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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Syriana Forum: Eternal Humanity aus dem Unterforum: Therapie Allgemein Antworten: 1 Forum gestartet am: Sonntag 01.07.2007 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Klinik Letzte Antwort: vor 15 Jahren, 8 Monaten, 25 Tagen, 4 Stunden, 17 Minuten
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Re: Klinik
Syriana - 03.07.2007, 21:31Klinik
Klinik oder ambulante Therapie?
Eine stationäre Traumatherapie kann hilfreich sein, um z.B. Methoden zur Stabilisierung und besseren Alltagsbewältigung zu erlernen oder um in besonders schweren Phasen der Traumabearbeitung einen schützenden Rahmen zu haben. Die Verarbeitung der Gewalterfahrungen ist aber oft ein langfristiger Prozess, deshalb sollte ein stationärer Aufenthalt eingebettet sein in eine ambulante Psychotherapie. Manche Kliniken bieten eine Intervalltherapie an, in der sich ambulante und stationäre Therapiephasen abwechseln.
Die meisten Menschen versuchen am Anfang, professionelle Hilfe jeglicher Form so lange wie möglich hinauszuschieben. Neben der ganz normalen Scheu, sich mit "heißen" Themen auseinanderzusetzen, spielen hier vor allem Verdrängungs-Mechanismen eine Rolle, die letztlich eine indirekte Folge der Traumatisierung darstellen und von den Betroffenen selbst kaum wahrgenommen werden.
Hinzu kommen in manchen Fällen negative Vorerfahrungen mit Akut-Psychiatrien, wo die ÄrztInnen nicht selten von Traumatisierung nicht viel Ahnung haben und im günstigsten Fall außer Ruhigstellen durch Medikamente nichts wirklich Helfendes zu bieten haben, oder in manchen Fällen durch Fehldiagnosen wie Schizophrenie und Psychose-Zuweisungen Schaden anrichten und die Situation weiter erschweren. Dies kommt jedoch vor allem in Akut-Kliniken bzw. Akut-Psychiatrien vor, nicht hingegen in spezialisierten Trauma-Kliniken, die sich mit Traumatherapie auskennen und durchaus hilfreich sein können!
Daher ist es enorm wichtig, selbst darauf Einfluss zu nehmen, wo du landest. Leider lässt unser Krankenkassen-System in Krisen-Situationen keine Wahl, wo mensch landet. Für einen Platz in einer Trauma-Klinik musst du nicht nur Wartezeiten in Kauf nehmen, sondern meist auch Anträge schreiben und manchmal aufreibende Begutachtungs-Prozeduren über dich ergehen lassen.
Oft sind traumatisierte Menschen aber schon in einer schweren akuten Krise, wenn sich die Frage der Therapie-Art stellt. Vielen Menschen geht es in solchen Phasen sehr schlecht - oft drohen Einschränkungen des Lebens wie Verlust sozialer Beziehungen, Arbeits- oder Studienplatzverlust, drohende Isolierung. Positiv daran ist, dass eineN die Krise dazu zwingt, etwas für die Heilung zu unternehmen.
Auf der anderen Seite kann die Krise (insbesondere Suizid-Gedanken) aber auch bewirken, dass eine negative Dynamik in Gang kommen kann, vor allem wenn mensch mehr oder weniger "freiwillig" in eine Akut-Klinik verfrachtet wird. Das geht sogar so weit, dass mensch oft nicht einmal den Ort bestimmen kann, sondern einfach in die nächstgelegene Psychiatrie gesteckt wird (viele Krankenkassen lassen weiter entfernte Kliniken nicht zu), egal, ob die ÄrztInnen in der Klinik von Trauma Ahnung haben oder ob sie nur an Psychopharmaka glauben (selbst wenn man ausdrücklich auf die Traumatisierung hinweist).
Das Hauptproblem stellt also unser Gesundheitssystem und sein Umgang mit akuten Notfällen dar. Daher ist unser wichtigster Rat: lass es nicht auf eine Notfall-Einweisung in die nächst-beste Psychiatrie ankommen!
Bestimme selber, wohin du kommst, auch wenn das lange Wartezeiten und Anträge bedeutet! Warte auf keinen Fall, bis sich die Krise soweit verschlimmert hat, dass überhaupt nichts mehr geht, sondern versuche dich frühzeitig darum zu kümmern!
Der Vorteil bei einem Klinik-Aufenthalt besteht darin, dass du eine Aus-Zeit aus dem Alltag hast. Du musst dich um Dinge wie einkaufen, kochen, den Tagesablauf organisieren nicht kümmern – das wird für dich erledigt. Du kannst dich ganz auf dich und deine Heilung konzentrieren und in einer Klinik gibt es eine Vielzahl an therapeutischen Angeboten. Neben Einzel- und Gruppentherapie gibt es meist ein Angebot mit Körperübungen, Entspannungstechniken, kreativer Therapie und unterschiedlichen Sport- und Freizeitaktivitäten.
