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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: rasor5fox Forum: Stray dog's hut Forenbeschreibung: ...There will be Grace again in this Tristesse... aus dem Unterforum: Kurzgeschichten Antworten: 2 Forum gestartet am: Freitag 11.05.2007 Sprache: englisch Link zum Originaltopic: Bruce, eine Spinne mit dem Herzen eines Schmetterlings Letzte Antwort: vor 6 Jahren, 8 Monaten, 6 Tagen, 12 Stunden, 3 Minuten
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Re: Bruce, eine Spinne mit dem Herzen eines Schmetterlings
rasor5fox - 26.07.2011, 09:26Bruce, eine Spinne mit dem Herzen eines Schmetterlings
[b]Es war einmal in einem westeuropäischen Land, da lebte eine Spinne namens Bruce.
Bruce hatte es sich gemütlich in einer von der Witterung geschützten Ecke auf der Terrasse gemacht.
Ein wunderschönes, kunstvoll geflochtenes Netz war sein Zuhause.
Bruce legte sehr viel Wert auf die geschmackvolle Einrichtung, er hatte Sinn für Schönes und er war ein Genießer.
Das alte verlassene Fachwerkhaus stand auf einem grünen Hügel, umgeben von alten Eichen und Buchen.
Wenn Bruce dem Sonnenuntergang zuschaute oder wenn er sah, wie die ersten Sonnenstrahlen durch die Morgentau-Tröpfchen auf seinem feinem Spinnennetz strahlten, wurden seine Augen manchmal feucht.
Bruce war sehr sensibel. Denn er war eine Spinne mit dem Herzen eines Schmetterlings.
Eine sehr seltene Kreuzung in der bunten Tierwelt: seine Mutter - ein Zitronenfalter - war sehr unglücklich mit einer grässlichen Vogelspinne verheiratet, und Bruce war der Grund dafür.
Sein Leben lang sagten die Eltern zu ihm, dass er an diesem Elend schuld ist.
Wie ungerecht! Was kann eine kleine Spinne dafür, dass die Eltern sie gezeugt haben?
Von seinem Vater erbte Bruce sein Aussehen und seine Instinkte.
Von seiner Mama - sein gutes, feinfühliges Herz und viele Talente.
Bruce war begabt, er konnte sehr gut mit Worten umgehen und er war auch sehr musikalisch.
Bruce wünschte sich, nein, er sehnte sich danach, von allen bewundert und geliebt zu werden.
So wie die Schmetterlinge von allen geliebt werden: für ihre Leichtigkeit, ihr hübsches Aussehen, ihre zarten Charakterzüge.
Aber Bruce's zarte Seele war nun mal im Körper einer Spinne gefangen.
So blieb Bruce nichts anderes übrig als so zu leben, wie alle Spinnen es tun.
In seinem Netz verfingen sich regelmäßig Mücken und Motten.
Er saugte sie aus und entsorgte anschließend die Überreste.
Bruce hatte keine Schuldgefühle. So lebt eine Spinne halt. Das ist normal.
Dann und wann hatte sich die eine oder andere hübsche Falterin in sein Netz verirrt.
Wie schon gesagt, das Netz sah sehr gemütlich und einladend aus und war für viele Schmetterlinge nahezu unwiderstehlich, wenn sie sich nach einem Rastplatz umschauten.
Die Schmetterlinge tötete Bruce nicht, er fühlte sich mit ihnen verbunden.
Er wickelte sie mit seinen Fäden fest ein, sodass sie sich nicht mehr aus seinem Netz lösen konnten.
Klar, sie waren auch nichts anderes als Futter für ihn, aber er gab ihnen was dafür: er sorgte für sie, indem er ihnen Blumen mit bestem Nektar brachte, er schützte sie vom Gewitter...
Die Kleinfalter, die sich in seinem Netz verfangen hatten, spürten nicht, dass sie Gefangene waren. Jeder vermittelte Bruce das Gefühl seine wertvollste Freundin zu sein.
Mit der Zeit wurden es immer mehr in seinem Netz.
Bruce hatte sie alle lieb.
Er war von Schmetterlingen umgeben und fühlte sich wie einer von ihnen.
Nur fliegen konnte er nach wie vor nicht und das machte ihn sehr unglücklich.
Eines Tages flog ein seltener Schmetterling am Bruce's Netz vorbei und setzte sich auf eine Sommerfliederdolde in der Nähe.
Er war so wunderschön, so einen hatte Bruce noch nie gesehen.
"Ich muss sie haben!", - dachte Bruce, "sie ist so schön und strahlt Stärke aus. Vielleicht schafft sie es, mir das Fliegen beizubringen."
- Wie heißt Du, hübsches Wesen? - fragte Bruce zärtlich.
