Dan einen Geldbündel entgegen.
    „Vielen Dank!“
    „Jungs, wenn ihr sonst noch Sorgen habt oder später mal Probleme, dann scheut euch nicht mich anzurufen. Ich würde mich dann darum kümmern, also so als Angebot.“, meinte einer der Männer.
    „Mensch, das ist echt toll von euch. Ich denke wir sollten jetzt noch mal zum Friedhof gehen. Es wird bald dunkel!“, sagte Alex.
    Sie standen auf und gingen plaudernd zum Grab. Die beiden Paare hielten ihre Hände und blieben immer wieder stehen um sich zu küssen, sie waren einfach nur glücklich.
    Die Menschentraube stand einige Zeit um das Grab herum, alle machten einen traurigen Eindruck. Als dann die Dunkelheit einsetzte, verabschiedeten sich die Freunde von ihren Verwandten. Am Friedhofstor trennten sich Phil, Jim und Carina von den Brüdern und Lea, sie mussten wie jeden Abend nach Hause. Schnaufend erreichten die drei ihre gemeinsame Wohnung, Alex schaffte es nicht einmal mehr seine Klamotten auszuziehen so müde war er. Lea und Dan schliefen auch ziemlich schnell ein.

    Dan wachte von Lea auf, er überlegte sich, Alex zu wecken, damit sie schon einmal die Farbe kaufen konnten. Er küsste Lea, stand auf und zog sich an. Dan ging in Alex Zimmer, dieser schlief noch, nach kurzem schütteln und rufen wachte er schließlich auf. Dan erklärte ihm was er vorhatte und die beiden verließen die Wohnung.
    „Du Alex, ich glaube wir haben es geschafft.“
    „Was meinst du?“, fragte Alex verdutzt.



    Re: Versuch 1

    blacky - 29.10.2005, 23:14


    „Naja, schau mal. Nach Vaters tot war es schwierig für uns alle, Tamara ist Drogenabhängig geworden und ist daran gestorben, aber wir leben noch. Natürlich gibt es viele Momente in denen wir trauern und wo wir denken, dass alles sinnlos und scheiße ist, doch wir haben uns immer wieder gegenseitig hochgezogen und leben. Weißt du was ich meine?“
    „Ja, du hast Recht. Wir haben uns nie unterkriegen lassen. Wir haben Freundinnen, bekommen jetzt Unterstützung von Verwandten, wir haben viele liebe Freunde und zusammen kriegen wir das schon hin.“
    „Es war ein langer Weg bis hierhin und er wird wohl noch viel länger werden, doch fürs erste haben wir die größten Probleme gemeistert. Wir haben es geschafft, das Ziel ist erreicht. Es macht wieder richtig Spaß, ich muss zwar rumhumpeln, aber mit so einem tollen Bruder und so einer tollen Frau wie Lea an der Seite, macht mir das gar nichts aus.“
    „Ich verstehe was du meinst und ich bin mit Carina zusammen, das habe ich mir so lange gewünscht und dann plötzlich klappt alles. Einfach toll.“
    „Komm Bruderherz, lass uns Arm in Arm der Sonne entgegen schreiten.“
    „Wollten wir nicht Farbe kaufen?“
    „Och Mensch Alex, jetzt machst du die Idylle kaputt.“
    „Na dann komm her.“
    Es war wieder ein warmer Tag, Alex hatte seinen Arm um seinen Bruder gelegt und glücklich gingen sie die Straße entlang. Die Strapazen hatten sich gelohnt, eine Zukunft war aufgebaut und die Brüder waren bereit ihren Weg zu gehen.



    Re: Versuch 1

    Anonymous - 31.10.2005, 10:51


    Malte du bist einfach ein Brüller :wink:
    Ich finds geil, mach weiter so!



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