In manchen Kliniken gibt es gerade zum Thema Trauma eigene Frauen-Stationen, leider werde die seit ein paar Jahren immer weiter abgebaut. Erkundige dich vorher, ob es eine Frauen-Station und „frauenspezifische Therapieangebote“ gibt. (Das klingt zwar so, als bräuchten Frauen eine spezielle Therapie, beschreibt aber eigentlich nur eine Station auf der die TherapeutInnen auch mit dem Thema sexualisierte Gewalt umgehen können).
Eine weitere Schwierigkeit in Kliniken ist die Frage der freien Entscheidungen. Die freie TherapeutInnenwahl, die in der ambulanten Therapie so wichtig ist, gilt in der Klinik nicht. Meist wird dir eine Therapeutin / ein Therapeut zugeteilt. Falls du mit dieser Person nicht zurecht kommst, und du wechseln willst, ist das oft nicht möglich und wird dir sogar als „Widerstand“ ausgelegt. („Widerstand“ wird als negativ angesehen und zu einem deiner Probleme umgedeutet, das es zu bearbeiten gilt.)
In letzter Zeit wurde ein paar Mal gehört, dass Frauen den Klinikaufenthalt aus oben genannten Gründen abbrechen wollten, und ihnen dann von der Krankenkasse angedroht wurde, dass sie bei Abbruch den bisherigen Aufenthalt aus eigener Tasche bezahlen müssen. Es ist nicht klar, ob diese Drohungen rechtlich haltbar sind. Fragt auch FreundInnen, ob sie schon gute oder schlechte Erfahrungen gemacht haben. Oft gibt es Informationen über Kliniken auch in psychologischen Beratungsstellen.
Die Frage „Klinik oder ambulante Therapie“ lässt sich also nicht so einfach beantworten. Beide haben leider Wartezeiten, und beide haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Vielen Menschen hat ein Klinikaufenthalt sehr gut getan. Aber damit alleine ist es meist auch nicht getan – eine ambulante Fortsetzung der Traumatherapie ist fast immer der nächste notwendige Schritt. Manche Trauma-Kliniken nehmen sogar nur Menschen auf, die Nachweisen können, dass sie für die Zeit danach schon einen ambulanten Therapieplatz haben. Daher ist die Klinik-Frage keine Alternativ-Frage, sondern eher eine Frage der Reihenfolge. Wichtig hierfür ist aber, dass du dich rechtzeitig um einen Therapieplatz kümmerst, bevor die Krise so gross ist, dass andere Menschen dir die Entscheidungen abnehmen oder du in der Akut-Psychiatrie landest.
Phasen:
Phase 1: Stabilisierung
Information über die Auswirkungen von Traumata, Stärkung der eigenen Ressourcen, Erlernen von Imaginationsübungen (z.B. Bilder eines sicheren Ortes, guter innerer Helfer, eines sicheren Tresors zum „Wegpacken“ traumatischer Erinnerungen), Erlernen von Strategien im Umgang mit überflutenden Erinnerungen (Flashbacks) und
selbstschädigendem Verhalten, begleitende stärkende Maßnahmen (z.B.
Aromatherapie, Qi Gong, Kreativ- und Bewegungstherapie)
Phase 2: Traumabearbeitung
Schritt für Schritt unter gezieltem Einsatz von Dissoziationstechniken (z.B. Betrachten des traumatischen Erlebnisses auf einer „inneren Leinwand“), EMDR, und Begleitung durch die/den Therapeutin/en. Weiterhin Stabilisierungstechniken
Phase 3: Integration und Neuorientierung
Konkrete Traumabearbeitung ist erst sinnvoll, wenn ausreichende Stabilität im Alltag sowie ein Mindestmaß innerer und äußerer Sicherheit erreicht ist. In vielen Kliniken dient bei Intervalltherapie der erste Aufenthalt ausschließlich zur Stabilisierung.
Sie ist ein erheblicher Gewinn an Lebensqualität und kann bereits das Ziel einer Therapie sein. Bei multiplen Menschen beinhaltet diese Stabilisierungsphase optimalerweise auch die Verbesserung der inneren Kommunikation (inneres Team, innere Konferenzen, Tagebuch schreiben, Absprachen zur Alltagsgestaltung und zur Krisenbewältigung erarbeiten etc.). Traumatisierte PatientInnen, die darüber hinaus eine intensivere Auseinandersetzung mit den Gewalterfahrungen für sich anstreben, hilft die Stabilisierungsphase außerdem, ausreichend vorbereitet den Gewalterinnerungen in der Traumabearbeitungsphase gegenübertreten zu können, ohne erneute massive Retraumatisierung und/ oder Verlust der Alltagsfunktionsfähigkeit.
In der Stabilisierungsphase wird viel in Gruppentherapie gearbeitet. Die Traumabearbeitung sollte in Einzeltherapie durchgeführt werden.
Quelle: vielfalt-info.de/pageID_4542571.html
Syriana
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