Der Schmetterling schaute sich verwirrt um, er konnte nicht glauben, dass diese sanfte Stimme aus einem Spinnennetz kommt.
- Laura, - antwortete der Schmetterling schließlich. - Du hast aber eine nette Stimme, sehr außergewöhnlich für eine Spinne.
- Ja, ich weiß, - sagte Bruce, - ich singe auch sehr gerne.
- Ist ja ein Ding! Ich auch! - lächelte Laura. -
Mmmhh, dieser Sommerfliedernektar schmeckt sooo köstlich! Ich ruhe mich nur einen Moment aus und dann geht’s weiter, zur Chorprobe von "Butterfly Inspiration".
Magst Du mitkommen?
Kurzentschlossen verließ Bruce sein Netz und folgte Laura, die dicht über dem Boden flog.
Unterwegs erzählten sich Laura und Bruce ihre Lebensgeschichten und sie kamen sich dabei schnell sehr nah.
Laura erzählte Bruce, dass sie in einer Beziehung mit einer Assel feststeckt, die zwar sehr zuverlässig und nett ist, aber immer mehr zu einer Belastung wird.
- Immerhin bin ich ein weibliches Wesen, weißt Du, - sagte Laura.
Ich möchte auch mal - wie sagen die Menschen dazu? - auf Händen getragen werden.
Aber meine Assel kann das nicht. Immer muss ich sie mitschleppen, sonst bewegt sie sich überhaupt nicht.
Bruce antwortete aufgeregt:
- ICH könnte dich tragen! Schau mich an, wie robust und stark ich bin!
Vertrau mir. Ich kann das.
Laura, der schöne Schmetterling, schaute Bruce eine Weile schweigend an und lächelte dann vielsagend.
Auf Anhieb fühlten sich die Beiden seelenverwandt.
Laura erkannte sofort, dass Bruce im Herzen ein Schmetterling ist.
Das hat sie so beeindruckt, dass sie sich in Bruce verliebte.
Bruce fühlte sich zum ersten Mal in seinem Leben verstanden und akzeptiert, so wie er ist.
Er gestand Laura seinen geheimen Wunsch, fliegen zu lernen.
Laura schaute ihn wieder eine Weile an und sagte dann ernst:
- Bruce, Du hast keine Flügel. Ohne Flügel kannst Du alleine nicht fliegen.
Bruce erwiderte ihren Blick traurig.
- Das weiß ich ja…
Laura machte eine Pause. Bruce sah so traurig aus, dass es ihr das Schmetterlingsherz zusammenzog.
- Wir könnten aber zusammen fliegen. - sagte sie entschlossen. - ICH könnte Dich tragen.
Du musst Dich bloß von Deinem Netz lösen.
Sonst funktioniert es nicht.
- Mache ich! - rief Bruce. Dieses Netz ist mir egal, diese vielen Motten brauche ich in Wirklichkeit nicht.
Ich will nur mit Dir zusammen sein.
- Na dann, - lächelte Laura, - wollen wir?
Sie umklammerten einander sanft, aber fest.
Mit leichten Flügelschlägen hob Laura Bruce ein paar Zentimeter über sein Netz.
Zunächst fühlte sich das für Beide wunderbar an.
Plötzlich bekam Bruce Angst.
"Was ist, wenn sie mich doch fallen lässt?", - dachte er.
"Dann bin ich verloren! Es kann nicht sein, dass sie mich wirklich liebt. Ich bin doch nur eine hässliche Spinne..."
Er ließ zur Sicherheit zwei-drei Fäden herunter, zu seinem Netz.
Die waren kaum sichtbar, aber fest und so konnte Laura sich nicht so frei bewegen wie sonst.
Erschöpft kehrte sie mit Bruce im Gepäck zu seinem Netz zurück.
- Irgendwie klappt es nicht, - sagte sie traurig.
Bist du sicher, dass du alle Fäden gelöst hast?
Bruce wollte Laura nicht verlieren, also log er und versicherte ihr, dass er ungebunden ist.
Er verkündete es sogar laut den Kleinfaltern in seinem Netz, dass er jetzt mit Laura zusammen ist und nicht mehr für sie sorgen kann, so dass Laura es mitanhören konnte.
Die Schmetterlinge waren empört. "Was wird jetzt aus uns? Du kannst uns doch nicht alleine lassen!"
Bruce war hin und her gerissen.
Er wollte mit Laura wegfliegen, aber er wollte auch seinen lieb gewonnenen Freundinnen nicht weh tun.
Außerdem empfand er tiefste Unsicherheit ohne sein Netz.
- Hör mal, Laura, - sagte er.
Ich fühle mich nicht wohl ohne mein Netz.
Lass mich doch in Verbindung mit meinen alten Freundinnen bleiben und trotzdem mit dir fliegen.
- Bruce, - antwortete Laura. - Wenn du meine Welt kennen lernen willst, MUSST du dich von deinem alten Netz lösen. Ich kann dich nicht in meine Welt voller Fröhlichkeit mitnehmen, wenn du in deinen alten Gewohnheiten fest hängst.
- Versuch es doch, - bittete Bruce. - Ein bisschen von deiner Welt hast du mir doch schon gezeigt und es war so wunderschön!
Laura liebte Bruce. Also versuchte sie es. Wieder und wieder.
Und jedes Mal kehrte sie, immer erschöpfter, zu Bruce's Netz zurück.
Mit der Zeit verblasste die Farbe ihrer Flügel, sie war nicht mehr so fröhlich wie früher.
Ihre eigenen Freunde waren erschrocken über diese Veränderung und rieten ihr, Bruce zu verlassen.
"Ich kann nicht, er braucht mich!" - antwortete Laura.
Sie merkte gar nicht, dass sie bereits in Bruce's Netz festsaß - fest eingewickelt wie all die anderen Falter.
Langsam verlor sie aber die Geduld. Immer öfter machte sie Bruce Vorwürfe, dass er seine Versprechen nicht einhielt.
"Du bist wohl doch kein Schmetterling!" - sagte sie eines Tages zu ihm. "Das Wollen allein reicht eben nicht. Wenn man fliegen möchte, muss man auch den Mut dazu haben!"
Lauras Worte trafen Bruce mitten ins Herz.
Bruce war sehr sensibel, er hatte sowieso immer an sich gezweifelt: "Wer bin ich? Mehr ein Schmetterling oder doch eher eine Spinne?"
Es war hart für ihn. Bruce konnte Lauras Wut nicht ertragen.
Und so sah er ein, dass die einzig mögliche Lösung war, Laura loszulassen.
Er löste Lauras Fesseln und sagte gefühlvoll:
"Ich will nicht, dass du leidest, Laura. Du bist mir zu wertvoll. Ich selbst will auch nicht leiden. Unsere Welten sind viel zu verschieden.
Ich kann nicht in deine Welt mitkommen.
Du bist jetzt frei, flieg wohin du willst. Alles Gute auf deinen Wegen."
Zunächst protestierte Laura.
Sie hatte sich so viel Mühe gegeben! Sie liebte Bruce immer noch und sie hatte Angst, dass er ohne sie innerlich zugrunde gehen wird.
Aber gleichzeitig spürte sie, dass sie sich selbst schützen muss. Sie war am Ende mit ihren Kräften.
Mit schwachen Flügelschlägen entfernte sie sich ein paar Meter von Bruce's Netz, versteckte sich unter einem Eichenblatt und konnte aus nächster Nähe beobachten, wie Bruce augenblicklich seinen alten Gewohnheiten nachging.
Da! Wieder ist eine Motte in sein Netz geflogen... Er vernaschte sie genüsslich, ohne Reue, dass er einem anderen Lebewesen weh tut.
Da wurde Laura, dem schönen Schmetterling, klar, dass diese Verbindung auch sie irgendwann getötet hätte.
Sie flog das letzte Mal über Bruce's Netz.
"Leb wohl, Bruce!" - rief sie. "Du warst die Liebe meines Lebens!
Danke, dass du mir mein Herz zurück gegeben hast!"
Bruce schaute zu ihr auf.
Er hatte es schon längst bereut, dass er sie frei gelassen hatte.
Sie war doch sein bester Fang gewesen und sie hatte ihm so gut getan...
Verzweifelt versuchte er, ihr nachzulaufen.
Aber Laura flog schneller, als er laufen konnte. Bald war sie aus seiner Sichtweite verschwunden...
So zog sich Bruce wieder zurück in sein Netz, noch trauriger, als zuvor.
Er versuchte, sein Leben weiter zu führen, so wie vor seiner Beziehung mit Laura.
Er schaute den Sonnenuntergängen zu, sang stimmungsvolle Lieder, trank Sommerfliedernektar und träumte davon, einmal ein richtiger Schmetterling zu werden.
Und Laura? Auch sie lernte etwas aus der Geschichte.
Sie wusste jetzt, dass weder eine Assel noch eine Spinne, auch eine mit dem Herzen eines Schmetterlings, zu ihr passte.
Sie erholte sich langsam von den Strapazen ihrer Beziehung mit Bruce und hoffte, bald einen passenden Partner zu finden.
Vielleicht einen Marienkäfer?..
[/b]
Re: Bruce, eine Spinne mit dem Herzen eines Schmetterlings
rasor5fox - 22.07.2016, 12:25
[b]thanks to Laura for this little parabel[/b]
[i]FoX[/i]
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